Making VAN GOGH – Geschichte einer deutschen Liebe

Städel Museum, Frankfurt am Main | bis 16. Februar 2020

Vincent van Gogh (1853–1890)
Weiden bei Sonnenuntergang, 1888
Öl auf Leinwand auf Karton, 31,6 cm x 34,3 cm
© Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande

Das Städel Museum zeigt eine umfassende Ausstellung zu einem der berühmtesten Künstler der Welt: Vincent van Gogh (1853–1890). Die bis dato größte und aufwendigste Präsentation in der Geschichte des Städel thematisiert die besondere Rolle, die deutsche Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Vorreiters der modernen Malerei spielten. Zum anderen wird die entscheidende Rolle van Goghs als Vorbild für die Kunst des deutschen Expressionismus beleuchtet. Zu sehen sind etwa 140 Gemälde und Arbeiten auf Papier, darunter über 45 zentrale Werke von van Gogh.


Die Ausstellung nimmt das Œuvre van Goghs erstmalig im Kontext seiner Rezeption in Deutschland in den Blick. Den Ausgangspunkt bildet eine Auswahl von Schlüsselwerken aus allen Schaffensphasen des niederländischen Malers. Darauf aufbauend widmet sich die Präsentation der Bedeutung van Goghs für die Entwicklung der deutschen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wichtiger Referenzpunkt ist hierbei die umfangreiche Städel Sammlung von Werken des Expressionismus. Neben bekannten Beispielen von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Max Beckmann werden auch wiederzuentdeckende Positionen präsentiert, für die van Gogh ebenso prägend war, darunter Peter August Böckstiegel, Maria Slavona oder Heinrich Nauen.

Im Zentrum des groß angelegten Ausstellungs- und Forschungsprojekts steht das Anliegen, einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis der Kunstentwicklung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu liefern und dabei Vincent van Goghs Rolle als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde aufzuzeigen.

Besondere Höhepunkte stellen die Selbstbildnisse aus dem Art Institute in Chicago und dem Kröller-Müller Museum in Otterlo dar. Weitere Highlights sind die berühmte Darstellung der Berceuse Augustine Roulin (1889, Stedelijk Museum, Amsterdam) sowie die Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer (1888, Van Gogh Museum, Amsterdam).

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Städel Museum, Frankfurt am Main | bis 16. Februar 2020

Making VAN GOGH

Geschichte einer deutschen Liebe

Pressetext: Städel Museum
Kuratoren: Alexander Eiling (Leiter Kunst der Moderne, Städel Museum),
Felix Krämer (Generaldirektor, Kunstpalast Düsseldorf)
DIGITORIAL: vangogh.staedelmuseum.de

KATALOG | MAKING VAN GOGH

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe
352 Seiten
260 Abbildungen in Farbe
Verlag: Hirmer
Sprache: Deutsch
23,5 x 3,8 x 28,7 cm

Making Van Gogh nimmt das Œuvre Vincent van Goghs im Kontext seiner Rezeption in den Blick. Der Band thematisiert die besondere Rolle, die deutsche Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für seine Erfolgsgeschichte spielten. Zugleich wird auch die Bedeutung van Goghs als Vorbild für die Kunst des Expressionismus beleuchtet.»Van Gogh ist tot, aber die van Gogh-Leute leben. Und wie leben sie! Überall van Goghelt’s«, formulierte Ferdinand Avenarius 1910 in der Zeitschrift Der Kunstwart.

Zum Zeitpunkt seines Todes in Auvers-sur-Oise 1890 war das Werk van Goghs nur wenigen Zeitgenossen vertraut. Als zur Jahrhundertwende in den Kulturmetropolen Europas die ersten Van-Gogh-Ausstellungen stattfanden, stieg die Bekanntheit seines Œuvres drastisch an. Die Sonderausstellung im Städel Museum zeigt auf, dass ohne die Rezeptionsgeschichte in Deutschland diese Entwicklung und die bis heute anhaltende Popularität Vincent van Goghs kaum denkbar gewesen wären“, so Städel Direktor Philipp Demandt.


In drei großen Kapiteln erzählt die Ausstellung von der Entstehung und Wirkung des „Mythos van Gogh“ in Deutschland. Wie kam es, dass van Gogh gerade in Deutschland so populär wurde? Wer engagierte sich für sein Werk und wie reagierten die Künstler auf ihn? Die Ausstellung zeigt van Gogh als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Maler der Sonne

Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Raum, der aufzeigt, dass van Gogh die deutschen Expressionisten unter anderem mit Gemälden beeindruckte, in denen die Sonne als lodernder Fixstern am Horizont steht. Diese Darstellungen waren insofern außergewöhnlich, als das Licht der Sonne von Malern zuvor meist nur indirekt wiedergegeben wurde. Van Gogh hingegen rückte die Sonne als ein lebensspendendes und hoffnungsvolles Symbol ins Zentrum seiner Kompositionen, etwa in Weiden bei Sonnenuntergang (1888, Kröller-Müller Museum, Otterlo).

Zahlreiche Vertreter des Expressionismus verstanden van Goghs Form der „Sonnenmalerei“ indessen als ein apokalyptisches Zeichen. Diese Interpretation, an der Julius Meier-Graefe entscheidenden Anteil hatte, passte in die unruhigen Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg, erschien aber auch in der angespannten politischen Lage der Weimarer Republik plausibel.

Otto Dix - Sonnenaufgang, 1913, Öl auf Papier auf Pappe, 50,5 x 66 cm
Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung, Museen der Stadt Dresden

In beiden Phasen finden sich deutliche Reaktionen auf diese Arbeiten van Goghs, so etwa Otto Dix’ Sonnenaufgang (1913, Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung, Museen der Stadt Dresden), Wilhelm Morgners Der Baum (1911, Museum Wilhelm Morgner, Soest), Walter Opheys Flußlandschaft mit Schiffen und roter Sonne (1913/14, Kunstpalast, Düsseldorf), Max Pechsteins Aufgehende Sonne (1933, Saarlandmuseum – Moderne Galerie, Saarbrücken, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz) oder Josef Scharls Landschaft mit drei Sonnen (1925, Kunsthalle Emden – Stiftung Henri und Eske Nannen).



PRESSESCHAU

VIDEO | Making Van Gogh – der Sonnenblumensuperstar im Frankfurter Städel

Video verfügbar bis: 25.10.2020


Die Liebe der Deutschen zu Vincent van Gogh

Stefan Dege für die Deutsche Welle | Artikel lesen

Er schnitt sich ein Ohr ab. Aber war er wirklich ein verkanntes Genie am Rande des Wahnsinns? Den Mythos rückt jetzt die größte Vincent- van-Gogh-Schau der letzten Jahre zurecht – im Frankfurter Städel Museum.

„Van Gogh als Leidensapostel zwischen Wahnsinn und Genie – dieses Image verdankt der Maler mit dem abgeschnittenen Ohr dem einflussreichen deutschen Kunstkritiker Julius Meier-Graefe und seinem Roman „Vincent“ (1921). Man könnte sagen, der Ruf van Gogh als „Vater der Moderne“ entstand nicht zufällig. Viele hatten ein Interesse und nicht wenige verdienten daran.“


Berauscht von leuchtenden Farben

Felix Krämer im Gespräch mit Gabi Wuttke, für Deutschlandfunk Kultur
Beitrag anhören


Des Malgotts flammende Hand

Stefan Trinks für die FAZ | Artikel lesen

In der bislang umfangreichsten deutschen Ausstellung zu van Gogh fragt das Frankfurter Städel nach den Gründen der hiesigen Begeisterung für ihn. Und zeigt fünfzig der faszinierendsten Gemälde des großen Unverstandenen.

„Denn wem die Impressionisten zu brav oder auch zu französisch waren, für den war ab dem Fin de Siècle bis in die zwanziger Jahre van Gogh der Künstler der Stunde. Das Bekenntnis zu diesem Berserker der Malerei konnte so auch eine bewusste Abwendung vom verschmockten kaiserzeitlichen Stil bedeuten, die für ein aufgeklärtes Avantgardepublikum wie etwa die frühen van-Gogh-Sammler Harry Graf Kessler oder Karl Ernst Osthaus in Hagen ein gesuchtes Distinktionsmerkmal war.“


Städel Museum
Schaumainkai 63,
60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10–19 Uhr, Do + Fr 10–21 Uhr

Eintritt:
Tickets online buchen unter shop.staedelmuseum.de, um Wartezeiten zu vermeiden. Sa, So + Feiertage 18 Euro, ermäßigt 16 Euro, Di – Fr 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 30 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: 14 Euro pro Person, Wochenende 16 Euro. Für alle Gruppen ist generell eine Anmeldung unter Telefon +49-(0)69-605098-200 oder [email protected] erforderlich

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