CHRISTIAN MARCLAY – Action, Shake, Rattle and Roll

Aargauer Kunsthaus, Aarau, Schweiz | bis 15. November 2015 / Kunstmuseum Stuttgart | bis 17. Januar 2016

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Christian Marclay - Actions: 
Froosh Sploosh Wooosh Sskuusshh Splat Blortch (No. 2),2014
Silkscreen ink on acrylic paint on canvas / 222.2 x 302.5 cm
Photo: © White Cube (George Darrell)

Der in Genf aufgewachsene und in New York und London lebende Christian Marclay (*1955) befragt in seinem facettenreichen Werk die Beziehung von Kunst, Musik und Populärkultur. Das Aargauer Kunsthaus stellt mit der Ausstellung Action nun erstmals seine langjährige, künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der Onomatopoesie, der Lautmalerei, ins Zentrum. 

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In Stuttgart sind vom 16.10.2015 – 20.03.2016 / Staatsgalerie seine Videoinstallation Shake Rattle and Roll (Fluxmix) von 2004 und im Kunstmuseum Stuttgart das Video Quartet (2002), das zu seinen komplexesten Videoinstallationen zählt, zu sehen.

In der Einzelausstellung ACTION sind die immersive, raumaktivierende Videoanimation Surround Sounds (2014 – 15), frühe und weniger bekannte Werke sowie eine Grosszahl neuer Gemälde und Papierarbeiten zu sehen. Christian Marclays jüngste Werke loten das lautmalerische Potenzial geschriebener Wörter aus und schaffen mittels eines komplexen Verfahrens bunte Wort-Collagen, die auf einer Überlagerung von Drucktechnik und Malerei beruhen.

Für die Hanging Scrolls (2011), die erstmals in Europa zu sehen sind, haben Hächler Fuhrimann Architekten in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine zeitgenössische Interpretation eines japanischen Teehauses geschaffen. Innerhalb der Ausstellung dient dieses pavillonartige Gebilde gleichzeitig als Plattform und Bühne für Performances, Teezeremonien und eine Vortrags- beziehungsweise Gesprächsreihe.

Marclays künstlerische Tätigkeit ist vom Prinzip des «Samplings» geprägt, im Zuge dessen er Readymade-Materialien verwandelt – während der 1980er-Jahre etwa mit Schallplatten und in jüngerer Zeit mit vorgefundenem Filmmaterial. Im Gegensatz zu diesen Werken sind die in Action gezeigten Arbeiten völlig still, wobei sie aber darauf abzielen, Klänge im Betrachter heraufzubeschwören und uns bewusst zu machen, wie intensiv wir mit den Augen «hören».

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Aargauer Kunsthaus, Aarau, Schweiz | bis 15. November 2015

Christian Marclay – Action

Pressetext: Aargauer Kunsthaus
Kuratorin: Madeleine Schuppli, Direktorin Aargauer Kunsthaus

Das Aargauer Kunsthaus stellt mit der Ausstellung Action nun erstmals seine langjährige, künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der Onomatopoesie, der Lautmalerei, ins Zentrum.

Während Musik heute ein geläufiges Medium innerhalb des zeitgenössischen Kunstschaffens darstellt, so entdeckte sie Marclay bereits in den 1970er-Jahren als bildkünstlerisches Material. Als Pionier des Turntablism, Performer und Künstler ist er seither international bekannt für seine sound-basierten Collagen, Videos, Skulpturen, Malereien und Fotografien.

Die Einzelausstellung Action spannt mit rund 120 Arbeiten einen Bogen über Christian Marclays künstlerische Tätigkeit seit den späten 1980er-Jahren und stellt seine Auseinandersetzung mit der Onomatopoesie ins Zentrum. Neben der immersiven, raumaktivierenden Videoanimation Surround Sounds (2015) sind auch frühe und weniger bekannte Werke sowie eine Grosszahl neuer Gemälde und Papierarbeiten zu sehen, die in den letzten drei Jahren entstanden sind.

Comics bilden einen Angelpunkt in Marclays Interesse an der Visualisierung von Sound. Er setzt an der Ebene der lautmalerischen Ausdrücke an, die in den Comics die akustische Ebene der Erzählung wiedergeben und dabei nicht nur Töne, sondern auch Energie, Bewegung oder Dramatik – kurz gesagt „Action“ – repräsentieren. Diese Auseinandersetzung findet eine Weiterführung in Christian Marclays neusten Arbeiten, in denen er das lautmalerische Potenzial geschriebener Worte auslotet und in einem komplexen Arbeitsverfahren bunte Wort-Choreografien schafft, die auf einer Überlagerung von Drucktechnik und Malerei basieren.

Dabei sollen Comics entlehnte Wörter mit entsprechenden malerischen Gesten gepaart werden. So ist bei einem Gemälde ein zentral ins Bild gesetztes «SPLAT» auf rote Farbspritzer aufgedruckt, sodass beide eine stimmige Einheit bilden. Die auf die Leinwand oder das Papier gedruckten Onomatopöien bildeten im Wesentlichen die Partitur für seine malerischen Aktionen. Sie beschwören auf humorvolle Weise die Geräusche, die sich beim Spritzen, Leeren oder Verwischen von Farbe ergeben. Marclays den Zufall, die Schwerkraft und die Materialität sowie die eigene Physis einbeziehende Arbeitsweise erinnert an das Action Painting, eine Kunstrichtung, die ab den 1950er-Jahren in den USA vor allem durch Jacksons Pollock, Willem de Kooning und Franz Klein geprägt wurde.

Christian Marclay - Action - KatalogKATALOG | Christian Marclay – Action

Mit Beiträgen von Prof. Allen S. Weiss, Kurator und Professor, Universität New York, Dr. Gilda Williams, Kunstkritikerin und Dozentin, Goldsmith College, London, und einer Einführung von Madeleine Schuppli sowie einem Gespräch (1991) von Christian Marclay mit Olivier Mosset und Steven Parrino.

Deutsch, Englisch, Französisch
2015. ca. 180 Seiten, ca. 100 Abb.
21 x 28 cm, gebunden

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Comics und Mangas sind das Ausgangsmaterial in Marclays neusten Arbeiten, deren Klangerlebnis noch einmal neue Dimensionen eröffnen. Die umfassende Monografie wird diesem ebenso multimedialen wie synästhetischen Werk nicht nur in seiner ganzen Bandbreite gerecht, darüber hinaus führt sie auch bisher kaum bekannte Arbeiten vor Augen und Ohren.

Eine weitere wichtige Inspirationsquelle für Christian Marclay stellt die japanische Kultur und insbesondere die japanische Bildrolle dar. Er verbindet dieses traditionelle, östliche Medium mit Elementen westlicher Comics zusammen.

Für die nun erste Präsentation dieser Hanging Scrolls (2011) in Europa wurde mit dem Künstler eine zeitgenössische Interpretation eines japanischen Teehauses geschaffen. Diese pavillonartige Architektur dient in der Ausstellung gleichzeitig als Plattform und Bühne für traditionelle Teezeremonien, Musikaufführungen und eine Reihe von Gesprächen und Vorträgen, in denen verschiedene Themen aus Marclays Schaffen erörtert werden. SängerInnen werden Manga Scroll (2010) und Zoom Zoom (2007-2015) – bildliche Partituren, in denen sich sein Interesse an bildender und darstellender Kunst widerspiegelt – interpretieren.

Marclays künstlerische Tätigkeit ist vom Prinzip des „Samplings“ geprägt, im Zuge dessen er Readymade-Materialien verwandelt – während der 1980er Jahre etwa mit Schallplatten und in jüngerer Zeit mit vorgefundenem Filmmaterial. Im Gegensatz zu diesen Werken sind die in der Ausstellung Action gezeigten Arbeiten völlig still, wobei sie aber darauf abzielen, Klänge im Betrachter heraufzubeschwören und uns bewusst zu machen, wie intensiv wir mit den Augen „hören“.

An der spannungsreichen Schnittstelle zwischen Bewegung und Statik, Klang und Stille, Wort und Bild angesiedelt, verweisen die in Aarau gezeigten Werke auf einen bedeutenden Aspekt in Marclays künstlerischer Recherche, der hier erstmals beleuchtet wird.

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VIDEO | art-tv.ch

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Christian Marclay (*1955)

wächst in Genf auf, wo er von 1975 bis 1977 an der École Supérieure d’Art Visuel studiert und danach am Massachusetts College of Art in Boston und an der Cooper Union in New York die Ausbildung fortsetzt (1977 – 1980). Seit Ende der 1970er-Jahre ist er als Musiker und Komponist tätig. Er lebt in London und New York. 1995 vertritt er die Schweiz an der Biennale von Venedig.

Als 2011 sein 24-stündiger Film The Clock auf der 54. Biennale von Venedig mit dem »Goldenen Löwen« ausgezeichnet wurde, schlug seine Stunde. Doch für sein komplexes Œuvre als Künstler, Performer und Pionier des Turntablism ist der Amerika-Schweizer Christian Marclay (*1955) bereits seit über 30 Jahren berühmt. Seither übersetzt er Sounds und Musik in seinen Performances, Installationen, Collagen, Skulpturen und Fotografien in sichtbare Formen.

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*Aargauer Kunsthaus, Aargauerplatz, CH-5001 Aarau

Öffnungszeiten
Di – So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr

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