ALBERT SERRA – THE THREE LITTLE PIGS |  Kunstverein in Hamburg

Filmstill Three Little Pigs Andergraun Films ALBERT SERRA THE THREE LITTLE PIGS Kunstverein in Hamburg
Filmstill Three Little Pigs © Andergraun Films

Der Kunstverein in Hamburg zeigt den für die documenta (13) entwickelten Film The Three Little Pigs (2012) des Filmemachers Albert Serra als monumentale Installation.


Wir zeigen ein Portrait über Deutschland und eine ins Bild gesetzte Reflexion darüber, wie Geschichte und die Vorstellungen, die wir uns von ihr machen, entstehen. Dafür folgt Serra Erzählungen von drei zentralen Figuren der deutschen Kulturgeschichte: Goethe, Hitler und Fassbinder.

Die Arbeit hat heute in einer politischen Landschaft, die sich gegenüber jener zu ihrer Entstehungszeit vor wenigen Jahren dramatisch gewandelt hat – dazwischen liegen u.a. die Gründung der AfD, die sogenannte „Flüchtlingskrise“, der Brexit, der Einzug der AfD in den Bundestag – an Aktualität gewonnen. The Three Little Pigs ist so komplex und herausforderungsreich wie die Frage, was Geschichtsverständnis heute – und im Besonderen in Deutschland – ausmacht. Form und Inhalt gehen eine Verbindung ein, die deutlich macht, dass die Arbeit an einem aufgeklärten Geschichtsbild und der Versuch, die schwierige Verortung einer sogenannten „Kulturnation“ in der Gegenwart vorzunehmen, vor allem eines bedeutet: Eine beständige Aufgabe, ein unermüdliches Sich-Auseinandersetzen mit der Vergangenheit in der Gegenwart.

Das spielt sich bei Serra auf verschiedenen Ebenen ab: zunächst auf der künstlerischen Ebene seines Filmexperiments. Zweitens auf der inhaltlichen Ebene der (Selbst-)Erzählungen der drei Protagonisten, und ihrer Rezeption als symbolische Kernfiguren der zentralen Phasen im modernen Selbstbild der Deutschen: Der Weimarer Klassik und Aufklärung mit Goethe; der Allmachts-Fantasien und Menschheitsverbrechen im Zweiten Weltkrieg; sowie der nicht ohne Widersprüche verlaufenden kritischen Aufarbeitung in der Bundesrepublik Deutschland.

Der Katalane Albert Serra (*1975) ist Filmemacher. Seit seinem Debüt HONOR DE CAVALLERIA (2006) fanden all seine Filme große Beachtung bei Festivals, zuletzt wurde HISTÒRIA DE LA MEVA MORT (2013) mit dem Hauptpreis in Locarno ausgezeichnet. Das Kino von Albert Serra ist der Reduktion verpflichtet. Er arbeitet mit einem kleinen, bewährten Team, geringem Budget und immer mit Laiendarsteller*innen, die fast alle aus dem Ort kommen, in dem er aufgewachsen ist. Serra, der Literatur und Kunstgeschichte studiert hat, beschäftigt sich in seinen Filmen mit bekannten literarischen bzw. historischen Figuren – Don Quijote, die Heiligen Drei Könige, Casanova und Dracula –, ohne dass es sich dabei um klassische Adaptionen handeln würde. Er entschlackt die Stoffe vom mythischen Ballast, um ihre Bedeutung im Hier und Jetzt auszuloten.


Wir freuen uns Ihnen gleich zwei Gesprächsformate mit dem Künstler und Filmemacher Albert Serra zu präsentieren.

Am Samstag, 19.6.2021, 14 Uhr sprechen Albert Serra, Bettina Steinbrügge und Benjamin Fellmann über die Ausstellung The Three Little Pigs und führen gleichzeitig durch die Ausstellung. Das Gespräch und die Führung finden live vor Ort im Kunstverein in Hamburg statt.

Am Donnerstag, den 24.6.2021 um 19:30 Uhr laden wir ein zum Gespräch mit der Kuratorin und Kunsthistorikerin Chus Martínez und Albert Serra. Das Gespräch ist Teil unserer Serie #DIALOGUES.
The Three Little Pigs gab Martínez als Teil der documenta (13) 2012 in Auftrag. 2015 arbeitete sie wiederholt mit Serra, woraus dessen Projekt Singularity für den katalanischen Pavillon auf der 56. Biennale di Venezia resultierte.

Das Gespräch findet in englischer Sprache live über Zoom statt.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Hierfür bitten wir um Anmeldung unter [email protected]

Quelle: Kunstverein in Hamburg

Ausstellung: 19.6. –15.8.2021


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