DREHMOMENTE | Filme von Dieter Roth

Das Sprengel Museum Hannover erinnert bis zum 05.10.08 an den Künstler Dieter Roth aka Diter Rot (1930-1998).  Die Ausstellung findet anlässlich des 10-jährigen Todestages des Künstlers statt. Im Zentrum der Schau stehen experimentelle Filme, die der in Hannover geborene Schweizer während der 1950er und 1960er Jahre in Reykjavík und Kopenhagen schuf: Pop 1, Dock 1 + 2, Letter und Dot.

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Ihre ungewöhnliche Ästhetik entfaltet sich im Zusammenspiel von Bewegung und Licht, in Wortspielen und durch die konkrete Bearbeitung des Filmmaterials. Für Dot beispielsweise stanzte Roth mithilfe einer einfachen Lederzange Löcher direkt in den Filmstreifen. Mit schnellen Bildwechseln oder Doppelbelichtungen provoziert Roth das Auge des Betrachters.

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Pressetext Sprengel Museum Hannover

Den Filmen werden Arbeiten des Künstlers aus den 1950er bis 1970er Jahren gegenübergestellt, u. a. kinetische Objekte und Materialbilder, die ebenfalls optische Irritationseffekte hervorrufen. Auf diese Weise zeigen sich konzeptuelle, ästhetische und formale Beziehungen zwischen Film und bildnerischem Werk wie auch die konsequente Weiterführung der Idee, virtuelle Bewegung im Bild darzustellen.

DREHMOMENTE. Filme von Dieter Roth
| Sprengel Museum Hannover
| bis 05. Oktober 2008

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Dieter Roth

galt als Multitalent, arbeitete als Maler, Zeichner, Plastiker und Designer, schrieb Gedichte, komponierte Musik und machte Filme, verlegte Bücher, überraschte als Installationskünstler, Lehrer und Kurator eigener Ausstellungen.

Dieter Roth | Infos auf wikipedia

Dieter Roth Foundation  / Museum

Dieter Roth Special ( Flash )
anlässlich der Ausstellung „Roth Time“
im MoMA New York 2004 | Autor: MoMA

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AUDIO | Das Berliner Konzert 1974

| mehr Audiomaterial auf ubu-web

2006 erschien, in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, eine Compilation, auf der Interpreten wie Mouse On Mars, Andreas Dorau oder Stereo Total Texte von Roth vertonen („Das Dieter Roth Orchester spielt kleine Wolken, typische Scheiße und nie gehörte Musik“, Intermedium Records 2006).

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Das Dieter Roth Orchester spielt kleine Wolken, typische Scheisse und nie gehörte Musik.

Andreas Dorau, Dieter Roth, Mutter, Ghostigital, Max Müller, Mouse on Mars, Stereo Total u.a.

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Die Abstrusitäten, Absurditäten und Surrealismen von Roths Texten erfahren hier in den sinnentleerten Mustern der Popmusik eine schrille und schräge Interpretation, klanglich zwischen New-Wave und DJ-Kultur angesiedelt.

Herausgegeben 2006 von Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris) und Barbara Schäfer.

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roth-zeit-basel-koeln-new-york-2004-publikation | kaufen bei amazonPUBLIKATION

Roth Zeit —
Eine Dieter Roth Retrospektive

| 21 x 28 cm
| 304 Seiten
| 406 Abbildungen
| deutsch
| Hardcover

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„Roth Zeit“ ist die Publikation zur ersten grossen Überblicksausstellung seit dem Tod des Künstlers 1998. Fünf Jahrzehnte umfassendes Schaffen von Zeichnungen, Grafik, Büchern, Gemälden, Objekten, Instalationen, Filmen und Videoarbeiten werden gezeigt. Die Publikation macht Dieter Roths Werk als das innovative und geniale, chaotische und luzide Ganze erlebbar, das es darstellt und welches zugleich ein Spiegel seiner selbst und seiner Epoche ist.

Die Publikation begleitete retrospektiv angelegte Ausstellungen im Schaulager Basel, dem Museum Ludwig in Köln und dem Museum of Modern Art in New York von 2003 – 2004.

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dieter-roth-dokumentarfilm.jpgDokumentarfilm
Regie: Edith Jud
Produktionsjahr: 2003
Spieldauer: 118 Minuten

DVD-Ausstattung:
DVD NTSC PAL-tauglich
Bild: 16:9 / Ton: Stereo
Sprachen: Deutsche Originalfassung / English Version
Untertitel: Französisch, Spanisch,
Kapiteleinteilung, Bildergalerie, Biografie,
Bonus-Film zur Gartenskulptur (28 Min.), Teaser,
DVD5, codefree, Farbe, 118 Min. + 28 Min. Extras.
Mit dt./engl. Booklet.

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Die Werke im Film: Malerei, Grafiken, Objekte und Bücher aus verschiedenen Perioden; Videos mit Arnulf Rainer 1975-76; Kollaborationen mit Arnulf Rainer und Richard Hamilton; Roths 16mm Filme; Reykjavik Slides 1973-75 + 1990-93; Ausschnitte aus einer Sammlung von 30000 Dias; Scheisßgedichtlesung 1975, Ausschnitt aus Video; Soloszenen 1997-98, Ausschnitte aus 151 Videos; Gartenskulptur 1968-96

In Edith Juds vielschichtigem Porträt ist Dieter Roth ein Mann, der dem Leben nicht aus dem Weg ging, sondern es bis zu Neige auskostete, im Positiven wie im Negativen.

„Magie liegt in der Luft — der Film verlebendigt die Genialität, den Witz und die Melancholie dieses Jahrhundertkünstlers auf berührende Weise.“ ( Tages-Anzeiger )

Manche vergleichen diese Ausnahmefigur mit Andy Warhol und Joseph Beuys. Jedenfalls gehört der 1998 verstorbene Dieter Roth zu den starken Künstlern, die eine Epoche prägten. Der Film folgt seinen Spuren als Performer oder Selbstdarsteller in eigenen Videos, durch Gespräche mit Freunden und künstlerischen Wegbegleitern, Menschen die ihn liebten wie seine Lebensgefährtinnen und seine zwei Söhne, von denen einer die letzten 20 Jahre mit ihm zusammenarbeitete.

Die Stationen eines Künstlerlebens werden nicht abgehakt, sondern im Mittelpunkt steht die Dialektik von Zerstörung und Kreativität, die sein Werk, aber auch seine private Existenz bestimmten. Der Mann, der 1957 nach Island kam, einem Land, von dem er nur wusste, das dort eine Menge Schafe lebten, nutzte diesen Ort als Refugium vor der harten europäischen Kunstwelt, zu der er Distanz brauchte, obgleich er sich auch als deren Teil betrachtete.

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Mikrokosmos eines wuchernden Werks

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Volkhard App Beitrag lesen

Diese Expedition des Sprengel Museums führt zurück in die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre: Roth hatte sich stilistisch von der Konkreten Kunst, den starren geometrischen Formen à la Max Bill, gelöst und war darauf aus, seine Bilder in Bewegung zu setzen. So versuchte er es unerschrocken mit dem Medium Film – schon um 1956 während seiner Zeit in Kopenhagen, und dann auf Island, in seiner neuen Heimat.

„Seine Position ist im Umkreis von Fluxus längst akzeptiert. Er hat aber das Publikum mit seiner Rigidität und seinem Material – von Schokolade bis Scheiße – außerordentlich düpiert und distanziert, hat auch seine eigene Wirkung zerstört. Ein Koloß mit grauenhaften Umgangsformen, wegen seiner emotionalen Ausbrüche gefürchtet von allen Museumsleuten, die mit ihm Ausstellungen machten – und zugleich von allen geliebt, gerade wegen der Sensibilität, die die Ursache dieser Ausbrüche war. Ein Künstler voller Widersprüche, der heute immer noch neu zu entdecken ist – gerade von jungen Leuten, die gar nicht ahnen, dass es solche Figuren im 20. Jahrhundert gegeben hat, die mit einer solchen Rigidität darauf verzichtet haben, Karriere in der Kunst zu machen.“

Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums zehn Jahre nach dem Tod des Künstlers über dessen Ouevre und Reputation.

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