Aug
31
Blalla W. Hallmann | Himmel und Hölle
August 31, 2007 | Comments Off
Die Sprache verschlagen - Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann
Manfred Schneckenburger
Blalla W. Hallmann ist ein Radikaler. Einer, der über Grenzen hinaus spuckt – und jedes Mal trifft. Ein Zauberer, der unsere Welt in Himmel und Hölle verwandelt – und sie dadurch erst recht als unsere Welt entlarvt. Ein Originalgenie im schönsten, zwiespältigsten Sinn.
Er kennt den Abgrund vom eigenen Absturz her, aber der Schock von innen entlädt sich in die Fülle der äußeren Wirklichkeit. Blalla bürdet dem naiven Gestus ganze Philosophien über den Zyklus von Geburt, Folter- und Leichenkammern, Todesmühlen auf. Einige Bilder aus den 1980er Jahren sind Weltenlandschaften aus KZ-Horror, Inquisition, Bigotterie und rosa überwölktem Voralpenland: ein Theater der Grausamkeit, infernalische Tableaux – und doch fast komödiantisch, ja parodistisch inszeniert. Blalla erkennt darin keinen Widerspruch, sondern die Doppelbödigkeit und Tücke einer idyllisch verlogenen Welt. Am Gegenpol leuchten Bilder mit Flügen in ein gläsernes Licht, Trapezkünstler und Seelenschmetterlinge in einem circensischen Ballett. Auch das findet Platz in Blallas poetischer Ironie.
Doch ein Grundthema bleibt die pissende, scheißende, fickende, obszön unterlaufende Destruktion von Ritualen der Autorität. Seine idée fixe (oder Wunde?) ist die Bindung dieser Rituale an eine christliche Engels-Heiligen-Pfaffen- und Teufelswelt. Deshalb verkuppelte er das unschuldige Kind in sich mit der Hure von Babylon und schändet die Symbole in einem monströsen Zeugungsakt. …

So kreuzt Blalla ebenso wutentbrannt wie mühelos, blasphemisch wie poetisch zwischen Obsession und Komposition, kreativer Abreaktion und hochkarätiger Malerei. Er verfügt über einen zeichnerischen Stil, der mit böser Liebe detailliert, und einen malerischen Stil, der aus bösen Dämpfen Atmosphäre webt. Natürlich ist Blalla ein gefundenes Fressen für Tiefen- und andere Psychologen, doch seine Malerei läuft ihnen locker in Richtung Kunst davon.
[ Manfred Schneckenburger: Eine engelhafte Kunst, Teufel zu malen, Kat. Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, 1996 ]
Blalla W. Hallmann
| Kunsthalle Recklinghausen
| bis 23. September 2007
Aug
31
wolfsburg work fiction
August 31, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunstverein Wolfsburg |
Visionen der Arbeit in Kunst, Film und Populärkultur
Welche Wünsche oder Ängste sind in popkulturellen Formulierungen verborgen, welches Begehren drückt sich in ihnen aus? Beide Aspekte sind für das Projekt Work Fiction bedeutungsvoll, wobei die popkulturellen Werke nicht auf historische Dokumente und soziologische Indizien reduziert werden dürfen, sondern auch als ästhetische Produkte von eigenem kulturellem und künstlerischem Wert anerkannt werden sollten. Diese Beschäftigung könnte durchaus dazu führen, so genannte Trivialkultur neu zu bewerten. Damit könnte sie zur notwendigen Enthierarchisierung von High und Low Art beitragen.
Für das Ausstellungsprojekt Work Fiction ist kennzeichnend, dass es immer wieder Zusammenhänge zwischen seriösen Vorhersagen bzw. Hypothesen der Kunst, der Geistes- und Naturwissenschaften und der Popkultur herstellt. Eine Besonderheit von Science Fiction ist, dass bedeutende AutorInnen wie Isaac Asimow, Stanislaw Lem oder Herbert W. Franke als Naturwissenschaftler arbeit(et)en, was zur Formulierung der These führte, Science Fiction könne Poesie und Wissenschaft versöhnen. Zudem finden wir unter ihren AutorInnen solche, die philosophische, gesellschaftswissenschaftliche und medientheoretische Texte veröffentlichen und gleichzeitig SF-Geschichten schreiben. Im Oeuvre dieser Literaten finden wir deswegen direkte Überschneidungen von E- und U-Kultur. Zum Beispiel verfasste Bruce Sterling neben Romanen auch zahlreiche theoretische Schriften.
Das Bildmaterial des Science Fiction-Bereichs der Ausstellung Work Fiction stammt häufig aus Spielfilmen, aber nicht nur. Ganz unterschiedliche Quellen wie Plattencover, TV-Zeichtrickfilmserien, Musikvideoclips, Plakate, Computergames oder Werbegrafik werden herangezogen. Mit all diesen Bilder von der Zukunft der Arbeit soll unterstrichen werden, dass eines der zentralen Qualitäten der Kunst aber auch der Populärkultur ihr utopisches Potenzial ist. Nach Ernst Bloch basiert das menschliche Bewusstsein nicht allein auf den realen Gegebenheiten. Es hat einen Überschuss, der seinen Ausdruck in Utopien, Kunst, Musik und Tagträumen findet. Positive utopische Gedanken in die Tat umsetzten, wäre nach Bloch der nächste, entscheidende Schritt.
KünstlerInnen:
bankleer, Eduardo Kac, My Robot Friend, Tatjana Preuss, Thomas Ravens, Oliver Ressler, Hans Scheirl, Surveillance Camera Players, Annette Wehrmann, The Yes Men
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work fiction
[ Visionen der Arbeit in Kunst, Film und Populärkultur ]
| Kunstverein Wolfsburg
| bis 4. November 2007
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Zombies im Manageranzug
TAZ - Hannes Leuschner
Justin Hoffmann, Kurator der Ausstellung “work fiction” im Wolfsburger Kunstverein, hat zehn Künstler und Künstlergruppen geladen, die ihre Visionen von der Zukunft der Arbeit vorstellen. Den Arbeiten stellt er populäres Science-Fiction-Material gegenüber: Filmbilder etwa, Musikclips oder CD-Cover. Der Brückenschlag zwischen so genannter hoher und populärer Kunst ist Hoffmann, der selbst in einer Popband spielt, ein Anliegen: vieles, was als hochkulturell gelte, die Oper etwa, sei recht unbeweglich geworden, drohe zu erstarren. Die oft geschmähte Popkultur könne da frischen Wind; neue Ideen hineintragen. Viele bildende Künstler, sagt Hoffmann, öffnen ihr Arbeiten für solche Einflüsse.

Manchmal ist diese Zukunft erstaunlich nah. So schlichen sich Mitglieder der Künstlergruppe The Yes Men in eine Konferenz von Bekleidungsherstellern ein, um dort einen erfundenen Freizeitanzug für Manager vorzustellen: der ist nicht nur bequem, sondern er gibt auch automatisch Meldung an das Büro, wenn sein Träger zu lange im Park sitzt und folglich zu wenig arbeitet. Der Künstlerwitz wurde als ernsthafter Vorschlag verstanden und diskutiert; verrückt schien ein solches Kleidungsstück keinem der Hersteller.
work fiction
[ Visionen der Arbeit in Kunst, Film und Populärkultur ]
| Kunstverein Wolfsburg
| bis 4. November 2007
Aug
31
New York - States of Mind
August 31, 2007 | Comments Off
PT HdKdW Berlin |
Die Ausstellung „New York - States of Mind“ stellt die engen wechselseitigen Beziehungen zwischen den Bewohnern, der Stadt und den Kulturen heraus, die den lebendigen Charakter New Yorks ausmachen.
Die Metropole New York hebt sich vom Rest der Vereinigten Staaten ab, bildet geradezu einen dialektischen Gegensatz dazu. Vieles, was „amerikanisch“ ist, passt nicht in die Gesellschaft und Lebenswirklichkeit von New York. Diese Stadt ist vielen Amerikanern ein Gräuel, die in anderen Bundesstaaten der USA eifrig protestantische Werte verfechten.
Die Auswahl der Kunstwerke und Künstler für diese Ausstellung versteht sich als Beitrag zu einer Bestimmung zeitgenössischer Kultur. Sie will auf spezifische Weise ein besseres kulturelles Verständnis von Künstlern, die in New York leben, ermöglichen. Sie bietet Antworten auf die Frage, wie das Leben in New York vor allem seit den Sechziger-Jahren Einfluss auf die künstlerische Produktion genommen hat. Die Auswahl vereint bewusst die Werke von Künstlern mehrerer Generationen aus verschiedenen sozialen, politischen und ethnischen Schichten, deren Zusammenhalt einzig durch den eng umgrenzten Raum der Stadt New York gewährleistet wird.
Iona Rozeal Brown, Ian Burns, Laura Carton, Carolina Caycedo, CUP, Marcel Duchamp, Rainer Ganahl, Hans Haacke, David Hammons, Jonathan Horowitz, Tehching Hsieh, Kim Jones, Jon Kessler, Mark Lombardi, Mary Ellen Mark, Sarah Morris, Gordon Matta-Clark, Josephine Meckseper, Ana Mendieta, William Pope.L, Printed Matter, Inc., Elaine Reichek, Carolee Schneemann, Ward Shelley, Tavares Strachan, Kehinde Wiley, Fred Wilson, Jordan Wolfson
Kurator: Shaheen Merali
New York - States of Mind
| Das Haus der Kulturen der Welt, Berlin
| bis 04. November 2007
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Big Apple in der Auster
SPIEGEL online - Jenny Hoch
Wer in New York City einen Donut kauft oder eine Dose Bier, bekommt gewöhnlich beides in eine braune Papiertüte gepackt. Überall in der Stadt sieht man deshalb um die Mittagszeit Geschäftsleute, aber auch Touristen oder Obdachlose an ihren Tüten nesteln. Die “brown paperbag” ist auf diese Weise zum Alltagsgegenstand par excellence geworden - aber auch zum Symbol für Amerikas Doppelmoral. Denn Alkohol darf man in den USA zwar nicht öffentlich trinken, aber die Obrigkeit drückt ein Auge zu, wenn die Pulle in einer Tüte versteckt ist.
So eine Paperbag steht nun auch im frisch sanierten Berliner Haus der Kulturen der Welt, … Sie steht dort als Kunstwerk des französischen Ready-Made-Erfinders Marcel Duchamp, und bildet den kunstgeschichtlichen Anfang der Ausstellung “New York. States of Mind”.
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Transfer nach Manhattan
TAGESSPIEGEL online - Christiane Meixner
… eine übersichtliche, aufgeräumte und edel inszenierte Tour, die das Kunstgeschehen einer Metropole in fünf Kapiteln erschließt, vor allem aber seine Wurzeln freilegt.
Dazu gehören die Fotografien von Josephine Meckseper, die marmorweißen Skulpturen schwarzer Helden von Kehinde Wiley und ein obskurer Raum von Jon Kessler. In „The Palace at 4 A.M.“ wimmelt es von Bildschirmen und Überwachungskameras, die den Besucher erfassen. Die Live-Aufzeichnungen speist Kessler wiederum in seine Installation ein, um das Chaos aus montierten, zerschnittenen und übermalten Fotos noch zu vergrößern. Am Ende findet man sich in einem Panoptikum verzerrter Wirklichkeit, das jeden mitreißt, der auch nur einen Fuß in diese mediale Vorhölle setzt.
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VIDEO ansehen
| Jon Kessler | The Palace at 4 A.M.
| MoMA New York 2006
Das Überleben der Bilder:
KINETISCHES BILD
UND MODERNES SEHEN
| The Palace at 4 A.M. u.a.
Parkett 79 | 2007 - Pamela Lee
(Übersetzung: Bram Opstelten)
PARKETT - Artikel lesen ( pdf - Format )______________________________________________________________
New York - States of Mind
| Das Haus der Kulturen der Welt, Berlin
| bis 04. November 2007
Aug
29
Gerhard Richter | das Kölner Domfenster
August 29, 2007 | Comments Off
PT Museum Ludwig, Köln
Gerhard Richter - Zufall. “4900 Farben” und Entwürfe zum Kölner Domfenster
Parallel zur Weihe des neuen Fensters, das Gerhard Richter für den Kölner Dom entworfen hat, zeigt das Museum Ludwig Entwürfe für das Fenster sowie ein neues, großformatiges Farbtafelbild.
Die unterschiedlichen Entwurfsvarianten geben einen Einblick in das komplexe Zusammenspiel von Zufall und Kalkül, das dem auf 72 Farbtönen aufbauenden Glasmosaik im Dom zugrunde liegt, das sich zwischen dem Maßwerk auf etwa 113 Quadratmetern entfaltet. Richters Bild “4096 Farben” von 1974 bildet einen ebenso spannungsvollen wie aufschlussreichen Bezugspunkt, auf den die ersten Entwürfe zurückgehen; derzeit ist es im Kontext der permanenten Sammlung mit Werken Gerhard Richters im 2. Obergeschoss des Museum Ludwig zu sehen.
Mit „4900 Farben“ einer gerade fertiggestellten, etwa 6,5 m im Quadrat messenden Lacktafelarbeit wird der Bogen in die aktuellste Auseinandersetzung Richters mit dem Thema gespannt. Trotz vergleichbarer, vorrangig auf Zufallslosung basierender Farbwürfelung besitzt das Werk in seiner Materialität und Auswahl der 25 Farbtöne eine wiederum völlig andere Anmutung, die dem Domfenster einen weiteren Aspekt hinzugesellt.
Museum Ludwig, Köln
| bis 13. Januar 2008
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Ein Ozean aus Glas im Kölner Dom
FAZ - Werner Spies
Der Künstler komponierte das Fenster nicht, er fütterte einen Zufallsgenerator mit Daten. Dieser besorgte die Plazierung der Farbtöne auf dem riesigen Feld.
Einschränkend muss man sagen, nur die eine Hälfte des großen Glases im Dom wurde vom Rechner ausgelost. Die andere wurde einfach dupliziert, sie ist das Spiegelbild der ersten. An dem Ergebnis, das die Maschine vorschlug, nahm der Künstler so gut wie keine Veränderungen vor. Nur innerhalb der Stellen, in denen die Verästelungen des Maßwerks das Farbkontinuum unterbricht, gab es winzige Eingriffe. Hier schwächte er das Übergewicht von Gelb ab, das Löcher in die farbig gescheckte Wand schlug: „Ja, gut, ich glaube, es musste Korrekturen geben, weil in der Rose selbst, im Mittelpunkt der Rose, ungünstige Konstellationen von Farben auftauchen.“
Die Größe der einzelnen farbigen Flächen bleibt an ein durchgehendes Raster gebunden. Die Teile werden nicht mit Bleiruten zusammengehalten. Sie sind zu einem Formkontinuum verklebt. Da die Begrenzung ausfällt, kommt es zu endlosen Interaktionen der Farben. Das Auge bildet fortwährend neue Farballianzen. Jeder Ton kann und muss neben jeden anderen treten. Zunächst wollte man sagen, das Fenster reagiert gegen Vorlieben und gegen Ausschluss. Dies führt zur Ablehnung von Geschmack und Rechthaberei. Überzeugungen, Glauben schlagen in Selbstzweifel und Spiel mit Vermutungen um. Darin liegen die moralische Botschaft und die metaphysische List der Arbeit.
Die perzeptuelle Verwirrung, die das Domfenster zustande bringt, kann an den historischen Beitrag von Op-Art erinnern. Doch in der bewusst nichthierarchischen, antikompositionellen Verwendung der Farbareale liegt der Unterschied … Allein mit „weit geschlossenen“ Augen lässt sich die Botschaft der provokativen Wand erfassen. Wir spüren, daß uns das, was wir zu sehen bekommen, mit unserem labilsten Sinnesorgan konfrontiert: Wir sehen dem Sehen zu.
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Gottes Würfel
TAGESSPIEGEL online - Nicola Kuhn
Der Eindruck ist spektakulär. Ein riesiges abstraktes Bild, gehalten von den knapp 20 Meter langen Streben des gotischen Maßwerks, scheint zu schweben.
Eine bunte Pixelwand stellt nun die Verbindung zwischen Außenwelt und Kirchenraum her. Der mittelalterliche Gedanke von der Transzendenz des Lichts, der göttlichen Überhöhung durch die zunehmende Helligkeit, erweist sich als vereinbar mit Ideen des 21. Jahrhunderts, dem Computerzeitalter.
Es ist ein Überraschungsmoment, denn das von Gerhard Richter gestaltete Domfenster befindet sich räumlich und inhaltlich im Schwebezustand – zwischen religiöser Aufladung durch den Kontext und gleichzeitiger Beharrung auf der Autonomie eines modernen Kunstwerks, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
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Lieblingsort der Deutschen
ARTNET - Hubertus Butin
„Angriff gegen die Falschheit und die Gläubigkeit, wie Abstraktion zelebriert wurde, mit verlogener Ehrfurcht – Andachtskunst, diese Quadrate, Kirchenkunstgewerbe.“
Mit harten Worten beschrieb Gerhard Richter 1986 rückblickend die Beweggründe für seine 1966 einsetzende Produktion von abstrakten Farbtafelbildern. Der Geschichte geometrisch-konstruktiver Kunst mit ihren zum Teil universellen und spiritualistischen Geltungsansprüchen stand er damals äußerst skeptisch gegenüber.
Doch Ende der 1990er Jahre änderte er seine Haltung:
„Heute stehe ich dem ,Heiligen’, der spirituellen Erfahrung weniger ablehnend gegenüber. Sie ist Teil von uns und wir brauchen sie.“
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Zufall und Erleuchtung
NZZ - Petra Kipphoff
Richter, den hoch renommierten, ebenso hoch gehandelten und eigentlich nur im eigenen Auftrag arbeitenden Einzelgänger, für diese Arbeit gewonnen zu haben, ist das Verdienst der energischen Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner.
Sie wusste nicht nur den Künstler hier und das Domkapitel da anhaltend zu überreden, sie ertrug auch mit kühler Fassung das Missfallen von Kardinal Meissner, der dem Festgottesdienst zur Weihung, dem Herrn sei Dank, demonstrativ fernblieb.
Die Domfenster … sind … durch den Wechsel des Lichteinfalls im Zustand der ständigen Veränderung.
Gerade in diesem wechselnden Licht und gerade an diesem Ort wird das Fenster dann allerdings doch zu einem paradigmatischen Kunstwerk des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Anders als in den früheren Bilderzählungen, Figurendarstellungen oder Dekorationsmustern, die in den jeweiligen Rahmen hineingepasst wurden, ist Richters illuminierte Abstraktion nicht durch Lanzette und Rosette bestimmt. So, wie er sich der Erzählung verweigert hat, überspringt er mit seinem Entwurf auch den vorgegebenen Rahmen, hat, wo nötig, die Glasquadrate in Randlagen einfach beschnitten. Die Vorgaben des Kirchenfensters ignoriert Richter wie beiläufig. Und sprengt den Rahmen dann noch einmal, indem er ihn überstrahlt.
«Es werde Licht» (I. Buch Moses, 1, 3).
Aug
26
Der Künstler betritt die Bühne
August 26, 2007 | Comments Off
NZZ - Karin Schulze |
Experimente an der Schnittstelle von Kunst und Theater.
Manchem Kritiker gelten John Bock, Jonathan Meese und Christoph Schlingensief als «Künstler-Performer-Ekel-Schockschwerenot-Pseudoprovokateure», denen ihre Mittel allenfalls Selbstzweck sind. Doch die neuen multimedialen theatralischen Kunstformen ergeben mehr Sinn, als ihre Oberfläche aus Chaos, Nonsens und Dilettantismus ahnen lässt.
Die wesentlichen Protagonisten dieses Genres sind Meese, John Bock und Christoph Schlingensief. Alle drei Künstler greifen für ihre lässig zusammengehauenen intermedialen Welten auf zahllose Versatzstücke der Kunstgeschichte zurück. Mit dem Mörtel ihrer krausen Imagination verfugen sie, was eben noch nicht zusammenging: Splitter von Richard Wagners Gesamtkunstwerksidee mit Artauds Konzept eines spontanen, «nicht-repräsentativen» Theaters; die wuchernde Höhlenwelt von Schwitters Merzbau mit den Entsublimierungs-Grotesken eines Paul McCarthy; und Beuys’ predigenden Gestus mit der provokativen Deftigkeit des Wiener Aktionismus und dem zersetzenden Humor eines Martin Kippenberger.
Ohne schockierende, provozierende Dreistigkeiten, ohne chaotische Materialballungen und Momente der Langeweile und der Unsinnsproduktion geht es dabei nicht ab. Für viele Kritiker stehen solche – an der Oberfläche destruktiven – Produktionen unter dem Verdacht, «Verschaukelung des Publikums und grenzenlosen Zynismus» («FAZ») zu betreiben.
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John Bock | Filme
| Schirn Kunsthalle Frankfurt
| bis 23. September 2007
Christoph Schlingensief | 18 Bilder pro Sekunde
| Haus der Kunst München
| bis 16. September 2007
Aug
26
Und das ist Kunst ?! Eine Qualitätsprüfung
August 26, 2007 | Comments Off
»Skepsis gehört zur Grundausstattung.«
Die Kunst der Gegenwart feiert erstaunliche Triumphe: Die Museen sind besser besucht als die Kinos, vielerorts werden neue Galerien, Kunsthallen, Biennalen gegründet, auf den Auktionen jagt ein Millionenrekord den nächsten. Doch auch die Ratlosigkeit wächst: Sind die enormen Preise nicht überzogen? Was ist heute noch Qualität? Wie lässt sich gute von schlechter Kunst unterscheiden? Was unterscheidet die Kunst überhaupt noch von Design, Mode, Werbung?
Hanno Rauterberg bietet Orientierung: Er zeigt, nach welchen Kriterien sich Gegenwartskunst beurteilen lässt. Er durchleuchtet das Machtgeflecht des Kunstmarkts. Er benennt die zehn populärsten Irrtümer der Gegenwartskunst. Und er weist Wege aus der Qualitätskrise der Kunst. Ein fulminantes Plädoyer für eine neue ästhetische Wertedebatte.
BUCH
| Hanno Rauterberg | Und das ist Kunst?!Eine Qualitätsprüfung
256 Seiten, Broschur mit Abb.
Hanno Rauterberg, geboren 1967, ist seit 1998 Kunst- und Architekturkritiker im Feuilleton der ZEIT. Seine Doktorarbeit schrieb er über den legendärsten Geschmacksstreit der Kunstgeschichte, die Konkurrenzreliefs in Florenz von 1402. Nach der Promotion absolvierte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und arbeitete zunächst für den SPIEGEL-Verlag. Er ist Mitglied in der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
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Einsamkeit, Freiheit, tiefes Glück
ZEIT - Hanno Rauterberg
Wanderungen im Nebelmeer: Was die zeitgenössische Kunst von Werbung, Mode und Design unterscheidet.
Was kennzeichnet noch die ästhetische Erfahrung, wenn das Primat der Zwecklosigkeit so allgegenwärtig ist, dass sich damit ganze Geschenkeläden füllen? Wie kann sich die Kunst noch abheben vom Selbstverständlichen?
Viele Künstler stellen sich diese Fragen. Weil ihnen die eigenen Qualitätsbegriffe abhandengekommen sind, wissen sie nicht länger, was ihre Kunst eigentlich von Werbung, Mode, Design unterscheiden könnte. Und manche nehmen die vermeintliche Ununterscheidbarkeit hin, als sei sie schicksalhaft über sie gekommen ? die Grenzen seien nun mal gefallen, die Zeiten unübersichtlich: Was solle man machen? Allerdings verkennen sie damit, dass die wachsende Nähe von Alltag und Ästhetik nicht ohne Folgen bleibt. Die Konkurrenz setzt vielen Künstlern zu ? und verändert ihre Kunst.
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ZEIT Forum Kultur
Lichthof Universitätsbibliothek Hamburg
Grindelallee, Ecke Edmund-Siemers-Allee
„Und das ist Kunst?!“
Wie lässt sich gute von schlechter Kunst unterscheiden?Dienstag, 28. August 2007
| 19.30 Uhr
Hanno Rauterberg (Feuilletonredakteur DIE ZEIT) diskutiert im ZEIT FORUM KULTUR mit dem Hamburger Kunstsammler Harald Falckenberg und dem Leiter der Documenta Roger M. Buergel über die Thesen seines neuen Buches: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Moderation: Ulrich Wickert.
Aug
25
Balthus – Aufgehobene Zeit
August 25, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Museum Ludwig, Köln |
Im Herbst 2007 zeigt das Museum Ludwig, Köln die erste Einzelausstellung des französischen Malers Balthus (Balthasar Klossowski, 29.02.1908-18.02.2001) in Deutschland.
Mit herausragenden Gemälden und Zeichnungen präsentiert das Museum Ludwig das Werk des als Sonderling geltenden Künstlers, der mit altmeisterlichen Maltechniken arbeitete und zeitgenössischen Tendenzen distanziert gegenüber stand. Er selbst beschrieb seine Malerei als „zeitlosen Realismus“.
Seine erste Ausstellung 1934 in der Galerie Pierre in Paris löste einen Skandal aus. Denn die großformatigen Gemälde zeigten zwar traditionelle Motive wie etwa Straßenszenen, eine Musikstunde oder ein Mädchen am Fenster. Allerdings führte die provokante Erotik der Darstellungen in Grenzbereiche der Sexualität, was bei manchen Ausstellungsbesuchern Empörung hervorrief. Französische Kritiker bezeichneten Balthus auch als “Sigmund Freud der Malerei.”
Trotz der deutschen Herkunft des Künstlers sind seine Gemälde in Deutschland wenig bekannt und in keiner öffentlichen Sammlung. Nach Edward Hopper und Salvador Dalí führt das Museum Ludwig damit die Reihe monographischer Ausstellungen großer Maler des 20. Jahrhunderts fort.
Balthus – Aufgehobene Zeit.
Gemälde und Zeichnungen 1932 bis 1960
| Museum Ludwig, Köln
| bis 4. November 2007
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KATALOG | Begleitpublikation
zur ersten großen Balthus-Ausstellung in Deutschland
Aufgehobene Zeit | Balthus
| 168 Seiten, 76 Farbtafeln
| und 96 Abbildungen.
| 26 x 31.5 cm, gebunden
Als Balthazar Klossowski de Rola in Paris geboren, in Berlin, der Schweiz und wieder Paris aufgewachsen, später zwischen Frankreich, dem Fernen Osten und Rom pendelnd, blieb er zeit seines langen Lebens ein Grenzüberschreiter und als solcher ein Außenseiter. Seine Kunst, eine sinnlich-poetische Mischung aus Märchen, Eros und Traum, gegenständlich in Zeiten der Abstraktion und gemalt in der Technik der Fresken des italienischen Quattrocento, passte zu keinem Zeitpunkt in die gängigen Kategorien. Der bedeutendste Teil seines mit rund 350 Gemälden vergleichsweise schmalen Oeuvres entstand in den 1930er bis 1950er Jahren, darunter die zwei ersten Fassungen von “La Rue”, dieser surrealen, von Figuren aus der Kunstgeschichte und deutschen Kinderbüchern bevölkerten Pariser Straßenszene, die skandalisierte “Leçon de Guitare / Die Gitarrenstunde”, das verträumte Kinderzimmer-Interieur “Les Enfants Blanchard”, das Picasso kaufte, oder “Les beaux jours”, die literarischste von Balthus’ Reflexionen über die Adoleszenz. Den frühen Meisterwerken ist dieser opulent ausgestattete Band gewidmet, der als Begleitpublikation zur ersten großen Balthus-Ausstellung in Deutschland erscheint, die das Museum Ludwig in Köln ab August 2007 zeigt. Die begleitenden Texte schrieben Sabine Rewald, Kunsthistorikerin, Kuratorin am Metropolitan Museum, New York, und Autorin von Büchern, u.a. über Caspar David Friedrich, Paul Klee, Max Ernst und Balthus, sowie Virginie Monnier, die den Catalogue Raisonné von Balthus’ Gesamtwerk zusammenstellte.
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Der schuldige Blick
TAGESSPIEGEL online - Christina Tilmann
Der Schatten Proust’scher Mädchenblüte liegt über diesen Bildern, aber auch die Direktheit der Nabokov’schen Lolita, das Wilde, Ungezügelte, Unbotmäßige von Emily Brontës Catherine.
Doch nicht nur Heranwachsenden hat Balthus sich zugewandt, sondern auch Kindern. Und es sind vor allem diese Kinderbilder, die seinen Ruhm begründeten und seinen Ruf verdarben. Er malt die Nachbarkinder in seinem Pariser Atelier und die Bauernkinder in der Schweiz: ernste, verträumte, verschlossene Kindergesichter, einzigartige psychologische Zeugnisse. Vor allem in den Porträts der 10-jährigen Thérèse Blanchard, in der Langeweile ob der langen Malsitzung, die aus ihrem leeren, nach innen gekehrten Blick spricht, in ihrer unkindlichen Reife erkennt man Balthus’ außergewöhnliches Einfühlungsvermögen. Nie spielen diese Kinder oder lachen, das kahle Atelier, in dem er sie malt, ist kein Spielplatz.
Aber mindestens ebenso deutlich wird: Diese Kinder zu malen war kein unschuldiger Akt. Der Blick des Erwachsenen, zumal eines Erwachsenen wie Balthus, ist ein voyeuristischer, ein missbräuchlicher Blick. Die Faszination, mit der er runde, kräftige Kinderknie gemalt hat, duftendes Haar und schimmernde Haut, weiße Höschen und heruntergerutschte Hemdchen, ist nicht nur ästhetisch begründet. Und der Betrachter, der, hingerissen ob ihrer Raffinesse, vor den Bildern steht, wird gezwungen, diesen Blick zu teilen. Daher das Unbehagen, das Balthus heute noch hervorruft.
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Seine Kinderstube
FAZ - Wilfried Wiegand
Seine Verächter werfen ihm vor, er sei altmodisch, male wie ein Dilettant, und vor allem: Er sei darauf fixiert, halbwüchsige Mädchen in zweideutigen Posen zu zeigen. Kurz gesagt: Balthus habe kunsthistorisch, handwerklich und moralisch versagt.
Seine Verehrer freilich stehen einer unbefangenen Betrachtung ebenso im Wege. Die Fraktion der ästhetisch Konservativen, die mit der ganzen Moderne noch nie etwas anfangen konnten, wird nicht müde, ihn zum Propheten einer neuen Kunstepoche zu verklären, wo endlich wieder „richtig“ gemalt werde.
Schließlich die psychoanalytische Fraktion der Balthus-Bewunderer, die mit einem Schwall von Begriffen auch die klarsten Bilder nachträglich in Bilderrätsel verwandelt. Wer Balthus unbefangen erleben will, muss viel vergessen können.
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“Magische Werke”
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Man möchte das Werk des Franzosen mit schlesischer Mutter um seiner selbst Willen zeigen, in zeitloser Pracht, befreit von modischen Sichtweisen, und das betrifft nicht nur die Kritiker, sondern auch das andere Extrem, den Kultstatus, den seine Verehrer Balthus seit Jahrzehnten zubilligten und sein Schweizer Chalet bis zu seinem Tod 2001 zu einem Pilgerort für Selbstdarsteller machten und sich in seiner schillernden Ungreifbarkeit gerne selbst bespiegelten.
David Bowie war auch schon da. Zeitweilig erschien Balthus wie ein französischer Andy Warhol, eine Sicht, die er durch verschiedene Rollenspiele durchaus selbst beflügelte. Er lebte in alten Herrenhäusern, ließ sich von reichen Mäzenen aushalten, und allem Spott zum Trotz hielt er immer an der Behauptung fest, er sei adliger Abstammung, sei mit Rilke und Lord Byron verwandt, wovon natürlich nichts stimmte, und gab sich den noblen Namenszusatz “de Rola”.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
Balthus – Aufgehobene Zeit.
Gemälde und Zeichnungen 1932 bis 1960
| Museum Ludwig, Köln
| bis 4. November 2007
Aug
24
Olafur Eliasson | Wunderkind im Spiegelland
August 24, 2007 | Comments Off
TAGESSPIEGEL - Christina Tilmann |
Olafur Eliasson ist ein Star der Kunstszene. An der Berliner Staatsoper gestaltet der Däne nun sein erstes Bühnenbild.
Oper sei ein unglaublich arrogantes Medium, konstatiert Eliasson. Das fange schon mit der Situation im Opernraum an. Da sitzen die Zuschauer, festgebannt auf ihren Sitzen, ohne die Möglichkeit, sich zu bewegen, nach Belieben raus- oder reinzugehen, selbst die Augen blicken alle in die gleiche Richtung: zur Bühne.
Er verlegt die Musiker, das 26-köpfige Kammerorchester des Ensemble Modern, nach hinten, auf ein Orchesterpodest im Rücken der Zuschauer. Und füllt den Orchestergraben dafür mit weiteren Sitzreihen auf. Wahrnehmungstheoretisch sei das eine Trennung von Auge und Ohr, erklärt der Künstler, der sich regelmäßig mit Fragen der Phänomenologie beschäftigt. Von hinten, aus dem Dunkel, ertönt die Musik. Und vorn, wo irgendwann eine riesige Spiegelfolie den ganzen Bühnenprospekt füllt, sieht der Zuschauer: sich selbst. Sich selbst als Akteur im Opernzirkus: die im Zuschauerraum versammelte freudige Erwartung als Urstoff, aus dem die Oper ist. Bühnengeschehen dagegen: zweitrangig.
Nur folgerichtig, dass Olafur Eliasson der dänischen Nationaloper in Kopenhagen zuletzt sogar vorgeschlagen hat, eine Oper ganz ohne Musik zu inszenieren.
Aug
24
Kunstfest Weimar | Souvenir »Andenken«, im Französischen »Erinnerung, Gedächtnis«
August 24, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Kunstfest Weimar |
Souvenirs“ sind mehr als in Dingen verkörperte Erinnerungen. Es sind Schwingungen der Seele, die tief in die Zeit reichen und in einem Objekt nur Gestalt annehmen. Souvenirs können Vergessenes, Verdrängtes hervorrufen, sie bergen Schönes und Schreckliches. Ein Souvenir ist die Klammer zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Das Kunstfest Weimar nimmt die vielfältigen Schattierungen, die der Begriff „Souvenir“ in sich trägt und spürt ihnen auf künstlerischen Wegen nach. Das Eröffnungskonzert findet zum Gedächtnis an die Opfer des KZ Buchenwald statt. Trauer und Klage bestimmen das Flötenkonzert des nach Israel ausgewanderten georgischen Komponisten Joseph Bardanashvili, Schuberts große Sinfonie DV 944, ein spätes Werk, das Schubert selbst nie gehört hat, endet mit einem strahlenden, hoffnungsvollen C-Dur.
Einen besonderen Schwerpunkt dieses Kunstfestes bildet der Tanz. Auch hier Erinnerung: In Jan Lauwers Tanztheater „Isabella’s Room“ kann Isabella, 94 Jahre alt und blind, ihre Erinnerungen „sehen“, sie werden von acht Darstellern verkörpert und geraten zu einer Abrechnung mit dem europäischen Kolonialismus. „Flow and Energy“, kennzeichnet die Arbeiten des englischen Choreographen Russell Maliphant, in fließenden und zugleich skulpturalen Ausdrucksformen ersteht die innere Spannung des Souvenirs.
KUNSTFEST Weimar 2007
| bis 16. September 2007
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Grußwort
Nike Wagner | Künstlerische Leitung
Das Kunstfest Weimar 2007 versammelt erneut Künstler von Weltrang. Musik, Tanz, Ausstellungen, Literatur und Diskussionen bestimmen drei Wochen lang die Atmosphäre der Klassikerstadt. Große Orchester spielen – die Israelis, die Niederländer, die Weimarer Staatskapelle.
Getreu seinem Konzept, an die Traditionen der Stadt anzuknüpfen und sie in die Gegenwart zu führen, bleibt das Kunstfest den Gedanken seines lokalkosmopolitischen Helden Franz Liszt verbunden. Liszts Visionen galten der Zukunft: Uraufführungen in der Musik stehen auf dem Programm, ein neues, pädagogisch-experimentelles Projekt wird begründet: die TanzMedienAkademie. Der Romantiker Liszt hat aber auch viele »Reminiscences« komponiert und in »Souvenirs« gedacht. Ist nicht Weimar selbst schon Inbegriff von Erinnerung, steingewordenes Souvenir des Weltgeistes?
»Souvenir« lautet das Motto in diesem Jahr – im Deutschen »Andenken«, im Französischen »Erinnerung, Gedächtnis«.
Dem Phänomen der Sammelwut von Souvenirs geht eine Ausstellung aus Frankfurt nach, eine »vergessene Moderne« untersucht ein Import aus Wien und die Avantgarden von gestern müssen auf den Prüfstand von heute. Gespräche unter Schriftstellern und Forschern ergründen die widersprüchlichen Formen des politischen und familiären Gedächtnisses.
Sound Poetry und viel Jazz feiern die Gegenwart.
Ein letztes Mal kommt der außergewöhnliche Pianist András Schiff als artist in residence und beendet seinen legendären Beethoven-Zyklus. Wieder dabei: die Cappella Andrea Barca. Wir freuen uns auf ihre Konzertreihe, auf Bachs h-moll Messe unter dem Cranach-Altar in der Herderkirche!
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Dr. Nike Wagner,
aufgewachsen in Bayreuth, ist Ururenkelin des Komponisten Franz Liszt, Urenkelin von Richard Wagner und Tochter Wieland Wagners. Sie studierte Musik-, Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin, Chicago, Paris und Wien.
Seit 1975 arbeitet Nike Wagner als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin und wirkt an internationalen Symposien und Kolloquien mit. Als Autorin wurde sie bekannt durch ihre Arbeiten zur Kultur- und Geistesgeschichte der europäischen Jahrhundertwende, als Kritikerin und Essayistin durch ihre Auseinandersetzung mit Richard Wagner und Bayreuth. Wagners Werk im Kontext der deutschen Zeitgeschichte sowie die Verflechtung von Familien-, Werk- und Kulturgeschichte sind Thema ihrer Publikationen »Wagnertheater« (1982) und »Traumtheater« (2001).
Nike Wagner | wikipedia Deutschland
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Nike Wagner: Ich muss mit diesem Spagat leben
DEUTSCHLANDRADIO Kultur
Künstlerische Leiterin verteidigt Charakter des Kunstfestes Weimar
Die künstlerische Leiterin des Kunstfestes Weimar, Nike Wagner, hat den “hochkarätigen und anspruchsvollen” Charakter ihres Programms verteidigt. Es sei ein gewisses Problem, dass man sich in Weimar und der engeren Region durchaus ein “unterhaltsames Festival, von der leichteren Sorte” wünsche, sagte Wagner im Deutschlandradio Kultur.
Kritikern begegne sie mit dem Argument, dass man unter dem “Label Weimar” auswärtige Besucher nur mit einem anspruchsvollen Festivalprogramm anziehen könne. Wagner betonte: “Also in diesem gewissen Spagat muss ich hier leben. Aber ich glaube, es wird mehr und mehr akzeptiert.”
Das gesamte Gespräch mit Nike Wagner können Sie bis zum 23.1.2008 im Audio-on-Demand-Angebot von DEUTSCHLANDRADIO nachhören.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag anhören
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KUNSTFEST Weimar 2007
| bis 16. September 2007
Aug
22
John Bellany | Eine Schottische Odyssee
August 22, 2007 | Comments Off
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Zitadelle Spandau |
Die erste Berliner Retrospektive John Bellanys, dem wohl bedeutendsten zeitgenössischen Maler Schottlands, präsentiert bis zum 18. November 2007 Ölbilder, meist großformatig, Aquarelle, Grafiken und Drucke in der Zitadelle Spandau.
Extra für Berlin hat Bellany rund 80 Arbeiten aus seiner „privaten Schatzkammer“ zur Verfügung gestellt, die sein Schaffen von Anfang der 1960er Jahre über vier Jahrzehnte bis heute dokumentieren.
Seine Arbeiten sind grundlegend der nordeuropäischen Tradition verpflichtet und ordnen sich zwischen Realismus und Expressionismus ein. Die spezielle Ausprägung eines expressiven Realismus mit einer Tendenz zum Grotesken findet kaum Parallelen bei seinen Zeitgenossen. Die Bilder haben oft eine naive Bildsprache, die die Realität in vereinfachten Formen und Farben wiedergibt. Man kann ganze Geschichten entdecken, so dass das Bild quasi zur Bühne wird. Figuren treten auf, mal als Gruppe, mal allein – Menschen, Tiere oder bizarre Kreaturen – oft von Landschaften umrahmt. Sie sind starr, nehmen keine Beziehung untereinander, wohl aber zum Betrachter auf, so dass er, der Betrachter, zum Zuschauer und Teilnehmer eines Szenarios wird.
John Bellany | Eine Schottische Odyssee
| Zitadelle Spandau / Berlin
| Ausstellungssäle der Bastion Kronprinz
| bis 18. November 2007
John Bellany | website
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Geisterstunde der Kunstgeschichte
BERLINER ZEITUNG - Ingeborg Ruthe
Der britische Maler John Bellany zeigt in der Zitadelle Spandau seine “Schottische Odyssee”.
Bellany traf als junger Maler eines Tages auf Beckmann-Gemälde; für ihn war es “der entscheidende Moment”. Was er sah, festigte, sagt er heute, seine Beziehung “zur nordischen Tradition und zu einem emotionalen expressionistischen Humanismus”.
Er reiste in den späten Sechzigern zu Studienzwecken in die DDR, sah in Dresden die Bilder von Kokoschka, Dix und in Leipzig die von Beckmann. Er traf in Halle und Leipzig auf die Figuren-Maler Willi Sitte und Werner Tübke. “Das war für mich die Bestätigung, dass man sehr wohl auch in der späten Moderne zwischen Realismus und Expressionismus gut malen kann”, so Bellany, der in einem kleinen, schottischen Fischerdorf bei Port Seton aufwuchs und schon beim Studium in Edinburgh und später in London den Drang verspürte, mit seiner Malerei wesentliche und existenzielle Dinge und Momente des Lebens festhalten zu wollen.
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John Bellany | Eine Schottische Odyssee
| Zitadelle Spandau / Berlin
| Ausstellungssäle der Bastion Kronprinz
| bis 18. November 2007

