REBECCA HORN – Federn tanzen auf den Schultern

Rebecca Horn - Hahnenmaske

Eine Ausstellung der Weserburg, Bremen präsentiert bis zum 01. Juli 2012 in großformatigen Projektionen die Filme und Fotos des Frühwerkes von Rebecca Horn aus den 1970er Jahren. Ergänzt wird die Schau durch Objekte und skulpturale Installationen.

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Weserburg, Bremen | Ausstellung bis 1.07.2012

REBECCA HORN – Federn tanzen auf den Schultern

Pressetext: Weserburg | Museum für moderne Kunst 

Rebecca Horn zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. International bekannt für ihre raumgreifenden Installationen, umfasst ihr vielgestaltiges Werk Zeichnung, Collage, Performance, Film, sowie Objekte und bewegliche Skulpturen, die ein geheimnisvolles Eigenleben entwickeln. Parallel zum Festival Tanz Bremen geht die Weserburg zu den Anfängen ihres künstlerischen Schaffens zurück und widmet sich in einer konzentrierten Ausstellung den Filmen und Performances.

Die poetische Kraft und ikonografische Vielfalt sind bereits in den frühen Arbeiten auf eindrucksvolle Weise angelegt. Ausgangspunkt und Kraftzentrum ist in dieser Zeit der menschliche Körper, dessen Möglichkeiten und Grenzen sie auslotet und zu überwinden sucht.

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VIDEO | Rebecca Horn - Mit zwei Scheren gleichzeitig die Haare schneiden & OASE
[ Cutting Hair & Oasis ]

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Berlin (10. 11. 1974 – 28. 1. 1975) – Übungen in neun Stücken: Unter dem Wasser schlafen und Dinge sehen, die sich in weiter Ferne abspielen, Dokumentation von acht Performances mit einem Epilog: Mit beiden Händen gleichzeitig die Wände berühren, Blinzeln, Federn tanzen auf den Schultern, Die untreuen Beine festhalten, Zwei Fischchen, die sich an einen Tanz erinnern, Räume berühren sich in Spiegeln, Zwischen den feuchten Zungenblättern die Haut abstreifen, Mit zwei Scheren gleichzeitig die Haare schneiden, Wenn die Frau und ihr Geliebter auf der Seite liegen, sich ansehn, und sie mit ihren Beinen die Beine des Mannes umschlingt – bei weit geöffnetem Fenster – ist es die OASE;

16 mm, Farbe, Ton, 42 Minuten; Realisation: Helmut Wietz; mit Rebecca Horn, Guido Kerst, Lisa Liccini, Otto Sander, Veruschka von Lehndorff, Michel Würthle

1974/75 Berlin (10 Nov. 1974 — 28 Jan. 1975) — Exercises in nine parts

“Cutting one’s hair with two pairs of scissors simultaneously.”

“When a woman and her lover lie on one side looking at each other; and she twines her legs around the man’s legs with the window wide open, it is the oasis.”

In the first part of this final performance in the series, the actor Otto Sander reads out a passage of text. In the second part, Rebecca Horn cuts her hair. The simultaneity of her two hands’ actions, the metallic clipping of scissors, and her resolute stare into the camera heighten the atmosphere of menace.

The Text of Otto Sander:
Tongues flickering, their heads move back and forth until the scaly skin beneath the throat is touching. The instant physical contact is established, they begin to entwine. The aggressive fighting dance of the two partners is characterized by a gradual, mutual loss of momentum and the beating against each other of their forebodies. The jerkily undulating bodies wind so tightly round each other that the two snakemen merge into a single body whose two heads move back and fro in parallel. The fight is decided when the stronger animal has pressed his opponent down against the floor.

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Anfang der 1970er Jahre beginnt Rebecca Horn ihre Performances zu filmen.

In den ersten Performances, den Körper-Extensionen, lotet sie das Gleichgewicht zwischen Mensch und Raum aus. In den späteren Raumkompositionen ersetzt sie den menschlichen Körper durch minimalistisch agierende kinetische Skulpturen. Gänzlich immateriell spannen ihre neuen Arbeiten das Energiefeld eines Raumes durch Spiegelreflexe, Licht und Musik auf.

Fundstücke und selbst konstruierte Gegenstände wie Geigen, Koffer, Taktstöcke, Leitern, Pianos, Metronome, Federfächer, Metallhämmerchen, schwarze Wasserbäder, raumverbindende Spiralzeichner, große Trichter und Pumpstationen sind die Bauelemente für kinetische Skulpturen, die aus ihrer definierten Materialität gelöst und in eine immaterielle Metaphorik der ständigen Transformation überführt werden. So bieten sie dem Betrachter die Möglichkeit, mythische Bilder zu assoziieren und kulturgeschichtliche, literarische und geistige Bezüge herzustellen.

Dabei wird ihr Werk von einer unverwechselbaren konsequenten Logik zusammengehalten. Jede neue Arbeit scheint sich stringent aus der vorherigen zu entwickeln. Dabei können Elemente wieder aufgegriffen werden, die aber in verschiedenen Kontexten völlig verwandelt neu erscheinen.

So sind nach den Körpererfahrungen ihrer Performances mit Körpererweiterungen, Masken und Federgewändern in den siebziger Jahren ihre ersten kinetischen Skulpturen in Filmen wie Der Eintänzer (1978) oder La Ferdinanda (1981) zu sehen: Die sanfte Gefangene (1978) und Die Pfauenmaschine (1979/82).

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PUBLIKATION | Rebecca Horn

Eine Publikation des Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Texte von Giuliana Bruno, Germano Celant, Wulf Herzogenrath, Rebecca Horn, Nancy Spector, Katharina Schmidt

Gebundene Ausgabe
1994, 360 Seiten,
234 Abbildungen,
davon 158 farbig
24 x 30,60 cm
Leinen mit Schutzumschlag

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Diese erste Monografie zum Werk der bedeutenden Künstlerin stellt die faszinierende Entwicklung ihrer Arbeit von den sechziger Jahren bis in die neunziger Jahre dar: Performances, Installationen, Filme, Skulpturen und Objekte. Autoren wie Germano Celant, Wulf Herzogenrath, Giuliana Bruno u.a. gehen auf ihr Werk ein, die Künstlerin kommt in eigenen Texten zu Wort.

In Interviews mit Rebecca Horn erhält der Leser einen Einblick in die Hintergründe und Motive ihrer Kunst. Eine Bibliografie, Filmografie und Biografie vervollständigen diesen umfangreichen Band.

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Mit Körperskulpturen und den so genannten Körper-Extensionen gelingt es ihr, den Raum aber auch die eigene Wahrnehmung auf neue Weise zu erkunden. Rätselhafte Objekte kommen dabei zum Einsatz: Mit Federn besetzte Masken, bewegliche Apparaturen und kunstvolle Erweiterungen einzelner Körperteile und Gliedmaßen. So verwandelt sie die Akteure zugleich in mythische Kreaturen. Bereits die Titel „Einhorn“, „Körperfächer“ oder „Hahnenmaske“ deuten die metaphorische Kraft an, mit denen die Performances bedeutungsvoll aufgeladen sind. Sie weisen über die physische Präsenz und unmittelbare Sinnlichkeit hinaus. Kultur und Natur, Körper und mechanisierte Objekte, Künstlichkeit und Wirklichkeit geraten in eine spannungsvolle Beziehung.

Die Ausstellung der Weserburg präsentiert bis zum 01. Juli 2012 in großformatigen Projektionen die Filme “Performances II” (1973), “Berlin – Übungen in neun Stücken” (1974/75) und “Der Eintänzer” (1978). Fotos aus den 1970er Jahren, aber auch Objekte wie die berühmten Handschuhfinger geben einen faszinierenden Einblick in das Frühwerk von Rebecca Horn. Ergänzt wird die Schau durch Objekte und skulpturale Installationen, darunter die Arbeit „Dialog der Silberschaukeln“, die seit Gründung des Museums als Höhepunkt in den Sammlungen permanent zu sehen ist.

VIDEO | Buster’s Bedroom [ Ausschnitt / russischer Kommentar über deutsche Originalton ]

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Im Rahmenprogramm werden die Spielfilme „La Ferdinanda: Sonate für eine Medici-Villa“ (1981), „Buster’s Bedroom“ (1990) sowie der neueste Film „Moon Mirror Journey“ (2011) gezeigt, in dem Rebecca Horn auf die wichtigsten Arbeiten der letzten 40 Jahre zurückblickt.

www.rebecca-horn.de

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PUBLIKATION | Rebecca Horn
Künstlerische Selbstpositionierungen im kulturellen Raum

Autorin: Alexandra Tacke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Literatur der Humboldt Universität Berlin.

2011, 293 Seiten
Mit 101 s/w-Abbildungen
23 x 15.5 cm
Broschiert
Sprache: Deutsch

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Rebecca Horn ist eine der erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Gegenwartskünstlerinnen, die in den letzten vier Jahrzehnten ein komplexes Œuvre geschaffen hat. Sie ist mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnet worden – zuletzt 2010 mit dem sogenannten Nobelpreis der Künste, dem Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses.

Rebecca Horn arbeitet mit einer Vielzahl von Medien: Performance, Zeichnung, Installation, Kinetik, Video, Film, Fotografie und Text.

Das vorliegende Buch stellt das Werk in seiner gesamten Breite vor, wobei der Schwer­punkt auf der künstlerischen Auseinan­der­setzung mit politischen, historischen, sozialen und medialen Räumen liegt. Durch ihre Referenzen auf diverse Kunstrichtungen und den – vornehmlich männlich dominierten – Kunstdiskurs positioniert sich Rebecca Horn auf so rebellische wie selbstbewusste Weise im kulturellen Feld.

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VIDEO | Rebecca Horn – Portrait anlässlich der Preisverleihung des Praemium Imperiale
Deutsche Welle TV

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