BEYOND STATES | ÜBER DIE GRENZEN VON STAATLICHKEIT

22. Januar – 06. Juni 2021
James Bridle Citizen Ex BEYOND STATES BER DIE GRENZEN VON STAATLICHKEIT
James Bridle Citizen Ex, 2015 © James Bridle

Haben Sie schon einmal mit einem Spion telefoniert? Aus welchen Nationalitäten setzt sich Ihr digitaler Fingerprint zusammen? Wussten Sie, dass es auch in Deutschland unklare Grenzen gibt? Kennen Sie die ersten Grenzverletzungen der Luftfahrt und wissen Sie ab welcher Höhe sich Grenzen auflösen? In der Ausstellung „BEYOND STATES. ÜBER GRENZEN DER STAATLICHKEIT“ werden diese und weitere Fragen beantwortet, diskutiert und durch künstlerische Positionen reflektiert.


Die partizipative Arbeit Call-A-Spy des Peng! Kollektivs fordert die Besucherinnen auf, Geheimdienste anrufen und Einzelgespräche mit Agentinnen zu führen. Die Arbeit Citizen Ex von James Bridle berechnet durch unser Userverhalten auf eindrückliche Weise unsere individuelle algorithmische Staatsbürgerschaft, die nicht an ein bestimmtes Staatsterritorium gebunden ist.

Die Arbeit Citizen Ex von James Bridle berechnet durch unser Userverhalten auf eindrückliche Weise unsere individuelle algorithmische Staatsbürgerschaft, die nicht an ein bestimmtes Staatsterritorium gebunden ist. Der digitale Fingerprint zeigt auf, welche digitale Staatsbürgerschaft eine Person durch das Verhalten im Netz besitzen müsste.

Das Seasteading Institute hat sich seit 2008 zum Ziel gesetzt, autonome Gemeinschaften auf schwimmenden Plattformen in internationalen Gewässern zu errichten. Jacob Hurwitz-Goodman und Daniel Keller reflektieren kritisch in ihrer Videoarbeit Seasteaders, wie diese Mikrostaaten als Unternehmen auf einem freien Markt agieren sollen und potenziellen „Kund*innen“ die bestmögliche Gesellschaft zur Auswahl stellen.

VIDEO | The Seasteaders by Jacob Hurwitz Goodman and Daniel Keller [TRAILER]

Eine fließende Welt, in der Regierungen auf einem offenen Markt ausgewählt werden und der Klimawandel „gehackt“ werden kann. Jacob Hurwitz-Goodmans und Daniel Kellers Film The Seasteaders dokumentiert die erste Konferenz des Seasteading Institute in Tahiti und spricht mit Seavangelisten wie dem umstrittenen Autor Joe Quirk und dem Geschäftsführer des Seasteading Institute, Randolph Hencken, um die Überzeugungen und Visionen der Seasteader für eine aquatische Zukunft aus erster Hand zu erfahren.

Wie stark das Fliegen unser Verständnis von Grenzen geprägt hat, wird parallel zu den zeitgenössischen Positionen in der Ausstellung thematisiert. Der Luftraum kann öffentliche Sphäre grenzüberschreitender Mobilität, nationalstaatlich und supranational regulierte Sphäre oder Kriegsschauplatz sein.

Zeppeline galten als Symbole technischer und militärischer Überlegenheit des deutschen Kaiserreichs. Mit Bombenangriffen auf Antwerpen, Paris, London und andere Städte im ersten Weltkrieg begann der entgrenzte Luftkrieg, der die Souveränität gegnerischer Länder bedrohte und Grenzen verwischen ließ.
Unklarheiten über den Umgang mit Grenzziehungen im Luftraum führten immer wieder zu schwierigen politischen Situationen. Der sogenannte Lunéville-Zwischenfall 1913, als sich das deutsche Heeresluftschiff Z.IV nach Frankreich verirrte, spiegelt das angespannte Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich wider. Französische Infanterie untersuchten das Luftschiff, da es sich auf französischen Boden befand. Die deutsche Besatzung beschwerte sich und berief sich auf internationales Seefahrtrecht, dass das Luftschiff deutsches Territorium sei. Ein Präzedenzfall, der zu massiven Spannungen führte, bis hin zu Spionagevorwürfen.

Gezeigt wird die interdisziplinäre Ausstellung im Zeppelin Museum am Bodensee. Auch hier verschwimmen die Grenzen der Staaten. So ist der Bodensee internationales Grenzgewässer, das Deutschland, Österreich und die Schweiz verbindet. Der genaue Grenzverlauf ist jedoch bis heute ungeklärt.


Zeppelin Museum | Seestr. 22 | 88045 Friedrichshafen

www.zeppelin-museum.de

Teilnehmende Künstler*innen: Nevin Alada?, James Bridle, Simon Denny, Vera Drebusch & Florian Egermann, Forensic Oceanography/Forensic Architecture, Jacob Hurwitz-Goodman & Daniel Keller, Peng! Kollektiv, Christopher Kulendran Thomas, Henrike Naumann und Jonas Staal

Das am debatorial® zur Ausstellung lädt Expertinnen, Bürgerinnen und Museumsgäste dazu den digitalen Prolog der Ausstellung zu erleben, mitzudiskutieren und ihre Lebenserfahrungen in der CoronaPandemie einzubringen.

www.debatorial.de


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