SECRET SIGNS – Zeitgenössische chinesische Kunst im Namen der Schrift

Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg | bis 15. Februar 2015

ZHANG-Huan-Family-Tree-2000-©-ZHANG-Huan-courtesy-M-Sigg-Collection-Hong-Kong.-By-donation-Ausschnitt

ZHANG Huan Family Tree, 2000 (Ausschnitt)
©ZHANG Huan, courtesy M+ Sigg Collection, Hong Kong. By donation

Im Rahmen von China Times Hamburg 2014 zeigen die Deichtorhallen ein Ausstellungsprojekt zum Thema der Schrift in der chinesischen zeitgenössischen Kunst in Kooperation mit dem Museum M+ in Hongkong und der dort beherbergten Sammlung Sigg. Die Schrift steht in China für die Kultur dieses Landes. Das über Jahrtausende unverändert bestehende Schriftsystem Chinas ist ein einmaliges Phänomen in der Kulturgeschichte der Menschheit.


Die im 3. Jahrhundert v. Chr. eingeführte Schrift in standardisierter Form war in China der Schlüssel für gesellschaftliche Macht. Sie demonstrierte Autorität und sozialen Status und symbolisierte kulturelle Tradition und Elite. Mao Zedongs Schriftreform von 1956 stellt den großen Einschnitt innerhalb dieser kulturellen Konstante Chinas dar. Unter Mao begann erstmalig eine Popularisierung des Mediums. Kalligraphie verlor ihren Monopol-Status nur von Gelehrten beherrscht zu werden. Weithin sichtbare Slogans in vereinfachten Schriftzeichen stellen nun erstmalig eine neue Waffe und ein Mittel der Propaganda dar. Öffentliche Kalligraphie in Form der großen Zeichen-Poster erlebte ihren Höhepunkt während der Kulturrevolution (1966-76).

XUE-Song-„Shape-Red-Mao“-1996-Öl-auf-Leinwand-120-x-100-cm-©-XUE-Song-courtesy-M-Sigg-Collection

XUE Song, „Shape (Red Mao)“, 1996 Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm 
©XUE Song, courtesy M+ Sigg Collection

-----------------------
Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg | bis 15. Februar 2015

SECRET SIGNS

Pressetext: Deichtorhallen

ZEITGENÖSSISCHE CHINESISCHE KUNST IM NAMEN DER SCHRIFT
EINE KOOPERATION DER DEICHTORHALLEN MIT DER SAMMLUNG SIGG UND DEM M+, HONG KONG

KATALOG | Secret Signs. Zeitgenössische Chinesische Kunst im Namen der Schrift

Texte (dt./eng.) von Nora von Achenbach, Uta Lauer, Lesley Ma, Hu Mingyuan, Interviews mit Xu Bing, Feng Mengbo, Wu Shanzhuan, Ai Weiwei von Heinz-Norbert Jocks sowie ein Gespäch von Pi Li mit Uli Sigg

Gebundene Ausgabe
240 Seiten
10 s/w und 180 farbigen Abbildungen
Sprache: Deutsch / English

kaufen bei amazon

 

Secret Signs. Calligraphy in Chinese Contemporary Art

Exhibition catalogue, texts in German/English.
240 p with 10 b/w and 180 coloured illustrations
300x 240 mm, hardcover

buy at amazon

This broad exhibition and the accompanying publication center on two constantly topical, fundamental questions of social reality in China from the 1980s to the present, as well as the self-concept of its artists: How does China deal with its cultural heritage in view of the raipd course of change brought on by globalization? Or: Is the fact that calligraphy is sidelined itself a paradigmatic expression of modern Chinese culture? Ever since Mao, in 1956, ordered the radical simplification of the complex calligraphic writing system of the courtly organized elite by standardizing the characters themselves, their respective sound, the form and the amount of characters as well as their systematization, the »lack of the referential« of symbols and images, as stated by Jean Baudrillard, may already to some extent be considered analogous to western culture, as part of the reality of the modern Chinese society. This is part of the reason why contemporary Chinese artists, for over three decades, have deconstructed writing as anti-calligraphy and, based on the Cultural Revolution, have criticized its trivialization as a medium of mass culture, but have also always, and in an artistically impressive way, claimed a return of the individual expression.

Die Diskussion um Tradition und Moderne war und ist für mehr als ein Jahrhundert eine zentrale Debatte in der chinesischen Kunstwelt. Die Avantgarde-Bewegung der 1980er Jahre wollte sich radikal von allen akademischen Bürden sowie von den Vorgaben des Sozialistischen Realismus befreien. Die zeitgenössische chinesische Kunst befasst sich seitdem äußerst facettenreich mit Themen wie der Dekonstruktion von Schrift (Anti-Kalligraphie), der Kommerzialisierung und Trivialisierung der Schrift als Medium der Massenkultur sowie mit der Frage nach dem individuellen Ausdruck angesichts der reichen und langen historischen Praxis für das Erlernen der Schriftkunst. Eine weitere Annäherung an das Thema stellen jene Arbeiten dar, die unter Zuhilfenahme neuer Medien das Spontane und Intuitive des Schreibprozesses darstellen.

Die Ausstellung erscheint vor dem zeithistorischen Hintergrund einer Neubewertung der traditionellen, chinesischen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts besonders aktuell. Hinter dieser Entwicklung mag eine Reaktion auf das zunehmend globalisierte China stecken, das im Begriff ist, seine kulturellen Wurzeln, zu der insbesondere die Kalligraphie zählt, zu verlieren. Vor solchen wichtigen aktuellen Diskursen bewegt sich die Ausstellung in der Sammlung Falckenberg, die nach der Bedeutung der Kalligraphie in der modernen Gegenwartskunst Chinas fragt.


DIE AUSSTELLUNG

Die Ausstellung vereint zwei- und dreidimensionale Werke in verschiedenen Medien: Schriftkunst, Fotografie, Videos, Installationen und Objekte. Sie beginnt mit Werken aus den 1980er Jahren und reicht bis zu künstlerischen Werken, die speziell für diese Ausstellung konzipiert wurden (beispielsweise von Ai Weiwei).

Weitere namhafte Künstler der Ausstellung sind u.a. Gu Wenda, Xu Bing, Qiu Zhijie, Zhang Huan, Wu Shanzhuan.

Insgesamt werden Arbeiten von rund 30 Künstlern präsentiert.

Ai Weiwei, Chen Guangwu, Chen Zaiyan, Dai Guangyu, Ding Yi, Dong Xiaoming, Feng Mengbo, Gu Wenda, Han Jia, He Sen, Hong Hao, Huang Shen, Jin Feng, Jin Jiangbo, Li Xi, Li Zhenwei, Lu Hao, Lu Qing, Ma Ke, Mao Tongqiang, Qian Feng, Qiu Shihua, Qiu Zhijie, Shan Fan, Shao Fan, Tian Wei, Tsang Kin-Wah, Wang Qingsong, Wu Changshuo, Wu Shanzhuan, Xiao Yu, Xu Bing, Xue Song, Yangjiang Group, Yang Xinguang, Yuan Gong, Zhang Fan, Zhang Huan, Zhang Wei, Zhou Tiehai

 


 

katalog - sammlung sigg - mahjong - 300

KATALOG | Mahjong – Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg

Texte von Ai Weiwei, Estelle Bories, Feng Boyi, Bernhard Fibicher, Matthias Frehner, Christoph Heinrich, Hou Hanru, Li Xianting, Pi Li, Uli Sigg u.a.

Gebundene Ausgabe, mit Schutzumschlag
360 Seiten
380 farbige Abb.
Hatje Cantz Verlag
Sprache: Deutsch
25,40 x 30,20 cm

kaufen bei amazon

China boomt. Nach der wirtschaftlichen Liberalisierung ist auch die Kunstszene des Landes geradezu explodiert. Der Schweizer Sammler Uli Sigg, ehemaliger Botschafter in Peking, hat die rasante Entwicklung seit den 1980er Jahren begleitet und besitzt mit mehr als 1 200 Arbeiten von über 80 Künstlern mittlerweile die weltweit größte Sammlung zeitgenössischer chinesischer Kunst.

Das prachtvolle Buch zeigt über 200 von Siggs Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten und Installationen sowie Kuriositäten wie Maoplakate auf großformatigen Farbabbildungen. Neben berühmten Werken wie Ai Weiweis Han-Vase mit Coca-Cola-Logo, den Glatzköpfen von Fang Lijun oder Xu Bings gänzlich erfundene Kalligrafien bietet es eine einzigartige Gelegenheit zur Entdeckung von im Westen noch weitgehend unbekannten Künstlern. Insider kommentieren den spannenden Überblick über das Kunstschaffen in China.


Sammlung Falckenberg | Wilstorfer Straße 71 | Phoenix-Hallen / Hamburg-Harburg

SOCIAL MEDIA anonym durch Einsatz des c't-Projektes Shariff