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Arthur Szyk | Bilder gegen Nationalsozialismus und Terror
September 17, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT DHM Berlin |
Bis zum 04. Januar 2009 zeigt das Deutsche Historische Museum Berlin erstmals in Deutschland eine Werkauswahl politischer Karikaturen und Illustrationen von Arthur Szyk.
Arthur Szyk (1894–1951) war während des Zweiten Weltkrieges einer der einprägsamsten Schöpfer politischer Karikaturen und Illustrationen in den USA. Mit dem Zeichenstift bekämpfte er das NS-Regime und die mit ihm verbündeten Achsenmächte.
Szyks Arbeiten erschienen in auflagenstarken amerikanischen Magazinen und Tageszeitungen. Durch seine Zeichnungen und das Engagement für verschiedene Hilfsorganisationen versuchte er unablässig, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Massenmord an den europäischen Juden zu richten. Die Präsidentengattin Eleanor Roosevelt bezeichnete ihn als „one-man army“.
Die vom NS-Regime ausgehende Bedrohung begann Szyk in seinen Werken bald nach dessen Machtübernahme 1933 zu thematisieren. Hitler stellte er als die zeitgenössische Verkörperung des in der Geschichte wirkenden Bösen dar, etwa in der Rolle des Pharaos oder des Hunnenkönigs Attila. Pointierte Karikaturen zeigten Himmler, Goebbels und Göring sowie ihre Helfer aus den Reihen der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“. Dabei zog der Künstler eine Kontinuitätslinie zu Preußen, das ihm als Wiege des deutschen Militarismus galt. Die mit dem Deutschen Reich verbündeten Achsenmächte personalisierte Szyk in dem italienischen Diktator Mussolini und dem japanischen Kaiser Hirohito. Um die Zusammenarbeit der Achsenpartner unter deutscher Führung zu verbildlichen, versah er diese ebenfalls mit Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen. Japan wurde zum wiederkehrenden Motiv seiner Zeichnungen, als die USA nach dem Überfall auf Pearl Harbor im Dezember 1941 in den Krieg eintraten.
Die Ausstellung stellt erstmals in Deutschland Arthur Szyks Œuvre und insbesondere seine politischen Zeichnungen anhand eines repräsentativen Querschnitts vor.
Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums
in Zusammenarbeit mit der Arthur Szyk Society, Burlingame, USA
Kuratoren: Katja Widmann und Johannes Zechner
Arthur Szyk: Bilder gegen Nationalsozialismus und Terror
| Deutsches Historisches Museum Berlin
| bis zum 04. Januar 2009
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KATALOG | Arthur Szyk
Bilder gegen Nationalsozialismus und Terror / Drawing Against National Socialism and Terror
| Deutsch, Englisch
| 342 Seiten
| mit 213 farbigen
| und 3 s/w Abb
| 24 x 30 cm
| Hardcover
Arthur Szyk (1894–1951) gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer politischer Illustrationen und Karikaturen im 20. Jahrhundert. Das DHM stellt erstmals in Deutschland seine politischen Zeichnungen aus. Katalog zur Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, Berlin, in Zusammenarbeit mit der Arthur-Szyk-Gesellschaft, Burlingame, USA, vom 29. August 2008 bis 4. Januar 2009.
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VIDEO | Cartoon Crusader | Kreuzfahrer der Karikatur | 1946
Filmausschnitt 2:16 Minuten | Universal Pictures
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Gegen Nazis mit Kunst
TAZ - Daniela Höhn
In Deutschland ist Arthur Szyk kaum bekannt. Das Deutsche Historische Museum in Berlin hat ihm nun eine Ausstellung gewidmet, die grob einer historisch-biografischen Linie folgt und die politische Wirkungsmacht von Bildern zum Thema hat.
Aber haben uns Szyks Arbeiten heute, fast siebzig Jahre nach der “Reichskristallnacht”, noch etwas zu sagen?
Dass seine Kunst eine Botschaft haben muss, stand für ihn von Anfang an fest. Nach seiner Emigration in die USA befasste er sich dann fast ausschließlich mit tagespolitischen Themen.
Szyk hat die politischen “Größen” von damals gezeichnet: Hitler und Stalin, den italienischen “Duce” Mussolini und auch den japanischen Kaiser Hirohito. Totenköpfe, Hakenkreuze und Bomben sorgen oft für ein makaber-prachtvolles Dekor. Ein altertümlich gehörnter Teufel lauert im Hintergrund, oder es toben bis an die Zähne bewaffnete Wagner-Walküren mit wehendem Blondhaar und finsterem Blick. Der Pomp, den Szyk in solchen Bildern heraufbeschwört, ist eine Parodie auf die Selbstdarstellung der faschistischen Regime der Dreißiger- und Vierzigerjahre. Eigentlich, so Szyk, sind Faschisten lächerliche Gestalten: Mussolini, ein Narr, der dem Betrachter den nackten Hintern entgegenreckt; Hirohito, ein Vampir, der irre grinsend über dem Pazifik herumflattert; Hitler, ein Barbar wie einst der berüchtigte Hunnenkönig Attila.
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Arthur Szyk: Bilder gegen Nationalsozialismus und Terror
| Deutsches Historisches Museum Berlin
| bis zum 04. Januar 2009
Sep
10
Female Trouble
September 10, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Pinakothek München |
Die Ausstellung »Female Trouble« bietet bis 26. Oktober 2008 auf ca. 800 qm Ausstellungsfläche erstmalig im deutschen Sprachraum einen pointierten Überblick zum Wandel des Frauenbildes anhand von Fotografie und Videokunst.
In der Münchener Pinakothek werden rund 150 Arbeiten international bekannter als auch noch zu entdeckender Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Fotografie und Videokunst, darunter viele Leihgaben aus namhaften europäischen und amerikanischen Sammlungen gezeigt.
In der Ausstellung vertretene Künstler/innen:
Diane Arbus, Gertrud Arndt, Marta Astfalck-Vietz, Monica Bonvicini, Claude Cahun, Sophie Calle, Julia Margaret Cameron, Comtesse de Castiglione, Marcel Ducham/Man Ray, VALIE EXPORT, Nan Goldin, Lady Clementina Hawarden, Florence Henri, Hannah Höch, Birgit Jürgenssen, Jürgen Klauke, Astrid Klein, Germaine Krull, Nikki S. Lee, Sarah Lucas, Urs Lüthi, Robert Mapplethorpe, Björn Melhus, Ana Mendieta, Tracey Moffat, Pierre Molinier, ringl + pit, Pipilotti Rist, Daniela Rossell, Tomoko Sawada, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Mathilde ter Heijne, Madame Yevonde, Wanda Wulz Francesca Woodman und andere.
Die Schau ist nicht enzyklopädisch angelegt, sondern konzentriert den Blick auf Künstlerinnen und Künstler, deren Werk innovativ ist und zugleich vorbildhaft gewirkt hat. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Bild der Frau berührt dabei auch zentrale Fragenstellungen der Konstituierung von Identität im Allgemeinen sowie den biologischen, sozialen, kulturellen, politischen und medialen Einflüssen, die das Bild des Weiblichen wie des Männlichen bestimmen.
Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst
Seit der Erfindung der Fotografie vor nahezu 170 Jahren haben vor allem Frauen das technische Medium genutzt, um sich oder andere in Rollenspielen und Maskeraden zu inszenieren. Neben der experimentellen Lust, das Ich immer wieder neu zu erschaffen, diente die Kamera auch als Möglichkeit, Klischees und Stereotypen weiblicher Repräsentation in Frage zu stellen. Das Spiel mit dem »Ewig« Weiblichen war und ist immer auch eine Auseinandersetzung mit geschlechtlicher Identität, ihrer gesellschaftlichen und politischen Definition sowie deren Überschreitung.
Das Interesse an der Auseinandersetzung mit Bildprägungen des Weiblichen ist kein ausschließlich postmodernes Thema. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert haben Frauen wie die Gräfin Castiglione, die Surrealistin Claude Cahun oder die Künstlerinnen der Avantgarde, die Fotografie als Möglichkeit entdeckt, das Ich in unterschiedlichen Rollen zu erfahren und stereotype Weiblichkeitsdarstellungen als Maskerade zu decouvrieren. Der historische Rückblick zeigt, wie zeitgenössische Künstlerinnen an ihre Vorgängerinnen anknüpfen und einzelne Bildmotive und Themen über Generationen immer wieder aufgegriffen, erweitert und variiert werden.
Im Fokus der Ausstellung stehen jedoch zeitgenössische Künstlerinnen wie Cindy Sherman, Sarah Lucas, Pipilotti Rist oder Monica Bonvicini, die mit Hilfe von Fotografie und Videokunst das Bild des Weiblichen untersuchen. Die Künstlerinnen gehen dabei der Frage nach, welche Bildmuster das mediale Zeitalter für Weiblichkeit bereit hält und wie diese Bilder die Wahrnehmung von Frauen bestimmen. Zugleich dekonstruieren sie mit humorvollen, ironischen oder provozierenden Mitteln die traditionelle Ikongrafie von Frauendarstellungen in der abendländischen Kunst und entwickeln alternative Bildentwürfe, die manchmal aggressiv und laut, manchmal subtil und hinterlistig daherkommen.
FEMALE TROUBLE
Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst
| Pinakothek der Moderne, München
| bis 26. Oktober 2008
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KATALOG
| Female Trouble
| Sprache: Deutsch
| 240 Seiten,
| 202 Abb.,
| davon 77 farbig
| 22,30 x 26,60 cm
| Broschur
Im Fokus der durchgehend farbig bebilderten Publikation stehen zeitgenössische Künstlerinnen wie Cindy Sherman oder Pipilotti Rist, die mithilfe von Fotografie und Videokunst das Bild des Weiblichen untersuchen, es dekonstruieren und neu bestimmen. Zugleich spannt der Band den Bogen ins 19. und frühe 20. Jahrhundert, wo Frauen wie die Comtesse de Castiglione oder die Künstlerinnen Claude Cahun und Florence Henri die Fotografie als Mittel der (Selbst-)Inszenierung und -befragung entdeckt haben.
Die vorgestellten Künstlerinnen (Auswahl):
Diane Arbus, Monica Bonvicini, Claude Cahun, Julia Margaret Cameron, Valie Export, Nan Goldin, Mathilde ter Heijne, Florence Henri, Birgit Jürgenssen, Sarah Lucas, Ana Mendieta, Tracey Moffatt, ringl + pit, Pipilotti Rist, Cindy Sherman, Francesca Woodman, Wanda Wulz
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Die zweite Realität
FAZ - Julia Voss
Frauen durften bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts keine Akademien besuchen, in den Werkstätten waren sie auch nicht zugelassen. Und wenn uns an Kunstgeschichte nicht nur die Abfolge von Stilen interessiert, sondern das Kaleidoskop von Blickweisen, dann kann sich mit dieser Erkenntnis auch das Gefühl von Monotonie einstellen. Die Kunst jedenfalls hat sich keinen Dienst erwiesen, so lange so viele Menschen, sofern sie weiblich waren, ganz unabhängig vom Talent auszuschließen und allein Männern, auch den mittelmäßigsten, den Vortritt gelassen zu haben.
Mit der Erfindung von Fotografie und Video ändert sich das. Fotoapparat und später Videokamera waren mehr als Palette und Pinsel je hätten sein können, sie wurden für zahlreiche Frauen zur Prothese, zur zweiten Realität, um aus den gesellschaftlich auferlegten Beschränkungen auszubrechen. Im Zeitraffer spielen sie verwehrte Leben durch, parodieren die Rollen, die ihnen das Umfeld aufdrängt oder erfinden Frauenbilder, die bisher nicht vorgesehen waren.
Von den Rollenspielen der Künstlerinnen aus auf die klassische Kunstgeschichte zu blicken, kann sehr ernüchternd sein: Wie konventionell ist das Frauenbild der angeblich so revolutionären Impressionisten gegen die exzentrischen Erfindungen der Gräfin Castiglione zur gleichen Zeit. Wie abgedroschen sind die ewigen Aufgüsse von weiblichen Akten im Werk der Surrealisten gegen Claude Cahun und die einzigartige Gabe der Französin, sich wie eine neue Art selbst geschaffen zu haben.
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Wo Frauen die Hosen anhaben
SPIEGEL online - Jenny Hoch
Aufgepasst, die Herren, jetzt ist Damenwahl: Die Pinakothek der Moderne in München bereichert die neue Feminismusdiskussion um überraschende Einsichten.
Immer wieder große Freude macht das Video “Ever Is Over All” von Pipilotti Rist, in dem eine vergnügte junge Frau einen Bürgersteig entlangläuft und mit einem phallusartigen Blumenstengel genüsslich Autofenster einschlägt. Was für eine Utopie, dass die Paarung von Weiblichkeit und Aggression jemals das Wohlwollen der Gesellschaft hervorrufen könnte! Im Film ist’s möglich: Passanten goutieren den Akt der Zerstörung, ein Polizeibeamter grüßt sichtlich erfreut von so viel Gewaltbereitschaft.
VIDEOS von Pipilotta Rist ( ohne “Ever Is Over All” ) | ubu web
Wesentlich grundsätzlicher näherten sich Feminismusvorkämpferinnen wie Waltraud Lehner, die später den Künstlernamen VALIE EXPORT annahm, dem Thema weiblicher Selbst- und Fremdwahrnehmung. 1968 ließ sie mit ihrem legendären “Tapp und Tastkino” am Münchner Stachus Männer ihre Brüste durch eine Box aus Pappkarton betasten, die sie sich vor den Oberkörper geschnallt hatte.
VIDEO
| Marina Abramovich & Valie Export: Aktionshose Genitalpanik (1969/2005)
Mit wild auftoupierten Haaren, einer Kalaschnikow in der Hand und einer im Schritt ausgeschnittenen Hose konfrontierte sie 1969 in “Aktionshose Genitalpanik” die erschrocken flüchtenden Zuschauer eines Münchner Kinos mit weiblicher Sexualität.
Noch heute treten Frauen vor allem in Abhängigkeit von einem kulturell als “männlich” codierten Blick in Erscheinung. Doch erobern sie sich ein Stück visuelle Selbstbestimmung zurück, indem sie die Art und Weise manipulieren, wie sie gesehen werden wollen. Bereits Sigmund Freud wusste, dass die Ich-Verdoppelung durch das Bild immer auch eine gewisse Ungewissheit darüber auslöst, ob zwischen der Pose und der Maske und dem “wahren” Ich überhaupt zu unterscheiden ist. Genau dieses Unbehagen macht die Ausstellung “Female Trouble” so aktuell und anregend.
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Female Trouble in München
DEUTSCHLANDFUNK Kultur - Christian Gampert
Die Ausstellung hat einen dezent feministischen Unterton, und in der Tat spielt der Titel “Female Trouble” ja auf Judith Butlers “Gender Trouble” an, also auf eine Theorie-Meinung, die Geschlecht nur noch als vielfach zusammengesetztes gesellschaftliches Konstrukt begreift, unabhängig vom biologisch Vorgegebenen.
BUCH | Das Unbehagen der Geschlechter: (Gender Studies. Vom Unterschied der Geschlechter) (Taschenbuch) von Judith Butler
Die Schau ist allerdings ein Beweis dafür, dass der Körper nicht nur ein Text ist, der gelesen werden kann, sondern vor allem ein Subjekt, das leidet. Die surrealistischen Inszenierungen von Weiblichkeit aus den 1920iger Jahren, als zum ersten Mal die lesbische Liebe in den Blick kommt, zeigen die Verpuppung der Frau in Konventionen oder die Verfremdung einzelner Körperteile - etwa die Brüste als Kugeln vor einem Spiegel bei Florence Henri. Wanda Wulz überblendet ihr Gesicht mit dem Bild einer Katze, Männerbedürfnisse nach der animalischen Frau vorwegnehmend; Marta Astfalck-Vietz montiert ihr verletztes Gesicht in ein Spiritus-Glas, Claude Cahun inszeniert sich offensiv als männliche Lesbe mit Kurzhaarschnitt.
Es gibt in dieser Ausstellung nur Außenseiter - die geächtete lesbische Liebe, die ins Bizarre gezogenen Schwulen-Posen des Jürgen Klauke, Nan Goldins Transvestiten, die ruppigen, maskulinen Allüren der Sarah Lucas. Die Tröstungen der Normalität sind kein Ausweg - die angepasst-plüschigen Oberschicht-Miezen der Mexikanerin Daniela Rossell scheinen geradewegs einer Telenovela entsprungen.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Das verpuppte Geschlecht
TAZ - Johanna Schmeller
Dieser Schau gelingt aber, was so schnell kein Feuchtgebiet schaffen wird. Dass sie trotz ihres recht global formulierten Ansinnens nicht beliebig gerät, liegt an der eng gefassten Themenwahl:
Den Blick von außen erfährt man besonders beim Transgenderkünstler Jürgen Klauke, Geburt und Totgeburt bei Sarah Lucas, Alter und Verfall bei der Gräfin Virginia di Castiglione. Und überall gegenwärtig ist das unselige und letztlich doch so grandiose Hineingeworfensein in einen biologischen Zustand, den man sich nicht selbst ausgesucht hat - und daher leider auch nicht verantworten kann. Es sind die Motive, in denen sich Ästhetik und moderne Genderforschung, Pipilotti Rist und Julia Kristeva, berühren.
Auch die Anfälligkeit des weiblichen Körpers für physische Gewalt wird in “Female Trouble” thematisiert. Nur indem er schamfrei vorgeführt wird, wird dieser von seiner erotischen Dimension entbunden, lautet die These der jung verstorbenen Ana Mendieta. Ihren nackten Leib presst sie zwischen Glasscheiben, als wäre der mikroskopische, sezierende Blick des “Gegenübers” durch die Objektträger lenkbar. Bewusst unspektakulär wird ausgebreitet, was vorhanden ist, ob Genitalien oder Blut, das möglicherweise von einer Vergewaltigung stammt.
Alle Exponate der großartigen Schau verfolgen einen klaren gesellschaftlichen Anspruch, sind stellenweise der Geschlechterforschung fast so nahe wie der Kunst. Auf eine abgeklärte Art ist man schlicht angeturnt von so viel exzentrischer Wehrhaftigkeit. So viel Unverschämtheit. Und so viel Zauber.
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FEMALE TROUBLE
Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst
| Pinakothek der Moderne, München
| bis 26. Oktober 2008
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Interessant in diesem Zusammenhang auch …
Wack!: Art and the Feminist Revolution
| Sprache: Englisch
| 512 Seiten
Erster umfassender, internationaler Überblick über die dynamische Beziehung von Kunst und Feminismus zwischen 1965 und 1980. Die Ausstellung bringt die Arbeit von 120 Künstlern zusammen, um den Einfluss des Feminismus auf die Kunst zu untersuchen. Nächster Ausstellungstermin: Vancouver Artgallery, Kanada vom 4. Oktober 2008 bis zum 11. Januar 2009.
Wack!: Art and the Feminist Revolution
In the 1970s, women changed the way art was made and talked about forever. WACK! Art and the Feminist Revolution is a long-awaited international survey that chronicles the impact of the feminist revolution on art made between 1965 and 1980, featuring groundbreaking works by artists such as Chantal Akerman, Lynda Benglis, Theresa Hak Kyung Cha, Valie Export, Mary Heilman, Sanja Ivekovic, Ana Mendieta, and Annette Messager, who came of age during that period — as well as others such as Louise Bourgeois, Judy Chicago, Sheila Levrant de Bretteville, Lucy Lippard, Alice Neel, and Yoko Ono, whose careers were well established.
The art surveyed in “WACK!” includes work by more than 120 artists, in all media - from painting and sculpture to photography, film, installation, and video - arranged not by chronology but by theme: Abstraction, “Autophotography,” Body as Medium, Family Stories, Gender Performance, Knowledge as Power, Making Art History, and others.
The book opens with a rich, full-color plate section in which works by over 120 artists are grouped into themes, including Abstraction, Body as Medium, Family Stories, Gender Performance, Knowledge as Power, and Making Art History. Highlights include the figurative paintings of Joan Semmel; the performance and film collaborations of Sally Potter and Rose English; the untitled film stills of Cindy Sherman; and the large-scale, craft-based sculptures of Magdalena Abakanowicz. Written entries on each artist offer key biographical and descriptive information, while accompanying essays by leading critics, art historians, and scholars offer a fresh look at feminist art practice from a cross-cultural perspective. Topics such as the relationship between American and European feminism, feminism and New York abstraction, women’s art under the Pinochet dictatorship, and mapping a global feminism provide a broad social context for the artworks themselves.
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Eine Reise durch den Kosmos der Emanzipation
NZZ - Gabriele Schor
Eine Welle von Ausstellungen und Publikationen bekunden derzeit ein reges Interesse an feministischer Kunst. Bahnbrechend ist die Ausstellung «WACK! Art and the Feminist Revolution» im P. S. 1 in New York …
«You can’t be a woman and be an artist too» war noch Anfang der 1970er Jahre eine allgemeine Auffassung. Künstlerinnen waren entweder «groupies» oder «artists wives». Es bestand eine rigide Hierarchie, welche Männern den Vorzug gab: «No women, straight or lesbian, no gay man, and no people of color were considered major», stellt Anne Gibson rückblickend fest. Männer gingen als attraktive «Künstlertypen» in die Kunstgeschichte ein.
Da gab es den Bohémien à la Modigliani oder den Draufgänger Jackson Pollock, der vom Kritikerpapst Clement Greenberg mit heroischen Attributen wie «the most powerful», «the strongest» und «the demiurgic genius» überhäuft wurde – schwärmerische Worte für einen Formalisten. Die Malerei genoss nicht nur absolute Vormachtstellung, das chauvinistische Dogma «Frauen können nicht malen» beherrschte auf beiden Seiten des Atlantiks den Betrieb der Kunstakademien.
Es war also höchste Zeit für eine «Umwertung der Werte». Doch wie beginnen?
Von diesen Anfängen handelt die Ausstellung «WACK! Art and the Feminist Revolution», die mit rund 500 Werken von 120 Künstlerinnen die erste umfassende Museumsschau feministischer Kunst von 1965 bis 1980 darstellt.
| P.S.1 Contemporary Art Center,
New York
| MOCA The Museum of Contemporary Art,
Los Angeles
Aug
28
Derek Jarman | Brutal Beauty
August 28, 2008 | 1 Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer - PT Kunsthalle Wien / Zürich |
Die Ausstellung Derek Jarman. Brutal Beauty, kuratiert vom Künstler und Filmemacher Isaac Julien, stellt in Wien bis zum 5. Oktober und in Zürich vom 30. August – 2. November 2008 Jarmans bekannter experimenteller Arbeit “Blue” und seinen “Super-8-Filmen” Gemälde und Assemblagen gegenüber, die teils noch nie gezeigt wurden. Die Schau bietet eine zeitgemäße Neubewertung von Jarmans Werk und Vermächtnis und verortet den Künstler als Grenzgänger zwischen Film und bildender Kunst.
Den Auftakt zur Ausstellung bildet Derek, der 2008 entstandene Dokumentarfilm von Isaac Julien über Leben, Kunst und nahendes Sterben von Derek Jarman. Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet Jarmans außergewöhnlicher monochromer Film Blue, der 1993, ein Jahr vor seinem Tod, entstanden ist. Ein bewegendes und aufschlussreiches Porträt des Künstlers zu einer Zeit, in der er kurz vor dem Erblinden stand. Das Bild von Jarmans letztem Film bleibt 74 Minuten lang unverändert und ist als Hommage an den französischen Maler Yves Klein zu lesen, dessen Blau für Jarman Gelassenheit und Versunkenheit symbolisierte. Die Tonspur zum Film bildet ein poetischer von Jarman geschriebener und gesprochener Text, worin er seine Erfahrungen mit AIDS künstlerisch verarbeitet und wiedergibt.
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BLUE | Digi-Book | DVD Sonderausgabe mit 80seitigem Booklet.
Regie: Derek Jarman
Sprecher im englischen Original:
John Quentin, Tilda Swinton, Nigel Terry, Derek Jarman
Sprecher in der deutschen Fassung:
Ulrich Matthes, Sylvester Groth, Wolfgang Condrus, Eva Mattes
Extras: Kurzfilm UNDEFEATED LOVE von Derek Jarman, 80seitiges Booklet mit Filmographie, einem Essay von Tilda Swinton, dem Filmscript in deutsch & englisch Jahr: 1993 FSK: 12 Land: Großbritannien Sprache: deusche Fassung & englische Originalfassung Länge: 74 min Sound: Dolbly Digital Stereo
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Zwischen diesen beiden zentralen Arbeiten präsentiert Isaac Julien eine Auswahl der selten gezeigten Filme aus dem Super-8-Archiv des künstlerischen Nachlasses von Jarman. Als Künstler, der an der Slade School of Art in London studierte, begann Jarman bereits in den frühen 1970er-Jahren mit Super-8-Film zu arbeiten und experimentierte bis zu Beginn der Achtziger mit diesem Medium. 1986 kam er mit seinem Spielfilm Caravaggio in die engere Auswahl für den Turner-Preis. Jarman, der sich selbst zeitlebens primär als Maler begriffen hat, realisiert auch im Film in der Art wie er mit Licht, Farbe, Komposition, Abstrahierung, Verfremdung und Inszenierung umgeht seinen malerischen Anspruch.
Neben den Filmen präsentiert die Ausstellung einige von Jarmans zahlreichen installativen Arbeiten und Malereien. Die späten Teergemälde erinnern an Arbeiten von Künstlern wie Joseph Cornell, Robert Rauschenberg und John Latham und ihren Einsatz von Montage und Collage. Diesen Gemälden wird eine Reihe von fotografischen Leuchtkasten-Arbeiten von Isaac Julien gegenübergestellt, die Jarmans berühmtes Haus, Prospect Cottage, und seinen Garten in Dungeness in Kent dokumentieren, wo er ab 1987 lebte.
Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Wien
| Kuratorin Kunsthalle Wien: Angela Stief
| bis 5. Oktober 2008
Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Zürich
| Kuratorin Kunsthalle Zürich: Beatrix Ruf
| 30. August – 2. November 2008
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Die Jarman-Schau ist eine Ausstellung der Serpentine Gallery, London (23. Februar - 13. April 2008), in Kooperation mit der Kunsthalle Wien und der Kunsthalle Zürich. Sie wurde konzipiert und kuratiert von dem Künstler und Filmemacher Isaac Julien.
VIDEO-Feature
| von Shehani Fernando / Andrew Pulver | The Guardian UK, 26.2.2008
Derek Jarman tackled punk Britain, gay Britain and Thatcher’s Britain. His work is being celebrated with a retrospective at the Serpentine Gallery, a Channel 4 documentary and a season of films.
Derek Michael Jarman
Der Künstler und Filmemacher Derek Jarman (1942 1994) war wohl der herausragendste Vertreter des britischen Independent Cinema der 1970er bis 1990er Jahre. Sein Leben verlief geradezu exemplarisch für diese Epoche, die er sehr genau beobachtete und an der er politisch aktiv teilnahm. In Jarmans genreübergreifendem, stark autobiographisch gefärbtem Werk überschneiden sich Film, Malerei, Bühnenbild und Schreiben.
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KATALOG
Derek Jarman.
Brutal Beauty
Vorwort von Hans Ulrich Obrist & Elizabeth Peyton-Jones. Einleitung von Isaac Julien. Beiträge von Tilda Swinton & Chrissie Iles. Interview zwischen Gerald Matt/Beatrix Ruf
und Isaac Julien/James Mackay. 96 Seiten. 67 (57 farb.) teils ganzseitige Abb., broschiert.
Als führender Filmemacher seiner Generation wurde Derek Jarman bezeichnet. In seinen Experimenten mit Licht, Farbe und Schichtungen von Bildern führte er das Moment des Magischen wie auch des Traumatischen in seine Bilderwelten ein - der Film, sagte er, ist ein Instrument, Träume lebendig werden zu lassen. In seiner Arbeit rückte er die Kamera in die Nähe der Malerei. Die präzise Auswahl von Arbeiten des Künstlers in diesem Buch stammt vom britischen Filmemacher Isaac Julien. Die einzigartige Mischung aus den “Lightboxes” von Isaac Julien mit Motiven aus dem Leben und mit Arbeiten Derek Jarmans - etwa sein Film “Blue”, mit dem er 1993 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde - geben dem Buch einen authentischen Charakter, der ergänzt wird von einem Interview, das Isaac Julien mit Jarman geführt hat und das hier erstmals publiziert wird, sowie einem glänzenden Essay von Chrissie Iles.
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Derek Jarman hat einige Musikvideos gedreht - z.B. für die Pet Shop Boys: (”It’s a Sin”, “Rent”) und The Smiths: The Complete Picture (”Panic”, “Ask” und “The Queen is Dead”)
VIDEO | Kurzfilm von Derek Jarman 1986
The Smiths - The Queen Is Dead
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Passionen aus der Thatcher-Zeit
NZZ - Martin Walder
Derek Jarman, Maler, Filmer, Gärtner, Politaktivist und Aids-Opfer, war ein Poet des unabhängigen englischen Kinos. Die Ausstellung «Brutal Beauty» ruft ihn in Erinnerung.
Als Galionsfigur des unabhängigen britischen Films und der Schwulenbewegung von den siebziger bis in die frühen neunziger Jahre im notorisch homosexuellenfeindlichen England hatte er gegen seine Krankheit und ihre öffentliche Brandmarkung angeschrieben, gefilmt und gemalt. Ein kreativer Unruhestifter im Land der eisernen Lady in Downing Street. Ein traumwandlerischer, liebenswürdiger, exzentrischer und militanter Poet mit Pinsel, Feder und Super-8-Kamera. Nach seinem Tod wurde es aber still um ihn.
Man kann sich fragen, warum. Weil Jarman als Künstler zu frisch, frech und frei war, inspirierend für die Punk-Bewegung der späten 1970er Jahre, aber nicht nachhaltig, und mainstreamgängig schon gar nicht? Weil er als Schwuler mit seinen Themen zu provokant war und doch zu marginal? Als Aids-Toter ein Auslaufmodell, weil die Krankheit dank der Medizin gesellschaftsfähig geworden ist? Und weil er – dieser Triumph war ihm vergönnt – das Ende der Thatcher-Zeit überlebte?
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DVD - Kollektion
Derek Jarman Box (OmU)
Die Derek-Jarman-Kollektion enthält drei Filme des britischen Avantgarde-Regisseurs, die die unterschiedlichsten Facetten seines eigenwilligen Filmwerks zum Vorschein bringen: von der experimentellen Shakespeare-Adaption THE ANGELIC CONVERSATION, in denen er fragmentarisches, mit der Homoerotik der Vorlage spielendes Super-8-Material zu Judi Denchs Lesung der Sonette in Beziehung setzt,
über das Künstlerdrama CARAVAGGIO, das zugleich als intelligente und sinnliche Verfilmung des Lebens des Renaissancemalers funktioniert wie als Selbstportraits eines unruhestiftenden Genies, bis hin zum späten Höhepunkt der Filmkarriere WITTGENSTEIN, einen völlig gelösten, witzigen und klugen Film über so etwas Abstraktes wie Philosophie.
| kaufen bei amazon
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Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Wien
| Kuratorin Kunsthalle Wien: Angela Stief
| bis 5. Oktober 2008
Derek Jarman. Brutal Beauty
| Kunsthalle Zürich
| Kuratorin Kunsthalle Zürich: Beatrix Ruf
| 30. August – 2. November 2008
Aug
13
Tobias Rehberger
August 13, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Museum Ludwig, Köln |
Im Museum Ludwig, Köln präsentiert Tobias Rehberger bis zum 21. September 2008 rund 40 Werke in einer 70m langen Installation.
Das-kein-Henne-Ei-Problem
Ungeachtet der Chronologie, stellt er Arbeiten aus 15 Jahren künstlerischen Schaffens nebeneinander: Stühle, die an Designklassiker erinnern, Blumenvasen- portraits und Prothesen auf Sockeln, japanisch anmutende Blumen aus Papier, Lampen aus Klettband, Objekte aus Plexiglas, Videoregale. Von Spots beleuchtet, werfen all diese Werke Schattenbilder auf die gegenüber liegende weiße Wand. Das alte Werk strahlt im neuen Licht, während ein neues Werk zugleich entsteht: eine Wandmalerei aus Licht, Schatten und Farbe.
Mit dieser Installation überführt Tobias Rehberger das Dreidimensionale in die Zweidimensionalität. Indem er Lichtspiel und Malerei bei der Gestaltung der Wand kombiniert, bleibt die Abhängigkeit zwischen den Objekten im Raum und dem Dargestellten auf der Wand bewahrt – denn gingen die Lichter aus, so würde das Wandbild größtenteils verschwinden. Dem Künstler
„gefällt die Vorstellung, dass etwas Ausgearbeitetes und Endgültiges den Ausgangspunkt für etwas Vages und Skizzenhaftes bilden kann“.
Was war zuerst da: die Henne oder das Ei? Tobias Rehbergers Wandmalerei ist ohne seine Skulpturen nicht denkbar, sowie das Ei ohne Henne unmöglich ist. Aber: Ist das Dreidimensionale ohne die zweidimensionale Skizze denkbar? Ist die Henne ohne Ei möglich? Was war zuerst da? Wie Henne und Ei stehen sich Rehbergers skulpturales Werk und sein Schattenbild gegenüber. Mit dieser Installation wirft Tobias Rehberger einmal mehr die Fragen nach Funktion, Gebrauchswert und Urheberschaft von Kunst auf.
Tobias Rehberger | „Das-kein-Henne-Ei-Problem“-Wandmalerei
| Museum Ludwig, Köln
| bis 21. September 2008
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VIDEO | ansehen
The artist’s comment and an impression of the exhibition in Stedelijk Museum CS ( windows media | 8 min., 12 sec. | english )
Die Ausstellung ist eine Übernahme aus dem Stedelijk Museum CS in Amsterdam. “The chicken-and-egg-no-problem wallpainting”
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PUBLIKATION
| 240 Seiten
| mit 100 farbigen Abbildungen,
| deutsch/englisch
| H 32 x B 25 cm,
| gebunden
| mit farbig bedrucktem Leinen
Tobias Rehberger gehört international zu den bedeutendsten Konzeptkünstlern. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Architektur, Design, Mode, Werbung und Soziologie. Dabei gibt er dem modernistischen Vorhaben, gleichermaßen funktionale wie schöne Objekte zu schaffen, eine aktuelle Dimension. Mit atmosphärischen Installationen, Möbelstücken, Skulpturen, Parks, Kleidungsstücken und Plakaten interpretiert er Klassiker der modernen Kunst oder des Designs neu. In seiner häufig angewendeten Methode der Koproduktion geht es Rehberger um Strategien aus der Produktions- und Vertriebswelt. Nicht mehr der genialische Künstler, sondern kooperative Material- und Informationsverbreitung ist gefragt.
»Jeder sieht die Kunst anders, ich mache nur Vorschläge.«
Tobias Rehberger
(* 1966 in Esslingen) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Er war Schüler von Martin Kippenberger und Thomas Bayrle und ist seit 2001 Professor an der Städelschule Frankfurt. Neben zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland nahm er an der 47. Biennale von Venedig (2003) und an der 1. Berlin-Biennale (1998) teil.
Überblicksband zu allen Werkphasen, die mit informativen Kurztexten beschrieben werden. Die hochwertige Ausstattung gibt dem Buch Objektcharakter.
Autoren:
Daniel Birnbaum ist Rektor der Städelschule Frankfurt und Direktor des Ausstellungshauses Portikus. 2008 wurde er zum Direktor der Biennale von Venedig ernannt. Leontine Coelewij ist Kuratorin am Stedelijk Museum in Amsterdam. Lars Bang Larsen lebt in Frankfurt am Main und Kopenhagen als freier Kritiker und Kurator.
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Die Schattenwelt der Malerei
WESTDEUTSCHE ZEITUNG - Helga Meister
Tobias Rehberger führt im Kölner Museum Ludwig seine eigene Kunst hinters Licht. Dabei spielt er mit Realität und Fiktion.
Die Frage nach Schein und Sein ist so alt wie Philosophie und Kunst. Tobias Rehberger beantwortet sie mit Witz, Intelligenz und einer unschlagbaren Einfachheit. Er stellt und hängt rund 40 Objekte aus den vergangenen 15 Jahren ins Kölner Museum Ludwig, ohne Systematik, ohne Chronologie und ohne Thematik. Anschließend beleuchtet er sie mit so starken Theaterspots, dass sie klare, dunkle Schatten an die gegenüberliegende Wand werfen. Er überführt sein plastisches Werk in die Schattenwelt der Malerei.
Doch das ist nur der erste Schritt zur Verwandlung des Drei- ins Zweidimensionale. Nun beginnt das eigentliche Spiel. Da wird die kunstvoll oder zumindest handwerklich perfekt hergestellte Skulptur, beispielsweise ein Schirm ohne Dach, zum Windpropeller, und Rehberger pinselt dazu als Wandmalerei eine asiatisch anmutende Seenlandschaft mit einer großen, roten Sonnen- oder Mondscheibe. Ein Design-Klassiker als Schattenbild kann eine Comic-Blase vertragen, ein Stuhl-Schatten wird mit dem Edding-Stift farblich aufgepeppt. So schön und doch so falsch ist dieses Werk, dass dem Betrachter die Trennung der Materialien, Techniken und Objekte kaum gelingen will.
Manchmal wirkt die Projektion wichtiger als das originale Kunstwerk, wenn Rehberger Papier-Bäume zu Schattenästen werden lässt und sie vom himmelblau getuschten Firmament mit Sonnenscheibe umgibt. Was ist da eigentlich das Original, was die Fälschung? Ist das anfassbare Objekt echter als der Verschnitt aus materieloser Projektion und hinzugefügten Pinselstrichen?
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VIDEO | Porträt Tobias Rehberger anlässlich der Schau in Köln 2008
| DEUTSCHE WELLE TV 2008
| Video ansehen ( windows media / Beitragslänge 03:27 Min. | deutsch )
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Wie wir uns entspannen
FR online - Sandra Danicke
Man denke nur an die Stühle, die einst von Design-Legenden wie Marcel Breuer oder Gerrit Rietveld entworfen wurden und heute als Klassiker gelten. 1994 hatte Rehberger Handwerkern in Kamerun den Auftrag erteilt, besagte Sitzmöbel nach seinen Gedächtniszeichnungen nachzubauen. Die Ergebnisse sind derzeit im Museum Ludwig in Köln unter dem Titel “Die ,Das-keine-Henne-Ei-Problem’-Wandmalerei” zu sehen. Als eines von zahlreichen Beispielen dafür, wie ein Werk gleichzeitig auf seine Geschichte verweisen und als Ausgangspunkt für eine neue Arbeit dienen kann.
Kunst, so zeigt es Tobias Rehberger, ist stets vor allem Projektionsfläche, aufgeladen mit Fantasien und Vorstellungen, die über das reale Objekt weit hinausgehen. Was, so lautet eine der zentralen Fragen im Rehbergerschen Kosmos, ist demnach ein Kunstwerk, und wie viel an ihm ist durch Sichtweisen, Kontext, Entstehungszeit bedingt? Was können Oberflächen vermitteln, was nicht? Kann die Gedächtniszeichnung von Design-Klassikern jenen, die sie nicht kennen, etwas über ihren kulturell kodierten Wert vermitteln? Offenbar nicht - die Kameruner Handwerker brachten seinerzeit Verbesserungsvorschläge wie ein Extrabein an oder eine zusätzliche Querstrebe, die im Freischwinger für Stabilität sorgt.
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Tobias Rehberger
| „Das-kein-Henne-Ei-Problem“-Wandmalerei
| Museum Ludwig, Köln
| bis 21. September 2008
Aug
6
Alexander Rodtschenko & Man Ray
August 6, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU HAMBURG- Jens Ullheimer | PT Gropiusbau Berlin |
Alexander Rodtschenko und Man Ray. Ein russischer und ein amerikanischer Fotokünstler zu Gast im Berliner Walter-Gropius-Bau. Die Doppelausstellung zeigt bis zum 18. August 2008 Werke des Surrealisten Man Ray und des Konstruktivisten Alexander Rodtschenko.
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Alexander Rodtschenko
Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt mit rund 350 Bildern der aus dem neu gegründeten „Moscow House of Photography“ stammenden Ausstellung einen umfassenden Blick in das fotografische Werk eines der innovativsten und vielseitigsten Künstlers der russischen Avantgarde.
Alexander Rodtschenko ist einer der großen Künstler des russischen Konstruktivismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist weltweit bekannt geworden und zählt bis heute zu den wichtigsten Positionen der Moderne. Bevor er Mitte der 1920er Jahre die Fotografie als neues Medium für sich entdeckte, hatte er sich bereits als vielseitig tätiger und innovativer Künstler in Moskau hervorgetan. Seine Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen – in einer Zeit epochaler Veränderungen in Russland und in Europa – verändern.
Er hält die Motive in extremen Aufsichten und Untersichten fest, in Diagonalen, Anschnitten und Details. Für das damalige herrschende Sehempfinden war dies ein ungewöhnliches Verfahren. Doch die neuen Aufgaben und Themen verlangten seiner Meinung nach eine neue Form der Darstellung:
„Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren. Wir müssen den Schleier von unseren Augen reißen, der ‚vom Nabel aus‘ heißt.“ „Und die interessantesten Blickwinkel der Gegenwart sind die von oben nach unten und von unten nach oben und ihre Diagonalen“. (1928)
Doch ab 1928 sah sich Rodtschenko zunehmend scharfer Kritik ausgesetzt. „Gefährlich“ und „bürgerlich-formalistisch“ ließ die Zeitschrift Sowjetskoje Foto verlauten, kaum waren die ersten dieser Arbeiten in der Zeitschrift Novy LEF erschienen. Er wird als Anhänger der experimentellen Fotografie von Moholy-Nagy und Man Ray diffamiert. Politischer Hintergrund ist eine stärkere Indienstnahme der Fotografie als Mittel der sozialistischen Massenkommunikation, die eindeutig ‚lesbar‘ sein sollte.
Die im Martin-Gropius-Bau gezeigte Ausstellung zeigt die vielen Facetten von Rodtschenkos bahnbrechendem fotografischen Werk: den Beginn mit den Fotomontagen, die Porträts der Freunde und Familie, teils als Mehrfachansichten, die Experimente mit Perspektiven, Bildstrukturen, Licht- und Schattenwirkungen, die Reportagen mit der Montage von Text und Bild, aber auch die Serie vom Zirkus und die letzten Experimente mit Farbfotografie. Erstmals sind Arbeiten aus dem von den Erben verwalteten Nachlass zu sehen. Die Ausstellung wurde von Olga Sviblova, Direktorin des „Haus der Fotografie Moskau“ kuratiert.
Alexander Rodtschenko
und
Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008
Rodchenko | Fotogalerie
| des Hauses der Fotografie, Moskau ( 55 Fotos )
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Herausgeber Berliner Festspiele
Herausgeber Haus der Fotografie Moskau
| 224 Seiten
| 230 Abb. im Duotone,
| 34 farbige Abb.
| 23,5 x 29 cm
| gebunden mit Schutzumschlag
| Sprache: deutsch
»Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren.«
A. Rodtschenko, 1928
Alexander Rodtschenko (1891 – 1956) zählt zu den großen Erneuerern der Fotografie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Fotomontagen, seine ungewöhnlichen Architekturaufnahmen aus extremer Oberund Untersicht, seine Bildexperimente mit Perspektiven und Licht- und Schattenwirkungen, seine Fotoreportagen, die Bild und Text auf neue Weise kombinierten – all das war bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Fotografie. Rodtschenko stellte sich nach der Oktoberrevolution in den Dienst der jungen Sowjetunion und setzte sich gemeinsam mit Künstlern und Dichtern wie Wladimir Tatlin, Wassily Kandinsky und Wladimir Majakowski für den Aufbau einer neuen Gesellschaft ein. Seit dem Ende der 1920er-Jahre sah er sich allerdings zunehmend scharfer politischer Kritik ausgesetzt.
Dieses Buch bietet mit mehr als 250 Abbildungen einen breiten Überblick über die vielen Facetten von Rodtschenkos fotografischem Werk. Darunter sind etliche bislang unpublizierte Arbeiten aus dem Nachlass. Ein Essay über die fotografische Avantgarde in Russland und eine umfangreiche Biografie Rodtschenkos beschließen den opulent ausgestatteten Band.
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1933 | Bau des Bjelomor-Kanals (Weißmeer-Ostsee-Kanal). Mega-Bauprojekt der Stalin-Ära, das durch den Einsatz von Gulag-Häftlingen umgesetzt wurde. Rodtschenko musste die Zwangsarbeiter für die Propagandazeitschrift „SSSR na strojke“ „USSR im Aufbau“ fotografieren. Dieses 140 Meilen lange Arbeitslager kostete 200.000 überwiegend politischen Gefangenen das Leben. ( BBC4 Home )
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Alexander Rodtschenko
auf wikipedia
Rodtchenko-Internet-Special
anlässlich der Ausstellung
im Museum of Modern Art, New York
vom 25. Juni - 06. Oktober 1998
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Auf Demontage
TAGESSPIEGEL - Bernhard Schulz
Ja, die vom Moskauer Haus der Fotografie übernommene Wanderausstellung ist nicht ohne Tücken. Den ganzen Rodtschenko präsentiert sie nicht. Sie zeigt in ihrem besten Raum die bekannten Portraits, die er von seinen Dichter- und Künstlerfreunden anfertigte, von Sergej Tretjakow, von Lilja Brik und immer wieder vom markanten, stets wie zum Sprung bereiten Wladimir Majakowski.
Der Frühstückstisch, an dem Majakowski mit aufgekrempelten Hemdsärmeln sitzt, seine Freunde um ihn herum, vor allem Rodtschenkos gleichermaßen kreative (und in dieser Ausstellung wieder einmal sträflich vernachlässigte) Ehefrau Warwara Stepanowa, dazu die eben mal verkorkte Flasche in der Mitte: Da spürt man hautnah die hitzigen Diskussionen, die sich die Enthusiasten der Revolution um die Zeitschrift „Lef“ („Linke Front“) lieferten, als noch nicht alles unter der Diktatur Stalins zertreten war.
Schöne Fotos, liebgewordene Bekannte, Ikonen der Fotografiegeschichte; aber eben doch nicht all das, was man hätte zeigen können und zeigen müssen und was die unübertroffene Retrospektive des New Yorker Museum of Modern Art 1998 schon einmal zusammengetragen hatte.
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Fotografische Moderne
TAZ - Egbert Hörmann
“Es sieht so aus, als könne nur der Fotoapparat das moderne Leben abbilden” - die frühen Zwanzigerjahre bildeten das “Zwischenzeitalter”, eine Zeit, in der - wenn auch kurz und illusorisch - ein überaus fruchtbares Wechselspiel zwischen moderner Kunst und gesellschaftlichem Experiment stattfand. Die Avantgarde und die junge Sowjetmacht waren sich einig: Mit Film und Foto fand Kunst ihren wirkungsvollsten Ausdruck auf der Höhe der Zeit.
Rodtschenkos Sehweise, seine Neudefinition radikaler Ästhetik wie auch die Verschiebung ihrer Grenzen, hat unsere moderne Wahrnehmung der Welt und “die Fähigkeit, von allen Seiten zu sehen”, entscheidend mitgeformt. “Wir sind gezwungen zu experimentieren” -Schklowskis Theorie vom “neuen Sehen” folgend, entwickelte Rodtschenko die berühmte “Rodtschenko-Perspektive”. Deren Grundprinzip war:
“Vor allem von oben nach unten und von unten nach oben - dieses sind die interessantesten Blickwinkel der zeitgenössischen Fotografie.”
Verfremdungen, Paradoxen, Geometrien, extrem steile, hohe und niedere Blickwinkel, die Betonung von Perspektive und Tiefe durch das Prinzip der “Rodtschenko-Verkürzungstechnik”, ergeben immer vitale und hypnotische Aufnahmen von Straßenzügen, Alltagsszenen, technischen Bauten, Sport- und Produktionsstätten und Darstellungen des optimistischen “homo sovieticus”.
Es sind häufig “banale” Motive, die gleichzeitig starken Signalcharakter haben. Wie die Filmregisseure Eisenstein und Wertow komponierte Rodtschenko seine Bilder, anstatt einfach die Kamera “draufzuhalten”,
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Heroisch und erotisch
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Auf den ersten Blick sind die historischen Ähnlichkeiten sogar erstaunlich. Rodtschenko ist wie Man Ray ein grandioser Portraitfotograf. Beider Werke ziehen ihre Energie aus der gezielten Grenzüberschreitung des fotografischen Sujets hin zu dem, was man heute Foto-Design nennt: zur Collage, zu Typografie und Werbung. Beide arbeiten auf ihre Weise an einer Idee des kollektiven Bildes in der Fotografie, sei es wie Man Ray auf den Spuren des Unbewussten und der Zufallsmontagen, sei es wie Rodtschenko mit den “Urelementen” von Bildern der russischen Konstruktivisten.
Beide erscheinen in ihrer Zeit als radikale Individualisten mit höchst unterschiedlichen Karriereverläufen: Rodtschenko erlitt das Schicksal aller großen Künstler der frühen Sowjetzeit unter Stalins Regime und musste von Glück reden, dass er überlebte. Aus dem revolutionären Elan der 10er und 20er Jahre wird in den 30er Jahren eine betont unpolitische Auftragsfotografie im Dienst des Sozialistischen Realismus. Es sind immer noch großartige Bilder: Landschaften, und Landleben, Portraits, Industriearbeit oder die Dokumentation eines Kanalbaus - aber nicht mehr das große, dynamische Experiment, nicht mehr der Künstler als Anführer der Revolution. Der Individualist Rodtschenko ist am Ende seines Werkes ein gebrochener Künstler.
Der ein Jahr ältere Man Ray, der ja eigentlich Emmanuel Radnitzky hieß, ehe seine in die USA immigrierten Eltern ihre Nachnamen in Ray verkürzten, wandelte dagegen immer auf einem schmalen Grat zwischen Experiment und Kommerz. Auch Man Ray hatte seine Großkrise, als er von seinem ersten Paris-Aufenthalt vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht zurück in die USA fliehen und sein gesamten Werk zurücklassen musste. Er fiel daraufhin in eine Depression und konnte sich erst in Los Angeles nach und nach wieder hervorarbeiten.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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KUNSTSCHAU HAMBURG - Jens Ullheimer | PT Gropiusbau Berlin |
Die Ausstellung im Berliner Walter-Gropius-Bau zeigt bis zum 18. August 2008 Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken aus der Sammlung des Man Ray Trusts in Long Island, New York. Die Sammlung des Man Ray Trusts ist nie zuvor gezeigt worden.
„Unconcerned But Not Indifferent“ (Unbekümmert, aber nicht gleichgültig) lautet die Inschrift auf Man Rays (1890-1976) Grabstein, die für den Titel der Ausstellung gewählt wurde.
Man Ray
Mit über 300 Stücken ist sie die erste ihrer Art, die Man Rays künstlerische Arbeiten mit den Gegenständen und Bildern in Beziehung setzt, aus denen er seine Inspiration schöpfte – seine Melone und sein Spazierstock, Gegenstände aus den Regalen seines Studios in der Rue de Ferou in Paris, seine Sammlung erotischer Fotografien und die Objekte, die er für seine bekannten Rayografien verwendete.
Wegen der Fülle des Materials, das im Man Ray Trust zur Verfügung stand, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Entwicklung zahlreicher Motive von den Skizzen bis zum Meisterwerk und zeigt Man Rays gelegentliche Nutzung fotografischen Materials für Gemälde und Grafiken.
Der Aufbau von „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ folgt den vier Schaffensperioden von Man Ray: New York (1890–1921), Paris (1921–1940), Los Angeles (1940–1951), Paris (1950–1976). Es werden zahlreiche Werke aus jeder Lebensperiode Man Rays gezeigt. Viele der vorgestellten Arbeiten sind gut bekannt, jedoch seit seinem Tod nicht mehr zu sehen gewesen. Als Ergebnis gründlicher Recherchen in den nicht katalogisierten Beständen des Trusts zeigt die Ausstellung erstmals eine Auswahl aus bislang gänzlich unbekannten Werkserien.
Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008
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KATALOG
Man Ray
| 336 Seiten
| 137 farbige Abb.,
| 200 Abb. im Duotone
| 22 x 27 cm
| gebunden
| mit Schutzumschlag
Mehr als dreihundert Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken geben einen kompakten Überblick über Man Rays Leben und seine künstlerische Entwicklung.
Mit einer Vielzahl bislang unbekannter Werke und Dokumente aus allen Schaffensphasen Man Rays (1890-1976) bietet dieser Band eine neue, überraschende Sicht auf das Leben und die künstlerische Produktion des großen amerikanischen Fotografen und Malers.
Zum ersten Mal präsentiert der New Yorker Man Ray Trust, der einen Großteil des Künstler-Nachlasses aufbewahrt, seine umfangreiche Sammlung: kaum bekannte Frühwerke, persönliche Gegenstände und Dokumente aus seinem Privatleben, Skizzen und Entwürfe für größere Arbeiten sowie zahlreiche der berühmten Meisterwerke.
Dieses Buch enthält weit mehr als 300 Abbildungen von Fotografien, Zeichnungen, Gemälden und Plastiken, die sowohl das herausragende Niveau wie auch den Facettenreichtum des Gesamtwerks von Man Ray belegen. Ergänzt werden die Bilder von einem einleitenden Essay über die künstlerische Entwicklung Man Rays und einer umfassenden und detaillierten Chronologie zum Leben und Werk des Künstlers.
• Ein ganz neuer Blick auf Man Ray: Viele unbekannte Werke des Künstlers werden erstmals gezeigt
• Mit mehr als dreihundert Zeichnungen, Fotos, Gemälden und Plastiken
• Enthält einen kompakten Überblick über Man Rays Leben und seine künstlerische Entwicklung
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Man Ray Trust ( mit umfangreichem Bildmaterial )
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VIDEO | Emak Bakia, 1926
Im Herbst kam schließlich der fast zwanzigminütige mit Jazzmusik von Django Reinhardt unterlegte Film Emak Bakia in Paris zur Aufführung; die Premiere in New York fand im darauf folgenden Frühjahr statt. Man Ray skizzierte sein Werk als „Pause für Reflexionen über den gegenwärtigen Zustand des Kinos.” Emak Bakia basierte ohne bestimmte Handlung auf Improvisationen, die mit Rhythmik, Geschwindigkeit und Licht spielen und somit auf das Medium Film an sich reflektieren. Der Film sollte ein cinepoeme, eine „visuelle Poesie“ sein, wie Man Ray auch im Untertitel betonte. ( wikipedia )
| mehr Kurzfilme von Man Ray auf ubuweb
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Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig
und
Alexander Rodtschenko
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis 18. August 2008
Jul
29
Moskauer Konzeptkunst
Juli 29, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT Schirn Frankfurt |
Die Ausstellung „Die Totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“ bietet bis zum 14. September 2008 einen umfassenden Überblick über die Konzeptkunst im spät- und postsowjetischen Russland.
Die Kunst des Moskauer Konzeptualismus entstand bereits Ende der 1960er Jahre, wobei in den Aktionen, Installationen und Texten der Moskauer Konzeptualisten die Bilderwelten der sowjetischen Ideologie kritisch reflektiert wurden. Da das Kunstleben in der Sowjetunion einer strengen ideologischen Zensur unterstand, wurden die Aktivitäten der Künstlergruppe als eine Art politischer Provokation empfunden, eignete sie sich doch das Privileg der Interpretation von Kunst und Gesellschaft an, das allein der Kommunistischen Partei zustehen sollte. Die Ausstellung präsentiert rund 130 Werke von 30 Künstlern.
KÜNSTLERLISTE: Juri Albert, Sergei Anufriev, Grisha Bruskin, Erik Bulatov, Ivan Chuikov, Elena Elagina, Andrei Filippov, Ilya Kabakov, Georgy Kizevalter, Kollektive Aktionen, Komar & Melamid, Alexander Kosolapov, Juri Leiderman, Igor Makarevich, Medizinische Hermeneutik, Boris Mikhailov, Andrei Monastyrski, Nikolai Panitkov, Pavel Pepperstein, Victor Pivovarov, Dmitri Prigov, Lew Rubinstein, Leonid Sokov, Vadim Zakharov.
In der russischen kunstinteressierten Öffentlichkeit gilt der Moskauer Konzeptualismus als wichtigste russische Kunstbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er ist eine geschlossene, relativ klar definierte, sich von der übrigen russischen Kunst bewusst abgrenzende Bewegung, die über ihre eigene, für den russischen Betrachter leicht identifizierbare Ästhetik und sogar über eine quasi-institutionelle innere Organisation verfügt. Im Westen dagegen blieb eine kunsthistorische Einordnung der Gruppe im Rahmen einer Ausstellung bisher jedoch aus.
Der Moskauer Konzeptualismus entwickelte sich innerhalb der unabhängigen, inoffiziellen Moskauer Kunstszene der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Diese Szene entstand fast unmittelbar nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 in größeren Städten der Sowjetunion. Sie wurde von den zuständigen Behörden zwar toleriert, war aber vom offiziellen Ausstellungsbetrieb sowie von den staatlich kontrollierten Massenmedien fast vollkommen abgeschnitten. Der Name „Moskauer Konzeptualismus“ verweist einerseits auf die Moskauer Untergrundszene und andererseits auf die westliche, vor allem angloamerikanische Konzeptkunst der 1960er Jahre – auf die künstlerische Praxis der Gruppe „Art and Language“ und diejenige von Joseph Kosuth – die den Moskauer Konzeptualisten dank der westlichen Zeitschriften und Kataloge, die damals nach Moskau gelangten, wohlbekannt war. Doch hat diese Praxis in Moskau eine grundlegende Transformation erfahren. Das Adjektiv „Moskauer“ ist also eher Programm als bloße Ortsangabe.
Die sowjetische Kultur war einheitlich – und sie war ausschließlich institutionell geprägt. Die alltägliche Massenkultur war genauso zentralistisch, bürokratisch und institutionell verwaltet wie die Hochkultur – und wurde im Grunde nach den gleichen
ideologisch korrekten Kriterien bewertet, anerkannt und verbreitet. Daher spielte der offizielle Diskurs darüber, was Kunst ist, in allen Bereichen der sowjetischen Kultur eine alles bestimmende Rolle. Das Hauptverfahren des Moskauer Konzeptualismus bestand darin, diesen offiziellen Diskurs privat, ironisch, profan zu benutzen, zu variieren und zu analysieren. In diesem Sinne praktizierte der Moskauer Konzeptualismus Aufklärung – und zwar totale Aufklärung.
Dabei benutzten die Künstler der ersten Generation des Moskauer Konzeptualismus der 1960er und 1970er Jahre wie Ilya Kabakov, Vitali Komar und Alexander Melamid, Dmitri Prigov oder Lew Rubinstein vor allem die Sprache des „einfachen sowjetischen Menschen“. Die sorgsam ausgewählten und hundertmal zensierten Formulierungen der offiziellen sowjetischen Ideologie wurden durch ihren alltäglichen, „unkultivierten“ Gebrauch unweigerlich beschädigt und deplatziert und dabei mit allen erdenklichen rein privaten und unausgegorenen Meinungen vermischt. Vor allem Ilya Kabakov und Dmitri Prigov schöpften in ihren Kommentaren zur eigenen und fremden Kunst reichlich aus diesem Fundus des alltäglichen unkultivierten Theoretisierens, und dies oft auf höchst unterhaltsame Weise. Man kann sagen, dass der Moskauer Konzeptualismus die diskursive Massenkultur seiner Zeit zu seinem Gegenstand gemacht hat. Er war auf der einen Seite in der Tat eine Art Konzeptkunst. Aber noch viel mehr war er eine Art diskursiver Pop Art.
Die Totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990
| Schirn Kunsthalle Frankfurt
| bis 14. September 2008
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„Die totale Aufklärung.
Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“.
Die umfassende Publikation widmet sich der im Westen immer noch wenig bekannten konzeptuellen Strömung in der Kunst des spät- und postsowjetischen Russlands.
Sie verdankt ihren Namen einem Essay von Boris Groys aus dem Jahr 1974, in dem er das besondere Verhältnis einiger Moskauer Künstler zur russischen Tradition als Unterscheidungsmerkmal zu westlichen Vorbildern kennzeichnet. Beginnend Ende der 1960er-Jahre operiert die Moskauer Konzeptkunst parallel zur westlichen und spiegelt dabei die existenzielle Erfahrung wider, Teil eines politischen Konzeptes zu sein. In radikaler Abkehr vom romantischen Bild des autonom agierenden Künstlergenies wird der Betrachter mit einbezogen, werden Prozesse der Herstellung und Bedingungen der Rezeption sichtbar gemacht. Der Band zeigt Schlüsselwerke und die bedeutendsten künstlerischen Positionen anhand von Malerei, Zeichnung, Fotografie und Installationen.
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VIDEO ( flash ) Webfilm der Frankfurter Schirn
Anlässlich der Ausstellung „Die totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“ begleitet der Webfilm der Frankfurter Schirn den Kurator Boris Groys durch die Ausstellung. Im Gespräch mit Martina Weinhart, Kuratorin an der Schirn und Projektleiterin dieser Ausstellung, stellt Groys anhand wichtiger Hauptwerke, historischer Fotografien und Filmbilder die Aktivitäten und künstlerischen Ideen der Moskauer Konzeptualisten vor.
| Kamera / Schnitt: Astrid Rieger
| Ton: Bernd Thiele
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Bilder einer Ausstellung
FR online - ( Kurator ) Boris Groys in eigenen Worten
Aufgezeichnet von Esther Jacobs
Natürlich hat die besondere gesellschaftliche Situation dieser Kunst auch auf sie zurückgewirkt. Sie hatte keinen Markt. Die Künstler produzierten nicht für eine Nachfrage, sie folgten nicht den Bedürfnissen der anderen, sondern nur den eigenen. Dadurch haben die meisten Werke etwas für den westlichen Betrachter ungewohnt Privates. Der Künstler hat an nichts Kommerzielles gedacht, nicht an Käufer und nicht an sein Image. In der Sowjetunion war Kunst keine Ware. Schon gar nicht die Moskauer Konzeptkunst. Sie war es auch nicht im Westen. Lange Zeit wurde sie nicht einmal wahrgenommen, geschweige denn gekauft. Selbst die Sammlung Ludwig hat sie erst in den letzten Jahren erworben.
Jetzt allerdings gehen die Preise in die Höhe. Der Grund ist einfach. Die reichen Russen haben angefangen, diese Kunst zu kaufen. Sie kaufen wie verrückt.
Die russischen Käufer haben ein sehr sentimentales Verhältnis zu dieser Kunst. Es ist die Kunst ihrer Jugend. Es ist ein Spiegel der Welt, aus der auch sie kommen, und die eigenartige Verbindung von Schrecken, Liebe und Ironie, die diese Kunst prägt, ist ihrem eigenen Verhältnis zur sowjetischen Vergangenheit nicht unähnlich.
Je stärker der Westen ihnen vorwirft, es habe einen russischen Imperialismus gegeben, desto mehr identifizieren sie sich damit und wollen ihn wiederhaben. Als diese Kunst entstand, war sie das Produkt einer Vielvölkerbohème, die in Moskau zusammenkam und eigene Wege suchte, heute wird sie gekauft und gehandelt als Dokument eines glorreichen, frechen Aufbruchs ins neue Russland.
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Sie haben die Ikonen des Sozialismus humorvoll verfremdet: die Moskauer Konzeptkünstler der Jahre 1960 bis 1990. Das war zu Sowjetzeiten nicht ganz ungefährlich …
ARTE | Kultur | Ausstellungen
| VIDEO-Reportage ansehen ( windows media )
| Reportage von
| J. Hendrikx | H. Rädler | T. Kellner | S. Schnabel
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Kunst aus dem sowjetischen Untergrund
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Volkhard App
Von der politischen Nomenklatura unerwünscht und von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet begannen die Moskauer Konzeptualisten bereits in den 60er Jahren mit ihrer Arbeit. Ihre Aktionen, Installationen und Texte standen nahezu zwangsläufig im Widerspruch zum System.
Aufmüpfigen Künstlern wurden repräsentative Ausstellungsmöglichkeiten verwehrt, darin bestand ihre gemeinsame Erfahrung. Aber bildeten sie - diese Maler, Kritiker und sonstigen klugen Köpfe - wirklich eine Gruppe? Boris Groys, Initiator dieser Ausstellung, war in den siebziger Jahren einer von ihnen:
“Ja, das war unbedingt eine Gruppe, die Solidarität war sehr ausgeprägt unter den Bildenden Künstlern, Essayisten und Poeten, die diese Gruppe angeführt haben. Man traf sich regelmäßig, trank Wein, trug Gedichte vor und zeigte Bilder. Meine Rolle in jener Zeit war wichtig, weil ich in dieser Gruppe als Einziger theoretische Schriften über sie verfasste und ich war dort generell wahrscheinlich der einzige Theoretiker.”
In der Schirn ist so eine Zeitreise möglich: zurück auf einen fernen Planeten, in eine abgeschlossene Phase der Kunstgeschichte - zu Protagonisten, die sich im kleinen Kreis an der Subversion versuchten: nicht durch politische Pamphlete, sondern mit ironisch-verspielten Ideen, textverliebt und kommentarlustig, für abgedrehte Einfälle empfänglich und für intellektuelle Verstiegenheit.
Als Alexander Kosolapov 1993 Lenins stilisiertes Konterfei mit dem Schriftzug von Coca Cola zusammen ins Bild setzte, war die Sowjetunion bereits kollabiert. Einige dieser Künstler sind bei uns seither in bedeutenden Einzelausstellungen gewürdigt worden. Die Frankfurter Schau weist mit ihrem Rückblick noch einmal auf den historischen Zusammenhang hin, das ist ihr großes Verdienst.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Heiterkeit im Untergrund
FAZ - Margarete Vöhringer
Wer sich Konzeptkunst bislang als anstrengende Angelegenheit vorgestellt hat, der erlebt in der Frankfurter Schirn eine Überraschung. Ausgerechnet in der Zeit des Eisernen Vorhangs, die man sich dunkel vorstellt, voller Restriktionen und Mangelerscheinungen, kam ein Humor in der russischen Kunst auf, der auch vor dem Westen nicht haltmachte.
So trifft der erste Blick in die Ausstellung auf Arbeiten, die weltweit bekannte Konsumartikel zitieren: Ein Gemälde verbindet die Ästhetik einer Marlboro-Zigarettenschachtel mit dem Schriftzug „Malevich“; Lenins Konterfei ziert ein „Coca- Cola“-Werbeschild, auf dem der Slogan versichert: „It’s the real thing. Lenin.“
Wer sich irritiert umsieht, ob er sich auch wirklich in der richtigen Ausstellung mit russischer Kunst befindet, entdeckt das erste eigentliche Bild des Rundgangs neben der Tür: Erik Bulatows Gemälde „Trademark“, das einen realistisch-barocken Wolkenhimmel zeigt, herrlich blau, mit einem riesigen, goldenen CCCP-Logo mitten darauf, dem Gütesiegel der sowjetischen Planwirtschaft. Selbst über den russischen Wolken war alles von sowjetischer Qualität und unter Kontrolle, könnte das heißen. Denkt man aber daran, dass auch minderwertige Produkte mit diesem Zeichen versehen wurden, ziehen sich die Wolken plötzlich bedrohlich zusammen.
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Die Totale Aufklärung.
Moskauer Konzeptkunst 1960–1990
| Schirn Kunsthalle Frankfurt
| bis 14. September 2008
Jul
25
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT MdbK Leipzig |
Bis zum 19. Oktober 2008 zeigt das Museum der bildenden Künste, Leipzig nahezu 100 Gemälde aus allen Schaffensphasen – darunter zahlreiche Leihgaben aus nationalen und internationalen, öffentlichen und privaten Sammlungen. Erstmals werden die Gemälde Corinths mit einer konzentrierten Auswahl von Werken nachgeborener Künstler konfrontiert. Georg Baselitz, Rainer Fetting, Gotthard Graubner und Dieter Krieg, setzen in ihrer Arbeit bewusst oder unbewusst den Weg fort, den Corinth beschritten hat.
Innerhalb der DDR-Kunst fungierte er für Hartwig Ebersbach, Sighard Gille, Bernhard Heisig Willi Sitte und Norbert Tadeusz als »Leitfigur und Pate«. Diese Verortung wird der Leipziger Station einen besonderen Schwerpunkt verleihen, während Regensburg die Verbindung zu Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Sigmar Polke und der expressiven Figuration in der eigenen Sammlung sucht.
Die Ausstellung im Museum der bildenden Künste findet anlässlich des 150. Geburtstages des Leipziger Museums statt, das schon 1926 die umfassende Corinth-Gedächtnis-Ausstellung präsentierte. Für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg, als bundesweit einzigartiger Spezialsammlung ostdeutscher Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart, ist Corinth die zentrale Identifikationsfigur. Seit 1974 wird hier der Corinth-Preis verliehen.
Malerei als Abenteuer – dies trieb Lovis Corinth bis an den Rand zum Formlosen und mitten in die Moderne hinein. Dabei blieb er den ewigen Existenzfragen des Menschen um Eros und Tod, Gewalt und Leidenschaft zeitlebens treu. Akademiker, Naturalist, Impressionist, Expressionist – wie kaum ein zweiter Künstler verlieh Corinth dem Medium Malerei neue Ausdruckskraft jenseits der Stile. Er entwickelte ein spannungsvolles Themenspektrum zwischen dionysischer Antike und christlicher Leidensgeschichte, vom intimen Genrebild bis zur subjektiven Landschaftsimpression. 1858 im ostpreußischen Tapiau geboren, gilt er heute als ein Begründer der Moderne in der Malerei. Sein Geburtstag jährt sich 2008 zum 150sten Mal.
Lovis Corinth ging in seiner Kunst bis an Grenzen und wurde neben Oskar Kokoschka und Max Beckmann zum großen Einzelgänger der figurativen Moderne im frühen 20. Jahrhundert. Sein Werk beeinflusste und bestärkte Generationen deutscher Künstler in Ost wie West. Die Retrospektive in Paris, Leipzig und Regensburg ermöglicht nicht nur einen umfassenden Zugang zum explosiven Werk Lovis Corinths im Kontext der Moderne, sondern klärt auch erstmals eine wesentliche kunsthistorische Bezugsgröße der „Renaissance“ figurativer Malerei der Gegenwart.
Museum der bildenden Künste, Leipzig
Lovis Corinth | Internet-Special
| bis 19. Oktober 2008
Kunstforum
Ostdeutsche Galerie, Regensburg
| 9.11.2008 – 15.2.2009
Lovis Corinth
>> umfangreiche Bildergalerie
| auf wikipedia
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KATALOG
Lovis Corinth und die Geburt der Moderne
| Format 24 × 32,5 cm,
| 384 Seiten
| 228 farbige,
| 29 Duplex
| und 11 s/w Abbildungen,
| Hardcover, gebunden
| deutsch
Der Katalog erlaubt einen hochkarätigen Überblick über das Œuvre Lovis Corinths. Ausgangspunkt ist das thematisch differenzierte Frühwerk, in dem vielfältige Anregungen verschmelzen. In mythologischen und biblischen Darstellungen, Porträts, Landschaften oder Stillleben entwickelte sich Corinth zum vitalen Impressionisten und führenden Vertreter der Berliner Sezession. Im expressiven Spätwerk triumphiert die Ausdruckskraft der Farbe und des Malduktus über die gegenständliche Formensprache.
Der Katalog versammelt rund 100 Gemälde sowie Zeichnungen und Grafiken, die mit Zeitgenossen der deutschen und internationalen Moderne sowie einer konzentrierten Auswahl an Werken nachgeborener Künstler in Dialog treten und Corinth als Solitär zwischen Tradition und Avantgarde begreifbar werden lassen.
Mit Textbeiträgen von Bernhard Heisig, Anselm Kiefer, Serge Lemoine, Ulrike Lorenz, Mario-Andreas von Lüttichau, Marie-Amélie zu Salm-Salm, Klaus Theweleit, Beat Wyss und Michael F. Zimmermann
Die Publikation erschien anlässlich der Ausstellungen „Lovis Corinth und die Geburt der Moderne“, die vom 11. Juli bis 19. Oktober 2008 im Museum der bildenden Künste Leipzig und vom 9. November 2008 bis 15. Februar 2009 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg zu sehen sind.
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Zwischen Tradition und Moderne ( zur Ausstellung in Paris )
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Kathrin Hondl
Lovis Corinth entwickelt sich zu einem “Maler des Fleisches” zwischen Tradition und Moderne. Nah beieinander hängen in der thematisch geordneten Ausstellung im Musée d’Orsay Genre-Gemälde wie “Das große Martyrium” - eine schonungslos drastisch gemalte Kreuzigungsszene - , Schlachthausbilder, auf denen das Fleisch eines toten Ochsen in kräftigen Rottönen Leben eingehaucht bekommt, Frauenakte, auf denen die nackte Haut Formen und Farben annimmt, die die radikale Malerei eines Lucian Freud vorweg zunehmen scheinen.
Marie-Amélie zu Salm-Salm: “Also immer wieder schafft er es, auch so Grenzen aufzubrechen zwischen den unterschiedlichen Gattungen, uns immer wieder zu überraschen, auch mit seiner Malweise, wenn Sie sich zum Beispiel vorne die Violinistin anschauen, von 1900. Ein Gesicht in der alten Malweise, ganz detailliert ist das Gesicht ausgearbeitet. Und dann hat sie ein Kleid an, man würde sagen: informelle Malerei der 50er Jahre vorgegriffen. Komplett aufgelöste Struktur. Und da schafft einfach Corinth es, uns immer wieder zu überraschen. Und ich denke, das ist ganz gut zusammengefasst mit den Begriffen zwischen Tradition und Moderne.”
Die Pariser Ausstellung geht sogar noch einen Schritt weiter - bis zur Gegenwartskunst, so die These, reicht der Einfluss von Lovis Corinth. Der Beleg: Ein großes Tryptichon von Anselm Kiefer mit dem Titel - in Anlehnung an Corinths berühmtes “Selbstbildnis mit Skelett”, das in der Pariser Ausstellung leider fehlt - “Für Lovis Corinth. Selbstbildnis mit Skelett”.
Anselm Kiefer: “Es ist nicht nur eine Hommage. Es ist ein Bild, das ich gemalt hab’ quasi neben Corinth. Also ich wusste vom Serge Lemoine, dass er die Ausstellung macht, er hat mich gefragt, ob ich etwas da beitragen will. Und dann hab’ ich eigentlich ein Jahr an Corinth gedacht - während ich gearbeitet habe. Ich hab’ nicht speziell ein Bild gemacht für Corinth - eigentlich war’s wie eine Parallelaktion.”









