ALLEN JONES – Off The Wall

Die Kunsthalle Tübingen zeigt  bis zum 16. September 2012 anlässlich des 75. Geburtstages von Allen Jones die bislang umfangreichste Retrospektive des international einflussreichen Pop-Art-Künstlers. Mit seinen provokativen Möbelskulpturen von 1969 sorgte er weltweit für Furore.

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Die Werkschau zeigt circa 80 repräsentative Arbeiten von seinem Frühwerk bis heute. Darunter finden sich neben den berühmten „Furniture Sculptures“ zahlreiche Gemälde, Reliefs, Videos und weitere Skulpturen.

Kunsthalle Tübingen | bis 16.09.12

ALLEN JONES – Die Retrospektive

Pressetext: Kunsthalle Tübingen | www.kunsthalle-tuebingen.de

In der Allen-Jones-Schau sind auch jene berühmt-berüchtigten Skulpturen von 1969 zu sehen, die zu Möbelstücken verdinglichte Frauen dar-stellen: eine mit ausgebreiteten Armen als Hutständer, eine in devoter Hundehaltung als Tisch, eine rücklings Liegende mit hochgebeugten Beinen als Stuhl – sie alle sind großbrüstig, barbusig, langbeinig und mit hohen Absätzen und Lederaccessoires bewehrt. Trotz erotischer Überhöhung wirken die Plastiken recht realistisch; offenbar so sehr, dass sie heute wie damals dazu in der Lage sind, nicht nur eingeschworene Pornografiefeinde auf den Plan zu rufen, sondern auch die Verkünder sexueller Selbstentfaltung.

»Dass alles nicht das ist, was es scheint« – so hat Allen Jones einmal die Leitidee seines Schaffens dargestellt, und so wäre es ein fataler Fehler, den dargestellten Inhalt mit der Botschaft des Kunstwerks zu verwechseln. Es sind Fiberglas und Stahl, die in die Möbelform gezwungen werden – und keine Menschen!

Nicht um Frauenverachtung geht es dem Künstler, sondern um die Infragestellung von Denkverboten und sittlichen Schranken.

Die umgangssprachliche Wendung »off the wall«, mit der Jones den ausstellungsbegleitenden Katalog übertitelt, lässt sich mit »unkonventionell«, »irre« oder »neben der Spur« ins Deutsche übertragen. In diesem Sinne befördert er triviale Themen wie sexuelle Anspielungen aus Werbung und Showbusiness in die bildende Kunst, um sie dort zu stilisieren und persiflieren. Doch ist das »off the wall« auch ganz wörtlich zu verstehen: weg von der zweidimensionalen Repräsentation, runter von der Wand, hinein in die Welt!

Monografie | Katalog
Allen Jones – Off the Wall

Gebundene Ausgabe
ca. 240 Seiten,
ca. 150 farbige Abb.
24 x 21 cm
Sprache: Deutsch

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Zum 75. Geburtstag 2012: Eine umfangreiche Monografie über den britischen Pop-Art-Künstler. Mit seinen unkonventionellen, provokativen Arbeiten prägte Allen Jones (*1937 in Southampton) als einer der Pioniere in den 1960er- und 1970er-Jahren den Umbruch in der modernen Kunst.

Seine berühmten Furniture Sculptures zu Möbeln umfunktionierte, realistisch anmutende Frauenfiguren aus Fiberglas und Stahl markieren bis heute die aufsehenerregende und beherzte Abkehr des Künstlers von der intellektuell überladenen, abstrakten Kunst hin zu Trivialität und Echtheit des alltäglichen Lebens.

Die weibliche Gestalt, insbesondere ihre Beine, prägten sich als Jones‘ Leit- und Lieblingsmotiv ins zeitgenössische Gedächtnis ein und deklarieren die Leidenschaft und Erotik zwischen Mann und Frau zum ästhetischen Prinzip. Mit dem menschlichen Körper gelingt Jones die Überwindung des Zweidimensionalen, nach der sein ganzes Euvre strebt. Die Publikation zeigt, dass sein Werk dabei immer auch den Lifestyle und Massenkonsum der heutigen Gesellschaft hinterfragt.

Mit den geformten Leinwänden seiner Bus-Bilder von 1962 sprengt er erstmals den Rahmen des Tafelbildes. Mit den erwähnten Sadomaso-Skulpturen von 1969 überschreitet er schließlich gänzlich die Schwelle vom Visuellen zum Haptischen, um sich dann wieder dem Bild anzunähern, etwa mit einer weiblichen Figur, die er 1991/92 aus einer abstrakten Komposition hervortreten lässt, oder bei Skulpturen, die ausgeschnittenen und gefalteten Bildmotiven gleichen. Mit dieser räumlich-bildlichen Ambivalenz interpretiert Jones das große Thema der Pop-Art: die Überschreitung der Barriere zwischen Kunst und Alltag. Dabei unterliegt er jedoch nie dem Fehlschluss, die Grenzen zwischen diesen beiden Sphären gänzlich niederreißen zu können. Vielmehr verteidigt er die Autonomie des Ästhetischen, etwa indem er Figuration auf Abstraktion treffen lässt, indem er Körperformen symbolhaft überzeichnet oder indem er, zwei Jahre vor Georg Baselitz, Motive auf den Kopf stellt. Sein Werk weist somit über den demokratisierenden Pop-Art-Impuls hinaus und verführt uns mit lustvoller Körperlichkeit in die Sphären kunsttheoretischer Reflexion.

1979 wurde dem damals 41-Jährigen eine erste große Retrospektive gewidmet, die in Liverpool, London, Baden-Baden und Bielefeld zu sehen war. Sein 70. Geburtstag wurde 2007 in der Tate Britain mit einer Schau aktueller Arbeiten gefeiert, denen einige frühere Werke gegenübergestellt waren. Die gerade rechtzeitig zum 75. Geburtstag des Künstlers in der Kunsthalle Tübingen ihren Ausgang nehmende Ausstellung vereint erstmals eine große Auswahl an Gemälden, Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus einem Zeitraum von 1957 bis 2009. Diese in Zusammenarbeit mit dem Tübinger Institut für Kulturaustausch entwickelte, bislang umfangreichste Retrospektive lädt dazu ein, das Lebenswerk des international einflussreichen englischen Künstlers wiederzuentdecken. Große Pop-Art-Präsentationen haben in der Kunsthalle Tübingen Tradition. George Segal, Richard Hamilton, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Duane Hanson, Tom Wesselmann und Mel Ramos wurden hier mit Einzelausstellungen bedacht. Dieser Kette wird nun mit Allen Jones eine weitere Perle hinzugefügt.

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VIDEO | Allen Jones Women and Men

[ Documentary by Jake (Jacob) Auerbach in 2007 | approx 60 min. ]

An exploration of the work of controversial pop artist Allen Jones, whose erotic sculptures have angered feminists, challenged his contemporaries, and delighted collectors and gallery goers worldwide. WOMEN AND MEN attempts to demystify the artist through discussion with prima ballerina Darcey Bussell, wife Deirdre Morrow, fellow artist Gary Hume, and Jones himself.

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