ISA GENZKEN – Sesam, öffne Dich | Retrospektive

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Mit über siebzig Werken bietet die Ausstellung bis zum 15.11.2009 einen bisher einzigartigen Überblick über die künstlerische Entwicklung Isa Genzkens von den Anfängen Ende der 1960er Jahre bis hin zu aktuellen Arbeiten.

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Pressetext Museum Ludwig, Köln

Isa Genzken zählt zu den interessantesten Künstler/innen der Gegenwart. 2007 war sie mit der Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig beauftragt. Das umfangreiche Werk der Bildhauerin umfasst Skulpturen und Installationen, Projekte im öffentlichen Raum, aber auch Fotos, Collagen und Filme sowie Arbeiten auf Papier. Isa Genzkens Arbeiten erweisen sich als äußerst durchlässig für aktuelle gesellschaftliche, politische und ökonomische Rahmenbedingungen und beeindrucken durch mediale Vielfalt und hohe thematische Stringenz.

Sie verbindet in Empire/Vampire – Who kills Death (2003) riesige Cognac-Schwenker, Fantasy-Plastikfiguren, Spiegelfolien zu fragilen Tableaus zwischen Trash, Glamour und Apokalypse.

Anmerkungen zu Isa Genzkens who kills death
von Melanie Franke in Museum für Gegenwart 8/2007

Auf 22 Säulen entfaltet sich ein Panorama aus Katastrophenszenarlen und Allegorlen des Todes aller Art. Gewalt, Krieg, Zerstörung, Irrsinn und Groteske spielen in einem theatralisch-düsteren Mikroszenario ineinander. Je Säule eine Szene. Da verbergen sich Spielzeugsoldaten in Falten tarnfarbener Hosen, sind auf der Flucht vor einem unsichtbaren Gegner. Arrangements aus Glitzerfolle, zerbrochenem Glas, altem Brot, Baumarktmaterialien und Plastikblumen stellen Szenen futuristischer Städte dar. Mit grellbeißenden Neonfarben besprühtes Brot ruht auf einem edlen Weinglas, in einem anderen haben sich Miniaturfiguren ausweglos verfangen, im schönsten Weinkelch blüht eine Plastiklilie in sanftem Rose. Kindergummistiefel mit Camouflagemuster bilden einen Kriegsschauplatz, gebogenes Glitzermetall wird zur Rampe. Vanitas- und Vergänglichkeitssymbolik, wohin das Auge blickt. Figuren und Szenen aus der low culture – Trash -, aus Fernsehserien und Blockbuster-Filmen, all das tummelt sich hier, spielt Krieg. Dieses Gewaltszenario erweist sich als globales und historisch nicht zu verortendes Phänomen, denn die Figuren repräsentieren verschiedene Kulturen und Epochen. [...]

Die gemeinsam von der Whitechapel Gallery und dem Kölner Museum Ludwig konzipierte Schau stellt Genzkens Werk in seiner ganzen Bandbreite vor – von den Ende der 1970er Jahre entstandenen minimalistischen Arbeiten bis hin zu den Assemblagen und Rauminstallationen, mit denen sie die widersprüchlichen Bedingungen einer aus den Fugen geratenen Welt reflektiert.

Kuratoren: Prof. Kasper König, Nina Gülicher

Isa Genzken – Sesam, öffne Dich
| Museum Ludwig, Köln
| bis 15.11.2009

Isa Genzken auf wikipedia

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isa-genzken-sesam-oeffne-dich-2009-katalogKATALOG

Isa Genzken. Sesam, öffne dich!
(Gebundene Ausgabe)

248 Seiten
199 meist farbige,
teils ganz- bzw. doppelseitige Abbildungen,
Ausst’verz., Bibliographie, Ppbd.
Sprache: Deutsch
28,8 x 23,8 x 2,3 cm

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Vorw. von Iwona Blazwick und Kasper König. Beitr. von Yve-Alain Bois, Ulrich Loock, Dieter Schwarz, Gregor Stemmrich, Daniel Birnbaum, Charlotte Cotton & Helmut Draxler. Mit Künstlerbeiträgen von Wolfgang Tillmans, Lawrence Weiner u.a.

“Sesam, öffne dich!” ist der Titel, den die Bildhauerin Isa Genzken für ihre umfassende Einzelausstellung im Museum Ludwig, Köln und in der Whitechapel Gallery, London wählte. Es ist auch der Titel für den Katalog, der begleitend dazu erscheint und der die Komplexität und die Kontinuitäten ihres Werks widerspiegelt.

In dem übergreifenden Essay “Der Clochard und der Architekt” führt Yve-Alain Bois die Themenstränge der Architektur und der Konsumkultur zusammen, die Isa Genzkens Werk durchziehen. Zudem liefern 20 Autoren kürzere Werkmonographien, die jeweils detailliert auf einzelne Werke oder Werkgruppen eingehen.

Kasper König bespricht mit Isa Genzken ihre Außenprojekte; die Elipsoide und Hyperbolos sind das Thema von Ulrich Loocks Beitrag. Donna De Salvo, Chefkuratorin des Whitney Museums schreibt über die “Säulen”. Der Künstler und Kurator Helmut Draxler befaßt sich mit “Ground Zero”. Der Filmkurator Ian White bespricht die Filme “Chicago Drive” und “Meine Großeltern im Bayrischen Wald”. Zudem konnten Dan Graham, Wolfgang Tillmans und Lawrence Weiner für drei Künstlerbeiträge gewonnen werden.

Mehr als drei Jahrzehnte von Isa Genzkens künstlerischer Entwicklung werden mit rund 160 Abbildungen vorgestellt, einige davon wie die farbige Abbildung ihres Tulpenprojekts für Amsterdam sind hier erstmals publiziert. Der umfangreiche Anhang enthält eine ausführliche, überarbeitete Biographie und Bibliographie. Ein neues Standardwerk zu einer der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart .

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Isa Genzken | OIL Installationsansicht Deutscher Pavillon Venedig 2007

Biennale von Venedig 2007

Isa Genzken war die Künstlerin des deutschen Beitrags auf der 52. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig 2007. Genzken schuf eine Ausstellung speziell für den Deutschen Pavillon, die sich der geschichtsträchtigen Architektur des Gebäudes annahm und diese kommentierend in Szene gesetzt hat.

Die Ideale des Modernismus und ihre populär-kulturelle Umcodierung, die vor allem in der nordamerikanischen Kunst und Alltagskultur zum Ausdruck kommen, erfahren in Genzkens Beitrag für die Biennale di Venezia eine Metamorphose, in der Glanz und Elend, Euphorie und Desillusionierung eng beieinander liegen.

So ist auch der Titel der Ausstellung im Deutschen Pavillon “Oil” zu verstehen. „Oil” spielt bewusst mit verschiedenen Ebenen, die einerseits etwas konkret benennen – einen globalen, zunehmend umkämpften Rohstoff -, andererseits aber auch die Abstraktion der Metapher wählen. “Oil” ist Ausdruck der Zeit, in der wir leben und reduziert Komplexität auf ein sinnfälliges Bild, das nicht von ungefähr in verschiedenen Slogans verwendet und gleichermaßen zum Krisenszenario der Zukunft wie zum Ausdruck von Freiheit stilisiert wird. [ via Deutscher Pavillon ]

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genzken-venedig-biennale-2007-katalogPUBLIKATIONEN

52nd International Exhibition of Visual Arts 2007:
La Biennale Di Venezia (Taschenbuch)
von Robert Storr

Isa Genzken | OIL | Biennale Katalog Venedig:
German Pavilion, Venice 2007 (Gebundene Ausgabe, english)
Official publication of the German Pavilion.

 

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In einem Gespräch mit Wolfgang Tillmans beschreibt Isa Genzken, wie ihrer Meinung nach eine Skulptur aussehen sollte:

„Sie muss einen gewissen Realitätsbezug haben. Also nicht irgendwas Versponnenes oder gar Ausgedachtes, so daneben und höflich. [...] eine Skulptur ist eigentlich wie ein Foto – sie kann zwar verrückt sein, sie muss aber immer noch so einen Aspekt haben, den die Realität auch hat.”

(aus: Camera Austria, Nr. 81/2003, S. 7.-18) Gespräch lesen

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Isa Genzken – Sesam, öffne Dich
Retrospektive
| Museum Ludwig, Köln
| bis 15.11.2009