Robert DELAUNAY und Paris

Kunsthaus Zürich | bis 18. November 2018

Robert Delaunay - Air, fer, eau. Étude pour un mural, 1936–1937
Gouache auf Papier und Holz, 47 x 74,5 cm
Albertina, Wien. Sammlung Batliner
[Public domain], via Wikimedia Commons

Die bislang umfangreichste Ausstellung zu Robert Delaunay (1885–1941) in der Schweiz ist eine Hommage an seine Geburtsstadt Paris. Sie zeigt, wie der leidenschaftliche Verfechter und Vertreter der abstrakten Kunst zu einer zentralen Figur der Pariser Avantgarde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde. 


Anhand von rund 80 Gemälden, Arbeiten auf Papier, Filmen und Fotografien, die seine Lieblingsthemen – Luftfahrt, Sport und den Einsatz von Farbe in der Kunst – beleuchten, führt die Schau Sie in Delaunays Kunst und sein künstlerisches Milieu ein.

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Delaunays Arbeiten waren von zukunftsweisender Natur. Er untersuchte den Einsatz von Farbe in der Darstellung von Bewegung, Technik und Sport und die Frage, wie er sich selbst als zentrale Figur innerhalb der Entwicklung einer dynamischen, neuen und modernen Welt positionierte.

Das Kunsthaus zeigt die ganze Bandbreite: von seinen frühen «divisionistischen» und vom Stil der Fauves geprägten Porträts der Jahre 1906/07 bis hin zu den Entwürfen für das Palais des Chemins de Fer und das Palais de l’Air bei der Weltausstellung 1937, und seine letzte grosse Gemäldeserie «Rythmes sans fin», die in seinen finalen Lebensjahren entstand.

Die Schau ist durch fotografische Aufnahmen und Filme bedeutender Fotografen und Filmemacher der Epoche ergänzt, die sich ebenfalls von der Stadt Paris inspirieren liessen (Germaine Krull, Man Ray, André Kertész, Ilse Bing, René Le Somptier).

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Kunsthaus Zürich | 31.8 – 18. November 2018

Robert Delaunay und Paris

Pressetext: Kunsthaus Zürich kunsthaus.ch

KATALOG

Festeinband
176 Seiten
ca. 140 Farb- und S/W-Abb.
Sprache: Deutsch
ca. 22 x 27 cm

Ein wissenschaftlicher, reich illustrierter Katalog begleitet die Schau. Er enthält erstmals publizierte Essays von Célina Chicha-Castex, Nancy Ireson, Anne de Mondenard und Simonetta Fraquelli (Kuratorin der Ausstellung), die einen Beitrag zur kritischen Neubewertung dieses bemerkenswerten Künstlers leisten.

Robert Delaunay und Paris ist eine Würdigung der intensiven Auseinandersetzung des Malers mit Farbe als Ausdruckmittel für Form, Tiefe, Licht und Bewegung. Gleichzeitig veranschaulicht die Publikation, wie stark Delaunay bei seiner Motivwahl und Bildsprache von der französischen Metropole inspiriert wurde. Neben Werken aus seinen berühmtesten Gemäldeserien werden Porträts präsentiert, die Delaunay in den 1920er-Jahren von seinen Künstlerfreunden malte, darunter Philippe Soupault und Tristan Tzara sowie weitere prominente Zeitgenossen in eleganter Kleidung, entworfen von der Malerin und Designerin Sonia Terk-Delaunay.

DER EIFFELTURM ALS SYMBOL TECHNISCHER ERRUNGENSCHAFT

Eine auf Farbkontrasten basierende Bildsprache und der Einsatz von Kreisen als formale Elemente und kosmische Symbole wurden zu Markenzeichen von Delaunays Kunst. Die Ausstellung zeigt Beispiele seiner berühmten Serien, wie die geschwungenen Gewölbe und die Buntglasfenster der gotischen Kirche Saint Séverin im Quartier Latin in Paris und seine Darstellungen des Eiffelturms, Pariser Wahrzeichen und Symbol der Moderne par excellence.

Robert Delaunay - Triomphe de Paris, 1929
Gouache auf Karton, 73,2 x 95,4 cm
Privatsammlung Schweiz

Pariser Dachlandschaften, ein gigantisches Riesenrad, Flugzeuge sowie die Sonne beherrschen die Bildfläche. Mit der Serie «Les Fenêtres» schuf Delaunay eine neue Art der Malerei. Als Gegenstück zum Zusammenspiel von Licht, Raum und Bewegung, basierte sie völlig auf Farbkontrasten. In diesen Arbeiten scheint sich das Gefüge der Stadt in einer Fläche aus gebrochenen Farbtönen aufzulösen.

Guillaume Apollinaire, Kritiker und Unterstützer von Delaunays Kunst, ordnete diese optischen Effekte, die auf den in sich geschlossenen Beziehungen, Spannungen und Harmonien reiner Farbe beruhten, seinem eigenen Konzept des «Orphismus» zu, in dem er Vorstellungen zu Farbe, Licht, Musik und Poesie miteinander verband. Delaunay bezeichnete seine Gemälde lieber als «reine Malerei», ein Konzept, das seine höchste Vollendung in seinem gefeierten «Disque (Le premier disque)» (1913) fand, in dem er alle erkennbaren Bezüge auf eine sichtbare Welt eliminierte und stattdessen eine konkrete Darstellung prismatischer Lichteffekte bot.

Robert Delaunay - Soleil Lune Simultané 1, 1912/13, 
im Ausstellungskatalog des Ersten Deutschen Herbstsalons, 
[Public domain], via Wikimedia Commons

DYNAMIK AUF DER ERDE, ZU WASSER UND IN DER LUFT

Die Kreisform taucht in Delaunays Gemälden ab 1906 immer wieder auf und gegen 1912/13 war sie zum Motiv etlicher Bilder mit dem Titel «Soleil et lune» geworden, wie das spektakuläre Gemälde in der Sammlung des Kunsthauses. Eine Serie von Arbeiten aus dem Jahr 1914, die dem Luftfahrtpionier Louis Blériot gewidmet ist, macht von der kreisrunden Form ebenfalls ausgiebig Gebrauch. In seinem Bestreben, die Dynamik abzubilden, fertigte der Künstler eine Reihe eher gegenständlicher Arbeiten des modernen Lebens, darunter die berühmten Gemälde «Les coureurs» (1924/25). Delaunay hatte bereits in seinen Bildern der «Équipe de Cardiff» mit Sportmotiven experimentiert und Henri Rousseaus berühmtes Gemälde der Fussballspieler von 1908 war ihm selbstverständlich bekannt. Vermutlich wurde sein Interesse an Bewegung und Wettrennen jedoch durch das Spektakel der Olympischen Spiele entfacht, die 1924 in Paris stattfanden.

PORTRÄTS DER GESELLSCHAFT

Im Laufe der 1920er-Jahre schuf er zudem zahlreiche Porträts seines Pariser Umfeldes, darunter der Dichter Philippe Soupault und Tristan Tzara, zusammen mit etlichen eleganten Persönlichkeiten der Gesellschaft, die er in Stoffen nach Entwürfen von Sonia Delaunay wiedergab.

Robert Delaunay - Le Poète Philippe Soupault, 1922, Oil on canvas
[Public domain or CC BY-SA 3.0 ], from Wikimedia Commons

In seiner Serie «Rythmes sans fin» näherte er sich der Welt geometrischer Abstraktion an, die zu Beginn der 1930er-Jahre in Paris an Dynamik gewonnen hatte. Seine Arbeiten sollten später der Op Art als Vorbild dienen und wurden richtungsweisend für Künstler, die sich eines konkreten, konstruktivistischen Stils bedienten.

LEIHGABEN AUS ALLER WELT

Zahlreiche bedeutende Museen und Privatsammlungen in Europa und Amerika unterstützten die Gastkuratorin Simonetta Fraquelli – eine unabhängige Expertin für die Pariser Kunst des frühen 20. Jahrhunderts – indem sie Meisterwerke zur Verfügung stellten, die wegen konservatorischer Auflagen nur noch selten reisen dürfen, darunter das Centre Pompidou in Paris, das van Abbemuseum, Eindhoven, das Solomon R. Guggenheim Museum und das Museum of Modern Art in New York, das Museum of Fine Arts, Houston, das Art Institute of Chicago sowie das Moderna Museet, Stockholm.


PRESSESCHAU

Rasende und splitternde Moderne

Christian Gampert für Deutschlandfunk | Beitrag lesen

AUDIO | Beitrag anhören

„Der 1885 geborene französische Künstler Robert Delaunay war zunächst noch von den Impressionisten beeinflusst, wurde dann aber zum Vorreiter einer immer abstrakter werdenden Kunst. Die Moderne ist hier Bedrohung und Verführung. Das Kunsthaus Zürich widmet ihm die Schau „Robert Delaunay und Paris“.

Die schöne Züricher Ausstellung garniert das alles mit historischen Fotos (u.a. von Germaine Krull!) und auch mit Paris-Filmen aus Cabaret und Showgeschäft, die einen Eindruck der Zwanziger, Dreißiger Jahre vermitteln. Thematisches Zentrum der Schau aber ist immer wieder der Eiffelturm, das Technik-Symbol, der große Phallus: von oben, von unten, von der Seite. Er wird von Robert Delaunay ganz klassisch auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt – de-konstruiert.“


Robert Delaunays Malerei ist eine Liebeserklärung an Paris

Philipp Meier für die NZZ | Artikel lesen

„Da explodiert der Eiffelturm zwischen den Hausfassaden wie ein speiender Vulkan oder schillert wie ein grüner Libellenkörper in der Ferne. Den Turm hatte Delaunay in «La Tour Eiffel et jardin du Champ-de-Mars» von 1922 sogar aus der Vogelperspektive fast senkrecht von oben gemalt: wie eine Nadelspitze neben dem Kreisen des Marsfelds, als hätte sich der Künstler hoch in den Himmel aufgeschwungen. Da war die Abstraktion nicht mehr weit. Schliesslich tanzen nur noch bunte Lichtkreise auf Delaunays Leinwänden. Der Eiffelturm aber, er ist immer da!“


Kunsthaus Zürich www.kunsthaus.ch
Heimplatz 1, CH–8001 Zürich,

ÖFFNUNGSZEITEN
Di / Fr–So 10 –18 Uhr
Mi / Do 10 – 20 Uhr
Montag geschlossen

EINTRITT
CHF 23.–

Eine Website lockt mit Geschichten, die Delaunay inspirierten – der Mord an einem Verleger, der erste Flug über den Kanal u.v.a.m.
kunsthaus.ch/delaunay/de

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