SPACE ODDITY im Warteraum | KAI SCHIEMENZ im Harburger Bahnhof

Kai Schiemenz - Die verlassene Kammer des Architekten 2009
Bis zum 12. Juli 2009 ist im Hamburger Süden eine spektakuläre raumfüllende Skulptur zu sehen, die daherkommt wie ein im Bahnhof gelandetes Flugobjekt “from outer space”. Der Ausstellungsraum ist besonders für Zugreisende günstig gelegen – direkt im IC-Bahnhof Hamburg-Harburg.
KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer
In den Ausstellungsraum des Kunstvereins Harburger Bahnhof – dem mit prunkvoller Holzvertäfelung versehenen, historischen Wartesaal 1. Klasse - hat der Berliner Künstler Kai Schiemenz eine begehbare Skulptur implantiert.
Mit dieser Ausstellung beendet der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen Ausstellungszyklus “Reihe:Ordnung sagt“, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorgestellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt hat.
Schiemenz räumliche Intervention, changiert zwischen Skulptur, Modell und Architektur, zwischen Anschauung und Nutzbarkeit. Sie beschäftigt sich mit der Konstruktion von Gemeinschaften in öffentlichen Räumen. Architektur wird nicht als neutrale Schachtel begriffen, sondern als konstitutives Element: Gemeinschaften werden ausgehend von Kollektoren geformt und genormt.
Vor dem Hintergrund der Debatte über die disziplinierende Funktion von Architektur untersucht die Ausstellung “Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft” in einer Laborsituation aus Workshops, Kolloquien und Aufführungen, die innerhalb und außerhalb der Skulptur stattfinden, Handlungsansätze und Praktiken im Raum.
VERANSTALTUNG
Freitag, 19. Juni 2009, 20 Uhr
Kunstverein Harburger Bahnhof
BAZON BROCK »Über die negative Affirmation«
Ein Vortrag | www.bazonbrock.deAffirmation muss nach Bazon Brock nicht die 100%ige Bejahung eines Zustimmung fordernden Anspruchs sein, sondern die mittels 150%iger Überhöhung radikalisierte Formulierung dieses Anspruchs. Durch die Drastik der Bejahung wird die Sinnlosigkeit vieler Aussagenansprüche in ihrer Konsequenz deutlich. Die Affirmationsstrategie wird seit den 1960er Jahren von vielen Künstlern genutzt, um Aussagenansprüche in ihrer Begründungslogik zu zerschlagen.
Der prominente Ästhetikprofessor, Protagonist des “Philosophischen Quartetts” und ehemalige Happeningkünstler ( Wundergreis ) Bazon Brock kam auf seinem “Lustmarsch durchs Theoriegelände” bereits 2006 in Hamburg-Harburg vorbei. Die Sammlung Falckenberg / Phoenix Art Kulturstiftung war die 11. und letzte Station einer Aktion zum 70 jährigen Geburtstag des Künstlers ohne Werk. www.lustmarsch.de
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Räumliche Situationen und deren soziale Organisation
Schon seit Ende der Neunzigerjahre beschäftigt sich der Künstler Kai Schiemenz mit räumlichen Situationen und deren sozialer Organisation. Seine erste “Arena” baute der HdK-Absolvent vor einigen Jahren im Neuen Berliner Kunstverein (NBK), weitere begehbare Skulpturen folgten. Im Sommer 2006 sorgte eine spektakuläre schneckenartige Turmkonstruktion, die er im polnischen Zamosc für das internationale Ausstellungsprojekt “Ideal city – Invisible cities” baute, für Aufsehen.
Das exekutierende Bindeglied zwischen künstlichen Welten und künstlichen Personen heißt Architektur. Schiemenz konstruiert keine künstlichen Welten, in denen sich reale Menschen aufhalten. Sondern wirkliche Modelle, die künstliche Menschen produzieren. Jeder Mensch befindet sich in der Nähe einer Architektur – die aber nicht lesbar macht, sondern nur codiert. Das Schloss. Die Wand. Das Fenster. Das Geheimnis dieser Räume liegt weniger in den Menschen, die diese Räume nach ihren Bedürfnissen geschaffen haben als in den diskreten Befehlen und uneinsehbaren Folgschaften, mit denen sie sich nach den Räumen richten und regeln, die sie bewohnen. Die Architektur als Gestell des Menschen baut – nach Heideggers “Bauen, Wohnen, Denken” – mit dem äußeren topos auch immer einen inneren nomos.
„Wohnst du noch oder lebst du schon?“
Mit „Bauen, Wohnen, Denken“ hat Martin Heidegger seinen Aufsatz überschrieben, in dem er darüber nachdenkt, was es bedeutet, wenn der Mensch sich ein Haus baut und einen Ort bewohnt. Bauen, Wohnen und Denken sind Tätigkeiten, mit denen der Mensch sich die Welt aneignet und die zusammengehören.
Heidegger macht die Beobachtung, dass unser Denken, so abstrakt es auch erscheinen mag, eng mit unseren Ortserfahrungen verbunden ist und nicht ohne sie auskommt. Der Vorgang des Denkens ist demnach nicht abstrakt, sondern arbeitet mit räumlichen Bildern. Er hat eine sinnliche Komponente. Er bedient sich der Bilder von Orten und Räumen, über die wir verfügen, die wir erinnern. ( Arne Alexander Klett )
Die Architekturen produzieren Situationen oder Funktionen – Begegnungen und Befehle an Menschen, die eher von Räumen manövriert werden, als dass sie sich in ihnen frei bewegen. Eine Architektur schafft Optionen, indem sie andere ausschließt. Weil sie kontingent ist, kann sie niemals Freiheit gestatten, sondern nur einen Freiraum innerhalb von etwas anderem, das ausgeschlossen wurde.
Räume ermöglichen Bewegungen, indem sie andere verbauen. Ausstellungsarchitekturen erzeugen Kunstwerke, indem sie andere verbunkern. Wenn Schiemenz eine Ausstellungsarchitektur zitiert – wie die Stellwände der X. Kunstausstellung der DDR 1987/88 in Dresden – dann wird damit nicht nur eine Institution und deren Repräsentation eingespielt. Als Architektur instituiert und formatiert die simple Stellwand auch Stellungen und Einstellungen, Blicke und Blickwendungen, Geschichten und deren Anordnung. Als Gestell der Kunst-Geschichte bindet die Ausstellungsarchitektur nicht nur die Betrachterfiguren, sondern auch deren Position und Haltung zur Kunst. [ via Knut Ebeling | Galerie Koch und Kesslau ]
Kunstverein Harburger Bahnhof ( Hamburger Süden )
Kai Schiemenz
“Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft”
aus der “Reihe:Ordnung sagt – Zukunft”
| Öffnungszeiten: Mi. bis So, 14 bis 18 Uhr
| bis 12. Juli 09
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Kai Schiemenz | kaischiemenz.blogspot.com
1966 in Erfurt, DE, geboren. Lebt und arbeitet in Berlin. Studierte an der Berliner Universität der Künste bei Lothar Baumgarten.
2009 | DAAD – Stipendium New York
( Deutscher Akademischer Austauschdienst ),
Artist in Residence in der Monash University, Melbourne (2008)
und in der Villa Aurora, Los Angeles (2005).
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Raumkapsel mit Theatersitzen
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Wo Kai Schiemenz auftritt, da wird der Kunstort zur Arena. Die vielpostulierte Behauptung, dass die Kunst ein soziales und diskursives System sei – dieser Künstler nimmt sie wörtlich und errichtet in Museen, Messen und Galerien fantasievolle Sperrholzarchitekturen, eingedampfte Amphitheater, amputierte Stadien, zerklüftete Redeplattformen.
Schiemenz, Jahrgang 1966, gebürtiger Erfurter, ausgebildet an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, schafft dem Kunstbetrieb Foren, in dem Artefakt und Mensch, Geselligkeit und Diskussion eins werden. 2003 baute er im Neuen Berliner Kunstverein eine abstrahierte Miniaturkopie des New Yorker Yankee-Stadions, die immerhin so groß war, dass ein Großteil der Halle ausgefüllt war und zwei Dutzend Besucher sich auf den Treppen niederlassen konnten. Bei den Gesprächsrunden wurde die architektonische Skulptur als Begegnungsstätte dankbar angenommen.
Überall, wo Schiemenz bislang seine hölzernen Gebilde wachsen ließ, da machten sie großen Eindruck und wurden rasch zum Zentrum des Geschehens: in diversen Kunstvereinen, die ja von ihrem Selbstverständnis her Ausstellungen traditionell als Ort Vermittlung betrachten; auf dem Berliner Art Forum, wo er die Talk-Lounge als kristalline Holzlandschaft gestaltete; im letzten Sommer in der polnischen Renaissancestadt Zamosc, als er Tatlins Monument für die III. Internationale als begehbaren Turm reanimierte; und noch vor wenigen Wochen im Club Transmediale, wo er eine raffinierte Spiralenkonstruktion als Sitzlandschaft ins Maria am Ostbahnhof hineinzauberte.
BERLINER ZEITUNG – Artikel lesen
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VIDEO | David Bowie – Space Oddity (Love You Till Tuesday Version 1969)
Space Oddity war 1969 zum ersten Mal für David Bowies Film Love You Till Tuesday aufgezeichnet worden. Der Song war dann in einer bekannteren Version während der Mondlandung weltweit im Radio zu hören. Der Text bezieht sich lose auf den Film 2001: A Space Odyssey von Stanley Kubrick.
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Veranstaltungs-Pavillons | Zum Zugang von Kai Schiemenz
artnews.org – Peter Herbstreuth
Kai Schiemenz nutzt die Infrastruktur der Kunsthäuser, um die skulpturalen Qualitäten seiner Innenraum-Pavillons zu propagieren. Hier lädt er zu Vorträgen und Gesprächen ein. Die Skulpturen dienen sowohl der Anschauung wie der Nutzung. Deshalb können sie als Archiskulpturen bezeichnet werden, die ihre Besonderheit als Denk- und Handlungsform hervorheben und Kunst (Konzept-Skulptur), Architektur (Pavillon) und Veranstaltung (Workshops, Kolloquien, Aufführungen) verbinden.
Schiemenz verbindet jede Präsentation mit einer Veranstaltungsreihe. Findet keine Veranstaltung statt, kann man die Architektur studieren – wie in Theatern oder Stadien auch. Die Verbindung von Architektur und Handlung als Exponat macht aus der Architektur ein Artefakt und aus der Handlung ein Ereignis. Wie eine Wanderbühne, die ihren architektonischen Sinn in den Veranstaltungen findet, erfüllt der Pavillon von Schiemenz seine Besonderheit als kleines Theater, das den Zuschauer zum Beteiligten macht und zur Darstellung auffordert. Die Formen inszenieren den Auftritt; der Auftritt selbst hängt von der Tagesform der Beteiligten ab.
Zugänge zu White Cubes sind bei Veranstaltungen meist verstellt. Wer herein kommt oder hinausgeht, bleibt in vielen Fällen unbemerkt und geht in der Menge unter. Nicht im Theater von Schiemenz. Er kehrt den stets heruntergespielten Eingang der White Cubes um und lässt jeden Neuankömmling vor aller Augen auftreten. Das Sehen und Gesehen-Werden ist so total wie detailliert.
In den Theatern von Schiemenz ist der Blick direkt und jedes Gesicht unterscheidbar. Man geht nicht nur in einen Raum hinein, sondern wird – wie im aristokratischen Frankreich auf einer Plattform vorgestellt – kurz Zentrum der Aufmerksamkeit und tritt in einen kategorial anderen Raum. Hier gewinnt der Gast eine Identität gemäß seinem Auftritt. Daher fungiert der Pavillon als durch seinen Eingang markierte Diskontinuität, als Heterotop, als ein anderer Raum im Ausstellungshaus. Und damit jeder das spürt, hat der Künstler den Zugang als merkliche Schwelle gebaut. Wer nicht durch diese Passage geht und lediglich von außen schaut, bleibt konventioneller Ausstellungsbesucher. Wer sich in dem Gebilde befindet, ist Teil des Exponats und wird von außen ebenso aufmerksam betrachtet wie Bilder an der Wand oder die Lamellen des Gehäuses. Erst auf der Schwelle verwandelt sich der Besucher zum beobachtenden Teilnehmer.
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Eine Ausstellung im Rahmen von SPACE REVISED
| Mai – August 2009 |
Ein Kooperationsprojekt von GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Künstlerhaus Bremen, Halle für Kunst Lüneburg und Kunstverein Harburger Bahnhof.
Im Mittelpunkt steht die Reflexion über die vielfältige Verfasstheit des Raumes in der zeitgenössischen Kunstproduktion.
Raumaneignung, Raumverlust, Raumverschiebung und sozialer Raum sind die vier Blickwinkel, aus denen heraus die Kooperation von GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Künstlerhaus Bremen, Halle für Kunst Lüneburg und Kunstverein Harburger Bahnhof einen aktuellen Zwischenstand in der jüngsten künstlerischen Auseinandersetzung nachzeichnet.
Liste der einzelnen Ausstellungen:
- 17. Mai – 9. August
GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen -
“Friendly Takeovers. Strategien der Raumaneignung”
(Cezary Bodzianowski, Bob Braine & Leslie C. Reed, Trisha Brown,Christian Haake, Guillaume Leblon, Daniel Maier-Reimer, Katrin Mayer, Rosalind Nashashibi, Peles Empire) www.gak-bremen.de - 17. Mai – 16. August
Künstlerhaus Bremen - “Verbleib unbekannt”
(Bob Braine & Leslie C. Reed, Elín Hansdóttir, Erik Olofsen, Guido
van der Werve, John Wood & Paul Harrison) www.kuenstlerhausbremen.de - 16. Mai – 12. Juli
Halle für Kunst Lüneburg – “What if This Was a Piece of Art?”
(Guillaume Bijl, Wolfgang Breuer, Yan Duyvendak, FLOSS/VHDG, Graham
Hudson, Christian Jankowski, Benoît Maire, Falke Pisano) www.halle-fuer-kunst.de - 16. Mai – 12. Juli
Kunstverein Harburger Bahnhof - “Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft” (“Reihe:Ordnung sagt – Zukunft” mit Kai Schiemenz) www.kvhbf.de
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Kunstverein Harburger Bahnhof
Kai Schiemenz
“Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft”
aus der “Reihe:Ordnung sagt – Zukunft”
| Öffnungszeiten: Mi. bis So, 14 bis 18 Uhr
| bis 12. Juli 09
Kunstverein | indep. archive
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