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Female Trouble
September 10, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Pinakothek München |
Die Ausstellung »Female Trouble« bietet bis 26. Oktober 2008 auf ca. 800 qm Ausstellungsfläche erstmalig im deutschen Sprachraum einen pointierten Überblick zum Wandel des Frauenbildes anhand von Fotografie und Videokunst.
In der Münchener Pinakothek werden rund 150 Arbeiten international bekannter als auch noch zu entdeckender Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Fotografie und Videokunst, darunter viele Leihgaben aus namhaften europäischen und amerikanischen Sammlungen gezeigt.
In der Ausstellung vertretene Künstler/innen:
Diane Arbus, Gertrud Arndt, Marta Astfalck-Vietz, Monica Bonvicini, Claude Cahun, Sophie Calle, Julia Margaret Cameron, Comtesse de Castiglione, Marcel Ducham/Man Ray, VALIE EXPORT, Nan Goldin, Lady Clementina Hawarden, Florence Henri, Hannah Höch, Birgit Jürgenssen, Jürgen Klauke, Astrid Klein, Germaine Krull, Nikki S. Lee, Sarah Lucas, Urs Lüthi, Robert Mapplethorpe, Björn Melhus, Ana Mendieta, Tracey Moffat, Pierre Molinier, ringl + pit, Pipilotti Rist, Daniela Rossell, Tomoko Sawada, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Mathilde ter Heijne, Madame Yevonde, Wanda Wulz Francesca Woodman und andere.
Die Schau ist nicht enzyklopädisch angelegt, sondern konzentriert den Blick auf Künstlerinnen und Künstler, deren Werk innovativ ist und zugleich vorbildhaft gewirkt hat. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Bild der Frau berührt dabei auch zentrale Fragenstellungen der Konstituierung von Identität im Allgemeinen sowie den biologischen, sozialen, kulturellen, politischen und medialen Einflüssen, die das Bild des Weiblichen wie des Männlichen bestimmen.
Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst
Seit der Erfindung der Fotografie vor nahezu 170 Jahren haben vor allem Frauen das technische Medium genutzt, um sich oder andere in Rollenspielen und Maskeraden zu inszenieren. Neben der experimentellen Lust, das Ich immer wieder neu zu erschaffen, diente die Kamera auch als Möglichkeit, Klischees und Stereotypen weiblicher Repräsentation in Frage zu stellen. Das Spiel mit dem »Ewig« Weiblichen war und ist immer auch eine Auseinandersetzung mit geschlechtlicher Identität, ihrer gesellschaftlichen und politischen Definition sowie deren Überschreitung.
Das Interesse an der Auseinandersetzung mit Bildprägungen des Weiblichen ist kein ausschließlich postmodernes Thema. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert haben Frauen wie die Gräfin Castiglione, die Surrealistin Claude Cahun oder die Künstlerinnen der Avantgarde, die Fotografie als Möglichkeit entdeckt, das Ich in unterschiedlichen Rollen zu erfahren und stereotype Weiblichkeitsdarstellungen als Maskerade zu decouvrieren. Der historische Rückblick zeigt, wie zeitgenössische Künstlerinnen an ihre Vorgängerinnen anknüpfen und einzelne Bildmotive und Themen über Generationen immer wieder aufgegriffen, erweitert und variiert werden.
Im Fokus der Ausstellung stehen jedoch zeitgenössische Künstlerinnen wie Cindy Sherman, Sarah Lucas, Pipilotti Rist oder Monica Bonvicini, die mit Hilfe von Fotografie und Videokunst das Bild des Weiblichen untersuchen. Die Künstlerinnen gehen dabei der Frage nach, welche Bildmuster das mediale Zeitalter für Weiblichkeit bereit hält und wie diese Bilder die Wahrnehmung von Frauen bestimmen. Zugleich dekonstruieren sie mit humorvollen, ironischen oder provozierenden Mitteln die traditionelle Ikongrafie von Frauendarstellungen in der abendländischen Kunst und entwickeln alternative Bildentwürfe, die manchmal aggressiv und laut, manchmal subtil und hinterlistig daherkommen.
FEMALE TROUBLE
Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst
| Pinakothek der Moderne, München
| bis 26. Oktober 2008
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KATALOG
| Female Trouble
| Sprache: Deutsch
| 240 Seiten,
| 202 Abb.,
| davon 77 farbig
| 22,30 x 26,60 cm
| Broschur
Im Fokus der durchgehend farbig bebilderten Publikation stehen zeitgenössische Künstlerinnen wie Cindy Sherman oder Pipilotti Rist, die mithilfe von Fotografie und Videokunst das Bild des Weiblichen untersuchen, es dekonstruieren und neu bestimmen. Zugleich spannt der Band den Bogen ins 19. und frühe 20. Jahrhundert, wo Frauen wie die Comtesse de Castiglione oder die Künstlerinnen Claude Cahun und Florence Henri die Fotografie als Mittel der (Selbst-)Inszenierung und -befragung entdeckt haben.
Die vorgestellten Künstlerinnen (Auswahl):
Diane Arbus, Monica Bonvicini, Claude Cahun, Julia Margaret Cameron, Valie Export, Nan Goldin, Mathilde ter Heijne, Florence Henri, Birgit Jürgenssen, Sarah Lucas, Ana Mendieta, Tracey Moffatt, ringl + pit, Pipilotti Rist, Cindy Sherman, Francesca Woodman, Wanda Wulz
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Die zweite Realität
FAZ - Julia Voss
Frauen durften bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts keine Akademien besuchen, in den Werkstätten waren sie auch nicht zugelassen. Und wenn uns an Kunstgeschichte nicht nur die Abfolge von Stilen interessiert, sondern das Kaleidoskop von Blickweisen, dann kann sich mit dieser Erkenntnis auch das Gefühl von Monotonie einstellen. Die Kunst jedenfalls hat sich keinen Dienst erwiesen, so lange so viele Menschen, sofern sie weiblich waren, ganz unabhängig vom Talent auszuschließen und allein Männern, auch den mittelmäßigsten, den Vortritt gelassen zu haben.
Mit der Erfindung von Fotografie und Video ändert sich das. Fotoapparat und später Videokamera waren mehr als Palette und Pinsel je hätten sein können, sie wurden für zahlreiche Frauen zur Prothese, zur zweiten Realität, um aus den gesellschaftlich auferlegten Beschränkungen auszubrechen. Im Zeitraffer spielen sie verwehrte Leben durch, parodieren die Rollen, die ihnen das Umfeld aufdrängt oder erfinden Frauenbilder, die bisher nicht vorgesehen waren.
Von den Rollenspielen der Künstlerinnen aus auf die klassische Kunstgeschichte zu blicken, kann sehr ernüchternd sein: Wie konventionell ist das Frauenbild der angeblich so revolutionären Impressionisten gegen die exzentrischen Erfindungen der Gräfin Castiglione zur gleichen Zeit. Wie abgedroschen sind die ewigen Aufgüsse von weiblichen Akten im Werk der Surrealisten gegen Claude Cahun und die einzigartige Gabe der Französin, sich wie eine neue Art selbst geschaffen zu haben.
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Wo Frauen die Hosen anhaben
SPIEGEL online - Jenny Hoch
Aufgepasst, die Herren, jetzt ist Damenwahl: Die Pinakothek der Moderne in München bereichert die neue Feminismusdiskussion um überraschende Einsichten.
Immer wieder große Freude macht das Video “Ever Is Over All” von Pipilotti Rist, in dem eine vergnügte junge Frau einen Bürgersteig entlangläuft und mit einem phallusartigen Blumenstengel genüsslich Autofenster einschlägt. Was für eine Utopie, dass die Paarung von Weiblichkeit und Aggression jemals das Wohlwollen der Gesellschaft hervorrufen könnte! Im Film ist’s möglich: Passanten goutieren den Akt der Zerstörung, ein Polizeibeamter grüßt sichtlich erfreut von so viel Gewaltbereitschaft.
VIDEOS von Pipilotta Rist ( ohne “Ever Is Over All” ) | ubu web
Wesentlich grundsätzlicher näherten sich Feminismusvorkämpferinnen wie Waltraud Lehner, die später den Künstlernamen VALIE EXPORT annahm, dem Thema weiblicher Selbst- und Fremdwahrnehmung. 1968 ließ sie mit ihrem legendären “Tapp und Tastkino” am Münchner Stachus Männer ihre Brüste durch eine Box aus Pappkarton betasten, die sie sich vor den Oberkörper geschnallt hatte.
VIDEO
| Marina Abramovich & Valie Export: Aktionshose Genitalpanik (1969/2005)
Mit wild auftoupierten Haaren, einer Kalaschnikow in der Hand und einer im Schritt ausgeschnittenen Hose konfrontierte sie 1969 in “Aktionshose Genitalpanik” die erschrocken flüchtenden Zuschauer eines Münchner Kinos mit weiblicher Sexualität.
Noch heute treten Frauen vor allem in Abhängigkeit von einem kulturell als “männlich” codierten Blick in Erscheinung. Doch erobern sie sich ein Stück visuelle Selbstbestimmung zurück, indem sie die Art und Weise manipulieren, wie sie gesehen werden wollen. Bereits Sigmund Freud wusste, dass die Ich-Verdoppelung durch das Bild immer auch eine gewisse Ungewissheit darüber auslöst, ob zwischen der Pose und der Maske und dem “wahren” Ich überhaupt zu unterscheiden ist. Genau dieses Unbehagen macht die Ausstellung “Female Trouble” so aktuell und anregend.
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Female Trouble in München
DEUTSCHLANDFUNK Kultur - Christian Gampert
Die Ausstellung hat einen dezent feministischen Unterton, und in der Tat spielt der Titel “Female Trouble” ja auf Judith Butlers “Gender Trouble” an, also auf eine Theorie-Meinung, die Geschlecht nur noch als vielfach zusammengesetztes gesellschaftliches Konstrukt begreift, unabhängig vom biologisch Vorgegebenen.
BUCH | Das Unbehagen der Geschlechter: (Gender Studies. Vom Unterschied der Geschlechter) (Taschenbuch) von Judith Butler
Die Schau ist allerdings ein Beweis dafür, dass der Körper nicht nur ein Text ist, der gelesen werden kann, sondern vor allem ein Subjekt, das leidet. Die surrealistischen Inszenierungen von Weiblichkeit aus den 1920iger Jahren, als zum ersten Mal die lesbische Liebe in den Blick kommt, zeigen die Verpuppung der Frau in Konventionen oder die Verfremdung einzelner Körperteile - etwa die Brüste als Kugeln vor einem Spiegel bei Florence Henri. Wanda Wulz überblendet ihr Gesicht mit dem Bild einer Katze, Männerbedürfnisse nach der animalischen Frau vorwegnehmend; Marta Astfalck-Vietz montiert ihr verletztes Gesicht in ein Spiritus-Glas, Claude Cahun inszeniert sich offensiv als männliche Lesbe mit Kurzhaarschnitt.
Es gibt in dieser Ausstellung nur Außenseiter - die geächtete lesbische Liebe, die ins Bizarre gezogenen Schwulen-Posen des Jürgen Klauke, Nan Goldins Transvestiten, die ruppigen, maskulinen Allüren der Sarah Lucas. Die Tröstungen der Normalität sind kein Ausweg - die angepasst-plüschigen Oberschicht-Miezen der Mexikanerin Daniela Rossell scheinen geradewegs einer Telenovela entsprungen.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Das verpuppte Geschlecht
TAZ - Johanna Schmeller
Dieser Schau gelingt aber, was so schnell kein Feuchtgebiet schaffen wird. Dass sie trotz ihres recht global formulierten Ansinnens nicht beliebig gerät, liegt an der eng gefassten Themenwahl:
Den Blick von außen erfährt man besonders beim Transgenderkünstler Jürgen Klauke, Geburt und Totgeburt bei Sarah Lucas, Alter und Verfall bei der Gräfin Virginia di Castiglione. Und überall gegenwärtig ist das unselige und letztlich doch so grandiose Hineingeworfensein in einen biologischen Zustand, den man sich nicht selbst ausgesucht hat - und daher leider auch nicht verantworten kann. Es sind die Motive, in denen sich Ästhetik und moderne Genderforschung, Pipilotti Rist und Julia Kristeva, berühren.
Auch die Anfälligkeit des weiblichen Körpers für physische Gewalt wird in “Female Trouble” thematisiert. Nur indem er schamfrei vorgeführt wird, wird dieser von seiner erotischen Dimension entbunden, lautet die These der jung verstorbenen Ana Mendieta. Ihren nackten Leib presst sie zwischen Glasscheiben, als wäre der mikroskopische, sezierende Blick des “Gegenübers” durch die Objektträger lenkbar. Bewusst unspektakulär wird ausgebreitet, was vorhanden ist, ob Genitalien oder Blut, das möglicherweise von einer Vergewaltigung stammt.
Alle Exponate der großartigen Schau verfolgen einen klaren gesellschaftlichen Anspruch, sind stellenweise der Geschlechterforschung fast so nahe wie der Kunst. Auf eine abgeklärte Art ist man schlicht angeturnt von so viel exzentrischer Wehrhaftigkeit. So viel Unverschämtheit. Und so viel Zauber.
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FEMALE TROUBLE
Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst
| Pinakothek der Moderne, München
| bis 26. Oktober 2008
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Interessant in diesem Zusammenhang auch …
Wack!: Art and the Feminist Revolution
| Sprache: Englisch
| 512 Seiten
Erster umfassender, internationaler Überblick über die dynamische Beziehung von Kunst und Feminismus zwischen 1965 und 1980. Die Ausstellung bringt die Arbeit von 120 Künstlern zusammen, um den Einfluss des Feminismus auf die Kunst zu untersuchen. Nächster Ausstellungstermin: Vancouver Artgallery, Kanada vom 4. Oktober 2008 bis zum 11. Januar 2009.
Wack!: Art and the Feminist Revolution
In the 1970s, women changed the way art was made and talked about forever. WACK! Art and the Feminist Revolution is a long-awaited international survey that chronicles the impact of the feminist revolution on art made between 1965 and 1980, featuring groundbreaking works by artists such as Chantal Akerman, Lynda Benglis, Theresa Hak Kyung Cha, Valie Export, Mary Heilman, Sanja Ivekovic, Ana Mendieta, and Annette Messager, who came of age during that period — as well as others such as Louise Bourgeois, Judy Chicago, Sheila Levrant de Bretteville, Lucy Lippard, Alice Neel, and Yoko Ono, whose careers were well established.
The art surveyed in “WACK!” includes work by more than 120 artists, in all media - from painting and sculpture to photography, film, installation, and video - arranged not by chronology but by theme: Abstraction, “Autophotography,” Body as Medium, Family Stories, Gender Performance, Knowledge as Power, Making Art History, and others.
The book opens with a rich, full-color plate section in which works by over 120 artists are grouped into themes, including Abstraction, Body as Medium, Family Stories, Gender Performance, Knowledge as Power, and Making Art History. Highlights include the figurative paintings of Joan Semmel; the performance and film collaborations of Sally Potter and Rose English; the untitled film stills of Cindy Sherman; and the large-scale, craft-based sculptures of Magdalena Abakanowicz. Written entries on each artist offer key biographical and descriptive information, while accompanying essays by leading critics, art historians, and scholars offer a fresh look at feminist art practice from a cross-cultural perspective. Topics such as the relationship between American and European feminism, feminism and New York abstraction, women’s art under the Pinochet dictatorship, and mapping a global feminism provide a broad social context for the artworks themselves.
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Eine Reise durch den Kosmos der Emanzipation
NZZ - Gabriele Schor
Eine Welle von Ausstellungen und Publikationen bekunden derzeit ein reges Interesse an feministischer Kunst. Bahnbrechend ist die Ausstellung «WACK! Art and the Feminist Revolution» im P. S. 1 in New York …
«You can’t be a woman and be an artist too» war noch Anfang der 1970er Jahre eine allgemeine Auffassung. Künstlerinnen waren entweder «groupies» oder «artists wives». Es bestand eine rigide Hierarchie, welche Männern den Vorzug gab: «No women, straight or lesbian, no gay man, and no people of color were considered major», stellt Anne Gibson rückblickend fest. Männer gingen als attraktive «Künstlertypen» in die Kunstgeschichte ein.
Da gab es den Bohémien à la Modigliani oder den Draufgänger Jackson Pollock, der vom Kritikerpapst Clement Greenberg mit heroischen Attributen wie «the most powerful», «the strongest» und «the demiurgic genius» überhäuft wurde – schwärmerische Worte für einen Formalisten. Die Malerei genoss nicht nur absolute Vormachtstellung, das chauvinistische Dogma «Frauen können nicht malen» beherrschte auf beiden Seiten des Atlantiks den Betrieb der Kunstakademien.
Es war also höchste Zeit für eine «Umwertung der Werte». Doch wie beginnen?
Von diesen Anfängen handelt die Ausstellung «WACK! Art and the Feminist Revolution», die mit rund 500 Werken von 120 Künstlerinnen die erste umfassende Museumsschau feministischer Kunst von 1965 bis 1980 darstellt.
| P.S.1 Contemporary Art Center,
New York
| MOCA The Museum of Contemporary Art,
Los Angeles
Mai
13
Sarah Morris - 1972
Mai 13, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Lenbachhaus, München |
Das Lenbachhaus zeigt bis zum 03. August 2008 als Premiere den siebten Film von Sarah Morris. Es ist der zweite Film (nach /Robert Towne/, 2005), bei dem Morris nicht mehr das panoramatische Bild einer Stadt, sondern das Porträt eines Bürgers in den Mittelpunkt stellt.
Der Bürger Georg Sieber war 1972 der leitende Psychologe des Ordnungsdienstes bei der Olympiade und der Münchner Polizei. Am Morgen des 5. September 1972, als Mitglieder der Terrorgruppe Schwarzer September die israelische Mannschaft angriffen und als Geiseln nahmen, war Georg Sieber in der Conollystraße anwesend. Seine Position gab er später an diesem Morgen auf.
Georg Sieber
war vom Internationalen Olympischen Komitee und der Münchner Polizei angestellt worden, um Szenarien zu entwerfen, wie die Olympischen Spiele gefährdet werden könnten, und die Sicherheitsdienste entsprechend vorzubereiten. Eines der von ihm erstellten Szenarien, dasjenige mit der Nummer 26, war eine nahezu exakte Vorhersage dessen, was sich dann tragischer Weise ereignete. Georg Sieber entwirft eine differenzierte Analyse der Ereignisse dieses Tages.
In der Montage von /1972/ verknüpft Sarah Morris das Interview mit Georg Sieber mit Bildern polizeilicher Überwachung von Demonstranten und archivierter Fotografien der Olympischen Sommerspiele von 1972 sowie mit Ansichten des eindrucksvollen Olympiaparks in München. Der Film, auf 35 mm gedreht, verhandelt das Verhältnis von Projektion und Planung und dessen möglichem Fehlen an einem konkreten historischen Beispiel. Er zeigt eine subjektive Sicht auf die Ereignisse von 1972, die sich ästhetisch wie inhaltlich von den gängigen Darstellungen unterscheidet.
Die Münchner Spiele der XX. Sommer Olympiade 1972
sollten der Welt ein neues, demokratisches und optimistisches Bild von Deutschland zeigen, wie es sowohl im offiziellen Motto der „heiteren Spiele“ als auch im visionären und farbenprächtigen Design von Behnisch und Aicher zum Ausdruck kam. Die Berichterstattung über das Scheitern von 1972 verhalf dem Terrorismus auf die Weltbühne und veränderte sichtbar dessen Rolle in den Medien.
Sarah Morris
ist seit Mitte der 1990er Jahre international für ihre komplexen abstrakten Gemälde und ihre Filme bekannt, die aus der genauen Beobachtung von Architektur und Psychologie der städtischen Umgebung entstehen. In den Gemälden verwendet sie Farben und Geometrien, die sie sowohl mit dem spezifischen ästhetischen Vokabular und der Farbpalette einer Stadt, als auch mit deren Charakter und Geschichte verbindet. Die Filme von Sarah Morris sind gleichzeitig als Dokumentation und Biographie einer Stadt aber auch als nicht-narrative Fiktion zu verstehen. Sie verhandeln kritisch die Bedeutung von Architektur, politischer Herrschaft und die ästhetische Spannung zwischen Ökonomie und Politik.
Kurator: Matthias Mühling
SARAH MORRIS - 1972
| Lenbachhaus, München
| bis 03. August 2008
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| mit einem Essay von Diedrich Diederichsen,
| hrsg. von Matthias Mühling. München 2008.
| 80 Seiten
| 32 farbige ganz- bzw. doppelseit. Abb.,
| brosch. - Text in dt. & engl. Sprache.
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Von verschwundenen Akten und wiedergekehrten Erinnerungen
TELEPOLIS - Susanne Härpfer
Der Film “1972″ enthüllt neue Informationen über das Olympia-Attentat in München.Die Sensation ist für jedermann zu sehen; doch niemand hat es bislang bemerkt. Der jetzt gedrehte Film “1972″ der international renommierten Künstlerin und Filmerin Sarah Morris konterkariert alles, was bislang veröffentlicht wurde über den gescheiterten Versuch, die israelischen Geiseln während der Olympischen Spiele zu befreien. Erstmals benennt nämlich der damalige Polizeipsychologe Georg Sieber, wer die wahren Verantwortlichen für das Scheitern und damit für den Tod der neun Geiseln und eines Polizisten gewesen seien: Sicherheitskräfte in Israel.
Auf Anfrage von Telepolis meint Sieber zur Frage, warum all die Jahre deutsche Politiker und Beamte geschwiegen und sich als Deppen vom Dienst hätten darstellen lassen: “Ich gehe davon aus, dass diese Verschwiegenheit zu diesbezüglichen diplomatischen Vereinbarungen mit der israelischen Regierung gehörte und noch immer gehört.”
Dann aber handelt es sich um ein Staatsgeheimnis, wer wirklich für das Debakel der missglückten Geiselbefreiung bei den Olympischen Spielen von 1972 verantwortlich war. Warum erhielt Sarah Morris die Chance, das Geheimnis ein klein wenig zu lüften? Offiziell tritt sie nicht als Filmemacherin auf, sondern als Künstlerin. Damit erscheint sie unverdächtig, nicht politisch und kommt so an Aussagen, Sichtweisen, Dinge, die politischen Magazinen manchmal versagt werden, weil bei Gesprächspartnern und Presseverhinderern aller Art die Angst zu groß ist. Sie hingegen überwindet Barrieren, weil für sie gar keine aufgestellt werden. Künstler haben Narrenfreiheit – und so darf sie zur Zeit auch in Peking drehen, wie die Olympischen Spiele vorbereitet werden.
Das Museum of Modern Art (MOMA) in New York habe um die Filmrechte mitgeboten, erzählt der Kurator des Münchner Lenbachhauses Matthias Mühling, aber er habe den Zuschlag erhalten.
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Zeitgeschichte aus filmkünstlerischer Perspektive
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Wilhelm Warning
Die Künstlerin Sarah Morris setzt sich in ihrem neuen Film mit den Ereignissen aus dem Jahr 1972 auseinander. Zu sehen ist der Mix aus filmischem Essay, Doku und Kunstwerk im Lenbachhaus in München.
Ein Film als Kunstwerk? Ein Kunstwerk als Film? Natürlich, diesen Medienmix gibt es in der Kunst schon lange. Aber hier? Das Porträt eines Mannes und doch keines. Ein Dokumentarfilm und doch keiner. Ein filmischer Essay und doch keiner. Zeitgeschichte und doch nicht. Ein politisches Werk und ein Kunstwerk. Eines mit vielen Ebenen hat Sarah Morris geschaffen, das auf den ersten Blick wirkt, als solle da ein schreckliches Ereignis umgeschrieben werden. Aber, sagt Kurator Matthias Mühling, dieser Film habe mit Kunst zu tun …
“Weil Kunst sich immer schon die Frage stellt, wie etwas abgebildet werden kann, wie etwas repräsentiert werden kann, wie bestimmte Sachverhalte dargestellt werden können. Und das ist die Frage unserer Zeit.”
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Beitrag lesen
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Tragödie ja, Scheitern nein
FOCUS Kultur - Gabi Czöppan
Warum US-Künstlerin Sarah Morris in ihrem Film „1972“ den tödlichen Ausgang der Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München noch einmal hinterfragt.
In ihrer 38-minütigen Montage aus Interview, Archivfotos sowie Bildern von polizeilicher Überwachung und Original-Schauplätzen hinterfragt die Künstlerin den blutigen Ausgang der Geiselnahme, ohne jemanden für das Scheitern verantwortlich zu machen. Ihr dokumentarisch anmutender, aber rein künstlerisch-subjektiver Film stößt 36 Jahre nach der Katastrophe erneut eine Debatte um Terrorismus, Macht und Ohnmacht, Kontrollverlust und Scheitern von Politikern und Medien an. Im Interview mit FOCUS Online verrät Sarah Morris, was sie an dem Münchner Attentat fasziniert hat.
FOCUS Online: Wie sind Sie auf den Psychologen Georg Sieber gekommen?
Sarah Morris: In sehr vielen Zeitungsartikeln taucht sein Name auf. Ich war von diesem Charakter fasziniert – man hätte ihn nicht erfinden können. Er ist fast wie ein Romanheld aus einem Thomas-Pynchon-Buch. Er war eine vergleichsweise liberale Figur, die gleichzeitig dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund angehörte und für die Polizei arbeitete. Sieber studierte ursprünglich Ballett und Choreografie, wechselte dann zur Psychologie, dann schlug er dem Bürgermeister von München vor, wie man mit den Demonstrationen der späten 60er umgehen sollte, und er wurde tatsächlich von der Polizei engagiert, 1972 sogar als leitender Psychologe des Ordnungsdienstes bei der Olympiade. Sieber hatte sehr viele Szenarien entworfen, in denen die Olympischen Spiele gefährdet werden könnten – jenes Szenarium Nr. 26 war eine nahezu exakte Vorhersage dessen, was dann tatsächlich passiert ist. Als die Verantwortlichen am Tag der Geiselnahme seinen Plan zum weiteren Vorgehen ablehnten, stand er auf und ging. Er schmiss seinen Job einfach hin. Ich kenne nicht viele Menschen, die in so einer Situation gegangen wären.
FOCUS Kultur - Interview lesen
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SARAH MORRIS - 1972
| Lenbachhaus, München
| bis 03. August 2008
Apr
13
Angela Bulloch | The space that time forgot
April 13, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Lenbachhaus / Kunstbau München |
“The space that time forgot” ist die erste Einzelausstellung von Angela Bulloch (* 1966) in München und ist bis zum 18. Mai 2008 im Lenbachhaus, Münschen zu sehen.
Dem Titel der Ausstellung folgend wird die Künstlerin Modelle der Wahrnehmung des Raumes und der Zeit verschränken. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen die Ökonomie und Semantik interplanetarischer und interstellarer Verhältnisse, ihre Gravitations- und Kräftefelder, sowie die Formen visueller Repräsentation, welche die Erde, unser Sonnensystem, das Universum und der Wissenschaftszweig der Astronomie überhaupt auf dem Weg vom Zeitalter der Aufklärung in die globalisierte Popkultur unserer Zeit erfahren haben.
Für die Ausstellung im Kunstbau hat Angela Bulloch terrestrische und extraterrestrische Perspektiven auf den Sternenhimmel und die Erde in Projektionen und Lichtinstallationen entworfen. Ihre Nightskies zeigen ausgewählte Bereiche der Himmelssphäre, die aus einer Perspektive weit jenseits der Erde entstanden sind. Diese Arbeiten reflektieren die Unmöglichkeit, die Ordnung des Universums von einem Punkt aus zu überschauen. Jede mögliche Antwort verweist auf die Abhängigkeit von der Perspektive, aus der heraus sie entstanden ist und reiht sich damit in das große Thema der Repräsentationskritik ein.
Ein wesentlicher Bezugspunkt dieses Themas ist die Erforschung und synästhetische Überformung digitaler Klang- und Bildinformationen.
Prototypisch ist dies in der Installation Z Point aus dem Jahr 2001/2004 verwirklicht, eine der wichtigsten Arbeiten von Angela Bulloch der letzten Jahre und laut Hans Dieter Huber „einer der ersten Höhepunkte der Kunst des 21. Jahrhunderts“. Als einer der zentralen Bestandteile der Ausstellung nimmt Z Point, eine Licht- und Toninstallation aus 48 sogenannten Pixel Boxes, Bezug auf den 1970 von Michelangelo Antonioni realisierten Film Zabriskie Point.
Die von Angela Bulloch entwickelte Pixel Box ist ein dreidimensionaler Würfel, der mittels eines modularen Lichtsystems in den Grundfarben Rot, Grün und Blau wie ein 16 Millionen Farben-Bildschirm programmiert werden kann. Pixel steht für “picture element” und ist die kleinste Einheit zur Darstellung eines Bildschirmbildes. Die rechteckige Form der Pixel Box erinnert wiederum an künstlerische Überlegungen der Minimal Art, z. B. an Arbeiten von Dan Flavin oder Donald Judd, und deren Auseinandersetzung mit Geometrie, Reduktion sowie farblichen Kompositionen.
“The space that time forgot” | Angela Bulloch
| Lenbachhaus / Kunstbau, München
| bis zum 18. Mai 2008
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KATALOG | ANGELA BULLOCH - The Space That Time Forgot
| Katalog München 2008.
| Vorwort: Helmut Friedel & Matthias Mühling.
| Essays: Diedrich Diederichsen & Matthias Mühling
| 104 S. mit 50 farb.
| ganz- bzw. doppelseit. Abb.,
| Ausst’verz., Bibliographie,
| brosch. - Text in dt. & engl.
Wahrnehmung von Raum und Zeit ist für Angela Bulloch eine künstlerische Herausforderung, die sie in diesem Buch glanzvoll durchexerziert. Sie hat für diese Publikation irdische und außerirdische Blicke auf den Sternenhimmel geworfen und diese Beobachtungen in künstlerische Projektionen umgesetzt.
Ihre “Night Skies” zeigen ausgewählte Bereiche der Himmelssphäre, die von einem Blickpunkt weit jenseits der Erde gesehen werden. Damit reflektiert Bulloch die Unmöglichkeit, die Ordnung des Universums von einem einzigen Punkt aus zu überschauen. Daraus resultiert ihre Erforschung von Bild- und Klanginformationen, mit denen sie digital arbeitet. In ihrer Installation “Z Point” aus dem Jahr 2001/2004 schafft sie eine Licht- und Toninstallation aus 48 sogenannten Pixel-Boxen, die auf den 1970 von Michelangelo Antonioni realisierten Film Zabriskie Point Bezug nimmt.
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Daria Halprin und Mark Frechette | die beiden Hauptdarsteller von Zabriskie Point auf dem Cover vom ROLLING STONE Magazine 1970
Die Sprengung der Warenform | Zum Tode von Michelangelo Antonioni 2007
TAZ - Diedrich Diederichsen
- in “Zabriskie Point”, einer Reise durch die Idee der Politisierung. Sie beginnt mit Black Panthers, führt über ein gigantisches Love-in in der Wüste und endet in der psychedelischen Apokalypse der Warenkultur, einem der stärksten Bilder jener Revolte: einer zeitlupengedehnten Explosion von Logos und Verpackungen zur Musik der frühen Pink Floyd. Kein anderer 68er-Regisseur hat die viel gefilmte Werbe- und Logokultur so zu einer fast chiliastischen Kapitalismuskritik zugespitzt: nicht Vietnam, nicht der Rassismus, nicht Repression, auch nicht “Konsumterror”, wie man damals sagte, sondern: Die Ware selbst ist das Problem. Was gab es danach noch zu sagen?
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VIDEO | Zabriskie Point | Schlussszene | 1970
| Musik: Pink Floyd
( modifizierte Version von “Be Careful With Your Axe Eugene” )
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Warteplatz für künftige Kosmonauten
NZZ - Birgit Sonna
Die Medienkünstlerin Angela Bulloch im Münchner Kunstbau
Wände mit farbig aufleuchtenden «Pixelboxen» machten die Kanadierin Angela Bulloch weltberühmt. Im Münchner Kunstbau inszeniert die Künstlerin nun mit verschiedenen Lichtinstallationen ausserirdische Perspektiven auf die Baustrukturen des Universums.
Kaum ein anderer Ort als der kühle Untergrund des Kunstbaus würde sich besser für Angela Bullochs durchaus forschungsintensive Kunstexpedition in den Mikro- und Makrokosmos eignen. «The Place that Time Forgot» hat die in Berlin lebende Künstlerin ihre aus jüngsten und neueren Arbeiten sowie einer bekannten Pixelbox-Wand zusammengesetzte Schau überschrieben. Mit dem Titel spielt Bulloch auch darauf an, dass der Ausstellungsraum einem lange vergessenen, vom U-Bahn-Bau herrührenden Schacht zu verdanken ist. Doch letztlich oszilliert die 1966 geborene Künstlerin um die im Medienzeitalter unhaltbar gewordene Vorstellung eines über die Sequenz oder Simultaneität fassbaren Raum- und Zeitbegriffs.
Katalogautor Diedrich Diedrichsen hat einen klugen Aufsatz zu Bulloch geschrieben, in dem er von der «Krise des Raums» spricht. «War das Weltall früher unermesslich gross, aber darin einfach nur ein sehr grosser Raum, sprechen seine Dimensionen heute jeder Vorstellbarkeit hohn. Raum ist in anderen Raum eingerollt, eingekapselt, unendlich gross und unendlich klein und ortlos zugleich, sechsdimensional, neundimensional.» Diedrichsen hat recht, wenn er die existierende Raumkrise auch mit der schwammigen Terminologie in Zusammenhang bringt. Im Englischen bezeichnet das Wort «space» zumindest auch ein Abstraktum in klarer Abgrenzung vom architektonisch bestimmten «room». Im Deutschen muss man sich mit dem Wort «Raum» bescheiden, das im Prinzip sowohl die Ein-Raum-Wohnung wie auch den Weltraum meinen kann. Angela Bulloch bietet dem Betrachter im Kunstbau eine Bühne zur Selbstdarstellung, in der er seine schwer fixierbare Position zu Raumgestirnen körperlich wie auch gedanklich versuchsweise ausloten kann.
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“The space that time forgot” | Angela Bulloch
| Lenbachhaus / Kunstbau, München
| bis zum 18. Mai 2008
Feb
24
Mark Rothko | Retrospektive
Februar 24, 2008 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer
| PT Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung |
Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München zeigt bis zum 27. April 2008 eine großangelegte Retrospektive von Mark Rothko, einem der bedeutendsten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk wird mit ( vielen bisher nicht öffentlich gezeigten Bildern ) über 100 Gemälden und Papierarbeiten dem deutschen Publikum umfassend präsentiert.
Danach ist die Ausstellung in veränderter Form vom 16. Mai bis zum 14. September 2008 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.
Bekannt sind seine meist großformatigen Gemälde mit horizontal geschichteten Farbflächen. Solche meditativen Abstraktionen gelten heute als Synonyme für den Abstrakten Expressionismus. Rothko hat sich jedoch zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden.
Marcus Rothkowitz | Mark Rothko
1903 als Marcus Rothkowitz in Russland geboren, kommt er als Zehnjähriger mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Nach Studien in Yale und an der New School of Design in New York, beginnt er ab 1930 als Künstler zu arbeiten. Ganz allmählich tastet er sich von figurativen Anfängen über den Surrealismus zu reinen Farbkonstellationen heran. Man erkennt in seinen frühen städtischen Szenen bereits Experimente mit formalen Reduktionen und es wird deutlich, wie sich seine surreal-biomorphen Formen zu immer kompakteren Farbwolken, so genannten „multiforms“ bündeln. Diese markieren Ende der 1940er Jahre den Übergang zu seinem genuinen Bildschema, den sich überlagernden Farbschleiern, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht werden. Wenn auch von allem Abbildlichen befreit, verbindet der Künstler seine Bilder weiter mit inhaltlichen Vorstellungen.
Auch vollkommen ungegenständliche Gemälde will er daher stets als etwas Konkretes verstanden wissen. Seine aus dem Rechteck entwickelten Formgefüge sorgen durch ihre Proportionen zueinander und die Zusammenstellungen ihrer Farben für einen von jedem Betrachter individuell erfahrenen Bildausdruck, den der Künstler als Bedeutungsgehalt versteht.
Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles von Mark Rothko sind gleichzeitig Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte. Das Schwarz in seiner Farbskala steht für die Leere und das Nichts. Die in seinem letzten Lebensjahrzehnt entstehenden „Blackform“- und „Black on Gray“-Paintings setzen eine radikale Zäsur und stehen auch für Verweigerung. Eine zu offensichtliche Schönheit wird zugunsten ikonischer Strenge zurückgenommen. Schwärze steht deshalb weniger für Depression und Krankheit, als für eine maximale Leistung des Betrachters, der so unausweichlich mit der elementaren Tragik dieser letzten Werke konfrontiert wird. Es ist deshalb wohl nicht falsch, diese in ihrer unausweichlichen Konsequenz als letzte geschlossene Bildserie zu verstehen und sie als eine Art Vermächtnis vor dem Freitod von 1970 zu lesen.
Mark Rothko | Retrospektive
| Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
| bis 27. April 2008
Danach ist die Ausstellung in veränderter Form
vom 16. Mai bis zum 14. September 2008 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.
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| 220 Seiten,
| 88 Tafeln in Farbe
| 16 in s-w,
| 35 Abb. in Farbe
| 28 in s-w.
| 28 x 28 cm.
| Gebunden.
Das Katalogbuch zu der großangelegten Retrospektive macht diese Gefühlsskala mit Farbtafeln von subtiler und aufwendig produzierter Qualität erfahrbar und ermöglicht, durch Beiträge spezialisierter Autoren, den Maler Rothko neu verstehen.
Mark Rothko (1903–1970) gilt als ein Meister des abstrakten Expressionismus. Die in München und Hamburg gezeigte Retrospektive stellt sein Gesamtœuvre vor und lässt so die Entwicklung zu den Schlüsselwerken der Moderne in höchster Intensität und mit vielen bisher nicht öffentlich gezeigten Bildern erfahrbar werden.
Mark Rothko hat sich zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden. Tatsächlich hat der aus Russland stammende Künstler einen Werdegang gehabt, der das allmähliche Herantasten an die verschiedenen Konzepte seiner Farbkonstellationen stets mit inhaltlichen Vorstellungen verband.
Sein figürlich angelegtes Frühwerk experimentierte schon mit formalen Reduktionen, und seine Bilder befreiten sich in den 1930er Jahren immer mehr von der Abbildhaftigkeit. Dennoch wollte Rothko selbst vollkommen ungegenständliche Gemälde als etwas Konkretes im Sinne der Lebenswirklichkeit verstanden wissen. Gegen Ende der 1940er Jahre entstand dann das Bildschema der sich überlagernden Farbschleier, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht sind. Innerhalb des aus dem Rechteck entwickelten Formgefüges sorgen die Proportionen der Einzelflächen zueinander und die Zusammenstellungen der Farben für den jeweils vom Betrachter erfahrenen Bildausdruck, den Rothko als Bedeutungsgehalt verstanden wissen wollte. Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles sind Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte.
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Mark Rothko – Bilder aus der Gewalt geboren
WELT online - Alexander Kluy
In einem seiner Skizzenbücher notierte er, der auf vielen Fotografien grimmig in die Kamera sah und eisern jedes Lächeln verweigerte: “Die Wiege meiner Gemälde ist Gewalt - die einzig zulässige Balance ist das prekäre Gleichgewicht, kurz vor dem Moment des Zusammenbruchs … Deshalb bin ich immer wieder überrascht zu hören, dass meine Bilder friedlich wirken: Sie sind ein einziges Zerreißen, aus der Gewalt heraus geboren.”
Rothko rang lange mit dem Gegensatz von öffentlich und privat, von Einsamkeit, Eigenständigkeit und Isoliertheit. Auch von Ausstellen und Einzelbetrachtung. Später schwebte Rothko als Ideal für seine murals, Bilderzyklen, die für öffentliche Räume entstanden, “ein umschlossener Raum, nur mir gehörig” vor. Anders gesagt: das exakte Gegenteil einer auf Massenandrang programmierten Ausstellung.
“In der Malerei”, so Rothko, “entsteht eine plastische Wirkung durch den Eindruck einer Bewegung, die in den Bildraum der Leinwand hinein- oder aus diesem herausführt… Der Betrachter muss sich innerhalb dieser vom Künstler gestalteten Formen nach innen und außen, oben und unten sowie diagonal und horizontal durch das Bild bewegen. Diese Reise bildet das Gerippe, das Gerüst der Bildidee.”
Doch was tun, wenn man auf dieser Reise wie in München allein gelassen wird, teils, weil die Vorbildung, die seine Bilder benötigen, gewaltig, dafür der didaktische Erläuterungswille defizitär ist? Zum anderen, weil es schlechterdings unsinnig ist, seine Bilder in Gemeinschaft anzusehen. Dann mutieren sie zu netten bunten Farbkumuli. Das war auch der Grund, weshalb Rothko wütend und verletzt seinen Zyklus für das von Mies van der Rohe entworfene Seagram Building in New Yorks fashionabler Park Avenue zurückzog. Dort sollten sie im Restaurant aufgehängt werden.
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Der verborgene Gott
SUEDDEUTSCHE online - Willibald Sauerländer
“Die Kunst von allem schmückenden Beiwerk zu befreien”, war die Mission von Mark Rothko. Er ist einer der bedeutensten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Eine Retrospektive in der Hypo-Kunsthalle in München zeigt nun seine Werke.
Die Bilder, die damals in den Ateliers der “Zornigen” wie Rothko, Newman und Pollock entstanden, haben auch nach einem halben Jahrhundert ihre Leuchtkraft unvermindert behalten. Kein Warhol, keine Pop Art, erst recht keine Postmoderne und kein Neorealismus haben sie verdunkelt. Ihre Leuchtkraft ist ungebrochen.
Heute, da fast auf religiöse Weise über die Grenzen zwischen bildlicher Information und dem Bild als Kunst gerungen wird, stellt diese Retrospektive eine ästhetische und spirituelle Gewissensfrage.
Schon in Rothkos Tagen war das Spiel der Malerei mit dem Mystischen und Transzendenten ein ambivalentes Unterfangen, die Epiphanie immer vom Absturz in die Theatralik bedroht. Gerhard Richter, eigentlich ein Bewunderer seines Kollegen, erzählte von einer Rothko-Schau: “Ich erwartete viel, aber dann war es bizarr wie in einer Kirche. Man war einem Mysterium näher als der Malerei.”
In optisch hastiger Zeit bieten Rothkos “Epiphanien” die schwierige Chance zum langsamen Sehen.
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Der amerikanische Raum
FAZ - Niklas Maak
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese Ausstellung das Bild ändert, das wir von Rothko und der amerikanischen Moderne haben. In Rothkos frühen Bildern werden die technischen (Kratztechnik von Matisse) und inhaltlichen Einflüsse seiner europäischen und amerikanischen Vorbilder sichtbar - nach den mattfarbigen Untergrundbildern, in denen noch Hoppers Großstadtmalerei durchscheint, malt Rothko surreale Bilder, die sich an Räumen von de Chirico und Max Ernsts „Loplop“ entlangbewegen.
… was Rothko ganz offensichtlich interessiert, sind Figuren und Räume, die querstehen zu klassischen Vorstellungen, die Grenzziehungen wie „Mann oder Frau“, „vorn oder hinten im Raum“ als falsche Frage zurückweisen.
Ein solcher Raum deutet sich um 1947 mit den sogenannten „Multiforms“ an. Die Figuration löst sich in einem glühenden, erhitzten Farbennebel auf, was dann passiert, wirkt wie ein Zoom. Rothko scheint aus den Multiformbildern Übergangszonen, in denen sich zwei Farben begegnen, herauszuvergrößern. Es entstehen die berühmten Farbfeldbilder, deren Raumwirkung einem Flug durch psychedelische Welten gleicht: Farben wie luftige Watte überlagern dichte, leuchtendrote Farbbretter, Abgründe tun sich auf, Zonen dampfen ineinander, ein schrilles Rosa glüht unter einem grellen Orange hervor, ein Matisseblau diffundiert in ein Monetsches Seerosengrün und sinkt in ein mattes Schwarz. In der opulenten, aus Dutzenden von Gemälden inszenierten Farbfeldlandschaft dieser Ausstellung sieht man auch, dass Rothkos Bilder viel weniger mit den desinfiziert wirkenden Abstraktionen eines Josef Albers zu tun haben als mit der Tradition der großen amerikanischen Landschaftsgemälde.
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Brennendes Schwarz in dunklen Sonnen
FR online - Oliver Herwig
Vergessen wir dieses Bild, die bequeme Vorstellung, wofür Mark Rothko steht: Der vermeintliche Maler leuchtender Farbfelder war vielschichtiger und dunkler, als wir es lange wahrhaben wollten. Rothkos grandiose Retrospektive in der Hypo-Kulturstiftung gibt den Blick auf ein Werk frei, das aus Krisen und Brüchen wächst und doch das Geistige in der Kunst bereits in Figurinen und Szenerien des Anfangs probt.
“Mich interessieren nur grundlegende Emotionen: Tragödie, Ekstase, Schicksal”, sagte Rothko einmal. “Leute, die vor meinen Bildern weinen, haben die gleiche religiöse Erfahrung wie ich, als ich sie gemalt habe.”
Von der Größe des Menschen sprechen diese Bilder, von seinen Möglichkeiten, seiner Verzweiflung und Transzendenz. Es geht um “Size”, Größe - Maßstab in Zentimetern wie um den moralischen Maßstab. Nicht Konstruktion steht bei Rothko im Vordergrund, sondern psychische Untiefen. Nicht das Machen und die Macht, Farbe zu flirrenden Wolkenschichten zu verdichten oder zu verdünnen, sondern Emotionen Raum zu geben. Rothko erfindet dafür ein Kunstwort, “Breathingness”, das Kurator Wick mit dem raunenden Neologismus “Durchatmetheit” übersetzt, jenen Schwebezustand, der über die Farbräume auch in die seelischen Tiefen, ja Abgründe blicken lässt.
Welcher Kampf hinter den treibenden Farbwolken steckte, machte Rothko an mehr als einer Stelle deutlich. Gewalt sei die “Wiege seiner Gemälde”, sagte er, “die einzige zulässige Balance das prekäre Gleichgewicht, kurz vor dem Moment des Zusammenbruchs”. Ein “einziges Zerreißen” konstatiert der Maler und liefert eine Steilvorlage für alle Psychologen, die seinen Zusammenbruch und Suizid ergründen wollen.
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Unter Halunken
TAZ - Brigitte Werneburg
“Das Vermächtnis des Mark Rothko”, ein Buch von Lee Seldes, beschreibt das Verhältnis des Malers zum Kunsthändler.
Dabei hatte sich Mark Rothko immer gewünscht, seine Arbeiten als Werkkomplexe in Museen und anderen öffentlichen Kunst- und Kulturinstitutionen zu zeigen. Noch 1960 kaufte er neun Wandgemälde zurück, eine Auftragsarbeit für das Four-Seasons-Restaurant in Mies van der Rohes Seagrams Building, “einem Schuppen”, wie er sagte, “in dem die größten Scheißkerle von New York essen gehen und angeben”. Dass seine Bilder ihnen die Laune verderben könnten, wie von ihm beabsichtigt, glaubte er zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Er vermachte die Gemälde der Londoner Tate, die dem Ensemble einen eigenen Raum widmete. Damit diese ideale Öffentlichkeit für seine Kunst kein Einzelfall blieb, brauchte es einen langen Kampf.
Denn die Frage, die das Auftreten mancher großer Galeristen hin und wieder aufwirft, nämlich, was, um Gottes willen, sie ihren berühmten Künstlern eigentlich zu bieten haben außer einem Nummernkonto in der Schweiz, spielt im Fall Mark Rothkos und seiner künstlerischen Hinterlassenschaft eine wichtige, ungeklärte Rolle. Nur dieses Schweizer Nummernkonto, mit dem Mark Rothko immer wieder prahlte, kann die ausbeuterischen Verträge erklären, die er mit Francis Kenneth Lloyd, einem der mächtigsten Männer des damaligen Kunstmarkts, eben einem der Scheißkerle aus dem Four Seasons, abschloss. Das ist die These der Journalistin Lee Seldes, die den sechs Jahre dauernden Prozess mitverfolgte, den Mark Rothkos Tochter Kate nach dessen Selbstmord am 25. Februar 1970 gegen die Nachlassverwalter ihres Vaters und gegen Lloyd, den Betreiber der weltweit operierenden Marlborough Gallery mit Geschäftssitz in Lichtenstein, anstrengte.
Sie gewann, unter hohen Kosten.
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BUCH
Lee Seldes
| Das Vermächtnis Mark Rothkos
Gebundene Ausgabe
523 Seiten
Auflage: 1 (Februar 2008)
Sprache: Deutsch
20,6 x 13 x 4 cm
Als Mark Rothko sich am 25. Februar 1970 das Leben nahm, war er längst ein international gefeierter Superstar der zeitgenössischen Kunst. Der zeitweilige Weggefährte von Robert Motherwell, Willem de Kooning, Barnett Newman, Jackson Pollock und anderen, hatte bereits 1960 im MoMA eine große Retrospektive, seine Arbeiten waren gefragt und die Preise kletterten stetig nach oben. Wie Hyänen scharten sich der boomende Kunstmarkt und falsche Freunde um den zunehmend verzweifelten Künstler, der sein Werk einerseits behüten wollte und andererseits Ruhm für sich und Geld für die finanzielle Absicherung seiner Familie suchte.
Heute wissen wir, dass der kommerzielle Erfolg den Künstler in einen unauflösbaren Konflikt stürzte und Menschen, die ihm nahe standen, dazu brachte zu Verbrechern zu werden. Denn was am Tag seines Todes beginnt ist beispiellos: Korrumpierte Nachlassverwalter lassen zu, dass zahlreiche Gemälde außer Landes gebracht und unter Preis veräußert werden, Galerien organisieren Ringverkäufe und Insidergeschäfte, um die Preise hochzutreiben und Museen der öffentlichen Hand beteiligen sich an Geldwäsche. Dem Treiben wird erst ein Ende gesetzt, als Rothkos minderjährige Tochter eine Klage gegen die Stiftung ihres Vaters einreicht.
Über die Autorin:
Lee Seldes schrieb für Newsweek, Barron’s, The Village Voice und Esquire.
Sie war die einzige offizielle Journalistin, die den Rothko-Prozess beobachte.
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Nicht Bilder, sondern Orte
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Johannes Halder
Es war wohl nicht zu verhindern, dass Mark Rothkos berühmte Farbfelder mittlerweile auch im Postershop eines skandinavischen Möbelhauses gelandet sind - die Meditationsikonen als dekorative Drucksachen für den Massenmarkt. Auch wir haben uns längst daran gewöhnt, dass sich mit Rothko-Kunstpostkarten ebenso gut gratulieren wie kondolieren lässt: die farbigen Motive für Feste und Feiern, die dunklen für den Trauerfall.
Doch Kurator Oliver Wick kann sich vorstellen, wie der Maler selbst darauf reagiert hätte:
“Ich glaube, da hätte er sich sehr dagegen gestemmt. Rothko ist einer der meist abgebildeten Künstler, wenn es um Postkarten geht vor allem. Er ist auch, obwohl es ein abstrakter Maler ist, in einem großen Bevölkerungskreis bekannt wegen der schönen Farben, und das ist vielleicht auch etwas, worunter er als Künstler selbst auch immer wieder gelitten hat, weil seine Kunst nicht dekorativ war, und es ging eigentlich auch nicht um die schönen Farben. Aber die Farbe war natürlich ein Mittel, um diese Direktheit mit dem Betrachter zu erreichen.”
Natürlich kommt man auch in München der Schönheit wegen zu Rothkos Bildern. Es ist keine Sünde, die schwebende Balance seiner Farbflächen bloß im Vorübergehen zu bestaunen, den wolkigen Nebel der gestisch kolorierten Zonen einfach zu genießen, das leise Pulsieren der Farben nur zu ahnen. Zuvor werden wir ohnehin durch das Fegefeuer seines figürlichen Frühwerks aus den 30er Jahren geschickt. Das sind urbane Szenen, die oft Menschen in U-Bahn-Schächten zeigen, auf Treppen und in schlichten Räumen, in matten Farben kreidig und trocken gemalt, Zeugnisse einer kargen Zeit.
Das Bild als Ort, diese geistige Versenkung und körperliche Verschmelzung, die sich Rothko vorgestellt hatte, gelingt freilich nicht immer - dazu müsste man mit den Bildern wohl alleine sein. Doch wenn man Glück hat, kann man auch in München erleben, dass einen die Farben regelrecht durchfluten.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Mark Rothko | Retrospektive
| Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
| bis 27. April 2008
Danach ist die Ausstellung in veränderter Form
vom 16. Mai bis zum 14. September 2008 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.
Okt
31
Max Beckmann | Exil in Amsterdam
Oktober 31, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg -
Jens Ullheimer
| PT Pinakothek der Moderne München |
Die Pinakothek der Moderne München zeigt bis zum 06. Januar 2008 eine Ausstellung über das Amsterdamer Exil von Max Beckmann. Während seines zehnjährigen Aufenthaltes in den Niederlanden entstand rund ein Drittel seines Gesamtwerkes.
Die Pinakothek der Moderne beherbergt mit dem St. Louis Art Museum den umfangreichsten Werkkomplex sowie das Archiv des Künstlers und stellt damit die für ihn wichtigste Forschungsstelle. München ist zudem der Ort, an dem sich die menschenverachtende nationalsozialistische Kulturpolitik 1937 mit der Eröffnung des »Hauses der deutschen Kunst« und der Ausstellung »Entartete Kunst« in aller Schärfe artikulierte. Dies war für Max Beckmann direkter Auslöser seiner Emigration nach Amsterdam. Das Entsetzen über die Entwicklungen in Deutschland, die physische und psychische Anspannung des Exils mobilisierten dort Gegenkräfte, die sich in einer Fülle herausragender Werke niederschlugen.
Vor diesem Hintergrund, der die besondere Brisanz des auch kulturpolitisch eminent wichtigen Themas markiert, ist die Ausstellung nicht nur für die Kenntnis von Max Beckmann relevant. Siebzig Jahre nach der Ausstellung »Entartete Kunst« bedeutet sie vielmehr auch eine erneute Auseinandersetzung und Aufarbeitung dieser kritischen Periode deutscher Geschichte.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Van Gogh Museum in Amsterdam.
Max Beckmann - Exil in Amsterdam
| Pinakothek der Moderne München
| bis 06. Januar 2008
Max Beckmann
| Infos auf wikipedia
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Fotostrecke ausgestellter Arbeiten ansehen
BR online | München 2007
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KATALOG
zu den Ausstellungen
in München und Amsterdam 2007
Max Beckmann
| Exil in Amsterdam
Deutsch
440 Seiten,
273 Abb.,
davon 231 farbig,
42 in Duplex
25,00 x 30,70 cm
gebunden
mit Schutzumschlag
Profundes Überblickswerk über die fruchtbarste und bedeutendste Schaffensphase Max Beckmanns mit zahlreichen Farb- und Duplexabbildungen.
Beginnend mit dem letzten in Deutschland vollendeten Werk, dem Triptychon Versuchung aus dem Besitz der Pinakothek der Moderne, widmet sich die Publikation dem malerischen und zeichnerischen Œuvre des Künstlers in einer Zeit bedrohlicher äußerer Instabilität und zugleich innerer Konzentration bis zu seiner Übersiedlung in die USA. Der Band ist damit von größter Bedeutung für die Kenntnis des beckmannschen Werkes in seiner produktivsten und wichtigsten Lebensphase.
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Die Todesboten stehen bereit
NZZ - Anne Erfle
Max Beckmanns Bilder aus dem Amsterdamer Exil zählen zu seinen stärksten Werken. Eine grandiose Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne zeigt sie in reicher Auswahl.
«Das Unsichtbare sichtbar machen durch die Realität, die das eigentliche Mysterium des Daseins bildet»,
das wollte Beckmann in seiner Malerei umsetzen. Überzeugendes Beispiel zu dieser These sind die Selbstporträts. Sie ziehen sich wie ein Psychogramm durch Beckmanns Werk und eröffnen dem Betrachter Einblick in seine individuelle seelische Verfassung.
Das in den ersten Monaten im Exil entstandene Selbstporträt mit dem zynischen Titel «Der Befreite» spiegelt die tiefe Trauer und die Ohnmacht auf schmerzhafte Weise. Eingezwängt auf engstem Raum blickt er aus depressiv verschatteten Augen ins Leere. Die eine Gesichtshälfte erscheint maskenhaft in pastosem Weiss, die andere in giftigem Grün, als sei er bereits kontaminiert. Die schwere Eisenkette, die er in seinen Händen hält, ist zwar gesprengt, jedoch noch am vergitterten schwarzen Fenster im Hintergrund verankert und lastet schwer auf seiner Schulter. «Amerika» als diffuser Schriftzug am Bildrand liegt noch in weiter Ferne.
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KATALOG zu den Ausstellungen in der TATE Modern, London | MoMA, New York | Centre Georges Pompidou, Paris 2003
Gebundene Ausgabe
304 Seiten
174 Farb- und
40 s/w-Illustrationen
Englisch
28,4 x 24,6 x 2,8 cm
Exhibition Brochure ansehen
| viele Abbildungen (pdf-Format)
| MoMA, New York 2003
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Lebenshunger. Todesangst
BERLINER ZEITUNG - Ingeborg Ruthe
Die zehn Exil-Jahre in Amsterdam, die nur als Transitstation auf dem Weg nach Amerika gedacht waren, sind - trotz aller Nöte und Ängste - seine intensivsten. Ein Drittel seines Werkes entsteht in der Zeit, in der er auf das Visum für die USA wartet. Die Papiere kommen nach Kriegsende: 1947. Beckmann bleiben noch drei Jahre.
Das Triptychon “Karneval” 1942/43 ist das Exilbild schlechthin. Max Beckmann malte sich, tragisch eingeklemmt zwischen Sündenfall und Paradies, um ihn tobt der Zweite Weltkrieg. Wehrmacht, Gestapo, SS haben Amsterdam, das Notquartier des deutschen Malers, im Griff. Bald wird der Herzkranke abermals eine Einberufung an die Front bekommen, ihr nur durch den physischen Zusammenbruch entgehen.
Jene dunkle-turbulente Zeit macht Münchens Pinakothek der Moderne, zusammen mit dem Van Gogh-Museum Amsterdam, zum Thema einer überwältigenden Ausstellung.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
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Zehn Jahre Amsterdam
3SAT - Kerstin Arnold
“Ich suche aus der gegebenen Gegenwart die Brücke zum Unsichtbaren – ähnlich wie ein berühmter Kabbalist es einmal gesagt hat: »Willst du das Unsichtbare fassen, dringe so tief du kannst ein in das Sichtbare«.”
Die kommenden Jahre bieten dem Künstler viel, manchmal vielleicht zu viel Sichtbares, in das er eindringen muss. Mit dem Ausbruch und dem Vordringen des Krieges verdüstert sich auch das Panorama seiner Bilder. Schwarz, Braun und Grau verdrängen die übrigen Farben aus dem Blickfeld oder mischen sich verdunkelnd unter sie. Immer wieder tragen und gebrauchen die dargestellten Figuren Schwerter und andere Waffen. Auch dass er sich neben – meist blutigen – Geschichten aus der griechischen und biblischen Mythologie gerade mit der Apokalypse und dem “Faust II” beschäftigt, wird kein Zufall gewesen sein.
Dennoch oder gerade deshalb geht von diesen Bildern eine unglaubliche Faszination aus. Man fühlt sich teils gleichermaßen abgestoßen und angezogen von ihnen. Gerät fast unweigerlich in ihren Bann, selbst wenn sie sich nur schwer fassen lassen. Doch sie können, wie Beckmann es ausgedrückt hat,
“wenn der Kontakt da ist, einen heftigen Glanz annehmen und Wahrheiten sagen, die ich nicht mit Worten ausdrücken kann und auch vorher nicht gewusst habe.”
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Artikel im Zusammenhang mit der vorangegangenen Schwesterausstellung
im Van Gogh Museum, Amsterdam 2007
“Als Übergang ist Amsterdam ganz schön”
WELT online - Tim Ackermann | April 2007
Eigentlich wollte der Maler nach Frankreich fliehen. Stattdessen saß er sieben Jahre in den Niederlanden fest.
Erst zwei Jahre nach dem Krieg besucht der Direktor des Amsterdamer Stedelijk Museums Beckmann.
Er kauft bei der Gelegenheit nichts. So befinden sich heute nur drei Bilder des Malers in öffentlichen niederländischen Sammlungen.
Die fehlende Beachtung dürfte Beckmann geschmerzt haben. Ebenso die Tatsache, dass er nach Kriegsende noch über ein Jahr lang als „feindlicher Ausländer“ eingestuft wird und keine Bilder verkaufen darf. Im Sommer 1947 erhält er endlich die ersehnte Einreiseerlaubnis in die USA, wo er bis zu seinem Tod 1950 als Kunstprofessor arbeiten wird. Beckmann freut sich auf die neue Heimat Amerika. Nach zehn Jahren, wie er betont, in „diesem Plättbrettland“.
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Land der eisernen Grenzen
TAGESSPIEGEL online - Christina Tilmann
Vor allem war es die Erfahrung, als Maler nicht geschätzt zu werden, die Anonymität, die Einsamkeit, die dem in den Zwanzigern in Deutschland als Malerstar gefeierten Beckmann in Amsterdam zu schaffen machten.
Das Desinteresse allerdings war gegenseitig. Weder hat sich Max Beckmann, der ohnehin zur abweisenden Einzelgängerei neigte, je bemüht, richtig Niederländisch zu lernen oder Kontakt zu den Amsterdamer Kunstkreisen aufzunehmen – Französisch hatte er in seinen Pariser Jahren, Englisch in den letzten Jahren in den USA hingegen ordentlich, wenn auch mit starkem deutschen Akzent gesprochen. Noch wurde sein Werk in Amsterdam auch nur ansatzweise geschätzt.
Eine einzige Ausstellung gab es 1938 im Kunstzaal van Lier – die Kritiker beurteilten Max Beckmann als „überschätzten deutschen Expressionisten“. So schrieb der Kunstkritiker Kasper Niehaus:
„Für ein geübtes Auge, geschult an unserer eigenen, verfeinerten Art zu malen, sind diese groben Bilder ohne Nuancen nicht gerade ein Fest.“
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Max Beckmann - Exil in Amsterdam
| Pinakothek der Moderne München
| bis 06. Januar 2008
Okt
21
Anish Kapoor | Svayambh | British Sculpture in München
Oktober 21, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT HdK München |
Das Münchener Haus der Kunst zeigt bis zum 20. Januar 2008 die erste umfassende Einzelausstellung von Turner-Preisträger Anish Kapoor seit zehn Jahren in Deutschland.
Der indische Künstler Anish Kapoor (*1954, Bombay) kreiert Objekte, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen: gepulverte Pigment-Skulpturen, monumentale Installationen aus unterschiedlichsten Materialien – oftmals besprüht mit intensiven, und dennoch weich wirkenden Farben. Zwar ist die Materie in Kapoors Schaffen von zentraler Bedeutung, doch ist sie stets verbunden mit einer Idee von Spiritualität, die die oberflächliche “Tatsächlichkeit” des Objekts übersteigt:
“Materie führt in gewisser Weise immer zu etwas Immateriellem” (Kapoor).
Für seine Ausstellung “Svayambh” hat Anish Kapoor eine blutrote Großskulptur geschaffen, die über Gleise langsam, fast unmerklich, durch die monumentalen Räume des Haus der Kunst gleitet. Beim Passieren der Türbögen von einem Raum zum Nächsten hinterlässt der massive rote Block, der an einen Zug erinnert, Spuren: eine Mischung aus Vaseline, Farbe und Wachs. die enorme rote Masse, die an den Türbögen aus Marmor haften bleibt, erinnert an verdichtetes Blut und evoziert ein nahezu apokalyptisches Bild.
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Die Skulptur trägt denselben Titel wie die Ausstellung: “Svayambh”, was sich von Sanskrit “Svayambhu(v)” herleitet und soviel bedeutet wie “selbst erzeugt” oder “aus sich selbst geboren”. “Svayambh” ist als Antwort auf die monumentale Architektur des Haus der Kunst zu verstehen und steht in direktem Bezug zu einer weiteren, ebenfalls ortsspezifischen Arbeit: die “Wunde” ist ein Schlitz von etwa anderthalb Metern, den Kapoor direkt in eine Wand der Ausstellung schneidet. In einem Gebäude wie dem Haus der Kunst mit seiner zum Teil belasteten Geschichte haben derartige Bilder intensive Konnotationen.
Neben den aktuellen, für das Haus der Kunst konzipierten Arbeiten zeigt die Ausstellung auch frühe Skulpturen des Künstlers.
Anish Kapoor | Svayambh
| Haus der Kunst, München
| bis 20. Januar 2008
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Anish Kapoor
| Info auf wikipedia
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Blutrote Apokalypse auf Schienen
SPIEGEL online - Jenny Hoch, München
Ein Klotz aus Wachs und Vaseline fährt durchs Haus der Münchner Kunst, schabt sich ab an den Durchgängen. Mit dieser spektakulären Installation weckt der Bildhauer Anish Kapoor unheimliche Assoziationen zur Nazi-Vergangenheit des Hauses.
Das Szenario der Apokalypse ist überwältigend: Der Block wird gewaltsam durch die architektonischen Gegebenheiten des Gebäudes geformt. Der Raum macht ihn sich untertan, das Objekt schreibt sich mit blutroten Ablagerungen in das Museum ein. Dazu kommen orts- und geschichtsspezifische Assoziationen: Der Klotz wird zum rohen Stück Fleisch, zur namenlosen Opfermasse, die mit dem Zug ins Verderben gefahren wird. Die Verbrechen der Deutschen im Dritten Reich kleben als schleimige Spuren an den Mauern des Nazi-Gebäudes, das nach Plänen des “ersten Baumeisters des Führers”, Paul Ludwig Troost kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erbaut wurde.
Kapoors Werke haben buchstäblich ein Echo. Es verändert sich, je nachdem, wie weit man sich den Objekten nähert. Dabei ist es ganz erstaunlich, wie mühelos sich die Wand-Ausbuchtungen und -Löcher, sowie die Boden-Skulpturen in dem wuchtigen Nazibau behaupten. Es würde auch nicht weiter auffallen, wenn einem hier die Grinsekatze oder gar Humpty Dumty aus Lewis Carolls “Alice im Wunderland”-Büchern begegnen würde. Denn Anish Kapoor ist zwar ein Konzeptkünstler, aber einer mit Phantasie und gutem Karma.
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Anish Kapoor | Svayambh
| Haus der Kunst, München
| bis 20. Januar 2008
Sep
14
Robin Rhode | Walk Off
September 14, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT HdK München |
„Walk Off“ ist die erste umfangreiche Ausstellung Robin Rhodes in Europa. Bis 06. Januar 2008 sind u.a. Zeichnungen, Fotografien, Animationen und Skulpturen zu sehen – ergänzt durch einen Aktionsraum, in dem Rhode eine Wandzeichnung produzieren und gemeinsam mit dem Tänzer Jean-Baptiste André und dem Komponist Thomas Larcher eine Performance erarbeiten wird. Robin Rhode lebt und arbeitet in Berlin und Johannesburg.
Rhode eignet sich vorübergehend Flächen im öffentlichen Raum an, zeichnet mit Kreide Objekte darauf und tritt anschließend mit diesen in Interaktion: er malt ein Fahrrad auf den Boden und versucht, es wegzuschieben, er zeichnet ein Auto auf eine Wand und versucht, es mit einer Brechstange zu öffnen. diese Verbindung von Zeichnung und Performance ist für die Kunst Robin Rhodes charakteristisch: der vorgestellte zeichnerische Raum wird Wirklichkeit, weil der Künstler ihn wie Wirklichkeit behandelt.
Während die frühen Arbeiten Rhodes nur mit der Greifbarkeit von Gegenständen spielen, wird diese bei seinen skulpturalen Arbeiten eingelöst; sie haben den gegenständlichen Aggregatzustand erreicht. allerdings hat ihnen Rhode nur eine beschränkte Lebensdauer mitgegeben: in der Arbeit „Soap & Water“ (2007) etwa steht neben einem Fahrrad aus lindgrüner Seife ein mit Wasser gefüllter Blecheimer – putzt man das Fahrrad, löst es sich in Lauge auf …
Robin Rhode | Walk Off
| Haus der Kunst München
| 16. September bis 06. Januar 2008
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KATALOG | Robin Rhode | Walk Off
| Gebundene Ausgabe: ca. 208 Seiten
| ca. 550 farbige Abbildungen,
| 30 x 22,5 cm, Halbleinen
| Sprache: Deutsch
Erste üppig bebilderte Monografie zu Robin Rhode.
Die Faszination für das unkonventionelle Werk des südafrikanischen Perfomancekünstlers Robin Rhode (*1976 in Kapstadt) nimmt nach Ausstellungsbeteiligungen in Europa, den USA und Afrika weiter zu.
Auf einzigartige Weise versteht er es, Themen des Alltags-, Kultur- und Großstadtlebens in Johannesburg aufzugreifen. Durch die Verbindung von Zeichnung und Performance ergibt sich dabei ein mitunter grotesker Effekt: zum Beispiel, wenn Rhode ein Auto auf eine Wand zeichnet und anschließend versucht, sich mit einer Brechstange Zugang zu verschaffen. Der zeichnerische Raum wird Wirklichkeit, weil der Künstler ihn zur Wirklichkeit erhebt.
2005 war Robin Rhode bei der Biennale Venedig oder auch im New Yorker MoMA zu sehen - nun ist der Künstler endlich in Deutschland zu entdecken. Der opulent bebilderte Band bietet einen ersten repräsentativen Querschnitt durch sein Schaffen, darunter eine eigens für das Haus der Kunst in München realisierte Werkserie; der Schwerpunkt liegt auf raumgreifenden Zeichnungen sowie neuen skulpturalen Werken, begleitet von Foto-, Film- und Videoarbeiten.
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VIDEO | Street Level
| Mark Bradford, William Cordova and Robin Rhode
| Nasher Museum
| 29. März – 29. Juli 2007
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Bang, da hatt’ ich’s!
FR online - Elke Buhr

Wenn das Timing stimmt: Der junge südafrikanische Künstler Robin Rhode bringt die Straße ins Museum.
… Robin Rhode, geboren wurde er 1976 in einem schwarzen Viertel von Cape Town. Jetzt sitzt er in seinem Atelier in Berlin-Wedding zwischen großformatigen Kohlezeichnungen und erklärt den Ausgangspunkt seiner Kunst. Es war ein bestimmter Initiationsritus an seiner Highschool: “Die älteren Kinder gingen mit den Kleinen auf die Jungentoilette. Dort malten sie mit Kreide Objekte an die Wand und zwangen die Kleinen, etwas mit diesen Objekten zu machen. Sie malten zum Beispiel eine Kerze an die Wand, und die Kleinen mussten sie ausblasen. Oder sie malten ein Fahrrad, und die Kinder mussten darauf fahren - wenn sie es nicht schafften, bekamen sie einen Klaps, oder ihnen wurde etwas weggenommen. Es war ein Spiel, und gleichzeitig eine Begegnung mit Erniedrigung und Scheitern.”
Schon auf der Kunsthochschule in Südafrika, inmitten einer erdrückenden Mehrheit von weißen Studenten, hat Robin Rhode begonnen, aus dem fies-schönen Highschool-Spiel eine ganz eigene künstlerische Form zu destillieren. Er malt mit Kreide oder Kohle auf Straßen, Galerienwände, Mauern, und interagiert dann mit den gemalten Gegenständen - ganz ernst und gleichzeitig sehr witzig, mal rau, mal poetisch. Rhode steht dabei zwischen Performance, klassisch gegenständlicher Zeichnung und den Codes der Straße, des Alltags und der Popkultur; er mischt High und Low, so wie er die Konventionen des westlichen Kunstsystems mit der urbanen visuellen Sprache Südafrikas konfrontiert. Und die Kunstwelt liebt ihn dafür.
Robin Rhode | Walk Off
Haus der Kunst München
16. September bis 06. Januar 2008
Jul
29
Gilbert & George | Die grosse Ausstellung
Juli 29, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT HdK München
”Sei stets elegant gekleidet, gepflegt entspannt, freundlich höflich und völlig Herr der Lage” (G+G-Bildhauergesetz Nr. 1 von 1969)
Die Times nannte Gilbert & George die »Prügelknaben der britischen Kunst« - was die Briten nicht daran hinderte, das Künstlerduo 2005 den englischen Pavillon auf der Biennale in Venedig gestalten zu lassen. »We are delighted to accept this kind invitation and promise to do our very worst!«, lautete der Kommentar des Duos. Seit 1967 sind Gilbert & George ein Paar – in der Kunst wie im Leben. Durch ihre Auftritte als „Living Sculptures“ wurden sie weltberühmt; Heute sind sie die Popstars der zeitgenössischen Kunst.
“Die große Ausstellung” im Haus der Kunst München zeigt etwa 200 Werke des berühmten Künstlerduos aus 40 Jahren und allen künstlerischen Medien, in denen Gilbert & George gearbeitet haben.
Zu Beginn ihrer Karriere – beide sind Bildhauer – standen Gilbert & George zunächst mit leeren Händen da: ohne Galerie und ohne Atelier, aber mit dem bedeutenden Einfall, sich selbst zu Kunstwerken zu erklären. damit erweiterten, ja revolutionierten sie den Skulpturbegriff und brachten sich selbst als „Living Sculptures“, als lebende Skulpturen, heraus. auf das Publikum Ende der 1960er Jahre wirkte ihre Erscheinung und ihre systematischen Trinkgelage in gepflegten Maßanzügen einigermaßen irritierend – schließlich stand der bürgerliche Habitus, den Gilbert & George rein äußerlich kultivierten, stets im Widerspruch zum antibürgerlichen, provokativen und nicht selten schockierenden Inhalt ihrer aberwitzigen Auftritte.
KATALOG
| Gilbert & George.
Die große Ausstellung
| Haus der Kunst
(Broschiert) 208 Seiten,
246 farbige Abbildungen
Gilbert Proesch (geb. 1943) und George Passmore (geb. 1942) bringen Werke zu tabuisierten Themen wie Sexualität und Rassendiskriminierung hervor, die zu den einflussreichsten künstlerischen Aussagen unserer Zeit zählen. Der Band zeichnet das provokative Oeuvre mit seinem radikalen Idealismus vom Ende der 1960er-Jahre bis heute anhand der wichtigsten Werkserien nach darunter auch neueste, bisher unveröffentlichte Arbeiten von Gilbert & George. Ausstellungen: Haus der Kunst, München 11.6.- 9.9.2007 Im Anschluss Castello di Rivoli, Turin, De Young Memorial Museum, San Francisco Milwaukee Art Museum, Brooklyn Museum of Art.
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Gilbert & George | Die große Ausstellung
Haus der Kunst München
| bis 09. September 2007
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MUFTI 2005, Collection of James Chanos, New York and London
Hausbesuch bei Gilbert & George
WELT online - Oliver Koerner von Gustorf
Als sie früher Jesusmotive in ihre Fotowerke einbezogen, galt die Auseinandersetzung mit religiösem Fanatismus in der Szene als überholt. Auch die Forderung der beiden, den Papst aufgrund seiner reaktionären Aids- und Homosexuellenpolitik wegen Massenmordes vor Gericht zu stellen, fand nur wenige Freunde. Den Künstlern wurde vorgeworfen, sie würden sich vor einer Auseinandersetzung mit muslimischem Fanatismus drücken. Doch Gilbert und George sind in jeder Hinsicht antireligiös, glühende Verfechter von Aufklärung und individueller Freiheit.
Ihre jüngste Arbeit, die “Bomb”-Serie, trifft mitten in die verhärteten Fronten, die sich in ihrer vermeintlich multikulturellen Nachbarschaft abzeichnen. Vor “Evening Standard”-Schlagzeilen zum Londoner Bombenterror sieht man Gilbert und George rot anlaufen - als glühende Missiles, mit Stacheldraht umwickelt, als menschliche Waffen, Krieger und Festungen. Ohne sichtbare Emotionen erzählen sie von Flugblättern, die sie auf der Brick Lane sammeln, auf denen der islamische Gottesstaat in Großbritannien ausgerufen oder die Todesstrafe für Schwule gefordert wird.
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KATALOG |
Gilbert and George:
The Complete Pictures
Der - von den Künstlern selbst gestaltete - Katalog zur Londoner Retrospektive 2007 ist der größte in der Geschichte der Tate Modern bislang. 1200 Seiten, gebundene Ausgabe,
Box-Set. Ca. 1.500 farbige Illustrationen, 203 Detail- und 256 Ausstellungsansichten illustrieren das Werk von Gilbert und George. Verständliche Einführung, zahlreiche Kommentare der Künstler.
“Bei so viel Exzentrik wirkt Damien Hirst wie das Sandmännchen.” “Zurück bleibt ein Übermaß an Exzentrik, lange vor Damien Hirst und seinem in Formaldehyd getauchten Haifisch. So mag man Gilbert und George die Taufpaten der Britart nennen, doch sind sie besser als das: Ein Unikat des Abartigen, unabhängig und unverwechselbar, so albern-obszön wie rätselhaft magisch in ihrer jegliches Feminine ausschließenden schwulen Geisterwelt.” | Thomas Kielinger
| anlässlich der TATE Modern Schau | 2. 2007 |







