EL GRECO und die Moderne

El Greco - Laocoon 1604-1614 Öl auf Leinwand 142×193cm
National Gallery of Art, Washington, Samuel H. Kress Collection 1946

Die Schau EL GRECO UND DIE MODERNE rückt zum ersten Mal in Deutschland den 1541 geborenen Maler El Greco ins Zentrum der Betrachtung. In der bis 12. August 2012 gezeigten Schau wird auch die Begeisterung vieler Künstler untersucht, die um 1912 erstmals in Düsseldorf einer größeren Werkgruppe El Grecos begegneten und so ein wahres El Greco-Fieber entfachten.

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Museum Kunstpalast, Düsseldorf | bis 12. August 2012

EL GRECO UND DIE MODERNE

Pressetext: Museum Kunstpalast, Düsseldorf | www.smkp.de

Die exklusiv im Museum Kunstpalast in Düsseldorf präsentierte Ausstellung „El Greco und die Moderne” setzt erstmals in Deutschland die Malerei und Bildwelt des 1541 als Domenikos Theotoköpoulos auf Kreta geborenen und 1614 in Toledo verstorbenen Künstlers ins Zentrum einer großen Ausstellung. Viele Vertreter der frühen Moderne nennen El Greco als wichtige Quelle der Inspiration und Faszination für die eigene Kunst, darunter so große Namen wie Cézanne, van Gogh, Picasso und Delaunay.

Die Ausstellung vereint über 100 Werke — Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen – von ungefähr 38 Künstlern der frühen Moderne mit mehr als 40 bedeutenden Arbeiten von El Greco, vor allem Porträts, Landschaften, religiöse Themen. Neben den Originalen von eigener Hand stammen zwei Werke der Ausstellung aus der Werkstatt El Grecos.

Gezeigt werden so spektakuläre und einflußreiche Meisterwerke wie das einzig erhaltene Tafelbild, in dem sich El Greco mit der griechischen Mythologie beschäftigt, der„Laokoon” aus der National Gallery of Art, Washington, sowie das aus dem Metropolitan Museum of Art, New York, entliehene Werk „Die Öffnung des fünften Siegels”.

Zu den besonderen Highlights der Ausstellung zählt zum Beispiel die Möglichkeit einer gemeinsamen Betrachtung des „Laokoon” mit Ludwig Meidners Werk „Drei Klagende in der Apokalyp­tischen Landschaft” sowie ein Vergleich der „Kreuzabnahme” von Max Beckmann aus dem MoMA, New York, mit El Grecos „El Espolio” aus der Alten Pinakothek, München.

KATALOG | El Greco und die Moderne

Gebundene Ausgabe
mit Schutzumschlag
Hatje Cantz Verlag 2012
416 Seiten,
306 Abbildungen, davon 273 farbig
Sprache: Deutsch
24,70 x 30,70 cm

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Zahlreiche Künstler erfasste das »Greco-Fieber«, als sie 1911 in München und 1912 in Düsseldorf erstmals in Ausstellungen einer größeren Werkgruppe begegnen konnten: Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer oder Ludwig Meidner, vor allem aber auch die Vertreter des Blauen Reiter, August Macke, Franz Marc, Albert Bloch und andere, erkannten in El Greco eine Vaterfigur der Moderne, die sie in einem Atemzug mit Paul Cézanne nannten.

Der Band stellt das Werk El Grecos in einer gültigen Auswahl von über 40 Gemälden aus den bedeutendsten Museen weltweit vor, gleichzeitig wird die Auseinandersetzung der jungen Künstler mit der Malerei und der Bildwelt des spanischen Ausnahmemalers vorgestellt und ein faszinierender Einblick in den Kampf um die Moderne eröffnet.

Die Leihgaben zur Schau stammen aus den weltweit größten Museen und bedeutenden Sammlungen wie dem New Yorker Museum of Modern Art, dem Museo Nacional del Prado, Madrid, dem Museo Thyssen-Bornennisza, Madrid, dem Museo del Greco, Toledo, der National Gallery, London, der National Gallery of Scotland, Edinburgh, der Alten Pinakothek, München oder dem Muse du Louvre, Paris.

El Greco - Die Eröffnung des fünften Siegels [ The Vision of Saint John 1608 - 1614 ]
Metropolitan Museum of Art, New York

Das fünfte Siegel der Apokalypse (auch: Die Eröffnung des fünften Siegels, oder: Die Vision des heiligen Johannes) ist ein nur als Fragment erhaltenes Gemälde von El Greco aus den Jahren zwischen 1608 und 1614. Es ist typisch für den späten Stil von El Greco und gilt als bedeutende Inspirationsquelle für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Heute hängt es im Metropolitan Museum of Art in New York.

Entdeckt wurde das Werk El Grecos vom deutschsprachigen Publikum um 1910 durch das von Julius Meier-Graefe veröffentlichte Tagebuch „Spanische Reise”. Der Kunsthistoriker und Schriftsteller Meier-Graefe ist El Grecos Gemälden 1908 in Spanien begegnet und hat von diesem, ihn stark beeindruckenden Kunsterlebnis berichtet. Als eine Auswahl von El Greco-Werken aus der Privatsammlung Marczell von Nemes in Deutschland zuerst 1911 in München und im Folgejahr 1912 in Düsseldorf gezeigt wurde, kam geradezu ein „El Greco­Fieber” unter den jungen Künstlern auf: Maler wie Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer oder Ludwig Meidner, vor allem aber auch die Vertreter des Blauen Reiter, August Macke, Franz Marc, Albert Bloch und andere, erkannten in dem Alten Meister eine der Vaterfiguren der Moderne: sie nannten ihn in einem Atemzug mit Cézanne. Mit seinen psychologisierenden Kompositionen wurde El Greco für die Avantgardekünstler zu einer Schlüsselfigur.

„Franz Marc brachte damals die Erkenntnis vieler Künstler 1912 im Almanach Der Blaue Reiter prägnant auf den Punkt: Cézanne und Greco sind Geistesverwandte über die trennenden Jahrhunderte hinweg.
( Beat Wismer, Generaldirektor SMKP )

Obgleich das Thema El Greco und die Moderne in der kunsthistorischen Literatur seit 100 Jahren ein geläufiger Topos ist, war eine Ausstellung zu diesem Thema bislang ein Desi­derat. Speziell das Spätwerk El Grecos mit seinen übersteigerten Figuren, den aufs Äußerste reduzierten oder ins Endlose ausgreifenden Bildräumen, den traumähnlichen Land­schaften, sein manieristisch-ekstatischer Stil sowie das fahlgraue Kolorit, aus dem wenige Buntfarben suggestiv leuchten, erregte große Aufmerksamkeit.

Die Ausstellung wird zwei wichtige Aspekte der Rezeptionsgeschichte verfolgen:

  • einerseits wird El Greco, der ab 1910 in Deutschland mit Cézanne als einer der Väter der Moderne gilt, mit jenen Vertretern der Moderne zusammengeführt – Cézanne, van Gogh, Picasso, Delaunay -, als deren Vorläufer er damals von Kunsthistorikern, Museumsleuten, aber auch von Künstlern selbst erkannt worden ist.
  • Andererseits soll die Wahlverwandt­schaft zwischen deutschen und österreichischen Expressionisten wie Max Beckmann, Oskar Kokoschka, August Macke, Franz Marc, Ludwig Meidner, Max Oppenheimer, und El Greco, bzw. sein Einfluss auf jene, an ausgewählten Werken vorgestellt und überprüft werden.

Die Düsseldorfer Schau vermittelt einen faszinierenden Einblick in den Kampf um die Moderne und veranschaulicht zudem, daß El Greco, der Meister des spanischen Manie­rismus, mit seinen außergewöhnlichen Darstellungen von Raum und menschlicher Figur für viele Protagonisten der Avantgarde eine ähnlich prägende Rolle spielte wie der ein­flußreichste Vertreter der Frühmoderne, Paul Cézanne.

Kurator: Beat Wismer, Generaldirektor SMKP

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