thek-portrait-1974-foto-peter-hujar2.jpgKUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT ZKM Karlsruhe |

Mit der Ausstellung “Paul Thek - Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst” wurden Ende Mai 2008 die umgebauten und erheblich erweiterten Räumlichkeiten der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg neu eröffnet. Damit entstand die größte private Kunsthalle Norddeutschlands.

Die zuvor im ZKM Karlsruhe gezeigte Thek-Schau ist nun im Hamburger Süden bis zum 14. September 2008 zu sehen.

Der amerikanische Künstler Paul Thek (1933-1988) genießt unter den zeitgenössischen Künstlern Kultstatus – durch sein spannungsreiches Œuvre, in dem er Themen und Symbole aus Religion, Kunst, Theater und Literatur aufgreift, nimmt sein Werk bis heute bedeutenden Einfluss auf die Gegenwartskunst. Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und raumgreifende Environments gehören gleichermaßen zu Theks Ausdrucksmitteln. Seine Kunstwerke zeigen sich mystisch, religiös und kritisch sozialen Ungerechtigkeiten wie auch der Kunstwelt gegenüber, wobei er mitunter widersprüchlich zwischen nomadieserendem Hippietum und verklärendem Charismatiker pendelt, aber auch nicht selten eine Portion Melancholie und Humor in seine Werke mit hinein spielt.

Bekannt wurde Paul Thek mit der Serie Technological Reliquaries (Technologische Reliquienschreine) – Plexiglaskästen mit realistisch anmutenden Fleischstücken aus Wachs, die er zum ersten Mal 1964 in New York ausstellte. Mit Hilfe der Kontraste von Material und Inhalt bewegt sich Thek mit diesen Objekten - wie auch mit der legendären Installation Tomb (1967) - gleichzeitig zwischen dem scheinbar Realem und dem offensichtlich Artifiziellem.

thek-death-of-a-hippie-1967.jpg

 

“In New York beginnt Thek an einem Abguß seines ganzen Körpers sowie an einer Serie abgegossener Körperteile in Plexiglaskasten zu arbeiten, wobei ihm der Künstler Neil Jenney assistiert. Es entsteht sein erstes Environment, The Tomb (Das Grab), das aus einem hölzernen, rosa gestrichenen Zikkurat und seinem Körperabguß besteht. Auch The Tomb kann als Parodie auf die Miminal Art gesehen werden. The Tomb beginnt seine Ausstellungsreise 1967 in der Stable Gallery und im Whitney Museum of American Art in New York, wo es in The Tomb – Death of a Hippie (Das Grab – Tod eines Hippies) umbenannt-wird, was Thek ein Dorn im Auge ist. `Das Grab hatte nie etwas mit Hippies zu tun… Die Presse hat das angezettelt’, schreibt er auf einer Postkarte an den Kunstkritiker Robert Pincus-Witten. Der schreibt im November 1967 in Artforum: Einerseits findet er [Thek] obsessive und feine Ausflüchte, was die theatralische Konfrontation mit scheinbar nicht vorauszusehenden Situationen und Objekten betrifft, und andererseits versucht er, eine unveränderliche und gelassene Welt zu schaffen, die selbst eine Metapher für Ich-Verlust (Schizophrenie) und Tod (katatonische Paralyse) ist.’ The Tomb wird erneut 1968 in der Ausstellung The Obsessive Image 1960-1968 im Institute of Contemporary Art in London gezeigt.”

Dem Katalog “Paul Thek - The wonderful world that almost was” entnommen, der anlässlich der Retrospektive des amerikanischen Künstlers erschienen ist [Witte de With, center for contemporary art, Rotterdam (03.06.95-08.10.95).

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Die Auswahl der zeitgenössischen, jüngeren Künstler ergibt sich aus ihrer Verwandtschaft zu den genannten Aspekten in Theks heterogenem Schaffen. Ausgehend und beeinflusst von den Ansätzen dieses “Künstler-Künstlers” zeigen sich ihre Arbeiten ohne Anspruch auf Vollständigkeit als selbstständige Positionen im gegenwärtigen Kunstbetrieb, dessen Praktiken heute deutlich andere sind als zu Theks Zeiten. Vor diesem Hintergrund unternimmt die Ausstellung den Versuch, das Werk Paul Theks aus einer neueren, aktualisierten Perspektive in den Blick zu nehmen.

Mit über 350 Kunstwerken ist die Ausstellung die bisher umfassendste Werkschau von Paul Thek. Ein Großteil der mitunter äußerst fragilen Kunstwerke von Paul Thek, aber auch der hier ausgestellten Gegenwartskünstlern, befindet sich in Privatbesitz und wurde daher der Öffentlichkeit bisher nur selten gezeigt.

THEK - Bilderstrecke | ZKM Karlsruhe

VIDEOs | ZKM Karlsruhe
 

Paul Thek
- Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst
| Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
| bis 14. September 2008

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paul-thek-artists-artist | kaufen bei amazonPUBLIKATION

Paul Thek | Artist’s Artist
Edited by Harald Falckenberg
und Peter Weibel

| 550 Seiten
| 300 color illus.
| 200 s&w illus.

Thek´s Behandlung des Körpers in Arbeiten wie “Technologische Reliquienkästchen,” mit ihren castings und Repliken von menschlichen Körperteilen, Gewebe und Knochen, rufen die Aura von christlichen Reliquien herbei und sehen die Arbeit von Damien Hirst voraus. Mit mehr als 500 Abbildungen (300 in Farbe) und neunzehn Essays von: Jean-Christophe Ammann, Margrit Brehm, Bazon Brock, Suzanne Delehanty, Harald Falckenberg, Marietta Franke, Stefan Germer, Kim Gordon, Roland Groenenboom, Axel Heil, Gregor Jansen, Mike Kelley, John Miller, Susanne Neubauer, Kenny Schachter, Harald Szeemann, Annette Tietenberg, Peter Weibel, Ann Wilson.

Zwanzig Jahre nach dem Tod von Thek durch AIDS können wir jetzt seinen Einfluss auf zeitgenössische Künstler wie Vito Acconci und Bruce Nauman Matthew Barney, Mike Kelley, und Paul McCarthy, sowie Kai Althoff, Jonathan Meese, und Thomas Hirschhorn erkennen. Dieses Buch bringt mehr als 300 Arbeiten von Thek zusammen - von denen viele hier zum ersten Mal veröffentlicht werden - und bietet damit die bislang umfassendste Zusammenstellung seiner Arbeit. Das Buch, das die Ausstellungen im ZKM | Museum der Zeitgenössischen Kunst, Karlsruhe und in der Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg begleitet, präsentiert die Arbeit von Thek im Dialog mit zeitgenössischer Kunst junger Künstler und schließt Malerei, Skulptur, Zeichnung, und Installationsarbeit, sowie Fotografien ein.

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Mach Schluss mit dir selbst | Vater der Subversion: Paul Thek

TAGESSPIEGEL online | Carmela Thiele

Rund 300 Exponate wurden zusammengetragen, Skizzenbücher lassen sich elektronisch durchblättern, jede Menge Leinwände, sogar Bronzeplastiken und ein paar kleinere Environments geben einen Eindruck von der ausufernden Produktion Theks. Dazu begnügte sich der Initiator, der Hamburger Sammler Harald Falckenberg, nicht mit einer monographischen Werkschau. Sie ist eingebettet in zum Teil raumgreifende Installationen eines illustren Kreises von Künstlern, die sich zu Thek bekennen: etwa Mike Kelley, Franz Ackermann, Gregor Schneider, Thomas Hirschhorn und Jonathan Meese.

Wozu das alles? Um dem 1988 an Aids gestobenen Künstler posthum Ehre angedeihen zu lassen? Um sein kompromissloses Werk als Leuchtturm für orientierungslose Kunststudenten aufzurichten? Dem entleerten Kunstbetrieb neuen Geist einzuhauchen? „Ein Statement wie Theks ,Get over yourself’ war und ist für junge Künstler zu Beginn der neunziger Jahre ein Motto, das heute, 15 Jahre später schon fast wieder exotisch wirkt, wo das Betriebssystem die Arbeit im Studio völlig aufgefressen hat“, erklärt Axel Heil, selbst Künstler, Professor in Karlsruhe und Thek-Fan die subversive Wirkung des Künstler-Künstlers. Nachdem Mike Kelley zu Beginn der neunziger Jahre einen Aufsatz über den mehrfachen documenta-Teilnehmer veröffentlicht hat, gehörte die Legende Thek zum Palaver am „campfire“ der Studios. Da war es tatsächlich einem Künstler in den sechziger Jahren gelungen, das Zeitkorsett der Institutionen zu brechen und die Ausstellungsräume als Atelier zu übernehmen - ganz abgesehen von seiner totalen, wilden Stillosigkeit.

Nun sitzen wir alle mit am „campfire“. In Zeitlupe tanzt ein Langhaariger in Parka und Jeans zu „Mr. Bojangles“, dem Song über die freien, aber armen Outcasts dieser Welt.

Gerne hätte man mehr erfahren über den damaligen Kontext des Werks von Thek, seine Freundschaft zu Eva Hesse und Susan Sontag, über jene Zeit als das Pop-Environment und das Happening in New York Konjunktur hatten. Denn die „Meat-Pieces“ des deutschstämmigen New Yorkers sind von einem romantischen Tiefgang, der in den USA nur bedingt Anklang fand. Die Serie von 1966, auch „Technological Reliquaries“ genannt, menschliche Fleischfragmente, nachgebildet aus Wachs und präsentiert in transparenten Plexiglas-Zylindern spielen auf den Tod im scheinbar Lebendigen an, auf die „Zahlen und Figuren“, die die Oberhand gewonnen und das nackte Leben auf die hinteren Plätze verwiesen haben. Romantisch ist auch der universell-religiöse Charakter vieler Enviroments, den der katholisch geprägte Künstler immer wieder in Anlehnung an fremde Kulturen suchte.

„Heute geht es darum, dass wir unsere Sinne wiedererlangen. Wir müssen lernen mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen“,

schrieb Susan Sontag 1964 in ihrem Paul Thek gewidmeten Aufsatz „Against Interpretation“ mit dem berühmten Schlusssatz:

„Statt einer Hermeneutik brauchen wir eine Erotik der Kunst.“

Sie empfiehlt den Kunstkritikern und Museumsleuten ein beschreibendes, kein vorschreibendes Vokabular. Doch gilt vielleicht gerade für Thek heute das Gegenteil. Wenn sein Werk nicht gedeutet wird, bleibt es nebulös.

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

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Susan Sontag widmete Paul Thek ihren Klassiker “Gegen die Interpretation / Against Interpretation”. In diesem Manifest greift sie den zeitgenössischen akademischen und kritischen Umgang mit Kunst und namentlich Literatur scharf an. Dieser bestehe darin, die Form und sinnliche Gegenwärtigkeit eines Kunstwerkes als lästiges Beiwerk beiseitezuräumen, um sich seinem vermeintlich ›eigentlichen‹ Kern, dem Inhalt, zuwenden zu können.

“Die Interpretation ist eine radikale Taktik der Konservierung eines alten Textes, der für zu kostbar gehalten wird, als daß er einfach abgelehnt werden könnte und der deshalb neu aufpoliert wird.”

“In einer Kultur, deren bereits klassisches Dilemma die Hypertrophie des Intellekts auf Kosten der Energie und der sensuellen Begabung ist, ist Interpretation die Rache des Intellekts an der Kunst.”

“Mehr noch. Sie ist die Rache des Intellekts an der Welt. Interpretieren heißt die Welt arm und leer machen - um eine Schattenwelt der ?Bedeutungen? zu errichten.”

“Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen. Indem man das Kunstwerk auf seinen Inhalt reduziert und diesen dann interpretiert, zähmt man es.”

 ”…interpretation is the revenge of the intellect upon art (and the world).”  ”Scared by true art, interpretation is our means of taming the work of art.”

susan-sontag-kunst-und-antikunst.jpgSusan Sontag | Kunst und Antikunst:
24 literarische Analysen
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch

Der deutsche Titel dieser Essay-Sammlung aus den 1960er Jahren, die im amerikanischen Original „Against Interpretation” heißt. Übersetzt aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien. Den weltweiten Ruhm und Einfluß von Susan Sontag machen die stimulierenden Ideen aus, die sie in die Diskussion neuer kultureller Phänome eingebracht hat: ihre intelligenten Analysen von Happening, Sciencefiction, Undergroundfilm, Pornographie und Camp - die Personen und Werke von Camus, Ionesco, Beckett, Godard, Sartre u.a. betreffen - sind ein wesentlicher Beitrag in der Entwicklung der Moderne.

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arte-television-europe

 

Um 1960 stand das Werk von Paul Thek ganz im Schatten der amerikanischen Pop Art. Jetzt sind die Werke aus Warhols Factory zu musealen Objekten geworden, aber die Kritik an der Globalisierung ist radikaler denn je: und so ist Paul Thek wieder aktuell.

In den USA der 1960er sind Produktion, Massenkultur und Selbstverherrlichung angesagt. Doch Thek widersetzt sich der von der Pop Art proklamierten seriellen Kunst. Für ihn sind Pop-Künstler blosse Werbeagenten des Neoliberalismus. Amerikaner sein ist für Thek kein Lebensziel, auch nicht der Konsum.

Theks Antwort auf die Pop Art sind seine “technologischen Reliquien”, Fleischstücke in Graburnen aus Plexiglass …

ARTE | Kultur | Ausstellungen

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Das Fleisch an der Kunst

TAZ - Georg Patzer

Verfall, Tod und Mystik sind die Themen von Paul Thek.

Ein schlanker, hoher Plexiglaskasten, gelb angehaucht, stelenartig in den Himmel geschraubt. Glatt, industriemäßig sauber und ohne jede künstlerische Handschrift, wie ihn jeder Handwerker, jeder Hobbybastler nachbauen könnte: So kennt man die oft ein wenig langweilige Minimal Art. Es fehlt einfach das Fleisch in der Kunst. Das muss sich auch der amerikanische Künstler Paul Thek gedacht haben, denn auch er baute einen schlanken, hohen, gelben Plexiglaskasten und zog ihn meterweit in die Höhe. Aber genau in die Mitte, auf Augenhöhe des Betrachters, setzte er richtiges Fleisch. Sehnen, vertrocknete Adern sind zu sehen, man schwankt zwischen Faszination, Ekel und einem zustimmenden Nicken: Genau so muss man mit eingefahrenen Mustern umgehen, muss sie in einem Schwung in eine andere Richtung zerren und vor allem wieder mit Inhalt füllen.

thek-stele-gelb | sammlung falckenberg

 

Eine erstaunliche Vielfalt wird in der Ausstellung im ZKM sichtbar, allerdings auch erstaunliche Qualitätsunterschiede, bis hin zu seinen nichtssagenden Spätwerken, die er kurze Zeit vor seinem Aidstod 1988 gemalt hat. Ergänzt wird die Thek-Schau mit Werken von Künstlerkollegen und Bewunderern, etwa Robert Elfgen, der wie Thek eine Arche baute, oder Kippenberger und Jonathan Meese oder einem hochpolitischen Videoraum von Jon Kessler.

Dieser Teil ist dann doch recht disparat, denn aufgenommen wurden auch Werke, die die Kuratoren irgendwie “an Paul Thek erinnerten”. Das ist zwar manchmal anregend und ab und zu sogar nachvollziehbar, insgesamt allerdings etwas zu wenig, um kunsthistorischen oder -wissenschaftlichen Standards genügen zu können. Und es sieht dann doch ein wenig so aus, als hätten sie die Halle anders nicht voll bekommen.

TAZ - Artikel lesen

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PAUL THEK -
HAMBURG, SAMMLUNG FALCKENBERG -
Tales the Tortoise Taught Us

The Future of the Past,
Vol. 1. Katalog
| von Margrit Brehm,
| Axel Heil & Roberto Ohrt.
| Karlsruhe/Hamburg 2007/08.
| 156 Seiten
| mit 200 meist farb.,
| teils ganzseit. Abb.,
| Bibliographie, broschiert

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Es gibt Künstler, die deswegen nicht vergessen werden, weil andere Künstler sie stets als Beispiel zitieren. Paul Thek gehört dazu. Er genießt Kultstatus. Die Lücke einer Überblickspublikation wird mit diesem Buch endlich geschlossen. Es ist ein Leitfaden in drei Teilen entstanden: Margit Brehm, Axel Heil und Roberto Ort erzählen in ihrem Essay unter dem märchenhaften Titel Tales the Tortoise Taught Us (Geschichten, die uns die Schildkröte erzählte) vom ambivalenten Verhältnis des Künstlers zu seiner amerikanischen Heimat, “Turtle Island”, von Theks ungewöhnlichem, aber zugleich typischem Künstlertum in der Beat- und Hippiegeneration. Thek widersetzt sich der seriellen Kunst der Pop Art als bloßer Konsumkunst und geht eigene Wege, wie in den “technologischen Reliquien”, Theks Antwort auf die Pop Art. Der zweite Teil ist ein chronologisch geordneter Werküberblick von 1963 bis zu Paul Theks tragischen AIDS-Tod 1988. Die chronologische Biografie im dritten Teil des Buches beschreibt detailreich die Stationen seines künstlerischen Lebens, ergänzt durch zahlreiche Original-Zitate.

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Paul Thek
| Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst
| Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
| bis 14. September 2008

der-rechte-weg-videostill.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Deichtorhallen, Hamburg |

Die Ausstellung ist bis zum 31. August 2008 für Deutschland exklusiv in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen und wird danach aufgelöst. Somit ergibt sich die letzte Gelegenheit für viele Jahre, das Werk der beiden Künstler im Überblick zu sehen. Die in Kooperation mit der Tate Modern, London, und dem Kunsthaus Zürich entwickelte Ausstellung bietet den ersten umfassendsten Überblick über das vielfältige und hintergründige Werk der beiden Künstler, die seit 1979 zusammen arbeiten.

Peter Fischli (* 1952) und David Weiss (* 1946)

sind die international bekanntesten Schweizer Künstler ihrer Generation. Ihr Werk zählt zu den einflussreichsten Positionen der Gegenwartskunst. Es verbindet die Medien Fotografie, Bildhauerei und Film in eigenwilliger und überraschender Weise, wobei das Ab- und Hintergründige des Banalen und Einfachen das durchgehende Thema ihrer künstlerischen Arbeit bildet.

Die Ausstellung präsentiert in der Raumgestaltung durch Peter Fischli und David Weiss 25 Ensembles, die jeweils einem Thema und einer anderen medialen Möglichkeit der Kunst in unserer  Zeit gewidmet sind. Darunter befinden sich auch ganz neue Werkreihen, die bei den ersten Stationen der Ausstellung in  London, Paris und Zürich noch nicht zu sehen waren, wie beispielsweise die “Tonskulpturen” aus ungebranntem Ton von 2007. Aber auch die Ensembles, die bereits in den ersten Stationen der Ausstellung zu sehen waren, werden dank des umfassenden Raumangebots der großen Deichtorhalle in Hamburg nun erstmals vollständig gezeigt.

Speziell für die große Deichtorhalle haben Peter Fischli und David Weiss in den letzten Monaten eine Raumgestaltung entwickelt, mit der die Architektur der Halle in neuer Weise erlebbar wird. In der Reihe der monographischen Ausstellungen, die seit 2005 in der Halle stattfinden, tritt diesmal das Spiel mit Helligkeit und Dunkelheit im Dialog mit der Industriearchitektur der Halle hinzu. Die großzügig angelegten Räume der Ausstellung versetzen den Betrachter in jeweils unterschiedliche Welten, vom Exotismus der großen Farbfotos von Flughäfen und Blumenensembles bis zur Reflexion über Bildhauerei in den “grauen Skulpturen” und neuen, von der digitalen Technologie inspirierten Arbeiten wie “Surrli” und “Fotografias”.

Peter Fischli / David Weiss: Fragen & Blumen
| Deichtorhallen Hamburg
| bis 31. August 2008

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KATALOG | Fragen & Blumen -
Eine Retrospektive

| 352 Seiten
| Deutsche Ausgabe
| Ill., z. T. farbig
| 22,5 cm

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Frechheiten

Das Wetter ist meist schlecht

FR online - Sandra Danicke

Die “Airports” sind eine Frechheit. So wie zuvor schon die Blumenfotos und eine in ihrer Scheußlichkeit kaum zu überbietende Polyurethan-Skulptur eine Frechheit gewesen waren. Die einen hübsch und damit scheinbar belanglos, die andere ein zugespitzter Brachialkitsch, wie man ihn in dieser Potenz nicht einmal auf Deutschlands Einkaufsstraßen findet.

Jetzt also steht man im zweiten Raum der Retrospektive von Peter Fischli und David Weiss in den Hamburger Deichtorhallen, sieht Flughafen-Fotos und fragt sich: Was soll das? Und merkt lange nicht, dass es genau diese Frage ist, die man sich im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst schon viel zu lange nicht mehr ernsthaft gestellt hat.

Egal, ob da ein Putzlappen im White Cube gelegen hatte, der Ausstellungsraum demonstrativ verschlossen oder leer war, ob man kitschige Katzenbilder zu sehen bekommen hatte oder Filme, in denen gar nichts passiert - stets hatte man als Kunstkenner einen Referenzrahmen parat, konnte ein- oder zuordnen, verwerfen oder grandios finden. Bei Fischli/Weiss macht sich die lang vermisste Ratlosigkeit breit.

FR - Artikel lesen

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Catwalk der Würstchen

TAGESSPIEGEL - Nicola Kuhn

Seit das Schweizer Künstlerduo Künstlerduo Fischli/Weiss vor knapp dreißig Jahren mit seiner Zusammenarbeit begann, hat der Humor in die sonst so strenge zeitgenössische Kunst Einzug gehalten.  
 
Ein Riesentopf steht in der Mitte des Saals, rund und hoch, wie in den Afrikakarikaturen, in denen der unter die Wilden gefallene Forscher auf sein letztes Stündlein harrt und noch einen lakonischen Kommentar zum Besten gibt. Im Kochgefäß des Schweizer Künstlerduos Peter Fischli und David Weiss hockt zum Glück kein Safari-Delinquent. Stattdessen stehen auf der Innenwand Fragen über Fragen: „Bin ich ein Schwamm?“ – „Wandern die Seelen?“ – „Ist alles vorbestimmt?“

Oder: „Ist das Essen fertig?“– „Fährt noch ein Bus?“ Oder: „Quäle ich mich unnötig?“ – „Muss ich fröhlich sein?“ Auf den ersten Blick mag man auch Fischli/Weiss für Karikaturisten halten, die ihren Scherz nur dreidimensional betreiben. Doch wer länger seine Nase in ihren „Fragentopf“ hält, kommt aus dem Schmunzeln plötzlich ins Grübeln: Ist hier das Lachen wirklich erlaubt? Darf Kunst überhaupt witzig sein?

TAGESSPIEGEL - Artikel lesen

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Verdrehte Wirklichkeit

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Anette Schneider

Für ihre umfangreiche Retrospektive haben Fischli und Weiss die Deichtorhalle umbauen, Wände einziehen und so neue Räume schaffen lassen. Anders als in London und Zürich sind in Hamburg alle Werkgruppen vollständig versammelt. Auch sind noch zusätzliche Arbeiten zu sehen.

Allerdings irritiert die Konzeption: die Künstler zeigen hier Fotografien, Filme und Skulpturen streng voneinander getrennt, was der Ausstellung einen merkwürdigen Ernst verleiht. Auch verhindert diese Präsentation das Vergnügen, die drei Kunstgattungen in einem Raum zu erleben und damit unmittelbar zu sehen, wie sich Fotografie, Skulptur und Film aufeinander beziehen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung: der Film “Lauf der Dinge”. 1987 machten sich Fischli und Weiss an dieses 30-minütige Feuerwerk aus irrwitzigen Kettenreaktionen, die ein Autoreifen auslöst, der - vorsichtig angetippt - langsam eine Schräge hinabrollt.

VIDEO | Der Lauf Der Dinge 1986 | Ausschnitt “Feuerteil”

DVD | Der Lauf der Dinge / The Way Things Go [UK IMPORT]
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Auch andere Filme gibt es zu entdecken. Etwa “Ratte und Bär”, in denen die beiden in absurden Ratte- und Bärkostümen mit sehr denkerischem Gestus durch Wälder und Gebirge streifen und einsam-genialische Künstler mimen.

“Und für diese Filme ‘Ratte und Bär’ haben sie als Erklärung dann ein Heft mit veröffentlicht mit lauter Diagrammen. Und das war eine wirkliche Parodie auf Josef Beuys und auf die Ernsthaftigkeit, in der Beuys und überhaupt die Kunst damals aufgetreten ist.” ( Deichtorhallenleiter Robert Fleck )

Mit diesem Humor stellen die beiden immer wieder vermeintlich Selbstverständliches in Frage, führen die Absurdität im Banalen vor, und spielen mit unserer Wahrnehmung …

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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Meuterei der Mode-Würstchen

SPIEGEL online - Jenny Hoch

Verkleidete Würstchen, flammenschlagende Kettenreaktionen: Das legendäre Künstlerduo Fischli/Weiss brachte den Humor in die Kunst. Jetzt offenbaren die Kindsköpfe ihre dunklen Seiten - mit Zivilisationsschrott und Höllenskulpturen.

Die beiden balancieren sicher auf dem schmalen Grad zwischen Trivialem und Intellektuellen, und geht doch mal ein Schritt daneben, wie zum Beispiel die eher austauschbare Bilderansammlung “Sichtbare Welt”, verzeiht man ihnen das gerne. Und schmunzelt über ihre wunderbar skurrilen Arbeiten, die niemals mit großer Geste daherkommen, sondern stets leise und mit hintergründigem Humor.

Doch unversehens wechselt Launiges mit Ernsthaftem, und spätestens, wenn man vor der düsteren, höllenartigen Skulptur “Boite de Nuit (Fieber)”, der tristen Fotoserie “Agglomeration” oder dem mit Zivilisationsschrott beladenen “Floss” steht, das von Krokodilen und Flusspferden umkreist wird, ist die lustige Diskostimmung verflogen. Denn Fischli und Weiss haben, das übersieht man leicht anhand der Fülle an witzigen Arbeiten, durchaus eine dunkle Seite.

Die Ausstellungsarchitektur nimmt diese bisher oft vernachlässigte Ernsthaftigkeit von Fischli und Weiss geschickt auf. Sie veranstaltet kein Kasperletheater, sondern ordnet die Werkgruppen in mal hellen, mal dunklen, doch stets formal streng gegliederten Räumen.

SPIEGEL - Artikel lesen

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Peter Fischli und David Weiss sind zu ihrer großen Retrospektive nach Hamburg gekommen. Einer Ausstellung, die sich nicht in ausufernden Theorien verstricken soll. Die Lust am Banalen ist das Leitmotiv ihrer Kunst. Sie adaptieren Gegenstände und Situationen des Alltags und stellen sie mit Humor in einen künstlerischen Kontext. Immer wieder wird in diesen Arbeiten die Vorstellung von Wirklichkeit in Frage gestellt.

ARTE | Kultur | Ausstellungen

| VIDEO-Reportage ansehen (wmv video)

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Zur Ausstellungsstation Kunsthaus Zürich in 2007:
Die Kohlköpfe Arkadiens

NZZ - Urs Steiner

Fischli/Weiss sind dann richtig gut, wenn Uneingeweihte gar nicht merken, dass hier jemand Kunst gemacht hat. Dann kommen ihre Subversivität, ihr Changieren zwischen heiligem Ernst und abgründigem Witz am besten zum Ausdruck. Wie selbstverständlich nehmen die Dinge dann ihren Lauf.

Dichotomien sind ein grundlegendes Arbeitsinstrument von Fischli/Weiss. Immer wieder werden Sinnlichkeit und Rationalität auseinanderdividiert und neu miteinander in Beziehung gebracht - ein Vorgang, der sich im Ausstellungstitel «Fragen & Blumen» widerspiegelt. Die unter dringendem Kitschverdacht stehenden Blumenbilder etwa sind Resultat von Doppelbelichtungen und somit Kompositionen des Zufalls. Anderseits arrangieren die Künstler ihre an Max Frisch gemahnenden, streng rationalen Fragenkataloge zu luftigen Projektionen.

NZZ - Artikel lesen

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Die Fischli/Weiss-Schau war vorher bis 14.01.2007 in der Tate Modern, London zu sehen.
The Flowering Of A New Unreality

Hier der Link zu einem bebilderten Artikel des New Yorker Kunstkritikers Jan Avgikos im TATE ETC. Magazine — Issue 8 / Autumn 2006 anlässlich der Tate Modern Schau.

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Peter Fischli / David Weiss: Fragen & Blumen
| Deichtorhallen Hamburg
| bis 31. August 2008

foto-triennale-hamburg-2008-katalog | kaufen bei amazonKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT TdF Hamburg |

In über siebzig Ausstellungen an zahlreichen Veranstaltungsorten in und um Hamburg, in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentieren die Veranstalter bis zum 20. April 2008 national und international renommierte Fotokunst. Von historischen bis zu zeitgenössischen Fotografien ist das gesamte Spektrum des Mediums vertreten.

Neben dem einmaligen Ausstellungsprogramm der zehn der großen Hamburger Museen umfasst das Programm der Galerien Ausstellungen internationaler und nationaler Künstler. Existierte zur Zeit der ersten Triennale 1999 keine einzige Kunstgalerie in der Stadt, die sich ausschließlich der Fotografie widmete, so sind es heute bereits sechs Fotogalerien.

4. Triennale der Photographie in Hamburg
| bis 20. April 2008

KATALOG
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foto-triennale-hamburg-guide-2008.jpg140 Fotografen, kein Konzept

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst

Mit Fischli und Weiss, Candida Höfer, F.C. Gundlach und Thomas Demand setzt die vierte Foto-Triennale in Hamburg hauptsächlich auf renommierte Künstler. Neues gibt es für den Besucher daher selten zu sehen. Auch ein Gesamtkonzept, das die über 80 Ausstellungen miteinander verbindet, ist kaum zu erkennen.

Insgesamt fällt auf, dass es der Fototriennale Hamburg trotz beträchtlichen Wachstums der Besucher- und Ausstellungszahlen seit 1999 immer noch nicht gelungen ist, eine klare Konzeption zu finden. Das fällt offenkundig inzwischen auch dem Spiritus Rector auf, dem Modefotografen und Sammler F.C. Gundlach, der vor versammelter Presseschar seinen Unmut über genau diese Uneinheitlichkeit bekundete:

Wir haben ja versucht, die letzten drei Triennalen immer ein Motto über die Gesamtveranstaltung zu finden, das war schwierig, und die Häuser haben sich schwierig getan, dann Ausstellungen zu machen, die in das Thema hineinpassen, obwohl man könnte ja langfristig vielleicht mal disponieren, aber gut, das ist keine Kritik…

Ist es eben doch. Hamburg hätte gern eine so etwas wie eine Kunstmesse oder wie eine Kunstbiennale, irgendetwas, um ein bisschen im Konzert der Kulturstädte mitzuspielen, aber da es solche Veranstaltungen andernorts bereits im Überfluss gibt, versucht man sich in einer Kombination. Bei der Fototriennale wirken die großen und kleineren Museen der Stadt zusammen, private Galerie klinken sich ein und wollen nebenbei ein bisschen was verkaufen, und man möchte vor allem auch die Amateur- und Pressefotografenszene mit Workshops und Marketingveranstaltungen beglücken. Grosses Vorbild ist das Fotofestival in Arles, bei dem allerdings dann doch ein etwas anderer Wind weht und immer wieder interessante Positionen von Amateurfotografen entdeckt werden.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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4. Triennale der Photographie
in Hamburg
| bis 20. April 2008
 

Félix Vallotton. Idylle am Abgrund

März 14, 2008 | Comments Off

vallotton KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Hamburg |

Bis zum 18. Mai 2008 zeigt die Hamburger Kunsthalle den kühlen Beobachter bürgerlicher Doppelmoral, dessen Werke bereits Elemente aus dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit und der Metaphysischen Malerei vorwegnehmen.

Die Ausstellung Félix Vallotton. Idylle am Abgrund entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Der Züricher Ausstellung der Malerei wurde in Hamburg eine Graphikauswahl hinzugefügt. Die Schau versammelt damit mehr als 70 Gemälde, über 50 Holzschnitte sowie Plakate, Bücher, Illustrationen und Vignetten dieses faszinierenden und in Deutschland zu unrecht wenig bekannten Künstlers.

Bizarre Posen, verschämte Umarmungen, schweigende Interieurs, beredte Schatten - Félix Vallottons Kunst ist von beißendem Sarkasmus und schwarzem Humor durchdrungen und machte ihn zu einem international beachteten Avantgardisten der Moderne. Vallottons Bilder verstören, entblößen, fesseln den Blick – heute wie schon 1909, als zu seiner ersten Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich Jugendlichen der Zutritt verwehrt wurde, weil man die Akte als anstößig empfand.

Vallottons Akte und Interieurmotive handeln von Entblößungen und Ehebruch, hinter schweren Gardinen verborgen, umgeben von Nippes und Tand: Vallottons Figuren sind in ein engmaschiges Netz aus Betrug und Bedrängnis eingesponnen. Stilistisch irritieren Vallottons Arbeiten dabei durch ihre Künstlichkeit: Stillleben aus intensiven Farbfeldern, leere Landschaften mit markigen Hell-Dunkel-Kontrasten oder Portraits von eigenwilliger Härte.

Seine Aktdarstellungen sind in ihrer unterkühlten Erotik und sachlich-realistischen Malweise von überraschender Modernität. Der offenkundige Zwiespalt zwischen Trieb und Moral, das komplexe Stimmungsgeflecht aus Distanz und Nähe sprengte für Vallottons Zeitgenossen oftmals die Grenze des Erträglichen. Geradezu psychoanalytisch untersucht er seine Aktmodelle, ungeschönt, mit schielendem Blick, unterschiedlich geformten Brüsten und tiefem Haaransatz.

In Lausanne 1865 geboren, studierte Vallotton (1865-1925) in Paris im Kreis der Künstlergruppe Nabis, zu der auch Edouard Vuillard und Pierre Bonnard gehörten. Er arbeitete als Illustrator und Journalist, schrieb Theaterstücke, die – genau wie seine Bilder – provozierten und bürgerliche Konventionen hinterfragen. Der offenkundige Zwiespalt zwischen Trieb und Moral, das komplexe Stimmungsgeflecht aus Distanz und Nähe sprengte für Vallottons Zeitgenossen oftmals die Grenze des Erträglichen.

Félix Vallotton. Idylle am Abgrund
| Hamburger Kunsthalle
| bis 18. Mai 2008

Ambitioniertes Vallotton-Online-Special
des Kunsthauses Zürich
anlässlich der am 13.1.2008 beendeten Ausstellung

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vallotton-idylle-am-abgrund-zuerich-hamburg-2008-katalog | kaufen bei amazon KATALOG

Félix Vallotton. Idylle am Abgrund

| Leinenband
| mit Schutzumschlag
| 192 Seiten,
| 91 farbige und
| 10 sw Abbildungen
| 22 cm x 27 cm

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Der Künstler Félix Vallotton (1865–1925) war ein intelligenter Beobachter seiner Zeit. In Lausanne geboren, studierte er ab 1882 in Paris im Kreis der Künstlergruppe «Nabis», schrieb Theaterstücke und arbeitete als Illustrator für avantgardistische Zeitschriften. Schamvoll und schamlos waren seine Entblössungen, die Maskerade der porträtierten Modelle nicht selten befremdlich.

Durch ironische und gesellschaftskritische Themen setzte sich Vallotton von seinen Zeitgenossen ab: Weder scheute er karikierende Anspielungen, noch wahrte er den Schein der bürgerlichen Idylle. Seine Kunst war indiskret und bisweilen von schwarzem Humor und beißendem Sarkasmus durchzogen. Die merkwürdigen Pointierungen machten Vallotton zu einem international beachteten Avantgardisten am Beginn der Moderne.

Der reich bebilderte Katalog fokussiert auf Vallottons malerisches Werk aus allen Schaffensphasen und Gattungen. Die Autoren spüren in Essays und detaillierten Bildbeschreibungen den eigenwilligen Bildfindungen des Künstlers nach und gehen der irritierenden Künstlichkeit auf den Grund, die seine Gemälde prägen.

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PRESSESPIEGEL
zu den Austellungen in Zürich und Hamburg

Dieses leidenschaftliche Beobachten

NZZ - Maria Becker

Die Ausstellung zu Vallottons Werk im Kunsthaus Zürich ist nicht als Retrospektive angelegt. Es wurde vielmehr eine Auswahl getroffen, die eine subjektive Sicht auf den Schweizer Künstler nahelegt. Einige der 90 ausgestellten Bilder provozierten vor hundert Jahren Kontroversen und werfen noch heute Fragen zur Persönlichkeit des Malers auf.

«Lebenslang bin ich der gewesen, der hinter einer Glasscheibe steht und zuschaut, wie draussen gelebt wird, und nicht mit dabei ist.»

Die Distanz zum Leben ist ein Grundmotiv in Vallottons Dasein und in allen Phasen seiner Kunst präsent. Zwei Selbstporträts in der Ausstellung, eines des Zwanzigjährigen, das andere ein Bild des etablierten Künstlers in reifen Jahren, zeigen dies: Beide blicken nur verhalten und von schräg von der Seite zum Betrachter, so, als könne der Maler das, was er sieht, nur scheu aus den Augenwinkeln betrachten. Doch es scheint, dass der scheue Blick nicht etwa ein weniger scharfer war – im Gegenteil. Das, was man nicht direkt anzuschauen wagt, wird umso schärfer beobachtet. Vallottons Selbstporträts offenbaren den Blick des Voyeurs.

vallotton_selbstportrait-jung-alt.jpg

Nur wer so aus der sicheren Distanz beobachtet, kann die Gegenstände des Begehrens kontrollieren. Es ist ein bisschen wie beim alten Degas, der das Treiben der Bordelle als unbeteiligter Aufzeichner wiedergibt und doch mittendrin ist. Vallottons Akte, die so ungeschönt die Verwerfungen des Fleisches und die kleinen Plumpheiten des weiblichen Körpers abbilden, scheinen kühl und eindringlich zugleich, präzise Studien von Farbe, Plastik und Taktilität. Manchmal sind sie losgelöst vom individuellen Modell; ein einzelnes Hinterteil, ein Arrangement von Rücken wird zum bildfüllenden Motiv. vallotton-chapeau-violet-1907.jpg

Andere Darstellungen sind so persönlich, dass man den Atem und den Duft der Haut zu spüren scheint, wie bei der blonden Dame, die eben gerade dabei ist, ihre Brüste zu entblössen, und ihren eleganten Hut noch nicht abgenommen hat («Le chapeau violet», 1907).

NZZ - Artikel

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Liebende Schonungslosigkeit

ZEIT online - Karin Geil

Kaum ein Maler changiert in seinem Werk so zwischen Anziehung und Abstoßung wie Félix Vallotton. Die Hamburger Kunsthalle würdigt den Schweizer Visionär und Wegbereiter der neuen Sachlichkeit nun in einer Ausstellung.

Vallotton hatte viele Gönner und Bewunderer, zu denen auch Frauen gehörten. Die Künstlerin und Schriftstellerin Louise Hervieu schwärmte 1919 in einem Aufsatz:

“Frauen, kleine und große, Ihr werdet ihn lieben können, denn er wird Euch alle geliebt haben in Eurer anrührenden Menschlichkeit, die Mageren, die Dicken, die Brünetten, die Blonden, die ‘Negerinnen’. Die Sorgfalt, die er aufwendet, um die Krümmungen Eurer Körper zu studieren, ohne die amüsanten Fehler zu vergessen: zu dürre Arme oder kleine aufgeblähte Bäuche, zu große Polster, dies macht ihn zu Eurem beflissensten Freund.”

Und an Vallotton selbst schrieb sie:

“Man wirft Ihnen bisweilen Kälte vor. Aber dieses leidenschaftliche Beobachten: Ist das nicht Liebe, Liebe, die sich verdichtet und sammelt, um besser umarmen zu können - und sich nie stillt?”

ZEIT - Artikel lesen

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Klinische Anmut

DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Christian Gampert

Synthetisch, in ihrer Klarheit und Ungeschminktheit fast brutal, so erscheinen die Porträts und Landschaftsmalereien des Schweizer Künstlers Félix Vallotton. Als Vertreter der klassischen Moderne ist er in Deutschland weitgehend unbekannt. In der Schweiz - der Villa Flora in Winterthur und im Züricher Kunsthaus - sind eine Auswahl seiner Malereien und Grafiken zu sehen.

Félix Vallotton, am Genfer See geboren, 1882 als 17-Jähriger nach Paris ausgewandert, ist wahrscheinlich einer der unterschätztesten Künstler der klassischen Moderne. Daß man ihn in Deutschland nur unwillig rezipiert hat, liegt vor allem an dem 1915 erschienenen Holzschnitt-Zyklus “C’est la guerre”, der zwar den Weltkrieg geißelt, dabei aber vor allem die deutschen Barbaren im Auge hatte. Von der Druckgrafik kommt er her, den scharfen Linien und radikalen Flächen - sarkastische Stilmittel, die ab 1900 in seiner Malerei dann zu einer kalten Lakonie weiterentwickelt wurden.

Vallotton leiht sich, bei dogmatischer Ablehnung alles Impressionistischen, Elemente diverser Schulen aus oder nimmt sie vorweg, vom Jugendstil bis zum Hyperrealismus. Klassizismus, Fotografie, neue Sachlichkeit - alles kann man bei ihm sehen, das Verschwimmen zur Abstraktion wie beim späten Hodler in den Landschaften oder die nüchtern gehaltene Depression wie bei Edward Hopper.

DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen

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Es wird etwas passieren

FR online - Sylvia Staude

Das Unangenehme und Starke, die lebenspralle Düsternis, die Ahnung eines Geheimnisses, sie haben ihren Ursprung im Subtext, der allen Bildern gleichsam eingeschrieben ist, selbst wenn es sich “nur” um Stillleben oder Landschaften handelt. Irgendetwas ist bereits passiert oder wird gleich passieren.

Der Himmel über der Strandpromenade ist gewitterdunkel, der Wind bläst eine Staubfontäne hoch oder biegt die Bäume krumm, die über dem Meer untergehende Sonne findet keinen Widerschein im schwarzen Tang. Am unheimlichsten aber ist “Der Teich” (1909), eine fast schwarze, dicht von Algen eingefasste Fläche, auf der sich am rechten Bildrand das Wasser kräuselt. Die Stimmung ist so, dass man sich keinen unschuldigen Grund für dieses Kräuseln vorstellen kann: Hier kommt bestimmt gerade ein Ungeheuer hoch.

Zumindest zeitweise scheint Vallotton an Depressionen gelitten zu haben. “Der Schwierige” nennt ihn Werner Weber in seinem Nachwort zum Roman “Das mörderische Leben”. Félix Vallotton, der Vieltalentierte, hat sich auch als Schriftsteller betätigt, sein 1907/08 geschriebenes, aber erst postum erschienenes “mörderisches Leben” ist ein bestürzender Text. Mit eigentümlicher Lakonie und Ironie - die gibt es auch in seinen Bildern - erzählt ein junger Mann (ein Kunstkritiker!) darin, welche Ereignisse ihn zum Selbstmord getrieben haben. Freunde, Bekannte und zuletzt die Geliebte kommen durch etwas ums Leben, was er tut oder unterlässt, obwohl es ihm fern liegt, sie umbringen zu wollen. Als verfluchter Pechvogel sieht er sich - und bemitleidet sich selbst am meisten.

FR - Artikel lesen

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vallotton-roman-das-moerderische-leben | kaufen bei amazon

 

ROMAN | Das mörderische Leben
Von Félix Vallotton
Aus dem Französischen neu übersetzt und mit einem Nachwort versehen
von Werner Weber

| 260 Seiten
| 7 sw Abbildungen
| 12.5 x 20.5 cm
| Leinen mit Schutzumschlag

 

«Das Modell stand auf einem ziemlich hohen Tisch. Um von da herunterzukommen, war eine Hilfe nötig. Ich bemerkte, dass sich das Mädchen danach umsah. Ich war in der Nähe. Einer doch wohl verständlichen Regung folgend, streckte ich ihr die Hand hin. Ihre schönen, sanften Augen dankten mir mit einem bezaubernden Zwinkern, aber aus Unachtsamkeit verfehlte sie die Hand. Ich versuchte, ihr beizuspringen, und verfehlte sie nun meinerseits – kurz, sie stürzte so scheußlich, daß ihr armer nackter Körper voll auf den rotglühenden Ofen aufschlug. Sie stieß einen fürchterlichen Schrei aus…»

Unter den Dichtungen, die der große Graphiker und Maler Félix Vallotton hinterlassen hat, ragt der Roman «Das mörderische Leben» – «La Vie meurtrière» – als ein tiefgründiges Lebensbild hervor; Schuld, Leiden und Liebe eines jungen Mannes zwischen zwei Frauen kommen darin unter schicksalsvollen Fügungen ans Licht. Glück heißt das Ziel, das alle suchen, und auf dieser Suche werden sie das Unglück nicht los - mörderisches Leben.

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Der Fremde der Moderne

NZZ - Gerhard Mack

Félix Vallotton fasziniert mit seinen Bildern ambivalenter Räume und Figuren bis heute. Ausstellungen in Zürich und Winterthur zeigen ein überraschendes Bild des Schweizer Malers.

Er beobachtet so unsentimental schonungslos, dass eine Gertude Stein sein Porträt von ihr nie fotografieren liess, Picassos bekanntes Werk hingegen stolz den Besuchern vorführte. Er malt bürgerliche Interieurs als Schauplätze verschwiegener Handlungen, und seine Stillleben sind bei aller Präzision so künstlich, dass sie nicht das Vergehen der Zeit, sondern ihren Stillstand zeigen. Vallotton ist trotz seiner Zugehörigkeit zur Künstlergruppe der Nabis in der Kunst der Moderne der Fremde schlechthin, der die Menschen und Dinge in der Farbe tiefgefriert, bis sie selbst da unberührbar sind, wo ein weibliches Gesäss bis zur Orangenhaut belebt ist.

Der Zwischenraum der Blicke ist leer und kalt. In ihm vereisen die Bilder, Gedanken und Gefühle, aus ihm können auch Figuren aufscheinen, welche die Grenze zu Kitsch und Peinlichkeit ohne jede Eleganz überschreiten. Sie stellen dadurch die Distanz her, die der Maler braucht, um die Welt so nah und unberührbar darzustellen, wie sie jenseits der Zeit nur erscheinen kann.

NZZ - Artikel lesen

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Félix Vallotton in der Villa Flora, Schweiz

Die ab 1908 von Arthur und Hedy Hahnloser aufgebaute Vallotton-Sammlung umfasst alle von ihm behandelten Gattungen: Interieurs, die als Bühne für vieldeutige Rollenspiele dienen; Stillleben mit ihren Andeutungen von Vergänglichkeit; Parisbilder, die nicht nur die glänzende Entwicklung der modernen Großstadt, sondern auch ihre Kehrseite vor Augen führen; Landschaften, Porträts, Akte und mythologische Szenen, in denen Vallotton die Geschichten aus der Antike als modernen Geschlechterkampf interpretiert. Einen Höhepunkt bildet ‘La Blanche et la Noire’ – das vielschichtigste und in der spannungsvollen Konfrontation eines weißen Aktes mit einer schwarzen Frau auch das provozierendste Werk der Ausstellung.

vallotton-la-blanche-et-la-noire.jpgFelix Vallotton
La Blanche et la Noire, 1913
Öl auf Leinwand, 114 x 147 cm
Hahnloser/ Jäggli Stiftung
Villa Flora Winterthur
Fotografie: Reto Pedrini, Zürich

Die Schwarze stellt Vallotton nicht mehr im hierarchischen Gefälle zur weißen Frau als Dienerin dar, wie dies im 19. Jahrhundert vor allem in der Orientmalerei üblich war, sondern als starke Frau, die durch das freche Attribut der brennenden Zigarette als emanzipierte, moderne Pariserin charakterisiert wird. Mit den für ihn charakteristischen ironischen Brechungen belässt Vallotton der Bildaussage bei allen kunsthistorischen und gesellschaftspolitischen Bezügen ihre Offenheit und Vieldeutigkeit.

Félix Vallotton in der Villa Flora, Schweiz
| bis 28. September 2008

KATALOG kaufen bei amazon

| 136 Seiten
| 55 farbige und
| 15 sw Abbildungen
| 23 x 28 cm

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Félix Vallotton. Idylle am Abgrund
| Hamburger Kunsthalle
| bis 18. Mai 2008

Ambitioniertes Vallotton-Online-Special
des Kunsthauses Zürich
anlässlich der am 13.1.2008 beendeten Ausstellung

Studentenbaby

März 7, 2008 | Comments Off

studentenbaby-flyervorderseite.gifKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Studentenbaby, Hamburg |

Sie träumen von einem Kind - Wir haben die Lösung!

studentenbaby.de ist eine Gruppe von Studierenden aus Hamburg, die im Rahmen einer künstlerischen Aktion eine Plattform geschaffen haben, um studentische Leihmütter und Samenspender zu vermitteln. So soll eine Alternative zu den Studienkrediten und damit zu einer frühen Abhängigkeit der Studierenden von halbstaatlichen Finanzquellen geboten werden.

„Der Staat, in dem der Reichtum der Eltern über die Zukunft des Kindes entscheidet ist für uns menschenunwürdig!“  (www.studentenbaby.de)

Unter dem Leitgedanken „Kind gegen Studiengebühr“ stellen sich auf studentenbaby.de Studierende als Leihmütter und Samenspender zur Verfügung, um auf diesem Weg gegen die Einschränkung der Bildungsfreiheit in Deutschland zu protestieren und sich ihr Studium zu finanzieren. Kunden haben hier nicht nur die Möglichkeit, für 500 € ein Studentenbaby mit den Erbanlagen Ihres Lieblingsstudierenden zu erwerben, sondern sichern so zusätzlich einem jungen Menschen seine akademische Zukunft.

studentenbaby.de garantiert eine reibungslose Kontaktvermittlung, professionelle medizinische Betreuung von Kunden und Studierenden und eine verantwortungsvolle Begleitung des Studentenbabys bis zu seiner Geburt Wir schenken Leben. Schenken Sie Zukunft.

studentenbaby.de versteht sich als Protest gegen die Studiengebühren, die nicht zu einer Verbesserung der Lehre führen, sondern nur zu einer Umverteilung der Finanzen. Dies führt auf lange Sicht zu einer Verringerung staatlicher Bildungssubventionen, zur Herausbildung von Unternehmensstrukturen an Universitäten und Hochschulen und letztlich zu einer von wirtschaftlicher Seite geforderten Erhöhung der Gebühren, wie sie in anderen Ländern seit längerer Zeit Realität ist.

Der künstlerische Protest richtet sich gegen die Materialisierung von Bildung, der auf diesem Wege die Materialisierung von Körper und Erbgut entgegen gesetzt wird.

studentenbaby.de

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Mit Absicht unter die Gürtellinie

TAZ - Florian Zinnecker

Geschmacklos, aber politisch: Eine Gruppe Hamburger Kunst- und Theaterstudierender bietet sich im Internet als Leihmütter und Samenspender an - im Tausch gegen einen Satz Semestergebühren. Das ist illegal und will als künstlerischer Protest gegen die “Materialisierung von Bildung” verstanden werden.

Andere gehen auf die Straße oder überweisen einfach nicht. Beides haben die Studierenden der Hamburger Kunsthochschule und der Hochschule für Musik und Theater längst hinter sich - erfolglos. Ihr Protest gegen Studiengebühren geht seit drei Wochen einen Schritt weiter - und überschreitet, so meinen viele, auch die Grenzen des guten Geschmacks: Mit Foto und Steckbrief auf der eigens gegründeten Online-Plattform studentenbaby.de bieten sich Studentinnen als Leihmütter an. Etwa Carla, 21: Umfangsmaße 84-67-88, Abischnitt 2,0, Sozialmilieu: Mittelstand. Ihre männlichen Kommilitonen verhökern währenddessen Sperma - darunter Daniel, 21: Blutgruppe A, IQ 142, soziales Umfeld stabil.

TAZ - Artikel lesen

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studentenbaby.de

joos-van-craesbeeck.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Bucerius Kunst Forum |

Mit Schrecken und Lust. Die Versuchung des heiligen Antonius von Hieronymus Bosch bis Max Ernst zeigt das Bucerius Kunst Forum in Hamburg eine neue Ausstellungsreihe. Eine lose Folge von Themenausstellungen wird in den kommenden Jahren die Bildgewalt der alten Meister auf den Prüfstand stellen. Die aktuelle Ausstellung ist bis zum 18. Mai 2008 zu sehen.

Die Legende vom verführten, bedrängten und gequälten Eremiten Antonius bot Künstlern seit dem späten Mittelalter reichen Stoff für phantastische Bildwelten: Hässliche Dämonen treffen auf laszive Schönheiten, kuriose Mischwesen bevölkern bizarre Landschaften, die Grenzen zwischen Schein und Sein, Wunsch- und Alptraum verschwimmen.

Die von Athanasius überlieferte Legende des von Reichtum und Schönheit versuchten, von Dämonen verfolgten heiligen Antonius ist von Lucas Cranach bis zu Henri Fantin-Latour, von Hieronymus Bosch bis zu Max Ernst in einer Weise aktuell geblieben, die überrascht.  Die Ängste des Antonius beschäftigen uns heute ebenso, wie sie namhafte Künstler der letzten 500 Jahre zu einem Surrealismus vor der Zeit stimulierten.

Die Ausstellung bietet den ersten repräsentativen Überblick über die Geschichte der Identifikation der Künstler mit diesem Thema. Sie versammelt 70 Gemälde, Zeichnungen, Radierungen und illustrierte Bücher vom Beginn des 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, von den frühen Kodices über die Bildwelten des Hieronymus Bosch bis zu ihrer Persiflage bei David Teniers und Felicien Rops, darunter Werke von Paolo Veronese, Jan Bruegel d.J., Salvator Rosa, Lovis Corinth und James Ensor.

Schrecken und Lust | Die Versuchung des heiligen Antonius
| Bucerius Kunst Forum, Hamburg
| bis 18. Mai 2008

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Die Legende vom verführten, bedrängten und gequälten Eremiten Antonius nutzten seit dem späten Mittelalter zahlreiche Künstler zur Darstellung phantastischer Bildwelten. Vorgestellt werden zu diesem leidenschaftlichen Thema rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Radierungen vom Beginn des 15. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

KATALOG | Schrecken und Lust
Die Versuchung des heiligen Antonius
Von Hieronymus Bosch bis Max Ernst

| 216 Seiten,
| 46 Farbtafeln,
| 154 Abbildungen in Farbe
| und 12 in schwarz-weiß.
| 22,5 x 28 cm.
| Gebunden, Schutzumschlag

| kaufen bei amazon

Bis heute faszinieren Antonius-Bilder als Spiegel menschlicher Begierden und Ängste. Im Lauf der Jahrhunderte ändern sich allerdings die geschilderten Details, die intendierten Aussagen und die künstlerische Formensprache. Dabei weist das christliche Motiv schon bald nach 1500 über den religiösen Bereich hinaus: Aus den frühen statuarischen Heiligendarstellungen werden belebte Weltuntergangspanoramen, die endzeitlichen Erwartungen des ausklingenden Mittelalters finden ihren Niederschlag. Hieronymus Bosch und seine Nachfolger schildern mit erfindungsreicher Detailliertheit die Drangsalierungen des Antonius durch Dämonen, Teufel und grässliche Wesen – und offenbaren dabei eine Freude am Grausamen und Entsetzlichen, am Lustvoll-Schrecklichen. Wunsch- und Alptraum werden eins.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, etwa bei Tintoretto, ringt die Figur des Heiligen heftig mit den Mächten der Verführung. Hier, wie bei Bosch, wird Antonius auch als Paradigma des von seinen Intuitionen bestürmten Künstlers gedeutet. Das 17. Jahrhundert dagegen ordnet Antonius mit derb-unterhaltsamen Zügen der Genremalerei zu, von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an dominiert das Erotische. In der Mitte des 20. Jahrhunderts werden, so bei Otto Dix und Salvator Dalí, peinigende Monster, die Versuchung durch Frauen und die Kreuzsymbolik vereinigt. Mit Max Ernst wird ein abschließender Höhepunkt der Antonius-Gestaltung erreicht: Der Heilige erscheint unrettbar in den Klauen einer zerrissenen Welt.

Ausstellung: bis 18.5.2008, Bucerius Kunst Forum Hamburg

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Knapp vorbei am Höllenschlund

NZZ - Ursula Seibold-Bultmann

Bald prügelnde Dämonen, bald barbusige Verführerinnen: Der heilige Antonius, Vater des christlichen Mönchtums, hatte es nicht leicht als Einsiedler in der Wüste. Eine Ausstellung in Hamburg zeigt ihn als kühnen Bezwinger einer aus allen Fugen geratenen phantasmagorischen Welt.

Der Dämonenglaube, der zu Zeiten des Antonius ebenso wie im christlichen Mittelalter anstelle tiefenpsychologischer Theorien herrschte, machte es Künstlern leicht, die Qualen des leidenswilligen Gottesmannes ins Bild zu setzen. Mit unterschiedlichstem Personal und abgefeimten Tricks soll Satan versucht haben, ihn vom Glauben abzubringen; als erotische und materielle Reize nichts nutzten, setzte es derbe Prügel durch gemeine Spukgestalten.

In Hamburg sehen wir ihn bedrängt von krallenfüssigen Schönheiten, knüppelschwingenden Stachelmonstren, fliegenden Fischen, verlotterten Musikanten, den sieben Todsünden sowie einem grinsenden Fesselballon; während der Heilige gekratzt, geschlagen und am Bart gezerrt wird, meint man Höllenlärm zu vernehmen und pestilenzialischen Gestank in die Nase zu bekommen. Im Hintergrund zahlreicher Antonius-Darstellungen brennen Kirche und Welt, während vorn der Rachen der Unterwelt sperrangelweit offen steht.

NZZ - Artikel lesen

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flaubert-antonius-buch | kaufen bei amazonBUCH
Die Versuchung
des heiligen Antonius
von Gustave Flaubert

| Taschenbuch
| 250 Seiten

| kaufen bei amazon

Der Weg des heiligen Antonius zu völliger Askese und Einsamkeit, seine Versuchung durch Luxus, Sinnlichkeit und Macht - ein Thema, das Flaubert sein Leben lang beschäftigte.

Zwischen den ersten Entwürfen, die der 13jährige Flaubert niederschrieb, und der endgültigen Fassung, liegen beinahe vierzig Jahre. Flauberts wahrscheinlich geheimnisvollstes Werk.

Gustave Flaubert,
1821 in Rouen als Sohn eines Chirurgen geboren, besuchte zuerst die Schulen in seiner (durch “Madame Bovary” berühmt gewordenen) Vaterstadt, studierte eher lust- und erfolglos die Rechte in Paris und mußte sich dann aufgrund eines rätselhaften Nervenleidens aus jeder Berufstätigkeit zurückziehen. Er lebte in strenger schriftstellerischer Askese in Rouen, unternahm immer wieder Reisen in Europa, nach Nordafrika und dem Nahen Osten und starb 1880 im Alter von 59 Jahren. Flaubert war unerbittliche Präzision in der Kunst wichtiger als überhitzte Inspiration und das Suchen nach bisher unbeschriebenen Aspekten derWirklichkeit wesentlicher als romantische Gefühlsdarstellung. Diese strenge Forderung setzte er in “Madame Bovary” in revolutionärer Weise um - doch vorher hatte es in seinem Leben eine Epoche gegeben, die in ihrer anarchischen Heftigkeit ihresgleichen sucht.

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Kröten und erhängte Schweinchen

TAZ - Petra Schellen

Künstler aller Ären liebten das Thema, weil sich damit so schön Phantastisches darstellen ließ: Den Versuchungen des Heiligen Antonius ist eine Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst Forum gewidmet. Sie ist bunt, wuselig - und präsentiert natürlich massenweise Frauen als Verführerinnen.

“Schrecken und Lust - die Versuchung des heiligen Antonius” heißt sie und hat allerlei Phantastisches im Repertoire: Vom fabulierfreudigen Hieronymus Bosch über niederländische und italienische Maler des 16. bis 18. Jahrhunderts bis zu den Surrealisten reicht das Spektrum der präsentierten Werke. Und auch wenn die motivische Wiederholung auf Dauer ermüdet, kann das Studium der Details doch sehr vergnüglich werden: Monster, Kröten, Kopffüßler und Zwitter zu Land und zu Wasser, Saurier-Mutanten und Feuer speiende Fische wandern da über den Globus.

paul-cezanne-antonius.jpgPaul Cézanne 1867–1869,
Slg. Emil Georg Bührle, Zürich, Öl, Leinwand, 52 X 73 cm

… trotz aller auch sonstigen Lustigkeiten und Brechungen bedient diese Ausstellung - ausgerechnet, aber zufällig in der Fastenzeit platziert - einen recht schlichten Voyeurismus. Sie transportiert außerdem exakt jenes Frauenbild, das immer noch fast jedes Werbeplakat übermittelt: das der Frau als nur noch fertig auszupackendes Geschenk, deren Ziel die Verführung des Mannes und ganz allgemein die Verangenehmung seines Daseins ist.

TAZ - Artikel lesen

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Schrecken und Lust | Die Versuchung des heiligen Antonius
| Bucerius Kunst Forum, Hamburg
| bis 18. Mai 2008

Heinz Strunk | Zeit

Januar 3, 2008 | Comments Off

heinz-strunk-zeit-2007-videostill.jpgKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer |  

Zeit | Ein Kurzfilm mit Heinz Strunk.

Der aufstrebende Stadteil Harburg im Süden Hamburgs scheint ein gutes Pflaster für talentierte Satiriker zu sein. Nach dem legendären Heino Jaeger ist auch Heinz Strunk mehr als einen Blick wert.

„Unter den Giganten des Komischen nach Karl Valentin bzw. im letzten Halbjahrhundert erscheint mir Heinz Strunk nach Heino Jaeger, Gerhard Polt und Helge Schneider zwar der noch unbekannteste, aber keineswegs mindeste Bruder, sondern heute schon ein inter pares.“ Eckhard Henscheid

Aus dem Hörspiel “Zeit” von Heinz Strunk (aus der CD Schorfopa - 2007) hat die Filmproduktion Filmstyler Pictures einen Kurzfilm gedreht, der die Erlebnisse des Freizeitdichters vor seinem kleinen Publikum bildlich darstellt.

Einmal im Jahr produziert Filmstyler einen Film fernab von kommerziellen Zwängen oder Auftraggebern, 2007 fiel die Wahl auf “Zeit” von Heinz Strunk und wurde als fünfminütiger Kurzfilm realisiert.

VIDEO | Zeit

Die Story handelt von einem komplexbeladenen „Freizeit-Dichter”, der sich vor einen kleinen Kreis von Kulturfreunden wagt, um diesen ein selbst verfasstes Gedicht zum Thema „Zeit” vorzutragen.

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heinz-strunk-der-schorfopa-kurzhoerspiele-2007.jpg

 

 

 

Der Schorfopa
Volumen 2 seiner Kurzhörspiele.

Format: 1 Audio-CD | Jewelcase 
Spieldauer: 52 Min.
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Für Der Schorfopa hat Heinz Strunk ein zweites „Best of“ seiner von 1995 bis 2007 liebevoll und aufwändig produzierten Kurzhörspiele zusammengestellt. 30 Sekunden bis 5 Minuten dauern seine schrägen Momentaufnahmen aus dem Alltag. Alle Geräusche wurden von ihm selbst produziert und auch alle Rollen persönlich übernommen.

Hörproben aus der CD

Bier gespritzt

Weiberjoggen

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strunk-fleisch-ist-mein-gemuse-horbuch.jpg

 

 

HÖRBUCH
| Fleisch ist mein Gemüse - Eine Landjugend mit Musik
| 5 Audio-CDs
Heinz Strunk liest seinen Bildungsroman.
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Mucke in Zeiten der Kohl-Ära. Oral History des Festzeltes

Als ‚oral history’ kommt es in der vom Stimmenvirtuosen Strunk selbst eingelesenen Hörbuchfassung nun erst wirklich zu sich selbst. Eingelesen? Eingekrächzt, eingesungen, eingebrüllt und eingespeichelt hat Strunk seine Geschichte, die doch bei allem komischen Effekt auch ein dokumentarischer zeitgenössischer Bildungsroman aus der Provinz, ein ‚Anton Reiser’ aus Hamburg-Harburg ist.“

Zur Qualität des Hörbuchs trägt auch bei, wie Strunk seine durchdachte Erzählstruktur durch genauen Einsatz von Liedtexten und leitmotivsche Schlagerphrasen unterstützt.
( FAZ - Richard Kämmerling | 9.2005 )

Traurige Jugend in den 80ern, pubertäre Sexualnöte, schaurige Provinzgestalten und trotz allem der Traum von einer Musikerkarriere. Nur ist Fleisch ist mein Gemüse doch noch etwas härtere Kost. Weil erstens offenbar alles selbst erlebt ist. Und zweitens die Pubertät mit ihren Qualen überhaupt nicht enden will. Denn Heinz ist schon 23, hat immer noch schwere Akne, wohnt bei Muttern und „schraubt“ in seinem Heimstudio im Keller Playbacks zusammen, auf dem Weg zum Hitproduzenten. Und sein Erfolg bei Frauen rangiert auf einer Skala von 1 bis 10 eher im Minusbereich.

Der Alltag ist geprägt vom Daddeln an Spielautomaten, exzessiver Selbstbefriedigung und Musikunterricht, bei dem Heinz seine Schüler mit Fragen nach der „enharmonischen Verwechslung von ges“ quält. Doch auch als der talentierte Hobby-Saxophonist einen Job bei der Tanzband „Tiffanys“ bekommt, ist das keineswegs die Wende zum Besseren. Statt „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ und willigen Groupies bedeutet das nächtelange Auftritte bei Hochzeiten, Dorfjugendveranstaltungen und Schützenfesten in Garlstorf oder Moorwerder: eine „drittklassige Rumpelband“ in erbarmungswürdig schlecht sitzenden Sakkos und mit einem grauenerregenden Repertoire von G.G. Anderson bis zur „Schützenliesel“.

Die Buchverfilmung soll im April 2008 in die Kinos kommen.

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Heinz Strunk
| Infos auf wikipedia

70 Jahre Georg Baselitz | Die Russenbilder

Dezember 28, 2007 | Comments Off

collage: kunst | presse-schau ||| baselitz in eines seiner bilder hineincollagiertKUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Deichtorhallen Hamburg |

Nach München, Wien ( REMIX ) und London ( RETROSPEKTIVE ) jetzt Hamburg: Anläßlich des 70. Geburtstags von Georg Baselitz, am 23. Januar 2008 zeigen die Deichtorhallen Hamburg bis zum 03. Februar 2008 die umfangreiche Serie der „RUSSENBILDER“, kuratiert von Robert Fleck.

Mit seinen Bildern, die ab 1969 meist wortwörtlich „auf dem Kopf stehen“, hat Georg Baselitz die internationale Kunstwelt erobert. In allen bedeutenden Museen weltweit werden seine neoexpressionistisch-figurativen Kunstwerke gezeigt. Für seine energievolle Malerei, die die internationale Kunstszene Jahrzehnte lang geprägt hat, wurde Georg Baselitz 2004 der “Nobelpreis der Künste”, der Praemium Imperiale der Japan Art Association, zuerkannt.

Zwischen 1998 und 2002 malte Georg Baselitz die Bilder des Sozialistischen Realismus in sehr freier Weise neu, die ihn als Jugendlichen in der DDR in Schulbüchern und Zeitschriften künstlerisch prägten. „Das Charakteristikum meiner Bilder“, so Baselitz, „war und ist immer der Gegenstand, und der hatte oft mit meiner Biografie zu tun - Personen, Landschaften, Ereignisse“.

baselitz-lenin.jpg

Die erstmals in Deutschland gezeigte Serie großformatiger Bilder thematisiert Lenin, Stalin und dessen Propaganda, die russisch-deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert und die Frage des Realismus in der Malerei. Die Bejahung und Rückgewinnung der Malerei  aus der unterkühlten Welt des Sozialistischen Realismus oder anderer neoakademischer Stile ist denn auch ein untergründiges Thema  der Russenbilder, so Robert Fleck (Direktor der Deichtorhallen / Kurator der Ausstellung). Georg Baselitz  schält in diesen eine allgemeine menschliche Dramatik heraus. Vor allem aber befreit er das Motiv von der Erinnerung an jene engen ästhetischen Normen, die im Namen des Sozialistischen Realismus auch ihm selbst in seiner Jugend auferlegt worden waren.

Die Ausstellung ist in Deutschland nur in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Eine Kooperation mit Musée d’art moderne de Saint-Etienne und dem National Museum of Contemporary Art, Seoul.

Georg Baselitz | Die Russenbilder
| Deichtorhallen, Hamburg
| bis 03. Februar 2008

VIDEO
| Rundgang durch die Ausstellung mit Georg Baselitz und Robert Fleck 

( flash-video )
| Produktion: form-art.tv
| Redaktion: Dirk Finger
| Kamera/Schnitt: Matthias Heuermann

 

Musée d’Art Moderne St-Etienne
| Dossier pédagogique Baselitz
| anlässlich der Ausstellung “Russenbilder”,
| Frühjahr 2007
| Dossier pdf-Datei (französisch) lesen

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Katalog | Georg Baselitz | REMIX | kaufen bei amazon

Katalog | Georg Baselitz | REMIX zu den Ausstellungen: Pinakothek der Moderne, München 21.7.–29.10.2006 · Albertina, Wien 16.1.–22.4.2007  kaufen bei amazon
 

Hrsg.: Pinakothek der Moderne, München 2006.
Deutsch 296 Seiten, 174 Abb., davon 169 farbig
25,40 x 32,80 cm
gebunden mit Schutzumschlag

 

»Ich habe mich immer häufiger gefragt, ob es möglich ist, Fehler, die ich einmal gemacht habe, zu korrigieren.« Georg Baselitz

Ein ebenso ungewöhnliches wie spektakuläres Experiment: In einer umfangreichen Werkgruppe interpretierte Georg Baselitz (*1938) programmatische Werke seiner künstlerischen Entwicklung wie die Helden, Neuen Typen oder Orangenesser völlig neu. Entstanden sind großformatige Bilder, Zeichnungen und Aquarelle, die mit bestechender gestischer Leichtigkeit und malerischer Verve souverän den Dialog mit dem eigenen Werk aufnehmen.

Die Publikation zu einer Ausstellung in der Pinakothek der Moderne, die diese Werkgruppe farbig reproduziert und nach Themen interpretiert, enthält fundierte Essays von Carla Schulz-Hoffmann und Richard Shiff, die das Werk des Künstlers seit Jahren verfolgen. Sie analysieren den spannungsreichen Dialog des Künstlers mit sich selbst und damit auch seine grundlegenden Fragestellungen zu Möglichkeiten und Grenzen der Malerei.

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Braver kleiner Stalin

TAZ - Petra Schellen

Sie wirken gefällig, milde, müde: “Russenbilder” hat Georg Baselitz seine, derzeit in den Hamburger Deichtorhallen präsentierten, Gemälde genannt, die sich als Reflexion des Sozialistischen Realismus seiner DDR-Jugend verstehen. Doch genau das leisten die fast folkloristischen Gemälde nicht

Diese geradezu obsessive Schau zeugt von keinerlei Emanzipation von den alten Themen. Sie demonstriert im Gegenteil, dass da einer eben nicht loskommt von den optischen Eindrücken seiner Jugend, die inzwischen zum Trauma wurden.

Zur Aufarbeitung von Geschichte trägt Baselitz mit diesen nicht einmal karikaturesken Bildern nichts bei. Zur Auseinandersetzung mit der Prägung, die der Sozialistische Realismus für eine Künstlergeneration bot, trägt wiederum die Hamburger Ausstellung nichts bei. Denn hierfür hätte sie die russischen Originale zwecks Vergleichs daneben hängen müssen. Die sind aber nur winzig und vereinzelt im Katalog abgebildet. Diese Schau ist leider Stückwerk geblieben.

TAZ - Artikel lesen

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Die Gesichter der Verrückten

FAZ - Werner Spies

Die „Russenbilder“ von Baselitz in den Hamburger Deichtorhallen sind eigentlich nur der Auftakt zu der gewaltigen, lang erwarteten Retrospektive, die in London zusammengetragen wurde. Wo in London ein grundlegender Überblick gelingt, widmet man sich in Hamburg einem deutlich abgehobeneren Aspekt des Werks, der Abrechnung mit sowjetischen Motiven. Lenin auf der Tribüne, Stalin, die Propaganda des Sozialistischen Realismus erscheinen hier, überpudert von neoimpressionistischen Pickeln und Pixeln, als harmlose Luftgeister.

Man versteht, was Baselitz mit den „Russenbildern“ und vor allem mit der jüngsten Serie der Remix-Bilder, die auf frühere Motive im eigenen Werk zurückgreifen, zum Ausdruck bringen möchte. Die Arbeiten betreiben eine heitere, souveräne Revision der Vergangenh