William N. COPLEY

William N. Copley, Nuit puerto ricain, 1978, 
Acryl und Leder auf Leinwand, 168x140 cm
Museum Frieder Burda, Baden-Baden © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Das Max Ernst Museum Brühl präsentiert bis 4.11.2012 mit 70 Arbeiten eine umfassende Werkschau des vielseitigen Amerikaners William N. Copley, der mit seiner unorthodoxen und von beißendem Humor gekennzeichneten Bildsprache zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der jüngeren Kunstgeschichte gehört.

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Der Teilnehmer an surrealistischen Ausstellungen und Vorläufer der amerikanischen Pop Art setzt sich in seinen farbkräftigen Gemälden auf ironische Weise mit den erotischen Ritualen der Geschlechter in all ihren Nuancen auseinander. Seine subversiven Gemälde richten sich gegen gesellschaftliche Wertvorstellungen, gegen den bürgerlichen Anstand und die traditionelle Hochkunst. Kritisch kommentiert Copley Motive der amerikanischen Kultur und des Starkults und stellt diese neben klassische Themen der Kunstgeschichte.

Museum Frieder Burda, Baden-Baden | 18. Februar - 10. Juni 2012
Max Ernst Museum Brühl | bis 4.11.2012

COPLEY

Pressetext: 
Max Ernst Museum Brühl www.maxernstmuseum.lvr.de 
Museum Frieder Burda, Baden-Baden www.museum-frieder-burda.de

William N. Copley (1919-1996) gehört mit seiner unorthodoxen und von beißendem Humor gekennzeichneten Bildsprache zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der jüngeren Kunstgeschichte. Der Teilnehmer an surrealistischen Ausstellungen und Vorläufer der amerikanischen Pop Art setzt sich in seinen farbkräftigen Gemälden auf ironische Weise mit den erotischen Ritualen der Geschlechter in all ihren Nuancen auseinander.

Vor dekorativen Flächenstrukturen agiert sein Personal, der Gentleman im Anzug und das nackte, gut proportionierte Pin-Up, stets in comicartiger Vereinfachung. Die oftmals fetischistisch anmutenden Bildelemente spielen dabei mit dem voyeuristischen Blick des Betrachters. Gleichzeitig scheinen sie auf Copleys eigenen freizügigen Lebensstil zu verweisen.

William N. Copley - Marilyn

»Er hat nur Augen für die Frauen. Er hat nur Farben für sie. Um sie besser sehen zu können, verschließt er vor ihnen die Augen.« (Max Ernst)

Copley wird 1921 als Waisenkind von einem reichen Industriemagnaten und Zeitungsverleger adoptiert, was ihm ein zwangloses Leben und Schaffen ermöglicht. Nach einem kurzen Studium in Yale und Militärdienst in Europa findet er im Alter von 28 Jahren zur surrealistischen Kunst. Seine Leidenschaft für Künstler wie Marcel Duchamp, Man Ray und Max Ernst verfolgt er zunächst als Sammler, Händler und Mäzen, bevor er schließlich autodidaktisch eine eigene künstlerische Karriere einschlägt. Anregungen für seine Bilder, die er fortan mit CPLY signiert, holt sich der Maler bei den Künstlern aus der eigenen Sammlung und entwickelt daraus ein unabhängiges bildnerisches Vokabular.

Auf den ersten Blick vermögen die Arbeiten einen Eindruck naiver Direktheit zu hinterlassen. Die inhaltliche Doppelbödigkeit von Copleys erzählerischen Bildwelten entfaltet sich erst durch genaueres Hinschauen und die Verbindung zwischen Dargestelltem und Bildtitel. Seine subversiven Gemälde richten sich gegen gesellschaftliche Wertvorstellungen, gegen den bürgerlichen Anstand und die traditionelle Hochkunst. Kritisch kommentiert Copley Motive der amerikanischen Kultur und des Starkults und stellt diese neben klassische Themen der Kunstgeschichte.

William N. Copley, West, 1974, 160 x 276 cm, Acryl auf Leinwand
Museum Frieder Burda, Baden-Baden © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

»Gemälde haben eine subversive Kraft, und sie drangen unbewusst in mich ein. Und genau diese Subversivität sollte ein Gemälde auch haben, um unser Denken von gesellschaftlichen Zwängen zu befreien.« (William Copley)

Die umfassende Werkschau im Max Ernst Museum Brühl des LVR präsentiert 70 Arbeiten des vielseitigen Amerikaners, der 1949 als Galerist in Beverly Hills die erste Max Ernst-Retrospektive organisierte und damit Pionierarbeit leistete. Die Bandbreite des Künstlers wird etwa an den Flaggenbildern deutlich, für die er Staatssymbole mit standardisierten Vorstellungen weiblicher Sexualität ironisch kombiniert. Dazu zählt auch die Serie isolierter Gegenstände (»Nouns«), in der Copley seine von Grund auf skeptische Auffassung der normierten (Kunst-)Welt formuliert. In den ab 1970 entstandenen Gemälden schweben Objekte wie Pistolen, Autos und Stühle vor geometrischen Hintergründen.

Ein Großteil der gezeigten Bilder stammt aus dem Nachlass des Künstlers sowie aus der Sammlung Frieder Burda, Baden-Baden. Dabei werden zahlreiche Werke zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie unterstreichen den bis heute andauernden Status des Künstlers als Geheimtipp.

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William N. Copley (1919-1996)

»Wenn man weiß, was Kunst nicht ist, steht einem die ganze Welt offen.« (William Copley)

William N. Copley ist als Galerist, Künstler, Schriftsteller und Verleger seit Mitte der 1940er Jahre ein wichtiger Vermittler zwischen den Surrealisten und der Pop-Art-Bewegung und gehört zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Kunstszene.

Der vermögende Erbe mit ungewöhnlicher Vita wird nach kurzem Studium in Yale und Militärdienst in Europa Künstlerautodidakt mit einer Affinität zum Surrealismus und dessen Protagonisten. In einem Intermezzo als Galerist in Beverly Hills zeigt er zwischen 1948 und 1949 die Matadore des von Europa in die USA importierten Surrealismus wie Man Ray, Yves Tanguy, Roberto Matta, Max Ernst oder René Magritte. In dieser Zeit legt er den Grundstein seiner eigenen Kunstsammlung, die sich im Lauf der Jahre zu einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen surrealistischer Kunst entwickelt.

Nach der Zeit als Galerist wird er endgültig zum Künstler und macht das unaussprechliche CPLY zum Markenzeichen. Aus den in diesen Tagen geknüpften Künstlerkontakten entwickeln sich lebenslange Freundschaften. Vor allem die Beziehung zu Marcel Duchamp und Man Ray prägt seine Entwicklung als Mensch und Künstler. Duchamp ermutigt ihn in seinen künstlerischen Anfängen zum Weitermalen. Mit einer eigens gegründeten Stiftung wird Copley auch als Mäzen aktiv, der beispielsweise den jungen Richard Hamilton 1960 mit dem Preis für Malerei auszeichnet.

Obwohl die Surrealisten sein Kunstinteresse geformt haben, hält er Distanz zu deren Ideen und Theoriegebilden. Dafür errichtet er René Magritte, Marcel Duchamp, Francis Picabia und nicht zuletzt Andy Warhol bizarre bildnerische Denkmale, und die so Geehrten revanchieren sich, indem sie ihn, der sie bewundert und sammelt, ihrerseits unterstützen und fördern. Tatsächlich aber vermögen seine Idole den angehenden Pop-Artisten nur bedingt zu inspirieren. Bereits vor seinem Paris-Aufenthalt in den 1950er Jahren beginnt er sich stilistisch und inhaltlich von ihnen loszusagen.

William N. Copley – Kiss me, 1965,
Öl auf Leinwand, 99 x 81 cm
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
© VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Copley setzt sich in seinen Bildern auf ironische Weise mit dem erotischen Spiel zwischen Mann und Frau in all seinen Facetten auseinander und thematisiert die Absurdität der Amouren und Verbrechen, des Starrummels und der Markengläubigkeit.

Gekonnt spielt der Arrangeur des Doppelbödigen mit der voyeuristischen Erwartungshaltung des Betrachters. Mit anzüglicher Verve inszeniert er eine bunte Commedia dell’Arte und huldigt den bewegenden Kräften des Eros.

Kein anderer widmet sich der Lust derart lustig, dem Komischen so nahe am Comic und dem Geschlechterreigen dermaßen geschlechtsspezifisch wie Copley.

Sein weitgehend konstantes Inventar an irrwitzigen Bildformeln stellt Copley schon früh zusammen. Ein Künstlerleben lang hält er nicht nur seinen kuriosen Sujets, sondern auch einer raffiniert gesteuerten Kunstlosigkeit die Treue.

Eine Ausstellungskooperation des Max Ernst Museum Brühl mit dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden.

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KATALOG | Copley

Mit Beiträgen von Andy Warhol, Billy Copley, Georg Baselitz, Götz Adriani, Judith Irrgang, Man Ray, William N. Copley

Gebundene Ausgabe
Festeinband
265 Seiten
179 Farbabbildungen
28,4 x 19,6 x 3 cm
Text: Deutsch

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Der Katalog präsentiert mehr als 80 Werke des Amerikaners William Copley (1919 – 1996), der als Galerist, Künstler, Schriftsteller und Verleger seit Mitte der 1940er-Jahre ein wichtiger Vermittler zwischen den Surrealisten und der Pop Art-Bewegung war und zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Kunstszene gehört. Einige der Arbeiten werden in der Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt, darüber hinaus beinhaltet der Katalog eine Vielzahl bisher unveröffentlichter Aufsätze William Copleys.

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This monograph shows Copley’s extremely abstracted figurines from everyday American myths, his cowboys and pin-up girls, his erotic and pornographic fantasies, in addition to set pieces from everyday life and fetishes that are catalogued without commentary. The two-time Documenta participant adhered to his comic-like style, undeterred until his death, and he is now considered a forerunner of the graffiti art of the likes of Keith Haring. His subversively vapid works are still considered the connecting link between Pop Art and Surrealism.

In der Tradition von Dada, Surrealismus und amerikanischer Pop Art setzt sich William Copley in seinen Bildern auf ironische Weise mit dem erotischen Spiel zwischen Mann und Frau in all seinen Facetten auseinander. Schon früh findet er zu seinem eigenwilligen Stil, der sich in erster Linie an den beiden Hauptprotagonisten seiner Bildergeschichten manifestiert: Wohlproportionierte Blondine in rosiger Nacktheit trifft auf einen kleinen Mann im Anzug, der bewaffnet ist mit den Symbolen der Ehrwürdigkeit und des sublimen Sex – dem Regenschirm und der Melone. Copleys Werk ist eine einzige bildgewordene Huldigung an die bewegenden Mächte des Eros. Allerdings belässt es Copley nicht bei naiv schönen Bildern, sondern entwickelt inhaltlich einen Tiefgang, der sich dem Betrachter erst durch genaues Hinschauen und die Verbindung zwischen Darstellung und Bildtitel erschließt.

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Monografie | William N. Copley – Unter uns
Hrsg. Klaus Gerrit Friese, Texte von Stephan Berg, William N. Copley

gebundene Ausgabe
Text: Deutsch
160 Seiten,
83 farbige Abbildungen
17,70 x 24,50 cm

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Seine subversiv-banalen Arbeiten gelten heute als Bindeglied zwischen Pop-Art und Surrealismus. Die Monografie zeigt Copleys stark abstrahierte Figurinen aus amerikanischen Alltagsmythen, seine Cowboys und Pin-up-Girls, erotischen und pornografischen Fantasien, scheinbar naiv präsentiert, daneben Versatzstücke aus dem Alltag und Fetische, die kommentarlos katalogisiert werden. Der bibliophil ausgestatete Band wird ergänzt durch einen kenntnisreichen Essay von Stephan Berg und dem viel gesuchten Text von William N. Copley selbst, “Der Künstler als junger Händler”, in der Übersetzung von Kai Heymer.

William N. Copley: Among Ourselves

Hardcover: 144 pages
Language: English
9.6 x 6.9 x 0.7 inches

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The life and career of William N. Copley spans an exciting (if little-known) period in American art. As a gallerist, Copley established a powerful presence for Surrealism on the West Coast, exhibiting Rene Magritte, Max Ernst, Yves Tanguy, Joseph Cornell and Man Ray, before deciding, in 1947, to become a painter himself. He then moved to Paris, where he developed his own unmistakable style, a style which has come to be recognized as the native link between Surrealism and Pop art. In his emphasis on bold wavy outline and occasional use of text, Copley is now also considered a forerunner of the graffiti art practiced by the likes of Keith Haring. This important monograph reproduces a broad selection of Copley’s paintings, inspired by everyday American circumstances: his cowboys and pin-up girls, his erotic and pornographic fantasies and his set pieces from everyday life.

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