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Alexander Rodtschenko & Man Ray
August 6, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU HAMBURG- Jens Ullheimer | PT Gropiusbau Berlin |
Alexander Rodtschenko und Man Ray. Ein russischer und ein amerikanischer Fotokünstler zu Gast im Berliner Walter-Gropius-Bau. Die Doppelausstellung zeigt bis zum 18. August 2008 Werke des Surrealisten Man Ray und des Konstruktivisten Alexander Rodtschenko.
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Alexander Rodtschenko
Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt mit rund 350 Bildern der aus dem neu gegründeten „Moscow House of Photography“ stammenden Ausstellung einen umfassenden Blick in das fotografische Werk eines der innovativsten und vielseitigsten Künstlers der russischen Avantgarde.
Alexander Rodtschenko ist einer der großen Künstler des russischen Konstruktivismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist weltweit bekannt geworden und zählt bis heute zu den wichtigsten Positionen der Moderne. Bevor er Mitte der 1920er Jahre die Fotografie als neues Medium für sich entdeckte, hatte er sich bereits als vielseitig tätiger und innovativer Künstler in Moskau hervorgetan. Seine Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen – in einer Zeit epochaler Veränderungen in Russland und in Europa – verändern.
Er hält die Motive in extremen Aufsichten und Untersichten fest, in Diagonalen, Anschnitten und Details. Für das damalige herrschende Sehempfinden war dies ein ungewöhnliches Verfahren. Doch die neuen Aufgaben und Themen verlangten seiner Meinung nach eine neue Form der Darstellung:
„Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren. Wir müssen den Schleier von unseren Augen reißen, der ‚vom Nabel aus‘ heißt.“ „Und die interessantesten Blickwinkel der Gegenwart sind die von oben nach unten und von unten nach oben und ihre Diagonalen“. (1928)
Doch ab 1928 sah sich Rodtschenko zunehmend scharfer Kritik ausgesetzt. „Gefährlich“ und „bürgerlich-formalistisch“ ließ die Zeitschrift Sowjetskoje Foto verlauten, kaum waren die ersten dieser Arbeiten in der Zeitschrift Novy LEF erschienen. Er wird als Anhänger der experimentellen Fotografie von Moholy-Nagy und Man Ray diffamiert. Politischer Hintergrund ist eine stärkere Indienstnahme der Fotografie als Mittel der sozialistischen Massenkommunikation, die eindeutig ‚lesbar‘ sein sollte.
Die im Martin-Gropius-Bau gezeigte Ausstellung zeigt die vielen Facetten von Rodtschenkos bahnbrechendem fotografischen Werk: den Beginn mit den Fotomontagen, die Porträts der Freunde und Familie, teils als Mehrfachansichten, die Experimente mit Perspektiven, Bildstrukturen, Licht- und Schattenwirkungen, die Reportagen mit der Montage von Text und Bild, aber auch die Serie vom Zirkus und die letzten Experimente mit Farbfotografie. Erstmals sind Arbeiten aus dem von den Erben verwalteten Nachlass zu sehen. Die Ausstellung wurde von Olga Sviblova, Direktorin des „Haus der Fotografie Moskau“ kuratiert.
Alexander Rodtschenko
und
Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008
Rodchenko | Fotogalerie
| des Hauses der Fotografie, Moskau ( 55 Fotos )
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Herausgeber Berliner Festspiele
Herausgeber Haus der Fotografie Moskau
| 224 Seiten
| 230 Abb. im Duotone,
| 34 farbige Abb.
| 23,5 x 29 cm
| gebunden mit Schutzumschlag
| Sprache: deutsch
»Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren.«
A. Rodtschenko, 1928
Alexander Rodtschenko (1891 – 1956) zählt zu den großen Erneuerern der Fotografie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Fotomontagen, seine ungewöhnlichen Architekturaufnahmen aus extremer Oberund Untersicht, seine Bildexperimente mit Perspektiven und Licht- und Schattenwirkungen, seine Fotoreportagen, die Bild und Text auf neue Weise kombinierten – all das war bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Fotografie. Rodtschenko stellte sich nach der Oktoberrevolution in den Dienst der jungen Sowjetunion und setzte sich gemeinsam mit Künstlern und Dichtern wie Wladimir Tatlin, Wassily Kandinsky und Wladimir Majakowski für den Aufbau einer neuen Gesellschaft ein. Seit dem Ende der 1920er-Jahre sah er sich allerdings zunehmend scharfer politischer Kritik ausgesetzt.
Dieses Buch bietet mit mehr als 250 Abbildungen einen breiten Überblick über die vielen Facetten von Rodtschenkos fotografischem Werk. Darunter sind etliche bislang unpublizierte Arbeiten aus dem Nachlass. Ein Essay über die fotografische Avantgarde in Russland und eine umfangreiche Biografie Rodtschenkos beschließen den opulent ausgestatteten Band.
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1933 | Bau des Bjelomor-Kanals (Weißmeer-Ostsee-Kanal). Mega-Bauprojekt der Stalin-Ära, das durch den Einsatz von Gulag-Häftlingen umgesetzt wurde. Rodtschenko musste die Zwangsarbeiter für die Propagandazeitschrift „SSSR na strojke“ „USSR im Aufbau“ fotografieren. Dieses 140 Meilen lange Arbeitslager kostete 200.000 überwiegend politischen Gefangenen das Leben. ( BBC4 Home )
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Alexander Rodtschenko
auf wikipedia
Rodtchenko-Internet-Special
anlässlich der Ausstellung
im Museum of Modern Art, New York
vom 25. Juni - 06. Oktober 1998
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Auf Demontage
TAGESSPIEGEL - Bernhard Schulz
Ja, die vom Moskauer Haus der Fotografie übernommene Wanderausstellung ist nicht ohne Tücken. Den ganzen Rodtschenko präsentiert sie nicht. Sie zeigt in ihrem besten Raum die bekannten Portraits, die er von seinen Dichter- und Künstlerfreunden anfertigte, von Sergej Tretjakow, von Lilja Brik und immer wieder vom markanten, stets wie zum Sprung bereiten Wladimir Majakowski.
Der Frühstückstisch, an dem Majakowski mit aufgekrempelten Hemdsärmeln sitzt, seine Freunde um ihn herum, vor allem Rodtschenkos gleichermaßen kreative (und in dieser Ausstellung wieder einmal sträflich vernachlässigte) Ehefrau Warwara Stepanowa, dazu die eben mal verkorkte Flasche in der Mitte: Da spürt man hautnah die hitzigen Diskussionen, die sich die Enthusiasten der Revolution um die Zeitschrift „Lef“ („Linke Front“) lieferten, als noch nicht alles unter der Diktatur Stalins zertreten war.
Schöne Fotos, liebgewordene Bekannte, Ikonen der Fotografiegeschichte; aber eben doch nicht all das, was man hätte zeigen können und zeigen müssen und was die unübertroffene Retrospektive des New Yorker Museum of Modern Art 1998 schon einmal zusammengetragen hatte.
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Fotografische Moderne
TAZ - Egbert Hörmann
“Es sieht so aus, als könne nur der Fotoapparat das moderne Leben abbilden” - die frühen Zwanzigerjahre bildeten das “Zwischenzeitalter”, eine Zeit, in der - wenn auch kurz und illusorisch - ein überaus fruchtbares Wechselspiel zwischen moderner Kunst und gesellschaftlichem Experiment stattfand. Die Avantgarde und die junge Sowjetmacht waren sich einig: Mit Film und Foto fand Kunst ihren wirkungsvollsten Ausdruck auf der Höhe der Zeit.
Rodtschenkos Sehweise, seine Neudefinition radikaler Ästhetik wie auch die Verschiebung ihrer Grenzen, hat unsere moderne Wahrnehmung der Welt und “die Fähigkeit, von allen Seiten zu sehen”, entscheidend mitgeformt. “Wir sind gezwungen zu experimentieren” -Schklowskis Theorie vom “neuen Sehen” folgend, entwickelte Rodtschenko die berühmte “Rodtschenko-Perspektive”. Deren Grundprinzip war:
“Vor allem von oben nach unten und von unten nach oben - dieses sind die interessantesten Blickwinkel der zeitgenössischen Fotografie.”
Verfremdungen, Paradoxen, Geometrien, extrem steile, hohe und niedere Blickwinkel, die Betonung von Perspektive und Tiefe durch das Prinzip der “Rodtschenko-Verkürzungstechnik”, ergeben immer vitale und hypnotische Aufnahmen von Straßenzügen, Alltagsszenen, technischen Bauten, Sport- und Produktionsstätten und Darstellungen des optimistischen “homo sovieticus”.
Es sind häufig “banale” Motive, die gleichzeitig starken Signalcharakter haben. Wie die Filmregisseure Eisenstein und Wertow komponierte Rodtschenko seine Bilder, anstatt einfach die Kamera “draufzuhalten”,
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Heroisch und erotisch
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Auf den ersten Blick sind die historischen Ähnlichkeiten sogar erstaunlich. Rodtschenko ist wie Man Ray ein grandioser Portraitfotograf. Beider Werke ziehen ihre Energie aus der gezielten Grenzüberschreitung des fotografischen Sujets hin zu dem, was man heute Foto-Design nennt: zur Collage, zu Typografie und Werbung. Beide arbeiten auf ihre Weise an einer Idee des kollektiven Bildes in der Fotografie, sei es wie Man Ray auf den Spuren des Unbewussten und der Zufallsmontagen, sei es wie Rodtschenko mit den “Urelementen” von Bildern der russischen Konstruktivisten.
Beide erscheinen in ihrer Zeit als radikale Individualisten mit höchst unterschiedlichen Karriereverläufen: Rodtschenko erlitt das Schicksal aller großen Künstler der frühen Sowjetzeit unter Stalins Regime und musste von Glück reden, dass er überlebte. Aus dem revolutionären Elan der 10er und 20er Jahre wird in den 30er Jahren eine betont unpolitische Auftragsfotografie im Dienst des Sozialistischen Realismus. Es sind immer noch großartige Bilder: Landschaften, und Landleben, Portraits, Industriearbeit oder die Dokumentation eines Kanalbaus - aber nicht mehr das große, dynamische Experiment, nicht mehr der Künstler als Anführer der Revolution. Der Individualist Rodtschenko ist am Ende seines Werkes ein gebrochener Künstler.
Der ein Jahr ältere Man Ray, der ja eigentlich Emmanuel Radnitzky hieß, ehe seine in die USA immigrierten Eltern ihre Nachnamen in Ray verkürzten, wandelte dagegen immer auf einem schmalen Grat zwischen Experiment und Kommerz. Auch Man Ray hatte seine Großkrise, als er von seinem ersten Paris-Aufenthalt vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht zurück in die USA fliehen und sein gesamten Werk zurücklassen musste. Er fiel daraufhin in eine Depression und konnte sich erst in Los Angeles nach und nach wieder hervorarbeiten.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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KUNSTSCHAU HAMBURG - Jens Ullheimer | PT Gropiusbau Berlin |
Die Ausstellung im Berliner Walter-Gropius-Bau zeigt bis zum 18. August 2008 Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken aus der Sammlung des Man Ray Trusts in Long Island, New York. Die Sammlung des Man Ray Trusts ist nie zuvor gezeigt worden.
„Unconcerned But Not Indifferent“ (Unbekümmert, aber nicht gleichgültig) lautet die Inschrift auf Man Rays (1890-1976) Grabstein, die für den Titel der Ausstellung gewählt wurde.
Man Ray
Mit über 300 Stücken ist sie die erste ihrer Art, die Man Rays künstlerische Arbeiten mit den Gegenständen und Bildern in Beziehung setzt, aus denen er seine Inspiration schöpfte – seine Melone und sein Spazierstock, Gegenstände aus den Regalen seines Studios in der Rue de Ferou in Paris, seine Sammlung erotischer Fotografien und die Objekte, die er für seine bekannten Rayografien verwendete.
Wegen der Fülle des Materials, das im Man Ray Trust zur Verfügung stand, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Entwicklung zahlreicher Motive von den Skizzen bis zum Meisterwerk und zeigt Man Rays gelegentliche Nutzung fotografischen Materials für Gemälde und Grafiken.
Der Aufbau von „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ folgt den vier Schaffensperioden von Man Ray: New York (1890–1921), Paris (1921–1940), Los Angeles (1940–1951), Paris (1950–1976). Es werden zahlreiche Werke aus jeder Lebensperiode Man Rays gezeigt. Viele der vorgestellten Arbeiten sind gut bekannt, jedoch seit seinem Tod nicht mehr zu sehen gewesen. Als Ergebnis gründlicher Recherchen in den nicht katalogisierten Beständen des Trusts zeigt die Ausstellung erstmals eine Auswahl aus bislang gänzlich unbekannten Werkserien.
Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008
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KATALOG
Man Ray
| 336 Seiten
| 137 farbige Abb.,
| 200 Abb. im Duotone
| 22 x 27 cm
| gebunden
| mit Schutzumschlag
Mehr als dreihundert Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken geben einen kompakten Überblick über Man Rays Leben und seine künstlerische Entwicklung.
Mit einer Vielzahl bislang unbekannter Werke und Dokumente aus allen Schaffensphasen Man Rays (1890-1976) bietet dieser Band eine neue, überraschende Sicht auf das Leben und die künstlerische Produktion des großen amerikanischen Fotografen und Malers.
Zum ersten Mal präsentiert der New Yorker Man Ray Trust, der einen Großteil des Künstler-Nachlasses aufbewahrt, seine umfangreiche Sammlung: kaum bekannte Frühwerke, persönliche Gegenstände und Dokumente aus seinem Privatleben, Skizzen und Entwürfe für größere Arbeiten sowie zahlreiche der berühmten Meisterwerke.
Dieses Buch enthält weit mehr als 300 Abbildungen von Fotografien, Zeichnungen, Gemälden und Plastiken, die sowohl das herausragende Niveau wie auch den Facettenreichtum des Gesamtwerks von Man Ray belegen. Ergänzt werden die Bilder von einem einleitenden Essay über die künstlerische Entwicklung Man Rays und einer umfassenden und detaillierten Chronologie zum Leben und Werk des Künstlers.
• Ein ganz neuer Blick auf Man Ray: Viele unbekannte Werke des Künstlers werden erstmals gezeigt
• Mit mehr als dreihundert Zeichnungen, Fotos, Gemälden und Plastiken
• Enthält einen kompakten Überblick über Man Rays Leben und seine künstlerische Entwicklung
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Man Ray Trust ( mit umfangreichem Bildmaterial )
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VIDEO | Emak Bakia, 1926
Im Herbst kam schließlich der fast zwanzigminütige mit Jazzmusik von Django Reinhardt unterlegte Film Emak Bakia in Paris zur Aufführung; die Premiere in New York fand im darauf folgenden Frühjahr statt. Man Ray skizzierte sein Werk als „Pause für Reflexionen über den gegenwärtigen Zustand des Kinos.” Emak Bakia basierte ohne bestimmte Handlung auf Improvisationen, die mit Rhythmik, Geschwindigkeit und Licht spielen und somit auf das Medium Film an sich reflektieren. Der Film sollte ein cinepoeme, eine „visuelle Poesie“ sein, wie Man Ray auch im Untertitel betonte. ( wikipedia )
| mehr Kurzfilme von Man Ray auf ubuweb
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Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
und
Alexander Rodtschenko
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008
Apr
16
Dani Karavan | Retrospektive
April 16, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer - PT Martin-Gropius-Bau, Berlin |
Erstmals ist in Deutschland dem israelischen Künstler Dani Karavan eine große Retrospektive gewidmet. Die Ausstellung wird bis zum 01. Juni 2008 im Martin-Gropius-Bau gezeigt und entstand in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 60. Geburtstag Israels.
Das Besondere der künstlerischen Arbeit von Dani Karavans ist es, Stadt- und Landschaftsräume auf neue und bemerkenswerte Weise erfahrbar und erlebbar zu machen. Er geht bei dieser gestalterischen Verwandlung immer von der Geschichtlichkeit des Ortes aus und entwickelt mit seinen komplexen Zeichensetzungen vielfältige gesellschaftliche, historische und politische Bezüge, die dem Betrachter durch eine ungewohnte und ästhetisch höchst verdichtete Gestaltgebung bewusst werden.
Aus den Potentialen der Erinnerung transformiert er neue sinnliche und kommunikative Erfahrungsräume.In diesem Prozess spielt der intensive Dialog zwischen Mensch, Natur und Kunst eine entscheidende Rolle, denn Karavan geht von der elementaren Auffassung aus:
“Alles, was die Menschen wissen, geht auf die Natur zurück. Alle Formen, ob verborgen oder offen, finden sich in der Natur. Realität wird zum Ort der Meditation.”
Die Ausstellung im 1. Obergeschoss des Martin-Gropius-Bau wird in 20 Räumen einen umfassenden Überblick über Dani Karavans Schaffen geben. Beginnend mit einem Einblick in die künstlerischen Anfänge werden alle wichtigen Werkphasen und ihre Hauptwerke vorgestellt.Die großen Environments im öffentlichen Raum werden durch Modelle, Fotografien und beeindruckende Filme dokumentiert.
In spannendem Kontrast dazu entwickelt Dani Karavan für die Ausstellung neue Installationen, die seine Arbeitsweise, den Umgang mit bestimmten Materialien und Metaphern veranschaulichen. Ausgehend von seiner Arbeitsweise, die Erinnerungspotentiale eines Ortes künstlerisch zu erschließen, reagiert der Künstler in Berlin auf die Spuren der faschistischen Vergangenheit, der Teilung der Stadt und ihrer Überwindung. So soll am Eingangsportal des Martin-Gropius-Bau, in unmittelbarer Nähe der einstigen Mauer, eine Arbeit zu dieser Thematik installiert werden.
Dani Karavan. Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis zum 01. Juni 2008
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Dani Karavan
| personal website
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KATALOG
| Dani Karavan. Retrospektive
zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin, 2008
und im Tel Aviv Museum of Art
| 407 Seiten
| 386 meist farb. Abb.
| Gebundene Ausgabe
| Deutsch, Englisch
| 30 x 26,2 x 3,2 cm kaufen bei amazon
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Dani Karavan,
der heute in Paris und Tel Aviv lebt, hat seine Arbeiten in vielen Ländern realisiert, so in Israel, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, den USA, Korea, Japan und besonders in Deutschland. Seit seiner Teilnahme an der documenta 6 in Kassel 1977 ist Deutschland für Dani Karavan zu einem der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Arbeit geworden, denn hier entstanden eine ganze Reihe bedeutender Werke für den öffentlichen Raum. Dazu gehören “Ma alot” in Köln (1979 / 1986), die “Straße der Menschenrechte” (Way of Human Rights) in Nürnberg (1989 / 1993), “Mimaamakim” in Gelsenkirchen (1997) und “Grundgesetz 49″ in Berlin (2002).
“Die Kunst, die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks so zu nutzen, um Orte kulturell zu vergeistigen, die sonst einer puren Bauordnung und Planung unterliegen, ist in unserem Jahrhundert meines Erachtens nur Dani Karavan gelungen. Er hat diese Ziele vielfältig erreicht, weil er keine Angst davor entwickelte, seine Produkte jenseits der genannten Schnittstelle den Benutzern zu überlassen. Er war sich immer sicher, dass seine Kunst sinnvoll ist, dass eine neue Nützlichkeit der Kunst wieder gefragt ist. Damit verschreibt sich aber Karavan auch der Utopie, der Hoffnung, dem Träumen wie der Trauerarbeit.”
Zit. nach: Dieter Ronte (Hrsg.), Dani Karavan. Träger des Goslaer Kaiserrings 1996. Ausst.-Kat. Mönchehaus – Museum für moderne Kunst Goslar, Goslar 1996, S. 18, S. 22.
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Ich bin wie ein Schneider
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Die Kunst der Moderne wollte autonom sein. Lange und erbittert verteidigten die Künstler wie einen ideologischen Fetisch ihre Freiheit. Auftragskunst war verpönt. Wenn Kunst jedoch Leben sein soll, wie von vielen Utopisten gefordert, dann muss sie den Elfenbeinturm verlassen, auf die Menschen und ihr Umfeld reagieren. Dani Karavan hat an diesem inneren Konflikt der Moderne nie gelitten. Konsequent suchte er die Öffentlichkeit, gestaltete Plätze, Räume, ja ganze Landschaften. Alles, was er mache, sei für die Menschen gedacht, sagt er.
Karavan hat Passagen, Türme und Treppen, Kegel und Bänder in dem Stadtbild oder der Natur eingepasst. Trotz ihrer Fremdartigkeit sind sie nie Störfaktoren, sondern fügen sich harmonisch ein und graben sich zugleich tief ins Gedächtnis. Denn sie erinnern an die Geschichte ihrer Orte, stellen Besonderheiten heraus, ohne didaktisch zu bevormunden, sind keine triumphalen Kunstgesten, sondern subtile ästhetische Eingriffe.
“Ich bin wie ein Schneider”, erklärt der Künstler. “Ich passe alle meine Werke genau ihrem Ort an.” Als bekennender Auftragskünstler will er auf sein Publikum reagieren, unterwirft sich langwierigen Diskussionen wie etwa derzeit dem Streit um seine “Hommage an den Holocaust der Sinti und Roma” in Berlin, arbeitet sich durch die Gremien und wenn ein Budget nicht reicht, dann ändert er eben seine Planung.
Die Deutschen lieben Karavan am meisten für die “Passagen”, die er im Auftrag der Bundesregierung in die Küstenlandschaft von Portbou grub. Hier an der spanischen Grenze brachte sich 1940 der Philosoph Walter Benjamin auf der Flucht um. Es sind karge Eingriffe in den Fels: Treppen, stählerne Bodenfelder und Schächte, die den Blick von weit oben zu den bedrohlichen Meeresstrudeln lenken. Alles ist hier magische Reduktion und Andeutung eines tragischen Geschehens, ohne in Schreckenspathos zu verfallen. Kunst im öffentlichen Raum hat die Menschheit nicht immer beglückt. Dani Karavan ist es ziemlich oft gelungen.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
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Gedenken als Form für das Denken
FR online - Elke Buhr
Der Prozess des Erinnerns und Gedenkens ist für die modernen Gesellschaften eine derart heikle Angelegenheit, dass eine bestimmte Form von Outsourcing zur häufigsten Lösung wurde.
Wo Staaten und Institutionen Versöhnung anstreben oder sich zumindest aufgefordert sehen, diesen Willen öffentlich zu demonstrieren, sind Profis gefragt, die Gefühlen eine angemessene und würdige Form verleihen können. Den israelischen Künstler Dani Karavan könnte man - ohne dies despektierlich zu meinen - als einen dieser Gedenk-Profis bezeichnen. Sein erstes Hauptwerk war ein Monument am Rande der Wüste Negev, das an die Kämpfe im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 erinnert: ein imposantes Ensemble, das sich in seinen abstrakten Formen in die Hügel der Wüste einpasst, den Wind aufnimmt und ihn in Klang verwandelt.
Seine Fähigkeit, Landschaft als abstrakte Form zu begreifen und Form zur Landschaft zu machen, machte auch später immer wieder die Qualität seiner Kunst im öffentlichen Raum aus. Dabei nehmen seine Arbeiten immer den Menschen zum inneren Maßstab, sie sind begehbar, bekletterbar, bespielbar, Treffpunkte oder auch Orte für Stille und Einkehr. Dass er begann, auch Schrift und explizitere symbolische Objekte wie Bäume oder Eisenbahnschienen zu integrieren, prädestinierte ihn dann zum Erinnerungs-Künstler. Er ist, so zeigt die Berliner Retrospektive, mehr als das. Aber dass er immer wieder die Arbeit des angemessenen Erinnerns stellvertretend auf sich nimmt, dafür sollten wir ihm dankbar sein.
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Landschaft als Erlebensraum
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Dani Karavan schafft Werke, die eigentlich Plätze sind: Orte, an denen auch das Historische fühlbar werden soll. Die Arbeiten des israelischen Künstlers kann man kennenlernen im Berliner Martin Gropius Bau.
Nein, er sei kein Gedenkstättenkünstler, wird Dani Karavan nicht müde zu bekräftigen. Der 78-Jährige weiß um die Gefahr, in die Gutmenschen-Kategorie abgeschoben zu werden. Künstler, die von der friedensstiftenden Wirkung der Kunst reden und von der spirituellen des Lichts und die sich nicht scheuen, von “erhabenen Formen” auszugehen, sind Kunstkritikern normalerweise schon aus der Ferne suspekt. Dass sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr Gedenkorte in seinem Oeuvre finden, ist gewiss kein Zufall, aber ganz sicher nicht das Ergebnis politischer oder sonstiger Anbiederungen.
Karavan selbst nennt diese von ihm gestalteten Stätten denn auch lieber “Hommagen” und hatte in seiner Heimat Israel gerade deswegen zunächst einen schweren Stand.
Die Berliner Ausstellung, die ja im Martin-Gropius-Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gedenkstätte der “Topographie des Terrors” stattfindet, geht in ihrem fast chronologischen Rundgang durch die Werkentwicklung auch ausführlich auf Karavans Verhältnis zu Deutschland ein, eines Landes, von dem er sagt, dass er bis in die 70er Jahre hinein jegliche Beziehung zu ihm abgelehnt hätte. 1977 wurde er von Manfred Schneckenburger auf die documenta nach Kassel eingeladen. Dort habe er dann Bekanntschaften gemacht, die sein Deutschlandbild allmählich verändert hätten.
Seither ist Deutschland einer der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Tätigkeit geworden mit zahlreichen Werken im öffentlichen Raum, die auf merkwürdige Weise das zu erfüllen scheinen, was einst Kanzler Gerhard Schröder von Gedenkstätten gefordert hatte: Es sollten Orte sein, wo man gern hingeht. Bei Karavans ortsspezifischen Werken regiert in der Tat die Beiläufigkeit direkt neben der Strenge, sie ist fast ein Markenzeichen geworden.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Dani Karavan. Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis zum 01. Juni 2008
Apr
13
5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
April 13, 2008 | Comments Off
Die 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst mit dem Titel “When things cast no shadow”, kuratiert von Adam Szymczyk und Elena Filipovic, ist bis zum 15. Juni 2008 für das Publikum geöffnet.
“When things cast no shadow” besteht aus zwei Teilen, die bei Tag und bei Nacht stattfinden: Der tagsüber stattfindende Teil der 5. Berlin Biennale ist an vier Ausstellungsorten zu sehen und stellt vornehmlich Neuproduktionen von 50 KünstlerInnen aus vier Generationen vor, die mit unterschiedlichen Medien arbeiten. In der Nacht wird die Ausstellung durch 63 abendliche Veranstaltungen mit über 100 weiteren KünstlerInnen und KulturproduzentInnen an unterschiedlichen Orten in die ganze Stadt erweitert.
When things cast no shadow
| 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
| bis zum 15. Juni 2008
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Auf der Schulter der Moderne
FR online - Elke Buhr
“When Things Cast No Shadow”, wenn die Dinge keinen Schatten werfen, lautet ihr Titel: Bloß kein Hype, bloß kein Event - und vor allem, bloß keine Nähe zum Kunstmarkt. Wo die letzte Biennale sich noch mit Unterstützung potenter Galerien einige Stars aus dem Kunstzirkus einlud, besteht die Künstler-Liste diesmal aus 50 weitgehend unbekannten Namen.
Ernst ist diese Berlin-Biennale, ein Parcours für den Kopf, und dabei hinter dem Deckmantel ihrer Bescheidenheit ein bisschen borniert: Denn wer sich angesichts der vielen kleinteiligen Konzept-Arbeiten ein bisschen mehr Leichtigkeit und visuelle Lust wünscht, wird sich angesichts der allgemeinen Ernsthaftigkeit schnell peinlich berührt auf die Lippen beißen.
Kunst, so meinen die Kuratoren, ist eine Methode zur Betrachtung der Dinge, und Ausstellungen ein Schnappschuss der Gesellschaft. Sie haben sich damit, bei aller programmatischen Nicht-Programmatik, viel vorgenommen. Helfen soll dabei das ausgedehnte Nachtprogramm, das, wie einst bei Catherine Davids Diskurs-Documenta, gleichberechtigter Teil der Ausstellung sein soll: Ob Hirnforschung, Robotertechnik oder kroatische Avantgarde der fünfziger Jahre, hier werden alle Spezialinteressen bedient.
Adam Szymczyk und Elena Filipovic haben auf dieser Berlin-Biennale die Kunst wieder zur Expertensache erklärt. Das ist vor allem als Gegenbewegung zum allgemeinen Populismus zwar verständlich. Ein bisschen schade ist es trotzdem.
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VIDEO | Berlin Biennale
DEUTSCHE WELLE (05.04.2008) | Beitragslänge 09:07
| ansehen
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Bonjour Tristesse
NZZ - Samuel Herzog
Mit gesenktem Blick durch die Stadt
Adam Szymczyk, im Hauptberuf Direktor der Kunsthalle Basel, der die 5. Biennale zusammen mit Elena Filippovic kuratiert, hat einen gewissen Hang zur Tristesse – das demonstrierte er unlängst auch mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Basel, die den wunderbar traurigen Titel «Poor Thing» trug.
Einer der Künstler, die damals in Basel das Armselige kultivierten, macht nun auch bei der Berlin-Biennale mit: Kilian Rüthemann hat auf dem Gelände des sogenannten Skulpturenparks Berlin-Zentrum 300 kleine, halbkugelförmige Gruben ausgehoben und gibt so einen «gerasterten Blick auf den geschichtsträchtigen Untergrund des Geländes frei» (Katalog) – denn der Skulpturenpark breitet sich auf einer Brache südlich der Spreeinsel aus, wo einst die Mauer Berlin in zwei Teile zerschnitt. Die Kuratoren lehren uns, dass sich Rüthemann mit seiner Geste zwar «auf den ausgetretenen Pfaden der Land-Art» bewegt, dass er sie jedoch auch «wiederbelebt» und gleichzeitig «untergräbt».
Das Vertrauen, dass Wiederholung immer zwingend auch Wiederbelebung und Subversion bedeutet, gehört zu den typischen Haltungen dieser Biennale – bewegen sich doch einige der Künstler auf Pfaden, die man eigentlich für ausgetreten hielt. Auch «Falte B (Gross)» von Thea Djordjadze sieht aus wie eine jener abstrakt-konzeptuellen, von Minimal Art und Konstruktivismus bestimmten Stahlplastiken, mit denen man in den siebziger Jahren die Parks der westlichen Welt bombardierte – auf den ersten Blick jedenfalls. Auf den zweiten Blick eigentlich auch – zu einem dritten kommt es nicht, denn unterdessen sind wir vor dem knurrenden Pitbull geflüchtet, auf dessen Territorium die Plastik steht. Denn der Skulpturenpark ist eigentlich eine riesige Hundeversäuberungszone. Die Kunst stört hier nur wenig – und wenn schon wen schon.
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Der Zaun meiner Nachbarn
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Aus dem Themenbaukasten der Moderne …
Adam Szymczyk und Elena Filipovic hatten keinen leichten Ausgangspunkt für diese Biennale. Die vier vorausgegangenen Ausgaben haben auf ganz unterschiedliche Weise den Zustand der Gegenwartskunst beschrieben. Der größte Erfolg war vor zwei Jahren dem Künstler Maurizio Cattelan und seinen Ko-Kuratoren Ali Subotnick und Massimiliano Gioni beschieden, indem sie ein weiteres Mal kräftig am Mythen-Rad Berlins drehten und die Auguststraße als stimmungsvolle, geschichtsgesättigte Bühne für eine Art Freiluftmuseum nutzten.
Kein Wunder, dass die jetzigen Kuratoren von Beginn an gegen diese Vorgabe arbeiteten. “Berlin-Klischees sind uns egal”, sagte Szymczyk in einem Interview. “Es ist eine so veraltete Idee, über die Stadt als Ganzes zu reden.” Heute Abend wird die fünfte Berlin Biennale eröffnet, und schon nach dem ersten Rundgang ist eines klar: Trotz aller Bemühungen konnten auch der polyglotte Pole, der in Basel die Kunsthalle leitet, und die US-Amerikanerin dem Mythos und den Klischees dieser Stadt nicht entrinnen.
Es ist die Kunst, wie sie Kuratoren lieben, die sich vom hysterischen Kunstmarkt absetzen wollen. Oder wie sie in den derzeit allercoolsten Galerien zu sehen ist, etwa bei Neu, Bortolozzi und Nourbaksch in Berlin, bei Cabinet in London oder Daniel Buchholz in Köln. Der Beifall der jüngeren, intellektuell ehrgeizigen Kollegen wird Szymczyk und Filipovic sicher sein. Wird aber das große Publikum dem historischen Themenbaukasten der Moderne folgen können? Diese Berlin Biennale könnte eine harte Prüfstation für eine Kunst werden, die sich so gerne sophisticated gibt.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
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Banal oder subtil?
DEUTSCHLANDFUNK Kultur - Carsten Probst
Die Berlin Biennale spaltet das Urteil der Kritiker
Wer durch Berlin streift, der kann sie leicht übersehen, die Kunstwerke der Berlin Biennale, die vor der Neuen Nationalgalerie oder auch auf einer Berliner Brachfläche zu sehen sind: Bäume oder scheinbare Werbebanner, die sich mühelos in das Stadtbild einfügen. Als banal und unscheinbar tun einige Kritiker die Ausstellung daher ab, als subtil bezeichnen andere sie.
… Fragilität. Sie ist bei dieser Biennale gewollt. Die ausgestellten Arbeiten markieren Orte in der Stadt, aber sie lenken nicht von ihnen ab, sondern führen auf sie hin, die Umgebung wird selbst zum Werk. Diese neu aufgelegte Variante der Appropriation Art ist ihrerseits zwar nun wieder nicht ganz neu, aber sie garantiert zumindest, dass die Biennale eben keine optischen Gefälligkeiten, keine gehobene Stadtmöblierung anbietet. So bleibt man sich zumindest treu.
Neben der Betonung der Orte besteht ein wesentliches Element dieser Biennale auch in einer Teilung der Zeit in eine Tag- und Nachtseite des Programms, wie Kurator Adam Szymczyk erklärt.
“Nur diese beiden Teile zusammen, der Tag- und der Nachtteil, sind diese Biennale. Von den mehr als hundert Künstlern kann man fünfzig bei Tage sehen, und über sechzig Teilnehmer, vor allem Theoretiker, Produzenten im weitesten Sinn und Künstlerkollektive, präsentieren sich bei Nacht.”
Es geht also um das Grundsätzliche, Raum und Zeit der Stadt, der Moderne, des globalisierten Individuums. Wer die beiden Kuratoren vorher kannte, wusste ungefähr im Voraus, wie das Programm aussehen würde. Adam Szymczyk, der heute Direktor der Basler Kunsthalle ist, ist in der Warschauer Kunstszene der Nachwendezeit groß geworden. Wie fast überall in postsozialistischen Staaten ist diese Szene geprägt von einer wachsenden Skepsis gegenüber den Mechanismen des westlichen Kunstmarkts, der überall seine Kunst-ist-Ware-Ästhetik ausbreitet.
Die Fragilität dieser Biennale ist eigentlich eine Form von Ehrlichkeit. Sie verweigert die Aussage und bekennt stattdessen: Wir wissen auch nicht, was kommt. Eine ehrliche Aussage über den derzeitigen Stand des Kunstbetriebes.
DEUTSCHLANDFUNK - Beitrag lesen
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Diese Kunst sehnt sich nach einem radikalen Neubeginn
TAGESANZEIGER - Barbara Basting
Die 5. Ausgabe der Berlin Biennale macht sich bewusst klein. Ein kühnes Manöver mit Höhen und Tiefen.
«Irgendwie gefrickelt»: dieses Urteil hört man während der Vorbesichtigung der 5. Berlin-Biennale auffallend oft aus dem Mund der deutschen Kollegen.
Es lohnt sich daher, die Blitzdiagnose vom «Gefrickele» näher anzuschauen; sie trifft nämlich ins Herz dieser Biennale. Die erste Frage lautet: Stimmt sie? Wurde da gefrickelt? Die zweite: Und wenn ja, ist das nur negativ? Nach dem Rundgang durch die vier Austragungsorte, die das aktuelle Kuratorenduo dieser Biennale – Adam Szymczyk, aus Warschau gebürtiger Direktor der Kunsthalle Basel, und die Amerikanerin Elena Filipovic – ausgewählt haben, mag man die erste Frage bejahen. Zwar ist alles professionell produziert und präsentiert. Doch es fehlen die sensationellen Gesten, die sich sofort einordnen lassen. Anders als die letzte Berlin-Biennale, die den Ruinen-Chic geschichtsbeladener Orte als melancholische Kulisse nutzte, ist dies keine süffige Schau zum Durchlaufen und Abhaken, sondern kultur- und konsumkritisch gemeintes «Slowfood», manchmal auch Knäckebrot. Und damit wäre die Antwort auf die zweite Frage gegeben: Die reduzierte, ja ärmliche Anmutung ist Programm, eine Art Heilfasten in einervon Kunst übersättigten Welt.
Den Titel der Biennale, «When things cast no shadow» könnte man boshaft gegen sie wenden: Ja, da ist vieles, was womöglich keinen Schatten wirft. Genau das ist aber auch Absicht und steht für eine konsequente Haltung: Wer keine Schatten wirft, steht niemandem vor der Sonne. Grosse, gewichtige Ideologien hatten und haben wir schon genug, und die Kunst lässt sich oft dienstfertig von ihnen einspannen. Von daher spricht diese Biennale auch von der – unerfüllbaren – Sehnsucht nach einem radikalen Neubeginn.
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Lieber artig als großartig
TAZ - Brigitte Werneburg
Die Kunst gehört den Tüchtigen. Gestern wurde die 5. Berlin Biennale eröffnet - mit allzu vielen beflissenen, streberhaften Arbeiten. Schon ihre Funktion ist mehr oder minder die einer Illustration.
“Wenn die Dinge keine Schatten werfen”, trägt sich die 5. Berlin Biennale mit ihrem Titel hochpoetisch dem Publikum an. Was immer das meint, am Ende des Ausstellungsparcours macht man sich seinen eigenen Reim darauf, der lautet, dann waren Streber am Werk. Die Streber, die immer alles richtig machen und dem Lehrer oder Prof gefallen wollen, die fleißig mitschreiben, was angesagt ist an Themen, Methoden, Materialien und Theorie in der zeitgenössischen Kunst. Unausweichlich führt diese Beflissenheit zu unoriginellen Dingen, die schon deshalb keine Schatten werfen können, weil sie selbst im Schatten des schon Bewährten stehen, an dem sie sich orientieren.
Junge smarte Leute in schwierigen Zeiten, mit auffällig artigem Benehmen. Vor allem die selbstbewussten Mädchen sind lieber artig als großartig. Schließlich sind sie sich sicher, dass ihnen - anders als der vorangegangenen Generation feministischer Aktivistinnen und Künstlerinnen - die Welt gehört.
Eine tüchtige Artigkeit jedenfalls prägt die Schau. Verquere, raue, großspurige, rohe und aggressive Positionen finden sich so wenig wie sexuell explizite Statements, der Körper ist heute ein Baukörper.
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Die ganze Welt der Miniatureisenbahn
ARTNET - Gerrit Gohlke
Seien wir gerecht. Beim Zehnkampf der Kuratoren wird diese 5. berlin biennale mit einem fachlich nicht zu beanstandenden Punktergebnis bedacht. Verunsicherung der Kunstkritik? Neun von zehn Punkten. Verlangsamung des übereilten Publikums? Respektable Haltungsnoten für einen ebenso eleganten wie genussfähig-rätselhaften Parcours. Diese Ansammlung von Werken, von einer Kollegin in einer von ihrer Redaktion gestrichenen Überschrift respektlos „Kraut und Rüben“ genannt, steckt niemand so einfach in die Tasche.
Man muss sich mühen um diese Ausstellung, die an den richtigen Stellen spröde, an den richtigen Stellen theatralisch ist. Da ist nichts einfach, aber man verliert nicht die Lust auf den nächsten Raum. Jetzt, da in den ersten Kritiken steht, dies sei ein Festspiel für Experten, muss man dringend Widerspruch artikulieren. Dies ist eine Ausstellung, in der man der Versuchung zur quotenträchtigen Blödheit wirklich nachhaltig ausgewichen ist.
Der Pressespiegel muss nur auch den nächsten Satz noch mitzitieren: Es ist eine Biennale, die man als Dummy liebt. Sie ist ein wirklich gut gestaltetes Entwurfsmodell. Wer die letzte documenta tolldreist-dilettantisch fand, freut sich schon nach den ersten fünf Minuten, die er in den Kunst-Werken verweilt. Weniger Freude macht die Neue Nationalgalerie. Noch weniger Freude macht der Skulpturenpark Berlin_Zentrum. Süß und anregend ist der Schinkel-Pavillon. Aber was soll man die Orte gegeneinander abwägen wie ein bärtiger Kunsthistoriker? Diese Biennale ist ein Strukturentwurf. Mit den Inhalten hat man sich erst einmal Zeit gelassen.
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When things cast no shadow
| 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
| bis zum 15. Juni 2008
Feb
29
SURREND | Subversive Praxis im öffentlichen Raum
Februar 29, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer -
PT | Galerie Nord - Kunstverein Tiergarten |
Bis zum 29. März 2008 wird Surrend in einer Einzelausstellung mit neuen Arbeiten im Kunstverein Tiergarten in Berlin zu sehen sein. Die aktuellen Aktionen und Projekte von Surrend sind von der absurden neonazistischen Verschwörungstheorie ZOG angeregt, die auch in Teilen der arabischen Welt und im links-autonomen Milieu immer mehr Anhänger findet.
Mit den neuen Produktionen attackiert Surrend sowohl die neonazistische Propaganda und die Theorie des ZOG (Zionist Occupied Government), zielt gleichermaßen aber auch auf die israelische Politik und radikale jüdische Gruppierungen, die mit ihrer negativen und rassistischen Haltung gegenüber der arabischen Welt häufig für jene allerorten vermutete Verschwörung Anlass bieten.
Surrends neues Projekt besteht aus 22 politischen Plakaten, die von der deutschen Plakat- und Karikaturtradition beispielsweise eines John Heartfield aber auch von Vorbildern der jüngeren Zeit, wie z.B. dem Plakatkünstler Klaus Staeck beeinflusst sind, der die Surrend-Ausstellung im Kunstverein Tiergarten am 22.02.08 eröffnet hat.
Doch während sich Klaus Staeck und andere deutsche Plakatkünstler eher auf nationale bzw. regionale Themen beschränken, arbeitet Surrend in einem globalen Kontext und ist an jenen brisanten Schauplätzen in aller Welt unterwegs, an denen es für Künstler mit provokanten Aktionen gefährlich werden kann.
Surrend sieht sich selbst in der Tradition der 1970er Jahre in Dänemark, wo sich politischer Aktivismus und künstlerische Praxis in solchen Avantgarde-Strömungen wie Fluxus und Situationismus verbanden. Surrend tritt weltweit sowohl mit provokanten Kunstaktionen im öffentlichen Raum in Erscheinung, als die Gruppe auch im Kunstkontext von Galerien und Museen präsent ist. Neben klassischen Plakaten arbeitet Surrend ebenso mit subversiven Anzeigenschaltungen und eigens erstellten Webseiten, in denen politische Skandale satirisch kommentiert werden.
So machte sich Surrend jüngst über den iranischen Präsidenten und den burmesischen Juntachef lustig, einige der Aktionen führten darüber hinaus bereits zu heftigen politischen Konfrontationen - wie z.B. ein Putin-kritisches Plakat, das in Österreich verboten wurde - und zu einer Flut sowohl positiver als auch negativer Reaktionen. Nur selten vermag aktuelle politische Kunst das Publikum so direkt anzusprechen und unmittelbare Reaktionen hervorzurufen. Deshalb wird die Ausstellung im Kunstverein Tiergarten nicht nur die neuesten Projekte von Surrend vorstellen, sondern in Projektvideos und gemailten Kommentaren die internationalen Publikumsreaktionen dokumentieren.
Surrend gründete sich im März 2006 in Belgrad. Im Sommer 2007 nahm die Gruppe an der Austellung Backjumps im Künstlerhaus Bethanien teil und war u.a. mit einer Einzelausstellung bei der Caricatura in Kassel vertreten.
Surrend besteht aus den beiden Kernmitgliedern Jan Egesborg und Pia Bertelsen, die im Rahmen der ZOG-Ausstellung im Kunstverein Tiergarten von den GastkünstlerInnen Martin Nielsen und Stine Skoett-Olsen unterstützt werden.
SURREND | Subversive Praxis im öffentlichen Raum
| Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Berlin
| bis 29. März 2008
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VIDEO | Bilderstreit in Berlin | Moslems bedrohen Galerie
| Spiegel . TV - Video ansehen
“Meine Solidarität gilt allen Künstlern und in den Medien Tätigen, deren Arbeit durch gewalttätige Andersdenkende bedroht wird”,
erklärte Akademiepräsident Klaus Staeck am Freitag in Berlin, der die Drohungen als “völlig unakzeptabel” bezeichnet hatte.
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“Sonst fliegen Steine!”
SPIEGEL online - Michael Sontheimer
Eine deutsche Premiere im Kampf der Kulturen: Muslime sorgten mit Drohungen dafür, dass eine satirische Plakat-Ausstellung geschlossen wurde. Die Behörden verfallen in Schockstarre - dabei geht es um nichts weniger als die Kunstfreiheit.
Künstler versuchen oft verzweifelt das, was seit dem Dadaismus die Pflicht eines modernen Künstlers ist – zu provozieren. Einer Gruppe dänischer Künstler ist das in Berlin mit politischen Plakaten gelungen. Allerdings hat es sich die Künstlergruppe “Surrend” ziemlich einfach gemacht. Sie stellte in einer kommunalen Berliner Galerie ein Plakat aus, auf das strenge Muslime nichts anderes reagieren können, als sich aufzuregen.
Stein des Anstoßes ist buchstäblich ein Stein - nämlich die Kaaba in Mekka, das zentrale Heiligtum aller Muslime. Auf einem der Plakate sind die Kaaba und sie umrundende Pilger abgebildet, dazu der große Schriftzug “Dummer Stein”. Daneben hängt das Plakat eine orthodoxen Juden mit schwarzem Hut, der Kommentar “Dummer Hut”: Eher plumpe Provokationen, die der Plakatkünstler Klaus Staeck gleichwohl bei der Eröffnung der Ausstellung am 22. Februar feierte.
Die Wirkung dieser Schmähung der Kaaba konnte eigentlich nicht sonderlich überraschen: Am Dienstag entdeckten zwei junge Musliminnen das Plakat. Sie erklärten Galeriemitarbeitern, dass es ihre Religion beleidige und dass es abgehängt werden sollte. Dann fotografierte sie es mit ihren Handys. Mit diesen digitalen Beweismitteln fiel es ihnen nicht schwer, an der benachbarten Döner-Bude Verstärkung zu mobilisieren. Schließlich forderte ein eine Handvoll aufgebrachter muslimischer Männer das sofortige Abhängen des Plakats: “Sonst fliegen Steine!”
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SURREND | Subversive Praxis im öffentlichen Raum
| Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Berlin
| bis 29. März 2008
Feb
6
Beate Gütschow – ganz woanders
Februar 6, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Haus am Waldsee |
Das Haus am Waldsee stellt bis zum 24. März 2008 die in Berlin lebende Fotografin Beate Gütschow (1970) mit mehr als 20 großformatigen Fotografien und Videos aus ihrem bisherigen Schaffen vor.
Idylle und Utopie sind die zentralen Begriffe der von 1993 bis 2000 in Hamburg bei Bernhard Blume und Wolfgang Tillmans ausgebildeten Künstlerin. In ihren digitalen Natur- und Stadtlandschaften reflektiert Gütschow Denk- und Kompositionsschemata, wie sie die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte: Natur wurde als höchst artifizielles Ereignis konstruiert.
In Analogie baut die Künstlerin ihre Bilder aus eigenen Fotografien, die sie digital collagiert. In ihren jüngeren Arbeiten entwickelt Gütschow menschenleere und pflanzenlose Stadtlandschaften. Den Wildwuchs seelenlos auswechselbarer Metropolenwüsten treibt sie soweit, dass der Betrachter den Ort nicht mehr orten kann. Die Ausstellung „ganz woanders“ schafft daher ein Bild der Zukunft, das die Hybris des Menschen als Schauer-Vision aus der Sicht einer präzise beobachtenden und überaus sorgfältig arbeitenden Fotokünstleringeradezu beschwörend vor Augen führt.
Gütschow setzte sich zunächst mit der Schnittstelle von Fotografie und Malerei in der Zeit vor der Fotografie und vor Caspar David Friedrich auseinander. Als Bilder noch ausschließlich im Atelier entstanden, bestand die Utopie von Landschaft in der Konstruktion und der Idealisierung, wie sie große Landschaftsmaler wie Claude Lorrain, John Constable, Nicolas Poussin, Jacob van Ruisdael, Claude Vernet oder Thomas Gainsborough formulierten. Erst nach Erfindung der Fotografie sowie der Einführung der Plein-Air-Malerei sollte sich dies im Laufe des 19. Jahrhunderts ändern.
Die Arbeiten der Ausstellung waren zuvor im Museum of Contemporary Photography in Chicago zu sehen und werden ab Ende April 2008 in der Kunsthalle Nürnberg gezeigt.
Beate Gütschow – ganz woanders
| Haus am Waldsee, Berlin – Ort internationaler Gegenwartskunst
| bis 24. März 2008
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Bottrop liegt bei Miami
TAGESSPIEGEL online - Jens Hinrichsen
Die Fotokünstlerin Beate Gütschow ist eine Meisterin der Illusionen. Ihre aktuellen Arbeiten greifen die gescheiterten Architektur-Utopien der 50er Jahre auf und lassen neue geklonte Welten entstehen.
Noch markanter inszeniert die Künstlerin absichtsvolle Brüche und Diskontinuitäten in der aktuellen schwarzweißen Städte-Serie. So ragt im Hintergrund des Beton-Tableaus „S#25“ (2008) zweimal dasselbe Minarett auf, was sich als hintersinniger Kommentar auf islamophobe Tendenzen lesen lässt. Gütschow klont hier, löscht oder glättet da, begeht erschreckend plausible Bausünden und zielt damit vor allem auf die gescheiterten Architektur-Utopien der Fünfziger- und Sechzigerjahre, die sie in düsteres, geradezu apokalyptisches Licht taucht.
Ob Kriegsgebiet oder Shoppingcenter, stets werden weit auseinander liegende Orte und Bauten miteinander verknüpft und dann die verräterischsten Spuren ihrer Provenienz getilgt. Bottrop liegt bei Miami. Zwischen Wüste und Suburbia liegt ein Streifen Meer mit Badegästen, Touristen schlendern ungerührt an Autowracks und ausgebrannten Bussen vorbei. Vorm Provinzparkhaus ist ein Hubschrauber abgestürzt. Einsam ragt ein seltsames Haus, halb Wohn-, halb Wachturm auf dem Asphalt empor, fast fensterlos, die Außentreppen laufen ins Leere. Stilistisch erinnert das Bild an den dokumentarischen Stil von Bernd und Hilla Becher. Dabei zielt Beate Gütschow exakt aufs Gegenteil, indem sie neue, problematisch zugespitzte Wirklichkeiten baut.
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VIDEO | Wir bauen eine neue Stadt 1981
PALAIS SCHAUMBURG
Holger Hiller, Guitar, Vocals | Thomas Fehlmann, Synthesizer, Trumpet
Timo Blunck, Bass | Ralf Hertwig, Drums
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Die Zukunft, ein Traum
TAZ - Julia Gwendolyn Schneider
Ganz einfach sieht es aus, wie Beate Gütschow städtische Wirklichkeit in Bilder gescheiterter Utopien verwandelt. Aber sie sind aufwendig aus Fotos zusammengesampelt. Das Haus am Waldsee zeigt mit der Ausstellung “Ganz woanders” zwei ihrer Serien.
Gütschow unternahm den Schritt zur digitalen Fotografie noch als Studentin Mitte der Neunzigerjahre in offener Opposition zur damals alles überragenden Dokumentarfotografie der Düsseldorfer “Becher-Schule”. Ihre Form der Realitätsbefragung galt der Brüchigkeit und stand damit im Gegensatz zu der Vorgängergeneration von Andreas Gursky, Thomas Ruff und Thomas Struth. Mithilfe digitaler Montagetechniken setzt die Künstlerin vor das Authentische und Dokumentarische der schwarz-weißen Fotografie selbstbewusst ihre eigenen Interpretationen und Bilderfindungen, die scheinbar genauso real wirken. Überwiegend ertappt man sich aber selbst dabei, wie man zunehmend in die Stadtlandschaften hineinrutscht. Ihre Sogwirkung erlangen Gütschows Fotografien zuletzt auch durch die Wahl übergroßer Formate.
In ihrer Eigenschaft, sich unseren Fixierungsversuchen zu entziehen, beeinflussen Gütschows Fotografien das gewohnte Verständnis von Raum und Zeit. Sie untergraben unser inneres Orientierungssystem und verwischen die Grenze zwischen Realität und Fiktion. Ihre Bilder, für die es kein Original mehr gibt, obwohl wir doch ständig versuchen, sie auf ein solches zurückzuführen, machen deutlich, dass wir uns zwar bereits im digitalen Zeitalter befinden, aber immer noch analog denken und somit “ganz woanders” sind.
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Ein Ort, nirgends
Artnet - Eric Aichinger
Wie baue ich mir eine Stadt? Und zweitens: Wie reiße ich sie wieder ein? Ihre Antwort liegt im Detail. Sie schält konkrete Architekturversatzstücke aus ihrem eigentlichen Kontext heraus und verschachtelt sie zu einer neuen Einheit, so dass deren gegenständliche Unwirklichkeit das Ende unserer Wirklichkeit anzeigt. Die Bauten bergen nichts Eigenes in sich. Draußen, wenn überhaupt, verlieren sich Stadtstreicher – Touristen und anders Verlorene – in einer vegetationslosen Zone.
Gütschow verhandelt Stadt als Waschbeton gewordene urbane Utopie der 1960er und 1970er, die unter Becher-grauem Streulicht vor sich hin bröckelt. Auch ihr geht es um den typologischen Vergleich. Allerdings mehr um die ans Tageslicht kommenden Haltungen, die Skelette, als um den Überbau. Ihre Konstruktionen erlauben nicht nur, sie fordern geradezu das Wiedererkennen (ist das nicht Sarajewo…?) der sachlichen Fiktion heraus, wie sie uns in den journalistischen Dokumentationen überall geboten wird. Was also hinterlässt erkennbare Spuren in der Organisation des Bildes? In LS herrscht die Stille vor dem gedanklichen Beschuss, über S hat sich das Schweigen danach gelegt. Und dann kommt der Friedhof.
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Beate Gütschow – ganz woanders
| Haus am Waldsee, Berlin |
| Ort internationaler Gegenwartskunst
| bis 24. März 2008
Jan
29
EMILIO VEDOVA 1919 - 2006
Januar 29, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Berlinische Galerie |
“Addio Vedova, Künstler der Rebellion“ – so verabschiedete La Repubblica Emilio Vedova im Herbst 2006. Gut ein Jahr nach dem Tod des Künstlers würdigt die Berlinische Galerie den Hauptvertreter des italienischen abstrakten Expressionismus mit der ersten umfassenden Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung - ergänzt durch mehrere dokumentarische Filme zum Gesamtwerk Vedovas - ist bis zum 20. April 2008 zu sehen.
Vedova war seit 1948 Stammgast auf der Venedig-Biennale, 1997 wurde er mit dem Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Neben Venedig fühlte er sich zeitlebens Berlin eng verbunden, wo er 1993 zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt wurde.
Von Ende 1963 bis Mitte 1965 lebte und arbeitete er in der damals geteilten Stadt als „Artist in Residence“ im Rahmen eines Stipendiums der Ford Foundation. Vedova war fasziniert von den Gegensätzen der Stadt. Seit den 60er Jahren experimentierte Vedova mit der Erweiterung des klassischen Bildraumes. Es entstehen die so genannten Plurimi: Malerei und Collage auf mehrseitigen, beweglichen Holzelementen, die frei in den Raum gehängt oder gestellt werden.
Mit der hier entstandenen Arbeit Absurdes Berliner Tagebuch ´64 – eines seiner Hauptwerke – wurde der Künstler auf die documenta III eingeladen. 2002 schenkte Vedova diese monumentale Arbeit der Berlinischen Galerie. Es ist ein Herzstück seines Schaffens; in der Komplexität und Monumentalität gibt es bei Vedova kein vergleichbares Werk. Es atmet die große Tradition des weltoffenen Geistes in der Malerei der Lagunenstadt, ist aber zugleich dramatisch hinterfeuerte Antwort eines einzelnen auf die Existenzfragen seiner Zeit, die der Kalte Krieg mit der unausweichlichen, harten Realität der Teilung Berlins aufgeworfen hatte.
Das “Absurde Berliner Tagebuch ‘64″ ist jedoch von viel ausgreifenderer Brisanz; denn diese gewaltige, beinahe neun Meter hohe und auf fast 200 m² sich erstreckende Installation von sieben „Plurimi“ ist von dem unbändigen Willen des freien Geistes und der Toleranz getragen, der sich ein Vierteljahrhundert später mit dem Fall der Mauer für die Welt erfüllte.
| mehr Infos
Die Ausstellung gibt mit rund 150 Arbeiten einen bisher in Deutschland einzigartigen Überblick, der Vedovas gesamtes Lebenswerk von den Jugendjahren bis zu seinem Tod umspannt.
EMILIO VEDOVA 1919 - 2006
| Berlinische Galerie
| bis 20. April 2008
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SPECIAL | BASELITZ | Hommage an Emilio Vedova
Die Venedig-Biennale ehrte im letzten Jahr den 2006 verstorbenen Künstler Emilio Vedova, der seit 1948 regelmäßig auf der Biennale vertreten war, mit einer Hommage im venezianischen Pavillon. Das Zentrum der Ausstellung bildeten sechs neue großformatige Gemälde von Georg Baselitz. Baselitz schuf die erstmals auf der Biennale präsentierten Bilder eigens als Hommage an den großen italienischen Maler.
Der Berlinischen Galerie ist es nun gelungen, die bereits an ausländische Sammler verkauften Arbeiten von Baselitz nach Berlin zu holen und im Rahmen der Vedova-Retrospektive erstmals in Deutschland zu zeigen.
| bis 20. April 2008
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Als Sankt Dada Einzug hielt
TAZ - Brigitte Werneburg
Einen Venezianer stellt man sich anders vor. Anders als diesen wunderlichen Waldschrat, diesen zwei Meter großen Hünen mit dem prächtigen Zottelbart. Und doch, dieser Riese tanzt, er ist voller Energie, voll Rhythmus, immer in Bewegung. Er nimmt die Welt in Besitz, und sei es nur, dass er ein Stück Metall vom Boden aufhebt oder einen Draht, den er verbiegt und verformt. Was immer er in die Hände bekommt, verwandelt er unweigerlich in ein von ihm geschaffenes Ding. Er ist also kein ungefährlicher Bursche.
Von November 1963 bis Mai 1965 experimentiert Vedova in Berlin weiter an den sogenannten Plurimi, doppelseitig bemalten Holzplatten, mit denen er die Malerei von der Wand reißt und mitten in den Raum hinein montiert …
… war nicht jede Arbeit, die er in dem von Albert Speer erbauten Breker-Atelier im Käuzchensteig schuf, ein pièce de résistance? Musste der Gedanke Vedova nicht beflügeln, dass mit seinen raumgreifenden, zusammengenagelten und geknoteten Bildinstallationen, seinen Materialcollagen, Sankt Dada Einzug in die unheiligen Hallen hielt? Und mit ihm der Abfall, der Dreck und die Gesellschaftskritik? Um ausgerechnet dort als das vielleicht venezianischste Erbe in Vedovas Kunst - verkörpert in seinem Selbstverständnis als durch und durch politischer Künstler - zu triumphieren?
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Der Berserker tanzt Walzer
TAGESSPIEGEL online - Christina Tilmann
Es ist der große Auftritt. Für Emilio Vedova, den Meister des abstrakten Expressionismus in Italien, der im Berlin der Jahre 1963 bis 1965 seine prägenden Eindrücke erhielt. Und für die Berlinische Galerie und ihr Haus in der Alten Jakobstraße, das noch nie so großzügig, so überzeugend, so monumental bespielt worden ist.
Die erste große Vedova-Ausstellung in Berlin: Das ist die Einlösung eines Versprechens – und ein Vermächtnis. 2002 hatte der italienische Maler sein Hauptwerk, das „Absurde Berliner Tagebuch ’64“, der Berlinischen Galerie geschenkt, wo es seit der Eröffnung des neuen Hauses im ehemaligen Glaslager in Kreuzberg einen Ehrenplatz hat. Einzige Bedingung: die Ausrichtung einer großen Ausstellung.
Eine „Hommage an Dada“ hat Vedova eine andere Berliner Arbeit genannt, und von der Dada-Technik der Kombination des Unzusammengehörigen hat er sich einiges abgeschaut. Hannah Höch, die Hausheilige der Berlinischen Galerie, war ihm in seiner Berliner Zeit wertvolle, wenn auch wesensmäßig völlig entgegengesetzte Gesprächspartnerin: Man stelle sich die Diskussionen zwischen der stillen, zurückgezogenen, zierlichen Dadaistin und dem venezianischen Berserker und Zweimetermann vor.
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EMILIO VEDOVA 1919 - 2006
| Berlinische Galerie
| bis 20. April 2008
Jan
17
Jannis Kounellis | Retrospektive
Januar 17, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Neue Nationalgalerie Berlin |
Bis zum 24. Februar 2008 wird in der Berliner Neuen Nationalgalerie eine Installation von Jannis Kounellis gezeigt.
Kounellis hat in die obere Halle der Neuen Nationalgalerie ein Labyrinth aus rund 160 Stahlelementen gebaut, das im Dialog mit der klassischen Architektur Mies van der Rohes steht. Gegen die starre Halle hat er eine dynamische, spitzwinklige, mit Kohle bekrönte Struktur gesetzt und vor die Glaswände der Halle große Wandarbeiten gestellt. Sie verschließen - zumindest teilweise - den Blick nach außen und betonen so den Eindruck der Abgeschlossenheit des Labyrinths.
Mit der formalen Entscheidung knüpft er an das mythische Labyrinth des Königs Minos von Kreta an, während die Materialien und die Formen das Labyrinth als Kunstwerk des 20. Jahrhunderts ausweisen. Hier sind der Kubismus und der russische Konstruktivismus ebenso zu nennen wie die von Kounellis und Mario Merz gemeinsam begründete Arte povera.
Im Labyrinth selbst finden sich rund 20 Arbeiten von Kounellis, die unterschiedliche Facetten seines Werkes beleuchten.
Jannis Kounellis
Neue Nationalgalerie, Berlin
| bis 24. Februar 2008
Infos & Installationsansichten
Jannis Kounellis
| infos auf wikipedia
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KATALOG
Jannis Kounellis
Deutsch/Englisch
ca. 240 Seiten,
ca. 172 Abb.,
davon ca. 12 farbig,
ca. 160 in Duplex,
28 x 28 cm, gebunden
Kounellis,
der 1936 in Piräus geboren wurde und seit Mitte der 1950er-Jahre in Rom lebt, zählt zu den Gründern der Arte povera, die mit armen und erst einmal kunstfernen Materialien wie Sackleinen, Kohle, Wolle, Kaffee und Gas u. a. Installationen schaffen. Diese werden vom Künstler als ¯Bilder® konzipiert, in denen er mit Hilfe der ungewöhnlichen Materialien die verborgenen Kräfte archaischer Welten zur Darstellung bringt.
Diese Publikation begleitet die jüngste Arbeit des griechisch-italienischen Künstlers Jannis Kounellis, der in der Neuen Nationalgalerie Berlin eine facettenreiche Installation unter dem Titel Labyrinth eingerichtet hat. In die offene, tendenziell endlose Halle setzt Kounellis ein aus Metallplatten bestehendes und nach außen geschlossenes Labyrinth. In den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Räumen begegnen wir wie auf einer Lebensreise Werken aus allen Schaffensphasen des Künstlers.
Ausstellung: Neue Nationalgalerie Berlin, 8.11.2007-24.2.2008
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Arme Kunst
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Seit etwa zehn Jahren hat es den Anschein, als beginne der heute 71-jährige Bilanz zu ziehen über sein Lebenswerk. Natürlich mythologisch, aber auch ironisch, augenzwinkernd, wie man so sagt, was aber gar nicht so leicht ist im gnadenlos-strengen Stahl- und Glas-Pavillon der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe in Berlin.
Ähnlich wie Jörg Immendorff vor einem Jahr in gleicher Halle darf auch Kounellis sich nun mit einer Art selbstreferenziellem Museum im Museum verewigen. Das hat er zuvor auch schon in Paris und Rom getan und diesem “Museum seiner selbst” dabei die Form eines stählernen Labyrinths gegeben, das verwirrend genug ist, um davor Schilder aufzustellen, das Eltern davor warnt, ihre Kinder allein hineinzulassen. Es könnte kaum eine passendere Metapher für die Beschreibung der “Arte povera” geben als so ein Labyrinth.
Der Pollock-Verehrer Jannis Kounellis ist ein leidenschaftlicher Verächter des Rationalismus und auch des Terrors, der in seinem Namen ausgeübt wird, von der römischen Militärherrschaft bis zur französischen Revolution. In Berlin dürfte einem die preußische Tradition des Rationalismus mit all ihren militaristischen Nachahmern bestens in Erinnerung sein. Die vier großen Messer gleich am Eingang weisen darauf hin, was gemeint ist.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Die Überwindung der Schwerkraft
TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn
Stahl, Kohle, Blei: Jannis Kounellis verwandelt den Mies van der Rohe-Bau der Neuen Nationalgalerie Berlin in ein Labyrinth.
Die 2,35 Meter hohen Labyrinthwände wirken unter der luftigen Decke der Neuen Nationalgalerie keineswegs erdrückend, sondern wie ein ausbalancierter Kontrapost. Und die knapp dreißig, zum Teil monumentalen Stücke erscheinen geradezu sparsam platziert. Der Besucher bewegt sich erstaunlich leichtfüßig von Werk zu Werk, obwohl ihn das reine Gewicht und die Tristesse der Farben von Rostbraun, Stahlgrau und Kohleschwarz – hinterfangen vom Berliner Novemberhimmel – melancholische stimmen müssten.
Kounellis ist längst ein Klassiker, der das von ihm entwickelte Setting meisterlich orchestriert. Im Gegensatz zu Bildhauerkollegen wie Günther Uecker oder Rebecca Horn, die in ihrem Alterswerk plötzlich zu opernhaften Requisiteuren werden, inszeniert er mit vollendeter Eleganz ein Bühnenstück. Wohnt schon dem einzelnen Werk Theatralik inne, so entwickelt sich aus dem Zusammenspiel der Objekte eine ganze Partitur. Die Chronologie spielt keine Rolle; Kounellis unternimmt seine Lebenskunstreise im offenen Kontinuum der Zeit.
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Jannis Kounellis
Neue Nationalgalerie, Berlin
| bis 24. Februar 2008
Nov
20
Jeff Wall | Belichtung
November 20, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Deutsche Guggenheim |
Zehn Jahre Deutsche Guggenheim Berlin.
Der kanadische Fotograf Jeff Wall präsentiert bis zum 20. Januar 2008 ein eigens für Berlin entworfenes Ausstellungskonzept mit einer neuen Werkgruppe, die als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim entstand.
Den Kern der Ausstellung bilden vier neue, großformatige Silbergelatineabzüge. Drei von diesen folgen einem kinematografischen Ansatz – sie sind bis ins Detail inszeniert und durchkomponiert, jedoch auf der Straße und nicht im Studio aufgenommen. Das verbindende Element ist die Bildthematik. Jede Komposition schildert auf realistische Weise Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die typisch für unsere heutige Gesellschaft sind: Eine Gruppe Arbeitsloser wartet am Straßenrand auf die Gelegenheit, sich ein bisschen Geld zu verdienen; eine Frau kehrt in ihre trostlose Mietskaserne zurück;Kinder treiben auf einem verlassenen Gelände ein Kriegsspiel.
Die vierte Arbeit dieser neuen Werkgruppe ist ein Dokumentarfoto ohne Personen. Die grandiose Aufnahme zeigt einen Kühlraum, der jeden, der dort arbeitet, vor extreme Belastungen stellt.
In seiner Gesamtheit zieht Walls Auftragszyklus Parallelen zur Entwicklung und sozialen Tendenz der Dokumentarfotografie und zur Geschichte des neorealistischen Films. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Fotografien und Farbleuchtkästen aus den Jahren 2001/2002.
Jeff Wall: Belichtung
| Deutsche Guggenheim, Berlin
| bis 20. Januar 2008
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KATALOG
Jeff Wall | Exposure | Belichtung
kaufen bei amazon
Sprache: Deutsch
60 Seiten, 37 farbige Abb.
25,30 x 30,50 cm
gebunden
Jeff Wall (geb. 1946) gilt als einer der angesehensten Künstler seiner Generation, viele seiner Bilder sind zu Ikonen der zeitgenössischen Fotografie geworden.
Der Band dokumentiert eine Ausstellung Walls im Deutschen Guggenheim in Berlin (20.10.2007- 13.1.2008): Mit den großformatigen Schwarzweißfotografien von trostlosen Gegenden und Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen bezieht sich der Künstler inhaltlich und formal auf die klassische Dokumentarfotografie und deren traditionelles Engagement für unterprivilegierte Schichten sowie auf den neorealistischen Film.
Die erstmals publizierte Gruppe von Silbergelatineabzügen wird ergänzt von thematisch verwandten, früheren Arbeiten. Sie alle belegen Jeff Walls Einsatz für brisante, der Kunst bis zu Beginn der Moderne unwürdig erscheinende Themen der Gegenwart wie Armut, Ausgrenzung, Gewalt und ökologische Belange und verorten das Werk des Kanadiers in der Tradition des Realismus des 19. Jahrhunderts, den er durch zeitgenössische Ingredienzien meisterhaft weiterentwickelt.
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Jeff Wall | In His Own Words
| MoMA, New York 2007
| Projekt-Webseite (Flash)
| mit zahlreichen Fotos
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Schöne Ansichten | Jenseits des Moments
FR online - Elke Buhr
Zwei Sorten von Bildern gebe es in seinem Werk, sagte Jeff Wall bei der Vorstellung der Ausstellung in Berlin: die kinematographischen, die er aufwendig inszeniere, und die dokumentarischen, die er in wenigen Sekunden schieße. Allerdings, muss man hinzufügen, kommen diese dokumentarischen Fotos, so wie der Kühlkeller, immer ohne Figuren aus: Wall will das Exemplarische isolieren, und dazu muss er den Menschen aus der gelebten Zeit herauslösen, ihn zur Zeitlupe der Inszenierung zwingen, damit die Momentaufnahme ins Überzeitliche vordringen kann.
So erscheint in den Bildern von Jeff Wall das Soziale immer ein wenig entfernt - die sorgfältige Ästhetisierung schützt vor der Primitivität des dokumentarischen Wühlens im Dreck, aber sie schützt auch ein wenig vor dem Dreck selbst. So passen diese Bilder in ihrer fast erhabenen Perfektion ideal in die distinguierten, immer bis ins Detail sauber bespielten Räume der Deutschen Guggenheim. Mit “Belichtung” feiert das Joint Venture zwischen der Bank und dem New Yorker Museumskonzern sein zehnjähriges Bestehen.
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Jeff Wall | Inszenierte Photographie
| Harald Klinke
| Institut für Kunstwissenschaften
| Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
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Inszenierung des Alltäglichen
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Schon lange bevor die digitale Fotografie erfunden wurde, komponierte Jeff Wall seine Bilder mithilfe von Computertechnik und ließ sich dabei von der Malerei inspirieren. Wall fotografiert nicht, er inszeniert seine Bilder. Nun zeigt das Deutsche Guggenheim Berlin eine Auswahl seiner Fotografien.
Jeff Walls inzwischen berühmte Methode, Bilder im seinem Studio mithilfe langwieriger Aufnahmensessions zu hybriden Montagen zusammenzusetzen, hat nach Ansicht mancher Kunsthistoriker die digitale Fotografie vorweggenommen, obwohl Wall selbst zunächst kaum mit digitalen Kameras gearbeitet hat, wohl aber mit Bildkomposition am Computer. Eigentlich hat seine Art zu montieren und zu manipulieren herzlich wenig mit Technikbegeisterung zu tun, sondern mit einer Vorliebe für Erzählstrukturen klassischer Malerei. So begann auch die künstlerische Ausbildung des 1946 im kanadischen Vancouver geborenen Wall mit malerischem Schwerpunkt, woraufhin er dann ziemlich bald nach London umzog:
“Ich war Maler in dem Sinne, dass ich Malerei liebte, als ich 20 Jahre alt war, aber ich habe mich in der Tat ziemlich lang damit beschäftigt. Und ich habe eine Menge dadurch gelernt. Einerseits für die Art und Weise, wie ich in meinem eigenen Studio arbeite, und außerdem, wie ich Malerei aller Zeiten genießen und studieren kann, Malerei von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Ich lernte etwas für die Fotografie von der Malerei. Sehr vieles sogar. Es gibt aber keine direkte Beziehung von Malerei und Fotografie, außer dass beide Künste in der westlichen Tradition dazu dienen, Bilder herzustellen. Sie gehören zur selben Familie. Als ich merkte, dass mich die Fotografie mehr interessierte, entschied ich mich, Fotograf zu werden, und mein Werk hat keine direkten Beziehungen zur Malerei mehr, außer eben jener, dass ich persönlich viel von Malerei gelernt habe, Dinge durch die Malerei zu genießen und zu lieben.”
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PUBLIKATION
Jeff Wall | Catalogue Raisonné
1978 to 2004
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Sprache: Englisch
500 Seiten
120 Farbabb.
92 Illustrationen
36,4 x 25,8 x 4,4 cm
gebunden
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Die Schönheit nach Marx
TAZ - Brigitte Werneburg
Zum Jubiläum zeigt die Deutsche Guggenheim Fotos von Jeff Wall. Sie zeigen die Häßlichkeit der westlichen Industriegesellschaft zwar ästhetisch, aber mit viel Empathie.
… die sorgfältig, bis in Detail hinein durchinszenierten Fotogemälde des Künstlers verführen unbedingt dazu, nach der Geschichte zu suchen, die ihnen womöglich zugrunde liegt.
Ohne diese Geschichte im Bild wirklich rekonstruieren zu können, ist immer deutlich, dass sie vom Alltag und den Arbeits- und Lebensbedingungen in der westlichen Industriegesellschaft erzählt. Die gesuchte Geschichte spielt, darüber lässt Jeff Wall keine Zweifel, “in einer hässlichen Welt”.
Jeff Wall hat seinen Marx gelesen. Er weiß, dass seine Bilder und die Bewunderung, die sie in den Museen und Ausstellungsräumen weltweit erfahren, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard derjenigen nicht verändern, denen sie lakonisch und unsentimental ein Denkmal setzen.
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Wir müssen leider draußen bleiben
TAGESSPIEGEL online - Thomas Wulffen
Das prekäre Bild: Warum sich die zeitgenössische Kunst der sozialen Realität verweigert, vor allem in Deutschland.
Wo aber ist der Künstler hierzulande, der in ähnlicher Weise (Wulffen bezieht sich auf Jeff Wall) eine kritische Beschreibung der ihn umgebenden Wirklichkeiten vornimmt? Die zeitgenössische Malerei scheint an sozialen Themen nicht interessiert, … Insgesamt befasst sich die neue Malergeneration eher mit malerischer Delikatesse als mit sozialen Debatten. Selbst Neo Rauch, in dessen Bildern „Werktätige“ zu sehen sind, belässt es bei einer su




