Spuren des Geistigen | Traces du sacre

Freitag, Dezember 5, 2008
By Peter Panter

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KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT Haus der Kunst, München |

Im Münchner Haus der Kunst sind bis zum 11. Januar 2009 rund 200 Werke, unter anderem von Joseph Beuys, Andreas Gursky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Piet Mondrian und Francisco de Goya zu sehen, die 2008 in ähnlicher Form im Pariser Centre Pompidou gezeigt wurde.

Die Kunstwerke aus den vergangenen zwei Jahrhunderten, beginnend mit den Anfängen der Säkularisierung, sollen Fragen nach neuen Formen der Darstellung des Göttlichen aufwerfen. Die Bandbreite reicht vom deutschen Romantiker Caspar David Friedrich bis zu dem für seine Tierkadaver berühmt-berüchtigten britischen Gegenwartskünstler Damien Hirst.

«Die Ausstellung hat auch eine Botschaft für die Trivialität des heutigen Kunstmarkts, nämlich dass wir versuchen müssen in einem Kunstwerk auch noch etwas anderes zu finden als Geld», sagte Dercon angesichts der rasant steigenden Preise auf dem internationalen Kunstmarkt.

Die Geburt des 20. Jahrhunderts stand im Zeichen eines tiefgreifenden Wandels, einer Glaubenserschütterung: die Philosophie Nietzsches mit der Aussage „Gott ist tot“, die Behauptung Max Webers von der „Entzauberung der Welt“ waren Ausdruck dieser spirituellen Krise, die zu einem veränderten Verhältnis des Menschen zur Religion führte. Dies bedeutete jedoch nicht das Ende der Metaphysik in der Kunst; es scheint vielmehr, als stünde die Moderne Kunst von Kandinsky bis Francis Bacon, von Joseph Beuys bis Damien Hirst gerade zu den metaphysischen Fragen in enger Beziehung – manchmal auch als ihre Antwort.

Ausgehend von der Mystik im Werk eines Caspar David Friedrich führte die künstlerische Suche nach geistigen und spirituellen Inhalten im Laufe des 20. Jahrhunderts zu herausragenden künstlerischen Positionen, die versuchten, dem Kosmischen und Unendlichen Ausdruck zu verleihen. Dabei näherten sich die Künstler dem spirituellen auf unterschiedlichsten Wegen: sie bezogen ihre Inspirationen aus der Lektüre okkulter und philosophischer Werke, aus den Entdeckungen fremder Kulturen und Religionen, aus alten Mythen oder der Erweiterung des Bewusstseins durch Trance, Halluzination und Drogen.

In 16 Kapiteln fächert die groß angelegte Ausstellung zentrale Themen verschiedener Epochen seit der Romantik auf: von Götterdämmerung über Ritual, Kosmos, Trance und Profanierung bis hin zur psychedelischen Kunst der Beatgeneration, Zen oder zeitgenössischen Sakralkunst. Werke der Gegenwart treten dabei mit jenen des 19. und 20. Jahrhunderts in einen Dialog, der von der fortdauernden Aktualität spiritueller Fragen in der Kunst zeugt.

Die Ausstellungen in Paris und München wurden realisiert vom Centre Pompidou, Paris
Konzeption der Ausstellung: Jean de Loisy
Kuratorin: Angela Lampe

Haus der Kunst München
Spuren des Geistigen
Traces du Sacré
| bis 11 Januar 2009

| WEB – SPECIAL des Centre Pompidou
| Ausstellungspräsentation der Superlative
| umfangreiches Videomaterial

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Geigerzähler des Absoluten

SUEDDEUTSCHE ZEITUNG – Johan Schloemann

Bei der neuen Ausstellung im Haus der Kunst nähern sich Künstler der Spiritualität auf unterschiedlichen Wegen.

Diese Ausstellung bietet vielfältige Kunsterlebnisse, aber um den Preis einer diffusen gedanklichen Konzeption. Weder wird das Verhältnis zwischen Kunst als Verehrung und Kunst als Verehrtem, also das Thema der Kunstreligion, klar benannt; noch wird gefragt: Ist es denn für die Rezeption des Kunstwerks wichtig oder gleichgültig, an was für transzendentes Zeug der Künstler glaubt? Liegt das ominöse Transzendente im Kunstwerk oder in der Inspiration, der “Spiritualität” des Künstlers?

Die Ausstellungsmacher äußern statt solcher Überlegungen die Hoffnung, mit den Inhalten dieser Schau könne man irgendwie dem Kapitalismus, der Komplexität der Gesellschaft, den Medien und so weiter einen Ruf nach Einfachheit und Wesentlichkeit entgegensetzen. So hat die Suche nach den “Spuren des Geistigen” auch etwas von Wünschelrute und Geigerzähler

SUEDDEUTSCHE – Artikel lesen

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VIDEO | Nam June Paik – Beatles Electroniques | 1969

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Wo die Welt zum Nagel wird

FAZ – Niklas Maak

Mit der Säkularisierung und der Abkehr von der Kirche, so die nicht eben berauschende These der Schau, habe sich die Suche der Künstler nach dem Unendlichen, nach Transgression, Transzendenz, Grenzerfahrung andere Formen gesucht; sich selbst ins Götterhafte aufschwingend, haben Künstler den neuen Menschen erfunden und ihn dann in den Greueln von Krieg und Völkermord sterben sehen.

Geht man durch diese Ausstellung, in der auffallend viele Exponate aus der Sammlung des Centre Pompidou stammen, wird man den Verdacht nicht los, die Aufgabenstellung sei gewesen, die disparaten Bestände unter einem Leitbegriff zusammenzuwürfeln – und dafür ist „Spuren des Geistigen“ natürlich ein dankbares Kriterium, nämlich gar keins. Kein Kunstwerk seit 1800, in dem man nicht mit ein wenig gutem Willen irgendeine „Spur“ von etwas „Geistigem“ finden kann.

… der Kurator tritt hier an die Kunst wie einer, der sich im Wüstensand verlaufen hat: Die Spuren, die er da sieht, sind die, die er selbst hineingetrampelt hat.

FAZ – Artikel lesen

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( zur Schau «Traces du Sacré» im Pariser Centre Pompidou 2008 )

Gottes Schatten in der Silhouette eines Kampfhelikopters

NZZ – Hanna Schmeller

Es ist das Verdienst der Kuratoren, Jean de Loisy und Angela Lampe, die Fülle an Denk-Spuren und Deutungs-Fährten, die der Titel der Schau auslegt, wenn nicht gebändigt, so zumindest gebündelt zu haben.

Manche Kapitel wirken etwas gesucht. Andere liegen auf der Hand – etwa «Art sacré» über die namentlich durch die französischen Dominikanerpater Couturier und Régamey initiierte Erneuerung der Kirchenkunst nach 1945 oder «Doors of Perception» über die vielfältigen Experimente mit Zuständen des erweiterten Bewusstseins von der Beat- bis zur Vietnam-Generation. Über die Opferzeremonien der Wiener Aktionisten, die Selbstverstümmelungsrituale späterer Performancekünstler sowie die – ungleich unblutigere – Vertiefung in «Orientalische Weisheiten» schliesst sich der Kreis mit einem letzten Kapitel über «Gottes Schatten». Diesen evozieren z. B. in einer Installation von Moshe Ninio israelische Kampfhelikopter, deren Silhouette den Betrachter und/oder Kriegsgegner, den sie überfliegen, an das ägyptische Lebenskreuz gemahnt.

Der Katalog

ist – für das Centre Pompidou ungewohnt – klar strukturiert und gut lesbar. Üppig illustriert und liebevoll gestaltet, schickt der 450-Seiten-Wälzer den Einführungstexten zu den 24 Kapiteln der Schau je ein bis zehn Kurzessays nach. Diese vertiefen Aspekte, die dort allenfalls gestreift werden. So enthält das zitierte Kapitel «Révélations cosmiques», um nur ein Beispiel zu nennen, neben einem Kurzporträt der dem grossen Publikum wohl kaum bekannten Hilma af Klint zwei Texte zu den Themen «Spiritismus und Art brut» sowie «Bauhaus und Esoterik». Diese 99 je eine – eng bedruckte – Seite kurzen Synthesen machen den Katalog zu einem Nachschlagewerk, das sicher nicht im Schrank verstauben wird.

Als erste Konkretisierung einer angekündigten Rückkehr der pluridisziplinären Ausstellungen, die einst das Markenzeichen des Centre Pompidou bildeten, darf «Traces du Sacré», von Konzerten, Konferenzen und Filmprojektionen begleitet, ein Erfolg genannt werden.

NZZ – Artikel lesen

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traces-du-sacre-katalog-2008.jpgKATALOG

Traces Du Sacre
von Angela Lampe (Autor), Jean de Loisy (Autor)

| Gebundene Ausgabe: 456 Seiten
| Verlag: Centre Georges Pompidou
| Service Commercial (Mai 2008)
| Sprache: Französisch
| 31,4 x 24,2 x 3,6 cm

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VIDEO | Faust – eine deutsche Volkssage | von F.W. Murnau, 1926
[ 1 St. 46 Min. ]

http://video.google.com/videoplay?docid=7688523464781787807

Die Suche des alten Faust nach Weisheit, das Angebot Mephistos, dem greisen Gelehrten mittels eines mit Blut besiegelten Pakts ein Leben in ewiger Jugend zu verschaffen, sowie Fausts Begegnung mit Gretchen mit den Episoden Verführung, Duell mit Gretchens Bruder Valentin, Pranger, Scheiterhaufen und Erlösung durch die Liebe. Und dies alles eingerahmt von den Streitgesprächen zwischen dem Erzengel und dem Herrn der Finsternis.

Balance zwischen Expressionismus und – vor allem bei den Landschaftsaufnahmen – der romantischen Malerei, etwa von Caspar David Friedrich und Lovis Corinth. ( wikipedia )

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Beten verboten

TAGESSPIEGEL – Nicola Kuhn

Spuren des Geistigen: Eine Ausstellung im Münchener Haus der Kunst sucht nach Gott in der Kunst und findet Skeptiker

Eigentlich galt er gerade noch als der böse Bube in der Kunst. Mit der Direktversteigerung seiner eigenen Werke für 140 Millionen Euro hat Damien Hirst gegen die heiligen Gesetze des Marktes verstoßen und sich der Todsünde Gier unverhohlen hingegeben. Doch schon kurz darauf erfährt er seine Wiedererhebung mit einer Ausstellung, die das genaue Gegenteil über ihn behauptet. Mit seinem schwärzlich-klebrigen Triptychon aus tausenden, mit Gießharz übergossenen Stubenfliegen bildet er den Auftakt für die fromme Schau „Spuren des Geistigen“ im Münchner Haus der Kunst. Der Titel von Hirsts Totenbild „Vergib mir Vater, denn ich habe gesündigt“ weckt jedoch Zweifel: Tut hier ein reuiger Sünder wirklich Buße? Oder zieht er nur geschickt die Register einer spirituell aufgeladenen Kunst in einer gottlosen Zeit?

Der britische Skandalkünstler schweigt sich fein darüber aus. Sein Werk verbindet perfekt den Tanz ums goldene Kalb mit einem Schuss Jenseitigkeit. In München aber zählt nicht sein schwarzer Humor, seine Widerständigkeit gerade gegen alles Religiöse, sondern die Sehnsucht nach dem Geistigen. In Anlehnung an Wassily Kandinskys berühmtes Buch „Über das Geistige in der Kunst“von 1911 wurde der ursprünglich französische Ausstellungstitel „Traces du Sacré“ nicht in Spuren des Heiligen, sondern Spuren des Geistigen übersetzt. Und so gelangt das Sünderlein Damien Hirst ins gleiche Himmelreich, den Olymp Museum, wie Caspar David Friedrich, Goya, Malewitsch und de Chirico, die jeder mit dem Verlust Gottes in ihren Werken hadern. Nicht erst seit Nietzsches Diktum „Gott ist tot“ wird die Erlösung in der Kunst statt in der Kirche gesucht.

TAGESSPIEGEL – Artikel lesen

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Haus der Kunst München
Spuren des Geistigen
Traces du Sacré
| bis 11 Januar 2009

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