Jul
29
Gilbert & George | Die grosse Ausstellung
Juli 29, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT HdK München
”Sei stets elegant gekleidet, gepflegt entspannt, freundlich höflich und völlig Herr der Lage” (G+G-Bildhauergesetz Nr. 1 von 1969)
Die Times nannte Gilbert & George die »Prügelknaben der britischen Kunst« - was die Briten nicht daran hinderte, das Künstlerduo 2005 den englischen Pavillon auf der Biennale in Venedig gestalten zu lassen. »We are delighted to accept this kind invitation and promise to do our very worst!«, lautete der Kommentar des Duos. Seit 1967 sind Gilbert & George ein Paar – in der Kunst wie im Leben. Durch ihre Auftritte als „Living Sculptures“ wurden sie weltberühmt; Heute sind sie die Popstars der zeitgenössischen Kunst.
“Die große Ausstellung” im Haus der Kunst München zeigt etwa 200 Werke des berühmten Künstlerduos aus 40 Jahren und allen künstlerischen Medien, in denen Gilbert & George gearbeitet haben.
Zu Beginn ihrer Karriere – beide sind Bildhauer – standen Gilbert & George zunächst mit leeren Händen da: ohne Galerie und ohne Atelier, aber mit dem bedeutenden Einfall, sich selbst zu Kunstwerken zu erklären. damit erweiterten, ja revolutionierten sie den Skulpturbegriff und brachten sich selbst als „Living Sculptures“, als lebende Skulpturen, heraus. auf das Publikum Ende der 1960er Jahre wirkte ihre Erscheinung und ihre systematischen Trinkgelage in gepflegten Maßanzügen einigermaßen irritierend – schließlich stand der bürgerliche Habitus, den Gilbert & George rein äußerlich kultivierten, stets im Widerspruch zum antibürgerlichen, provokativen und nicht selten schockierenden Inhalt ihrer aberwitzigen Auftritte.
KATALOG
| Gilbert & George.
Die große Ausstellung
| Haus der Kunst
(Broschiert) 208 Seiten,
246 farbige Abbildungen
Gilbert Proesch (geb. 1943) und George Passmore (geb. 1942) bringen Werke zu tabuisierten Themen wie Sexualität und Rassendiskriminierung hervor, die zu den einflussreichsten künstlerischen Aussagen unserer Zeit zählen. Der Band zeichnet das provokative Oeuvre mit seinem radikalen Idealismus vom Ende der 1960er-Jahre bis heute anhand der wichtigsten Werkserien nach darunter auch neueste, bisher unveröffentlichte Arbeiten von Gilbert & George. Ausstellungen: Haus der Kunst, München 11.6.- 9.9.2007 Im Anschluss Castello di Rivoli, Turin, De Young Memorial Museum, San Francisco Milwaukee Art Museum, Brooklyn Museum of Art.
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Gilbert & George | Die große Ausstellung
Haus der Kunst München
| bis 09. September 2007
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MUFTI 2005, Collection of James Chanos, New York and London
Hausbesuch bei Gilbert & George
WELT online - Oliver Koerner von Gustorf
Als sie früher Jesusmotive in ihre Fotowerke einbezogen, galt die Auseinandersetzung mit religiösem Fanatismus in der Szene als überholt. Auch die Forderung der beiden, den Papst aufgrund seiner reaktionären Aids- und Homosexuellenpolitik wegen Massenmordes vor Gericht zu stellen, fand nur wenige Freunde. Den Künstlern wurde vorgeworfen, sie würden sich vor einer Auseinandersetzung mit muslimischem Fanatismus drücken. Doch Gilbert und George sind in jeder Hinsicht antireligiös, glühende Verfechter von Aufklärung und individueller Freiheit.
Ihre jüngste Arbeit, die “Bomb”-Serie, trifft mitten in die verhärteten Fronten, die sich in ihrer vermeintlich multikulturellen Nachbarschaft abzeichnen. Vor “Evening Standard”-Schlagzeilen zum Londoner Bombenterror sieht man Gilbert und George rot anlaufen - als glühende Missiles, mit Stacheldraht umwickelt, als menschliche Waffen, Krieger und Festungen. Ohne sichtbare Emotionen erzählen sie von Flugblättern, die sie auf der Brick Lane sammeln, auf denen der islamische Gottesstaat in Großbritannien ausgerufen oder die Todesstrafe für Schwule gefordert wird.
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KATALOG |
Gilbert and George:
The Complete Pictures
Der - von den Künstlern selbst gestaltete - Katalog zur Londoner Retrospektive 2007 ist der größte in der Geschichte der Tate Modern bislang. 1200 Seiten, gebundene Ausgabe,
Box-Set. Ca. 1.500 farbige Illustrationen, 203 Detail- und 256 Ausstellungsansichten illustrieren das Werk von Gilbert und George. Verständliche Einführung, zahlreiche Kommentare der Künstler.
“Bei so viel Exzentrik wirkt Damien Hirst wie das Sandmännchen.” “Zurück bleibt ein Übermaß an Exzentrik, lange vor Damien Hirst und seinem in Formaldehyd getauchten Haifisch. So mag man Gilbert und George die Taufpaten der Britart nennen, doch sind sie besser als das: Ein Unikat des Abartigen, unabhängig und unverwechselbar, so albern-obszön wie rätselhaft magisch in ihrer jegliches Feminine ausschließenden schwulen Geisterwelt.” | Thomas Kielinger
| anlässlich der TATE Modern Schau | 2. 2007 | WELT - Artikel lesen
TIPP
| virtueller Rundgang durch die TATE Modern Schau
| Klick auf die jeweiligen Räume des dargestellten Raumplanes führt zur umfangreichsten Präsentation von Arbeiten Gilbert & Georges im Internet.
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Die Kunst, das Lachen zu unterdrücken
SUEDDEUTSCHE - Gottfried Knapp
Vom Schautempel der Nazis zur Kathedrale der Kunst: Wie Gilbert & George das Haus der Kunst in München zur Kirche umwidmen - im Namen der Filzlaus.
Für sie ist der Schau-Tempel der Nazis eine Kathedrale der Kunst, in die sie die fehlenden Farbfenster einsetzen dürfen. Und tatsächlich wächst ihren hinter Glas grell in drei, vier Grundfarben aufglühenden, von Rechteckrahmen zerschnittenen Schaubildern erstmals etwas zu von jener kalten Buntfarbigkeit neugotisch-viktorianischer Kirchenfenster, die den beiden Farbskulpteuren vorgeschwebt hat.
Bis ins Detail wird in der Ausstellung das Kathedralmuster durchgespielt. Das Mittelportal, das von Hitlers Ehrenhalle aus in den Osttrakt, also in die derzeitige St. Gilbert & George Cathedral hineinführt, wird von den ersten Porträtzeichnungen der beiden damals frisch verliebten Kunststudenten flankiert: Wie Apostel im Gewände eines gotischen Doms hängen Gilbert, gezeichnet von George, und George, gezeichnet von Gilbert, symmetrisch rechts und links neben der Eingangstür.
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Pierre–Olivier François trifft Gilbert & George in ihrem Stadtteil in London, erhält Einblick in ihre Arbeitsweise und spricht mit ihnen über ihr nächstes Projekt zum Thema Liebe und Hass.
ARTE | Metropolis | Sendung vom 28. April 2007.
| VIDEO-Reportage ansehen (real video | english)
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Zwei Personen, ein Künstler | “Gilbert & George” in München
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Julie Metzdorf
Große und kleine Penisse, Exkremente, Blumen und Kruzifixe in knalligen Farben, junge Männer in Schwarzweiß, die Straßen des Londoner East End blutrot eingefärbt: 200 großformatige Werke prangen von den hohen Ausstellungswänden im Münchner Haus der Kunst.
George: “Wir müssen erkennen, dass auch in Scheiße Schönheit steckt. So wie Eltern ihre Kinder dazu ermutigen, die Schönheiten der Natur zu entdecken: Schau dieser Käfer auf dem Baum, wie schön er ist. Oder schau diese Felsformen. Warum gilt das nicht für Scheiße?”
Tatsächlich sehen die Exkremente in der extremen Vergrößerung eher wie vertrocknetes Brot oder ein misslungener Kuchen aus. Blut unter dem Mikroskop betrachtet sieht aus wie ein mittelalterliches Kirchenfenster und Urin erinnert an Blümchentapete.
Spätestens nach der Betrachtung der Röntgenaufnahmen von Gilbert und Georges Penissen, beginnt die Ausstellung wie eine Art Therapie zu wirken. Die Scham, dass man gerade einen Penis angeschaut hat, verschwindet. Man glaubt, nun könne nichts mehr schockieren, doch Gilbert und George übertreffen sich immer wieder. Etwa in dem Bild eines Kreuzes, dessen Balken von vergrößerter Penishaut ausgefüllt werden. In der Mitte prangt ein liebliches Kindergesicht mit teuflisch roten Augen.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Gilbert & George | Die große Ausstellung
Haus der Kunst München
| bis 09. September 2007
Jul
27
Ferdinand Kriwet | Der XXL-Radiohörer
Juli 27, 2007 | Comments Off

TAZ -
Björn Gottstein |
Historische Klang-Collagen: Die “Hörtexte” des Medienkunst-Pioniers Ferdinand Kriwet erzählen vom Leiden der Massenmedien an der flüchtigen Gegenwart.
“Hörtexte” nannte der heute in Dresden lebende Künstler seine akustischen Collagen, in denen er die Sprache der Massenmedien zu einer “poetischen Analyse” verdichtete. Mit Akribie und Eifer sammelte er Ausschnitte aus Radio- und Fernsehsendungen, sezierte und montierte sie zu mehrstimmig-rhythmischen Kompositionen. Sein Blick auf das Material ist zunächst wertfrei, distanziert. Die Dimension des kritischen Kommentars stellte sich eher unbeabsichtigt ein. Jetzt sind seine “Hörtexte” in einer Dreifach-LP-Box erschienen - auf dem Cover sieht man Kriwet selbst, mit Kopfhörer und Aufnahmegerät in der New Yorker U-Bahn, im Gesicht den Ausdruck melancholischer Entschlossenheit eines jungen Intellektuellen.
Kriwet war kein Hasardeur, der auf Zufälle wartete. Für das Stück “Apollo Amerika” mietete er 1969 in New York zur Mondlandung ein Hotelzimmer und Radio- und Fernsehgeräte, um sich dort für die drohende Epiphanie der Menschheit zu wappnen.
… wo deutlich wird, wie die US-amerikanischen Medien die Mondlandung zu einem religiösen Ereignis umdeuten. Mit biblischer Rhetorik wird Raumfahrt zu einem spirituellen und patriotischen Unterfangen, während die Radiostimmen den Mythos vom auserwählten Volk beschwören. Gottgleich dröhnt Armstrongs Stimme aus dem All. “Apollo Amerika” ist, der Distanz des Künstlers zum Trotz, ein Stück Ideologiekritik.
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AUDIO | Apollo America | 1969
Realisation: Ferdinand Kriwet
Produktion: Studio Akustische Kunst WDR Köln/SWF/BR 1969
Redaktion: Klaus Schöning
21 min
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Ferdinand Kriwet (geb. 1942 in Düsseldorf) ist Multmediakünstler und Dichter. In den 60er und 70er Jahren produzierte er bahnbrechende Filme und Klangarbeiten für Radio und Fernsehen.
Seine Arbeiten ‚Apollovision’ (1969-2005) und ‚Campaign’ (1972/73-2005), die in Zusammenarbeit mit der BQ Galerie Köln ausgestellt wurden, gelten heute als bedeutende Zeugnisse spektakulärer Ereignisse der Menschheitsgeschichte. So schuf Kriwet ‚Apollovision’ zur Zeit der Apollo-Mission in den USA und benutzte für seine Arbeit Informationen und Materialien aus Radio, Fernsehen und Zeitungen, die über das Spektakel berichteten. Kriwet selbst beschreibt diese Filme als „Bild-Ton-Collage“, produzierte aber gleichzeitig Konkrete Poesie, Hörspiele und Geräusch- und Klangkunst. Kriwets Arbeiten beschreiben den Versuch eine Vorstellung von der allgegenwärtigen Geräuschkulisse zu vermitteln, die uns auf Kurz-, Mittel- oder Langwelle begleitet. Sein Ansatz politisch engagierter Avantgarde-Kunst wurde beeinflusst von künstlerischen und konzeptuellen Strömungen vom Konstruktivismus über Neue Musik und Beat Generation bis zum Pop.
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Ferdinand Kriwet
| auf ubu-web | audio | grafik
Jul
25
VIDEO VISION | Doug Aitken | Sleepwalkers
Juli 25, 2007 | Comments Off
Rückblick auf die größte Videoinstallation der Kunstgeschichte am Museum of Modern Art New York 1/2.2007.
Schlafwandeln in NYC
TAZ - Daniel Schreiber 18.1.2007
Einsamkeit und Ekstase in der nächtlichen Großstadt: Der Medienkünstler Doug Aitken sorgt mit einer gigantischen Videoinstallation am Museum of Modern Art für das Kunstereignis dieses Winters.
Aitken selbst nennt “sleepwalkers” - ein Zyklus unendlich kombinierfähiger 13-Minuten-Videoloops - “einen Stummfilm für das 21. Jahrhundert”. In der Tat, wie kein anderer Film zuvor spiegelt die filmische Installation die urbane Erfahrung des neuen Jahrtausends wider. Der brasilianische Sänger und Schauspieler Seu Jorge (”City of God”) spielt einen Elektriker, der Leuchtreklametafeln am Times Square repariert; die schauspielernde Indie-Rockerin Cat Power (”V for Vendetta”) gibt eine Briefe sortierende Postfrau; Schlagzeuger und Schauspieler Ryan Donowho (”Broken Flowers”) ist ein Fahrradkurier in der Bronx; Indie-Film-Diva Tilda Swinton porträtiert eine schwangere Bürokraft, deren Leben sich in Auflösung befindet; und Hollywood-Grandsenior Donald Sutherland stellt einen in sich gekehrten Manager dar.
In minutiös abgestimmter Synchronizität sieht man sie aufstehen, duschen, sich anziehen und zur nächtlichen Arbeit gehen. Die Wahl von Espresso, Billig-Tee oder Orangensaft oder die Fortbewegung mit U-Bahn, Fahrrad oder Limousine markiert die auffälligen sozialen Unterschiede zwischen den fünf Figuren. Was aber alle verbindet, ist ihre Einsamkeit - jene Einsamkeit, wie man sie nur in der Großstadt erleben kann, wo das Gefühl der Isolation zugleich aufgehoben und verstärkt wird.
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VIDEO | Dokumentation der Installation | MoMA
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The Museum as Outdoor Movie Screen
Die “New York Times” beschreibt Aitkens Arbeit als “ein herausragendes Beispiel von ‘Archivideo’ oder ‘Videotektur’.” Der Künstler nehme einen Zukunftstrend vorweg: die Umfunktionierung bisher statischer Gebäude zu privaten “Sendeflächen”.
NEW YORK TIMES - Artikel lesen [ english ]
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MoMA | Sleepwalkers | Project_Website
Jul
22
Markus Muntean & Adi Rosenblum | | | Make Death Listen
Juli 22, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg
| Jens Ullheimer
| PT GfZK Leipzig |
Die erste retrospektiv angelegte Schau des österreichisch-israelischen Künstler-Paares MUNTEAN / ROSENBLUM in Deutschland.
Die Leipziger Galerie für zeitgenössische Kunst zeigt Arbeiten von 1998 bis 2007.
Die Sehnsucht nach einem Sich-Von-Anderen-Unterscheiden, nach Individuell-Sein, nach einer unverwechselbaren Identität steht den von Medien geprägten Schönheitsidealen und Normvorstellungen gegenüber.
Bilder von Echtheit/Authentizität/Aufrichtigkeit werden in der Werbeindustrie gezielt eingesetzt, um Produkte und Dienstleistungen (noch) besser vermarkten zu können. Dabei bedient man sich ähnlicher Pathosformeln, wie man sie aus der Kunstgeschichte kennt, und schöpft aus einem Fundus von Gesten, Posen, Attributen, Kompositionsstrategien und Farbsymboliken, die - ihres religiösen, mythologischen Hintergrundes entkleidet - eingesetzt werden, um Emotionen künstlich zu erzeugen.
Markus Muntean & Adi Rosenblum arbeiten in ihren Filmen, Zeichnungen, Malereien und Installationen mit diesen Pathosformeln aus Kunstgeschichte und Werbung. Bewusst wird eine Widersprüchlichkeit zwischen Bild- und Textinformation, Passivität und Aktivität, Authentizität und Künstlichkeit sowie eine Mehrdeutigkeit von kulturellen Codes erzeugt.
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Markus Muntean & Adi Rosenblum | | | Make Death Listen
Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
| bis 7. Oktober 2007
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Süßer Slogan Jugend
AUTOREN + REPORTER - Carmen Stephan
| veröffentlicht in MONOPOL
Ein Mädchen macht eine Ballerina-Figur, zwei andere halten eine weiße Fahne wie für den Sturm auf die Bastille. Ein Junge steht lässig mit dem Rücken zum Betrachter, das Muskelshirt ist ihm halb von der Schulter gerutscht. Ein Mädchen im „Urban 77“-Shirt macht entweder eine Übung aus einem Aerobic-Kurs, oder sie streckt ihre Hand Gott im Himmel entgegen.
Es sind starre Pathos-Gesten, die aus der klassischen Ikonographie stammen. Heute findet man sie noch in den Lifestyle-Magazinen, aus denen Muntean/Rosenblum schöpfen. Darin sieht man die weit ausgestreckten Finger mit dem neuesten Nagellack und das emporgehobene Gesicht im Verführerinnen-Makeup. Muntean/Rosenblum entdecken darin die Posen, mit denen schon Rubens oder Géricault den Betrachter berührten, sie lassen somit deren Malerei wieder zeitgenössisch werden. Keiner der Porträtierten blickt den anderen an. Dennoch erscheinen sie als harmonische, energetische Gruppe - die noch identitätslos ist.

„Life is just a prison in which we try to keep ourselves busy and to forget. Yes we forget. We go on forgetting, all the things we would prefer to know nothing about. Just taking refuge in forgetfulness and frivolity”.
[ Bild_Text unten ]
Die Aussage muss keinen Sinn ergeben, sie wurde von Muntean/Rosenblum aus verschiedenen Satz-Fragmenten, die sie in den Magazinen entdeckten, zusammengesetzt. Im Wechselspiel von Wort und Bild entstehen Mehrdeutigkeiten. Hinter der Oberfläche des Vertrauten öffnen sich auf einmal viele Fragen. Muntean/Rosenblum schaffen es, das Verhängnis der Jugend in nur einem Bild einzufrieren. Die Teenager müssen auf künstliche Identitätsmuster zurückgreifen, sie haben ihre Unschuld verloren. Ihre in Wahrheit vielschichtige Persönlichkeit spielt keine Rolle mehr, denn sie lässt sich in keinen Slogan verwandeln.
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MUNTEAN/ROSENBLUM | Jugendkultur und eine Art Metaphysik des Leibes
Kunstpreis
der Diözese Graz-Seckau für zeitgenössische Bildende Kunst 1999
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Präzise Mehrdeutigkeiten, um die Frage offen zu halten …
MUNTEAN/ROSENBLUM
im Gespräch mit Johannes Rauchenberger und Alois Kölbl,
Minoriten-Galerien Graz, 2002
Die Minoriten-Galerien Graz zeigen internationale und heimische Kunstpositionen vor allem mit dem Fokus an Auseinandersetzungen mit Dimensionen von Religion und Spiritualität – ob in Bestreitung, Weiterführung oder Transformation.
Ihr habt einmal gesagt: Pathos ist der Religion vorgängig, auch die Religion verwendet Pathosformeln wie eben ihr auch, allerdings von einem anderen Standpunkt aus und aus einem anderen Interesse. Wo liegt euer Interesse an diesen Formeln?
M/R: Wir betrachten Pathos unabhängig vom christlichen oder religiösen Kontext. Auch wenn man keine Ahnung vom Inhalt der Darstellung hat, kann man Pathos spüren, empfindet man Emotion. Genau darum geht es uns. Nicht um die inhaltliche Botschaft. Unabhängig von der Tradition einer bestimmten Religion. Es gibt bestimmte menschliche Gesten, die auch durch Malerei vermittelt werden, die eben unabhängig von einer konkreten inhaltlichen Message transportiert und verstanden werden. Man müsste auch darüber diskutieren, wie sehr historische Kunst sich überhaupt mit Religion auseinandersetzte.
Vieles, was vom Thema her einen religiösen Inhalt hat, ist wohl überhaupt nicht religiöse Kunst, wird wohl vorschnell auf diese eine Ebene reduziert. Das Problem entsteht dadurch, dass alte Kunst immer in einen religiösen Kontext eingebettet war. Aber für uns bietet die Religion eine Lösung, die nicht mehr gangbar ist. Das hat nichts damit zu tun, dass historische Kunst nicht mehr interessant wäre. Wir sehen das ganze von einem nachmetaphysischen Standpunkt. Religion ist eine Lösungsform, die einfach nicht mehr zur Verfügung steht, nach unserer Überzeugung.
Gespräch lesen [ pdf-Format ]
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Markus Muntean & Adi Rosenblum | | | Make Death Listen
Retrospektive Werkschau ab 1998
Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
| bis 7. Oktober 2007
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Jul
22
Tocotronic | Schnapsideen statt Bierernst
Juli 22, 2007 | Comments Off
NZZ - Aram Lintzel
«Kapitulation» – schon der Titel des neuen Tocotronic-Albums sorgt für Gesprächsstoff. Warum und vor wem streckt die Hamburger Band die Waffen? Die punkige Single «Sag alles ab» liefert Indizien: Der Song ist eine Hymne gegen neoliberales Networking und gegen volle Terminkalender. Auch sonst ist die CD reich an metaphorischen Verweigerungsgesten.
Auf «Kapitulation» gibt es anmassende Slogans im Geiste des Punk, die Erinnerungen an «Null Bock»-Generation und «No Future»-Graffiti wecken. Auch die vielen Kriegsmetaphern – neben dem Titel Begriffe wie «Festung», «Verschwörung», «Strategie» – lassen sich als Ausdruck einer biografisch gewachsenen Punk-Haltung verstehen.
Wie das Vorgängeralbum «Pure Vernunft darf niemals siegen» ist «Kapitulation» trotz seinen Verweigerungssounds kein beglaubigtes Programm, kein in Klang gegossenes Handbuch für die des Kapitalismus Überdrüssigen, kein Agitprop zum Generalstreik. Vielleicht ist die «Kapitulation» sogar als ultimative Steigerungsform der Romantik zu verstehen: Schliesslich kann derjenige, der sich jeglichem Tun und jeglicher Entscheidung kategorisch entzieht, wie niemand sonst in den unendlichen Traumwelten noch nicht verwirklichter Optionen schwelgen.
«Ein schöner Gedanke», kommentiert von Lowtzow, «viel schöner als diese -Ideologie, die heutzutage aus allen Kanälen dröhnt.»
«Morgens früh lief ich hinaus / Das Gras war feucht vom frischen Tau / Ich schaute und war voller Glück / Verrückt, denn alles stimmt genau»
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| VIDEO | Kapitulation | Tocotronic
| Promo für die 2007-TonträgerVeröffentlichung
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“Dieses ganze scheiß Harmlosistan”
TAZ - Interview von Kirsten Riesselmann und Thomas Winkler
Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow darüber, warum er immer noch wütend ist, warum seine Band faul ist. Und: Warum Kapitulation gegen neoliberale Zumutungen hilft.
Die zweite Single dagegen, das Titelstück “Kapitulation”, ist ein unglaublicher Ohrwurm. Da freut sich doch das Radio.
Auch das wird nicht gespielt werden. Radio ist ein wahnsinnig rigides und reaktionäres System: Alles, was aus dem normalen Rahmen heraus fällt, findet da keinen Platz. Deswegen fristen wir ja auch weiterhin ein Nischendasein, weil die Feuilletons, die Musikpresse und die Stadtmagazine einfach nicht so relevant sind für den breiten Markt.
Aber die Plattenverkäufe sind in der Kalkulation heute doch sowieso längst nicht mehr so wichtig wie die Konzerte.
Das ist so - und das ist eine sehr ungute Entwicklung. Denn in der Idee des Albums liegt ja ein extrem hoher emanzipatorischer Gehalt. Bei aller Liebe zu den Konzerten: Das ist doch Reproduktion. Man spielt immer nur das, was man schon aufgenommen hat. Livekonzert bedeutet eben: Man tritt in eine Arena, wird angeguckt, die Leute wollen was bekommen für ihr Geld. Das ist auch okay so, aber kreativ ist es nicht. Es hat ja seinen Grund, warum Anfang der Sechzigerjahre mit dem Aufkommen der Langspielplatte Künstler - von den Beatles bis Glenn Gould - gesagt haben: Wir gehen nicht mehr raus, Konzerte sind die Reproduktion des Ewiggleichen, wir verschanzen uns im Studio und genießen die Freiheiten dieser Sache. Deshalb sehe ich die Entwicklung, dass man sein Geld nur noch mit Livekonzerten verdienen kann, nicht nur positiv.
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TONTRÄGER | Kapitulation
(Ltd. Edition incl. Bonus-DVD) [Doppel-CD]
Jul
18
Backjumps Berlin 2007 – The Live Issue 3
Juli 18, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg -
Jens Ullheimer | PT Backjumps | PlanetProzess
Backjumps - Das internationale Projekt zu Street Art, Urbaner Kommunikation und Ästhetik zum dritten Mal in Berlin. Stärker als in den Vorjahren setzt Backjumps in 2007 auf die qualitativen Aspekte der Vermittlung.
Street Art entsteht und entwickelt sich auf den Straßen der Städte. Als Phänomen prägt sie die Stadtlandschaften der Welt. An ihrer Verbreitung und ihren Ausformungen scheiden sich die Geister. Jenseits von Kriminalisierung oder kommerzieller Vereinnahmung werden jedoch selten die kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Dimensionen und Entwicklungen von Street Art reflektiert.
Backjumps – The Live Issue #3 widmet sich dieser lebendigen und durchaus widersprüchlichen Kunstform im öffentlichen Raum. Zum dritten Mal präsentiert und reflektiert das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt Backjumps im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien internationale Entwicklungen der Street Art und schafft damit das einzige qualitative und vermittlungsorientierte Forum in Deutschland.
Die Basis bildet erneut die zentrale achtwöchige Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien mit ihrem Netzwerk kooperierender Projekte und Galerien, die gemeinsam die Stadt zu einem lebendigen Magazin werden lassen. Dabei soll Street Art erneut als Element urbaner Kommunikation und Ästhetik thematisiert und diskutiert werden.
KünstlerInnen und Projekte:
Anti privé (Berlin), AKIM ONE NGUYEN (Berlin), ASH (Kopenhagen/Paris), Blu (Bologna), CEMNOZ (Berlin), CUBABRASIL - Berlin (Havanna/Pinar del Rio/São Paulo/Berlin/München), Dave the Chimp (London), Brad Downey (Ex-Patriot USA), Graffitimuseum (Berlin), HuskMitNavn (Kopenhagen), Jay “One” Ramier (Paris), Carlos Mare139 Rodriguez (New York), Mode 2 (Berlin), NOMAD (Berlin), Migratory Birds of the Solovei Republic (Berlin), Reclaim your City (Berlin), Oliver Rodriguez-Kroll (Berlin), SKKI (Paris), StudioAnti™ (Berlin), Study of Style (Berlin), Surrend (Berlin/Kopenhagen), Daniel Tagnoe (Berlin), Veysel Önder (Berlin), ZEVS (Paris)
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Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
| bis 19. August 2007
VIDEO | Wall Painted Animation | Artist: BLU (Bologna)
| entstanden während der BACKJUMPS Berlin 2007
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Veranstaltungen im Rahmen von BACKJUMPS u.a.
| Julia Reinecke: “Street-Art
| Eine Subkultur zwischen Kunst und Kommerz”
Dienstag, den 24. Juli, 19 Uhr | Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
In ihrem Vortrag geht Julia Reinecke (freie Journalistin, Kulturwissenschaftlerin) der Frage nach, warum Street-Art keine Bildende Kunst ist und inwiefern sie durch die Werbeindustrie missbraucht wird. Vortrag mit Buchvorstellung.
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Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen
von Jean Baudrillard
Taschenbuch: 127 Seiten
Sprache: Deutsch
Die Graffiti machen die Flächen und Wände der Stadt oder die U-Bahnen und Busse wieder zu einem Körper. Indem SUPERSEX und SUPERKOOL ihre leeren Zeichen ins Fleisch der Wände einritzen, sie tätowieren, machen sie Schluß mit der Raum/Zeit der urbanen Transportmittel. Die U-Bahnzüge sausen vorbei wie Projektile, wie eine bis zu den Augen tätowierte Hydra.
Viele der hier verwendeten Begriffe gehören heute zum Alltagsvokabular: Code, das Virtuelle, der Cyberspace. Bei Baudrillard heißt das noch “Hyperrealität”.
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Face 2 Face | JR
| Planet Prozess
Eröffnung: 20. Juli 2007 18 Uhr | Senatsreservespeicher
Streetart ist nicht statisch. Und der natürliche Lebensraum von Streetart ist auch nicht die Galerie, sondern der Stadtraum!
In diesem Zusammenhang interessanter Artikel
| Es lebe die Straße !
| Von Alain Bieber artnet 12.2006.
Das Ausstellungsprojekt „Planet Prozess“ will ein Wegweiser im Umgang mit Straßenkunst sein und helfen, einen Dialog zu schaffen und für die Komplexität der Ausdrucksformen zu sensibilisieren. Alle teilnehmenden Künstler legen besonderen Wert auf die Verbindung von Innen- und Außenraum und entwickeln ihre Arbeiten über drei Wochen hinweg. Einen Monat lang machen sie den ehemaligen Senatsreservenspeicher an der Spree zum Nervenzentrum künstlerischer Prozesse. Der „Planet Prozess“ lädt das Publikum ein, die offene Ausstellung täglich aktiv mitzugestalten, Künstler zu treffen, die einzelnen Phasen des Erschaffens und Kommunizierens selbst zu erleben. Jeder soll ein Gespür für die Vielschichtigkeit von Writing, Graffiti oder andere urbane Ausdrucksformen entwickeln können.
40 Künstler/12 Nationen | 4 Etagen/1.200 Quadratmeter | 1 Stadt/1 Prozess
Finale & Blockparty: 11. August 2007 | 14 Uhr
Finissage: 19. August 2007 | 14 Uhr
SENATSRESERVENSPEICHER
Cuvrystr. 3-4 | Berlin-Kreuzberg | U-Bhf Schlesisches Tor (U1)
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Lachen für den Frieden
| die Kunstaktion «Face 2 Face» des Pariser Fotografen JR
VIDEO | Face 2 Face (Breitband-Video | 6 Minuten )
Die Bemühungen von Kulturschaffenden, die verhärteten Fronten zwischen Palästinensern und Israelis aufzuweichen, sind vielfältig. Eine überraschende Variante steuert nun der Pariser Fotograf JR zu, der auch auf PlanetProzess in Berlin 2007 vertreten ist.
JR hat an der Mauer in Israel Palästinenser und Israelis fotografiert – Taxifahrer, Hausfrauen, Rentner, alle mit aberwitzigen Grimassen. Entstanden sind Plakate, die grenzüberschreitend amüsieren. «kulturplatz» stellt die wohl witzigste Friedensaktion der letzten Jahre vor.
Jul
16
Josephine Meckseper
Juli 16, 2007 | Comments Off

KUNSTSCHAU Hamburg -
Jens Ullheimer |
PT Kunstmuseum Stuttgart |
Das Kunstmuseum Stuttgart widmet Mecksepers Gesamtwerk jetzt die erste große Einzelpräsentation.
Über 150 Exponate geben einen Überblick über Mecksepers Schaffen von den frühesten Werken bis zu ganz neuen Arbeiten, die sie speziell für die Stuttgarter Ausstellung entwickelt hat.
Im Zentrum von Josephine Mecksepers künstlerischer Arbeit stehen konsumkritische Betrachtungen sowie die Ästhetisierung von Politik. Fasziniert von der gleichberechtigten Gegenüberstellung von Werbung und politischem Bericht in den Zeitschriften stellt sie in ihren Arbeiten ebenfalls die klassische Kategorien High und Low radikal in Frage. In ihren Schaufensterinstallationen oder in genähten Stoffarbeiten, in denen sie beispielsweise Palästinensertücher und andere Insignien der linken Szene mit Modeaccessiores kombiniert, befragt sie die Dinge nach ihrer Bedeutung: Konsumartikel oder politisches Symbol?
Josephine Meckseper lebt und arbeitet seit vielen Jahren in New York. Ihren internationalen Durchbruch erlebte die Deutsche mit der erfolgreichen Teilnahme an großen Ausstellungen und Biennalen zur zeitgenössischen Kunst wie zuletzt an der Whitney Biennale 2006 oder der Moscow Biennale 2007. Meckseper arbeitet mit sämtlichen Medien und in verschiedensten Techniken: Sie baut große Installationen, errichtet Schaufenster, fertigt Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Filme.
| bis 28. Oktober 2007
Josephine Meckseper | Saatchi London
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Der große Kunstrabatt
TAZ - Marcus Woeller
Verstrickt in die Zeichensysteme moderner Kunst: Für Josephine Meckseper wird das Kunstmuseum Stuttgart zum Schaufenster, das ihre raffinierte Kunst des politischen Sommerschlussverkaufs zeigt.
Josephine Meckseper operiert auf einem gefährlichen Feld. Zurzeit wird sie als linke Heldin der Konsumkritik gefeiert. Andere lassen sich von ihrer Salonkommunistinnenattitüde provozieren und trauen ihr nicht. Sie distanziere sich zu wenig von ihren schicken Oberflächen.
Auf Porträts trägt sie modische Kleidung und Markenschuhe. Doch Kapitalismuskritik darf in unserer Gesellschaft nur üben, wer selbst in Lumpen gekleidet ist. Dabei bringt Meckseper lediglich zum Ausdruck, dass man nicht aus der Konsumfalle herauskommt. Sie so wenig wie andere. Es ist schwierig genug, Waren zu konsumieren, wenn gleichzeitig so verschiedene Kriterien wie Kosten, Geschmack, Nutzen und inzwischen auch Faktoren wie Ökobilanz und Produktionsverhältnisse koordiniert werden müssen. Noch schwieriger der kontrollierte Konsum von freien Gütern, also Gedanken, Meinungen, Einstellungen.
Da mag Meckseper sich manchmal selbst auf den Leim gehen. Trotzdem gibt sie uns die Möglichkeit, die bekannten Strukturen aufs Neue zu überprüfen.
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Kritikerin der Konsumgesellschaft
FR online - dpa
Auf der Vorderseite der edlen Unterwäschepackung verführt ein durchtrainierter Männerkörper zum Kauf, auf der Rückseite ist das Bild einer asiatischen Näherin zu sehen. Sie muss bis zur Erschöpfung in den Fabriken westlicher Modeunternehmen arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Mehrere hundert Spiegel hat die Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper im Stuttgarter Kunstmuseum installiert, um den Besuchern Hintergründe und Schattenseiten der Konsumgesellschaft aufzuzeigen. Mecksepers Kunst ist Gesellschaftskritik pur. Im Vordergrund steht dabei die Steuerung unseres Alltags durch marktwirtschaftliche Mechanismen.
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Die Kunst der stilvollen Anarchie
SPIEGEL online - Nicole Büsing und Heiko Klaas
Die New Yorker Künstlerin Josephine Meckseper provoziert, indem sie politische Anklagen mit Hochglanz- und Luxus-Produkten kreuzt. Von der linken Konsumkritik will sich die Deutsche dennoch nicht vereinnahmen lassen. In Stuttgart sind ihre verstörenden Werke erstmals gesammelt zu sehen.
Die “New York Times” verglich ihre hypereleganten Installationen letztes Jahr mit einer “aufgegebenen High-End-Boutique, die von stilbewussten Anarchisten besetzt wurde”. Doch Meckseper wehrt sich dagegen, als “stylishe Linke” abgestempelt zu werden: “Die Spekulation um den Luxus-Begriff erscheint mir etwas dekadent und zynisch, denn Luxus ist letztendlich nichts anderes als das Gegenteil von Armut”, sagt Josephine Meckseper und fügt kämpferisch hinzu: “Richtig ist aber, dass jegliche Konsumverweigerung schon ein Akt der Befreiung und des Fortschritts ist.”
Ob diese Botschaft in den nächsten Monaten bei konsumverwöhnten Stuttgarter Flaneuren ankommen wird, bleibt abzuwarten.
siehe auch ….
Die göttliche Linke
| MONOPOL Kunstmagazin - Ralf Christofori
| Artikel übernommen von SPIEGEL online 7.2005
“Museums turn into shopping malls, shopping malls into museums”,
hatte Andy Warhol seinerzeit prophezeit, und tatsächlich ist es auch in Mecksepers Arbeiten nur ein kleiner Schritt von der Ware zur Kunst, vom Sweat-Shop zur Galerie. Ihre “Ware” verrät indes noch eine ganz andere Logik, wenn man nur lange genug vor einem der Schaufenster steht. Dann nämlich wird deutlich, daß die scheinbar gegenläufigen “Images” von Kultur und Gegenkultur, von System und Revolte, von gesellschaftlicher Konditionierung und Auflehnung insgeheim ein und dasselbe Ziel verfolgen: Sie wollen mit aller Macht Identität stiften, um so ein möglichst breites Kollektiv erreichen.
Jul
16
Phoebe Washburn | Regulated Fool’s Milk Meadow
Juli 16, 2007 | Comments Off
DEUTSCHE GUGGENHEIM Berlin |
Vom 14. Juli bis zum 14. Oktober 2007 präsentiert das Deutsche Guggenheim die Ausstellung Phoebe Washburn: Regulated Fool’s Milk Meadow. Mit dieser Auftragsarbeit verwandelt die junge New Yorkerin den Raum Unter den Linden in ein Environment zwischen Werkhalle und Gewächshaus.
Als Rohstoffe für ihre Arbeiten dienen Abfälle aus Konsum und Handel, zumeist größere Mengen von Pappkartons oder Holzstücken, die Washburn bei ihren Streifzügen zwischen Containern und Laderampen sammelt und wiederverwertet. Die Überreste tagtäglicher Handlungen, die ihr der Zufall in die Hände spielt, werden im Atelier gehortet, sortiert und aufbereitet. Wertloses erhält wieder Wert.
Washburn macht auf die Möglichkeiten aufmerksam, die in unbeachteten oder ausrangierten Dingen stecken. Das Recyceln von Sekundärstoffen kann als politisches Statement aufgefasst werden, als Kommentar auf die Überflussgesellschaft oder als Sinnbild (oder Symptom) heutiger Konsumgewohnheiten. Aber der Künstlerin geht es im Grunde vor allem darum, verbrauchte und vernachlässigte Materialien zu einem vitalen Ganzen zu kombinieren. Sie stapelt, bindet und zimmert abgenutzte, abgetragene, ausgediente Objekte, die Spuren ihres Vorlebens tragen, zu Environments, deren Entstehungsgeschichte sich offen vor dem Betrachter ausbreitet. Sogar Nebenprodukte wie Sägespäne oder Verpackungsstoffe bleiben Teil der endgültigen Komposition.
Regulated Fool’s Milk Meadow, Washburns Auftragswerk für das Deutsche Guggenheim, ist eine in sich geschlossene »Fabrik«, die während der Dauer der Ausstellung ihr eigenes Grasdach erzeugt. Ein Förderband transportiert Rasenstücke zu Beleuchtungs- und Bewässerungsstationen. Für deren Pflege ist ein »Gärtner« zuständig, der das Gras ansät, in einem Treibhaus keimen lässt und dann in der Fabrik aufzieht, um es schließlich auf dem Dach, wo ihm Licht und Wasser fehlen, dahinwelken zu lassen. Die Installation verdeutlicht damit den Kreislauf von Regeneration und Degeneration.
| bis 14. Oktober 2007
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“Regulierte Narren-Milchwiese“ heißt die Fabrik übersetzt. Das produzierte Gras verendet sinnlos auf dem Dach. Die Sackgasse der Industrie. Die Fabrik konsumiert ihr Produkt. Absolut Sehenswert.
ARTE | Kultur | Ausstellungen
| VIDEO-Reportage ansehen (real video)
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Die Grashüpferin
TAGESSPIEGEL - Nicola Kuhn
Wasser für die Wiese: Phoebe Washburns Installation in der Deutschen Guggenheim Berlin.
Nicht an eine Größe des Betriebs ging diesmal die jährliche Auftragsarbeit der Deutschen Guggenheim, sondern an eine junge Nachwuchskünstlerin aus New York, von der man hierzulande wenig kennt. Nach Jeff Koons, Gerhard Richter, James Rosenquist und John Baldessari ist diese Wahl ein wirklich neuer Schritt.
Prompt bekommt der Besucher Unter den Linden keine klassischen Gemälde zu sehen, sondern die edle Galerie verwandelt sich in eine Fabrik. Dort rumpelt es im Kreisverkehr, wie man es von eher romantischen Fließband-Szenarien her kennt. Doch das Produkt ist nicht etwa Kunst, sondern Gras. Phoebe Washburn meint es ernst: Ihre Fabrik ist eine hochkomplexe Skulptur, in der sich Mechanisches und Organisches vereint. Wer ihre „Regulated Fool’s Milk Meadow“ von dieser Seite sieht, entdeckt ein verrücktes, kluges und sogar schönes Werk, das sich einer eilfertigen Deutung entzieht.
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Das Gras wachsen sehen
TAZ - Brigitte Werneburg
Phoebe Washburn kultiviert Rasen - unsere alltägliche Vision einer besseren Welt. Die Installation “Regulated Fools Milk Meadow” in der Deutschen Guggenheim Berlin.
Gerade weil Phoebe Washburn im Interview mit der Kuratorin Joan Young meint, es sei “wahrhaftig keine Kunst”, Gras zu kultivieren, und ihre Maschinerie “verrückt und lächerlich” nennt. “Regulated Fools Milk Meadow” existiert, weil Phoebe Washburn “der irre Aufwand an Technik und Energie” fasziniert, “alles nur für ein Büschel Gras”. Aber selbst bei Gras geht es selten nur um ein Büschel, eine Nichtigkeit.
Sehr konkret skizziert Phoebe Washburn die gesellschaftspolitischen Überlegungen, die sie bei ihrem Projekt beschäftigten:
“Der Rasen hat wie so viele andere Dinge in unserer Kultur eine völlig neue Bedeutung erhalten. Die Breite des Rasenbands vor dem Haus ist als Statussymbol fast so wichtig wie die Marke des Autos in der Garage.”
Der Aufwand, der vor allem in den Vereinigten Staaten um die Vorzeige-Vorgärten getrieben wird, steht ihrem Aufwand wohl in nichts nach.
Jul
15
Jörg Immendorf | Werke aus Bremer Sammlungen und Skulpturen im öffentlichen Raum Bremens
Juli 15, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Neues Museum Weserburg |
Die Ausstellung in der Weserburg ist seit langem projektiert und nun ungewollt die erste Präsentation des Werkes nach dem Tod des Künstlers. Mit zwei Bremer Privatsammlungen, die dem Sammlermuseum Weserburg eng verbunden sind, aber ungenannt bleiben möchten, wurde vereinbart, mit Werken aus ihrem Besitz eine umfassende Ausstellung Jörg Immendorffs in Bremen zu realisieren.
Hintergrund dieser Idee war der Traum, eine große Skulptur Immendorffs im öffentlichen Raum Bremens aufzustellen und diesen herausragenden Anlass mit einer umfassenden Ausstellung parallel zu führen. Dieser Traum wird nun Wirklichkeit. Als langfristige Dauerleihgabe wird ein großes Affentor von Jörg Immendorff vor der Sparkasse Bremen, Am Brill, also in unmittelbarer Nähe der Weserburg, ihren neuen Ort der Zukunft finden. Darüber hinaus wird eine weitere Skulptur des Künstlers auf dem Bahnhofsvorplatz für die Dauer der Ausstellung aufgestellt. Bremen zeigt damit einmal mehr, dass die Kunst im öffentlichen Raum in dieser Stadt einen bedeutenden Raum einnimmt.
| bis 16. September 2007
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Immendorff, Deutschland und die Affen
DEUTSCHLANDRADIO Kultur
Das Neue Museum Weserburg in Bremen zeigt die erste umfassende Jörg-Immendorff-Schau nach dem Tod des Künstlers im Mai. Zu sehen sind rund 70 Werke. Der Direktor der Weserburg, Carstens Ahrens, betonte, man sei in der glücklichen Lage, Stücke aus den meisten Werkphasen des Künstlers zeigen zu können. Und da sind ganz zentral “Cafe Deutschland” und “Cafe de florida”.
| AUDIO | Telefongespräch
von Claus Vogelgesang mit Carstens Ahrens, den Direktor der Weserburg
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KATALOG
| Jörg Immendorff. Male Lago.
Katalog zur Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin 2005/2006
Beiträge von Anette Hüsch, Jörg Immendorff, Pamela Kort, Peter-Klaus Schuster & Robert Storr. Interview von Hans Ulrich Obrist. 880 Seiten durchgehend mit teils farbigen, ganz- bzw. doppelseitigen Abbildungen sowie 17 (12 farbigen) Textabbildungen, Ausstellungsverzeichnis, Bibliographie, Chronologie, broschiert. - Text in deutscher & englischer Sprache.
Ich habe immer versucht, zwei Dinge zusammen zu bekommen: Einmal meine Kunst zu zeigen, und dann aber auch den Lastwagen, auf dem meine Kunst fährt.” J.I. / Wie Jörg Immendorff die rote Stadt in der Halle der Berliner Nationalgalerie aufbaut - sechs Häuser mit Wegen und Plätzen, in denen er Bilder aus 40 Jahren zeigt - so inszeniert er das fast 900 Seiten umfassende großformatige Buch. / Sechs Kapitel - LIDL, Politbilder, CafC) Deutschland, das Labor und Arbeiten aus den letzten zwei Jahren -, in denen er die Exponate perfekt ganzseitig farbig reproduziert, stehen als Inseln in einem Meer von 650 Seiten: Dokumente, Flugblätter, Photos, Statements, Zeichnungen und Aquarelle - viele davon unpubliziert und mit Symbolen, Silhouetten und Stempeln farbig wie Wasserzeichen überdruckt.
So gelingt es Immendorff, sein Leben als künstlerischen Parcours in diesem ungewöhnlichen Buch zu zeigen. Es sind die Dialoge mit sich selbst und einigen seiner Vorgänger und Zeitgenossen mit seinen Mitteln, an denen er uns teilhaben läßt. Es ist eine Geschichte oft gescheiterter Träume, voller Vitalität und Hoffnung.
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Jörg Immendorf | Das Sehen nach den Nachruf-Phrasen
TAZ - Benno Schirrmeister
Affig: Das Bremer Museum Weserburg zeigt die erste Ausstellung nach dem Tod des Malers Jörg Immendorffs, die als Werkschau durchgehen kann.
Wirklich gut an Immendorff ist: Bei ihm liegen die Werkzeuge, um die Tünche abzukratzen, oft in den Gemälden und sonst wenigstens direkt daneben: “Das Bild muss die Funktion der Kartoffel übernehmen”, zitiert sich Immendorff zum Beispiel in einer Dokumentation eines Lidl-Happenings. Und das ist ein guter Leitsatz, um wieder zum Sehen zu kommen. Denn grob wie Knolle ist der Strich, und vulgär wie Kartoffeln sind die Farben, wenn auch nicht spießig, sondern eher wild. Und ist nicht das Repertoire an Formen, Chiffren erschütternd plump, und sind nicht die Motive fürchterlich alltäglich?
Da ist zum Beispiel: der Affe. Wann genau ist Immendorff auf den Affen gekommen? Keine Ahnung. Spielt auch keine Rolle, denn ein abgedroscheneres Bild als den Affen als Eben- und Ersatzbild des Menschen, als Spiegelung des Ich wird man sich auch damals kaum haben vorstellen können. In der Bremer Ausstellung jedenfalls stammt der älteste aus dem Jahr 1990, Öl auf Leinwand, die Rückansicht eines bronzefarbenen Mannes auf Ultramarin-Grund, und statt eines Kopfes ein comichafter Schimpansenschädel. Einen blauen Köcher mit grünlichem Gurt umgeschnallt. Und drinnen statt Pfeilen: Borstenpinsel.
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| siehe auch Jörg Immendorff “hört auf zu malen”
| Nachruf-Special anlässlich seines Todes 5.2007
| mit einem VIDEO des Goethe-Institutes
Jul
13
Kampf auf dem Parkdeck
Juli 13, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Pony Pedro |
Das Business am Rande des Existenzminimums. Ein Projekt von Pony Pedro.
Das Parkhaus hinter dem Zentrum Kreuzberg in Berlin, in den 1960ern geplant als Teil einer sozialen Utopie von Stadt, befindet sich im Ausnahmezustand: Die unteren Etagen sind Treffpunkt für Drogendealer und Konsumenten. Ab dem zweiten Stockwerk Leerstand. Kostenpflichtiges Parken gehört hier der Vergangenheit an. Man würde abreißen, wenn das nicht so teuer wäre.
Was kommt nach dem Parken?
Das Nutzungskonzept von Pony Pedro passt sich der aussichtslosen Lage an und steigt beim neuen Aufschwung am Arbeitsmarkt ein: Für „Kampf auf dem Parkdeck“ bewirtschaften Arbeitslose und Anwohner aus Kreuzberg 40 Parkplatzparzellen am Kottbusser Tor – temporäre Geschäftsgründungen am Rande des Existenzminimums. Im PARKBAZAR auf Deck M vergibt Pony Pedro Stellplätze als Gewerbeflächen mit einem kleinen Startkapital an arbeitslose Existenzgründer: Friseurstuhl auf dem Parkdeck? Zähne bleichen? Druckerpatrone aufbohren? Wettbüro? Sweat-Shop? Gleichzeitig entstehen auf Parkebene O – dem Roof-Top – Nutzgärten vor urbaner Betonkulisse: Selbstversorger aus der Nachbarschaft bepflanzen zwölf Parkplätze – Mais, Paprika und Kartoffeln für die Kreuzberger Eigenernte.
Vom Tellerwäscher zum Millionär, raus aus der Arbeitslosenstatistik: Ist der Handel noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein. Ihren Traum von der Selbständigkeit stellen die Gründer des „Business am Rande des Existenzminimums“ vom 14. bis 22. Juli 2007 dem Publikum vor: Dann wird im Parkbazar, in der Installation von Pony Pedro, gehandelt und eingekauft.
| 14. bis 22. Juli 2007
Parkhaus Zentrum Kreuzberg
Hofeinfahrt Skalitzer Str. 133
10999 Berlin
U-Bahnhof Kottbusser Tor (U8)
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Happening | Die Existenzgründler
TAGESSPIEGEL - Jens Mühling
… in den siebziger Jahren noch als „hängende Gärten von Kreuzberg“ angepriesen … gelte das Areal (heute) rund ums Kottbusser Tor als verkommene No-Go-Area ohne städteplanerische Perspektiven. „Uns ging es darum, Ideen aufzuzeigen, die in diesem Kontext funktionieren können.“
Das gilt auch für die „hängenden Gärten von Kreuzberg“, die im Rahmen des Projekts in unendlich bescheidenerer Version verwirklicht wurden: Auf dem Dach des Parkhauses haben die Pony-Pedro-Macher ein Dutzend Gemüsegärten angelegt, die von Bewohnern des angrenzenden Plattenbaus bewirtschaftet werden – auch dies eine Form prekärer Selbstversorgung, die an die ökonomischen Grenzfallmodelle des Basars anknüpft. Per Handzettel suchten die Künstler im Haus nach Teilnehmern – und erhielten deutlich mehr Anfragen, als Parzellen zu vergeben waren. Vor allem beim türkischstämmigen Teil der Anwohner stieß das Pony-Pedro-Modell der Subsistenzwirtschaft auf Gegenliebe.
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PONY PEDRO
| Mark Thomann, Sebastian Wagner, Franziska Werner
Pony Pedro arbeitet an Kunst- und Kulturprojekten im urbanen Raum und verbindet Genres wie Grafik, erformance, Musik,Design und Installation. Die Künstler zeigen ihr Aktionskonzept der öffentlichen Intervention auf Festivals und in Kooperation mit Spielorten wie der Akademie der Künste Berlin, dem HAU Berlin, dem Stadttheater Freiburg oder dem Jungen Theater Bremen. Ihre Projekte realisieren sie in den eigenen Atelierräumen mit Siebdruckwerkstatt, wo sowohl Plakate, Flyer und Printmaterialien als Ausstattung und Bühnenbilder für die Aktionen als auch Textildesigns und großformatige Kunstdrucke entstehen.






