FELIX VALLOTTON – Idylle am Abgrund

Bis zum 18. Mai 2008 zeigt die Hamburger Kunsthalle den kühlen Beobachter bürgerlicher Doppelmoral, dessen Werke bereits Elemente aus dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit und der Metaphysischen Malerei vorwegnehmen.

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Die Ausstellung Félix Vallotton. Idylle am Abgrund entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Der Züricher Ausstellung der Malerei wurde in Hamburg eine Graphikauswahl hinzugefügt. Die Schau versammelt damit mehr als 70 Gemälde, über 50 Holzschnitte sowie Plakate, Bücher, Illustrationen und Vignetten dieses faszinierenden und in Deutschland zu unrecht wenig bekannten Künstlers.

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Pressetext Kunsthalle Hamburg

Bizarre Posen, verschämte Umarmungen, schweigende Interieurs, beredte Schatten – Félix Vallottons Kunst ist von beißendem Sarkasmus und schwarzem Humor durchdrungen und machte ihn zu einem international beachteten Avantgardisten der Moderne. Vallottons Bilder verstören, entblößen, fesseln den Blick — heute wie schon 1909, als zu seiner ersten Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich Jugendlichen der Zutritt verwehrt wurde, weil man die Akte als anstößig empfand.

Vallottons Akte und Interieurmotive handeln von Entblößungen und Ehebruch, hinter schweren Gardinen verborgen, umgeben von Nippes und Tand: Vallottons Figuren sind in ein engmaschiges Netz aus Betrug und Bedrängnis eingesponnen. Stilistisch irritieren Vallottons Arbeiten dabei durch ihre Künstlichkeit: Stillleben aus intensiven Farbfeldern, leere Landschaften mit markigen Hell-Dunkel-Kontrasten oder Portraits von eigenwilliger Härte.

Seine Aktdarstellungen sind in ihrer unterkühlten Erotik und sachlich-realistischen Malweise von überraschender Modernität. Der offenkundige Zwiespalt zwischen Trieb und Moral, das komplexe Stimmungsgeflecht aus Distanz und Nähe sprengte für Vallottons Zeitgenossen oftmals die Grenze des Erträglichen. Geradezu psychoanalytisch untersucht er seine Aktmodelle, ungeschönt, mit schielendem Blick, unterschiedlich geformten Brüsten und tiefem Haaransatz.

In Lausanne 1865 geboren, studierte Vallotton (1865-1925) in Paris im Kreis der Künstlergruppe Nabis, zu der auch Edouard Vuillard und Pierre Bonnard gehörten. Er arbeitete als Illustrator und Journalist, schrieb Theaterstücke, die — genau wie seine Bilder — provozierten und bürgerliche Konventionen hinterfragen. Der offenkundige Zwiespalt zwischen Trieb und Moral, das komplexe Stimmungsgeflecht aus Distanz und Nähe sprengte für Vallottons Zeitgenossen oftmals die Grenze des Erträglichen.

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KATALOG

Félix Vallotton. Idylle am Abgrund

| Leinenband
| mit Schutzumschlag
| 192 Seiten,
| 91 farbige und
| 10 sw Abbildungen
| 22 cm x 27 cm

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Der Künstler Félix Vallotton (1865—1925) war ein intelligenter Beobachter seiner Zeit. In Lausanne geboren, studierte er ab 1882 in Paris im Kreis der Künstlergruppe «Nabis», schrieb Theaterstücke und arbeitete als Illustrator für avantgardistische Zeitschriften. Schamvoll und schamlos waren seine Entblössungen, die Maskerade der porträtierten Modelle nicht selten befremdlich.

Durch ironische und gesellschaftskritische Themen setzte sich Vallotton von seinen Zeitgenossen ab: Weder scheute er karikierende Anspielungen, noch wahrte er den Schein der bürgerlichen Idylle. Seine Kunst war indiskret und bisweilen von schwarzem Humor und beißendem Sarkasmus durchzogen. Die merkwürdigen Pointierungen machten Vallotton zu einem international beachteten Avantgardisten am Beginn der Moderne.

Der reich bebilderte Katalog fokussiert auf Vallottons malerisches Werk aus allen Schaffensphasen und Gattungen. Die Autoren spüren in Essays und detaillierten Bildbeschreibungen den eigenwilligen Bildfindungen des Künstlers nach und gehen der irritierenden Künstlichkeit auf den Grund, die seine Gemälde prägen.

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ROMAN | Das mörderische Leben
Von Félix Vallotton
Aus dem Französischen neu übersetzt und mit einem Nachwort versehen
von Werner Weber

| 260 Seiten
| 7 sw Abbildungen
| 12.5 x 20.5 cm
| Leinen mit Schutzumschlag

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«Das Modell stand auf einem ziemlich hohen Tisch. Um von da herunterzukommen, war eine Hilfe nötig. Ich bemerkte, dass sich das Mädchen danach umsah. Ich war in der Nähe. Einer doch wohl verständlichen Regung folgend, streckte ich ihr die Hand hin. Ihre schönen, sanften Augen dankten mir mit einem bezaubernden Zwinkern, aber aus Unachtsamkeit verfehlte sie die Hand. Ich versuchte, ihr beizuspringen, und verfehlte sie nun meinerseits — kurz, sie stürzte so scheußlich, daß ihr armer nackter Körper voll auf den rotglühenden Ofen aufschlug. Sie stieß einen fürchterlichen Schrei aus…»

Unter den Dichtungen, die der große Graphiker und Maler Félix Vallotton hinterlassen hat, ragt der Roman «Das mörderische Leben» — «La Vie meurtrière» — als ein tiefgründiges Lebensbild hervor; Schuld, Leiden und Liebe eines jungen Mannes zwischen zwei Frauen kommen darin unter schicksalsvollen Fügungen ans Licht. Glück heißt das Ziel, das alle suchen, und auf dieser Suche werden sie das Unglück nicht los – mörderisches Leben.

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