Kandinsky in München | das Geistige in der Kunst

KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT Lenbachhaus, München |
Die Städtische Galerie im Lenbachhaus, München präsentiert mit der Ausstellung “Absolut. Abstrakt” bis 22.02.09 rund 90 Gemälde von Wassily Kandinsky.
Im Kunstbau des Lenbachhauses werden ausschließlich Hauptwerke seiner Malerei präsentiert, die für Kandinskys künstlerische Entwicklung entscheidend waren. Die Bilderschau wird ergänzt durch die Ausstellung des kompletten druckgrafischen Werks Kandinskys im Lenbachhaus, rund 230 Holz- und Linolschnitte, Radierungen, Lithografien und Plakate Kandinskys aus den Jahren 1903 bis 1942.
Die Städtische Galerie im Lenbachhaus München, das Centre Georges Pompidou Paris und das Guggenheim Museum New York sind die drei Museen mit den weltweit größten Sammlungen an Werken Wassily Kandinskys.
Gemeinsam zeigen nun diese Museen eine große Retrospektive über diesen herausragenden Vertreter der modernen Kunst. Wassily Kandinsky, 1866 in Moskau geboren und 1944 in Paris gestorben, ist einer der großen Erneuerer der Kunst des 20. Jahrhunderts und gilt als Begründer der abstrakten Malerei. Das Lenbachhaus ist die erste Station der Kandinsky-Tournee. Die große Kandinsky-Schau wird anschließend noch in den Partner-Museen in Paris (April – August 2009) und New York (September 2009 – Januar 2010) gezeigt.
Während der Ausstellung ist die berühmte Sammlung des „Blauen Reiter“ im Lenbachhaus noch zu sehen, die ab Frühjahr 2009 wegen umfangreicher Bau- und Sanierungsmaßnahmen des Hauses bis 2012 nicht mehr ausgestellt werden kann.
| Kandinsky. Absolut. Abstrakt
| Kandinsky. Das druckgrafische Werk
| bis 22.02.2009
Lenbachhaus / Kunstbau, München
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KATALOG
Kandinsky. Absolut. Abstrakt
| gebunden mit Schutzumschlag
| Sprache: Deutsch
| 300 Seiten
| 147 farbige Abb.
| 87 schwarz-weisse Abb.
| 29,6 x 24,8 x 3 cm
Die drei weltweit größten Kandinsky-Sammlungen – Lenbachhaus München, Centre Pompidou Paris und Guggenheim Museum New York – präsentieren in einer gemeinsamen großen Retrospektive ab Herbst 2008 eine noch nie gezeigte Auswahl und Anzahl von Kandinsky-Gemälden. Die Konzentration auf rund 90 Hauptwerke hebt Kandinskys Rolle als Pionier und Theoretiker der Abstraktion besonders hervor und ermöglicht gleichzeitig einen intensiven Überblick über sein Gesamtwerk. Alle in der Ausstellung zu sehenden Werke werden in diesem Katalog mit großen Farbtafeln und ausführlichen Begleittexten von Kandinsky-Experten vorgestellt. Mit Textbeiträgen von Vivian E. Barnett, Tracey Bashkoff, Christian Derouet, Helmut Friedel, Matthias Haldemann, Annegret Hoberg.
KATALOG
Wassily Kandinsky: Das druckgrafische Werk
| Gebundene Ausgabe, Halbleinen
| Englisch, Deutsch
| 296 Seiten mit
| 237 farbigen und
| 45 s/w Abb.
| 24,5 cm x 29,5 cm
Die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München präsentiert bis 22.02.09 erstmals das gesamte druckgrafische Werk Wassily Kandinskys (1866 – 1944) in einer umfassenden Schau. Parallel zu der großen Kandinsky Retrospektive im Kunstbau zeigt das Lenbachhaus rund 230 Holz- und Linolschnitte, Radierungen, Lithografien und Plakate Kandinskys aus den Jahren 1903 bis 1942. In seinen frühen Jahren in München und Paris bis zur Zeit des Blauen Reiter 1911 schuf Kandinsky den größten Teilseines druckgrafischen Oeuvres, überwiegend Farbholzschnitte, wobei er mit bis zu sechs Farbzuständen pro Blatt experimentierte. Zwei Drittel der Ausstellung zeigen deshalb Blätter dieser Periode, daran schließen sich die Werke aus der Bauhaus-Zeit und den Pariser Jahren an.
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Tote Fliegen und Gebetsmühlen
TAZ – Hanna Schmeller
Zwei internationale Ausstellungen beschäftigen sich in München mit dem Transzendenten in der Kunst: “Traces du Sacré – Spuren des Geistigen” und “Wassily Kandinsky. Absolut. Abstract”.
“Sie heißen Juden, Katholiken, Protestanten und so weiter. In Wahrheit sind sie Atheisten, was einige der Kühnsten oder der Beschränktesten auch offen bekennen”, schreibt Wassily Kandinsky in seinem theoretischen Hauptwerk “Über das Geistige in der Kunst”. Mit Nietzsche schrieb er: “Der Himmel ist entleert. Gott ist gestorben.”
Aber wie nun weiter? Dem Nihilismus setzte er die Kraft der Assoziation entgegen: “Die Farbenpracht im Bilde muss den Beschauer gewaltig anziehen, und zur selben Zeit muss sie einen tieferliegenden Inhalt verbergen.” Dieser Gedanke steht jetzt im Mittelpunkt von zwei großen Museumskooperationen. Bis Januar 2009 zeigt das Haus der Kunst in München “Traces du Sacré – Spuren des Geistigen in der Kunst”, eine Übernahme des Centre Pompidou von rund 200 Werken aus den Jahren 1830 bis 2008.
Die Retrospektive “Wassily Kandinsky. Absolut. Abstract” soll dem kosmopolitischen Leben Kandinskys Rechnung tragen. In Moskau entdeckte er zwischen den Bildern weiterer französischen Impressionisten Claude Monets “Heuhaufen” von 1884. Zunächst störte er sich an der scheinbaren Abwesenheit des Gegenstandes; dann aber “sah ich zum ersten Mal ein Bild”. Zeitgleich lösten sich Künstler wie Frank Kupka, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian ebenfalls von der darstellenden Malerei. Die abstrakte Moderne war geboren, in Paris, Moskau und München.
“Unsere Aufgabe ist es nun einerseits, einen Link zu Kandinsky zu legen, damit man das Geistige in der Kunst mal so richtig versteht”, erklärt Chris Dercon, der Direktor des Hauses der Kunst, “und andererseits, neue lokale Ausdrucksformen zu finden.”
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BUCH | Wassily Kandinsky – Über das Geistige in der Kunst
(insbesondere in der Malerei)
| Broschiert mit
| 10 Holzschn.,
| 8 Bildtafeln
| Deutsch
| 176 Seiten
| 20,6 x 15 x 1,6 cm
“Der Himmel ist entleert. Gott ist gestorben.”
Die 1911 erschienene kunsttheoretische Schrift “Über das Geistige in der Kunst” war für die weitere Entwicklung der abstrakten Malerei von grundlegender Bedeutung, in ihr hat Wassily Kandinsky die bis heute relevanten Möglichkeiten abstrakten Gestaltens im Ansatz theoretisch vorformuliert.
Die 1912 rasch neu gesetzte zweite Auflage enthielt zahlreiche Fehler, die weder Kandinsky noch der Verlag bemerkten und die über alle Neuauflagen hinweg bis heute unberichtigt blieben. Die im Benteli Verlag erstmals 1952 erschienene Ausgabe mit einem Vorwort von Max Bill wurde nun durch Jelena Hahl-Koch vollständig überarbeitet, basierend auf den deutschen und russischen Originalfassungen. Gleichzeitig konnten unklare deutsche Formulierungen durch Vergleich mit der russischen Fassung verdeutlicht werden.
Damit liegt das theoretische Hauptwerk Kandinskys, das weiterhin zu den grundlegenden Schriften über moderne Malerei zählt, über hundert Jahre nach seinem Erscheinen in einer bereinigten Fassung vor.
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Paukenschlag im Kunstherbst – Best of Kandinsky in München
VIDEO | DEUTSCHE WELLE TV | wmv Windows Media ca. 6 Min. | 10.11.08
Reportage – Dennis Wagner
Kamera – Markus Rüth
Schnitt – Dennis Wagner
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Verlassen von allen Geistern der Moderne
FAZ – Niklas Maak
Es wäre interessant gewesen, den Zusammenhang von Kunst und Musik in dieser Zeit in einer Ausstellung zu erarbeiten.
Viele Theoretiker, unter ihnen Paul Valéry, Künstler und Architekten wie Le Corbusier haben sich parallel zu Kandinsky mit Musik und Malerei, mit der Frage auseinandergesetzt, welche Rolle Mathematik, welche der Zufall beim Erfinden neuer Formwelten spielt, wie Empfindungen gesteuert werden können. In der Musik wie in Malerei und Architektur wurde nach Räumen gesucht, die nicht mehr klassischen Perspektiv- und Harmoniegesetzen gehorchen, nach Notierungen jenseits von Notensystemen. Hans Blumenberg sprach in diesem Zusammenhang von einer „antiplatonischen Ironie“, von einer neuen Freiheit, hermaphroditische Formwelten zu erfinden, in denen klassische Kategorien wie „ Natur“ oder „Kultur“ aufgelöst werden.
In dieser geistes- und kulturgeschichtlichen Tradition hätte man auch Kandinsky anders im Museum inszenieren können – aber das ist nicht das Interesse der Schau, die lieber das alte Heldenmärchen vom Vorreiter der Abstraktion noch einmal erzählt.
Immerhin versuchen einige lesenswerte Beiträge im Katalog, die Irrwege von Kandinsky, seine theosophische Unterströmung, seinen Natur- und Formbegriff differenzierter zu betrachten, ohne aber dadurch die Forschung und das Verständnis für diese Phase der Moderne voranzutreiben. Noch heute, wird dafür im Katalog verkündet, gehe eine „ungebrochene Strahlkraft“ von den Bildern aus – wobei noch sehr die Frage ist, ob von „ungebrochen“ die Rede sein kann, wenn esoterische Lebenshilfebroschüren, Batikkurse und Aquarellschulen sich so überreichlich bei Kandinskys „lyrischem“ Malen bedient haben, dass man vieles ohne Grusel nicht ansehen kann? Trotzdem wird dem Besucher Bewunderung verordnet; getroffen von „ungebrochener Strahlkraft“ soll er in die Knie sinken – wir sind im Reich der Heiligenverehrung gelandet.
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Lenbachhaus / Kunstbau, München
| Kandinsky. Absolut. Abstrakt
| Kandinsky. Das druckgrafische Werk
| bis 22.02.2009
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