MICHAEL TRIEGEL | Gott und die Welt

Michael Triegel - Am Kreuz | 2008 | Mischtechnik auf Holz, 
Blattgold, MDF, 78 x 124 cm
© Galerie Schwind Leipzig | Frankfurt | Berlin 

Bis zum 06. Februar 2011 zeigte eine Ausstellung des Museums der bildenden Künste Leipzig 76 Arbeiten (v.a. Gemälde) des Leipziger Künstlers Michael Triegel (*1968) aus den Jahren von 1994 – 2010.  Neben einigen Porträts (u.a. von Papst Benedikt XVI.) und Stilleben standen mythologisch-heidnische und christlich-heilsgeschichtliche Themen im Zentrum der Ausstellung. Darstellungen von Prometheus, Medea, Persephone oder Flora finden sich neben dem Abendmahl, der Kreuzigung oder der Auferstehung Christi.

Der Titel “Verwandlung der Götter” jedoch intoniert die Besonderheit der Kunst Michael Triegels: Auf den ersten Blick scheint wie bei einem alten Meister alles schon dagewesen – in seiner verwandelnden Handschrift indessen bleibt nichts so, wie es war!

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Pressetext MdbK Leipzig

Verwandlung der Götter

Triegel knüpft an die Tradition vor allem der Kunst der italienischen Renaissance an, aber er denkt sie weiter und verändert sie.

„Orpheus” (2004) mit der Lyra blickt zu einer Eurydike zurück, die nurmehr aus einer leeren Hülle besteht. Eine nackte „Ariadne” (2010), von Theseus verlassen, wähnt schlafend den Geliebten in den Armen – der sich indessen als hölzernes Trugbild erweist. Auch „Persephone im Hades” (2009), der die Rückkehr ins Reich der Lebenden verwehrt wird, ist keine Königin der Unterwelt, sondern eine leblose Puppe.

Nicht nur das mythologisch-heidnische, sondern auch das christlich-heilsgeschichtliche Personal erlebt im Werk Triegels seine verwandelnde Wiederauferstehung. In einem „Schmerzensmann” (1998), verknüpft er die Darstellung eines Christus im Elend mit dem Typus des duldenden Hiob aus dem Alten Testament. Der die Schicksalsschläge demütig ertragende Hiob ist das typologische Vorbild des leidenden Christus. Mit dem von Schwären und Wunden überzogenen Leib evoziert Triegel die eigene Versehrtheit, im Schmerzensmann erkennt man den Künstler selbst. Auch Michael Triegels Frau Christine und der kleinen Tochter Elisabeth begegnet man im mythologisch-christlichen Sujet. Bei Triegel wird das Göttliche vermenschlicht, statt entrückter Distanz erlebt der Betrachter private Nähe. Die Ebenen der Realität geraten in Bewegung, kaleidoskopartig verschieben sich Motive und Zeiten.

Michael Triegel - Um Mitternacht | 2005 | Mischtechnik auf MDF-Platte | 80 x 126,5 cm

Sehnsucht nach dem Wunderbaren

Michael Triegel hatte während seines Studiums an der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst von 1990 bis 1995 bei Arno Rink und danach in seinem Meisterschülerstudium bei Ulrich Hachulla gelernt, die Frage nach dem „Warum” immer auch mit dem „Wie” zu verknüpfen. Er verfügt über die Techné der Alten Meister. Triegel beherrscht die Praxis der vielfachen Öllasuren, mit denen er virtuose Licht- und Schattenwirkungen erzielt. Größten Wert legt er auf die Kunst der Zeichnung und versteht es meisterhaft, auf einem grafischen Blatt Strichätzung, Reservage und Vernismou zu vereinen.

Triegels künstlerisches Prinzip ist die Metamorphose. Altbekannte Bilder der Kunstgeschichte werden einem Prozess der Assimilation unterworfen. Triegels Wahlverwandte sind vor allem Maler der italienischen Renaissance wie Giovanni Bellini, Raffael, Leonardo, Pontormo oder Bronzino. Seine Bilder seien – wie er sagt – Ausdruck einer „Sehnsucht nach dem Wunderbaren”, da es „unmöglich geworden ist, die Welt allein mit Rationalität zu verstehen”. Michael Triegel, ein Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts, der keiner christlichen Religionsgemeinschaft angehört, betont, dass es die „edelste Aufgabe der Kunst” sei, einen Altar zu malen. Tatsächlich hat er inzwischen drei Kirchenaltäre fertiggestellt, ein weiterer ist in Vorbereitung. Das Porträt des Papstes Benedikt XVI. hat er soeben fertiggestellt. Das Auftragswerk wurde von der Diözese Regensburg veranlasst, die dem Museum der bildenden Künste Leipzig zugestand, es erstmals öffentlich zu zeigen.

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MICHAEL TRIEGEL | Verwandlung der Götter
Museum der bildenden Künste Leipzig
bis 6. Februar 2011

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Michael Triegel | Verwandlung der Götter

Beiträge von
H. Damm, R. Hüttel, W. Löhr, R. Reiche, P. Weiermair,

Gebundene Ausgabe,
224 Seiten,
138 Farbtafeln und 27 Abbildungen in Farbe,
24 × 30 cm, Leinen,
Schutzumschlag,
Sprache: Deutsch

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Im Zentrum der Monographie stehen 120 Arbeiten, darunter vorwiegend Gemälde, aus den Jahren 2003 bis 2010. Ergänzt um Abbildungen vorbereitender Skizzen, Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen sowie kunstwissenschaftliche Beiträge und Erläuterungen zu den abgebildeten Werken entsteht ein repräsentativer Einblick in das umfangreiche Œuvre des Künstlers.

Michael Triegel (*1968) gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Neuen Leipziger Schule. Neben Landschaftsskizzen, Stillleben und Porträts bezeugen vor allem mythologische und religiöse Sujets seine ganz eigene vielschichtige Bildsprache im Stil der großen Meister der italienischen Renaissance.

Der Ruf des Künstlers als Meister des Porträts veranlasste das Bistum Regensburg, 2010 ein offizielles Bildnis des Papstes Benedikt XVI. bei Michael Triegel in Auftrag zu geben. Der gebürtige Erfurter, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte, fertigte im Rahmen einer Generalaudienz in Rom Skizzen für ein Bildnis an, das nun im Rahmen einer Werkschau in Leipzig erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. In den Arbeiten von Michael Triegel treffen altmeisterliche Virtuosität und handwerkliche Perfektion aufeinander. Seine Bilder bedienen sich der christlichen Symbolik sowie antiken Mythologie und sprechen die Sprache der italienischen Kunst von der Frührenaissance bis zum Manierismus. Sie widersetzen sich damit Zeit- und Modeansprüchen und schaffen es dennoch, durch provokante Brechungen kritische Gegenwartsbezüge herzustellen.

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VIDEO | Last der Tradition – Wie ein Deutscher den Papst malt | DEUTSCHE WELLE TV
KULTUR. 21 hat den Maler beim Aufbau seiner ersten großen Ausstellung in Leipzig 2010 getroffen.

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So sieht der Papst sich gern

Karin Schulze für SPIEGEL online Artikel lesen

 

So malt er an gegen die Regellosigkeit und Innovationssucht der zeitgenössischen Kunst, die Vernachlässigung des Handwerks und die Dominanz des Konzeptuellen. Wo alles geht, gilt ihm, ein Auftragswerk im Stil der Alten Meister zu malen, als letzte große Provokation.

Diesem vermeintlichen Regelverstoß hatte er schon mehrmals gefrönt, als ihn vor zwei Jahren der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller beauftragte, Benedikt XVI. zu konterfeien. Eine Porträtsitzung gestand ihm der Papst zwar nicht zu, aber er hat ihm einen bevorzugten Platz bei einer Audienz eingeräumt, bei der Triegel anderthalb Stunden lang skizzieren konnte.


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Triegel: „Vielleicht liegt ja die Provokation meines Gesamtwerkes darin, aus der Selbstreflexivität eines Kunstbetriebes und –marktes auszubrechen durch eine angestrebte handwerkliche Meisterschaft und den Glauben an die ungebrochene Wirkmacht der Mythen, Archetypen, der Inhalte und Ikonografien der Kunst und des Geisteslebens langer abendländischer Geschichte, diese untersuchend, befragend, paraphrasierend oder affirmierend.“

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PORTRAIT: Michael Triegel

Im Spiegel der Welt
Erste umfassende Publikation
zu den Werken Michael Triegels.

184 Seiten
mit 136 farbigen
und 16 s/w Abbildungen
Format 24 x 30,5 cm
Gebunden mit Schutzumschlag

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Michael Triegel (geboren 1968 in Erfurt) sucht in seinen Bildern die Auseinandersetzung mit früheren Epochen der Malerei, speziell mit der italienischen Renaissance, dem Manierismus und der caravaggesken Malerei in Italien. Ausgehend von diesen Vorbildern entwickelt er eine eigenwillige Bildsprache, die in ihrer Technik provozierend traditionell wirkt.

In seinem Werk, das inzwischen über 70 Gemälde, zahlreiche Aquarelle, Zeichnungen und Radierungszyklen umfasst, finden sich alle herkömmlichen Gattungen: Portrait, Landschaft und Stillleben, sowie mythologische Historien. Triegel greift Symbolgehalte auf, die er mit diversen Kunstgriffen wie dem Trompe-l’œil variiert und auch verrätselt. Darüber hinaus greift er auf verschiedene Modelle traditioneller Malerei zurück, die vom ikonischen Andachtsbild bis zur großformatigen Altartafel reichen.

In überspitzter Selbstinszenierung wird der Maler bisweilen selbst zum Modell und präsentiert sich dem Betrachter in diversen Rollen. Durch die Verbindung von technischer Bravour und intellektuellem Kalkül tritt er in regelrechte Konkurrenz mit seinen historischen Vorbildern.

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Michael Triegel - Abendmahl, 1994 | via museum-am-dom.de
Acryl, Öl, Blattgold auf Leinwand | 165 x 200 cm
Museum am Dom, Würzburg

An der Längsseite einer Tafel sitzt dem Betrachter zugewandt Jesus Christus, sein Gesicht verdeckt appliziertes Blattgold. Auch die rechte Hand und der Rand der Gloriole sind vergoldet. Die goldene Hand scheint sich bereits andeutungsweise zum Resurrexit-Zeichen zu formen. Auf Auferstehung und Verklärung Christi deutet symbolisch auch das Ei hin, welches links auf dem Tisch liegt. Das Tischtuch zeigt noch die Knickfalten, in denen es kurz zuvor ordentlich zusammengefaltet aufbewahrt wurde. Es weist keine Brotkrumen und Flecken auf. Das Mahl hat also noch nicht stattgefunden. Fünf leere Trinkgläser befinden sich auf dem Tisch, die offenbar unbenutzt sind. Sie stehen wahllos herum und sind keinen Sitzplätzen zugeordnet. Ein großes schwarzes Segeltuch ist vor der Marmorarkade hinter der Gestalt Jesu aufgespannt. Rechts und links scheint die Vision einer jenseitig-paradiesischen Landschaft hervor, der Haupt-Torbogen ist noch durch das schwarze Tuch verdeckt.
[ Jakob Johannes Koch / Bernd Feiler ]

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2 comments for “MICHAEL TRIEGEL | Gott und die Welt

  1. Marianne Kluth
    10. Dezember 2010 at 23:39

    hallo und guten Tag,
    ich habe die Triegel Ausstellung im Leipziger Bildermuseum gesehen, die Technik ist bestechend aber das Sujet ist für mich befremdlich.
    Bekomme ich eine Antwort, wenn ich frage, warum sich Triegel mit Heiligenschein am Kreuz malt? Ist das Größenwahnsinn? Ist das Provokation? Dazu paßt kaum der Papst. Der läßt sich doch nicht von einem Provokateur malen. Ich will nichts vorschnell verurteilen, aber ich würde es gern verstehen. Provokation lasse ich gelten, aber Triegel denkt darüber nach, sich taufen zu lassen. Das paßt nicht zusammen.
    Helfen Sie mir auf die Sprünge? Danke M. Kluth

    • Peter Panter
      11. Dezember 2010 at 01:09

      Hallo Frau Kluth,

      “Größenwahn, Koketterie, Kalkül oder Verzweiflung? Triegel stilisiert sich, den Maler, als einzigen Heilsbringer der Menschheit – und das Kunstwerk als Altar” [ Dieter Bartetzko - FAZ 10.12.2010 ]

      Wir möchten Sie auf das Begleitprogramm zur Leipziger Ausstellung hinweisen. Im Zusammenhang mit Führungen und der Podiumsdiskussion “Kunst und Kirche” lassen sich bestimmt noch offene Fragen klären.

      BEGLEITPROGRAMM:

      Kunst und Kirche: Mittwoch, 2. Februar, 18 Uhr, Podiumsdiskussion mit Dr. Eduard Beau-camp, Michael Morgner, Michael Triegel und Prof. Dr. Christoph Türcke

      Finissage: Sonntag, 6. Februar, 11 Uhr, mit Dr. Richard Hüttel, Michael Triegel und dem Leipziger Bibliophilen-Abend e. V.

      Führungen: Mittwoch, 5. Januar, jeweils 17 Uhr;
      Sonntag, 12., 19. Dezember, 9. Januar, jeweils 11 Uhr.

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