KP BREHMER – Kunst # Propaganda

Hamburger Kunsthalle | ab 29. März bis 23. Juni 2019

KP Brehmer - Auswahlbeutel No.18 (Deutsche Kultur), 196769 
Photo: Hamburger Kunsthalle / bpk Elke Walford

Aus Anlass des 80. Geburtstags des „kapitalistischen Realisten“ KP Brehmer (1938–1997) zeigt die Hamburger Kunsthalle eine umfassende Ausstellung zum Werk des bildenden Künstlers, der sich in seinem Schaffen sehr konkret mit soziopolitischen Themen beschäftigte und in komplexer Weise mit den Bildmedien der Bundesrepublik Deutschland und den Bedingungen der kapitalistischen Bildproduktion und -rezeption auseinandersetzte.


Die Hamburger Kunsthalle hat als erstes Museum schon früh Werke des Künstlers erworben. Die Ausstellung zeigt mit über 200 Arbeiten einen Überblick über sein gesamtes Werk. Zu sehen sind Zeichnungen, Collagen, Druckgraphiken, Gemälde und Filme – mit Leihgaben aus dem Nachlass des Künstlers sowie aus internationalen Museen.

Dabei hat er ein vielfältiges, experimentelles, analytisches und zugleich humorvolles Œuvre hinterlassen, das in seinen Fragestellungen an Aktualität gewinnt. Denn KP Brehmers künstlerisches Selbstverständnis, mit seiner Kunst einen dezidiert politischen Anspruch zu verfolgen, erscheint in unserer Zeit von besonderer Relevanz.

Brehmer begann seine Ausbildung als Reproduktionstechniker, das Prinzip der maximalen Vervielfältigung und Verbreitung haben sein theoretisches Denken und künstlerisches Agieren maßgeblich geprägt. Er selbst nannte sich einen „ideologischen Kleptomanen“, der keine Scheu vor dem Zitieren anderer hatte.

Dem Kult des individuellen Autors stellte er partizipative und interdisziplinäre Methoden gegenüber, um das Kollektive zu Wort kommen zu lassen. Musik, Film, Werbung, Pop-Kultur und Medien-Entertainment waren ihm willkommene und vertraute Sprachformen – die er zugleich einer scharfen kritischen Analyse unterzog. All das hat ihn zu einer singulären Erscheinung in der Kunst der 1960 Jahre gemacht – in einer Zeit, in der sich andere Künstler oder auch Weggefährten vielfach bereits den Weg in den immer mächtiger werdenden Kunstmarkt bahnten.

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Neues Museum, Nürnberg | bis Februar 2019
Hamburger Kunsthalle | ab 29. März 2019 bis 23. Juni 2019

KP BREHMER – Kunst # Propaganda

Pressetext: Hamburger Kunsthalle https://www.hamburger-kunsthalle.de
Kuratoren:
Eva Kraus, Neues Museum Nürnberg
Petra Roettig, Hamburger Kunsthalle
Daniel Koep, Gemeentemuseum Den Haag
Selen Ansen, Arter Istanbul

KATALOG | KP BREHMER KUNST (UNGLEICH) PROPAGANDA

Taschenbuch, broschiert
240 Seiten
240 Abbildungen
Verlag: König
Sprache: Deutsch
21 x 28 cm

KP Brehmer, eigentlich Klaus Peter Brehmer, gehört zur Generation der Künstler, die in Deutschland mit den Mitteln der amerikanischen Pop Art einen kritischen »kapitalistischen Realismus« entwickelten – so der Titel einer von René Block 1968 herausgegebenen Mappe mit Werken von KP Brehmer und seinen Zeitgenossen Sigmar Polke, Gerhard Richter, Wolf Vostell und Konrad Lueg.

Zugleich nahm Brehmer in diesem Umfeld eine Sonderrolle ein: KB Brehmer, der jahrzehntelang Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg war, begann seine Ausbildung als Reproduktionstechniker. Das Prinzip der maximalen Vervielfältigung und Verbreitung von Bildvorlagen prägten sein theoretisches Denken und künstlerisches Agieren maßgeblich. Die Bilder der Werbung, des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der illustrierten Presse sowie die Motive der Plakate aus der politischen Propaganda präsentierte er in einem veränderten Kontext und setzte dabei die Graphik als Werkzeug so radikal und konsequent zur politischen Bildagitation ein wie kein anderer Künstler.

Der Titel der Ausstellung „Kunst ? Propaganda“ greift den zentralen Gedankengang KP Brehmers auf: Wie kann, darf oder soll sich politische Kunst einer politischen Rhetorik bedienen, um ihr Ziel zu erreichen – ohne sich dabei selbst instrumentalisieren zu lassen? Allein schon sein Signet steht für diese subversive Strategie: KP – diese beiden charakteristischen Versalien (das Kürzel seines Doppelnamens Klaus Peter) sind als eine Widmung an die Kommunistische Partei zu lesen, deren Mitglied er jedoch nie gewesen ist.

Über die Grafik und Malerei hinaus umfasst Brehmers Werk komplexe multimediale Installationen. Durch das konstante Verschieben der Motive seines Werks zwischen verschiedenen Medien wie Bild, Text, Musik und Film thematisierte er auch ihre mediale Konstruktion. KP Brehmer hat zudem ein etwa 30 Arbeiten umfassendes filmisches Werk hinterlassen.

KP Brehmer - Das Gefühl zwischen Fingerkuppen, 1967

Seit den frühen 1960er Jahren bis zu seinem Tod hinterfragte Brehmer in komplexer Weise die Wirkmacht medialer Bilder in ihrer gesellschaftlichen Zirkulation und massenhaften Produktion. Dazu verwendete er Bildmaterial aus Werbung und politischer Propaganda in Form von Plakaten, Bildern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der illustrierten Presse.

Graphik war für KB Brehmer nicht nur eine Technik, sondern Instrument und Metapher zur Visualisierung sozialer und politischer Darstellungskonventionen. Indem er sich die Ästhetik von Werbeaufstellern in Kaufhäusern, von Briefmarken als staatliche Symbolwerte und von Informationsmedien wie Diagrammen und Statistiken aneignete und diese durch leichte Bedeutungsverschiebungen neu codierte, machte er deren Wirkmechanismen kenntlich. Auf diese Weise stellte er in seinem Werk nicht nur die Strategien etablierter Medien an den Pranger sondern reflektierte deren Mittel und Effekte der Täuschung und Beeinflussung.

KP Brehmer - Druckfarbenmuster Ideale Landschaft, 1968
Modell Ideale Landschaft (Ausschnitt), 1968
Neues Museum Nürnberg, Leihgabe Sammlung Block
Foto: Neues Museum Nürnberg (Birgit Suk) © VG Bild-Kunst, 2018

Mit all diesen Herangehensweisen nimmt Brehmer in der Generation der Künstler, die in Deutschland mit den Mitteln der amerikanischen Pop Art einen kritischen „kapitalistischen Realismus“ entwickelten – wie Sigmar Polke, Gerhard Richter, Wolf Vostell – eine Sonderrolle ein.

Er selbst nannte sich einen „ideologischen Kleptomanen“, der keine Scheu vor dem Zitieren anderer hatte. Dem Kult des individuellen Autors stellte er partizipative und interdisziplinäre Methoden gegenüber, um das Kollektive zu Wort kommen zu lassen. Angesichts des derzeit verstärkten Interesses an einer Kunst, die sich bewusst mit den Möglichkeiten und Grenzen ihrer politischen Verantwortung auseinandersetzt, hat Brehmers Schaffen, zumal im Zeitalter von „fake news“, an Aktualität und Brisanz gewonnen.

Die Ausstellung wird vom Neuen Museum Nürnberg, der Hamburger Kunsthalle (29. März 2019 bis 23. Juni 2019), dem Gemeentemuseum Den Haag und ARTER, Istanbul gemeinsam produziert.


VIDEO | Kunst als Kapitalismuskritik

 


Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg

ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 21 Uhr
Montag geschlossen
Sonderöffnungszeiten

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