Nathalie Djurberg

Die Sammlung Goetz, München zeigt bis zum 11. Oktober 2008 im BASE 103 zehn kurze, von schwarzem Humor geprägte, Animationsfilme und eine dazugehörige Skulpturengruppe von der 1978 im schwedischen Lysekil geborenen Künstlerin Nathalie Djurberg.

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Die Künstlerin beweist in ihren Arbeiten vielseitiges Talent. Sie führt selber Regie und Kamera und ist auch für die technische Umsetzung, die Kostüme, die Plastilinfiguren und die Anfertigung der Schauplätze aus Pappmaschee und Knetmasse verantwortlich. Jedes Bild wird aufwendig in Stop-Motion-Technik mit einer Mini-DV-Videokamera einzeln aufgenommen. Dabei bleiben häufig die Spuren der Herstellung, wie beispielsweise die Fäden der Puppen, oder auch ihre eigenen Hände sichtbar, was eine naive Machart der Filme vorgibt. Ihr Lebensgefährte Hans Berg komponiert den elektronischen, häufig verstörenden Soundtrack, der die Stimmung der Filme teils untermalt, oft aber die Grausamkeit der abgründig-grotesken Szenen hemmt.

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Pressetext Sammlung Goetz

Inhaltlich wird der Zuschauer in Djurbergs Arbeiten mit komplementären Themenpaaren wie Macht — Ohnmacht, Fürsorge — Missbrauch, Gewalt — Liebe, Masochismus — Sadismus, Monstrosität — Verletzlichkeit konfrontiert. In Hungry Hungry Hippoes (2007) beispielsweise befinden sich drei halb nackte, durch Reizwäsche stark sexualisierte Frauenfiguren aus Trikotstoff, die in ihrer gewaltigen Leibesfülle an Nilpferde erinnern, mit einem zarten, nackten, schwarzafrikanischem Knaben in einer Umkleide und treiben ein schauerliches Spiel, das im Assoziationsfeld zwischen Zuwendung und Missbrauch changiert. Djurberg manipuliert in ihren Arbeiten bewusst die Sehweise des Zuschauers und macht ihn somit zum Voyeur, der mit Faszination und Abgestoßenheit reagiert.

Nathalie Djurberg erwarb 2002 ihren Abschluss an der Kunstakademie in Malmö (Schweden) und hatte bereits im gleichen Jahr ihre erste Einzelausstellung in Schweden. Seit 2004 stellt sie an renommierten Institutionen weltweit aus. Sie gilt international als eine der aufstrebendsten jungen Künstlerinnen Schwedens und lebt in Berlin.

Nathalie Djurberg
| Sammlung Goetz, München
| bis 11. Oktober 2008

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KATALOG 

zur Ausstellung Kunsthalle Wien 31.01. – 13.03.07

Nathalie Djurberg.
Denn es ist schön zu leben
Hrg.: Gerald Matt, Angela Stief für die Kunsthalle Wien

| Taschenbuch
| 100 Seiten
| 62 farbige Abb.
| deutsch / english
| 16 x 12 x 0,8 cm

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Nathalie Djurberg erzählt in ihren Animationen Geschichten, die die Schönheit des Lebens vor allem in dunklen Fantasien, unzüchtigen Darstellungen und im Bruch von gesellschaftlichen Tabus suchen und finden. Im project space wird ein umfangreicher Einblick in das Trickfilm-Oeuvre der jungen schwedischen Künstlerin gewährt.

Nathalie Djurberg geboren 1978, stellte u.a. in der Foundation Beyeler, Basel, der Tate Modern, London und dem P.S.1 Contemporary Art Center/MoMA New York aus und nahm an der Berlin Biennale (2006) teil.

Von der Regie über die technische Realisierung bis zu den Plastilinfiguren, macht Nathalie Djurberg alles selbst. Es entstehen Geschichten, die nicht halten, was sie auf den ersten Blick versprechen, die Kindlichkeit der Gestaltungsmittel, wird den Inhalten diametral entgegen gesetzt: Djurberg führt Machtspiele auf, sie inszeniert mit viel Blut und Tränen Sadismen wie Masochismen. Sie bewirkt durch die Kontrastierung von hartem Content mit kindlich anmutender Formensprache ein Erschrecken wie Entzücken, das seinesgleichen sucht.

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