MARK ROTHKO – Retrospektive

Der amerikanische Maler Mark Rothko ist einer der bedeutendsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus. Die Hypo-Kulturstiftung in München und die Hamburger Kunsthalle zeigen zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder eine Retrospektive dieses Künstlers in Deutschland. Die Ausstellung umfasst mehr als 70 Gemälde und etwa 40 Arbeiten auf Papier mit wichtigen Werken aus allen Phasen seines Schaffens.

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Rothko hat sich jedoch zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden. 1903 als Marcus Rothkowitz in Russland geboren, kommt er als Zehnjähriger mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Nach Studien in Yale und an der New York School of Design beginnt er ab 1930 als Künstler zu arbeiten. Ganz allmählich tastet er sich von figurativen Anfängen über den Surrealismus zu reinen Farbkonstellationen heran.

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Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München | bis 27. April 2008
Hamburger Kunsthalle | 16. Mai - 24. August 2008 | verlängert bis 14. September

Mark Rothko – Retrospektive

Pressetext Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung / Hamburger Kunsthalle

Man erkennt in seinen frühen städtischen Szenen bereits Experimente mit formalen Reduktionen und es wird deutlich, wie sich seine surreal-biomorphen Formen zu immer kompakteren Farbwolken, so genannten »Multiforms«, bündeln. Diese markieren Ende der 1940er Jahre den Übergang zu seinem genuinen Bildschema, den sich überlagernden Farbschleiern, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht werden.

Wenn auch von allem Abbildlichen befreit, verbindet der Künstler seine Bilder weiter mit inhaltlichen Vorstellungen. Auch vollkommen ungegenständliche Gemälde will er daher stets als etwas Konkretes verstanden wissen. Seine aus dem Rechteck entwickelten Formgefüge sorgen durch ihre Proportionen zueinander und die Zusammenstellungen ihrer Farben für einen von jedem Betrachter individuell erfahrenen Bildausdruck, den der Künstler als Bedeutungsgehalt versteht. Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles von Mark Rothko sind gleichzeitig Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte.

Das Schwarz in seiner Farbskala steht für die Leere und das Nichts. Die in seinem letzten Lebensjahrzehnt entstehenden »Blackform«- und »Black on Gray«-paintings setzen eine radikale Zäsur. Eine zu offensichtliche Schönheit wird zugunsten ikonischer Strenge zurückgenommen. Schwärze bedeutet hier deshalb weniger Depression und Krankheit, als die maximale Leistung des Betrachters, der mit der elementaren Tragik dieser späten Werke konfrontiert wird. Es ist deshalb wohl nicht falsch, diese in ihrer unausweichlichen Konsequenz als letzte geschlossene Bildserie zu verstehen und sie als eine Art Vermächtnis vor dem Freitod von 1970 zu lesen.

Die Rekonstruktion des Rothko-Raums auf der Biennale in Venedig 1958 war Ausgangspunkt für eine Ausstellung im Palazzo delle Esposizioni, die im Winter 2007/2008 in Rom zu sehen war. Oliver Wick, der unter anderem schon die bedeutende Rothko-Ausstellung in der Fondation Beyeler 2001 realisierte, hat als wissenschaftlicher Kurator auch die italienische Präsentation erarbeitet. Aufgrund seines Engagements konnte die römische Ausstellung modifiziert werden und wandert in veränderter Form nun nach München und Hamburg.

Kuratoren der Ausstellung sind Prof. Dr. Hubertus Gaßner und Oliver Wick, der schon für die wegweisende Rothko-Retrospektive 2001 in der Fondation Beyeler in Basel verantwortlich war.

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Katalog Mark Rothko. Retrospektive

Das Katalogbuch zu der großangelegten Retrospektive macht diese Gefühlsskala mit Farbtafeln von subtiler und aufwendig produzierter Qualität erfahrbar und ermöglicht, durch Beiträge spezialisierter Autoren, den Maler Rothko neu verstehen.

Rothko | Retrospektive

Gebundene Ausgabe220 Seiten,
88 Tafeln in Farbe
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Sein figürlich angelegtes Frühwerk experimentierte schon mit formalen Reduktionen, und seine Bilder befreiten sich in den 1930er Jahren immer mehr von der Abbildhaftigkeit. Dennoch wollte Rothko selbst vollkommen ungegenständliche Gemälde als etwas Konkretes im Sinne der Lebenswirklichkeit verstanden wissen. Gegen Ende der 1940er Jahre entstand dann das Bildschema der sich überlagernden Farbschleier, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht sind. Innerhalb des aus dem Rechteck entwickelten Formgefüges sorgen die Proportionen der Einzelflächen zueinander und die Zusammenstellungen der Farben für den jeweils vom Betrachter erfahrenen Bildausdruck, den Rothko als Bedeutungsgehalt verstanden wissen wollte. Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles sind Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte.

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Marcus Rothkowitz | Mark Rothko

Bekannt sind seine meist großformatigen Gemälde mit horizontal geschichteten Farbflächen. Solche meditativen Abstraktionen gelten heute als Synonyme für den Abstrakten Expressionismus. Rothko hat sich jedoch zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden.

1903 als Marcus Rothkowitz in Russland geboren, kommt er als Zehnjähriger mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Nach Studien in Yale und an der New School of Design in New York, beginnt er ab 1930 als Künstler zu arbeiten.

Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles von Mark Rothko sind gleichzeitig Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte. Das Schwarz in seiner Farbskala steht für die Leere und das Nichts. Die in seinem letzten Lebensjahrzehnt entstehenden „Blackform“- und „Black on Gray“-Paintings setzen eine radikale Zäsur und stehen auch für Verweigerung. Eine zu offensichtliche Schönheit wird zugunsten ikonischer Strenge zurückgenommen. Schwärze steht deshalb weniger für Depression und Krankheit, als für eine maximale Leistung des Betrachters, der so unausweichlich mit der elementaren Tragik dieser letzten Werke konfrontiert wird. Es ist deshalb wohl nicht falsch, diese in ihrer unausweichlichen Konsequenz als letzte geschlossene Bildserie zu verstehen und sie als eine Art Vermächtnis vor dem Freitod von 1970 zu lesen.

Nach seinem frühen Interesse am Surrealismus wandte sich Rothko seit etwa 1946 ganz der Abstraktion zu: In seinen multiforms, vielfältig gestaffelten, spielerisch angeordneten Farbfeldern, stellte er die Wirkung der Farben in ihrem Mit- und Gegeneinander in den Vordergrund. In seiner berühmtesten Schaffensphase ordnete er seit etwa 1950 zumeist drei horizontale farbige Rechtecke mit verlaufenden Rändern übereinander an. Wie kein Künstler zuvor stellte er die Ausdruckskraft der Farbe allein, frei von allen erzählerischen oder figürlichen Elementen, in den Mittelpunkt der Malerei und schuf Gemälde von einer hohen emotionalen Intensität.

Rothko selbst sagte, dass es ihm um den Ausdruck der grundlegenden menschlichen Emotionen gehe: „Ich bin kein Abstraktionist. Mich interessiert nicht das Verhältnis von Farbe oder Form oder irgend so etwas. Mich interessieren nur die grundlegenden menschlichen Emotionen: Tragödie, Ekstase, Schicksal … Die Tatsache, dass Leute zusammenbrechen und weinen, wenn sie mit meinen Bildern konfrontiert werden, zeigt, dass ich diese Gefühle kommunizieren kann … Die Leute, die vor meinen Bildern weinen, haben die gleiche religiöse Erfahrung wie ich, als ich sie gemalt habe.“

Bei eher geringer Beleuchtung und aus unmittelbarer Nähe betrachtet, entfalten die Gemälde ihre überwältigende Kraft und entgrenzende Wirkung, die der Künstler mit einem religiösen Erleben verglich. Die Ausstellung lässt keinen Zweifel daran, dass die leuchtenden, farbintensiven und hoch-emotionalen Gemälde ihre Betrachter gerade im Original mit ungeheurer Wirkung in ihren Bann ziehen und bis heute nichts von ihrer nahezu magischen Anziehungskraft verloren haben.

Die Ausstellungen binden die Arbeiten des Amerikaners dabei in einen ungewöhnlichen Kontext ein. Zwei historische Vorläufer markieren die malerischen Pole, zwischen denen Rothko um seine abstrakte Bildsprache ringt. Auf der einen Seite steht das romantische europäische Erbe Caspar David Friedrichs. In dessen Landschaften eröffnen sich dem Betrachter (stellvertreten durch Rückenfiguren im Bild) mit Rothkos Bildern vergleichbare persönliche Empfindungs- und Reflexionsräume. Dieser Vergleich wird in der Ausstellung ganz unmittelbar durch die Hängung erfahrbar, die Rothkos große, farbintensive Abstraktionen neben Gemälden wie dem Wanderer über dem Nebelmeer oder dem Mönch am Meer von Friedrich präsentiert.

In der Romantik stand der Mönch am Meer stellvertretend für den Betrachter im Bild vor der unendlichen Weite und der bedrohenden dunklen Leere. Rothko führt mit den späten Black and Gray Gemälden unmittelbar an diese Schwelle des Bedrohlichen und Überwältigenden heran.

Der berühmte amerikanische Kunsthistoriker Robert Rosenblum beschrieb dieses Phänomen bereits 1975 als das „Abstrakt-Erhabene“. Durch die spektakuläre Leihgabe des Mönch am Meer aus der Berliner Nationalgalerie ist es dem Besucher erstmals möglich, die Werke in der Hamburger Ausstellung gemeinsam zu betrachten — eine kunsthistorisch einzigartige Gelegenheit.

Auf der anderen Seite findet sich die Malerei von Pierre Bonnard, dem berühmten modernen französischen Maler der Nabis-Schule, dessen Werk von der sinnlichen Farbenfreude des Mittelmeerraums durchflutet ist und das Bemühen der Moderne um die reine Farbwirkung verkörpert. Die ausgewählten Gemälde Bonnards machen deutlich, wie Rothko, der Bonnards Bilder in New York gesehen hatte, die Sensualität der mediterranen Malerei in seiner Farbfeldmalerei aufgreift.

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VIDEO | Mark Rothko – Ein Portrait [ ARTE TV / BBC 200130 Minuten]

 


Das Vermächtnis Mark Rothkos

das-vermaechtnis-mark-rothkos.jpg

Gebundene Ausgabe
523 Seiten
Auflage: 1 (Februar 2008)
Sprache: Deutsch
20,6 x 13 x 4 cm

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Als Mark Rothko sich am 25. Februar 1970 das Leben nahm, war er längst ein international gefeierter Superstar der zeitgenössischen Kunst. Der zeitweilige Weggefährte von Robert Motherwell, Willem de Kooning, Barnett Newman, Jackson Pollock und anderen, hatte bereits 1960 im MoMA eine große Retrospektive, seine Arbeiten waren gefragt und die Preise kletterten stetig nach oben. Wie Hyänen scharten sich der boomende Kunstmarkt und falsche Freunde um den zunehmend verzweifelten Künstler, der sein Werk einerseits behüten wollte und andererseits Ruhm für sich und Geld für die finanzielle Absicherung seiner Familie suchte.

Heute wissen wir, dass der kommerzielle Erfolg den Künstler in einen unauflösbaren Konflikt stürzte und Menschen, die ihm nahe standen, dazu brachte zu Verbrechern zu werden. Denn was am Tag seines Todes beginnt ist beispiellos: Korrumpierte Nachlassverwalter lassen zu, dass zahlreiche Gemälde außer Landes gebracht und unter Preis veräußert werden, Galerien organisieren Ringverkäufe und Insidergeschäfte, um die Preise hochzutreiben und Museen der öffentlichen Hand beteiligen sich an Geldwäsche. Dem Treiben wird erst ein Ende gesetzt, als Rothkos minderjährige Tochter eine Klage gegen die Stiftung ihres Vaters einreicht.

Über die Autorin:
Lee Seldes schrieb für Newsweek, Barron’s, The Village Voice und Esquire. Sie war die einzige offizielle Journalistin, die den Rothko-Prozess beobachte.


 

Millionenschwerer Kunstbetrug

Alexandra Mangel für Deutschlandradio Kultur | Beitrag lesen

Der Selbstmord Mark Rothkos, ein bedeutender Vertreter des Abstrakten Expressionismus, war der Beginn einer großen Verschwörung in der Kunstwelt. Aufgedeckt wurde sie in einem Gerichtsprozess. Die Journalistin Lee Seldes war anwesend und arbeitete 14.500 Seiten Protokoll durch. In „Das Vermächtnis des Mark Rothkos“ liefert sie einen Einblick in das Haifischbecken des globalen Kunstmarktes.

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