SUBVISION | Hafencity Hamburg

no matter how hard she tried everyone knew ...
KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Subvision
subvision. kunst. festival. off.
31 Künstlergruppen, freie Projekträume, Off-Spaces und Research Projekte aus 19 Ländern, die sich außerhalb etablierter Institutionen und ungeachtet kommerzieller Verwertbarkeit entwickeln, schaffen ein Präsentationsforum mit Ausstellungen, Künstlergesprächen, Performances, Konzerten, Lesungen und Videoscreenings.
Eine temporäre Ausstellungsarchitektur ( 27.08. – 06.09.2009 ) aus Schiffscontainern und Baugerüsten bildet den Rahmen für das Projekt. Der Entwurf für das noch unbebaute „Filetstück” der Hafencity orientiert sich an stadtplanerischen Modellen und möchte diese nicht ohne Ironie zitieren.
Ort: Strandkai, HafenCity Hamburg
Der Eintritt ist kostenlos.Festivalöffnungszeiten: 27.08. – 06.09.2009
Sonntag bis Donnerstag 14 – 22 Uhr
Freitag und Samstag 14 – 24 UhrEinzel- und Gruppenführungen täglich 15 & 18 Uhr oder nach Anmeldung per Mail an
kunstvermittlung.subvision@hfbk-hamburg.de
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FESTIVAL
subvision stellt Initiativen in den Mittelpunkt, die jenseits traditioneller Formen des Kunstbetriebs mit seinen Messen und Biennalen neue Ausstellungs- und Vermittlungsformate erproben. Zum ersten Mal kommen Künstlerinitiativen aus der ganzen Welt an einem Ort zusammen, deren Arbeitsweisen und Strategien der Präsentation und Distribution von Kunst sich außerhalb etablierter Institutionen und kommerzieller Strukturen bewegen. Dazu zählen freie Ausstellungsräume – so genannte „Off Spaces” oder „Artist-run Spaces”, nomadische Projekte, spezielle Archive, eigenverlegte Magazine wie auch alternative Vermittlungsnetzwerke oder Forschungsprojekte.
KÜNSTLERINITIATIVEN
Insgesamt werden 30 internationale Künstlerinitiativen aus 20 Ländern in die Hansestadt eingeladen – aus einem Spektrum von weit über 300 im Vorfeld recherchierten Gruppen. Mit dabei sind „Gugulective” aus Südafrika, „Publish and be damned” aus Großbritannien, „The Suburban” aus den USA, „C.A.A.” (Center for Art Analysis) aus Rumänien, „Chto Djelat” aus Russland oder „Baltic Raw Org” aus Hamburg.
Kuratorin Brigitte Kölle zur Auswahl: „Mit subvision wollen wir ein internationales Panorama entwerfen, das sowohl Einblicke in ein lebendiges, weites Feld ermöglicht als auch der Eigenständigkeit und Besonderheit einzelner Initiativen gerecht wird.”
Künstlerliste:
- 98weeks research project, Beirut (LB)
- Artspeak Vancouver (CA)
- BALTIC RAW ORG, Hamburg (DE)
- Barbur, Jerusalem (IL) & Darom Tel, Aviv (IL)
- Bell Street Project Space, Wien (AU)
- CAA / CAA (Contemporary Art Archive / Center for Art Analysis), Bukarest (RO)
- Chto delat / Was tun?, Sankt Petersburg (RU)
- De Service Garage, Amsterdam (NL) &
ParachutArtists Foundation, Amsterdam (NL)- D.I.V.O. Institute, Prag (CZ)
- Estación Tijuana, Tijuana (MX)
- F.A.I.T. (Foundation Artists – Innovation – Theory), Krakau (PL)
- Galleria Huuto, Helsinki (FI)
- Graffiti Research Lab, Vienna vs. Memory9, London (UK)
- Guestroom, London (UK)
- Gugulective, Kapstadt (ZA)
- i-cabin, London (UK)
- Kling & Bang gallery, Reykjavik (IS)
- Komplot, Brüssel (BE)
- Konsortium, Düsseldorf (DE)
- Kunst-Imbiss, Hamburg (DE)
- Mahony, Wien (AT)
- N55, Kopenhagen (DK)
- noroomgallery, Hamburg (DE)
- Para/Site Art Space, Hongkong (CN)
- Publish and be Damned, London (UK)
- Sparwasser HQ, Berlin (DE)
- The Hex, London (UK) & trottoir, Hamburg (DE)
- The Suburban, Oak Park (US)
SUBVISION gliedert sich in drei Teile:
- eine Ausstellung, die sich abhängig von der Dynamik der vor Ort arbeitenden Künstler im Laufe des Festivals immer wieder verändern wird;
- eine temporäre Akademie mit Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Seminaren;
- sowie ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Performances, Buchpräsentationen und Konzerten.
Die besondere Mischung aus Ausstellungs- und Arbeitssituation eröffnet neue Möglichkeiten der Vernetzung – zwischen den einzelnen Künstlerinitiativen als auch mit interessierten Besuchern.
ARCHITEKTUR

Die Architektur Werkstatt Hamburg hat gemeinsam mit der HafenCity Hamburg GmbH eine temporäre Ausstellungsarchitektur aus Schiffscontainern und Baugerüsten entworfen, die sich an urbanistischen Modellen orientiert. So entsteht auf dem Strandkai eine „Stadt in der Stadt”, die mit ihrer Block-Struktur sowohl an den Stadtplan von Manhattan als auch an ein Spielfeld erinnert. Jedes Einzelfeld besteht aus ein bis drei Containern in den Farben Rot (Hamburg Süd), Blau (NYK) und Grün (Capital Intermodal) und wird von jeweils einer Künstler-gruppe „besetzt”. Orte der gemeinsamen Nutzung wie Veranstaltungshalle und Café fördern das partizipatorische Moment. Alle baulichen Elemente und Materialien werden nach Ablauf des Festivals weiterverwendet.
SCHAUPLATZ
Die HafenCity Hamburg als derzeit größtes innerstädtisches Bauprojekt in Europa ist ein idealer Schauplatz für subvision, weil sie zugleich Kontext und Kontrastfläche zu den künst-lerischen Inhalten und Fragestellungen bildet. Dieses produktive Spannungsverhältnis ist erwünscht. subvision nutzt eine 10.000 Quadratmeter große Fläche auf dem Strandkai in der westlichen HafenCity – ein „Filetstück” direkt an der Elbe und in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – für eine kraftvolle künstlerische Setzung, von deren überregionaler Ausstrahlung die Stadt Hamburg auf vielen Ebenen profitieren kann.
KOOPERATION
subvision wird von der Kulturwissenschaftlerin Brigitte Kölle kuratiert und steht unter der künstlerischen Leitung des Präsidenten der Hochschule für bildende Künste, Martin Köttering. Ermöglicht wird dieses Festival durch eine Kooperation der Hochschule für bildende Künste, den Deichtorhallen und der Hamburger Kunsthalle sowie durch die Unterstützung zahlreicher öffentlicher und privater Förderer.
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Das Kunstfestival ist im Vorfeld schwer umstritten. “Schon jetzt machen sich die tendenziell spaltenden Kräfte dieses Unternehmens auf der lokalen Ebene bemerkbar.” [WSW]
Stimmen zum Projekt / Wer benutzt wen ? off ? subversiv ? Vision !
Wir Sind Woanders | www.wirsindwoanders.de
Subvision ist im Grunde ein vollkommen überflüssiges Konzept. Es handelt sich nämlich um die nachgeahmte Version eines 2007 von freien Hamburger Kunstinitiativen, in genau dieser Stadt ins Leben gerufenes Projekt: Wir Sind Woanders #2 European Art Festival
Subvision bevorzugt es, ausländische “Off-Kunst”-Initiativen einzuladen. Die Herrschaften haben sich vorgenommen, ihre Gäste vorübergehend zu instrumentalisieren und ganz nach ihrem Gusto dafür einzusetzen, die selbst-organisierten Prozesse und unbequemen Forderungen der lokalen Initiativen zu ignorieren oder auszubremsen. Schon jetzt machen sich die tendenziell spaltenden Kräfte dieses Unternehmens auf der lokalen Ebene bemerkbar.
siehe auch | KOMM in die Gänge | HAUSBESETZUNG als Kunstaktion
( zeitgleich, parallel zur SUBVISION initierte urbane subkulturelle Kunstaktion – Hamburg 8-2009)
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VIDEO | Das Projekt SUBVISION wird vorgestellt von Martin Köttering ( Hamburger Kunsthochschule ), 05. Februar 2008 HafenCity InfoCenter Hamburg ( Ausschnitt )
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Brigitte Kölle, Kuratorin von “Subvision”
Es gebe zwar einen Widerspruch zwischen Off-Kunst und der gerade zum Exklusiv-Viertel mutierenden Hafencity, “aber genau das macht das Festival doch interessant: Wir wagen uns in die Höhle des Löwen, um uns mit ihm auseinanderzusetzen”. [ via TAZ 8.2009 - Off-Kunst von oben ]
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SUBVERSION – SUBVISION
Viele Subversionen finden in spezifischen und mehr oder weniger engen Räumen statt, ohne je in andere Räume überzugehen, wie z.B. im Fall von künstlerischen Manifestationen, die als subversiv gedacht sind und/oder als subversiv verstanden werden. Nicht selten benötigt es bestimmte Ressourcen, um künstlerische, intellektuelle, theoretische Formen von Subversion zu initiieren und zu rezipieren.
Polemisch formuliert: Es gibt Formen der Subversion für Eingeweihte, in denen einige wenige die Ressourcen besitzen, die Subversion zu produzieren und zu erkennen. Dass damit Subversion auf problematische Weise zu einer „elitären” Methode politischen Handelns gemacht wird, bleibt meist unreflektiert.
[ Astrid Peterle - MALMOE-Schwerpunkt "Subversion" in Heft 45 ]
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Was ist heute noch subversiv?
ZEIT – Hanno Rauterberg
Viele der subversiven Künstler wollen keine Werke, keine Produkte abliefern, die sich vermarkten und vereinnahmen ließen, und entscheiden sich deshalb lieber gegen Malerei und für Aktionismus und das Prozessuale. Allerdings schützt sie das keineswegs vor Vereinnahmung. Längst gibt es eine Subversion der Subversion, von Großkonzernen betrieben.
Sie legen sich nicht nur eigene Sammlungen zu, sondern imitieren auch die Künstlerstrategien des Intervenierens und Camouflierens. Ganz im Stil einer Off-Galerie betreiben adidas oder Comme des Garçons sogenannte Guerilla-Stores, Läden ohne Ladenschild in einer verlassenen Autowerkstatt oder Schlachterei, in denen dann die Hemden vom Fleischerhaken baumeln und die Schuhe auf Europaletten stehen – damit die eigenen Luxusprodukte schön authentisch erscheinen.
Die Subversion hat sich in eine Art Lifestyle verwandelt. Und während sich früher die subversiven Künstler gern als lästige Parasiten verstanden, die dem Wirtskörper des Kapitalismus kräftig zusetzen, kehren sich heute die Rollen um. So haben auch die Festival-Künstler in Hamburg den Strandkai keineswegs erobert, nein, sie wurden eingeladen, und ihr Festival wird von vielen Großunternehmen unterstützt, nicht zuletzt von der HafenCity GmbH. Nur zu gut passt die temporäre, ereignisgetriebene Kunst des Subversiven ins Eventkonzept der Stadtvermarkter.
Im »Mainstream der Minderheiten« (Tom Holert) reicht es eben nicht mehr aus, nur anders zu sein, um anders zu sein, die Provokationsschraube weiter anzuziehen oder ein wenig die Wahrnehmungsgewohnheiten zu irritieren. All diese Formen des Off sind heute on – nur hohle Gesten. Es sei denn, die Künstler begnügten sich nicht damit, allein um Form- und Strategiefragen zu kreisen. Und sie ließen ihre ästhetische wie ihre politische Fantasie wieder spielen.
Im Hintergrund der Kunst muss etwas aufleuchten, das von einer Alternative kündet, von einer gesellschaftlichen Gegenwelt. Solange das nicht gelingt, solange es an Utopien mangelt, wird subversive Kunst kaum mehr sein als selbstverliebte Folklore. Ein großer Spaß für alle, ohne große Folgen.
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Mitmachen oder nicht?
TAZ – Klaus Irler
In Hamburgs Prestige-Stadtteil Hafencity findet derzeit das Festival “Subvision” statt. Für einige Künstler ist das Festival eine Chance zur Präsentation, für andere wirft es die Frage auf, ob man sich nicht zur Imagepflege instrumentalisieren lässt
Es gab Streit um dieses Festival, einen sehr hamburgischen Streit, der der Veranstaltung eine gewisse Würze verleiht. In einer Resolution im Internet warfen 24 Unterzeichner aus der Hamburger Off-Szene den Subvision-Veranstaltern unter anderem vor, die ausländischen Off-Kunst-Initiativen zu instrumentalisieren und damit “die unbequemen Forderungen der lokalen Initiativen auszubremsen”. Die Resolution ist nicht neu, trotzdem gibt es auf der aktuellen Festival-Website www.subvision-hamburg.com als Seitenaufmacher eine Entgegnung der Künstlerinitiative Chto delat aus St. Petersburg. Im Kern geht es um die Frage, wie man sich als Künstler zur künstlerischen Aufwertung von umstrittenen Stadtentwicklungsprojekten wie der Hafencity verhält: Mitmachen, weil es sich um eine Chance für die Kunst handelt? Oder sich verweigern, weil man sich nicht vor einen Marketing-Karren spannen lassen will, der für den Imagegewinn eines Luxus-Stadtteils da ist?
Mark Divo von der Züricher Künstlerinitiative D.I.V.O. Institute kennt das Problem, dass die Mietpreise die Künstler aus der Stadt treiben nur zu gut aus Zürich.
Zur Hafencity sagt er: “Ich finde es toll, dass man ein Ghetto für die Reichen baut. Die bleiben dann unter sich und machen nicht die Innenstädte unbewohnbar.”
Divo sagt das ganz nüchtern, ohne Bitterkeit. Die D.I.V.O. Institutsmitglieder haben unter anderem eine Landschaft aus Kissen gebaut. Auf denen können sich die Besucher von diversen Multimedia-Installationen ausruhen und ihre Eindrücke auf einer Schreibmaschine zu Papier bringen. Wer seine Texte referiert, bekommt ein Bier. “Die Hafencity-Leute werden sich nicht für uns interessieren”, sagt Divo. “Aber die Diskussion ist symptomatisch.”
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subvision. kunst. festival. off.
HafenCity Hamburg
27.08. – 06.09.2009
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