Bad Painting – Good Art | MUMOK Wien

Mittwoch, Juli 9, 2008
By Peter Panter

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KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT MUMOK Wien

Bis zum 12. Oktober 2008 zeigt das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien die Ausstellung „Bad Painting“. Interessante Maler des 20. Jahrhunderts wie Francis Picabia, René Magritte, Asger Jorn, Philip Guston, Neil Jenney, Georg Baselitz, Albert Oehlen, Martin Kippenberger oder Julian Schnabel griffen mit unterschiedlichen Strategien eines unkorrekten, schlechten, hässlichen oder bösen Malens ihr Medium radikal an, um ihm damit neue Möglichkeiten zu bieten.

Anhand markanter Werke von 20 Künstlern präsentiert die Ausstellung „Bad Painting“ ein Phänomen, das eine neue, differenzierte Sichtweise auf die Geschichte der Malerei seit der Moderne eröffnet und für den gegenwärtigen Diskurs mitbestimmend wirkt.

Malerei als Proteststrategie
Bad Painters bekennen sich eindeutig zur Malerei. Sie fordern dem Medium kritisches Potential ab, indem sie sich gegen bestehende Kanons der Traditionalisten ebenso wenden, wie sie dogmatische Konzepte und Vorschriften in den Avantgarden angreifen. Somit ist Bad Painting nicht zuletzt eine Kritik an den Utopien der Moderne, deren uneinlösbare Ansprüche und Versprechungen es aufdecken will. Als Gegenbewegung bestimmt die Strategie des Bad Painting bei keinem der Künstler das gesamte Schaffen, sondern kommt jeweils nur in bestimmten Phasen zum Einsatz.

Gegen die Dogmen der Klassischen Moderne
Schon in den 1920er Jahren propagierte Francis Picabia Stilpluralismus und Stilbruch als Alternativen zum linearen Innovations- und Fortschrittsglauben der Avantgarden. Er wird seit den 1980er Jahren als Vaterfigur des Bad Painting gefeiert. Aus Protest gegen den Dogmatismus seiner Surrealistenkollegen brach auch René Magritte aus seinem Signature Style aus — wenngleich nur für eine kurze Zeit. In den Bildern seiner „période vache“ (1948) wird das formale wie inhaltliche Repertoire der Malerei der Moderne in parodistischer Weise „durchgespielt“. Ende der Fünfzigerjahre findet Asger Jorn in seinen „Modifications“ — Übermalungen auf Trödelmärkten gekaufter Bilder —zu einer positiven Einschätzung des Kitsch, den er als „Bad Painting“ bezeichnet. „Personally I like bad better than good.“

Malen gegen die Ächtung der Malerei
Ideologische Kämpfe zwischen Abstraktion und Figuration, ebenso wie die Ächtung der Malerei durch die Avantgarden zwangen die „Bad Painters“ in den 1960er und 1970er Jahren zu klaren Positionierungen: Georg Baselitz will „mit Mist, Schlamm und Unfarben […] wirklich schlechte Bilder malen“, um „mit Aggression und mit heftigem Widerspruch“ etwas „gegen die schönen Dinge zu setzen.“ Sigmar Polke formuliert seine Kritik an der ideologischen Befrachtung des Vokabulars der Moderne in Form von Malerei und setzt sich auch mit dem Phänomen des Kitsch auseinander.

In Amerika wendet sich Philip Guston Ende der 1960er Jahre vom abstrakten Expressionismus zugunsten idiosynkratischer Bilder ab. Heute sind diese Bilder, mit denen er bis zu seinem Tod auf größtes Unverständnis stieß, wesentliche Positionen des Bad Painting. Um 1969/70 produziert Neil Jenney eine von ihm selbst als „Bad“ oder „Unconcerned Paintings“ benannte Serie, die er jedoch wieder beendete. Ihm wurde bewusst, dass selbst wenn er „die schlechtest möglichen Bilder produzierte, diese nicht gut genug wären“.

Bad Painting im Malerei-Hype der 1980er Jahre
Dem dekonstruktiven Ansatz der Postmoderne entsprechend erlebte Bad Painting in den 1980er Jahren eine Hoch-Zeit. Künstler wie Albert Oehlen, Martin Kippenberger oder Werner Büttner betrieben eine radikale Befragung des Mediums und seiner Wirkunsmöglichkeiten. Mit ihrer schonungslos alles und jedes in Frage stellenden Herangehensweise zogen sie dabei nicht zuletzt gegen die oft nur als allzu einfache „gute Malerei“ zu Felde, die damals allerorts boomte. Auch die Weigerung des Amerikaners Julian Schnabel, sich auf einen Stil festzulegen, entspringt dem Geist der Ablehnung jeglicher Regeln und Verbindlichkeiten.

Die Ausstellung führt bis zu aktuellen Positionen des Bad Painting, darunter jenen von John Currin und Lisa Yuskavage. Diese greifen den amerikanischen Wertekanon von Anstand, Korrektheit, “gutem Geschmack” und Schönheit in einer Weise an, die als schockierend, sensationalistisch, “politically incorrect” und “reaktionär” beschimpft wird. Unter anderem arbeiten sie dabei mit dem Rückgriff auf die von den Avantgarden verpönten Malweisen der alten Meister, um das Medium zu kritisieren und ihm neue Impulse zu verschaffen.

Ausgestellte Künstler:

Georg Baselitz, Werner Büttner, André Butzer, John Currin, Giorgio De Chirico, Pinot Gallizio, Philip Guston, Neil Jenney, Asger Jorn, Martin Kippenberger, René Magritte, Albert Oehlen, Francis Picabia, Sigmar Polke, Heimrad Prem, Peter Saul, Julian Schnabel, Helmut Sturm, Lisa Yuskavage, HP Zimmer.

Bad Painting – Good Art
| Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
| Kuratorinnen: Eva Badura-Triska, Susanne Neuburger
| bis 12. Oktober 2008

Bilderstrecke
| KURIER, Österreich

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Schlechte Kunst ist gute Kunst?

3sat Kulturzeit – Claudia Teissig

“Pfeifen Sie auf Kuratoren und Kritiker-Gequassel und emanzipieren Sie sich!”

“Trottel, Schnellficker, Affenarsch, Arschkriecher, Speichellecker”

steht auf dem “Schimpftuch” von Sigmar Polke. Was ist los mit dem sonst so wortkargen Künstler? Lässt er einfach dem “Tourette-Syndrom” auf der Leinwand freien Lauf? Fern von jeglicher “political correctness”? Und das alles auch noch in Anwesenheit der österreichischen Kunstministerin. In dieser Ausstellung, die Claudia Schmied eröffnet hat, ist eben alles anders. Hier hat das Arge, das Üble, das Böse, das Kranke, das Niedere, das Schlimme, das Schlechte, das Verdorbene und das Zweifelhafte Einzug gehalten. “Bad Paintings – good art” von 20 bösen Künstler-Buben und immerhin einem schlimmen Mädchen. 

Trotz berühmter Namen wie Magritte, Picabia und anderen ist “Bad Painting” kein Blockbuster im “Schröderschen” Sinne, sondern eine Schau mit wissenschaftlichem Anspruch. Publikumswirksam ist sie zugleich auch noch.

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Was aber bitte ist nun “Bad Painting”? Einfach schlecht gemalte Bilder – und die sollen wir uns auch noch ansehen? Der Begriff geistert seit den späten 1970er Jahren durch die Kunstdiskussion. Frei nach dem Motto “Die Malerei ist tot, es lebe die Malerei!” üben die Künstler rotzfrech und schonungslos Kritik an Traditionalisten wie Avantgardisten, richten sich gegen erstarrte Regeln und ironisieren die utopischen Ansprüche der Moderne. Die Absicht ist einzig und allein, dem alten Medium immer wieder neue Impulse zu verschaffen.

Kuratorin Eva Badura-Triska erklärt: “Es gibt seit den 1920er Jahren bis heute immer wieder Maler, die ausbrechen, indem sie einfach den Gedanken verweigern, überhaupt an die Möglichkeit eines guten, eines richtigen, eines korrekten Bildes zu glauben. Sie kritisieren die Malerei mit ihren eigenen Mitteln, indem sie sie eben mit unkorrekten, bösen und verschiedenen ‘unkorrekten’ Malweisen angreifen.”

3sat – Artikel lesen

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bad-painting-good-art-wien-2008-katalog | kaufen bei amazonPUBLIKATION
zur Ausstellung in Wien

Bad Painting. Good Art

Susanne Neuburger,
Eva Badura-Triska (Hg.)

| 256 Seiten
| mit 129 farbigen
| und 13 s/w Abbildungen,
| deutsch/englisch
| H 28 x B 22 cm,
| broschiert

| kaufen bei amazon

Diese Publikation setzt sich mit dem Phänomen des bewusst »schlechten« Malens auseinander, das sich in der Geschichte der Malerei des 20. Jahrhunderts immer wieder findet. Anerkannte Maler wie Francis Picabia, René Magritte, Asger Jorn, Philip Guston, Georg Baselitz, Sigmar Polke oder Julian Schnabel wandten »Bad Painting« an, um die Malerei herauszufordern, ihr Werk zu durchbrechen oder zu ironisieren und dem Medium letztendlich zu neuer Lebenskraft zu verhelfen.

 Ohne programmatische Festlegung ist »Bad Painting« als Strategie eines schlechten, hässlichen, bösen – oder im Sinne des amerikanischen »bad« auch wieder obszönen – Malens zu verstehen. Eine Strategie, die die Malerei mit ihren ureigensten Mitteln kritisiert und meist in bestimmten künstlerischen Phasen eingesetzt wird, um dem Medium neue Möglichkeiten zu eröffnen.

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Visuell frisch, klassisch modern

K2 – Kultur Highlights in Wien und Niederösterreich

In den Bildern von Lisa Yuskavage räkeln sich gesichtslose Blondinen mit schweren Brüsten und prallen Hinterteilen, da masturbieren Schwangere, da werden herzhaft Beine gespreizt und Zitate barocker Bildhauer mit dem bonbonfarbenen Universum der Rokokomaler gemixt.Die Arbeiten der 45-jährigen Amerikanerin tragen auch Titel, die nach Aufmerksamkeit schreien: Sie heissen ?Tittenhimmel„ (Tit Heaven, 1992), ?Kleiner Wichser„ (Wee Motherfucker, 1996) oder ?Brut„ (Brood, 2006).

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Was ist denn DAS nun? Ist das eine Zumutung, peinliche Geschmacklosigkeit, Kitsch, ein Zeitgeistphänomen? Oder bloß Bad Painting? Im jenem Sinne, wie  es die Ausstellung im Museum moderner Kunst versteht: Also vielschichtig zwischen “böser”, absichtlich “schlechter” oder “hässlicher” Malerei ebenso wie, ganz im amerikanischen Sinne “geiler” Malerei.
 
In jedem Falle ist es ironische Kunst, die sich zynisch selbst zu verspotten scheint. Wenn einer weiß, was Kitsch ist, dann bin ich es”, kommentiert Lisa Yuskavage etwa ihre Arbeiten selbstbewusst wie augenzwinkernˆ und schließt damit nahtlos an kunsthistorische Fixpunkte an wie etwa die Aussage von Asger Jorn, der schon in den 50er Jahren zu einer positiven Einschätzung des Kitsch fand, den er als Bad painting bezeichnete. Nicht ohne anzufügen: Personally I like bad better than good„ …

K2 – Artikel lesen

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Bad Painting – Good Art
| Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
| Kuratorinnen: Eva Badura-Triska, Susanne Neuburger
| bis 12. Oktober 2008

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