JONAS BURGERT – Schutt und Futter

Mit den neusten Arbeiten des Berliner Malers Jonas Burgert (*1969 in Berlin-West, lebt in Berlin) präsentiert die kestnergesellschaft Hannover bis zum 20. Mai 2013 einen wichtigen Vertreter aktueller Figuration. In seinen Bildern entwirft er fantastische Welten und inszeniert verstörende Szenarien in atmosphärischen Bildräumen. 

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Er greift dabei auf ein weites Spektrum von traditionell der Malerei zur Verfügung stehenden Mitteln zurück: Figuration, Konstruktion eines Bildraumes, Farbe, Komposition, oder auch Anleihen klassischer Ikonografie und Symbolik.

In großformatigen Ölgemälden inszeniert Burgert bühnenhafte, von archetypischen Gestalten und sinnbildlichen Requisiten bevölkerte Illusionsräume. Ikonografische Versatzstücke und Pathosformeln kombiniert er in opulenten Figurentableaus und verschränkt klassische Maltechniken mit Bildmitteln der Popkultur. Die oft düsteren mit grellen Farben angereicherten Sujets der Bilder Burgerts zeugen von dem sinnstiftenden Potential der Malerei — ihrem Vermögen Räume zu schaffen, Atmosphäre zu erzeugen und unsere Existenz zu spiegeln.

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kestnergesellschaft, Hannover| bis 20.05.2013

JONAS BURGERT – Schutt und Futter

Pressetext: kestnergesellschaft | www.kestnergesellschaft.de

Im Zentrum von Burgerts Schaffen steht das Interesse am Menschen und dessen Bedürfnis nach existenzieller Selbstreflexion. In seinen Bildern handeln überindividuelle Typen, archaische Wesen und groteske Gestalten in gemeinschaftlichen, zuweilen ritenhaften Zusammenhängen oder sind in Momenten isolierter Erstarrung dargestellt. Grelle Pfützen, Farbkanister, bemalte oder von Ornamenten bedeckte Körper reflektieren die symbolische Funktion von Farbe und Malerei als Mittel menschlicher Selbstbestimmung.

Die Vielfalt malerischer Effekte — Farben, Formen, verschiedene Texturen —, der überbordende Detailreichtum verdichtet sich in dem Gemälde »Schutt und Futter« (2012) zu einem Prinzip von Masse, Irritation und Chaos. Es sind die Reste einer Gesellschaft, die Müllhalden der Zivilisation, die hier sinnbildlich vor Augen geführt werden. Der Titel verweist auf das Grundmotiv der Ausstellung, das sich in diesem Bild manifestiert: Unser Verlangen, aus Schutt, aus wertloser Materie, aus bloßen Pigmenten Illusionen zu schaffen, um damit unsere Gier nach Bildern und geistiger Überhöhung zu stillen.

Trotz der großen Fülle suggestiver Figurenkonstellationen und symbolhafter Gegenstände lassen sich auch die einzelnen Bildsequenzen innerhalb eines Gemäldes von Burgert nicht in einen eindeutigen, übergeordneten Sinnzusammenhang stellen. Statt sich zu einem konkreten Inhalt zu verbinden, rufen die narrativen Elemente eher den Eindruck des Bedeutungsvollen hervor. Seine Bilder zielen darauf ab, etwas herzustellen, was Burgert als »Klima« bezeichnet: eine intersubjektiv greifbare Atmosphäre, die in dem Bild angelegt ist und sich über die Sprache der Malerei dem Betrachter mitteilt. Entscheidend ist für Burgert dafür vor allem der Subtext eines Gemäldes, das heißt weniger das Dargestellte und rational Fassbare, sondern vielmehr das auf der Ebene malerischer Mittel wie Farbe, Form oder Komposition emotional Wirksame.

In seinen Ölgemälden aktivert Jonas Burgert eine Vielzahl von traditionell der Malerei zur Verfügung stehenden Mitteln, um in fantastischen Szenarien grundlegende Ausdrucksformen der menschlichen Figur zu inszenieren. Dabei schöpft er aus einem reichen kulturhistorischen und ethnologischen Fundus: Seine Bildräume sind bevölkert von archaischen Gestalten, grotesken Charakteren und surrealen Wesen. Im Zentrum steht dabei nicht die Abbildung bennenbarer Individuen oder Geschichten, vielmehr geht es Burgert darum allgemeine Sinnbilder existenzieller Selbstvergewisserung zu schaffen. Mit Opulenz und großem Detailreichtum führen seine Bilder das sinnstiftende Potential der Malerei vor Augen ihr Vermögen Räume zu schaffen, Atmosphäre zu erzeugen und unser Dasein zu spiegeln.

KATALOG  Jonas Burgert. Schutt und Futter  Rubble and Fodder

KATALOG | Jonas Burgert. Schutt und Futter / Rubble and Fodder

hrsg. von Heinrich Dietz & Veit Görner. Hannover 2013. Vorw. von Veit Görner. Interview Heinrich Dietz.

Gebundene Ausgabe
142 Seiten
mit 58 farb. ganzseit. Abb.
Verlag der Buchhandlung König (31. Juli 2013)
Sprachen: Deutsch/English
34,4 x 27,6 x 2,2 cm

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Der vorliegende Katalog ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Farbige Abbildungen dokumentieren Jonas Burgerts neuste Arbeiten und sein Schaffen der letzten Jahre. Ein Essay von Dorothée Brill und ein Künstlergespräch bieten Möglichkeiten zur vertieften Auseinandersetzung.

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VIDEO | Der Berliner Künstler Jonas Burgert – Shooting Star mit Tiefgang

Ein Film von Sandra Hübner

Prägnante Farbkontraste, klassische Raumkompositionen — Jonas Burgert bedient sich der klassischen Malereitechniken. Gekonnt greift Jonas Burgert auf das handwerkliche Wissen und Können der alten Meister zurück und verwebt dieses mit der Gegenwart. Gebrochene Farben setzt der Künstler in Kontrast zu leuchtenden Farbtönen, die dadurch geradezu giftig wirken.

Die existentielle Frage nach dem Sinn des Lebens — der Maler sucht mit seinen Bildern nach Antworten. In seinen Werken spiegeln sich Realitäten unterschiedlicher Kulturen in einer neuen, vom Künstler geschaffenen Wirklichkeit. Albtraumhaft erscheinen die Figuren – die Harlekine, Schamanen und Fabelwesen und erinnern an Hieronymus Bosch oder El Greco.
Jonas Burgert spielt mit Perspektiven und Größenverhältnissen, Proportionssprüngen und Phantasiearchitekturen. Seine Werke haben etwas Verstörendes, Verunsicherndes und nehmen dadurch Bezug zur heutigen Seelenlage.

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