Maria Lassnig | Körperempfindungen

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Stiftung Ludwig, Wien / Köln
Das MUMOK, Wien zeigt bis zum 17. Mai 2009 eine Werkschau der letzten zehn Jahre eine der bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen der Gegenwart.
Die Ausstellung wirft einen fokussierten Blick auf „Das neunte Jahrzehnt“ von Maria Lassnigs Schaffen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich ihr malerisches Werk immer konfrontativer und direkter, wobei die Künstlerin frühere Themen aktualisiert und variiert, ohne sich zu wiederholen.
Rund 60 Gemälde belegen die Vielfalt und überragende Position ihres von Farbintensität, Vitalität und ungebrochener Erfindungskraft geprägten Spätwerks. Maria Lassnigs radikale Selbstbefragung bedient sich einer kontrastreichen expressiven Farbgebung als Ausdruck einer oft an Sarkasmus grenzenden Ironie. Unter den Exponaten finden sich neue großformatige Bilder, die im MUMOK zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden.
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| MUMOK _VIDEO | Maria Lassnig – Ein Portrait [ 9.30 Min. ]
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In den letzten Jahren ist Maria Lassnig endgültig der internationale Durchbruch gelungen. Die Künstlerin gilt nachfolgenden Generationen als Vorreiterin und Visionärin, die den Diskurs und die Entwicklung der Malerei seit Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat. Im Zentrum ihres Schaffens steht seit sechzig Jahren die Künstlerin selbst bzw. das, was sie ihre „Körperempfindung“ nennt:
„Es ist sicher, ich male und zeichne nicht den ‚Gegenstand’ Körper (…), sondern ich male Empfindungen vom Körper.“ (Maria Lassnig, 1999).
Ihre Malerei zeigt einerseits die kompromisslose Offenlegung des eigenen Körpers und der eigenen Befindlichkeit, zum Anderen vermittelt sie den Blick von Außen und ermöglicht damit die scheinbar objektive Darstellung gleichzeitig existierender Körperwahrnehmungen.
Kurator: Wolfgang Drechsler
Maria Lassnig | Das neunte Jahrzehnt
| Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien
| bis 17. Mai 2009
Maria Lassnig | Serpentine Gallery 2008
Auswahl von Bildern der Ausstellung ansehen
Maria Lassnig | wikipedia
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KATALOG | Das neunte Jahrzehnt
| hrsg. von Wolfgang Drechsler.
| Vorw. von Edelbert Köb.
| Beitr. von Robert Storr, Jennifer Higgie & Werner Hofmann
| Sprache: Deutsch
| 146 Seiten
| 79 farb., meist ganzseit. Abb.,
| davon eine doppelseit. Falttafel,
| Chronologie, Ppbd.
| 31,4 x 23,4 x 1,8 cm
| Gebundene Ausgabe
“Es ist die Kunst, die macht mich immer jünger”. Dieser Satz von Maria Lassnig trifft auf sie zu wie sonst nur selten. In ihrem neunten Lebensjahrzehnt zeigt die österreichische Künstlerin eine ungebrochene Schaffenskraft.
Die mehr als 100 hier gezeigten Gemälde und Zeichnungen, die alle in den letzten zehn Jahren entstanden sind, belegen das feine Gespür der Malerin für die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Gleichzeitig dokumentieren sie eindrucksvoll zu welchem vielfältigen und kraftvollen Spätwerk die Künstlerin gefunden hat, wie sie ihr Frühwerk zitiert, ohne sich dabei zu wiederholen. Lassnig gilt als Vorreiterin und Visionärin für nachfolgende Generationen von Künstlern und hat deren künstlerische Entwicklungen entscheidend mitgeprägt.
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Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel

| Links: Selbstportrait im Möglichkeitsspiegel 2001 | Rechts: Gehirnlappen 1998
Das Museum Ludwig in Köln präsentiert bis zum 14. Juni 2009 das eher private Schaffen der Künstlerin. Die Retrospektive setzt bei den surrealistischen Zeichnungen der späten 1940er Jahre ein und verfolgt das zeichnerische Werk von den „Körpergefühlszeichnungen“ über die New Yorker Trickfilme bis hin zu den eher malerischen Formen im Aquarell in den 1970er und 1980er Jahren.
Der Schwerpunkt liegt auf ganz aktuellen Arbeiten, in denen Lassnig auf irritierende Weise schlichte Bleistiftzeichnungen mit grellen, oft schreiend bunten Hintergründen kombiniert. Bei den meisten dieser Zeichnungen handelt es sich um Selbstporträts. Maria Lassnig befragt in ihnen ihr Körpergefühl, die physischen Bedingungen ihrer Existenz. Papier dient dieser Künstlerin als Korrektiv, als Spiegel ihrer selbst, heute wie vor 60 Jahren.
Wie nur wenigen gelingt es Lassnig, ihre Empfindungen auf Leinwand und Papier zu bannen, ohne dabei kitschig oder gefühlsduselig zu werden. Im Gegenteil: Die mal ernsthafte, mal humorvolle Innen- und Außensicht erlaubt es dem Betrachter, nah dran zu sein und dennoch Distanz zu bewahren. Ganz deutlich lässt sich dieses Spiel von Nähe und Ferne in den Zeichnungen der Künstlerin nachvollziehen.
Kuratorin: Julia Friedrich
Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel
Das zeichnerische Werk
| Museum Ludwig, Köln
| bis 14. Juni 2009
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KATALOG | Maria Lassnig
Im Möglichkeitsspiegel.
Aquarelle und Zeichnungen von 1947 bis heute
| Deutsch, Englisch | 248 Seiten, | 107 Abb., | davon 76 farbig
| 22 x 24,40 cm | Gebundene Ausgabe
| Leinen mit Schutzumschlag
Der Band richtet den Fokus auf die sehr persönlichen und direkten Zeichnungen und Aquarelle der Künstlerin. Das Spektrum reicht von den informellen Zeichnungen der späten 1940er-Jahre, von den ‘Körpergefühlszeichnungen’ über die New Yorker Trickfilme bis hin zu den eher malerischen Formen im Aquarell der 1980er- und 1990er-Jahre. Der Schwerpunkt aber liegt auf aktuellen Arbeiten, in denen Lassnig schlichte Bleistiftzeichnungen mit häufig schreiend bunten Hintergründen kombiniert.
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“In der Kunst ist Eifersucht auch Ansporn”
Maria Lassnig im STANDARD-Interview
1980 wurde sie die erste Professorin an einer Kunsthochschule im gesamten deutschsprachigen Raum, da war sie 61. In dem Alter denken andere an Pension. Sie legte erst so richtig los: zweimal Documenta, Biennalen von Venedig und Peking, Museums- und Galerieausstellungen in Europa und den USA, Bestpreise bei Auktionen, unzählige Auszeichnungen wie etwa – als erste Frau – Großer Österreichischer Staatspreis und zehn Jahre später der Oskar-Kokoschka-Preis.
“Ich fange immer mit der Körpererfahrung an, aber dann kommen die Weltprobleme dazu …”
Seit sechzig Jahren untersucht Maria Lassnig ihre eigene Körperbefindlichkeit, malt ihre Innenwelten in, wie sie sagt, “Wirklichkeitsfarben: Gedankenfarben, Schmerzfarben und Qualfarben, Druck- und Völlefarben, Todes- und Verwesungsfarben, Krebsangstfarben”. Immer verbindet sie ihre Körpererfahrungen mit den großen philosophischen Themen wie Tod, Liebe, Krankheit, Vergänglichkeit, aber auch Zerstörung der Umwelt, Krieg, Vernichtung.
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Leichte Hand, schweres Herz
Die Presse – Almuth Spiegler
Ein Pistolenlauf an die eigene Schläfe gedrückt, der andere auf den Betrachter gerichtet – bum. Mit aller Konsequenz, wild entschlossen, scheint Maria Lassnig bereit, ihr schieres Leben zu verteidigen.
Hier und jetzt, in dieser Sekunde. Ihre panisch aufgerissenen Augen, ihr leicht geöffneter Mund nehmen den gleich einsetzenden Schrecken schon vorweg. Dieser prekären Situation, aggressiver Ausdruck unermesslicher Verzweiflung, ausgesetzt, spannt sich der Körper des Betrachters automatisch an, weiß der peinlich berührte Blick gar nicht, wohin er jetzt so auf die Schnelle fliehen kann – hier die Pistolen, da der ungewohnt freizügige Anblick des Körpers einer offensichtlich alten Frau, ihre Brüste, ihr Bauch, ihr Geschlecht… „Du oder ich“, da gibt es kein verschämtes Zögern, da ist Maria Lassnig knallhart.
Es fällt an sich schon schwer, vor Maria Lassnigs Malerei die eigenen Waffen nicht sofort zu strecken. Noch schwerer fällt das bei ihrer aktuellen Ausstellung, endlich wieder einmal, nach zehn Jahren, im Wiener Museum moderner Kunst. Da geht man endgültig in die Knie.
Die rund 60 Gemälde, alle aus dem vergangenen Jahrzehnt, reihen sich zu einem beeindruckenden Parcours des Staunens: über die ungemeine ironische Leichtigkeit, mit der diese große alte Dame der Malerei hier ihren Schmerz, ihr Leid, ihr Schicksal offenlegt. Über die frappierende Durchlässigkeit ihrer konsequent seit Jahrzehnten entwickelten, unverwechselbaren Kunst, neuen Formen und Inhalten gegenüber. Inhaltlich so aktuell, so brisant, stilistisch so experimentierfreudig und sicher – hier zeigt sich etwas höchst Seltenes, ein geniales Spätwerk. Unkorrumpiert vom Zeitgeist, aber trotzdem zeitgenössisch.
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Gemalte Dualität
DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Hartmut Krug
Ein Glanzstück der Ausstellung aber ist “Du oder Ich”. Das nackte Selbstbildnis mit zwei Pistolen hatte bereits im letzten Sommer in der Londoner Serpentine Gallery großes Aufsehen erregt. Auch in Wien, wo man durch eine Art Gang direkt auf das Bild zugehen muss, wird man von dem zwischen Kraft und Opferschwäche, zwischen Außen- und Innensicht changierenden Ausdruck des Bildes, auf dem die Beine des haarlos nackten Körpers der alten Frau provokativ gespreizt sind, zugleich fasziniert wie verunsichert.
Kurator Wolfgang Drechsler: “Es ist sicherlich ein sehr starkes, direktes Bild. Sie schaut einen auch unheimlich an, also die Augen verfolgen einen, wenn man davor steht. Sie hat zwei Pistolen in der Hand, eine hält sie sich auf die Schläfe, und die andere auf den Betrachter gerichtet und heißt noch ‘Ich oder Du.’ In Wirklichkeit ist das aber auch ein Kennzeichen überhaupt für ihr Schaffen: zwei Arten zu sein. Sie hat immer die Außen- und die Innensicht, und dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, zu sein. Also auch hier, ‘Ich oder du”, ist auch eine Entscheidung für innen oder außen. Sie hat auch ein Bild, das heißt ‘Orient und Okzident’, oder auch ‘die Gläubigen und die Gutgläubigen’. Also auch da immer diese Dualität, dass es immer mehr Seiten gibt als eine. Und ich glaube, das ist auch ihr Kennzeichen, dass es immer entweder/oder geben kann in ihrer Malerei.”
Das Bild ist sehr gelb gehalten, in einem Van-Gogh-Gelb. Maria Lassnig hat es als Darstellung einer einfachen Verzweiflung bezeichnet, bei der sie sich wie eine gelbe Zitrone gemalt habe, – das Thema sei der Tod.
Es ist eine starke Ausstellung geworden, auch mit überzeugenden Gefühls-Erinnerungsbildern wie dem mehrdeutigen “Die Lebensqualität”, auf dem eine nackt im See über der Untiefe mit dem Rotweinglas in der Hand schwimmtende Frau von einem großen Fisch ins Bein gebissen wird. Doch einen einheitlichen oder eindeutigen Altersstil findet man bei Maria Lassnig nicht. Kein Wunder, sah sie doch Stil immer nur als Mittel zum Zweck und versuchte sich erfolgreich an vielen Stilen Ihr Motto war: “Verwerft den Stil, ändert ihn jede Woche.”
DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Beitrag lesen
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3 Arten zu sein - 2004 - Oil on canvas | 126 x 205 cm
Sie zeigt, wie sie sich spürt
FAZ – Swantje Karich, Wien ( zu den Ausstellungen in Wien und Köln )
Maria Lassnig komprimiert ihr Ich auf der Leinwand, dem Zeichenblock oder im Film unermüdlich zu einer hybriden Essenz, die einen präzisen Punkt der Gewissheit über einzelne Philosopheme, aber auch ganz praktische Lebenserfahrungen trifft.
Wer Malerei bislang als körperlose Schautafelwelt gesehen hat, wird von Maria Lassnig lernen neu zu sehen.
Sie verdichtet sich in einer Gewissheit: der „Sensation“ des Augenblicks, „der meist so kurz ist, dass er intensiv ist und genau so mit dem Pinsel erhascht werden muss und eigentlich das Haupterlebnis meiner Malerei ist“.
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Der Weltzertrümmerer - 2001 - Oil on canvas | 100 x 125 cm
Das neunte Jahrzehnt
FR online – Peter Michalzik
Seltener als man glauben möchte, gibt es unter Künstlern jene Solitäre, die vor allem ihrer inneren Stimme folgen und auf deren Werk der Markt und seine Moden oder die Eigenbewegung der Kunst nur wenig Einfluss haben. Maria Lassnig ist ohne Zweifel einer dieser seltenen Solitäre.
Maria Lassnigs Bilder sind decouvrierend, insbesondere der Blick auf Männer ist oft krass. Ein nackter, schwerer Mann presst mit seinen massigen Armen an einer knautschigen, wasserballähnlichen Kugel: “Der Weltzertrümmerer” heißt das Bild von 2001, das seit einigen Monaten andere Konotationen herausbeschwört. “Der Biologe” und “Kinderschänder” heißen andere Bilder der Serie. Macht und Verfügungsgewalt über Körper finden sich immer wieder. Nicht umsonst werden diese Bilder seit einiger Zeit im Genderdiskurs immer wieder als Thronzeugen herangezogen. Aber sie bestehen auch jenseits solcher Indienstnahme und Sinngebung.
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Maria Lassnig | Das neunte Jahrzehnt
| Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien
| bis 17. Mai 2009
Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel
Das zeichnerische Werk
| Museum Ludwig, Köln
| bis 14. Juni 2009
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Merveilleux travail, sensible et décisif, très belles couleurs.
Découvert suite à l’émission Métropolis (Arté)j’ai également été touchée par la Femme, la légèreté et la violence de l’enfance, ludique et crue.
Elle EST.
Existe t il des livres en français retraçant son travail, ses réflexions, sa biographie ? (auteurs, éditeurs)
Danke sehr.
Ich war kurz vor Ausstellungsende in der Maria-Lassnig-Ausstellung in Köln und sah dort eine Zeichnung, die mir seither nicht aus dem Kopf geht. Sie stellte die Innenansicht einer Person dar, sozusagen von oben bis unten, vom Kopf über die Hüftknochen bis zu den Füßen. Leider habe ich im Katalog keine Abbildung gefunden, dummerweise auch die Information vom Etikett nicht abgeschrieben.
Gibt es eine Möglichkeit, die Arbeit zu identifizieren und/oder mir einen Rat zu geben, wie ich ein Foto oder einen Datensatz zu eigener Verwendung davon bekommen könnte?
Wir empfehlen, das Museum Ludwig in Köln zu kontaktieren:
Kontakt
Anne Buchholtz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Telefon +49-221-221-23491
Telefax+49-221-221-24114
E-Mail buchholtz@museum-ludwig.de
Viel Erfolg!