Und das ist Kunst ?! Eine Qualitätsprüfung

August 26, 2007 | Comments Off

rauterberg-buch-cover-2007.jpg»Skepsis gehört zur Grundausstattung

Die Kunst der Gegenwart feiert erstaunliche Triumphe: Die Museen sind besser besucht als die Kinos, vielerorts werden neue Galerien, Kunsthallen, Biennalen gegründet, auf den Auktionen jagt ein Millionenrekord den nächsten. Doch auch die Ratlosigkeit wächst: Sind die enormen Preise nicht überzogen? Was ist heute noch Qualität? Wie lässt sich gute von schlechter Kunst unterscheiden? Was unterscheidet die Kunst überhaupt noch von Design, Mode, Werbung?

Hanno Rauterberg bietet Orientierung: Er zeigt, nach welchen Kriterien sich Gegenwartskunst beurteilen lässt. Er durchleuchtet das Machtgeflecht des Kunstmarkts. Er benennt die zehn populärsten Irrtümer der Gegenwartskunst. Und er weist Wege aus der Qualitätskrise der Kunst. Ein fulminantes Plädoyer für eine neue ästhetische Wertedebatte.

BUCH
| Hanno Rauterberg | Und das ist Kunst?!Eine Qualitätsprüfung
256 Seiten, Broschur mit Abb.

Hanno Rauterberg, geboren 1967, ist seit 1998 Kunst- und Architekturkritiker im Feuilleton der ZEIT. Seine Doktorarbeit schrieb er über den legendärsten Geschmacksstreit der Kunstgeschichte, die Konkurrenzreliefs in Florenz von 1402. Nach der Promotion absolvierte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und arbeitete zunächst für den SPIEGEL-Verlag. Er ist Mitglied in der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

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Einsamkeit, Freiheit, tiefes Glück

ZEIT - Hanno Rauterberg

Wanderungen im Nebelmeer: Was die zeitgenössische Kunst von Werbung, Mode und Design unterscheidet.

Was kennzeichnet noch die ästhetische Erfahrung, wenn das Primat der Zwecklosigkeit so allgegenwärtig ist, dass sich damit ganze Geschenkeläden füllen? Wie kann sich die Kunst noch abheben vom Selbstverständlichen?

Viele Künstler stellen sich diese Fragen. Weil ihnen die eigenen Qualitätsbegriffe abhandengekommen sind, wissen sie nicht länger, was ihre Kunst eigentlich von Werbung, Mode, Design unterscheiden könnte. Und manche nehmen die vermeintliche Ununterscheidbarkeit hin, als sei sie schicksalhaft über sie gekommen ? die Grenzen seien nun mal gefallen, die Zeiten unübersichtlich: Was solle man machen? Allerdings verkennen sie damit, dass die wachsende Nähe von Alltag und Ästhetik nicht ohne Folgen bleibt. Die Konkurrenz setzt vielen Künstlern zu ? und verändert ihre Kunst.

ZEIT - Vorabdruck lesen

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ZEIT Forum Kultur

Lichthof Universitätsbibliothek Hamburg
Grindelallee, Ecke Edmund-Siemers-Allee

„Und das ist Kunst?!“
Wie lässt sich gute von schlechter Kunst unterscheiden?

Dienstag, 28. August 2007
| 19.30 Uhr

Hanno Rauterberg (Feuilletonredakteur DIE ZEIT) diskutiert im ZEIT FORUM KULTUR mit dem Hamburger Kunstsammler Harald Falckenberg und dem Leiter der Documenta Roger M. Buergel über die Thesen seines neuen Buches: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Moderation: Ulrich Wickert.

Martin Kippenberger | Wie es wirklich war

August 17, 2007 | Comments Off

diederichsen-kippenberger-wie-es-wirklich-war-buchcover-2007.gif»Ich brauch keinen Lektor, ich kann mich selber lenken,wenn ich mich wieder bücken kann. Und ich lach darüber, wenn jemand das nicht haben will oder nur ein Buch davon verkaufen will oder es nicht drucken will … Ich lach mich tot

Zehn Jahre nach seinem frühen Tod scheint Martin Kippenberger so kanonisiert, wie er zu Lebzeiten umstritten war. Allerdings wird er dabei oft nur als Maler wahrgenommen, kaum dagegen als die epochale Integralgestalt, die auf ihre Art so gut wie alles machte: Kunst, Performances, Skandale, Feiern, Reisen, Punkrock, Kalauer und nicht zuletzt auch Bücher.

Diedrich Diederichsen, der Kippenbergers Weg aus nächster Nähe verfolgt hat, präsentiert eine Auswahl aus den inzwischen schwer gesuchten Textpublikationen, namentlich Café Central. Skizze zum Entwurf einer Romanfigur, Durch die Pubertät zum Erfolg und 1984 wie es wirklich war am Beispiel Knokke.

BUCH
Martin Kippenberger | Wie es wirklich war - am Beispiel.

Lyrik und Prosa (Broschiert | 359 Seiten)
Herausgegeben von Diedrich Diederichsen

Diedrich Diederichsen, geboren 1957 in Hamburg, war in den 1980er Jahren Redakteur von Musikzeitschriften (Spex), in den 1990ern Hochschullehrer. Er lebt in Berlin.

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Richtig falsch schreiben

TAGESSPIEGEL - Daniel Völzke

Der bildende Künstler Kippenberger als Autor

Man kennt den Witzeerzähler Kippenberger, seine literarischen Verweise („The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika‘“), seinen Interviewband „B“, mit dem er auf Andy Warhols „A“ antwortete. Oft stellen Werk- und Ausstellungstitel wie „Ich geh’ kaputt, gehst du mit?“ die eigentlichen Arbeiten in den Schatten. Das Lesebuch listet denn auch „241 Bildtitel zum Ausleihen für andere Künstler“ auf: T-Shirt-Sprüche, kombiniert mit eigenen Slogans.

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

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Einer von Euch, unter Euch, mit Euch

Artnet - Anne Haun 3.2006

Künstlerprofil Martin Kippenberger

Das „Bad Boy“-Image der 1980er hängt ihm bis heute an. Man nimmt ihn persönlich, ein Nachruf der taz resümiert sogar: „Er war kein guter Mensch!“

Der stets provokative und exzessive Charakter ebenso wie sein Werk mit Endzeit-Zynismus lag dem Kunstbetrieb offenbar lange zu schwer im Magen, ohne Blähungen schien die kuratorische, kunsthistorische bzw. publizistische Verdauung Kippenbergers nicht möglich.

Der, dem zu Lebzeiten nur eine einzige Einzelausstellung in einem deutschen Museum gewidmet wurde, macht daraus eine Tugend – „Museum ist Altertumsquatsch“ – eröffnet sein eigenes MOMAS und ernennt sich zum Direktor des musealen Selbsthilfeprogramms.

Artnet - Artikel lesen

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“Der kann ja auch malen!”

TAZ - Diedrich Diederichsen 6.2003

Als Martin Kippenberger 1997 starb, rechneten vor allem die, die ihn aus der Nähe kannten, nicht damit, dass sein “Werk” ohne sein sonst so permanentes performatives Dazutun präsent bleiben würde wie zu Lebzeiten. Manch einer dachte, dass es nun endgültig vorbei sei mit jener Kunst, die noch charismatischen Personen und zentralisierenden Autoren zugeordnet werden könnte. Kippenberger, so der Gedanke, war vielleicht der letzte und darum auch so überdimensionale und hypostasierte Künstlerdinosaurier. Nach ihm gäbe es nur noch Service-Art und Projekt-orientierte Kunst, Workshops und Symposien.

Kippenberger war zu Lebzeiten wirklich umstritten. Die Presse, jedenfalls das so genannte Feuilleton, schrieb kein einziges freundliches Wort, die Museen ignorierten ihn. Das distinguierte Kunstpublikum ließ sich - ja, ich muss das schreckliche Wort hier benutzen - “provozieren”, die Szene war von seinen sexistischen Witzen genervt und selbst die, die ihn trotz allem immer wieder verteidigten, versuchten die endlosen Performances auf den Eröffnungsparties zu schwänzen. All das ist wie weggeblasen: Nach seinem Tod wollen ihn alle Museen, das Feuilleton schreibt kein unfreundliches Wort mehr. Und auch eine neue Interpretation setzt ein, die aus dem “Der konnte ja malen” schließlich den Ahnen der neuen deutschen Malerei und all ihrer - vor allem - biederen Rückkehrmanöver zu einer Kunst der klaren Arbeitsteilung zwischen den wieder ganz unbezweifelten Institutionen des Kunstbetriebs gemacht hat.

TAZ - Artikel lesen

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Martin Kippenberger | Cafe Central | Auszug aus seinem Buch

Martin Kippenberger | Linkliste “Nachruf-Veröffentlichungen” 1997

ostPUNK! / too much future

August 8, 2007 | Comments Off

ostpunks.jpgDDR-Punk: Der Totentanz der Diktatur

NETZZEITUNG - Matthias Bossaller
 
Der Anfang vom Ende? Punk unter Honecker

… ist es beeindruckend, mit welcher Entschlossenheit die Ost-Punks unter schwierigsten Bedingungen ihre Anti-Haltung gegen Staat und Gesellschaft auslebten. Die 16- bis 18-Jährigen nahmen sich Freiheiten heraus, die bis dahin in der DDR praktisch undenkbar waren. Sie forderten mit ihrem non konformen Treiben das Regime heraus, das seinerseits mit Repressionen reagierte.

Damit wurden sie nicht nur zu Systemkritikern, sondern - anders als im Westen -auch zu Staatsfeinden, die rigoros verfolgt wurden. Statt einer Popkarriere, die manch einer im Westen startete, winkte der Knast.

Was hat die DDR-Punk-Bewegung, die seit 1983 auf den Befehl von Stasi-Chef Erich Mielke heftig bekämpft wurde, bewirkt? Die Herausgeber wagen dazu die steile These, dass sie den Fall der Mauer mit hervorgerufen habe. «Sie trug bei zu einer nervösen Balance des Systems, die 1989 nicht mehr zu halten war», heißt es schon im Bucheinband. Und Ronald Galenza und Heinz Havemeister formulieren in ihrem Beitrag bildhaft: «So war der Pogo der Punks nicht nur Ausdruck eines auf Selbstbestimmung beharrenden Lebenswillen in der DDR, sondern auch deren vorweg genommener Totentanz.»

NETZZEITUNG - Artikel lesen

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punk-in-der-ddr-buch-cover.jpgBUCH
| Too Much Future - Punk in der DDR
| Michael Boehlke und Henryk Gericke
| Verbrecher Verlag (2007)
| Sprache: Deutsch, Englisch
| 223 Seiten
| erweiterte und veränderte Auflage

Die erste Auflage des Katalogs »too much future - Punk in der DDR« erschien 2005 anlässlich der aufsehenerregenden Ausstellung »too much future« in Berlin und war innerhalb weniger Tage vergriffen. Jetzt gibt es eine neue überarbeitete und erweiterte Auflage.

Die Texte behandeln die Anfänge der Punkbewegung, die seltsame Konstellation von Punk und Kirche in der DDR, die Repressionsgeschichte durch die Verfolgung seitens der Staatssicherheit sowie die Wirkung, welche Punk auf den Kunst-Underground bzw. Hintergrund ausübte.

Das Layout zitiert Punkästhetik und ist angereichert durch Anleihen beim Scherenschnitt, Tapecover Art, Korrekturfahnen, Samisdat-Typografie und einem offensichtlichen Faible für eine Ausschussästhetik. Eine Gratwanderung zwischen Experiment und Konsumierbarkeit ? Postpunk eben.

Der Katalog ist üppig bebildert mit Fotos und Reproduktionen von Dokumenten, Flyern, Grafiken und natürlich den Protagonisten der Szene. Teil des Katalogs ist zudem ein Bandregister, das beinahe 100 DDR -Punkbands mit ihren jeweiligen Line-Ups und ihrer Herkunft aufführt.

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VIDEO
| ostPunk! too much future  (Dokumentation)
| Kinostart: 23.08.2007

Porträt sechs ehemaliger Punks aus Berlin, Leipzig und Dresden. Der Film spiegelt die Erinnerung an einen Staat, der in seinem hohen Anspruch an seine Bürger höchstens gewöhnlich war und ungewöhnliche Menschen beargwöhnte und mit Repressalien überzog. Die DDR ging kollektiv unter, ihre Verweigerer, die Hauptakteure dieses Films, haben sich ihre Individualität erhalten und sind äußerst gesellige Einzelgänger geblieben.

Der Film versteht Punk nicht nur als ein politisches, sondern auch als ein ästhetisches Phänomen. Die Auseinandersetzung mit Punk findet daher auch stilistisch statt. Punk an sich war in seinen intensivsten Momenten eine Zumutung und in der Synthese aus Aufklärung und Irritation lag die Intention, überhaupt einen Film über Punks in der DDR zu machen.

Aktuelle Filmaufnahmen werden mit unveröffentlichtem Original-Super8-Material kombiniert, DDR-Propagandafilme prallen auf Animationen mit Clipcharakter.

Der Clipcharakter vieler Filmsequenzen beruht aber auch auf deren Synchronisation mit einst illegalen Aufnahmen von DDR-Punkbands. Ihre Präsentation dürfte in dieser Bandbreite bisher einmalig sein. Der Dokumentarfilm ist daher zugleich Pop und ein Musikfilm.

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too much future - ostpunk
| website

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2007 | 30 Jahre Punk

Eine Frage der Haltung | Punk rockt

FAZ - Katja Eichinger

Aggressiv, hässlich, laut: Punks schrieen ihren Protest gegen die Konventionen so laut in die Welt hinaus, dass sie niemand ignorieren konnte. In ihrem dreißigsten Jahr scheint die Bewegung nur noch in der Mode lebendig zu sein. Ein Plädoyer für mehr Punk.

Zentrales Thema der ersten Punks war Wut. Wut auf das bürgerliche Establishment, Wut auf die Klassengesellschaft, Wut auf die friedfertigen Hippies, die mit ihren Endlosdiskussionen alles zerredet und nichts erreicht hatten. Und diese Wut kristallisierte sich in der Musik.

Als die „Sex Pistols“, die erste britische Punk-Band, am 7. Juni 1977 auf einem Boot die Themse hinunterfuhren und das fünfundzwanzigste Thronjubiläum von Elizabeth II. damit feierten, dass Johnny Rotten sang „God Save the Queen, the Fascist regime, there’s no future and England’s dreaming!“ war das eine Frontalattacke auf die Leitplanken der englischen Gesellschaft.

FAZ - Artikel lesen

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MusikdokumentationPunk: Attitude” auf 2 DVDs

punk attitudeHamburg (dpa) Gut dreißig Jahre sind vergangen, seit die Punk-Bewegung in den Epizentren London und New York das Establishment schockierte und die Musikszene auf den Kopf stellte.

Der Londoner DJ, Filmemacher und Autor Don Letts sieht seinen Film keineswegs als nostalgischen Rückblick auf ein längst vergangene Epoche an, Punk ist für ihn keine Musikrichtung oder Modemasche, sondern eine “Attitude”, eine Einstellung, die entschiedene Negation des Bestehenden.

FR - Artikel lesen

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VIDEO _ Trailer | Punk: Attitude

 

KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer

Wenn Ihnen einer auf die Nerven geht, dann ist es Heino Jaeger …
… denn Heino Jaeger macht Menschen nach und redet und redet und redet und redet und redet und redet …

heino-jaeger.jpgHeino Jaegers Biographie bietet genügend Stoff für eine Verfilmung a la “Angst und Schrecken in Las Vegas”. Ein durchgeknalltes (RocknRoll) Leben zwischen Schizophrenie und Genie, zwischen Romantik und depressiver Nachkriegsrealität.

Als unangepasster, freakiger Underground-Performer, in Cabarets und Rundfunk ( u.a. Radiokultsendung Lebensberatung Dr. Jaeger ), entging er der Massenwirksamkeit.

Olli Dittrich:
Heino Jaeger ist der Meister von uns allen, ein Genie und bis heute unerreicht.”
( ZEIT-Interview | 2006 )

Loriot:
Wie konnte es geschehen, dass Heino Jaeger 25 Jahre ein Geheimtipp blieb. Wir haben ihn wohl nicht verdient.”

Heino Jaeger wurde 1938 in Hamburg-Harburg geboren.
1956 - 59 | Studium an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg (Klasse von Professor Alfred Mahlau).

heino-jaeger-winter.jpgVerschiedene Ausstellungen, u.a. die Provokation “Heino Jaeger: Ein Maler des deutschen Reichs stellt in der ehemaligen Reichshauptstadt aus!” sorgt für einigen Wirbel in Berlin.
Neben Gemälden und Zeichnungen entstehen die legendären Kurzgeschichten und kabarettistische Texte, die in Rundfunk, Fernsehen und auf Langspielplatten verbreitet werden. “Lebensberatung Dr. Jaeger” wird zum Markenzeichen.

Der Kult-Star in der intellektuellen Kunst-Szene, hochgeschätzt von Eckhard Henscheid, Hanns-Dieter Hüsch über Loriot bis Olli Dittrich, verstarb 1997 und hinterlässt - neben Schallplatten, die in Gold aufgewogen werden - auch Zeichnungen und Zeugnisse seiner Malerei, mit Hang ins 19. Jahrhundert.

3 Audio-CD´s und eine umfangreiche Biografie geben Einblick in das Schaffen dieses genialen Künstlers und halten sein Lebenswerk lebendig.

Im Oktober 2007 wird die 4. CD erscheinen.

heino-jaeger-hitler-in-suedamerika-cd-2007.jpg

 

HEINO JAEGER
Hitler in Südamerika

Monologe & Szenen

| herausgegeben von Eckhard Henscheid
| Coverbild:
Heino Jaeger
| Audio-CD
ca. 60 Minuten

 

WEBSITE |
Heino Jaeger 
auf netplanet | mit Bildergalerie

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Das Ohr zur Welt

FAZ - Tilman Spreckelsen

Heino Jaeger hatte das absolute Gehör für deutsche Töne, seine Scherze waren lebensgefährlich.

… Autor und Sprecher von Stegreifgeschichten, die als Radiosendungen und Plattenaufnahmen ihre Kreise zogen. Zurück ließen sie ein verstörtes oder begeistertes Publikum, denn Jaegers Dialoge, die er als Telefongespräch mit sich selber führte, waren nichts Geringeres als ein Echo der mittleren Bundesrepublik …

Absolut stilsicher, aber mit jenen feinen Verzerrungen, die aus der vertuschenden Alltagssprache ein Medium der Erkenntnis machen, ließ er Hausfrauen und Krankenschwestern, Rentner und Wurstfabrikanten auftreten, die sich an den Radioratgeber “Dr. Jaeger” wandten, um sich über die Welt beruhigen zu lassen … Tatsächlich hatte Jaeger, gesegnet oder geschlagen mit einem übersensiblen Ohr für Redewendungen, Dialekte und Subtexte, von Kindheit an eine Faszination für  Gesprochenes entwickelt …

Seine Brillanz wurzelt offenbar nicht wenig in der Bereitschaft, als Imitator tatsächlich bis zur Grenze der eigenen Person zu gehen - und das heißt hier, in die akute Gefahr, sich selbst in fremden Zungen zu verlieren.

FAZ - Artikel lesen

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Der verlorene Schatz des Jaegers

TAZ - Frank Schäfer

Er sammelte und archivierte Sprache, in all ihren gelebten Unzulänglichkeiten: der fast vergessene Heino Jaeger.

“Ich halte ihn für den erbarmungslosesten Ohrenzeugen unserer Allerweltsgespräche …” schwärmt der Kabarettist Hans Dieter Hüsch 1969.

Als bildender Künstler feierte Jaeger durchaus Achtungserfolge, nachgerade religiös verehrt und jetzt als verlorenen gegangenes Vorbild wieder entdeckt werden indessen seine Sprechstücke. Mit Recht. Heino Jaeger besaß das absolute Gehör für das gesprochene Wort. Dialekte, verbale Marotten, artikulatorische Eigenheiten, die der Situation geschuldeten Zauderpausen und sich wiederholenden Platzhalter, das leidvolle Aufstöhnen der immer wieder überforderten, über ihre Verhältnisse redenden Protagonisten - Jaeger konnte das alles mimetisch exakt nachbilden bzw. aus einer wild wuchernden Lautfantasie heraus generieren.

Die Komik ist reine Artistik, sprachliche Elevation … Seine Sujets holt er sich in erster Linie bei den Schul-, Kultur- und Bildungsprogrammen - und noch seine Darbietungsformen, das Interview, die Reportage, den Kommentar, bezieht er daher. Und es ist der Kontrast aus dieser besonderen Kommunikationssituation, in der abgewogen, sachgemäß, mit dem entsprechenden Fachjargon nur die Fakten verhandelt werden, und einem dabei wie zufällig aufblitzenden, durch Wortverdrehungen, falschen Fremdwortgebrauch und Neologismen angetriebenen Irr- und Aberwitz, der einen großen Teil des komischen Mehrwerts dieser Piecen ausmacht.

TAZ - Artikel lesen

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heino-jaeger-lebensberatungspraxis-dr-jaeger.jpg

CD´s 

| Heino Jaeger “Lebensberatungspraxis Dr. Jaeger
[ Audio-CD 1 Std. 13 Min. ]

| Heino Jaeger “Hitler in Südamerika
[ Auswahl, Zusammenstellung: Eckhard Henscheid
| Audio-CD 1 ca. Std. ] 

| Heino Jaeger “Wissenswertes über Hirsche
[ Audio-CD 1 Std. 10 Min. ]

| Heino Jaeger “Alkoholprobleme in Dänemark
[ Auswahl, Zusammenstellung: Eckhard Henscheid
| Audio-CD 1 Std. 7 Min. ]

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AUDIO

Salon Helga 

19.08.2005 | Sondersendung von FMfour, Österreich
| mit einer Auswahl aus Heino Jaeger´s
Alkoholprobleme in Dänemark“. 
| Zusammengestellt von Eckhard Henscheid.

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BUCH

| Heino Jaeger “Man glaubt es nicht” | Leben und Werk
| Gebundene Ausgabe - von Hans-Joska Pintschovius
| 480 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
[Veröffentlicht wird hier auch eine Auswahl der Malerei, mit der Jaeger seinerzeit ebenfalls Achtungserfolge erzielte.]
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Der Spiegel:
“Ein würdiger Nachfolger Karl Valentins”

Titanic:
“Die Vielfalt der von Jaeger zum Leben und Labern erweckten Figuren, ihre dialektale Dämlichkeit und Jaegers darin aalende komische Versiertheit ist schlechterdings, ja, man kann es nicht anders sagen: genial!”

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heino-jaeger-zillertal-reeperbahn-hamburg2.jpgJaeger ( Mitte ) im Zillertal, Reeperbahn, Hamburg-St. Pauli
Foto: Jürgen von Tomëi

Heino Jaeger konnte und wollte nichts ernst nehmen. Alles war komisch.” So hörte er sich z.B. gerne Hitler-Reden an, fand sie komisch und strapazierte danach seine Umgebung stundenlang mit den absurdesten Hitler-Monologen.” Überhaupt: der Führer - bei einem Besuch im “Zillertal”, eine Art Hofbräuhaus auf der Reeperbahn: “Der dickste Musiker mischte sich ins Publikum auf der Suche nach interessanten Laiendirigenten. Wir zeigten auf Heino. Er durfte sich ein Musikstück wünschen und ließ die Kapelle den Badenweilermarsch” (Hitlers Lieblingsmarsch) spielen. Er dirigierte ganz seriös, und mitten in diese entsetzliche Musikstimmung hinein hob er plötzlich den rechten Arm, nahm die Hitlerpose ein. Mir stockte der Atem. Ich befürchtete fliegende Bierkrüge, lauten Protest von Seiten der japanischen und amerikanischen Touristengruppen an den langen Holztischen. Doch es geschah nichts. Heinos Geste war wahrhaft richtig für diesen Ort.”

( Jürgen von Tomëi )

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Mozart der Komik | Erinnerung an Heino Jaeger

Stuttgarter Zeitung - Martin Halter

Komiker sind selten gut auf Kollegen zu sprechen; aber im neidlosen Lob Heino Jaegers ist sich die Zunft einig. Hanns Dieter Hüsch, sein Entdecker, schwärmte von seiner “Ironie dritten Grades”, Olli Dittrich rühmt ihn als unerreichtes Vorbild. Harry Rowohlt fordert seit Jahren eine Werkausgabe, Loriot seufzt: “Wir haben ihn wohl nicht verdient.”

Jaeger konnte aus dem Stegreif unvergessliche Typen entwerfen und schier alle Sondersprachen, Berufsjargons, Dialekte und Tonfälle nachahmen. Aber irgendwann scheint er den kleinen Unterschied zwischen Realität und Satire, Einfühlung und Parodie, virtuoser Stimmenimitation und schizophrenem Stimmenhören vergessen zu haben. Sein Desperado-Humor war selbstmörderisch: Jaeger äffte Polizei und Behörden, Ärzte, Seelsorger und Sozialhelfer noch nach, als er schon ihr Sorgenkind geworden war. Er biss die Hand, die ihn fütterte, verprellte Auftraggeber, Freunde und Gönner. Aber noch in der Psychiatrie wollten ihn seine Ärzte für ihre Privatpartys engagieren.

Jaeger kam immer zu früh oder zu spät. Als er Ende der Sechziger entdeckt wurde, musste man links oder sensibler Liedermacher sein. Jaeger war unpolitisch, schlimmer: bekennender Nostalgiker. Mit Hingabe studierte er die Spinner und Spießer, die vom Zeitgeist aussortiert wurden: bräsige Kulturfilmer, monomanische Kleintierzüchter, munter schwadronierende Rentner, senile Künstlerlegenden, kregle alte Nazis. Wenn er in den Rumpelkammern der Geschichte das Verdrängte und Vergessene aufstöberte, scheute er sich nicht, Hitler in Wort und Bild neu zu erfinden, bunte Fabelwesen in SS-Uniformen zu stecken oder Kriegstrümmer zum Freizeitidyll umzuschminken. Versteht sich, dass sein eigenwilliger Surrealismus auf Ratlosigkeit oder gar Empörung stieß.

STUTTGARTER Zeitung - Artikel lesen

Beethoven, Shelley, Hooligan |

Die Transformation von Beethoven-Fan Alex vom vogelfreien Bösewicht zum Sträfling, der in einem Experiment der Regierung mit dem Ziel, Kriminelle zu resozialisieren, unorthodoxen medizinischen Methoden ausgeliefert ist und so seinerseits zum Opfer wird. 

Alex ist Anführer eines Quartetts von “Droogs”, einer bösartigen Clique junger Rowdys, die ihre Nächte damit verbringen, Autos zu stehlen, Schlägereien mit rivalisierenden Gangs zu suchen, Einbrüche zu begehen und Frauen zu vergewaltigen. Der düstere satirische und sozialkritische Roman von Anthony Burgess aus dem Jahr 1962 wurde von Stanley Kubrick eindrucksvoll verfilmt.

“Ein außergewöhnliches Buch … Burgess ist es damit gelungen, einen Weg radikaler Offenheit zu beschreiten.” FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

BUCH - A Clockwork Orange | DVD - Uhrwerk Orange

VIDEO | Trailer |

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Ausgerechnet die Maske des romantischen Dichters Shelley trägt einer der vier jungen Hooligans, die in das Haus des Schriftstellers F. Alexander eindringen … Hinter der Shelley-Maske steckt auch Nietzsches Erkenntnis, dass bisweilen die vornehmsten Menschen «von einer scheusslichen Abfolge von Mord, Niederbrennung, Schändung, Folterung mit einem Übermuthe und seelischem Gleichgewichte davongehen, wie als ob nur ein Studentenstreich vollbracht sei».

Sein Roman dementiert auf konsequente Weise den humanistischen Traum, die Menschen durch Kultur zu höheren Wesen zu machen. Seine Botschaft lautet: Die anthropoide Substanz ist abscheulich; weder Konditionierung noch Gewalt noch Kunst noch Masken können daran etwas ändern.

NZZ | Manfred Schneider | Hooligan und Spiesser - Artikel lesen

BUCH | Ausgebrannt | Andreas Eschbach

Juni 3, 2007 | Comments Off

eschbach-ausgebrannt.jpgKlappentext

Stellen Sie sich vor, der Liter Superbenzin würde über 4 Euro kosten. Ein Albtraum? Ja. Bloß wäre es erst der Anfang. Denn das Ölzeitalter wird nicht erst mit dem letzten Barrel enden. Es endet, sobald mehr verbraucht wird, als gefördert werden kann. Und dieser Moment ist näher, als die meisten ahnen. Das Problem: Niemand hat einen Plan für die Zeit danach.

Auch Markus Westermann weiß von all dem nichts, als er es endlich in die USA geschafft hat und mit seiner Karriere voll durchstarten will. Als er Karl Walter Block kennen lernt, sieht er seine Chance gekommen. Der alte Öltechniker behauptet, dass in den Tiefen der Erde noch genug Öl für die nächsten tausend Jahre schlummert - und dass nur er die Methode kennt, wie man es findet. Er braucht nur noch einen kompetenten Geschäftspartner. Jemanden wie Markus.

Nur allzu bereitwillig glaubt die Welt den Versprechungen des Duos. Nach ersten Erfolgen ist gar von einer Renaissance des Ölzeitalters die Rede. Doch der Schein trügt. Als in Saudi-Arabien das größte Ölfeld der Welt versiegt und die Saudis alles daransetzen, die erschreckende Wahrheit zu vertuschen, kommt es nicht nur im Nahen Osten zu Unruhen. Die Menschheit steht plötzlich vor ihrer größten Herausforderung. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, bahnt sich an. Einzig Markus ist überzeugt, das Ruder noch einmal herumreißen zu können …

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Hubert Spiegel von der FAZ schreibt:

“… verstehen wir nach 749 Seiten dann auch, warum Eschbach der erfolgreichste deutsche Science-Fiction Autor ist. Wer dieses Buch liest, wird sich noch lange bei jedem Halt an der Tankstelle an den genialischen ersten Satz erinnern: „Selbst mit dem letzten Tropfen Benzin kann man noch beschleunigen.“”

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Andreas Eschbach: „Ausgebrannt“.
Science Fiction | Roman | 2007 | 749 Seiten | gebunden

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Plötzlich diese Übersicht

April 11, 2007 | Comments Off

Entschuldigung, ist das Kunst?

FAZ - Niklas Maak |

Aufräumarbeit im boomenden Markt: Jörg Heiser erklärt überzeugend, was gute zeitgenössische Werke ausmacht

heiser | Plötzlich diese Übersicht | 2007 | CoverIn den Sumpf des kriterienlosen Wohlgefallens stößt nun Jörg Heiser, Chefredakteur der Kunstzeitschrift “Frieze”, mit einem erstaunlich erhellenden Buch. Es trägt den Titel “Plötzlich diese Übersicht. Was gute zeitgenössische Kunst ausmacht” und ist schon darin eine Anmaßung, die ihm Teile seiner Branche nicht verzeihen dürften, zumal der Ton dieses Werks sich eher am saloppen, subjektiven, polemisch auftretenden angelsächsischen Essayismus als an der präzise knarrenden deutschen Akademik orientiert.

Das, der Charakter einer Versuchsanordnung, die auf den Betrachter als Akteur angewiesen ist, ist letztlich eines der zentralen Kriterien für “gute Kunst” bei Heiser: dass sie nicht als abgeschlossene, aus der Ferne zu betrachtende, gedanklich vorkonfektionierte Gegenwelt auf ihrem Sockel steht, sondern Fangarme ins Leben der Betrachter wirft, Experimente anzettelt, festgefügte Systeme durcheinanderwirbelt. Letztendlich taucht damit ein Ideal der sechziger Jahre wieder auf. Kunst soll einen Möglichkeitsraum entstehen lassen, ein Experimentierfeld für eine andere Form von Gesellschaftlichkeit, intersubjektiv sein: Formen finden, die kein exklusives Produkt, sondern Aktivierungsvehikel für die Utopie eines anderen Lebens sind.

FAZ - Artikel lesen

Jörg Heiser | Buch
Plötzlich diese Übersicht. Was gute zeitgenössische Kunst ausmacht

 

“Die Anmaßung ist schon da”

TAZ - Interview von Angi Harrer-Vukorep mit Jörg Heiser

Keine privilegierte Sicht von außen: In seinem Buch “Plötzlich diese Übersicht. Was gute zeitgenössische Kunst ausmacht” schlägt der Kunstkritiker und Kurator Jörg Heiser Schneisen in den Dschungel des aktuellen Kunstgeschehens und zeigt, dass man sich in dem Dickicht nicht unbedingt verlaufen muss

taz: Der Titel erweckt hohe Erwartungen. Ist diese “plötzliche Übersicht” angesichts der Hyperproduktion der Kunst heute Anmaßung oder letztlich nur Ironie?

Jörg Heiser: Der Titel ist ein Zitat der gleichnamigen Arbeit von Fischli/Weiss von 1981. Kleine krude Tonskulpturen erklären die Welt in teils weltbewegenden, teils überhaupt nicht weltbewegenden Ereignissen - insofern ist es Ironie. Aber die Anmaßung ist natürlich schon da. Wenn man behauptet, ein Panorama zu eröffnen, kann das nur aus einer subjektiven Perspektive heraus geschehen. Wobei subjektiv nicht beliebig heißt, denn ich versuche umso mehr argumentativ zu begründen, wie ich zu meinen Einschätzungen komme. Es gibt kein Außen, von dem aus man wirklich einen Überblick bekommen kann. Man steckt immer schon mitten drin, wenn man sich mit Kunst beschäftigt.

TAZ - Interview lesen

Jörg Heiser | Buch
Plötzlich diese Übersicht. Was gute zeitgenössische Kunst ausmacht

Kunst boomt. Von allem gibt es mehr: mehr Künstler, mehr Museen, mehr Markt, mehr Publikum. Nur von einem gibt es weniger: Kriterien. Wie die Kunst verstehen und beurteilen, um die es bei dem ganzen Spektakel doch gehen soll?
Jörg Heiser, deutscher Chefredakteur der britischen Kunstzeitschrift frieze und Autor für die Süddeutsche Zeitung, umreißt am Beispiel zahlreicher Künstler und Werke die wichtigsten Strömungen der zeitgenössischen Kunst - die an Hand von vier zentralen Begriffspaaren auf beeindruckend unkonventionelle Art erläutert werden.

Dem Kunst interessierten Leser werden Hintergründe und die geschichtlichen Zusammenhänge deutlich. Er verfügt nach der Lektüre dieses unterhaltsam geschriebenen Buches über konkrete Beurteilungskriterien, die es ihm ermöglichen, sich im zeitgenössischen Kunstgeschehen zurechtzufinden.

Martin Kippenberger in einem berührenden Erinnerungsbuch
seiner Schwester.

Der früh verstorbene Bad Boy der Kunstszene, berühmt und berüchtigt für seine künstlerischen Grenzüberschreitungen und sein provozierendes Leben, ist einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Künstler der deutschen Nachkriegszeit.

kippenberger-buchcover-2007

In ihrem biographischen Porträt schildert Susanne Kippenberger ihren Bruder, wie ihn die kannten, die ihm nahe waren. Sie blickt hinter die Inszenierungen eines Künstlers, der seinen Ruhm, seine Wirkung immer auch kontrollieren wollte. Sie beschreibt den Bürgerschreck und Familienmensch, den Selfmademan und Provokateur, der nichts so sehr fürchtete wie Langeweile und nichts so sehr hasste wie Routine - und gleichzeitig seine Rituale brauchte.

Der süchtig war nach Drogen, Alkohol, Anerkennung, Liebe und sich zu Tode arbeitete für sein Werk, die Kunst. Dessen Sehnsucht nach neuen Orten und Projekten so groß war wie die nach einem Zuhause, nach Familien und Ersatzfamilien. Ein Enfant terrible, für das die Kindheit nie aufhörte.

Die Autorin erzählt eindrucksvoll von den Stationen dieses rastlosen Lebens, der Kindheit im Ruhrgebiet, dem Zusammenhalt der großen Familie, dem offenen Haus und den Künstlerfreunden der Eltern, aber auch von der Einsamkeit des Bruders in Internaten, den Problemen in der Schule und den frühen Ausbruchsversuchen.
Es folgen Reisen, erste Begegnungen in der Kunst- und Musikszene, ein abgebrochenes Kunststudium in Hamburg und Umzüge nach Florenz, Berlin, Paris, dann die großen Ausstellungen, der beginnende Ruhm. Susanne Kippenberger begleitet dieses Leben bis zum letzten Akt, dem frühen Tod 1997, mit 44 Jahren.
Sie lässt Freunde und Weggenossen zu Wort kommen und fragt immer wieder nach dem Zusammenhang von Biographie und Werk. Ihr sehr persönliches Porträt ist auch ein Familien- und Zeitgemälde, ein Bild der Gesellschaft und ihrer Kunst.

Kippenberger. Der Künstler und seine Familien (Gebundene Ausgabe)
von Susanne Kippenberger

Martin Kippenberger nahm an der Biennale und der documenta teil und wurde mit dem Käthe-Kollwitz-Preis ausgezeichnet. Seinem Werk wurden 2006 zwei große Ausstellungen in der Tate Modern London und der Kunstsammlung Nord-rhein-Westfalen gewidmet. Für 2008 sind Ausstellungen im Museum of Contemporary Art in Los Angeles und anschließend im Museum of Modern Art in New York geplant.

 

TAZ - Wolfgang Müller

zum Buch “Kleine Systematik zur Kunstfeindschaft” von Kai Hammermeister

Jonathan Meese nahm im Februar den B.Z.-Kulturpreis, den Kunstpreis des Berliner Bild-Ablegers, entgegen. Die Laudatio hielt sein Sammler Guido Westerwelle. Udo Jürgens sang dazu “Griechischer Wein”. Später wurde die Preisübergabe in der Berliner Volksbühne als Videoprojektion gezeigt. Ist das tatsächlich lustig, originell oder gar subversiv? Eben nicht: Die Volksbühne ist der falsche, da allzu passende Ort für den Widerstand - danach.

Meeses Aktionismus ist tatsächlich harmlos, tut niemandem weh und lässt vor allem alles an seinem Platz. Er beweist aber, dass der Kapitalismus und der in ihm fest integrierte Kunstbetrieb nicht nur Heuschrecken, sondern auch seine eigenen Bürgerschrecks kreiert. Alles ist käuflich, selbst vermeintlicher Widerstand. Das könnte zu Ekel und Aversion gegen den Kunstbetrieb, gegen die Kunst als den Hort scheinbarer Freiheit und neuer Wahrheiten führen. Aber geht es in der Kunst wirklich um Wahrheit oder nicht eher um Täuschung, Verstellung und Lüge?

TAZ - Kommentar lesen

Kai Hammermeister: “Kleine Systematik der Kunstfeindschaft”.
WBG Darmstadt 2007, 182 Seiten, 34,90 Euro

 

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  • Kunst | Presseschau

    Auswahl aktueller Veröffentlichungen zum Themenschwerpunkt Kunst in der deutschsprachigen Internet - Medienlandschaft. Die Artikel werden hier kurz angerissen, teilweise thematisch gebündelt - mit Video/Audio, Katalog- & Medien - Informationen ergänzt - und sind direkt mit den Online-Medien verlinkt.

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  • Ausstellungen | Hamburg

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    Hamburg-Harburg
    SONJA VORDERMAIER
    GEELKE GAYCKEN

    Reihe Ordnung sagt | MACHT
    04.09. - 02. November 2008

    Die Installation vereint exzessiven Gestaltungswillen mit wortwörtlich zur Schau gestellter Gestaltungsmacht. Formen, Strukturen und Materialien werden nach ihren Möglichkeiten befragt und in ein sinnliches Erlebnis für die Ausstellungsbesucher überführt.

    Mit dieser Ausstellung setzt der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung sagt fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. MACHT ist der fünfte Teil der Reihe und wird von Vordermaier und Gaycken mit einer für das Publikum begehbaren Installation realisiert. Macht wird hierbei definiert als das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.

    Die Hamburger Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken verfolgen das Konzept, neue Dimensionen von Wahrnehmungen zu schaffen. Dabei berücksichtigen sie gleichermaßen die vorgegebenen formalen Kriterien wie Größe und Aufbaustruktur des über 100 Jahre alten, ehemaligen Wartesaals der 1. Klasse des Fernbahnhofs Harburg, als auch die besondere Beschaffenheit des Arbeitsmaterials selbst. Symmetrien der prunkvollen Architektur werden in der Installation aufgenommen, durch „Antiraster“ konterkariert und teilweise aufgelöst.

    Kunstverein Harburger Bahnhof
    ( Archiv )