Im Video zu ihrem Stück “Stress” zeigt das Elektronik-Duo Justice eine Bande marodierender Einwandererkids. Das extrem realistische Video wird kontrovers diskutiert.

VIDEO | Stress | 2008 - Regie: Romain Gavras

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Die Banlieu läuft Amok

TAZ - Oliver Pohlisch

MTV überlegt noch, wie spät der Sendeplatz sein muss, auf den es gesetzt werden kann. Die französischen Fernsehsender weigern sich ohnehin, es zu zeigen: Zu rassistisch. Seit das “Stress”-Video des Elektronikduos Justice Anfang Mai ins Netz gestellt wurde, sorgt es für Aufregung in Frankreich. Auf YouTube wurde es bisher 430.000 Mal angeklickt, auf DailyMotion sogar über 540.000 Mal. Im Netz wird heftig über Inhalt und Form des Clips diskutiert. 

Die Ästhetik des Videos ist pseudo-dokumentarisch. Die Bilder verlieren manchmal an Schärfe, die Kamera wackelt, schwenkt hektisch hin und her. Die rasante Montage der Szenen von Demütigung und Zerstörung passt zum Track von Justice – ein unruhiges, ausfaserndes Technostück, durchzogen von grell sägenden Geräuschfetzen und flirrenden Streichorchestersounds, die Anleihen bei der Filmmusik von Horror-Thrillern nehmen. 

Regisseur Romain Gavras ist einer, den solche Grenzziehungen nicht kümmern. Er hat Constantin Costas-Gavras zum Vater, den wohl berühmtesten Vertreter des politisch engagierten Kinos. Von der Wiege an mit dem Medium Film groß geworden, gründete er 1995 noch als Gymnasiast zusammen mit Kim Chapiron und Toumani Sangaré unter dem Namen Kourtrajmé ein lockeres Kollektiv, das mittlerweile gut 130 Filmschaffende und Musiker umfasst. Aus Begeisterung für die sich damals zur vollen Blüte entfaltenden HipHop-Szene Frankreichs und inspiriert durch Filme wie “La Haine” von Mathieu Kassovitz, drehten die Mitglieder von Kourtrajmé zunächst kurze, comichafte Dokufiktionen mit wilden Verfolgungsjagden, viel Blut und provokanter Sprache. Oft ist die Banlieue, Heimat von nicht wenigen der Koutrajmé-Mitglieder, Schauplatz des Geschehens. Graffiti und Breakdance spielen darin eine Rolle und Rap ist der Soundtrack.

Trotz Low-Budget-Produktion und fehlendem Vertrieb machte sich Kourtrajmé mit seinem erfrischenden Trash schnell einen Namen, nicht zuletzt auch, weil das Kollektiv durch Mathieu Kassovitz und andere bekannte Größen des französischen Kinos wie Vincent Cassel Unterstützung bekamen. So bezeichnete Regisseur Chris Marker Kourtrajmé als Vertreter einer neuen Nouvelle Vague. 

Die konsequent subjektive Kameraführung bringt das “Stress”-Video logischerweise selbst in das Dilemma, das Stereotyp des delinquenten jugendlichen Migranten zu reproduzieren, um überhaupt Aufmerksamkeit für die mediale Missrepräsentation der Banlieue herzustellen. Da seine Macher sich nicht erklären, riskieren sie aber, dass die Diskussion über ihr Video an der Gewaltdebatte hängenbleibt. 

TAZ - Artikel lesen

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Das Video von Romain Gavras wird gern mit dem düster satirischen und sozialkritischen Roman von Anthony Burgess “Clockwork Orange” in Verbindung gebracht. Der Roman aus dem Jahr 1962 wurde von Stanley Kubrick eindrucksvoll verfilmt.

Beethoven, Shelley, Hooligan

NZZ - Manfred Schneider

Sein Roman dementiert auf konsequente Weise den humanistischen Traum, die Menschen durch Kultur zu höheren Wesen zu machen. Seine Botschaft lautet: Die anthropoide Substanz ist abscheulich; weder Konditionierung noch Gewalt noch Kunst noch Masken können daran etwas ändern.

NZZ - Artikel lesen  Hooligan und Spießer

| BUCH - A Clockwork Orange
| DVD - Uhrwerk Orange

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Interessant in diesem Zusammenhang auch Chris Cunningham´s
Video “Come To Daddy”

| DVD | The Work Of Director Chris Cunningham
| Enthält ein 52-seitiges Buch mit Fotos, Storyboards uvm.

| VIDEO | Chris Cunningham: Come To Daddy | AUDIO: Aphex Twin (UK)

Gemeinsam mit Aphex Twin erhielt Chris Cunningham 1999 den Prix Ars Electronica. In 2004 wurden die Arbeiten von Cunningham erstmals in Deutschland mit der Einzelausstellung „Chris Cunningham. Come To Daddy“ in der Kestnergesellschaft Hannover gezeigt.

 


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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

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