Umbo. Fotograf | Werke 1926–1956

Berlinische Galerie | bis 20. Juli 2020
Umbo Ohne Titel Ruth Landshoff mit Katze 1928 1120 700 Umbo Fotograf Werke 1926 1956
Umbo, Ohne Titel (Ruth Landshoff mit Katze), 1928, Ausschnitt, Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung
© Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Umbo (Otto Umbehr, 1902 – 1980) steht für eine Art „Urknall“ der modernen Fotografie Mitte der 1920er Jahre.

Mit Ideenreichtum und Experimentierfreude prägte Umbo maßgeblich die Fotografie des Neuen Sehens. Er gilt als Erfinder des Bildes der Neuen Frau, des neuen Bildes der Straße und der fotografischen Reportage schlechthin. Sein Name steht auch für den jugendbewegten Aufbruch der Wandervögel aus der Wilhelminischen Ära ins frühe Bauhaus und für die beflügelnde Medienmetropole Berlin. Umbo ist zugleich der an sich zweifelnde junge Künstler, der Dank der Impulse durch den Bauhauslehrer Johannes Itten und seinen Künstlerfreund Paul Citroen quasi über Nacht berühmt wurde, und doch ein immer Bohemien, ein ewig Suchender blieb.


Die Ausstellung feiert zudem die Erwerbung des Nachlasses Umbo, die 2016 gemeinsam mit den Kooperationspartnern Bauhaus Dessau und Sprengel Museum Hannover dank der Finanzierung durch zahlreiche Unterstützer (Kulturstiftung der Länder, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ernst von Siemens Kunststiftung, LOTTO-Stiftung Berlin, u.a.) möglich wurde. „Umbo. Fotograf. Werke 1926 – 1956“ ist eine Ausstellung des Sprengel Museum Hannover in Kooperation mit der Berlinischen Galerie und der Stiftung Bauhaus Dessau.


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Umbo war Bauhaus-Schüler in Weimar von 1921 bis 1923 und wurde dort ästhetisch stark beeinflusst durch die Grundlehre Johannes Ittens. „Danach ging er nach Berlin, in den 1920er Jahren einer der internationalen künstlerischen Brennpunkte. Hier kam er 1926 zur Fotografie und wurde praktisch sofort mit neuartigen Porträtaufnahmen der Berliner Bohème zu einem der Begründer einer neuen fotografischen Ästhetik. In den folgenden Jahren wurden seine Fotos in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gedruckt und in bedeutenden Ausstellungen gezeigt. Ende 1928 war Umbo Gründungsmitglied der Photo-Agentur Dephot (Deutscher Photodienst GmbH), die bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 einen neuen Stil im Bildjournalismus prägte.

In der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete er als Fotojournalist, hatte aber kaum noch Möglichkeiten, als Künstler in der Öffentlichkeit mit seiner Bildästhetik Resonanz zu finden. 1943 wurde sein Archiv in Berlin mit geschätzten 50.000–60.000 Negativen bei einem Bombenangriff vernichtet, so dass heute nur relativ wenige seiner Arbeiten erhalten sind. Ein Ordner mit Kontaktabzügen seiner Tanzfotografien überstand durch Zufall den Angriff und befindet sich heute im Deutschen Tanzarchiv Köln.

In den Kriegs- und Nachkriegswirren führte Umbos Weg nach Hannover. An seine früheren Erfolge aus der Zeit der Weimarer Republik konnte er nicht mehr anknüpfen. Dort arbeitete er vor allem für die Kestner-Gesellschaft. Seine Vintages aus dieser Zeit sind heute jedoch sehr selten und wieder sehr gefragt.


VIDEO | 3sat, 2020

Umbo gilt neben László Moholy-Nagy als der bedeutendste Fotograf des Bauhauses.

UMBO – dieser Name steht spätestens seit der von Herbert Molderings 1995 eingerichteten Retrospektive dieses Künstlers als Synonym für eine Art »Urknall« der modernen Fotografie Mitte der 1920er Jahre: UMBO, geboren 1902 in Düsseldorf als Otto Maximilian Umbehr, als zweites von zehn Kindern eines Bauingenieurs und einer Lehrerin, gilt als Erfinder des Bildes der Neuen Frau, des neuen Bildes der Straße, der fotografischen Reportage schlechthin. Sein Name steht für den jugendbewegten Aufbruch der Wandervögel aus der Wilhelminischen Ära ins frühe Bauhaus. Er steht ebenso für die in den 1920er Jahren vor allem von osteuropä­ischen Immigrant*innen beflügelte Medienmetropole Berlin, für eine sich rasant entwickelnde Film-, Musik-, Theater- und Kleinkunstszene, für Blicke in die Hinterhöfe und Wohnküchen überquellender Mietskasernen.

UMBO: Das ist der an sich zweifelnde junge Künstler, der dank der von seinem Bauhauslehrer Johannes Itten und seinem Künstlerfreund Paul Citroen empfangenen Impulse quasi über Nacht als Fotograf berühmt wird und an allen bedeutenden Avantgardeausstellungen seiner Zeit teilnimmt; der, so die Erzählung, den Nationalsozialismus als »Anti« durchsteht, dessen Berliner Atelier und Archiv 1943 durch Bomben völlig zerstört wird und dessen Anknüpfungsversuche an die frühere Existenz als Fotograf der Avantgarde im Wirtschafts­wunder der bundesdeutschen Nachkriegszeit in Hannover scheitert; dessen expressives Früh-, dann neusachliches Werk in den 1970er ­Jahren wiederentdeckt wird; und der 1979, kurz vor seinem Tod, noch in der Spectrum Photogalerie im »Kunst­museum Hannover mit Sammlung ­Sprengel« seine erste Einzelausstellung im muse­alen Kontext erlebt.


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KATALOG | UMBO. FOTOGRAF

Gebundene Ausgabe
Leinen mit Schutzumschlag
336 Seiten
mit 320 Abb. in Duotone
Verlag: Snoeck (8. Februar 2019)
Sprache: Deutsch
23,8 x 4,3 x 27,7 cm

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UMBO – ein »Urknall« der modernen Fotografie

Diese Publikation, die eine Auswahl von 200 Werken und zahlreichen ­Dokumenten präsentiert, speist sich wesentlich aus dem Nachlass UMBOs. Über Jahrzehnte von Phyllis Umbehr, der Tochter des Künstlers, und dem Galeristen ­Rudolf Kicken behütet und bewegt, konnte der Nachlass UMBOs 2016 dank des ­En­gagements zahlreicher ­­Partner von der Stiftung Bauhaus ­Dessau, der ­Berlinischen Galerie und dem Sprengel Museum Hannover gemeinsam ­erworben werden.

Mehr als 600 Fotografien und umfangreiches Quellenmaterial, ergänzt um frühere Erwerbungen der Partner­institutionen Berlinische Galerie und Stiftung Bauhaus Dessau, im Fall des Sprengel Museum Hannover aus dem Nachkriegsarchiv REPORT/ Simon Guttmann, London, bilden den Hintergrund. Und trotzdem lässt sich die Frage danach, wie dieser Fotograf in die komplizierten ­Geschichtsverläufe ­seiner Zeit verwoben war, nur vage beantworten: Erhalten blieben lediglich jene frühen Bilder, die UMBO als seine besten an Freunde weitergereicht oder an einige wenige Sammler gegeben hat. An die Oberfläche geschwemmt werden zudem im Zuge der Digitalisierung von Bildbeständen immer wieder Aufnahmen, die – nicht immer unter UMBOs Namen ­­­­­– ­­­in Presse­agenturen und Verlagen aus jenen Jahren ­zirkulierten.

Dennoch ergibt das Material, ergänzt um ausgewählte Presseveröffentlich­ungen, ein ­äußerst vielschichtiges, schillerndes Bild, eine Künstlerbiografie des 20. Jahrhunderts voller ­Diskontinuitäten, Brüche und unbeantworteter ­Fragen. Sie kreisen nicht zuletzt um das Scheitern der Avantgarde und die Schwierigkeit, nach dem ­Zweiten Weltkrieg an deren Erfolge anzuknüpfen.

Die Publikation UMBO. FOTOGRAF. bietet daher die Möglichkeit, die vielen Projektionen, die sich mit dem Namen UMBO verbinden, mehr als zwei Jahrzehnte nach der ersten Retrospektive erneut zu überprüfen.


Berlinische Galerie

berlinischegalerie.de

Umbo. Fotograf | Werke 1926–1956

bis 20. Juli 2020

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Dienstag geschlossen

 

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