FREIHEIT – Die Kunst der Novembergruppe

Berlinische Galerie | bis 11. März 2019

Issai Kulvianski - Mein Töchterchen Kiki, 1927, Ausschnitt
Berlinische Galerie, © Nachlass Kulvianski, Bildquelle: Berlinische Galerie

Von 1919 bis 1932 realisierte die Novembergruppe knapp 40 Ausstellungen, veröffentlichte Publikationen und veranstaltete Konzerte, Lesungen, Feste und Kostümbälle. So wurde die Gruppe auf vielen Ebenen zur Kunstvermittlerin der Moderne und sorgte für Gesprächsstoff und heftigen Streit.


Mit 119 Werken von 69 Künstler*innen, darunter 48 Gemälde, 14 Skulpturen, 12 Architekturmodelle und -zeichnungen, feiert die Berlinische Galerie mit dieser allerersten umfassenden Überblicksschau den 100. Geburtstag der bekanntesten unbekannten Kreativgemeinschaft in dramatischen Zeiten.

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Neben den Stars der Avantgarde, Belling, Dix, Höch, Klee, Mendelsohn, van der Rohe, Pechstein u.a., bietet das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur auch zahlreiche Entdeckungen und Wiederentdeckungen: u.a. Dungert, Dexel, Kulvianski, Roeder, Tappert, Völker, Wetzel.

Demokratie und Vielfalt. Die bereits im November 1918 während der Revolution in Berlin initiierte Künstler*innenvereinigung Novembergruppe entwickelte sich rasch zum starken, innovativen Spieler in der Kunstwelt und auf dem Gesellschaftsparkett der Weimarer Republik. Der pluralistisch verfasste Verein war offen für alle Stilrichtungen der Bildenden Kunst, für Architekt*innen, Schriftsteller*innen, Komponist*in­nen und Filmemacher*innen. Eine Plattform für Freiheit, Demokratie und Vielfalt.

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Berlinische Galerie | bis 11. März 2019

FREIHEIT – Die Kunst der Novembergruppe

Pressetext: Berlinische Galerie www.berlinischegalerie.de

KATALOG | Freiheit: Die Kunst der Novembergruppe 1918-1935

Gebundene Ausgabe
Pappband
256 Seiten
220 farbige Abbildungen
Verlag: Prestel
Sprache: Deutsch
23,0 x 27,0 cm

 

„Wir stehen auf dem fruchtbaren Boden der Revolution. Unser Wahlspruch heißt: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“

lauten die ersten Zeilen eines Manifests, das die Novembergruppe kurz nach ihrer Gründung in den tumultösen Revolutionstagen 1918 entwarf.

Der Name der Künstler*innenvereinigung ist dem epochemachenden Zeitgeschehen im Monat November verpflichtet, das Motto der französischen Revolution entlehnt, die zur historischen Kronzeugin für die politischen Umwälzungen in Deutschland berufen wurde.

Unbekannter Fotograf, Kunstausstellung Berlin 1920, 
Mitglieder der Novembergruppe In einem Saal der Vereinigung

Die Novembergruppe

In den Revolutionswirren von 1918 gründeten Maler*innen, Bildhauer*innen und Architekten, initiiert von Max Pechstein und Georg Tappert, in Berlin die Novembergruppe als „Vereinigung der radikalen bildenden Künstler“. Bis 1932 präsentierte die Novembergruppe an die 3.000 Werke von über 480 Kunstschaffenden, unter ihnen etwa 200 direkte Mitglieder, deren Namen sich zu Teilen wie ein „who is who“ der Klassischen Moderne lesen.

Andererseits sind zahlreiche Künstler*innen in ihren Reihen vertreten, die bis heute auf eine Wiederentdeckung warten und in der Ausstellung besondere Berücksichtigung finden. Die Mitglieder der Novembergruppe waren nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs davon überzeugt, mit ihrer Kunst am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und an der Formung eines Neuen Menschen mitwirken zu können.

Ihre eigenen Abteilungen auf der Großen Berliner Kunstausstellung, die von einem Massenpublikum besucht wurde, sind deshalb besonders aufschlussreich. Flankiert von einer engagierten Vermittlung konfrontierte die Vereinigung dort die Besucher*innen jährlich mit den neuesten künstlerischen Entwicklungen. Damit leistete sie einen entscheidenden Beitrag zur Akzeptanz der Moderne.

Karl Völker, Beton, um 1924 © Nachlass Karl Völker, Foto Klaus E. Göltz

Darüber hinaus entwickelte die Gruppe eine weit über Berlin hinausreichende Strahlkraft und präsentierte die deutsche wie internationale Avantgarde auch in Italien, den Niederlanden und Russland. Offen für alle Stilrichtungen, von Kubismus, Futurismus und Expressionismus über Dada bis hin zu Abstraktion und Neuer Sachlichkeit, forderte sie die Sehgewohnheiten heraus. Die liberale Haltung gegenüber den unterschiedlichen Positionen entsprach den demokratischen Grundsätzen der jungen Republik, mit deren Niedergang auch das Ende der Vereinigung einherging.

Ab 1930 fällt die Novembergruppe auseinander: 1932, auf der letzten Schau vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, sind nur noch vier Künstler vertreten. Weltabgewandtheit und Rückzug sprechen aus den Werken und geben einer allgemeinen Resignation und dem Erlahmen der avantgardistischen Bestrebungen Ausdruck.

Die Verhältnisse am Ende der Weimarer Republik führen zu keiner erneuten Politisierung der Novembergruppe. Weder inhaltlich noch programmatisch reagieren ihre Künstler*innen auf die Zeitumstände. Nach 1933 sind keine Aktivitäten der Gruppe mehr nachzuweisen. 1935 wird die Novembergruppe auf eigene Kosten aus dem Vereinsregister gestrichen.

Die meisten ehemaligen Mitglieder werden als „entartet“ diffamiert und ihre Werke aus öffentlichen Sammlungen entfernt. Viele wurden verfolgt und mussten fliehen, einige traten in die NSDAP ein, manche zogen sich ins innere Exil zurück.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs findet sich die Gruppe nicht wieder zusammen. Ihre bedeutende Rolle für die Etablierung der Avantgarden und ihrer vielfältigen Stilidiome wird von ehemaligen Mitgliedern retrospektiv allerdings stets unterstrichen. Auch die Vorstellung von einer gesellschaftsbildenden Kraft der Kunst findet im geteilten Nachkriegsdeutschland ihren Widerhall.


PRESSESCHAU

Die radikalste Künstlergruppe der Weimarer Republik

Tilmann Krause für DIE WELT | Artikel lesen

Sie wollten das Paradies auf Erden errichten: Die Novembergruppe war die radikalste ästhetische Organisation der Berliner Republik. Nun wird ihre revolutionäre Kunstreligion in Berlin wiederentdeckt.

„Die Deutschen und ihre Stunde null! Gibt es irgendein Volk auf der Welt, dass so viel Bohei um den Neuanfang macht? Täglich schallt uns das Wort aus den Kehlen von orientierungslosen Politikern entgegen. Aber auch wenn wir ein bisschen in der Geschichte zurückgehen, stoßen wir darauf. Und immer wurde das Heil vom Neubeginn erwartet. Und jedes Mal verlief er sich rasch im Sande.“


BERLINISCHE GALERIE
Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch–Montag 10:00–18:00 Uhr

Dienstags geschlossen
Geschlossen am 24. und 31.12.

Unser Museum ist an den folgenden Dienstagen geöffnet:
25.12.2018 und 01.01.2019

Onlinetickets
können auf der Website der Berlinischen Galerie erworben werden:
www.berlinischegalerie.de/service/online-tickets

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