FRANZ ACKERMANN – Hügel und Zweifel

Berlinische Galerie | bis 31. März 2014

Die Berlinische Galerie zeigt bis 31.03.2014 im Rahmen des Kooperationsprojektes Painting Forever! die erste institutionelle Einzelausstellung von Franz Ackermann in seiner Wahlheimat Berlin.

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Der Maler, Zeichner und Installationskünstler Ackermann (*1963 in Neumarkt St. Veit, Bayern) gehört seit mehr als 15 Jahren zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern. Seine Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, und er konnte bereits mehrfach unter Beweis stellen, dass er mit den Herausforderungen großer Räume produktiv umgehen kann.

Ackermann, der von 1984 bis 1991 in München und Hamburg Kunst studiert hat, erhielt 1991 ein DAAD-Stipendium für Hongkong. Dort begann er mit seinen sehr persönlichen Kartografie-zeichnungen, den Mental Maps. Diese kleinformatigen Arbeiten skizzieren Ackermanns subjektive, phantasie- und wunschgeprägte Interpretation von Räumen und Orten. Reisen, Tourismus als vermeintlich sanfte Kolonisierung, mediale Konsumption beziehungsweise virtuelle Vorbesichtigung der Reiseinhalte via Internet und daraus erwachsende politisch-soziale Verantwortlichkeiten schaffen für den Betrachter ein referentielles Netzwerk.

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Berlinische Galerie | bis 31.03.2014

FRANZ ACKERMANN – Hügel und Zweifel

Pressetext | Berlinische Galerie

Für die erste große Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie hat Franz Ackermann ein spezielles Raumkonzept entwickelt, das Wandmalerei, Tafelbilder und Fotografie miteinander in Beziehung setzt. Blickachsen spielen in seiner Konzeption ebenso eine Rolle wie Verkehrswege, die Raumdimensionen und die technischen Einrichtungen, die sich auf Böden, Wänden und Decken in Ausstellungsräumen finden. Die Stirnseite der Halle ist die erste dominierende Fläche, die der Besucher beim Betreten wahrnimmt.

Die Kombination unterschiedlicher Medien in der Berlinischen Galerie wird nur an diesem Ort so zu sehen sein: Die Tafelbilder werden als Einzelwerke zu ihren Besitzern zurückgehen, die Wandgemälde übermalt. „Die ganze Installation ist gleichzeitig von monumentalem und ephemerem Charakter“, sagt Dr. Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie und Kurator der Ausstellung. „Kaleidoskopartig scheinen die Bilder auseinanderzufallen, um sich sogleich in 2 neuer Konstellation wieder zusammen zu setzen, wenn man als Betrachter den Standpunkt wechselt. Die Ausmaße der Installation sprengen den herkömmlichen institutionellen Rahmen von Malereipräsentationen. So, wie Ackermann das Medium auffasst, ist es eine Reflexion malerischer Ausdrucksformen, aber auch eine Auseinandersetzung mit Kommunikation, institutionellen Grenzen und Wahrnehmungsmodellen“.

Von 1984 bis 1988 studierte Franz Ackermann an der Akademie der Bildenden Künste in München, anschließend von 1989 bis 1991 an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg bei Bernhard Blume. 1991 erhielt er ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für Hongkong. Seit 2001 ist er Professor für Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe. 2004 wurde Ackermann für den Hugo Boss Prize nominiert. 2005 erhielt er den „mfi Preis Kunst am Bau 2005“ für seine Wandgestaltung mit dem Titel „Die große Reise im Münchner U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring“.

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VIDEO | Berlinische Galerie: Franz Ackermann. Hügel und Zweifel

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ÜBER DAS „ARBEITEN AUS DEM NICHTS HERAUS“.

Franz Ackermann über seine Ausstellung in der Berlinischen Galerie

Frage an Franz Ackermann: Wie ist der Ausstellungstitel „Hügel und Zweifel“ entstanden? Und wie werden Sie die erste große Ausstellungshalle in der Berlinischen Galerie gestalten? Worin besteht die Herausforderung?

Der Titel bezieht sich in assoziativer Weise auf zwei Aspekte meiner Arbeit für die Berlinische Galerie: Zum einen will ich ein Wandbild realisieren, welches sich panoramaartig auf das klassische Landschaftsbild bezieht, zum anderen wird diese Malerei durch Hinzufügen weiterer Arbeiten bereichert, aber auch ganz bewusst „gestört“. Dieses Stören in dieser Dimension hegt ganz bewusst „Zweifel“. Die große Ausstellungshalle in der Berlinischen Galerie sehe ich eher als großen transitorischen Raum, eine Passage. Der Betrachter wird ab- und durchschreitend und nicht „statisch“ meine Arbeit rezipieren. Darin und in der schieren Größe sehe ich die Herausforderung.

Sie spielen gerne mit Formaten, mit Dimensionen und Medien — welche Rolle spielen historische Bezüge für Sie?

Formate richten sich grundsätzlich nach der Bildidee sowie dem realen Raum. Mal deutlicher, mal weniger: Der historische Bezug ist essenziell grundsätzlich gegeben.

Wie positionieren Sie sich im Zusammenhang des heutigen Malereidiskurses „Was Malerei heute sein kann und will“?

Malerei ist ein Teil (!) meiner künstlerischen Handlung. Sie setzt dort ein, wo sie nötig ist. Der „Diskurs“ übersieht und unterschätzt zu leichtfertig elementarste Begriffe wie Form, Licht, Farbe. Dieser Versprachlichung des Sehens stehe ich mit allergrößter Skepsis gegenüber. Das Arbeiten „quasi“ aus dem Nichts heraus halte ich in diesem Zeitalter für aktueller denn je.

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VIDEO | Vernissage TV

Interview with Dr. Thomas Köhler (Director of the Berlinische Galerie), September 17, 2013. Video by Frantisek Zachoval.

The solo exhibition Hügel und Zweifel (Hills and Doubts) by Franz Ackermann at Berlinische Galerie in Berlin (Germany) combines specially developed wall paintings with panel art, photography and painting. Franz Ackermann is today among the most important as well as the most influential painters of the present day. His works can be found in numerous public collection. In 1991 Ackermann received a DAAD stipend and there he began with drawings, which he called Mental Maps. To him, specific methods of creating connecting lines between nodes refer to problematic moments in the so called third world. These issues, in the beginning small-scale sketches, are thematized and in the Berlinische Galerie transmitted to large walls. In the interview Dr. Thomas Köhler talks about the background of the project Panting Forever!, the installations on display, and Franz Ackermann’s work in general. The show runs until March 31, 2014.

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Hügel und Zweifel

Carsten Probst für Deutschlandfunk | Beitrag lesen

Ackermanns Malerei wirkt aktuell, ohne zeitgeistig zu sein. Sie reflektiert kritisch den Bedeutungsverlust von Malerei in einer Kultur der elektronischen Medien, ohne andererseits sich krampfhaft einer virtuellen Ästhetik andienen zu müssen.

Auch seine Berliner Arbeit ist im Grund ein Großpanorama, das zugleich als eine Art Museum im Museum fungiert. Denn die abstrakt anmutende Grundstruktur der Raumausmalung umgibt zahlreiche Einzelwerke, Tafelbilder, die Ackermann auf die Komposition aufgesetzt hat, als wären sie gleichsam Kristallisationspunkte der Landschaft. Das monumentale Ganze wird dadurch zugleich gebrochen und in die Flüchtigkeit einer Galeriesituation überführt. Strukturen werden lesbar, Linien wie Nervenbahnen, architektonische Anmutungen, innere Landkarten.

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Painting Forever

KATALOG  Painting Forever

KATALOG | Painting Forever!
Mit Beiträgen von Rainer Metzger, Eva Scharrer, Anna-Catharina Gebbers, Raimar Stange, Jörg Heiser u.a.

Publikation besteht aus 4 Heften plus Einleitung, mit Buchschrauben zusammengehalten
384 Seiten
zahlreiche Abb.
Verlag: Druckverlag Kettler (28. Februar 2014)
Sprache: Englisch, Deutsch
31,4 x 23,2 x 3,4 cm

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Der aus vier Bänden bestehende Katalog erscheint begleitend zur gleichnamigen Berliner Ausstellungskooperation der Berlinischen Galerie, der Deutschen Bank KunstHalle, der KW Institute for Contemporary Art sowie der Neuen Nationalgalerie — Staatliche Museen zu Berlin.

Thematisch richtet sich der Fokus dieser vom Berliner Senat initiierten Zusammenarbeit, die den Auftakt einer langfristig angelegten Projektreihe markiert, auf die Malerei in Berlin. Präsentiert werden sowohl etablierte als auch junge künstlerische Positionen, die jeweils unterschiedliche Ansätze und Arbeitsweisen in der Auseinandersetzung mit diesem Medium verfolgen.

Je ein Band der Gesamtausgabe widmet sich einer der insgesamt vier Einzel- oder Gruppenausstellungen. Mit Künstlern wie Franz Ackermann, Martin Eder, Jeanne Mammen, Frank Nitsche, Katrin Plavcak oder Thomas Scheibitz eröffnet der Katalog ein besonders breites Spektrum an Positionen und künstlerischen Verfahren. Tradierte Konzepte treffen auf stark ortsspezifisch und installativ angelegte Arbeiten und ermöglichen einen umfassenden, multiperspektivischen Blick auf die Praxis innerhalb dieses Mediums.

Alle vier Ausstellungen und Katalogbände einen zentrale, hier aufgeworfene und verhandelte Fragen: Welche Möglichkeiten und Impulse gehen heute von der Malerei in Berlin aus? Welche Rolle obliegt diesem sich stetig neu formulierenden Medium insbesondere im zeitgenössischen Kunstdiskurs?

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BERLINISCHE GALERIE, Alte Jakobstraße 124—128, 10969 Berlin

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