I Got Rhythm. KUNST und JAZZ seit 1920

Kunstmuseum Stuttgart | bis 06. März 2016

Otto Dix Großstadt (Triptychon), Mitteltafel, 192728 Foto Kunstmuseum

Otto Dix - Großstadt (Triptychon), Mitteltafel, 1927/28
Öl und Tempera auf Holz, 181 x 201 cm, Kunstmuseum Stuttgart,
Foto: Kunstmuseum Stuttgart / Uwe H. Seyl, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Die Ausstellung »I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920« zeigt anhand herausragender Künstler wie Otto Dix, Piet Mondrian, Jackson Pollock, Andy Warhol, K.R.H. Sonderborg, A.R. Penck und Jean-Michel Basquiat, wie der Jazz das 20. Jahrhundert hindurch eine bemerkenswerte Rezeption in der Kunst hervorgerufen hat. Und noch in der Gegenwart finden sich zahlreiche Belege dafür, dass der Jazz künstlerische Prozesse, Ideen und Produktionen beeinflussen.

140 Kunstwerke, überwiegend Gemälde, aber auch Filme, LP-Covers, Objekte und Assemblagen, sind in der Ausstellung zu sehen.

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In einem Parcours von den 1920er-Jahren bis heute werden die engen Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Jazz und der Bildenden Kunst dargestellt. Präsentiert werden vielfältige künstlerische Auseinandersetzungen mit Jazz, angefangen von Gemälden der klassischen Moderne über Werke der europäischen und amerikanischen Nachkriegsabstraktion bis hin zu Installationen und Videos der Gegenwart.

Begleitend zu den Exponaten vermitteln Hörstationen mit ausgewählten Musikbeispielen einen Überblick über die Geschichte des Jazz im 20. und 21. Jahrhundert.

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VIDEO | Begleitfilm zur Ausstellung, © Kunstmuseum Stuttgart, 2015

Der Jazz aus den USA eroberte in den 1920er- und 1930er-Jahren die Tanzsäle und Ballhäuser, Bars und Cafés, Varietés und Kinos in Europa im Sturm. Die neue Musik war das erste Pop-Phänomen, war Pop vor Pop und begeisterte die Bohème und das wohl situierte Großbürgertum genauso wie Jugendliche und Intellektuelle.

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Kunstmuseum Stuttgart | bis 6. März 2016

I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920

Pressetext: Kunstmuseum Stuttgart
Kuratoren: Ulrike Groos, Sven Beckstette und Markus Müller

I Got Rhythm Katalog

KATALOG | I Got Rhythm.
Kunst und Jazz seit 1920LESEPRPOBEGebundene Ausgabe,
Pappband
288 Seiten
190 farbige Abbildungen
Prestel Verlag
Sprache: Deutsch, English
26,9 x 26,7 x 2,8 cm
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Der Katalog zeigt anhand herausragender Beispiele von Künstlern wie Otto Dix, Max Beckmann, Marlene Dumas, Piet Mondrian, Jackson Pollock, Verena Loewensberg, Romare Bearden, Andy Warhol, K.R.H. Sonderbrog, A.R. Penck und Jean-Michel Basquiat, wie der Jazz das 20. Jahrhundert hindurch eine bemerkenswerte Rezeption in der Kunst hervorgerufen hat. Präsentiert werden Gemälde der klassischen Moderne und Werke der europäischen und amerikanischen Nachkriegsabstraktion sowie Installationen und Videos der Gegenwart.

Vor 100 Jahren, am 11. Juli 1915, erschien in einer Chicagoer Tageszeitung ein Beitrag, in dem der Begriff »Jazz« wahrscheinlich zum ersten Mal mit dem gleichnamigen afroamerikanischen Musikstil in Verbindung gebracht wurde. Seinen endgültigen Durchbruch erlebte die neue Tanzmusik aus dem Süden der USA nach dem Ersten Weltkrieg, als Joe King Oliver, Jelly Roll Morton, Bix Beiderbecke und vor allem Louis Armstrong erste Platten veröffentlichten. Und als der Jazz in den 1920er-Jahren seinen Weg nach Europa fand, eroberte er auch die dortigen Tanzsäle, Bars, Varietés und Kinos im Sturm. Das soeben angebrochene Jahrzehnt wurde sogleich zur Jazz-Ära erklärt.

Aufgrund seiner weiten Verbreitung lässt sich der Jazz als erstes Pop-Phänomen bezeichnen. Er begeisterte Bohème und Großbürgertum genauso wie Jugendliche und Intellektuelle. Zugleich wurde Jazz als die erste eigenständige Kulturleistung der Vereinigten Staaten überhaupt wahrgenommen. Und nicht zuletzt galt er als authentisches Zeichen für den Beginn afroamerikanischer Emanzipation.

Dass der Jazz auch die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst hat, legt die große Sonderausstellung »I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920« dar. Tatsächlich zeigt sich hier zum ersten Mal die Verbindung zwischen populärer Kultur und Kunst. Künstler wie Otto Dix, Max Beckmann, Paul Colin, Adolf Loos, Piet Mondrian und Henri Matisse bezogen sich auf modische Tänze, bestimmte Lieder oder Stars des Jazz-Zeitalters wie Josephine Baker, die zur Ikone der Moderne avancierte.

Bis in die 1950er- und 1960er-Jahre hinein war der Jazz Synonym für populäre Musik und immer stärker auch intellektuelle kritische Praxis. Bebop und Abstraktion verkörperten Modernismus und das westliche Freiheitsparadigma. Jackson Pollock hörte im Atelier tage- und nächtelang nur Jazz. Andy Warhol entwarf Plattencover für berühmte Labels. Auf der anderen Seite des Atlantiks veranstaltete K.R.H. Sonderborg gemeinsam mit Jazzmusikern malerische Aktionen. Wie sich anhand von Künstlerinnen und Künstlern wie JeanMichel Basquiat, Marlene Dumas, Stan Douglas, Rashid Johnson und Kara Walker sehen lässt, finden sich bis heute zahlreiche Belege dafür, dass der Jazz unmittelbar Prozesse in der bildenden Kunst beeinflusst und weiter beeinflussen wird.

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PRESSESCHAU

Die Rezeption des Jazz als Barometer der Freiheit

Christoph Wagner für die NZZ | Artikel lesen

In der Ausstellung «I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920» im Stuttgarter Kunstmuseum hängt Overstreets Gemälde «Strange Fruit» an prominenter Stelle. Es führt in die Thematik «Jazz und Rassendiskriminierung» ein. Der Titel des Gemäldes bezieht sich auf den gleichnamigen Song der Jazzsängerin Billie Holiday, der vom Lynchmord an einem Afroamerikaner berichtet, dessen Füsse gespenstisch von links oben ins Bild baumeln. Jazz war in seinen besten Momenten oft auch Anklage und Protest, ein Schrei gegen Unrecht, rassistische Gewalt und Unterdrückung.

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Jazz als Soundtrack der Befreiung

Klaus Walter für Deutschlanradio Kultur | Artikel lesen / Beitrag hören

Die Ausstellung erzählt von der plötzlichen Beschleunigung im Maschinenzeitalter, vom Rhythmus der neuen Musik und von ihren Freiheitsversprechen. Jazz ist der Soundtrack zur Befreiung der Körper.

„Weil er als Sinnbild der Freiheit galt, hat der Jazz entsprechende Ablehnung bei den Nationalsozialisten hervorgerufen. Da galt Jazz wie Zwölftonmusik und moderne Musik als entartet. Auch das wollen wir in der Ausstellung zeigen, dass einerseits Jazz als jüdisch diffamiert wurde, was natürlich zeigt, wie verquer die Rassenideologie der Nazis war.“ [ Sven Beckstette, Kurator der Stuttgarter Ausstellung ]

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Musik als intellektueller Akku für Kreative

Von Christian Gampert für den Deutschlandfunk | Artikel lesen

Joe Overstreet oder Beauford Delaney thematisierten ebenso wie Basquiat die brutale Polizeigewalt in den USA und setzten auf die befreiende Power des Jazz. Der Höhepunkt der Ausstellung ist dann eine neue Installation von Stan Douglas, der eine funky Fusion-Session der 70iger Jahre mit heutigen Musikern nachgestellt hat. Das sind so täuschend echte Loops, Grooves, Bewegungen und Kostüme in den legendären Columbia Studios, dass man einfach mitwippen muss.

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Kunstmuseum Stuttgart, Kleiner Schlossplatz 1

Öffnungszeiten:

Sa, 20. & 27.02.2016,
10 – 21 Uhr

Fr, 04. & Sa, 05.03.2016,
10 – 24 Uhr

So, 06.03.2016,
10 – 21 Uhr

Kuratorenführungen:
Fr, 19.02.2016, 18 Uhr, Ticket: 2,50 €
Sven Beckstette

Eintritt:
12 € / ermäßigt 8,50 €
Kinder unter 13 Jahren frei

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