DANI KARAVAN | Retrospektive

Erstmals ist in Deutschland dem israelischen Künstler Dani Karavan eine große Retrospektive gewidmet. Die Ausstellung wird bis zum 01. Juni 2008 im Martin-Gropius-Bau gezeigt und entstand in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie — Staatliche Museen zu Berlin. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 60. Geburtstag Israels.

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Das Besondere der künstlerischen Arbeit von Dani Karavans ist es, Stadt- und Landschaftsräume auf neue und bemerkenswerte Weise erfahrbar und erlebbar zu machen. Er geht bei dieser gestalterischen Verwandlung immer von der Geschichtlichkeit des Ortes aus und entwickelt mit seinen komplexen Zeichensetzungen vielfältige gesellschaftliche, historische und politische Bezüge, die dem Betrachter durch eine ungewohnte und ästhetisch höchst verdichtete Gestaltgebung bewusst werden.

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Pressetext: Martin-Gropius-Bau, Berlin

Aus den Potentialen der Erinnerung transformiert er neue sinnliche und kommunikative Erfahrungsräume.In diesem Prozess spielt der intensive Dialog zwischen Mensch, Natur und Kunst eine entscheidende Rolle, denn Karavan geht von der elementaren Auffassung aus:

„Alles, was die Menschen wissen, geht auf die Natur zurück. Alle Formen, ob verborgen oder offen, finden sich in der Natur. Realität wird zum Ort der Meditation.“

Die Ausstellung im 1. Obergeschoss des Martin-Gropius-Bau wird in 20 Räumen einen umfassenden Überblick über Dani Karavans Schaffen geben. Beginnend mit einem Einblick in die künstlerischen Anfänge werden alle wichtigen Werkphasen und ihre Hauptwerke vorgestellt. Die großen Environments im öffentlichen Raum werden durch Modelle, Fotografien und beeindruckende Filme dokumentiert.

In spannendem Kontrast dazu entwickelt Dani Karavan für die Ausstellung neue Installationen, die seine Arbeitsweise, den Umgang mit bestimmten Materialien und Metaphern veranschaulichen. Ausgehend von seiner Arbeitsweise, die Erinnerungspotentiale eines Ortes künstlerisch zu erschließen, reagiert der Künstler in Berlin auf die Spuren der faschistischen Vergangenheit, der Teilung der Stadt und ihrer Überwindung. So soll am Eingangsportal des Martin-Gropius-Bau, in unmittelbarer Nähe der einstigen Mauer, eine Arbeit zu dieser Thematik installiert werden.

Katalog Dani Karavan Retrospektive

KATALOG | Dani Karavan. Retrospektive
zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin, 2008
und im Tel Aviv Museum of Art

Gebundene Ausgabe, Hardcover
408 Seiten
mit 386 meist farbige Abbildungen
deutsch mit englischen Summaries
Format 26 x 29,5 cm

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Ausstellung und Katalog bieten einen umfassenden Überblick über Karavans Schaffen; beginnend mit einem Einblick in die künstlerischen Anfänge werden alle wichtigen Werkphasen und ihre bedeutenden Arbeiten vorgestellt, wobei seinen Hauptwerken, Karavans großen ortsspezifischen Environments im öffentlichen Raum, das besondere Augenmerk gilt.

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Dani Karavan 

www.danikaravan.com

Lebt heute in Paris und Tel Aviv. Er hat seine Arbeiten in vielen Ländern realisiert, so in Israel, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, den USA, Korea, Japan und besonders in Deutschland. Seit seiner Teilnahme an der documenta 6 in Kassel 1977 ist Deutschland für Dani Karavan zu einem der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Arbeit geworden, denn hier entstanden eine ganze Reihe bedeutender Werke für den öffentlichen Raum.

Dazu gehören „Ma alot“ in Köln (1979 1986), die „Straße der Menschenrechte“ (Way of Human Rights) in Nürnberg (1989 1993), „Mimaamakim“ in Gelsenkirchen (1997) und „Grundgesetz 49“ in Berlin (2002). Die hohe internationale Wertschätzung von Dani Karavans Schaffens zeigt sich nicht zuletzt in der Verleihung des „Kaiserrings der Stadt Goslar“ 1996, der Mitgliedschaft des Ordens Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaften 1997, der Verleihung des „Praemium Imperiale“ in Japan 1998 und der Verleihung des Piepenbrock Preises für Skulptur 2004.

Das 1968 vollendete Negev Monument in Be’er Sheva in Erinnerung an den Unabhängigkeitskrieg Israels 1947/48 trug ihm erste internationale Anerkennung ein: ein machtvolles, tektonisches Skulpturengefüge, das in seiner archaischen Klarheit der streng geometrischen Formen zu einem beeindruckenden Signal der Behauptung in der kargen Wüstenlandschaft wurde.

Ein weiteres herausragendes Beispiel dieser künstlerischen Arbeit ist die Walter Benjamin gewidmete Arbeit „Passages“ (1990—1994) in Portbou an der spanisch-französischen Grenze, dem Ort, an dem sich Benjamin auf der Flucht vor den Nazis 1940 das Leben nahm. Der Besucher schreitet eine schmale Treppe herab, die in das felsige Hochufer eingelassen ist und scheinbar im Nichts endet. Der Blick — durch eine eingelassene Glasscheibe mit einem Ausspruch von Benjamin leicht verfremdet — ist auf das sich verändernde Meer gerichtet, das unmittelbar bewegtes Leben und endlose, ewige Weite gleichermaßen verkörpert. Die Realität wird zum Ort der Meditation.

„Die Kunst, die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks so zu nutzen, um Orte kulturell zu vergeistigen, die sonst einer puren Bauordnung und Planung unterliegen, ist in unserem Jahrhundert meines Erachtens nur Dani Karavan gelungen. Er hat diese Ziele vielfältig erreicht, weil er keine Angst davor entwickelte, seine Produkte jenseits der genannten Schnittstelle den Benutzern zu überlassen. Er war sich immer sicher, dass seine Kunst sinnvoll ist, dass eine neue Nützlichkeit der Kunst wieder gefragt ist. Damit verschreibt sich aber Karavan auch der Utopie, der Hoffnung, dem Träumen wie der Trauerarbeit.“

Zit. nach: Dieter Ronte (Hrsg.), Dani Karavan. Träger des Goslaer Kaiserrings 1996. Ausst.-Kat. Mönchehaus — Museum für moderne Kunst Goslar, Goslar 1996, S. 18, S. 22.

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Ich bin wie ein Schneider

Sebastian Preuss Artikel lesen

Karavan hat Passagen, Türme und Treppen, Kegel und Bänder in dem Stadtbild oder der Natur eingepasst. Trotz ihrer Fremdartigkeit sind sie nie Störfaktoren, sondern fügen sich harmonisch ein und graben sich zugleich tief ins Gedächtnis. Denn sie erinnern an die Geschichte ihrer Orte, stellen Besonderheiten heraus, ohne didaktisch zu bevormunden, sind keine triumphalen Kunstgesten, sondern subtile ästhetische Eingriffe.

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Gedenken als Form für das Denken

Elke Buhr

Wo Staaten und Institutionen Versöhnung anstreben oder sich zumindest aufgefordert sehen, diesen Willen öffentlich zu demonstrieren, sind Profis gefragt, die Gefühlen eine angemessene und würdige Form verleihen können. Den israelischen Künstler Dani Karavan könnte man – ohne dies despektierlich zu meinen – als einen dieser Gedenk-Profis bezeichnen. Sein erstes Hauptwerk war ein Monument am Rande der Wüste Negev, das an die Kämpfe im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 erinnert: ein imposantes Ensemble, das sich in seinen abstrakten Formen in die Hügel der Wüste einpasst, den Wind aufnimmt und ihn in Klang verwandelt.

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Landschaft als Erlebensraum

Carsten Probst für DEUTSCHLANDRADIO Kultur | Beitrag lesen

Karavan selbst nennt diese von ihm gestalteten Stätten denn auch lieber „Hommagen“ und hatte in seiner Heimat Israel gerade deswegen zunächst einen schweren Stand.

Nein, er sei kein Gedenkstättenkünstler, wird Dani Karavan nicht müde zu bekräftigen. Der 78-Jährige weiß um die Gefahr, in die Gutmenschen-Kategorie abgeschoben zu werden. Künstler, die von der friedensstiftenden Wirkung der Kunst reden und von der spirituellen des Lichts und die sich nicht scheuen, von „erhabenen Formen“ auszugehen, sind Kunstkritikern normalerweise schon aus der Ferne suspekt. Dass sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr Gedenkorte in seinem Oeuvre finden, ist gewiss kein Zufall, aber ganz sicher nicht das Ergebnis politischer oder sonstiger Anbiederungen.

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