jarman-blue.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer - PT Kunsthalle Wien / Zürich |

Die Ausstellung Derek Jarman. Brutal Beauty, kuratiert vom Künstler und Filmemacher Isaac Julien, stellt in Wien bis zum 5. Oktober und in Zürich vom 30. August – 2. November 2008 Jarmans bekannter experimenteller Arbeit “Blue” und seinen “Super-8-Filmen” Gemälde und Assemblagen gegenüber, die teils noch nie gezeigt wurden. Die Schau bietet eine zeitgemäße Neubewertung von Jarmans Werk und Vermächtnis und verortet den Künstler als Grenzgänger zwischen Film und bildender Kunst.

Den Auftakt zur Ausstellung bildet Derek, der 2008 entstandene Dokumentarfilm von Isaac Julien über Leben, Kunst und nahendes Sterben von Derek Jarman. Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet Jarmans außergewöhnlicher monochromer Film Blue, der 1993, ein Jahr vor seinem Tod, entstanden ist. Ein bewegendes und aufschlussreiches Porträt des Künstlers zu einer Zeit, in der er kurz vor dem Erblinden stand. Das Bild von Jarmans letztem Film bleibt 74 Minuten lang unverändert und ist als Hommage an den französischen Maler Yves Klein zu lesen, dessen Blau für Jarman Gelassenheit und Versunkenheit symbolisierte. Die Tonspur zum Film bildet ein poetischer von Jarman geschriebener und gesprochener Text, worin er seine Erfahrungen mit AIDS künstlerisch verarbeitet und wiedergibt.

______________________________________________________________

BLUE | Digi-Book | DVD Sonderausgabe mit 80seitigem Booklet.

Regie: Derek Jarman
Sprecher im englischen Original:
John Quentin, Tilda Swinton, Nigel Terry, Derek Jarman
Sprecher in der deutschen Fassung:
Ulrich Matthes, Sylvester Groth, Wolfgang Condrus, Eva Mattes

Extras: Kurzfilm UNDEFEATED LOVE von Derek Jarman, 80seitiges Booklet mit Filmographie, einem Essay von Tilda Swinton, dem Filmscript in deutsch & englisch   Jahr: 1993   FSK: 12   Land: Großbritannien   Sprache: deusche Fassung & englische Originalfassung   Länge: 74 min   Sound: Dolbly Digital Stereo  

| kaufen bei amazon

______________________________________________________________

Zwischen diesen beiden zentralen Arbeiten präsentiert Isaac Julien eine Auswahl der selten gezeigten Filme aus dem Super-8-Archiv des künstlerischen Nachlasses von Jarman. Als Künstler, der an der Slade School of Art in London studierte, begann Jarman bereits in den frühen 1970er-Jahren mit Super-8-Film zu arbeiten und experimentierte bis zu Beginn der Achtziger mit diesem Medium. 1986 kam er mit seinem Spielfilm Caravaggio in die engere Auswahl für den Turner-Preis. Jarman, der sich selbst zeitlebens primär als Maler begriffen hat, realisiert auch im Film in der Art wie er mit Licht, Farbe, Komposition, Abstrahierung, Verfremdung und Inszenierung umgeht seinen malerischen Anspruch.

Neben den Filmen präsentiert die Ausstellung einige von Jarmans zahlreichen installativen Arbeiten und Malereien. Die späten Teergemälde erinnern an Arbeiten von Künstlern wie Joseph Cornell, Robert Rauschenberg und John Latham und ihren Einsatz von Montage und Collage. Diesen Gemälden wird eine Reihe von fotografischen Leuchtkasten-Arbeiten von Isaac Julien gegenübergestellt, die Jarmans berühmtes Haus, Prospect Cottage, und seinen Garten in Dungeness in Kent dokumentieren, wo er ab 1987 lebte.

Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Wien
| Kuratorin Kunsthalle Wien: Angela Stief
| bis 5. Oktober 2008

Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Zürich
| Kuratorin Kunsthalle Zürich: Beatrix Ruf
| 30. August – 2. November 2008

______________________________________________________________

Die Jarman-Schau ist eine Ausstellung der Serpentine Gallery, London (23. Februar - 13. April 2008), in Kooperation mit der Kunsthalle Wien und der Kunsthalle Zürich. Sie wurde konzipiert und kuratiert von dem Künstler und Filmemacher Isaac Julien.

VIDEO-Feature
| von Shehani Fernando / Andrew Pulver | The Guardian UK, 26.2.2008

Derek Jarman tackled punk Britain, gay Britain and Thatcher’s Britain. His work is being celebrated with a retrospective at the Serpentine Gallery, a Channel 4 documentary and a season of films.

 

Derek Michael Jarman

Der Künstler und Filmemacher Derek Jarman (1942 1994) war wohl der herausragendste Vertreter des britischen Independent Cinema der 1970er bis 1990er Jahre. Sein Leben verlief geradezu exemplarisch für diese Epoche, die er sehr genau beobachtete und an der er politisch aktiv teilnahm. In Jarmans genreübergreifendem, stark autobiographisch gefärbtem Werk überschneiden sich Film, Malerei, Bühnenbild und Schreiben.

| mehr Infos auf wikipedia

______________________________________________________________

jarman-brutal-beauty | katalog kaufen bei amazonKATALOG
Derek Jarman.
Brutal Beauty

Vorwort von Hans Ulrich Obrist & Elizabeth Peyton-Jones. Einleitung von Isaac Julien. Beiträge von Tilda Swinton & Chrissie Iles. Interview zwischen Gerald Matt/Beatrix Ruf
und Isaac Julien/James Mackay. 96 Seiten. 67 (57 farb.) teils ganzseitige Abb., broschiert.

| kaufen bei amazon

Als führender Filmemacher seiner Generation wurde Derek Jarman bezeichnet. In seinen Experimenten mit Licht, Farbe und Schichtungen von Bildern führte er das Moment des Magischen wie auch des Traumatischen in seine Bilderwelten ein - der Film, sagte er, ist ein Instrument, Träume lebendig werden zu lassen. In seiner Arbeit rückte er die Kamera in die Nähe der Malerei. Die präzise Auswahl von Arbeiten des Künstlers in diesem Buch stammt vom britischen Filmemacher Isaac Julien. Die einzigartige Mischung aus den “Lightboxes” von Isaac Julien mit Motiven aus dem Leben und mit Arbeiten Derek Jarmans - etwa sein Film “Blue”, mit dem er 1993 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde - geben dem Buch einen authentischen Charakter, der ergänzt wird von einem Interview, das Isaac Julien mit Jarman geführt hat und das hier erstmals publiziert wird, sowie einem glänzenden Essay von Chrissie Iles.

______________________________________________________________

jarman-videos und kurzfilm in dieser smiths-compilation | DVD kaufen bei amazon

 

Derek Jarman hat einige Musikvideos gedreht - z.B. für die Pet Shop Boys: (”It’s a Sin”, “Rent”) und The Smiths: The Complete Picture (”Panic”, “Ask” und “The Queen is Dead”)

 

VIDEO | Kurzfilm von Derek Jarman 1986
The Smiths - The Queen Is Dead

______________________________________________________________

Passionen aus der Thatcher-Zeit

NZZ - Martin Walder

Derek Jarman, Maler, Filmer, Gärtner, Politaktivist und Aids-Opfer, war ein Poet des unabhängigen englischen Kinos. Die Ausstellung «Brutal Beauty» ruft ihn in Erinnerung.

Als Galionsfigur des unabhängigen britischen Films und der Schwulenbewegung von den siebziger bis in die frühen neunziger Jahre im notorisch homosexuellenfeindlichen England hatte er gegen seine Krankheit und ihre öffentliche Brandmarkung angeschrieben, gefilmt und gemalt. Ein kreativer Unruhestifter im Land der eisernen Lady in Downing Street. Ein traumwandlerischer, liebenswürdiger, exzentrischer und militanter Poet mit Pinsel, Feder und Super-8-Kamera. Nach seinem Tod wurde es aber still um ihn.

Man kann sich fragen, warum. Weil Jarman als Künstler zu frisch, frech und frei war, inspirierend für die Punk-Bewegung der späten 1970er Jahre, aber nicht nachhaltig, und mainstreamgängig schon gar nicht? Weil er als Schwuler mit seinen Themen zu provokant war und doch zu marginal? Als Aids-Toter ein Auslaufmodell, weil die Krankheit dank der Medizin gesellschaftsfähig geworden ist? Und weil er – dieser Triumph war ihm vergönnt – das Ende der Thatcher-Zeit überlebte?

NZZ - Artikel lesen

______________________________________________________________ 

DVD - Kollektion
Derek Jarman Box (OmU)

Die Derek-Jarman-Kollektion enthält drei Filme des britischen Avantgarde-Regisseurs, die die unterschiedlichsten Facetten seines eigenwilligen Filmwerks zum Vorschein bringen: von der experimentellen Shakespeare-Adaption THE ANGELIC CONVERSATION, in denen er fragmentarisches, mit der Homoerotik der Vorlage spielendes Super-8-Material zu Judi Denchs Lesung der Sonette in Beziehung setzt,

jarman-dvd-box | kaufen bei amazonüber das Künstlerdrama CARAVAGGIO, das zugleich als intelligente und sinnliche Verfilmung des Lebens des Renaissancemalers funktioniert wie als Selbstportraits eines unruhestiftenden Genies, bis hin zum späten Höhepunkt der Filmkarriere WITTGENSTEIN, einen völlig gelösten, witzigen und klugen Film über so etwas Abstraktes wie Philosophie.
| kaufen bei amazon

______________________________________________________________

Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Wien
| Kuratorin Kunsthalle Wien: Angela Stief
| bis 5. Oktober 2008

Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Zürich
| Kuratorin Kunsthalle Zürich: Beatrix Ruf
| 30. August – 2. November 2008

standfoto-aus-dieter-roth-dock1.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Sprengel Museum Hannover |

Das Sprengel Museum Hannover erinnert bis zum 05. Oktober 2008 an den Künstler Dieter Roth aka Diter Rot (1930-1998).  Die Ausstellung findet anlässlich des 10-jährigen Todestages des Künstlers statt. Im Zentrum der Schau stehen jene experimentellen Filme, die der in Hannover geborene Schweizer während der 1950er und 1960er Jahre in Reykjavík und Kopenhagen schuf: Pop 1, Dock 1 + 2, Letter und Dot.

Ihre ungewöhnliche Ästhetik entfaltet sich im Zusammenspiel von Bewegung und Licht, in Wortspielen und durch die konkrete Bearbeitung des Filmmaterials. Für Dot beispielsweise stanzte Roth mithilfe einer einfachen Lederzange Löcher direkt in den Filmstreifen. Mit schnellen Bildwechseln oder Doppelbelichtungen provoziert Roth das Auge des Betrachters.

Den Filmen werden Arbeiten des Künstlers aus den 1950er bis 1970er Jahren gegenübergestellt, u. a. kinetische Objekte und Materialbilder, die ebenfalls optische Irritationseffekte hervorrufen. Auf diese Weise zeigen sich konzeptuelle, ästhetische und formale Beziehungen zwischen Film und bildnerischem Werk wie auch die konsequente Weiterführung der Idee, virtuelle Bewegung im Bild darzustellen.

DREHMOMENTE. Filme von Dieter Roth
| Sprengel Museum Hannover
| bis 05. Oktober 2008

______________________________________________________________

Dieter Roth | Infos auf wikipedia

Dieter Roth Foundation  / Museum

Dieter Roth Special ( Flash )
anlässlich der Ausstellung “Roth Time”
im MoMA New York 2004 | Autor: MoMA

______________________________________________________________

dieter-roth-portrait-1953-photo-kurt-blum.jpg

Dieter Roth
galt als Multitalent, arbeitete als Maler, Zeichner, Plastiker und Designer, schrieb Gedichte, komponierte Musik und machte Filme, verlegte Bücher, überraschte als Installationskünstler, Lehrer und Kurator eigener Ausstellungen.

AUDIO
| Das Berliner Konzert 1974
| anhören

| mehr Audiomaterial auf ubu-web

2006 erschien, in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, eine Compilation, auf der Interpreten wie Mouse On Mars, Andreas Dorau oder Stereo Total Texte von Roth vertonen („Das Dieter Roth Orchester spielt kleine Wolken, typische Scheiße und nie gehörte Musik“, Intermedium Records 2006). 

dieter-roth-orchester | cd kaufen bai amazonMusik-CD

Das Dieter Roth Orchester spielt kleine Wolken, typische Scheisse und nie gehörte Musik.

Andreas Dorau,
Dieter Roth, Mutter, Ghostigital, Max Müller, Mouse on Mars, Stereo Total u.a.  

 

Die Abstrusitäten, Absurditäten und Surrealismen von Roths Texten erfahren hier in den sinnentleerten Mustern der Popmusik eine schrille und schräge Interpretation, klanglich zwischen New-Wave und DJ-Kultur angesiedelt.

Herausgegeben 2006 von Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris) und
Barbara Schäfer.

| CD kaufen bei amazon 

______________________________________________________________

roth-zeit-basel-koeln-new-york-2004-publikation | kaufen bei amazonPUBLIKATION

Roth Zeit –
Eine Dieter Roth Retrospektive

| 21 x 28 cm
| 304 Seiten
| 406 Abbildungen
| deutsch
| Hardcover

“Roth Zeit” ist die Publikation zur ersten grossen Überblicksausstellung seit dem Tod des Künstlers 1998. Fünf Jahrzehnte umfassendes Schaffen von Zeichnungen, Grafik, Büchern, Gemälden, Objekten, Instalationen, Filmen und Videoarbeiten werden gezeigt. Die Publikation macht Dieter Roths Werk als das innovative und geniale, chaotische und luzide Ganze erlebbar, das es darstellt und welches zugleich ein Spiegel seiner selbst und seiner Epoche ist.

Die Publikation begleitete retrospektiv angelegte Ausstellungen im Schaulager Basel, dem Museum Ludwig in Köln und dem Museum of Modern Art in New York von 2003 - 2004.

| kaufen bei amazon

______________________________________________________________

dieter-roth-dokumentarfilm.jpgDokumentarfilm
Regie: Edith Jud
Produktionsjahr: 2003
Spieldauer: 118 Minuten
DVD-Ausstattung:
DVD NTSC PAL-tauglich
Bild: 16:9 / Ton: Stereo
Sprachen: Deutsche Originalfassung / English Version
Untertitel: Französisch, Spanisch, Kapiteleinteilung, Bildergalerie, Biografie, Bonus-Film zur Gartenskulptur (28 Min.), Teaser, DVD5, codefree, Farbe, 118 Min. + 28 Min. Extras. Mit dt./engl. Booklet.

Die Werke im Film: Malerei, Grafiken, Objekte und Bücher aus verschiedenen Perioden; Videos mit Arnulf Rainer 1975-76; Kollaborationen mit Arnulf Rainer und Richard Hamilton; Roths 16mm Filme; Reykjavik Slides 1973-75 + 1990-93; Ausschnitte aus einer Sammlung von 30000 Dias; Scheisßgedichtlesung 1975, Ausschnitt aus Video; Soloszenen 1997-98, Ausschnitte aus 151 Videos; Gartenskulptur 1968-96

| DVD kaufen bei amazon 

In Edith Juds vielschichtigem Porträt ist Dieter Roth ein Mann, der dem Leben nicht aus dem Weg ging, sondern es bis zu Neige auskostete, im Positiven wie im Negativen.

“Magie liegt in der Luft – der Film verlebendigt die Genialität, den Witz und die Melancholie dieses Jahrhundertkünstlers auf berührende Weise.” ( Tages-Anzeiger )

Manche vergleichen diese Ausnahmefigur mit Andy Warhol und Joseph Beuys. Jedenfalls gehört der 1998 verstorbene Dieter Roth zu den starken Künstlern, die eine Epoche prägten. Der Film folgt seinen Spuren als Performer oder Selbstdarsteller in eigenen Videos, durch Gespräche mit Freunden und künstlerischen Wegbegleitern, Menschen die ihn liebten wie seine Lebensgefährtinnen und seine zwei Söhne, von denen einer die letzten 20 Jahre mit ihm zusammenarbeitete.

Die Stationen eines Künstlerlebens werden nicht abgehakt, sondern im Mittelpunkt steht die Dialektik von Zerstörung und Kreativität, die sein Werk, aber auch seine private Existenz bestimmten. Der Mann, der 1957 nach Island kam, einem Land, von dem er nur wusste, das dort eine Menge Schafe lebten, nutzte diesen Ort als Refugium vor der harten europäischen Kunstwelt, zu der er Distanz brauchte, obgleich er sich auch als deren Teil betrachtete.

______________________________________________________________

Mikrokosmos eines wuchernden Werks

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Volkhard App

Anlässlich des 10-jährigen Todestages erinnert das Sprengel Museum in Hannover mit der Ausstellung “Drehmoment” an den Schweizer Künstler Dieter Roth. Die Ausstellungsmacher reihen ihn in das geistige Umfeld der Fluxus-Bewegung ein. Sie konfrontieren Roths filmischen Experimente mit seinen Zeichnungen, druckgrafischen Werken und Objekten.

Es ist der hochkonzentrierte Einblick in eine frühe Werkphase Dieter Roths, noch bevor allenthalben auf seinen Bildern die Wurst zu schimmeln begann und die Schokolade eine merkwürdige Färbung annahm. Diese Expedition des Sprengel Museums führt zurück in die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre: Roth hatte sich stilistisch von der Konkreten Kunst, den starren geometrischen Formen à la Max Bill, gelöst und war darauf aus, seine Bilder in Bewegung zu setzen. So versuchte er es unerschrocken mit dem Medium Film - schon um 1956 während seiner Zeit in Kopenhagen, und dann auf Island, in seiner neuen Heimat.

“Seine Position ist im Umkreis von Fluxus längst akzeptiert. Er hat aber das Publikum mit seiner Rigidität und seinem Material - von Schokolade bis Scheiße - außerordentlich düpiert und distanziert, hat auch seine eigene Wirkung zerstört. Ein Koloß mit grauenhaften Umgangsformen, wegen seiner emotionalen Ausbrüche gefürchtet von allen Museumsleuten, die mit ihm Ausstellungen machten - und zugleich von allen geliebt, gerade wegen der Sensibilität, die die Ursache dieser Ausbrüche war. Ein Künstler voller Widersprüche, der heute immer noch neu zu entdecken ist - gerade von jungen Leuten, die gar nicht ahnen, dass es solche Figuren im 20. Jahrhundert gegeben hat, die mit einer solchen Rigidität darauf verzichtet haben, Karriere in der Kunst zu machen.”

Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums zehn Jahre nach dem Tod des Künstlers über dessen Ouevre und Reputation.

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Beitrag lesen

______________________________________________________________

DREHMOMENTE. Filme von Dieter Roth
| Sprengel Museum Hannover
| bis 05. Oktober 2008 

Tobias Rehberger

August 13, 2008 | Leave a Comment

tobias-rehberger-stedelijk-museum-2008-photos-gert-jan-van-rooij.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Museum Ludwig, Köln |

Im Museum Ludwig, Köln präsentiert Tobias Rehberger bis zum 21. September 2008 rund 40 Werke in einer 70m langen Installation.

Das-kein-Henne-Ei-Problem 

Ungeachtet der Chronologie, stellt er Arbeiten aus 15 Jahren künstlerischen Schaffens nebeneinander: Stühle, die an Designklassiker erinnern, Blumenvasen- portraits und Prothesen auf Sockeln, japanisch anmutende Blumen aus Papier, Lampen aus Klettband, Objekte aus Plexiglas, Videoregale. Von Spots beleuchtet, werfen all diese Werke Schattenbilder auf die gegenüber liegende weiße Wand. Das alte Werk strahlt im neuen Licht, während ein neues Werk zugleich entsteht: eine Wandmalerei aus Licht, Schatten und Farbe.

Mit dieser Installation überführt Tobias Rehberger das Dreidimensionale in die Zweidimensionalität. Indem er Lichtspiel und Malerei bei der Gestaltung der Wand kombiniert, bleibt die Abhängigkeit zwischen den Objekten im Raum und dem Dargestellten auf der Wand bewahrt – denn gingen die Lichter aus, so würde das Wandbild größtenteils verschwinden. Dem Künstler

„gefällt die Vorstellung, dass etwas Ausgearbeitetes und Endgültiges den Ausgangspunkt für etwas Vages und Skizzenhaftes bilden kann“.

Was war zuerst da: die Henne oder das Ei? Tobias Rehbergers Wandmalerei ist ohne seine Skulpturen nicht denkbar, sowie das Ei ohne Henne unmöglich ist. Aber: Ist das Dreidimensionale ohne die zweidimensionale Skizze denkbar? Ist die Henne ohne Ei möglich? Was war zuerst da? Wie Henne und Ei stehen sich Rehbergers skulpturales Werk und sein Schattenbild gegenüber. Mit dieser Installation wirft Tobias Rehberger einmal mehr die Fragen nach Funktion, Gebrauchswert und Urheberschaft von Kunst auf.

Tobias Rehberger | „Das-kein-Henne-Ei-Problem“-Wandmalerei
| Museum Ludwig, Köln
| bis 21. September 2008

______________________________________________________________

VIDEO | ansehen

The artist’s comment and an impression of the exhibition in Stedelijk Museum CS ( windows media | 8 min., 12 sec. | english )

Die Ausstellung ist eine Übernahme aus dem Stedelijk Museum CS in Amsterdam. “The chicken-and-egg-no-problem wallpainting”

______________________________________________________________

tobias-rehberger-1993-2008-publikation | kaufen bei amazon

 

 

PUBLIKATION

Tobias Rehberger
1993 – 2008

| 240 Seiten
| mit 100 farbigen Abbildungen,
| deutsch/englisch
| H 32 x B 25 cm,
| gebunden
| mit farbig bedrucktem Leinen

| kaufen bei amazon

Tobias Rehberger gehört international zu den bedeutendsten Konzeptkünstlern. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Architektur, Design, Mode, Werbung und Soziologie. Dabei gibt er dem modernistischen Vorhaben, gleichermaßen funktionale wie schöne Objekte zu schaffen, eine aktuelle Dimension. Mit atmosphärischen Installationen, Möbelstücken, Skulpturen, Parks, Kleidungsstücken und Plakaten interpretiert er Klassiker der modernen Kunst oder des Designs neu. In seiner häufig angewendeten Methode der Koproduktion geht es Rehberger um Strategien aus der Produktions- und Vertriebswelt. Nicht mehr der genialische Künstler, sondern kooperative Material- und Informationsverbreitung ist gefragt.

»Jeder sieht die Kunst anders, ich mache nur Vorschläge.«

Tobias Rehberger
(* 1966 in Esslingen) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Er war Schüler von Martin Kippenberger und Thomas Bayrle und ist seit 2001 Professor an der Städelschule Frankfurt. Neben zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland nahm er an der 47. Biennale von Venedig (2003) und an der 1. Berlin-Biennale (1998) teil.

Überblicksband zu allen Werkphasen, die mit informativen Kurztexten beschrieben werden. Die hochwertige Ausstattung gibt dem Buch Objektcharakter.

Autoren:
Daniel Birnbaum ist Rektor der Städelschule Frankfurt und Direktor des Ausstellungs­hauses Portikus. 2008 wurde er zum Direktor der Biennale von Venedig ernannt. Leontine Coelewij ist Kuratorin am Stedelijk Museum in Amsterdam. Lars Bang Larsen lebt in Frankfurt am Main und Kopenhagen als freier Kritiker und Kurator.

______________________________________________________________

Die Schattenwelt der Malerei

WESTDEUTSCHE ZEITUNG - Helga Meister

Tobias Rehberger führt im Kölner Museum Ludwig seine eigene Kunst hinters Licht. Dabei spielt er mit Realität und Fiktion.

Die Frage nach Schein und Sein ist so alt wie Philosophie und Kunst. Tobias Rehberger beantwortet sie mit Witz, Intelligenz und einer unschlagbaren Einfachheit. Er stellt und hängt rund 40 Objekte aus den vergangenen 15 Jahren ins Kölner Museum Ludwig, ohne Systematik, ohne Chronologie und ohne Thematik. Anschließend beleuchtet er sie mit so starken Theaterspots, dass sie klare, dunkle Schatten an die gegenüberliegende Wand werfen. Er überführt sein plastisches Werk in die Schattenwelt der Malerei.

Doch das ist nur der erste Schritt zur Verwandlung des Drei- ins Zweidimensionale. Nun beginnt das eigentliche Spiel. Da wird die kunstvoll oder zumindest handwerklich perfekt hergestellte Skulptur, beispielsweise ein Schirm ohne Dach, zum Windpropeller, und Rehberger pinselt dazu als Wandmalerei eine asiatisch anmutende Seenlandschaft mit einer großen, roten Sonnen- oder Mondscheibe. Ein Design-Klassiker als Schattenbild kann eine Comic-Blase vertragen, ein Stuhl-Schatten wird mit dem Edding-Stift farblich aufgepeppt. So schön und doch so falsch ist dieses Werk, dass dem Betrachter die Trennung der Materialien, Techniken und Objekte kaum gelingen will.

Manchmal wirkt die Projektion wichtiger als das originale Kunstwerk, wenn Rehberger Papier-Bäume zu Schattenästen werden lässt und sie vom himmelblau getuschten Firmament mit Sonnenscheibe umgibt. Was ist da eigentlich das Original, was die Fälschung? Ist das anfassbare Objekt echter als der Verschnitt aus materieloser Projektion und hinzugefügten Pinselstrichen?

WZ online WESTDEUTSCHE ZEITUNG - Artikel lesen

______________________________________________________________

rehberger-man-with-big-cock-2.jpg

 

VIDEO | Porträt Tobias Rehberger anlässlich der Schau in Köln 2008
| DEUTSCHE WELLE TV 2008

| Video ansehen ( windows media / Beitragslänge 03:27 Min. | deutsch )

______________________________________________________________

Wie wir uns entspannen

FR online - Sandra Danicke

Man denke nur an die Stühle, die einst von Design-Legenden wie Marcel Breuer oder Gerrit Rietveld entworfen wurden und heute als Klassiker gelten. 1994 hatte Rehberger Handwerkern in Kamerun den Auftrag erteilt, besagte Sitzmöbel nach seinen Gedächtniszeichnungen nachzubauen. Die Ergebnisse sind derzeit im Museum Ludwig in Köln unter dem Titel “Die ,Das-keine-Henne-Ei-Problem’-Wandmalerei” zu sehen. Als eines von zahlreichen Beispielen dafür, wie ein Werk gleichzeitig auf seine Geschichte verweisen und als Ausgangspunkt für eine neue Arbeit dienen kann.

Kunst, so zeigt es Tobias Rehberger, ist stets vor allem Projektionsfläche, aufgeladen mit Fantasien und Vorstellungen, die über das reale Objekt weit hinausgehen. Was, so lautet eine der zentralen Fragen im Rehbergerschen Kosmos, ist demnach ein Kunstwerk, und wie viel an ihm ist durch Sichtweisen, Kontext, Entstehungszeit bedingt? Was können Oberflächen vermitteln, was nicht? Kann die Gedächtniszeichnung von Design-Klassikern jenen, die sie nicht kennen, etwas über ihren kulturell kodierten Wert vermitteln? Offenbar nicht - die Kameruner Handwerker brachten seinerzeit Verbesserungsvorschläge wie ein Extrabein an oder eine zusätzliche Querstrebe, die im Freischwinger für Stabilität sorgt.

FR online - Artikel lesen

______________________________________________________________

Tobias Rehberger
| „Das-kein-Henne-Ei-Problem“-Wandmalerei
| Museum Ludwig, Köln
| bis 21. September 2008

rodtchenko-portraitphoto-by-v-kovrigin-1936.jpgKUNSTSCHAU HAMBURG- Jens Ullheimer | PT Gropiusbau Berlin |

Alexander Rodtschenko und Man Ray. Ein russischer und ein amerikanischer Fotokünstler zu Gast im Berliner Walter-Gropius-Bau. Die Doppelausstellung zeigt bis zum 18. August 2008 Werke des Surrealisten Man Ray und des Konstruktivisten Alexander Rodtschenko.

______________________________________________________________

Alexander Rodtschenko

Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt mit rund 350 Bildern der aus dem neu gegründeten „Moscow House of Photography“ stammenden Ausstellung einen umfassenden Blick in das fotografische Werk eines der innovativsten und vielseitigsten Künstlers der russischen Avantgarde.

Alexander Rodtschenko ist einer der großen Künstler des russischen Konstruktivismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist weltweit bekannt geworden und zählt bis heute zu den wichtigsten Positionen der Moderne. Bevor er Mitte der 1920er Jahre die Fotografie als neues Medium für sich entdeckte, hatte er sich bereits als vielseitig tätiger und innovativer Künstler in Moskau hervorgetan. Seine Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen – in einer Zeit epochaler Veränderungen in Russland und in Europa – verändern.

Er hält die Motive in extremen Aufsichten und Untersichten fest, in Diagonalen, Anschnitten und Details. Für das damalige herrschende Sehempfinden war dies ein ungewöhnliches Verfahren. Doch die neuen Aufgaben und Themen verlangten seiner Meinung nach eine neue Form der Darstellung:

„Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren. Wir müssen den Schleier von unseren Augen reißen, der ‚vom Nabel aus‘ heißt.“ „Und die interessantesten Blickwinkel der Gegenwart sind die von oben nach unten und von unten nach oben und ihre Diagonalen“. (1928)

Doch ab 1928 sah sich Rodtschenko zunehmend scharfer Kritik ausgesetzt. „Gefährlich“ und „bürgerlich-formalistisch“ ließ die Zeitschrift Sowjetskoje Foto verlauten, kaum waren die ersten dieser Arbeiten in der Zeitschrift Novy LEF erschienen. Er wird als Anhänger der experimentellen Fotografie von Moholy-Nagy und Man Ray diffamiert. Politischer Hintergrund ist eine stärkere Indienstnahme der Fotografie als Mittel der sozialistischen Massenkommunikation, die eindeutig ‚lesbar‘ sein sollte.

Die im Martin-Gropius-Bau gezeigte Ausstellung zeigt die vielen Facetten von Rodtschenkos bahnbrechendem fotografischen Werk: den Beginn mit den Fotomontagen, die Porträts der Freunde und Familie, teils als Mehrfachansichten, die Experimente mit Perspektiven, Bildstrukturen, Licht- und Schattenwirkungen, die Reportagen mit der Montage von Text und Bild, aber auch die Serie vom Zirkus und die letzten Experimente mit Farbfotografie. Erstmals sind Arbeiten aus dem von den Erben verwalteten Nachlass zu sehen. Die Ausstellung wurde von Olga Sviblova, Direktorin des „Haus der Fotografie Moskau“ kuratiert.

Alexander Rodtschenko
und
Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008

Rodchenko | Fotogalerie
| des Hauses der Fotografie, Moskau ( 55 Fotos )

______________________________________________________________

rodtschenko-berlin-2008-katalog.jpgKATALOG

Alexander Rodtschenko

Herausgeber Berliner Festspiele
Herausgeber Haus der Fotografie Moskau

| 224 Seiten
| 230 Abb. im Duotone,
| 34 farbige Abb.
| 23,5 x 29 cm
| gebunden mit Schutzumschlag
| Sprache: deutsch

| kaufen bei amazon

»Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren.«
A. Rodtschenko, 1928

Alexander Rodtschenko (1891 – 1956) zählt zu den großen Erneuerern der Fotografie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Fotomontagen, seine ungewöhnlichen Architekturaufnahmen aus extremer Oberund Untersicht, seine Bildexperimente mit Perspektiven und Licht- und Schattenwirkungen, seine Fotoreportagen, die Bild und Text auf neue Weise kombinierten – all das war bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Fotografie. Rodtschenko stellte sich nach der Oktoberrevolution in den Dienst der jungen Sowjetunion und setzte sich gemeinsam mit Künstlern und Dichtern wie Wladimir Tatlin, Wassily Kandinsky und Wladimir Majakowski für den Aufbau einer neuen Gesellschaft ein. Seit dem Ende der 1920er-Jahre sah er sich allerdings zunehmend scharfer politischer Kritik ausgesetzt.

Dieses Buch bietet mit mehr als 250 Abbildungen einen breiten Überblick über die vielen Facetten von Rodtschenkos fotografischem Werk. Darunter sind etliche bislang unpublizierte Arbeiten aus dem Nachlass. Ein Essay über die fotografische Avantgarde in Russland und eine umfangreiche Biografie Rodtschenkos beschließen den opulent ausgestatteten Band.

______________________________________________________________

rodtchenko-weissmeer-kanal-1933.jpg

1933 | Bau des Bjelomor-Kanals (Weißmeer-Ostsee-Kanal). Mega-Bauprojekt der Stalin-Ära, das durch den Einsatz von Gulag-Häftlingen umgesetzt wurde. Rodtschenko musste die Zwangsarbeiter für die Propagandazeitschrift „SSSR na strojke“  „USSR im Aufbau“ fotografieren. Dieses 140 Meilen lange Arbeitslager kostete 200.000 überwiegend politischen Gefangenen das Leben. ( BBC4 Home )

______________________________________________________________

Alexander Rodtschenko
auf wikipedia

Rodtchenko-Internet-Special
anlässlich der Ausstellung
im Museum of Modern Art, New York
vom 25. Juni - 06. Oktober 1998

______________________________________________________________

rodtschenko-plakat-berlin-2008.jpgAuf Demontage

TAGESSPIEGEL - Bernhard Schulz

Ja, die vom Moskauer Haus der Fotografie übernommene Wanderausstellung ist nicht ohne Tücken. Den ganzen Rodtschenko präsentiert sie nicht. Sie zeigt in ihrem besten Raum die bekannten Portraits, die er von seinen Dichter- und Künstlerfreunden anfertigte, von Sergej Tretjakow, von Lilja Brik und immer wieder vom markanten, stets wie zum Sprung bereiten Wladimir Majakowski.

Der Frühstückstisch, an dem Majakowski mit aufgekrempelten Hemdsärmeln sitzt, seine Freunde um ihn herum, vor allem Rodtschenkos gleichermaßen kreative (und in dieser Ausstellung wieder einmal sträflich vernachlässigte) Ehefrau Warwara Stepanowa, dazu die eben mal verkorkte Flasche in der Mitte: Da spürt man hautnah die hitzigen Diskussionen, die sich die Enthusiasten der Revolution um die Zeitschrift „Lef“ („Linke Front“) lieferten, als noch nicht alles unter der Diktatur Stalins zertreten war.

Schöne Fotos, liebgewordene Bekannte, Ikonen der Fotografiegeschichte; aber eben doch nicht all das, was man hätte zeigen können und zeigen müssen und was die unübertroffene Retrospektive des New Yorker Museum of Modern Art 1998 schon einmal zusammengetragen hatte.

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

______________________________________________________________

Fotografische Moderne

TAZ - Egbert Hörmann

“Es sieht so aus, als könne nur der Fotoapparat das moderne Leben abbilden” - die frühen Zwanzigerjahre bildeten das “Zwischenzeitalter”, eine Zeit, in der - wenn auch kurz und illusorisch - ein überaus fruchtbares Wechselspiel zwischen moderner Kunst und gesellschaftlichem Experiment stattfand. Die Avantgarde und die junge Sowjetmacht waren sich einig: Mit Film und Foto fand Kunst ihren wirkungsvollsten Ausdruck auf der Höhe der Zeit.

Rodtschenkos Sehweise, seine Neudefinition radikaler Ästhetik wie auch die Verschiebung ihrer Grenzen, hat unsere moderne Wahrnehmung der Welt und “die Fähigkeit, von allen Seiten zu sehen”, entscheidend mitgeformt. “Wir sind gezwungen zu experimentieren” -Schklowskis Theorie vom “neuen Sehen” folgend, entwickelte Rodtschenko die berühmte “Rodtschenko-Perspektive”. Deren Grundprinzip war:

“Vor allem von oben nach unten und von unten nach oben - dieses sind die interessantesten Blickwinkel der zeitgenössischen Fotografie.”

rodtchenko-girl-with-leica-1934.jpgVerfremdungen, Paradoxen, Geometrien, extrem steile, hohe und niedere Blickwinkel, die Betonung von Perspektive und Tiefe durch das Prinzip der “Rodtschenko-Verkürzungstechnik”, ergeben immer vitale und hypnotische Aufnahmen von Straßenzügen, Alltagsszenen, technischen Bauten, Sport- und Produktionsstätten und Darstellungen des optimistischen “homo sovieticus”.

Es sind häufig “banale” Motive, die gleichzeitig starken Signalcharakter haben. Wie die Filmregisseure Eisenstein und Wertow komponierte Rodtschenko seine Bilder, anstatt einfach die Kamera “draufzuhalten”,

TAZ - Artikel lesen

______________________________________________________________

Heroisch und erotisch

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst

Auf den ersten Blick sind die historischen Ähnlichkeiten sogar erstaunlich. Rodtschenko ist wie Man Ray ein grandioser Portraitfotograf. Beider Werke ziehen ihre Energie aus der gezielten Grenzüberschreitung des fotografischen Sujets hin zu dem, was man heute Foto-Design nennt: zur Collage, zu Typografie und Werbung. Beide arbeiten auf ihre Weise an einer Idee des kollektiven Bildes in der Fotografie, sei es wie Man Ray auf den Spuren des Unbewussten und der Zufallsmontagen, sei es wie Rodtschenko mit den “Urelementen” von Bildern der russischen Konstruktivisten.

Beide erscheinen in ihrer Zeit als radikale Individualisten mit höchst unterschiedlichen Karriereverläufen: Rodtschenko erlitt das Schicksal aller großen Künstler der frühen Sowjetzeit unter Stalins Regime und musste von Glück reden, dass er überlebte. Aus dem revolutionären Elan der 10er und 20er Jahre wird in den 30er Jahren eine betont unpolitische Auftragsfotografie im Dienst des Sozialistischen Realismus. Es sind immer noch großartige Bilder: Landschaften, und Landleben, Portraits, Industriearbeit oder die Dokumentation eines Kanalbaus - aber nicht mehr das große, dynamische Experiment, nicht mehr der Künstler als Anführer der Revolution. Der Individualist Rodtschenko ist am Ende seines Werkes ein gebrochener Künstler.

Der ein Jahr ältere Man Ray, der ja eigentlich Emmanuel Radnitzky hieß, ehe seine in die USA immigrierten Eltern ihre Nachnamen in Ray verkürzten, wandelte dagegen immer auf einem schmalen Grat zwischen Experiment und Kommerz. Auch Man Ray hatte seine Großkrise, als er von seinem ersten Paris-Aufenthalt vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht zurück in die USA fliehen und sein gesamten Werk zurücklassen musste. Er fiel daraufhin in eine Depression und konnte sich erst in Los Angeles nach und nach wieder hervorarbeiten.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

______________________________________________________________

man-ray-links-plakat-berlin-2008-rechts-selbstportrait-1924.jpgKUNSTSCHAU HAMBURG - Jens Ullheimer | PT Gropiusbau Berlin | 

Die Ausstellung im Berliner Walter-Gropius-Bau zeigt bis zum 18. August 2008 Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken aus der Sammlung des Man Ray Trusts in Long Island, New York. Die Sammlung des Man Ray Trusts ist nie zuvor gezeigt worden.

„Unconcerned But Not Indifferent“ (Unbekümmert, aber nicht gleichgültig) lautet die Inschrift auf Man Rays (1890-1976) Grabstein, die für den Titel der Ausstellung gewählt wurde.

Man Ray

Mit über 300 Stücken ist sie die erste ihrer Art, die Man Rays künstlerische Arbeiten mit den Gegenständen und Bildern in Beziehung setzt, aus denen er seine Inspiration schöpfte – seine Melone und sein Spazierstock, Gegenstände aus den Regalen seines Studios in der Rue de Ferou in Paris, seine Sammlung erotischer Fotografien und die Objekte, die er für seine bekannten Rayografien verwendete.

Wegen der Fülle des Materials, das im Man Ray Trust zur Verfügung stand, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Entwicklung zahlreicher Motive von den Skizzen bis zum Meisterwerk und zeigt Man Rays gelegentliche Nutzung fotografischen Materials für Gemälde und Grafiken.

Der Aufbau von „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ folgt den vier Schaffensperioden von Man Ray: New York (1890–1921), Paris (1921–1940), Los Angeles (1940–1951), Paris (1950–1976). Es werden zahlreiche Werke aus jeder Lebensperiode Man Rays gezeigt. Viele der vorgestellten Arbeiten sind gut bekannt, jedoch seit seinem Tod nicht mehr zu sehen gewesen. Als Ergebnis gründlicher Recherchen in den nicht katalogisierten Beständen des Trusts zeigt die Ausstellung erstmals eine Auswahl aus bislang gänzlich unbekannten Werkserien.

Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008

______________________________________________________________

man-ray-berlin-2008-katalog | kaufen bei amazon

 

KATALOG
Man Ray

| 336 Seiten
| 137 farbige Abb.,
| 200 Abb. im Duotone
| 22 x 27 cm
| gebunden
| mit Schutzumschlag

| kaufen bei amazon

 

Mehr als dreihundert Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken geben einen kompakten Überblick über Man Rays Leben und seine künstlerische Entwicklung.

Mit einer Vielzahl bislang unbekannter Werke und Dokumente aus allen Schaffensphasen Man Rays (1890-1976) bietet dieser Band eine neue, überraschende Sicht auf das Leben und die künstlerische Produktion des großen amerikanischen Fotografen und Malers.

Zum ersten Mal präsentiert der New Yorker Man Ray Trust, der einen Großteil des Künstler-Nachlasses aufbewahrt, seine umfangreiche Sammlung: kaum bekannte Frühwerke, persönliche Gegenstände und Dokumente aus seinem Privatleben, Skizzen und Entwürfe für größere Arbeiten sowie zahlreiche der berühmten Meisterwerke.

Dieses Buch enthält weit mehr als 300 Abbildungen von Fotografien, Zeichnungen, Gemälden und Plastiken, die sowohl das herausragende Niveau wie auch den Facettenreichtum des Gesamtwerks von Man Ray belegen. Ergänzt werden die Bilder von einem einleitenden Essay über die künstlerische Entwicklung Man Rays und einer umfassenden und detaillierten Chronologie zum Leben und Werk des Künstlers.

• Ein ganz neuer Blick auf Man Ray: Viele unbekannte Werke des Künstlers werden erstmals gezeigt
• Mit mehr als dreihundert Zeichnungen, Fotos, Gemälden und Plastiken
• Enthält einen kompakten Überblick über Man Rays Leben und seine künstlerische Entwicklung

______________________________________________________________

Man Ray Trust ( mit umfangreichem Bildmaterial )

______________________________________________________________

VIDEO | Emak Bakia, 1926

 

Im Herbst kam schließlich der fast zwanzigminütige mit Jazzmusik von Django Reinhardt unterlegte Film Emak Bakia in Paris zur Aufführung; die Premiere in New York fand im darauf folgenden Frühjahr statt. Man Ray skizzierte sein Werk als „Pause für Reflexionen über den gegenwärtigen Zustand des Kinos.” Emak Bakia basierte ohne bestimmte Handlung auf Improvisationen, die mit Rhythmik, Geschwindigkeit und Licht spielen und somit auf das Medium Film an sich reflektieren. Der Film sollte ein cinepoeme, eine „visuelle Poesie“ sein, wie Man Ray auch im Untertitel betonte. ( wikipedia )

| mehr Kurzfilme von Man Ray auf ubuweb

______________________________________________________________

Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
und
Alexander Rodtschenko
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008

  •  

  • Lesezeichen hinzufügen bei ...

  • Kunst | Presseschau

    Auswahl aktueller Veröffentlichungen zum Themenschwerpunkt Kunst in der deutschsprachigen Internet - Medienlandschaft. Die Artikel werden hier kurz angerissen, teilweise thematisch gebündelt - mit Video/Audio, Katalog- & Medien - Informationen ergänzt - und sind direkt mit den Online-Medien verlinkt.

  • RSS - FEED

  •  

     

  • Recent Posts

  •  

  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    ( Archiv )