Kunst | Kult | Marke

Donnerstag, Oktober 2, 2008
By Peter Panter

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Das Diktat der Marken

TAZ – Brigitte Werneburg

Zur Retrospektive des Starkünstlers Takashi Murakami in Frankfurt gehört ein eigens eingerichteter Louis-Vuitton-Shop. Mode und Kunst verbindet derzeit die autoritäre Sprache des Marketing.

Hatte man gerade geglaubt, dem Diktat der Haute Couture entronnen zu sein, sieht man sich nun vom Diktat der angesagten Labels bedroht. Provinziell ist nicht, wer der Mode nicht folgt, sondern wer die hippen Brands nicht kennt. Hatte man gerade geglaubt, dem Diktat der Avantgarde glücklich entkommen zu sein, nervt die zeitgenössische Kunst anstelle der bekannten Glaubenskriege um künstlerische Stilrichtungen und Bewegungen nun mit aufwändigen Publicity-Schlachten.

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VIDEO  | 5.10 min.
| superflat monogram – takashi murakami for louis vuitton
| audio : Fantastic Plastic Machine – “Different Colors”

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Sie drehen sich dann um lebende Schweine mit Tattoos oder tote Schweine mit Flügeln, wie sie neben einem in Formaldehyd eingelegten Goldenen Kalb, Einhörnern und Brillant-Schmetterlingen von Damien Hirst gezeigt wurden, als er seine künstlerische Jahresproduktion 2008 an den ihn vertretenden Galerien vorbei, ohne Garantiesumme des Auktionshauses, aber auch ohne Kommission für seine eingelieferten Werke zu bezahlen, bei Sothebys glorreich verauktionierte. Sie drehen sich dann um die Frage, ob im Museum ein Louis-Vuitton-Shop nicht fehl am Platz sei? Oder man streitet wegen der Retrospektive des US-amerikanischen Superstars der zeitgenössischen Kunst, Jeff Koons, im Schloss von Versailles. Über sie empört sich gerade ein obskurer französischer Schriftstellerverband, stellvertretend für das gebildete und kultivierte Bürgertum der Grande Nation. Doch nur die Empörung ist fehl am Platz.

Jeff Koons in Versailles
Reportage von ARTE Kultur | 10. September 2008
VIDEO ansehen | wmv | 2.35 min.

An welchem Ort, bitte schön, wäre Jeff Koons besser aufgehoben als an diesem Ort des Luxus und der Moden, an dem es immer nur um das “thats it” ging? Um It-girls – wie die Lifestyle-Magazine heute die königlichen Mätressen nennen -, um It-bags und It-art? An diesem Ort wurde seit je dem Geschmack des Königs und seiner Entourage gehuldigt.

Glauben die Damen, sie hätten mit dem Label schon ein gültiges Fashion Statement gemacht, heften sich die Herren den Titel des internationalen Kunstsammlers an die Brust, indem sie mit der immer gleichen Künstlerfolge von Jeff Koons, Luc Tymans, Andreas Gursky, unbedingt noch Jonathan Meese oder wahlweise Daniel Richter aufwarten. Am Ende sind die Garderoben so uniform wie die Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst von Miami bis Berlin. So aufregend hat man sich das Crossover von Mode und Kunst immer vorgestellt. Störende Gegenentwürfe kommen dank der Marketinginstrumente der Corporate Culture erst gar nicht ins Spiel. Denn als Form einer weiterreichenden Markenbildung drängt sie die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk selbst erfolgreich in den Hintergrund.

Wenn man bedenkt, wie lange Clement Greenberg, der Frontman der New York School, den Abstrakten Expressionismus als einzige gültige Kunst propagieren konnte, und weiter bedenkt, was ein Kunstkritiker wie er schon gegen die geballte Macht der weltweit 200 größten Sammler ist, dann ahnt man, was droht. Diese Sammler gehören mehrheitlich dem Verwaltungs- oder Stiftungsrat renommierter Museen an und verfügen damit über ein sicheres Instrument, ihre Schätze im Kontext einer institutionell abgesicherten, kunstwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst gewürdigt zu sehen. Damit ist sowohl die Wertsteigerung ihrer Kunsterwerbungen auf lange Zeit hin garantiert wie der Verdacht des abgekarteten Spiels und Insidergeschäfts einigermaßen wirksam zerstreut.

TAZ – Artikel lesen

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Einkaufstüte nicht vergessen!

SPIEGEL online – Heiko Klaas und Nicole Büsing

Andy Warhol wartet hinter einer kleinen Türöffnung. Doch was wird ihm und seiner Kunst hier angetan? Nachdem man sich durch einen dieser weißen Streifenvorhänge, wie sie in Metzgereien oder Kühlhäusern üblich sind, gewuselt hat, befindet man sich in der wohl fragwürdigsten Andy-Warhol-Ausstellung, die in einem deutschen Museum bisher zu sehen war.

Nach Hirsts Massenversteigerung und Murakamis Markenoverkill die nächste, ziemlich ironiefreie Liason von Kunst und Kommerz.

Die britische Edel-Jeans-Schneiderei Pepe Jeans London hat sich für einige Jahre die Exklusivrechte an den eingängigsten Warhol-Motiven gesichert und vermarktet diese – als Hauptsponsor der Schau – jetzt ebenso professionell wie hemmungslos. Umkleidekabine und Anprobierspiegel komplettieren diese regelrechte Fashion-Boutique – an herkömmliche Museumsshops hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Der Verkauf von Souvenirs und Merchandise-Produkten gehört zu Großausstellungen wie der Bratwurststand zur Kirmes.

Aber muss das unbedingt mitten in der Ausstellung passieren?

Hat man den Shop-Bereich erst einmal durchschritten, landet man zwischen den in Vitrinen ausgestellten, mittlerweile rar gewordenen frühen Ausgaben des von Andy Warhol gegründeten Magazins “Interview”. In der großformatigen Illustrierten ließ Warhol Künstlerkollegen und Prominente aus der Musik- und Filmbranche ausführlich zu Wort kommen. Die Titelseiten gestaltete er selbst. Vielleicht war “Interview” das einzige Marketinginstrument des oft missverstandenen Pop-Art-Künstlers. Ihn heute zur Ikone des Merchandising zu machen, wird seinem eher ironisch-spöttischen Umgang mit der Konsumwelt nicht gerecht. Warhol bemächtigte sich einst der glatten Oberflächen der Warenwelt und führte ihre leeren Versprechungen durch serielle Wiederholung ad absurdum – jetzt schlägt das Imperium offenbar zurück. Erbarmungslos kommerziell und ohne jeden Hauch von Ironie.

SPIEGEL – Artikel lesen

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Andy Warhol | Hamburger Bahnhof, Berlin | bis 11. Januar 2009
Jeff Koons | Versailles | bis 14. Dezember 2008
Takashi Murakami | MMk Frankfurt | bis 04. Januar 2009
MURAKAMI-VIDEO-SPECIALS des MOCA
The Museum of Contemporary Art, Los Angeles

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