Nach Ägypten! Die Reisen von MAX SLEVOGT und PAUL KLEE

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20, Düsseldorf | bis 04.01.2015

Sudanesische Frauen (1914), Max Slevogt©Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Sudanesische Frauen (1914), Max Slevogt
©Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Über die Jahrhunderte hinweg diente Ägypten vielen Malern als Inspirationsquelle — so auch Max Slevogt (1868—1932) und Paul Klee (1879—1940). Die intensive Auseinandersetzung mit dem Land und seiner jahrtausendealten Kultur inspirierte beide Künstler zu eindrücklichen Bildern, die in der Ausstellung erstmals gegenübergestellt werden.

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1914 führte Max Slevogt eine akribisch geplante Reise von Kairo bis nach Assuan. In einem wahren Schaffensrausch verarbeitete er das Gesehene vor Ort. Mit 17 Gemälden befindet sich der Großteil seiner auf der Reise entstandenen Serie von Ölbildern — ein Höhepunkt in der Malerei des deutschen Impressionismus — heute im Eigentum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Komplettiert wird dieser reiche Fundus durch weitere Gemälde sowie zahlreiche auf der Reise geschaffene Aquarelle und Zeichnungen. Damit ist es möglich, alle erreichbaren Ölbilder der einzigartigen Ägyptenserie Slevogts und etwa 40 weitere in ihrem Umfeld entstandene Arbeiten zu zeigen.

Paul Klee besuchte das Land am Nil zur Jahreswende 1928/29. Anfangs überwältigt von der Fülle und Fremdheit des Erlebten, empfing er hier nach und nach wichtige Impulse, die sein späteres Œuvre entscheidend prägen sollten. Mit über 80 Werken aus allen Schaffensphasen des Bauhaus-Künstlers veranschaulicht die Ausstellung die zunehmende Intensität seiner Beschäftigung mit der Thematik des Orients und Ägyptens bis hin zur Adaption der altägyptischen Hieroglyphenschrift in seinem markanten Spätstil. Diese umfassende Präsentation von Werken Paul Klees wurde durch zahlreiche private Leihgeber und renommierte Museen aus dem In- und Ausland ermöglicht.

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Staatliche Kunstsammlungen Dresden | bis 10. August 2014
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20, Düsseldorf | bis 04.01.2015

Nach Ägypten!
Die Reisen von MAX SLEVOGT und PAUL KLEE

Pressetext: K20, Düsseldorf | www.kunstsammlung.de

Ägypten, das Land der Pharaonen, fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Nach dem Feldzug Napoleons an der Wende zum 19. Jahrhundert wurde das Land am Nil eines der beliebtesten Ziele für Bildungs- und Kulturreisende. Bis heute locken das Fremde und Geheimnisvolle des Orients. Auch viele Künstler begeisterten sich für das gleißende Licht und die einzigartige Landschaft. Wie andere außereuropäische und vergangene Kulturen, so galt Ägypten aber auch als Inbegriff des Ursprünglichen und begleitete die Suche nach einer Gegenwelt zur mehr und mehr industrialisierten Gesellschaft des Nordens.

Zu den Ägyptenreisenden gehörten auch Max Slevogt (1868-1932) und Paul Klee (1979-1940), einer der führenden Vertreter der Avantgarde. Etwa 130 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die im Zusammenhang ihrer Reisen entstanden sind, verdeutlichen in der Ausstellung Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee die Umbrüche am Übergang vom Impressionismus zur Klassischen Moderne. Museen aus dem In- und Ausland sowie renommierte private Sammlungen unterstützen großzügig die Ausstellung mit hochrangigen Leihgaben. Historische Fotografien und Dokumente ergänzen die Präsentation der Kunstwerke.

Slevogt schuf auf seiner Reise einen einzigartigen Zyklus aus farbgewaltigen Bildern. Die heute in Dresden aufbewahrten Werke sind von äußerster Fragilität und verlassen deswegen nur in besonderen Ausnahmefällen das dortige Museum. Den höchst individuellen Ergebnissen Slevogts antwortet die ebenso eigenwillige und poetisch anmutende Bildwelt von Paul Klee: Die in der Ausstellung gezeigte Auswahl seiner Arbeiten reicht von frühen Zeichnungen um 1900 bis zum markanten Spätwerk der 1930er Jahre.

Max Slevogt Die Reise nach Ägypten 1914KATALOG | Max Slevogt: Die Reise nach Ägypten 1914

Gebundene Ausgabe
168 Seiten
Sprache: Deutsch
24 x 2,2 x 30,7 cm

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Die Ausstellung stellt zwei Künstler einander gegenüber, die zwar derselben zeitlichen Epoche, aber ganz unterschiedlichen Bildtraditionen und Gedankenwelten angehören. Slevogt und Klee haben Ägypten nicht nur auf unterschiedliche Art erlebt, sie haben ihre Eindrücke auch ganz unterschiedlich künstlerisch verarbeitet. Slevogt reiste im Frühjahr 1914 nach Ägypten, als das Land noch unter britischer Kolonialherrschaft war. Seine Fahrt zur Zeit des deutschen Kaiserreichs stand in der Tradition der Grand Tour der Orientmaler. 15 Jahre später, zur Jahreswende 1928/29, wählte Paul Klee die gleiche Route von Alexandria über Kairo und Luxor bis nach Assuan. Seine Reise führte ihn unter veränderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in ein Land, das 1922 seine Unabhängigkeit erlangt hatte. Auch Deutschland hatte sich mit der Gründung der Weimarer Republik nach dem Ende des Ersten Weltkrieges grundlegend politische neu orientiert.

Beide Künstler kannten die Kultur des alten Ägypten durch Ausstellungen, die in Deutschland nach bedeutenden Ausgrabungen wie in Tell el-Amarna gezeigt wurden, wo 1912 die Büste der Nofretete entdeckt worden war. Slevogts Vorstellungen von Ägypten speisten sich darüber hinaus aus phantastischen Erzählungen wie Tausendundeine Nacht, die ihn bereits als Kind fasziniert und später immer wieder zu Gemälden und Illustrationen inspiriert hatten. Klee verwendete bereits seit der Zeit um 1900 in seinen Werken Formen, die an Pyramiden oder Hieroglyphen erinnern. Die Reise nach Tunesien 1914 befeuerte sein Interesse an Nordafrika und dem Orient zusätzlich.

Künstlerisch entfachten die Eindrücke Ägyptens bei Slevogt eine bis dahin nicht gekannte Virtuosität im Umgang mit Farbe und Komposition. Unterstützt von drei Begleitern und ausgestattet mit umfangreichem Malmaterial schuf er vor Ort einen Zyklus von Gemälden, die heute als ein Höhepunkt des deutschen Impressionismus gelten. Nur auf dieser Reise machte das Anekdotische und Klischeehafte seiner vorangegangen Werke einer spontanen und zugleich sachlichen Wiedergabe des Gesehenen Platz. Statt der historischen Ruinen, der Pyramiden und Tempelreste, stehen bei Slevogt die Menschen, der Alltag auf den Märkten und die unendliche Wüstenlandschaft im Mittelpunkt des Interesses.

Paul Klee Die Reise nach Ägypten 1928-29KATALOG | Paul Klee: Die Reise nach Ägypten 1928/29

Gebundene Ausgabe
184 Seiten
Sprache: Deutsch

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Im Unterschied zu Slevogt reiste Klee allein und mit wenig Gepäck nach Ägypten. Nach dem Besuch altägyptischer Monumente und Grabdenkmäler begeisterte er sich vor allem für die fruchtbare Landschaft und Agrarwirtschaft am Nil. Vor Ort entstanden fast keine Werke; Klee reflektierte und transformierte das Gesehene erst nach seiner Rückkehr ins Atelier in einer Reihe neuer Werke. Vor allem seine „Lagenbilder“ des Jahres 1929 scheinen mathematische, aus den Lehren der alten Ägypter abgeleitete Gesetzmäßigkeiten widerzuspiegeln. Auf das Erleben der altägyptischen Hieroglyphenschrift verweisen die Balken und abstrakten Zeichen, die Klees Spätwerk kennzeichnen.

Eine Ausstellung der Kunstsammlungen Dresden und der Kunstsammlung NordrheinWestfalen, Düsseldorf.

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Das Forschungsprojekt „Ägyptenrezeption in der deutschen Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“

Detailliert untersucht werden die Ägyptenreisen des Impressionisten Max Slevogt (1914) und des Bauhauskünstlers Paul Klee (1928/29). Am Beispiel ihrer Auseinandersetzung mit der Landschaft, Kunst und Kultur des Landes und der daraus erwachsenen bildnerischen Produktion werden grundsätzliche Rezeptionsweisen in ihrer Verschiedenartigkeit konfrontiert und analysiert. Erfahren Sie mehr zu den Hintergründen der Ausstellung in den Filmbeiträgen.

Via Gerda Henkel Stiftung [ inkl. Videodokumentation in 8 Episoden ]

Freiheit, Sinnlichkeit und Phantasie – das waren im 19. Jahrhundert gängige abendländische Vorstellungen vom Orient. Neben Archäologen und Historikern strahlte die Faszination des Morgenlandes und insbesondere Ägyptens vor allem auf Künstler ab. Maler wie Wilhelm Gentz sowie Max Slevogt und Paul Klee machten sich auf nach Ägypten, um dort das besondere Licht und die einzigartigen Farben des Landes in ihren Werken einzufangen. Experten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben in einem von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Projekt die Ägyptenrezeption in den Arbeiten von Max Slevogt und Paul Klee untersucht und stellen von heute an ihre Ergebnisse in einer gesonderten Ausstellung vor.

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VIDEO | Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee

Staatliche Kunstsammlungen Dresden

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Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts faszinierte der Orient das gebildete europäische Bürgertum, und es bestand ein großes Interesse an spektakulären Ereignissen, Entdeckungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Als wichtiges auslösendes Moment gilt dabei die Ägypten-Expedition Napoleons 1798, der sich sowohl von Gelehrten und Geschichtsschreibern als auch von Künstlern begleiten ließ. In der Hochphase des Kolonialismus wurden bestimmte Weltbilder vom Orient zu Gemeinplätzen: Während man im 18. Jahrhundert den arabischen Kontinent als magischen Ort voller Geheimnisse einordnete, fand im 19. Jahrhundert die Faszination für fremde Menschen und Landschaften, für die arabische Architektur und Ornamentik vor allem Niederschlag in Literatur und Malerei.

Spätestens um 1900 wurde deutlich, dass der mystisch verklärte Orient ein Produkt der Phantasie der Kolonisatoren war und dass die Bilder der Orientmaler trotz ihrer Naturtreue im Detail meist der Vorstellungskraft entsprangen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich die künstlerische Annäherung an den Orient, indem die Malerei auf das narrative Element verzichtete und stattdessen im orientalischen Süden nach Lösungen formaler und malerischer Probleme suchte. Die modernen Künstler verabschiedeten sich weitgehend vom traditionellen Orientalismus und seiner akademisch-illusionistischen Malweise und erhofften sich unbekannte Sinneseindrücke und neuartige Inspirationsquellen für das eigene Schaffen.

Im Mittelpunkt eines an der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angesiedelten Forschungsprojekts stehen die Ägyptenreisen zweier bedeutender deutscher Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts: des Impressionisten Max Slevogt (1868—1932) und des Bauhauskünstlers Paul Klee (1879—1940).

Max Slevogt hatte sich bereits 1903 als Illustrator in phantasievoll-märchenhaften Bildfolgen zu »Ali Baba und die 40 Räuber« mit dem Orient beschäftigt. Während seiner akribisch vorbereiteten Reise durch Ägypten im Frühjahr 1914, die ihn von Kairo über Luxor bis nach Assuan führte, begegnete er den Bewohnern Ägyptens und ihrer Kultur mit dem Blick des Freilichtmalers, der seine optischen Eindrücke spontan und unbefangen wiedergibt.

Slevogt konzentrierte sich vor allem auf die atmosphärischen Farbwirkungen unter dem Einfluss des hellen Sonnenlichts, und es gelang ihm, eine Serie von Reisebildern von herausragender bildnerischer Einheit, Dichte und Authentizität zu schaffen. In der engen Verknüpfung von Malerei und Zeichnung erfasste Max Slevogt schnell und mit bemerkenswerter Sicherheit atmosphärische Eindrücke und Szenen des orientalischen Alltags von hoher Eindringlichkeit. Die während dieser Zeit entstandenen Ölbilder wurden kurze Zeit später fast ausnahmslos von der Dresdner Gemäldegalerie erworben.

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VIDEO | „Nach Ägypten! Von Max Slevogt bis Paul Klee.“

Ägyptenrezeption in der deutschen Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
EPISODE 5 | Klees Bildsprache
Film: L.I.S.A Gerda Henkel Stiftung

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Auch Paul Klees Interesse an Ägypten fußte in der Orientalismus-Bewegung des 19. Jahrhunderts und war eingebettet in die Suche nach Zeugnissen eines mystischen Ursprungs des Menschen. Bereits 1914 hatte er auf einer Reise nach Tunesien den Orient für sich entdeckt und besuchte 1928 / 29 Ägypten. Von besonderem Interesse für Klee, der seit 1920 am Bauhaus lehrte, waren neben der mythologischen Ikonographie der altägyptischen Religion die Proportions- und Konstruktionsgesetze von Tempelanlagen und Grabstätten. Aber auch der Eindruck von Licht und Farbe bewegte ihn nachhaltig und führte zu einer Zäsur in seinem späten künstlerischen Schaffen. Gemäß seiner Kunsttheorie, nach der die Natureindrücke durch die Seele des Malers vermittelt werden müssten, entstanden Paul Klees ägyptische Werke bis auf einzelne Skizzen erst nach seiner Rückkehr. In seinen mathematisch konstruierten Lagenbildern setzte der Künstler die Eindrücke der ägyptischen Landschaft um, und auch später in den 1930er Jahren bezog sich Klee in seinen Balkenbildern nochmals auf die Reise.

Ausgehend von dem Ägypten-Zyklus, Max Slevogts einzigartiger »Apotheose des Lichts«, werden im Rahmen des Forschungsprojekts die etwa 70 Bilder umfassende künstlerische Produktion seiner Reise sowie Dokumente wie Tagebücher, Briefe und Photographien aufgearbeitet und erstmals in Bezug zur Bilderwelt Paul Klees gesetzt. Klees facettenreiche Transformationen der Reiseerlebnisse in über hundert Arbeiten stehen dabei im Dialog mit bzw. im Kontrast zu den unmittelbar auf Leinwand, Holz und Pappe gebrachten Wahrnehmungen des Impressionisten Slevogt. Ziel ist es, einen Beitrag sowohl zur umfassenden Dokumentation beider Künstlerreisen als auch zur Erforschung der Ägyptenrezeption in der deutschen Malerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu leisten und dabei insbesondere den Aspekt der Veränderung der künstlerischen Sehgewohnheiten zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden sowohl in eine Publikation als auch in eine gemeinsam mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vorbereitete Ausstellung eingehen, die am 30. April 2014 in Dresden eröffnet wurde und im Anschluss daran in Düsseldorf  bis 04.01.2015 zu sehen sein wird.

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K20 | Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf

Öffnungszeiten

dienstags bis freitags 10 – 18 Uhr
samstags, sonntags, feiertags 11 – 18 Uhr

Öffentliche Führungen

donnerstags, 16.30 — 17.30 Uhr
sonn- und feiertags, 15 — 16 Uhr

Zur Teilnahme an öffentlichen Führungen ist eine Anmeldung beim Besucherservice erforderlich.

Annahme von Anmeldungen während der Bürozeiten:

Mo-Do 10 — 17 Uhr sowie Fr. 10 — 13 Uhr | Die Reservierung ist bis 30 Minuten vor Beginn gültig.

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