Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland

Martin-Gropius-Bau, Berlin | bis 06. Januar 2019

Schnitzereien des Totenbettes von Haltern, Knochen, 1. Jh. n. Chr. 
© LWL-Archäologie für Westfalen, Foto: Stefan Brentführer

In Kooperation mit dem Verband der Landesarchäologen zeigt das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin die große Sonderausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“. Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 präsentieren alle 16 Bundesländer hier ihre spektakulärsten Funde und aktuelle Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre.


Gezeigt wird u.a. die früheste figürliche Kunst der Menschheit, die ca. 35000 Jahre alte Venus vom Hohle Fels (Baden-Württemberg) und die bronzezeitliche Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt) mit der weltweit ältesten bisher bekannten konkreten Darstellung des Kosmos. Ebenfalls präsentiert werden 3000 Jahre alte Goldhüte aus Deutschland und Frankreich, die nicht nur eine Meisterleistung der Goldschmiedetechnik darstellen, sondern auch mit kalendarischen Symbolen verziert sind.

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In vier großen Themenfeldern – Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovation – zeigen hochrangige Exponate aus der Steinzeit bis in 20. Jahrhundert die Folgen überregionaler Interaktion. Die archäologischen Funde zeigen unmittelbar, dass die Menschen im heutigen Deutschland zu allen Zeiten in ein gesamteuropäisches Netzwerk eingebunden waren. Über dieses Netzwerk wurde der Transfer von Menschen, Materialien, Gesellschaftssystemen, Religionen und Wissen europaweit befördert.

Der daraus resultierende Bezug zu aktuellen Themen macht die archäologischen Funde für den heutigen Betrachter greifbar.

KATALOG | Bewegte Zeiten
Archäologie in Deutschland

LESEPROBE

Herausgegeben für das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatliche Museen zu Berlin und den
Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland
von Matthias Wemhoff und Michael M. Rind

Gebundene Ausgabe
Hardcover
480 Seiten,
477 Farb- und 29 S/W-Abbildungen,
Michael Imhof Verlag
Sprache: Deutsch
24,5 x 29 cm

Digitale Kommunikations- und schnelle Transportmöglichkeiten bringen die Menschen immer enger zusammen und lassen die Globalisierung als modernes Phänomen erscheinen. Tatsächlich aber ist die überregionale Vernetzung mit allen ihren Auswirkungen seit jeher ein fester Bestandteil der Gesellschaft und beeinflusst das Leben der Menschen seit prähistorischer Zeit grundlegend. Täglich machen Archäologen Entdeckungen, die dies eindrucksvoll belegen.

„Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ präsentiert die spektakulärsten archäologischen Neufunde der letzten 20 Jahre von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert. Anhand der vier Themen Mobilität, Konflikt, Austausch und Innovation werden mit über 1000 Exponaten die Folgen überregionaler Interaktion auf persönlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene erfahrbar gemacht.

Europäisches Kulturerbejahr 2018
Das Europäische Kulturerbejahr 2018 richtet den Blick auf Austauschprozesse und auf Beziehungen innerhalb Europas. Unter dem Motto „sharing heritage“ wird das reiche kulturelle Erbe Europas in unterschiedlichen Projekten präsentiert und neu erschlossen. „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ ist das Leitprojekt im Themenfeld „Austausch und Bewegung“ und zeigt, was das kulturelle Erbe Europas aus archäologischer Perspektive ausmacht.

Ziel der Ausstellung ist es, über die Exponate den Bezug unserer kulturellen Vergangenheit zur heutigen Zeit zu herzustellen und zu verdeutlichen, dass schon vor mehreren tausend Jahren die Grundlagen eines gemeinsamen Europas gelegt wurden, aus denen ein einzigartiges kulturelles Netzwerk entstand, das uns bis heute prägt.

Acht Götterbüsten
Sol, Schildpatt, 2. Jh. n. Chr.
© LVR-Landesmuseum Bonn, Foto Jürgen Vogel

Über allem steht die Bewegung des Menschen als verbindendes Grundprinzip der Geschichte: Diese ist die Ausgangslage für die Verbreitung von Waren und Ideen, dem Entstehen von Handel und Fortschritt sowie auch damit verbundenen strukturellen Veränderung und Konflikten.

Aus diesem Grund ist die Ausstellung nicht chronologisch gegliedert, sondern orientiert sich an den vier Themen Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovation. In dieses thematische Konzept eingefasst werden auf 1600 qm Fläche im gesamten Erdgeschoss des Gropius Baus spektakuläre Funde und Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre aus allen Bundesländern gemeinsam präsentiert. 70 Leihgeber aus ganz Deutschland unterstützen die Ausstellung mit insgesamt 300 Fundkomplexen bestehend aus weit über 1000 hochrangigen Exponaten von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert. Allen Exponaten ist gemein, dass sie trotz ihrer Einzigartigkeit nicht allein stehen, sondern immer als Teil eines europäischen Netzwerks zu sehen sind.

Im Zentrum der Ausstellung steht im Lichthof des Gropius Baus die Hafenmauer des römischen Köln, die in den letzten Jahren durch den Bau der Kölner U-Bahn freigelegt wurde. Die mächtigen Überreste einer 3,5 Meter hohen Spundwand aus fast 2000 Jahre alten Eichenbohlen werden zusammen mit tausenden Scherben aus dem Hafenbecken präsentiert.


PRESSESCHAU

Archäologische Schätze aus deutscher Erde
Ausstellung zeigt spektakuläre Funde

Klaus Krämer für die Deutsche Welle | Artikel lesen

„Waffen, Kunst, Schmuck aus vielen Jahrtausenden, darunter die Himmelsscheibe von Nebra. Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt mit der Archäologie-Schau „Bewegte Zeiten“, dass Europäer ständig mobil waren.

DW: Herr Professor Wemhoff, was ist das Besondere an dieser Schau?

Prof. Matthias Wemhoff: Sie zieht erstmals die besten und spannendsten archäologischen Neufunde der letzten 20 Jahre in Deutschland unter einem thematischen Gesichtspunkt zusammen. Wir präsentieren keine Leistungsschau der deutschen Archäologie, sondern wir sagen: Archäologie ist relevant für die heutige Gesellschaft, denn sie zeigt uns, dass die Menschen zu allen Zeiten mit ähnlichen Herausforderungen zu tun hatten, wie wir heute. Das lohnt es sich anzuschauen – und wie die Menschen damals damit umgegangen sind.“


Eine Migrationsgeschichte der Menschheit

Christiane Habermalz für Deutschlandfunkkultur | Beitrag lesen

Beitrag anhören

„Der erste Klimaflüchtling? Der Neandertaler. Vor der vorrückenden Eiszeit flüchtete er sich in wärmere Gefilde, nach Südfrankreich.

Heute wird eher in die andere Richtung geflohen, vor Dürre und Überschwemmungen durch die Erderwärmung. Auch das, lehrt uns diese großartige Ausstellung, nur eine Phase in der langen Migrationsgeschichte der Menschheit.“


Öffnungszeiten
Mittwoch bis Montag 10 – 19 Uhr
Dienstag geschlossen

Die Kasse schließt um 18.30 Uhr

Eintritt
Regulär € 12, ermäßigt € 6
Eintritt frei bis 18 Jahre
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