The Collections of Barbara Bloom
I Shut Them So That Everything Goes Black 1986 | bw photo w Braille text
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT Martin-Gropius-Bau
Der Martin-Gropius-Bau zeigt bis 9. November 2008 eine Ausstellung mit Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Barbara Bloom.
Wie der Titel nahe legt, zeigt die Ausstellung Sammlungen und reflektiert diese. Es handelt sich um eine hybride Ausstellungsform: eine Kombination aus einer selbst kuratierten – in der Mitte der Karriere stehenden – Retrospektive, einem Nachlass verkauf und einem Selbstportrait. Bloom gründet ihre Karriere auf der Infragestellung von Erscheinungen und der Untersuchung des Besitzstrebens. Dabei hinterfragt sie konventionelle Wahrnehmungsformen mit ironischen Kommentaren zum Wertewandel, den Praktiken des Sammelns und den Normen einer Retrospektive.
Zu den vielen ungewöhnlichen Objekten, die präsentiert werden, gehören ein Playboy-Magazin in Blindenschrift, Briefmarken, auf denen Arbeiten zeitgenössischer Künstler gezeigt werden, ein Polsterstuhl, auf dessen Stoff eine Röntgenaufnahme der Zähne der Künstlerin zu sehen ist, ein pornografisches Bild, das auf einem Reiskorn aufgedruckt wurde, zerbrochene Keramikkrüge, deren Risse mit Gold repariert wurden und ein Teppich, auf dem die Titelseite der Erstausgabe des Romans Lolita von Vladimir Nabokov dargestellt wird.
Bloom gehört neben Cindy Sherman, Richard Prince und Barbara Kruger zu den herausragenden Künstlern der postmodernen Generation. Sie ist besonders für ihre geistreichen und eleganten Arbeiten bekannt, bei denen sie gesammelte Objekte mit selbst hergestellten kombiniert.
Die Ausstellung ist in elf Sammlungsbereiche gegliedert: Innuendo, Framing, Doubles, Broken, Songs, Naming, Charms, Blushing, Belief, Reading In, und Stand Ins. Diese eigenwilligen Kategorien enthalten notwendigerweise viele Anspielungen. Sie agieren als Schlüssel und Wegweiser, die es dem Betrachter ermöglichen sollen, sich durch Blooms Bilder und Objekte einen Weg zu bahnen. Sie veranlassen zu einem Dialog und öffnen den Blick für Blooms einzigartige Vision.
The Collections of Barbara Bloom
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 9. November 2008
______________________________________________________________
Erröten im Museum
TAZ – Katrin Bettina Müller
Obwohl sie seit den Neunzigerjahren in Europa und den USA in Galerien, Kunstvereinen und Museen mit Einzelausstellungen vertreten war, ist sie nicht sehr bekannt geworden. Das liegt womöglich an den vielen literarischen Bezügen, mit denen sie spielt und die ihren Installationen einen bildungsbürgerlich ambitionierten Touch geben.
Der englischsprachige Band “The Collections of Barbara Bloom”, erschienen bei Steidl in New York, gilt zugleich auch als Katalog ihrer Präsentation durch die Berliner Festspiele. Beide, Buch und Ausstellung, sind in eine Reihe von Kapiteln gegliedert und in beiden spielt die Beschriftung der Bilder und Bildausschnitte eine große Rolle. Denn Barbara Bloom ist ebenso sehr Autorin wie bildende Künstlerin. Nur dass der Erscheinungsort ihrer Texte zuerst die Museumswand und dann das Buch ist.
Nicht nur darin gleicht sie ihrer Kollegin Sophie Calle, sondern auch in der Strategie, von sich selbst als dritte Person zu erzählen. Die Ausstellung führt uns vor, was “B.B.” gesammelt hat und wie “B.B.” ihre Stücke ordnet. Dieser “B.B.” gesteht Barbara Bloom dabei ein sehr affektives Verhältnis sowohl zu ihren Werken als auch vor allem zum Betrachter zu.
Denn es geht immer darum, spezielle Formen der Aufmerksamkeit zu generieren. Blushing” ist zum Beispiel ein Raum überschrieben, Erröten. Er zielt auf eine Wahrnehmung, die den ganzen Körper ergreift, Nerven, Blutbahnen, erogene Zonen streift. Die Fotografien, die hinter einem zarten Gazeschleier hängen, zeigen wiederum oft selbst Betrachtende, Rückenfiguren, die entweder eine gemalte Odaliske, einen Akt oder Fische im Aquarium betrachten.
______________________________________________________________
KATALOG | The Collections of Barbara Bloom
| Gebundene Ausgabe
| 272 Seiten
| Sprache: Englisch
| 29,7 x 24,9 x 3,3 cm
Ergänzend zur Ausstellung wurde von der Künstlerin ein umfassend illustrierter Katalog mit Texten von Dave Hickey und Susan Tallmann herausgegeben.
The Collections of Barbara Bloom kann als Installation und Künstler-Retrospektive, der Katalog als Künstlerbuch und catalogue raisonné bezeichnet werden.
In einer mit Bildern überfüllten Welt kreiert Barbara Bloom visuell reiche Kunstwerke, die Formen des Betrachtens untersuchen. International bekannt für ihre Arbeiten, die präzise, detailliert und makellos ausgeführt sind, zeigt Barbara Bloom nur selten ein einzelnes Bild oder Objekt. Stattdessen beschäftigt sie sich mit der Beziehung zwischen Objekt und Bild sowie der impliziten Bedeutung ihrer Anordnung und Zusammenstellung. Ihre Kunst nimmt die Schönheit als Prämisse, um Illusion, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit zu erforschen.
______________________________________________________________
Leben wie Jackie O.
TAGESSPIEGEL online – Christiane Meixner
Eine Retrospektive sei zwar überfällig, für Bloom aber lange undenkbar gewesen, schreibt der etablierte amerikanische Kunstkritiker (Dave Hickey). Bis die Künstlerin auf einen Auktionskatalog mit dem Nachlass von Jacqueline Kennedy Onassis gestoßen ist – eine letzte Gelegenheit, die von der ehemaligen First Lady geliebten und gesammelten Dinge zu sehen, bevor die Auktion sie in alle Winde zerstreut.
Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert „The Collections of Barbara Bloom“. Die Ausstellung arrangiert die gesammelten Materialien der Künstlerin zu flüchtigen Installationen, die so nicht wieder zu sehen sein werden.
… ein durchgängig morbider Unterton, der sich durch die verblassenden Fotos, das zerbrochene Glas und die fragilen Installationen zieht, um im letzten Raum auf makabere Weise bestätigt zu werden: Hier ruht nicht nur Blooms eigener Grabstein in der Vitrine, daneben liegen auch altmodische Kameen und sogar Pralinen mit dem Konterfei der Künstlerin. Erst am Ende der Ausstellung wird klar, wie streng ihr Konzept jenem Auktionskatalog von Jacqueline Kennedy Onassis folgt – der tatsächlich einen Nachlass präsentiert und per Verkauf auflöst. Bloom leistet sich damit allerdings auch einen ironischen Kommentar auf die Retrospektive selbst, die den Rückblick auf ein abgeschlossenes Werk suggeriert, obwohl es längst nicht abgeschlossen ist.
______________________________________________________________
VIDEO | Kulturzeit | 3sat vom 30.10.2008
The Collections of Barbara Bloom | Die Konzeptkünstlerin aus New York, arrangiert Schattenspiele, perfekt in Szene gesetzte, gesammelte Objekte, und eine Schatzkammer voller Rätsel der Wahrnehmung auf der Suche nach Ästhetik.
| Video abspielen (0:44 min)
______________________________________________________________
Absurd und rätselhaft
DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Barbara Wiegand
Es ist dieser Blick fürs Absurde, der immer wieder grandios ist – und doch oft rätselhaft bleibt. Wenn Fotos geheimnisvoll mit Vorhängen verhängt sind und dahinter das Abbild eines weiteren Vorhangs zum Vorschein kommt. So dass das wahre Motiv verborgen bleibt. Wenn mancher Bilderrahmen nichts als Leere rahmt.
“Diese Ausstellung ist sehr kompliziert. Sie ist verwirrend. Irritierend. Die fehlenden Bilder, die Textfragmente, die Doppelungen. All die Fragen, die auftauchen. Aber ich hoffe, der Besucher erkennt die Schönheit in dieser Rätselhaftigkeit. Und er erkennt, dass ich all die vielen Fragen hier nicht ohne Grund aufwerfe.”
So ist diese Ausstellung sicherlich keine, die man sich mal eben so ansehen kann. Vielmehr verlangt sie dem Betrachter einiges ab. Genau hinzusehen etwa. Um die kleine, klitzekleine erotische Zeichnung zu entdecken, die Bloom auf ein Reiskorn gezaubert hat. Oder die Abbildungen japanischer Gärten, die als purpurrotes und grünes Farbenspiel unter der Decke hängen. Man muss sich einlassen auf diese eigenartige Retrospektive. Auf ein Gesamtkunstwerk, das man nie ganz und kaum in seinen Teilen versteht. Das aber durch sein klares Konzept der Mehrdeutigkeit fantastisch vielschichtig ist und einen weiten Blick auf die Sammlungen der Barbara Bloom – und unsere eigenen Bilderwelten öffnet.
DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen
______________________________________________________________
NEW YORK TIMES
| A Portrait of the Artist, in Bits and Pieces
| Photos & Infos
______________________________________________________________
Des Sammelns zarte Wonnen
ARTNET – Eric Aichinger
Die Idee, die Schau wie eine posthume Sammlungsausstellung zu präsentieren, die einer kultivierten Dame der feinen Gesellschaft des Fin-de-Siècle zur Ehre gereicht hätte, zielt auf die unterschwelligen Wertmaßstäbe ab, die unsere eigene visuelle Kultur regulieren.
So wird die heitere Grundstimmung, die über der Schau liegt, immer wieder durch Anklänge an das Morbide, durch ironische bis sarkastische Brechungen relativiert. Da verweist die in einer alten japanischen Technik reparierte Keramik einerseits auf Autobiografisches: einen tragischen Fenstersturz der Künstlerin, infolge dessen sie sich zahlreicher Operationen unterziehen musste. Andererseits klingt darin die Frage nach dem Wert von Original und Unikat an.
______________________________________________________________
WEB-BASED PROJECT BY ARTIST BARBARA BLOOM
Dia Art Foundation, New York City
Half Full – Half Empty | web project site
In Half Full – Half Empty, Barbara Bloom presents a still life that does not remain still. An ordinary table with ordinary objects atop – a candle, wine glasses, grapes, a gift, keys, a book – placed in a manner reminiscent of the familiar genre. As with many of Bloom’s works, innuendo plays a central role. One of her favorite sayings goes “A drink before, and a cigarette after, are the three best things in life.” In her work what is absent or unsaid frequently conveys just as much meaning as what is stated or present. In Half Full – Half Empty, it is agency that is missing and inferred: grapes disappear, cards turn over, a cup fills and spills, a wine glass fills, a candle is lit, with no person visible. The objects are the protagonists.
______________________________________________________________
The Collections of Barbara Bloom
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 9. November 2008
Related posts:







































