KABOOM – Comic in der Kunst

Das Museum Weserburg, Bremen zeigt bis zum 6. Oktober 2013  in einer groß angelegten Ausstellung den Einfluss von Comics auf die zeitgenössische Kunst seit den 1950er Jahren bis heute. Im Zentrum der Ausstellung stehen vor allem Werke einer jungen Künstlergeneration.

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Comicstrips und Cartoons waren für Künstlerinnen und Künstler von Beginn an eine stetige Inspirationsquelle. Doch erst mit der britischen und amerikanischen Pop Art erhielt die Sprechblasen-Welt im großen Stil Einzug in die Galerien und Museen. Roy Lichtenstein, Öyvind Fahlström und viele andere übernahmen die Ästhetik des Comics in ihre Malerei. Sie unterliefen damit provokativ die Trennung von Populärkultur und etablierter Kunst.

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Museum Weserburg Bremen | bis 6.10.2013

KABOOM – Comic in der Kunst

Pressetext: Museum Weserburg, Bremen www.weserburg.de

Die Weserburg greift das Thema mit einer groß angelegten Ausstellung auf. Gezeigt werden Arbeiten von über 30 internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Sie demonstrieren eindrucksvoll den Einfluss von Comics auf die zeitgenössische Kunst seit den 1950er Jahren bis heute.

Vorgestellt werden insbesondere Arbeiten einer jüngeren Künstlergeneration. Sie zeigen die Aktualität und Innovationskraft, die von der Auseinandersetzung mit dem Comic noch heute ausgeht. Auf spannende und ungewöhnliche Weise nutzen die Künstlerinnen und Künstler die Bildwelten und formalen Besonderheiten des Comics. Sie arbeiten genreübergreifend mit Malerei, Collage, Video, Zeichnung und schaffen Skulpturen und raumfüllende Installationen. Dabei bilden sie nur vermeintlich eine naive und fröhliche Oberfläche ab. Vielmehr hinterfragen sie auf kritische Weise ästhetische und gesellschaftliche Phänomene. Dies geschieht nicht selten mit Witz, Humor und bissiger Ironie.

Die Amerikanerin Joyce Pensato bringt in ihren schroffen Schwarz-Weiß-Malereien eine andere, dunkle Seite des Comics zum Vorschein, die uns mit dem Grotesken und Hässlichen konfrontiert. Martin Arnold benutzt Sequenzen aus Walt Disney Trickfilmen und macht die Helden der Kindheit zu gespenstischen Wiedergängern. Harmlose Motive verwandeln sich in schaurige Szenen. Die Zeichnungen von Raymond Pettibon atmen wiederum den Geist von Punk und Underground. Sie sind in der Lage die Befindlichkeit der westlichen Gesellschaft regelrecht zu sezieren.

Ein übergreifendes Thema ist der Superheld. So ist der afroamerikanische Performancekünstler William Pope.L in einem Superman-Outfit die gesamte Länge des New Yorker Broadway entlang gekrochen. In seiner bizarren Verkehrung des weißen Superhelden demontiert er augenfällig den Mythos amerikanischer Allmachtsvorstellungen. Die Arbeit mit dem denkwürdigen Titel The Great White Way wird für die Ausstellung in einer besonderen Form aktualisiert.

„Der weiße Superman wird schwarz, der fliegende Superman kriecht. Der schnelle Superman bewegt sich langsam, robbend, vor, führt er den Superman-Mythos ad absurdum und zeigt im Grunde genommen, dass die Allmachtsfantasien amerikanischer Prägung ein Gegenbild brauchen. Nämlich der Realität, die durchzogen ist von Rassismus, von Ungleichheit und von Machtlosigkeit.“ [ Franziska Rattei für DEUTSCHLANDRADIO Kultur | Beitrag lesen ]

Bereits 1967 hat Keiichi Tanaami, ein Vertreter der japanischen Pop Art, den strauchelnden, gebrochenen Helden in einer Collage zum Thema gemacht. Er schuf damit ein ironisches Gegenbild zum westlichen Einfluss auf die Nachkriegsgesellschaft in Japan.

Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler greifen vertraute Motive und Erzählungen des Comics auf, die sie bearbeiten, dekonstruieren und in neuer Gestalt zusammenfügen. Viele der Arbeiten sind mitunter verstörende Psychogramme der Gesellschaft mit überraschenden subversiv-politischen Bezügen. Im bewussten Rückbezug auf den Comic gelangt die Kunst so zu neuen visuellen Ausdrucksformen, sie wird zum Ort besonderer ästhetischer Erfahrungen und Erkenntnisse.

Konzept und Idee: Ingo Clauß
Kuratiert von Ingo Clauß, Peter Friese und Guido Boulboullé

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Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung
Siemon Allen (ZA), Martin Arnold (A), Dara Birnbaum (USA), Peter Blake (GB), William Copley (USA), Reinhard Doubrawa (D), Erró (IS), Öyvind Fahlström (SE), Gerard Hemsworth (GB), Arturo Herrera (VE), Andy Hope 1930 (D), John Isaacs (GB), Bertrand Lavier (FR), Mark Leckey (GB), Roy Lichtenstein (USA), Michel Majerus (LU), Christian Marclay (USA), Kerry James Marshall (USA), Matt Mullican (USA), Juan Muñoz (ES), Rivane Neuenschwander (BR), Chris Ofili (GB), Joyce Pensato (USA), Raymond Pettibon (USA), Sigmar Polke (D), William Pope.L (USA), Mel Ramos (USA), Allen Ruppersberg (USA), Francesc Ruiz (ES), Keiichi Tanaami (J), John Wesley (USA), Sue Williams (USA), Jordan Wolfson (USA).

KABOOM!_COMIC_IN_DER_KUNST - KatalogKATALOG | KABOOM! Comic in der Kunst

Herausgeber: Weserburg |Museum für Moderne Kunst
Autoren: Bettina Brach, Guido Boulboullé, Ingo Clauß, Peter Friese

Festeinband / Hardcover
22 x 30 cm
240 Seiten / pages
89 Farbabb. / color ills.
Deutsch/English
30,4 x 22,4 x 2,4 cm

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Der Katalog zur Ausstellung in der Weserburg pra?sentiert den Einfluss von Comics auf die zeitgeno?ssische Kunst seit den 1950er-Jahren bis heute.

Comicstrips und Cartoons waren fu?r Ku?nstlerinnen und Ku?nstler von Beginn an eine stetige Inspirationsquelle. Doch erst mit der britischen und amerikanischen Pop Art erhielt die Sprechblasen-Welt im großen Stil Einzug in die Galerien und Museen. Roy Lichtenstein, O?y- vind Fahlstro?m und viele andere u?bernahmen die A?sthetik des Comics in ihre Malerei. Sie unterliefen damit provokativ die Trennung von Popula?rkultur und etablierter Kunst.

KABOOM! nimmt sich dieses The- mas an, ohne es bei formalen Anleihen und Zitaten zu belassen. Stattdessen veranschaulicht die Publikation lebhaft, wie Ku?nstlerinnen und Ku?nstler die Bildwelten, Methoden und Strukturen des Comics nutzen, um a?sthetische und gesellschaftliche Pha?nomene kritisch zu hinterfragen – nicht selten geschieht dies mit Witz, Humor und bissiger Ironie.

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VIDEO | Dara Birnbaum – Technology/Transformation: Wonder Woman 1978/79 [ Ausschnitt / Excerpt ]

Schritt für Schritt geben ›verlängerte Momentaufnahmen‹ das technische ›Wunder‹ der Verwandlung von Wonder Woman preis und spielen damit auf die psychologische Transformation eines Fernsehprodukts an. Für Birnbaum ist dieses Video ein »veränderter Zustand«, der es »dem Betrachter erlaubt, die Äußerlichkeiten zu durchschauen, die oberflächlich gesehen so banal erscheinen, dass sogar die übernatürliche Verwandlung einer Sekretärin in »Wonder Woman« reduziert wird auf einen grellen Lichtblitz und eine Drehung des Körpers — ein kinderleichtes Spiel rhythmischer Tricks als Teil einer grimmigen Aggressivität, die uns im Fernsehen tagtäglich vorgesetzt wird.« [ ZKM Videosammlung ]

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Sprechblasen im Museum

Franziska Rattei für DEUTSCHLANDRADIO Kultur | Beitrag lesen

Das Ausstellungskonzept geht auf. „Kaboom! Comic in der Kunst“ funktioniert auf zwei Ebenen. Auf der ersten nimmt der Besucher die Disney-, Hergé- oder Manga-Comics wahr. Auf der zweiten setzt er sich mit Themen wie Politik, Gesellschaft oder auch sich selbst auseinander; weil die Comics durch ihre künstlerische Einbettung eine neue Bedeutung erfahren.

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Die befreite Kunst

Benno Schirrmeister für TAZ | Artikel lesen

… als direkt ansprechende, teilweise ruppig konfrontative Schau konzipiert: Sie macht deutlich, dass der bildnerische Blick stets besonderes Interesse an der dunklen Seite der Comic-Kunst hatte, dass es ihre Möglichkeiten, im sarkastischen Witz vom Niedlichen ins Unheimliche zu kippen sind, die ihm Nahrung geben — etwa wenn Bildhauer John Isaacs unter der kuschelblöden Bunnymaske einen brutal blickenden kahlen Männerschädel auftauchen lässt. Und sie verfügt, gerade in den wunderbar-abscheulichen Nazi- und Porno-Bildern des Isländers ERRÓ auch über erhebliches Schock-Potenzial, sprich: Es ist eine laute Ausstellung, ein echtes Lebenszeichen.

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