KOMM in die Gänge | HAUSBESETZUNG als Kunstaktion

Mittwoch, August 26, 2009
By Peter Panter

gaengeviertel-aktion-2009

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Initiative Gängeviertel, Hamburg

Die Initiative „Komm in die Gänge” will die 12 leerstehenden Altbauten des „Gängeviertels” retten. Im Interesse der Hamburger Baukultur und Kreativ- / Kulturschaffenden sollen die seit 7 Jahren vor sich hin verottenden Häuser nicht verfallen, sondern instand gesetzt und kreativ genutzt werden.

Die Initiative bietet sofortige, nachhaltige Lösungskonzepte, die sie gern in Gesprächen mit der Stadt vorstellen möchte. Die Finanzbehörde versucht seit Jahren, das denkmalwürdige Viertel im Höchstgebotsverfahren zu verkaufen, der jetzige Investor ist jedoch nicht zahlungsfähig und die Stadt hat keine Alternativlösungen als weiterhin jahrelangen Leerstand. Die Aktion weist auch darauf hin, dass in Hamburg zu wenig günstiger Raum für kulturelle Entfaltung jenseits des touristisch vermarktbaren Mainstreams bereit stünde, was mittelfristig die Abwanderung kreativen Potenzials in andere Städte, wie Berlin bedeute.

OFFENER BRIEF AN DEN SENAT | www.gaengeviertel.info

Hier im Gängeviertel wird Ihnen von heute an eine goldene Brücke gebaut, die nicht nur das Leben rund um das Gängeviertel nachhaltig zurückbringen wird, sondern auch dieses historische Viertel in seiner gegenwärtigen Substanz erhält.

Über 150 Künstler und Kreative bespielen ab Samstagmittag das Gängeviertel mit ihren Bildern, ihrer Musik und ihren Performances, um dieser Stadt zu zeigen, welches Potential hier an seiner Entfaltung gehindert wird.

Wir erwarten nun von Ihnen als Senat, dass Sie, wie im bestehenden Koalitionsvertrag in Bezug auf den Umgang mit den Hamburger Kreativen vereinbart, die Verantwortung für die kulturelle und soziale Vielfalt der Stadt übernehmen und mit uns konstruktiv zusammenarbeiten – für die Gestaltung eines neuen, finanziell unabhängigen Kunst- und Kulturzentrums im Herzen der Stadt.

Einem Treffen zum ernsthaften Austausch wird mit Freude entgegen gesehen. Bis dahin bleiben wir hier und warten auf Sie!

Mit freundlichen Grüßen DAS GÄNGEVIERTEL

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Am 25. August 2009 hat der Senat in seiner Sitzung beschlossen, die Kunstaktion im Gängeviertel vorläufig zu dulden und die Gespräche über mögliche Lösungen fortzuführen.

Ein Vertreter der Behörde für Kultur, Sport und Medien hat im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg die Gespräche mit den Künstlern im Gängeviertel fortgesetzt. Bei den sehr konstruktiven Gesprächen konnte ein wertvolles Zwischenergebnis erzielt werden: Zunächst sollen die Erdgeschosse der Häuser im Gängeviertel, die nicht bewohnt oder vermietet sind, vorläufig hergerichtet werden.

Die Häuser werden in diesen Bereichen jetzt täglich von 13 bis 22 Uhr bespielt.

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Ein Teilerfolg, so verkauft es die Kulturbehörde unter Leitung der parteilosen Senatorin Karin von Welck. Doch am eigentlichen Problem ändere das nichts, so Christine Ebeling (Sprecherin der Initiative “Komm in die Gänge”). Weitere Verhandlungen müssen folgen, sagt die Künstlerin. Die Zukunft des Gebäudeensembles im Gängeviertel muss besiegelt werden. Alle Gebäude müssten möglichst schnell saniert werden, um die Bausubstanz langfristig zu erhalten.

Der Erhalt des Gängeviertels ist das eine – die Tatsache, dass es nicht genügend Atelierflächen für Künstler gibt, ist eine andere. Eine weitere Forderung der Künstler deshalb:

“Wir fordern, dass die Stadt mit ihren Immobilien offener umgeht, dass einfach Platz gemacht wird für Zwischennutzungen. Wenn die Zwischennutzung ganz offen wäre, wenn man sofort rein könnte, dann gäbe es diese Raumknappheit überhaupt nicht, weil sie gar nicht existiert. Ganze Stadtteile stehen leer: Hammerbrook, City-Nord, die ganzen alten Bürostandorte stehen leer. Bei den meisten Gebäuden, die leer sind, steht ja nicht mal dran, dass sie vermietet werden sollen, weil sie abgeschrieben werden über die nächsten 20 Jahre noch”,

sagt Florian Tampe, ebenfalls Künstler. Doch das ist eine ganz andere Diskussion. Das Problem des Platzmangels ist sich die Stadt bereits seit Längerem bewusst: Schon seit Juni sei geplant, noch in diesem Herbst 30 Atelierräume zu Verfügung zu stellen. Und auch in der Speicherstadt gebe es zahlreiche Initiativen, die mit Hilfe von Mäzenen Platz für künstlerisch nutzbaren Raum schaffen wollen. Es tut sich also etwas in der Stadt, doch es reicht nicht. Denn die Atelierräume sind schon längst reserviert.

[ via DEUTSCHLANDRADIO - Verena Herb | Häuserkampf im Gängeviertel ]

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VIDEO | Gängeviertel (Aktion “Komm in die Gänge”) [ Feuerlöscher-TV ] 24.08.2009

YouTube Preview Image

Impressionen aus den von Künstlern besetzten Gängeviertel mit Ausschnitten aus der Pressekonferenz mit der Initiative “Komm in die Gänge” und einem Statement von Bezirksamtsleiter Markus Schreiber

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Brücken bauen zwischen Künstlern und Investor | 20.10.2009

Hamburgs Kultursenatorin über die Zukunft des Gängeviertels
Karin von Welck im Gespräch mit

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Stefan Koldehoff

AUDIO | Interview mit Karin von Welck / 20.10.2009 / mindestens bis zum 20.3.2010 abrufbar

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Stefan Koldehoff:

Gerade einmal drei Zeilen umfasst die Pressemitteilung BKSM 20, die der Hamburger Senat heute Vormittag verschickt hat. Es geht um das letzte von mehreren sogenannten Gängevierteln der Stadt, in deren engen Gassen seit dem 17. Jahrhundert vor allem die proletarische Bevölkerung lebte. Die meisten Gängeviertel in Hamburg wurden bereits abgerissen, das letzte, denkmalgeschützte Gebäudeensemble besteht noch – aus zwölf Häusern auf etwa 4500 Quadratmetern Grundfläche in zum Teil sehr schlechtem baulichen Zustand. Das möchte der niederländische Investor Hanzevast nun ändern, sanieren, vermarkten. In der Senatspressemitteilung von heute steht nun, dass Hanzevast die für den Kauf fällige erste Rate gezahlt und damit signalisiert habe, dass man an den Plänen für das Areal auch festhalten wolle. “Klarheit beim Gängeviertel” lautet die Überschrift. Die rund 200 Künstler, die die historischen Gebäude Ende August besetzt und seither nach Verhandlungen und mit Einverständnis des Senats für ihre Arbeit genutzt haben, die sehen das, wie gehört, offenbar anders. Eine Zwischennutzung war ihnen erlaubt worden, und meine Frage ging an die zuständige Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck, die die Künstler bislang unterstützt hat: Wird diese zugebilligte Zwischennutzung damit beendet?

Karin von Welck:

Also die ist jetzt nicht ruckartig beendet, sondern wenn der Investor auch weiter seine Zahlungsverpflichtungen einhält – die nächste Rate muss am nächsten Montag bezahlt werden -, dann ist natürlich die Zwischennutzung absehbar zu Ende. Das heißt aber nicht, dass wir nicht in Gespräche eintreten werden, auch mit dem Investor, ob die Pläne, die die Künstler ja mittlerweile erarbeitet haben für die Nutzung des Viertels, nun endgültig vom Tisch sind, sondern da werden wir schon versuchen, auch Brücken zu bauen. Aber das ist alles ein bisschen Zukunftsmusik, im Moment geht es sozusagen um die nächsten Schritte, die gemacht werden müssen.

Aber natürlich sind wir auch dabei, nach Alternativen für die Künstler zu suchen, denn für uns hat ja diese Besetzung des Gängeviertels – von einer übrigens ganz, ganz besonnenen Gruppe von Künstlern, das war ganz wichtig, glaube ich – auch dazu geführt, dass hier doch noch mal ein ganz intensiver Prozess des Nachdenkens in Gang gesetzt wurde, auch bei allen Teilen der Verwaltung, und man wirklich begriffen hat, dass es ganz wichtig ist, Künstlern Flächen zur Verfügung zu stellen.

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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TAZ | Kommentar von Klaus Irler / 20.10.2009

Die Kulturbehörde erwischt das kalt: Einen Plan B hat sie nicht und die Vorstellung, dass der Investor auf freundliche Anfrage von Kultursenatorin Karin von Welck Ateliers einrichten könnte, ist unrealistisch.

Der Stadt ist durch dieses Immobiliengeschäft ein Imageschaden entstanden, der die Politiker selbst überraschen dürfte. Gerne und laut spricht der Senat von der Kreativstadt Hamburg, davon, wie man sich durch eine lebendige Künstlerszene profilieren wolle im Wettbewerb der Städte. Die Nachrichten über das Gängeviertel gehen genau in die andere Richtung los. Und diese Nachrichten laufen bundesweit.

TAZ – Kommentar lesen

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Maler Daniel Richter kritisiert Hamburgs Kulturpolitik

DEUTSCHLANDRADIO Kultur

AUDIO | Interview mit Daniel Richter

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Der Hamburger Maler Daniel Richter hat der Hansestadt vorgeworfen, sich nicht um Kultur zu kümmern. Die Hamburger Kulturpolitik sei zu stark auf den Tourismus fixiert, sagte Richter, der derzeit mit anderen Künstlern mehrere Häuser im Hamburger Gängeviertel besetzt hält.

Gefördert würden vor allem Volksfeste wie die Harley-Davidson-Tage oder das Kirschblütenfest. “Das ist die immer gleiche abgeschmackte Art von Konsum und Massenunterhaltung, und das ist keine Kulturpolitik.”

Hamburger Künstler gingen nicht deshalb nach Berlin, weil sie nicht gern in der Hansestadt lebten, sondern weil die Mieten zu hoch seien und es in der Innenstadt keine Akzeptanz für ihr Schaffen gebe. Gerade die jungen Künstler, die noch keine Karriere hätten, benötigten Raum für Experimente. “Nur wenn es diese Räume gibt, kann es eine Kunst geben”, betonte Richter. Die Hamburger Kulturbehörde schlafe jedoch in diesem Bereich. “Wenn man 20 Millionen hat, um die private Schiffsammlung von Herrn Tamm zu kaufen und zu einem Museum zu erklären, dann sollte man auch in der Lage sein, tatsächlich Künstler zu halten.”

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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Karin von Welck: Vorwürfe der Hausbesetzer sind überzogen

AUDIO | Interview mit Karin von Welck ( vorr. bis zum 25. Januar 2010 abrufbar )

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck hat die Kritik des Hamburger Malers Daniel Richter an der Kulturpolitik der Stadt zurückgewiesen. Zusammen mit 200 Künstler protestierte Richter kürzlich durch Hausbesetzungen gegen die Umgestaltung des Hamburger Gängeviertels.

Von Welck kündigte vor dem Hintergrund der Hausbesetzungen im Hamburger Gängeviertel an, noch in diesem Monat 30 neue Künstlerateliers zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus werde man mit Hilfe eines privaten Mäzens weitere Künstlerateliers in der Speicherstadt anbieten. Weiterhin sei geplant, Zwischennutzungen von leerstehenden Gebäuden für Künstler zu ermöglichen:

“Es gibt immer noch große Optimierungsmöglichkeiten. Wir sind im Gespräch mit den Künstlern.”

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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Gängeviertel Valentinskamp / Speckstraße, Hamburg

49, 20355 Hamburg, Deutschland

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