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Moskauer Konzeptkunst
Juli 29, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT Schirn Frankfurt |
Die Ausstellung „Die Totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“ bietet bis zum 14. September 2008 einen umfassenden Überblick über die Konzeptkunst im spät- und postsowjetischen Russland.
Die Kunst des Moskauer Konzeptualismus entstand bereits Ende der 1960er Jahre, wobei in den Aktionen, Installationen und Texten der Moskauer Konzeptualisten die Bilderwelten der sowjetischen Ideologie kritisch reflektiert wurden. Da das Kunstleben in der Sowjetunion einer strengen ideologischen Zensur unterstand, wurden die Aktivitäten der Künstlergruppe als eine Art politischer Provokation empfunden, eignete sie sich doch das Privileg der Interpretation von Kunst und Gesellschaft an, das allein der Kommunistischen Partei zustehen sollte. Die Ausstellung präsentiert rund 130 Werke von 30 Künstlern.
KÜNSTLERLISTE: Juri Albert, Sergei Anufriev, Grisha Bruskin, Erik Bulatov, Ivan Chuikov, Elena Elagina, Andrei Filippov, Ilya Kabakov, Georgy Kizevalter, Kollektive Aktionen, Komar & Melamid, Alexander Kosolapov, Juri Leiderman, Igor Makarevich, Medizinische Hermeneutik, Boris Mikhailov, Andrei Monastyrski, Nikolai Panitkov, Pavel Pepperstein, Victor Pivovarov, Dmitri Prigov, Lew Rubinstein, Leonid Sokov, Vadim Zakharov.
In der russischen kunstinteressierten Öffentlichkeit gilt der Moskauer Konzeptualismus als wichtigste russische Kunstbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er ist eine geschlossene, relativ klar definierte, sich von der übrigen russischen Kunst bewusst abgrenzende Bewegung, die über ihre eigene, für den russischen Betrachter leicht identifizierbare Ästhetik und sogar über eine quasi-institutionelle innere Organisation verfügt. Im Westen dagegen blieb eine kunsthistorische Einordnung der Gruppe im Rahmen einer Ausstellung bisher jedoch aus.
Der Moskauer Konzeptualismus entwickelte sich innerhalb der unabhängigen, inoffiziellen Moskauer Kunstszene der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Diese Szene entstand fast unmittelbar nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 in größeren Städten der Sowjetunion. Sie wurde von den zuständigen Behörden zwar toleriert, war aber vom offiziellen Ausstellungsbetrieb sowie von den staatlich kontrollierten Massenmedien fast vollkommen abgeschnitten. Der Name „Moskauer Konzeptualismus“ verweist einerseits auf die Moskauer Untergrundszene und andererseits auf die westliche, vor allem angloamerikanische Konzeptkunst der 1960er Jahre – auf die künstlerische Praxis der Gruppe „Art and Language“ und diejenige von Joseph Kosuth – die den Moskauer Konzeptualisten dank der westlichen Zeitschriften und Kataloge, die damals nach Moskau gelangten, wohlbekannt war. Doch hat diese Praxis in Moskau eine grundlegende Transformation erfahren. Das Adjektiv „Moskauer“ ist also eher Programm als bloße Ortsangabe.
Die sowjetische Kultur war einheitlich – und sie war ausschließlich institutionell geprägt. Die alltägliche Massenkultur war genauso zentralistisch, bürokratisch und institutionell verwaltet wie die Hochkultur – und wurde im Grunde nach den gleichen
ideologisch korrekten Kriterien bewertet, anerkannt und verbreitet. Daher spielte der offizielle Diskurs darüber, was Kunst ist, in allen Bereichen der sowjetischen Kultur eine alles bestimmende Rolle. Das Hauptverfahren des Moskauer Konzeptualismus bestand darin, diesen offiziellen Diskurs privat, ironisch, profan zu benutzen, zu variieren und zu analysieren. In diesem Sinne praktizierte der Moskauer Konzeptualismus Aufklärung – und zwar totale Aufklärung.
Dabei benutzten die Künstler der ersten Generation des Moskauer Konzeptualismus der 1960er und 1970er Jahre wie Ilya Kabakov, Vitali Komar und Alexander Melamid, Dmitri Prigov oder Lew Rubinstein vor allem die Sprache des „einfachen sowjetischen Menschen“. Die sorgsam ausgewählten und hundertmal zensierten Formulierungen der offiziellen sowjetischen Ideologie wurden durch ihren alltäglichen, „unkultivierten“ Gebrauch unweigerlich beschädigt und deplatziert und dabei mit allen erdenklichen rein privaten und unausgegorenen Meinungen vermischt. Vor allem Ilya Kabakov und Dmitri Prigov schöpften in ihren Kommentaren zur eigenen und fremden Kunst reichlich aus diesem Fundus des alltäglichen unkultivierten Theoretisierens, und dies oft auf höchst unterhaltsame Weise. Man kann sagen, dass der Moskauer Konzeptualismus die diskursive Massenkultur seiner Zeit zu seinem Gegenstand gemacht hat. Er war auf der einen Seite in der Tat eine Art Konzeptkunst. Aber noch viel mehr war er eine Art diskursiver Pop Art.
Die Totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990
| Schirn Kunsthalle Frankfurt
| bis 14. September 2008
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„Die totale Aufklärung.
Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“.
Die umfassende Publikation widmet sich der im Westen immer noch wenig bekannten konzeptuellen Strömung in der Kunst des spät- und postsowjetischen Russlands.
Sie verdankt ihren Namen einem Essay von Boris Groys aus dem Jahr 1974, in dem er das besondere Verhältnis einiger Moskauer Künstler zur russischen Tradition als Unterscheidungsmerkmal zu westlichen Vorbildern kennzeichnet. Beginnend Ende der 1960er-Jahre operiert die Moskauer Konzeptkunst parallel zur westlichen und spiegelt dabei die existenzielle Erfahrung wider, Teil eines politischen Konzeptes zu sein. In radikaler Abkehr vom romantischen Bild des autonom agierenden Künstlergenies wird der Betrachter mit einbezogen, werden Prozesse der Herstellung und Bedingungen der Rezeption sichtbar gemacht. Der Band zeigt Schlüsselwerke und die bedeutendsten künstlerischen Positionen anhand von Malerei, Zeichnung, Fotografie und Installationen.
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VIDEO ( flash ) Webfilm der Frankfurter Schirn
Anlässlich der Ausstellung „Die totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“ begleitet der Webfilm der Frankfurter Schirn den Kurator Boris Groys durch die Ausstellung. Im Gespräch mit Martina Weinhart, Kuratorin an der Schirn und Projektleiterin dieser Ausstellung, stellt Groys anhand wichtiger Hauptwerke, historischer Fotografien und Filmbilder die Aktivitäten und künstlerischen Ideen der Moskauer Konzeptualisten vor.
| Kamera / Schnitt: Astrid Rieger
| Ton: Bernd Thiele
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Bilder einer Ausstellung
FR online - ( Kurator ) Boris Groys in eigenen Worten
Aufgezeichnet von Esther Jacobs
Natürlich hat die besondere gesellschaftliche Situation dieser Kunst auch auf sie zurückgewirkt. Sie hatte keinen Markt. Die Künstler produzierten nicht für eine Nachfrage, sie folgten nicht den Bedürfnissen der anderen, sondern nur den eigenen. Dadurch haben die meisten Werke etwas für den westlichen Betrachter ungewohnt Privates. Der Künstler hat an nichts Kommerzielles gedacht, nicht an Käufer und nicht an sein Image. In der Sowjetunion war Kunst keine Ware. Schon gar nicht die Moskauer Konzeptkunst. Sie war es auch nicht im Westen. Lange Zeit wurde sie nicht einmal wahrgenommen, geschweige denn gekauft. Selbst die Sammlung Ludwig hat sie erst in den letzten Jahren erworben.
Jetzt allerdings gehen die Preise in die Höhe. Der Grund ist einfach. Die reichen Russen haben angefangen, diese Kunst zu kaufen. Sie kaufen wie verrückt.
Die russischen Käufer haben ein sehr sentimentales Verhältnis zu dieser Kunst. Es ist die Kunst ihrer Jugend. Es ist ein Spiegel der Welt, aus der auch sie kommen, und die eigenartige Verbindung von Schrecken, Liebe und Ironie, die diese Kunst prägt, ist ihrem eigenen Verhältnis zur sowjetischen Vergangenheit nicht unähnlich.
Je stärker der Westen ihnen vorwirft, es habe einen russischen Imperialismus gegeben, desto mehr identifizieren sie sich damit und wollen ihn wiederhaben. Als diese Kunst entstand, war sie das Produkt einer Vielvölkerbohème, die in Moskau zusammenkam und eigene Wege suchte, heute wird sie gekauft und gehandelt als Dokument eines glorreichen, frechen Aufbruchs ins neue Russland.
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Sie haben die Ikonen des Sozialismus humorvoll verfremdet: die Moskauer Konzeptkünstler der Jahre 1960 bis 1990. Das war zu Sowjetzeiten nicht ganz ungefährlich …
ARTE | Kultur | Ausstellungen
| VIDEO-Reportage ansehen ( windows media )
| Reportage von
| J. Hendrikx | H. Rädler | T. Kellner | S. Schnabel
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Kunst aus dem sowjetischen Untergrund
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Volkhard App
Von der politischen Nomenklatura unerwünscht und von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet begannen die Moskauer Konzeptualisten bereits in den 60er Jahren mit ihrer Arbeit. Ihre Aktionen, Installationen und Texte standen nahezu zwangsläufig im Widerspruch zum System.
Aufmüpfigen Künstlern wurden repräsentative Ausstellungsmöglichkeiten verwehrt, darin bestand ihre gemeinsame Erfahrung. Aber bildeten sie - diese Maler, Kritiker und sonstigen klugen Köpfe - wirklich eine Gruppe? Boris Groys, Initiator dieser Ausstellung, war in den siebziger Jahren einer von ihnen:
“Ja, das war unbedingt eine Gruppe, die Solidarität war sehr ausgeprägt unter den Bildenden Künstlern, Essayisten und Poeten, die diese Gruppe angeführt haben. Man traf sich regelmäßig, trank Wein, trug Gedichte vor und zeigte Bilder. Meine Rolle in jener Zeit war wichtig, weil ich in dieser Gruppe als Einziger theoretische Schriften über sie verfasste und ich war dort generell wahrscheinlich der einzige Theoretiker.”
In der Schirn ist so eine Zeitreise möglich: zurück auf einen fernen Planeten, in eine abgeschlossene Phase der Kunstgeschichte - zu Protagonisten, die sich im kleinen Kreis an der Subversion versuchten: nicht durch politische Pamphlete, sondern mit ironisch-verspielten Ideen, textverliebt und kommentarlustig, für abgedrehte Einfälle empfänglich und für intellektuelle Verstiegenheit.
Als Alexander Kosolapov 1993 Lenins stilisiertes Konterfei mit dem Schriftzug von Coca Cola zusammen ins Bild setzte, war die Sowjetunion bereits kollabiert. Einige dieser Künstler sind bei uns seither in bedeutenden Einzelausstellungen gewürdigt worden. Die Frankfurter Schau weist mit ihrem Rückblick noch einmal auf den historischen Zusammenhang hin, das ist ihr großes Verdienst.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Heiterkeit im Untergrund
FAZ - Margarete Vöhringer
Wer sich Konzeptkunst bislang als anstrengende Angelegenheit vorgestellt hat, der erlebt in der Frankfurter Schirn eine Überraschung. Ausgerechnet in der Zeit des Eisernen Vorhangs, die man sich dunkel vorstellt, voller Restriktionen und Mangelerscheinungen, kam ein Humor in der russischen Kunst auf, der auch vor dem Westen nicht haltmachte.
So trifft der erste Blick in die Ausstellung auf Arbeiten, die weltweit bekannte Konsumartikel zitieren: Ein Gemälde verbindet die Ästhetik einer Marlboro-Zigarettenschachtel mit dem Schriftzug „Malevich“; Lenins Konterfei ziert ein „Coca- Cola“-Werbeschild, auf dem der Slogan versichert: „It’s the real thing. Lenin.“
Wer sich irritiert umsieht, ob er sich auch wirklich in der richtigen Ausstellung mit russischer Kunst befindet, entdeckt das erste eigentliche Bild des Rundgangs neben der Tür: Erik Bulatows Gemälde „Trademark“, das einen realistisch-barocken Wolkenhimmel zeigt, herrlich blau, mit einem riesigen, goldenen CCCP-Logo mitten darauf, dem Gütesiegel der sowjetischen Planwirtschaft. Selbst über den russischen Wolken war alles von sowjetischer Qualität und unter Kontrolle, könnte das heißen. Denkt man aber daran, dass auch minderwertige Produkte mit diesem Zeichen versehen wurden, ziehen sich die Wolken plötzlich bedrohlich zusammen.
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Die Totale Aufklärung.
Moskauer Konzeptkunst 1960–1990
| Schirn Kunsthalle Frankfurt
| bis 14. September 2008
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KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT MdbK Leipzig |
Bis zum 19. Oktober 2008 zeigt das Museum der bildenden Künste, Leipzig nahezu 100 Gemälde aus allen Schaffensphasen – darunter zahlreiche Leihgaben aus nationalen und internationalen, öffentlichen und privaten Sammlungen. Erstmals werden die Gemälde Corinths mit einer konzentrierten Auswahl von Werken nachgeborener Künstler konfrontiert. Georg Baselitz, Rainer Fetting, Gotthard Graubner und Dieter Krieg, setzen in ihrer Arbeit bewusst oder unbewusst den Weg fort, den Corinth beschritten hat.
Innerhalb der DDR-Kunst fungierte er für Hartwig Ebersbach, Sighard Gille, Bernhard Heisig Willi Sitte und Norbert Tadeusz als »Leitfigur und Pate«. Diese Verortung wird der Leipziger Station einen besonderen Schwerpunkt verleihen, während Regensburg die Verbindung zu Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Sigmar Polke und der expressiven Figuration in der eigenen Sammlung sucht.
Die Ausstellung im Museum der bildenden Künste findet anlässlich des 150. Geburtstages des Leipziger Museums statt, das schon 1926 die umfassende Corinth-Gedächtnis-Ausstellung präsentierte. Für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg, als bundesweit einzigartiger Spezialsammlung ostdeutscher Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart, ist Corinth die zentrale Identifikationsfigur. Seit 1974 wird hier der Corinth-Preis verliehen.
Malerei als Abenteuer – dies trieb Lovis Corinth bis an den Rand zum Formlosen und mitten in die Moderne hinein. Dabei blieb er den ewigen Existenzfragen des Menschen um Eros und Tod, Gewalt und Leidenschaft zeitlebens treu. Akademiker, Naturalist, Impressionist, Expressionist – wie kaum ein zweiter Künstler verlieh Corinth dem Medium Malerei neue Ausdruckskraft jenseits der Stile. Er entwickelte ein spannungsvolles Themenspektrum zwischen dionysischer Antike und christlicher Leidensgeschichte, vom intimen Genrebild bis zur subjektiven Landschaftsimpression. 1858 im ostpreußischen Tapiau geboren, gilt er heute als ein Begründer der Moderne in der Malerei. Sein Geburtstag jährt sich 2008 zum 150sten Mal.
Lovis Corinth ging in seiner Kunst bis an Grenzen und wurde neben Oskar Kokoschka und Max Beckmann zum großen Einzelgänger der figurativen Moderne im frühen 20. Jahrhundert. Sein Werk beeinflusste und bestärkte Generationen deutscher Künstler in Ost wie West. Die Retrospektive in Paris, Leipzig und Regensburg ermöglicht nicht nur einen umfassenden Zugang zum explosiven Werk Lovis Corinths im Kontext der Moderne, sondern klärt auch erstmals eine wesentliche kunsthistorische Bezugsgröße der „Renaissance“ figurativer Malerei der Gegenwart.
Museum der bildenden Künste, Leipzig
Lovis Corinth | Internet-Special
| bis 19. Oktober 2008
Kunstforum
Ostdeutsche Galerie, Regensburg
| 9.11.2008 – 15.2.2009
Lovis Corinth
>> umfangreiche Bildergalerie
| auf wikipedia
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KATALOG
Lovis Corinth und die Geburt der Moderne
| Format 24 × 32,5 cm,
| 384 Seiten
| 228 farbige,
| 29 Duplex
| und 11 s/w Abbildungen,
| Hardcover, gebunden
| deutsch
Der Katalog erlaubt einen hochkarätigen Überblick über das Œuvre Lovis Corinths. Ausgangspunkt ist das thematisch differenzierte Frühwerk, in dem vielfältige Anregungen verschmelzen. In mythologischen und biblischen Darstellungen, Porträts, Landschaften oder Stillleben entwickelte sich Corinth zum vitalen Impressionisten und führenden Vertreter der Berliner Sezession. Im expressiven Spätwerk triumphiert die Ausdruckskraft der Farbe und des Malduktus über die gegenständliche Formensprache.
Der Katalog versammelt rund 100 Gemälde sowie Zeichnungen und Grafiken, die mit Zeitgenossen der deutschen und internationalen Moderne sowie einer konzentrierten Auswahl an Werken nachgeborener Künstler in Dialog treten und Corinth als Solitär zwischen Tradition und Avantgarde begreifbar werden lassen.
Mit Textbeiträgen von Bernhard Heisig, Anselm Kiefer, Serge Lemoine, Ulrike Lorenz, Mario-Andreas von Lüttichau, Marie-Amélie zu Salm-Salm, Klaus Theweleit, Beat Wyss und Michael F. Zimmermann
Die Publikation erschien anlässlich der Ausstellungen „Lovis Corinth und die Geburt der Moderne“, die vom 11. Juli bis 19. Oktober 2008 im Museum der bildenden Künste Leipzig und vom 9. November 2008 bis 15. Februar 2009 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg zu sehen sind.
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Zwischen Tradition und Moderne ( zur Ausstellung in Paris )
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Kathrin Hondl
Lovis Corinth entwickelt sich zu einem “Maler des Fleisches” zwischen Tradition und Moderne. Nah beieinander hängen in der thematisch geordneten Ausstellung im Musée d’Orsay Genre-Gemälde wie “Das große Martyrium” - eine schonungslos drastisch gemalte Kreuzigungsszene - , Schlachthausbilder, auf denen das Fleisch eines toten Ochsen in kräftigen Rottönen Leben eingehaucht bekommt, Frauenakte, auf denen die nackte Haut Formen und Farben annimmt, die die radikale Malerei eines Lucian Freud vorweg zunehmen scheinen.
Marie-Amélie zu Salm-Salm: “Also immer wieder schafft er es, auch so Grenzen aufzubrechen zwischen den unterschiedlichen Gattungen, uns immer wieder zu überraschen, auch mit seiner Malweise, wenn Sie sich zum Beispiel vorne die Violinistin anschauen, von 1900. Ein Gesicht in der alten Malweise, ganz detailliert ist das Gesicht ausgearbeitet. Und dann hat sie ein Kleid an, man würde sagen: informelle Malerei der 50er Jahre vorgegriffen. Komplett aufgelöste Struktur. Und da schafft einfach Corinth es, uns immer wieder zu überraschen. Und ich denke, das ist ganz gut zusammengefasst mit den Begriffen zwischen Tradition und Moderne.”
Die Pariser Ausstellung geht sogar noch einen Schritt weiter - bis zur Gegenwartskunst, so die These, reicht der Einfluss von Lovis Corinth. Der Beleg: Ein großes Tryptichon von Anselm Kiefer mit dem Titel - in Anlehnung an Corinths berühmtes “Selbstbildnis mit Skelett”, das in der Pariser Ausstellung leider fehlt - “Für Lovis Corinth. Selbstbildnis mit Skelett”.
Anselm Kiefer: “Es ist nicht nur eine Hommage. Es ist ein Bild, das ich gemalt hab’ quasi neben Corinth. Also ich wusste vom Serge Lemoine, dass er die Ausstellung macht, er hat mich gefragt, ob ich etwas da beitragen will. Und dann hab’ ich eigentlich ein Jahr an Corinth gedacht - während ich gearbeitet habe. Ich hab’ nicht speziell ein Bild gemacht für Corinth - eigentlich war’s wie eine Parallelaktion.”
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
Anselm Kiefers “Für Lovis Corinth. Selbstporträt mit Skelett (2007)”
ist ein Triptychon, auf dem die verwelkte Sonnenblume, Symbol der Eitelkeit, den Hintergrund des Gemäldes bildet. Die weißen Blätter mit den Nummern und Buchstaben erinnern an die Nomenklatur der Sterne, die von der NASA aufgestellt wurde. Anselm Kiefer ging es darum, eine Verbindung zwischen den dargestellten Elementen und dem Kosmos herzustellen. Der Schaukasten ist mit Stacheln gespickt, die auf das Leiden Christi hinweisen. Auf dem Mittelteil ist eine Wirbelsäule zu sehen, die an Corinths Selbstporträt mit Skelett im Lenbachhaus in München erinnert. Mit diesem Bild wird der Einfluss des Künstlers auf die Gegenwartskunst deutlich.
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VIDEO | ansehen
Paris entdeckt den deutschen Maler Lovis Corinth ( wmv-Format )
| Aus: ttt - titel thesen temperamente
| Hessischer Rundfunk | Sendung vom: 13.04.08 | 23:00 Uhr
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Wegbereiter der Abstraktion ( zur Ausstellung in Leipzig )
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Tobias Barth
Als “Maler für Maler” ist Corinth gern apostrophiert worden, weiß Ulrike Lorenz, Direktorin Ostdeutsche Galerie Regensburg, zu berichten:
“Das Verrückte ist ja, das Corinth immer unabhängig von der Wahrnehmung des breiten Publikums wo ja Corinth jahrzehntelang keine Rolle gespielt hat, Corinth immer ein Künstler für Künstler gewesen ist, einer der von den Machern als Macher erkannt wurde, als Vorbild. Und da ist das Interessante, das sowohl in der Ost- wie in der Westkunst einzelne Figuren immer wieder auf Corinth zurückgegriffen haben.”
Diesen Faden nimmt das Museum der bildenden Künste in Leipzig auf und zeigt in einer parallelen Schau die Werke von Künstlern, die sich explizit auf Lovis Corinth beziehen und berufen. Willi Sitte ist dabei und Bernhard Heisig, Anselm Kiefer, Sieghard Gille und Hartwig Ebersbach, für den bis heute Corinth ein Impulsgeber ist:
“Man kann die Bilder riechen, man kann den Duft der Frauen den Bildern abnehmen, und diese Kraft der Natur hat mich sehr beeindruckt.”
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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Was alles in einem Vulkan steckt
FR online - Judith von Sternburg
Hier ist ein Maler, der zwanghaft provoziert. Seinen Arbeiten jedoch ist keine Anstrengung anzumerken. Im Gegenteil: Davon hätte mancher Rekonstrukteur paradiesähnlicher Zustände um 1900 wohl geträumt, so viel Entspannung ins Bild zu setzen, wie es Corinth mit seinen Frauenakten gelingt.
Bilder wie die Hinrichtung auf “Das große Martyrium” (1907) oder die Verbindung von Sexualität und Gewalt auf “Die Lebensalter I” (1904) werden dem Betrachter in seine Albträume folgen. Mancher wird sich bei dem Gedanken ertappen, dass er nicht wollte, dass seine Kinder das sehen (viele springen im Museum herum, was ja an sich schön ist). Der Grund liegt nicht in bürgerlicher Abscheu, sondern schrecklicher Erkenntnis: Corinth übertreibt keineswegs. Er malt es, wie es ist.
Besucher nehmen ferner in Kauf, dass ihnen danach vieles andere unwichtig vorkommen wird. Das fängt schon im Obergeschoss an, wo unter dem Motto “Ein Maler für Maler” spätere Künstler präsentiert werden, die gleichfalls Akte und Schweinehälften malten.
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Urviech der Kunst
ZEIT - Hanno Rauterberg
Öfters ist Corinth, der Gerbersohn, zum Malen in die Schlachthäuser gezogen, häufig zeigt er das Verfallen und Sterben, den Tod. Mal blutig-rau, dann wieder heiter-harmlos, so ist seine Bilderwelt. Und doch fällt sie nicht auseinander, im Gegenteil: Ernst und Unernst brauchen einander. Denn wie leicht würde das Theatralische umkippen in Schwulst, wäre nicht Corinths Begabung im Beschwipsten. Und umgekehrt, wie belanglos komödiantisch wirkten manche Bilder, hätten sie nicht ein Widerlager im Dramatischen.
Nur wenigen Künstlern seiner Generation gelingt diese Balance. Viele meinen, sie müssten sich entscheiden, die einen malen duftig-impressionistische Landschaften, die anderen ätherischen Mystizismus. Corinth aber bleibt vielgesichtig, auf den Festochsen ebenso neugierig wie aufs Schlachtvieh. Wohl deshalb haben sich viele schwer getan mit seiner Kunst, sie war nicht eindeutig genug.
Erst in den letzten Jahren wird er häufiger gewürdigt, auch die Leipziger Ausstellung, die zunächst in Paris gezeigt wurde, zeugt von dieser neuen Zuneigung. Wie es scheint, vermag man Corinth heute eher zu schätzen, die Gier, mit der er sich die unterschiedlichsten Themen und Stile einverleibt, Rembrandt ebenso wie Frans Hals oder Goya.
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Corinth und die Lust am Fleische
Thüringer Allgemeine - Peter Arlt
Die Bedeutung der Leipziger Ausstellung liegt natürlich darin, Corinths großartige Malerei in den Blickpunkt zu stellen und mit ihr auf die Anfänge der Moderne zurückzublicken. Zugleich ruft sie in Erinnerung, was ihr als Bestandteil der Moderne nachfolgte: Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Otto Dix und weitere Nachfolger: Bernhard Heisig, Anselm Kiefer oder Willi Sitte, dessen Hommage das von ihm zitierte letzte Selbstporträt Corinths aus Zürich als Gegenüber die Ehre gibt.
Die großartige Bilderschau besitzt also nicht nur eine retrospektive Bedeutung, sondern erklärt vielmehr Corinth als den Maler für Maler “für dringend notwendig” (Heisig), weil in seiner zupackenden, sinnbildlich verdichteten Malerei die sinnliche Erscheinung des Menschen regiert. Vielleicht hieße die Ausstellung deshalb besser “Corinth und die Lust am Fleische”. Denn was sagte der Leipziger Max Klinger über Corinth? Der Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt zitierte dies in seiner Eröffnungsrede genüsslich auf Sächsisch: “Flesch. Viel Flesch!”
Thüringer Allgemeine - Artikel lesen
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Museum der bildenden Künste, Leipzig
Lovis Corinth | Retrospektive
| bis 19. Oktober 2008
Kunstforum
Ostdeutsche Galerie, Regensburg
| 9.11.2008 – 15.2.2009
Jul
18
Nathalie Djurberg
Juli 18, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT Sammlung Goetz |
Die Sammlung Goetz, München zeigt bis zum 11. Oktober 2008 im BASE 103 zehn kurze, von schwarzem Humor geprägte, Animationsfilme und eine dazugehörige Skulpturengruppe von der 1978 im schwedischen Lysekil geborenen Künstlerin Nathalie Djurberg.
Die Künstlerin beweist in ihren Arbeiten vielseitiges Talent. Sie führt selber Regie und Kamera und ist auch für die technische Umsetzung, die Kostüme, die Plastilinfiguren und die Anfertigung der Schauplätze aus Pappmaschee und Knetmasse verantwortlich. Jedes Bild wird aufwendig in Stop-Motion-Technik mit einer Mini-DV-Videokamera einzeln aufgenommen. Dabei bleiben häufig die Spuren der Herstellung, wie beispielsweise die Fäden der Puppen, oder auch ihre eigenen Hände sichtbar, was eine naive Machart der Filme vorgibt. Ihr Lebensgefährte Hans Berg komponiert den elektronischen, häufig verstörenden Soundtrack, der die Stimmung der Filme teils untermalt, oft aber die Grausamkeit der abgründig-grotesken Szenen hemmt.
Inhaltlich wird der Zuschauer in Djurbergs Arbeiten mit komplementären Themenpaaren wie Macht – Ohnmacht, Fürsorge – Missbrauch, Gewalt – Liebe, Masochismus – Sadismus, Monstrosität – Verletzlichkeit konfrontiert. In Hungry Hungry Hippoes (2007) beispielsweise befinden sich drei halb nackte, durch Reizwäsche stark sexualisierte Frauenfiguren aus Trikotstoff, die in ihrer gewaltigen Leibesfülle an Nilpferde erinnern, mit einem zarten, nackten, schwarzafrikanischem Knaben in einer Umkleide und treiben ein schauerliches Spiel, das im Assoziationsfeld zwischen Zuwendung und Missbrauch changiert. Djurberg manipuliert in ihren Arbeiten bewusst die Sehweise des Zuschauers und macht ihn somit zum Voyeur, der mit Faszination und Abgestoßenheit reagiert.
Nathalie Djurberg erwarb 2002 ihren Abschluss an der Kunstakademie in Malmö (Schweden) und hatte bereits im gleichen Jahr ihre erste Einzelausstellung in Schweden. Seit 2004 stellt sie an renommierten Institutionen weltweit aus. Sie gilt international als eine der aufstrebendsten jungen Künstlerinnen Schwedens und lebt in Berlin.
Nathalie Djurberg
| Sammlung Goetz, München
| bis 11. Oktober 2008
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PUBLIKATION
zur Ausstellung
Kunsthalle Wien
31.01. - 13.03.07
Nathalie Djurberg.
Denn es ist schön zu leben
Hrg.: Gerald Matt,
Angela Stief
für die Kunsthalle Wien
| Taschenbuch
| 100 Seiten
| 62 farbige Abb.
| deutsch / english
| 16 x 12 x 0,8 cm
Nathalie Djurberg erzählt in ihren Animationen Geschichten, die die Schönheit des Lebens vor allem in dunklen Fantasien, unzüchtigen Darstellungen und im Bruch von gesellschaftlichen Tabus suchen und finden. Im project space wird ein umfangreicher Einblick in das Trickfilm-Oeuvre der jungen schwedischen Künstlerin gewährt.
Nathalie Djurberg geboren 1978, stellte u.a. in der Foundation Beyeler, Basel, der Tate Modern, London und dem P.S.1 Contemporary Art Center/MoMA New York aus und nahm an der Berlin Biennale (2006) teil.
Von der Regie über die technische Realisierung bis zu den Plastilinfiguren, macht Nathalie Djurberg alles selbst. Es entstehen Geschichten, die nicht halten, was sie auf den ersten Blick versprechen, die Kindlichkeit der Gestaltungsmittel, wird den Inhalten diametral entgegen gesetzt: Djurberg führt Machtspiele auf, sie inszeniert mit viel Blut und Tränen Sadismen wie Masochismen. Sie bewirkt durch die Kontrastierung von hartem Content mit kindlich anmutender Formensprache ein Erschrecken wie Entzücken, das seinesgleichen sucht.
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VIDEO | Dauer: ca. 57 Minuten
White Screen: incontro con Nathalie Djurberg e i suoi video
Viafarini, Milano. 23 maggio 2007.
Milovan Farronato im Dialog mit Nathalie Djurberg. Mit zahlreichen Filmausschnitten.
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Bewegte und starre Bilder
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Die Sammlung Goetz in München gilt als bedeutend für die Gegenwartskunst. Die einstige Galeristin Ingvild Goetz sammelt ebenso wagemutig wie zielsicher. Jetzt bietet ihre Sammlung eine erstaunliche Doppelausstellung: Sie zeigt Arbeiten der Schwedin Nathalie Djurberg und des belgischen Künstlers Francis Alys, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Goetz entdeckte sie ( Djurberg ) 2006 auf der vierten Berlin Biennale. Obwohl damals erst 27 Jahre alt, erregte die gebürtige Schwedin mit ihren Videoarbeiten sofort Aufsehen. Darin zeigt sie selbstgebastelte Figuren aus knetgummiartigem Material, die im ersten Moment durchaus wie Lehrfilme aus dem Kleinkinderfernsehen wirken. Erst dann registriert man, dass es sich um Figuren bei extremen sexuellen Handlungen handelt, um Fantasien von Liebe und Zwang, Unterdrückung und Unterwerfung, Obsessionen und Perversionen. Und man entdeckt, dass man fasziniert und durchaus berührt hinschaut, dass allein schon die kindlich-unschuldige Präsentation dieser Filme buchstäblich eine Eindringlichkeit bewirkt, die die vorschnellen Einordnungen umgeht.
In dem Video “Feed all the Hungry little Children” zeigt Djurberg eine Frau mit entblößten Brüsten, aus der die Milch in Fontänen in die aufgesperrten Münder einer Kinderschar spritzt, die um sie herumsitzt, eine bedrohliche wie ausgebeutete Übermutter, die eine fast spirituell überhöhte Allegorie auf das sexuelle Machtspiel der Fürsorge ist.
Deutschlandradio - Beitrag lesen
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Nathalie Djurberg
| Sammlung Goetz, München
| bis 11. Oktober 2008
Jul
17
Dali | Malerei und Film
Juli 17, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer | PT Tate Modern | MoMA
Das Museum of Modern Art New York zeigt bis zum 15. September 2008 die Ausstellung “Dalí: Painting and Film”. Es ist die erste Ausstellung, die die enge Verbindung zwischen der Malerei und den Filmen von Salvador Dalí (1904 – 1989) untersucht. Organisiert wurde die multimediale Dali-Schau von der Tate Modern London, in Zusammenarbeit mit der Fundació Gala-Salvador Dalí und dem Museum of Modern Art.
Durch seine Zusammenarbeit mit Luis Buñuel, Alfred Hitchcock und Walt Disney entstanden einige der unvergesslichsten und einflussreichsten Szenen des avantgardistischen Kinos.
Dalí & Film ist chronologisch angeordnet und fasst mehr als einhundert Werke aus Sammlungen der ganzen Welt zusammen, darunter über 60 Gemälde. Parallel dazu sind Dalís wichtigste Filmprojekte zu sehen, wie zum Beispiel Un Chien andalou, L’Âge d’or (1929/30), Spellbound (1945) oder Destino (1946), sowie die dazu gehörige Fotografien, Zeichnungen und Manuskripte.
Die zwei Filme, die er als Co-Autor mit Luis Buñuel 1929/30 drehte, Un Chien andalou ( Ein andalusischer Hund ) und L’Âge d’or ( Das Goldene Zeitalter ), zeugen von Dalís lebhafter Fantasie und seiner Beschäftigung mit den für den Surrealismus so wichtigen Theorien Freuds, besonders dessen Traumdeutung und Theorie zum Unterbewussten. “Ein andalusischer Hund” beinhaltet eindringliche Bilder, wie zum Beispiel das Zerschneiden eines Augapfels mit einem Rasiermesser.
VIDEO | Ein andalusischer Hund | Schwarzweiß, 17 Minuten
| Der Film von Luis Buñuel und Salvador Dalí gilt als Meisterwerk des surrealistischen Films. Bei der Premierenvorstellung 1929 in Paris trug Buñuel sicherheitshalber Steine in den Taschen, um sich gegen das vielleicht aufgebrachte Publikum wehren zu können. Aber die Gästeliste garantierte den Erfolg: Picasso, Man Ray, André Breton, Le Corbusier, Aragon, Max Ernst, Magritte, Cocteau und Eluard.
| FILMBESPRECHUNG | Der andalusische Hund
“Der Inhalt, das Drehbuch dieses radikalen Werkes geht auf zwei Träume beider Künstler zurück. Jedoch filterten Buñuel und Dalí alle Bilder und Ideen hinfort, die zu einer Erklärung oder logischen Rationalität hätten führen können. Ja, “Der andalusische Hund” sollte die Irritation, die Eliminierung des Verstandesmäßigen und der Psychologie in ihrer Totalen sein. Eine traditionelle Narration sucht man ebenfalls wie eine logisch aufeinander aufbauende, sukzessive Szenenabfolge vergebens. Kein Schnitt, keine Aktion auf der Leinwand sollte erklärbar, nicht einmal konkret interpretierbar sein. So dient schon der Titel des Films zur Verunsicherung: Einen Hund gibt es im ganzen Film nicht, und schon gar keinen andalusischen.”
Dali-Studie für die Traumsequence in “Spellbound”, 1945
Sein ganzes Leben lang beschäftigte Dalí sich mit Filmen. Er entwickelte poetische Texte und Skizzen, Szenarien und Gemälde. Seine traumartigen Visionen entpuppten sich als ideal für Hollywood in den 1940ern und auf der Kinoleinwand wurden Dalís Fantasien zugänglich für ein Massenpublikum. Dalí ergriff die Gelegenheit mit Hitchcock an Spellbound zu arbeiten.
VIDEO | Spellbound | Traumsequenz 1945 | Regie: Alfred Hitchcock |
| Oscar für Miklós Rózsa | Filmmusik
Die Traumsequenz wurde von Salvador Dalí entworfen und war ursprünglich etwas länger angelegt. Sie enthielt eine Szene in einem Ballsaal mit herabhängenden Klavieren und unbeweglichen Figuren, die vorgeben zu tanzen, gefolgt von dem vorgeblichen Dr. Edwardes alias John Ballantine, der mit Dr. Peterson tanzt, bevor sie sich in eine Statue verwandelt. In der Endfassung des Films fiel diese Szene aus Zeitgründen dem Schnitt zum Opfer. ( wikipedia )
Wie diese Ausstellung zeigen wird, übertrug die berühmte Traumsequenz für Hitchcocks Thriller die Bildsprache Dalís zeitgleich entstandener Gemälde wie Melancholy, Atomic, Uranic Idyll (1945) auf das cinematografische Großformat.
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| MoMA
| Dali Online-Special
| Museum of Modern Art
| bis 15. September 2008
KATALOG zu den Ausstellungen
in London und New York
Dali & Film
| Gebundene Ausgabe
| 238 Seiten
| 65 s/w Illustrationen
| Sprache: Englisch
| 29,2 x 24,9 x 2,3 cm
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VIDEO | 1971
| Blick von Orson Welles auf den symphatisch durchgeknallten Meister.
| “Soft Self Portrait”
Jul
10
Buckminster Fuller
Juli 10, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | wikipedia de |
Das Whitney Museum of Modern Art in New York zeigt zeigt das Werk von R. Buckminster Fuller bis zum 21. September 2008.
Bekannt wurde Fuller durch seine Domes oder geodätischen Kuppeln, die man meist auf Ausstellungen, in Science-Fiction-Filmen oder als Teil von Militäranlagen (Radarkuppeln) sichten kann. Auch Achterbahnen fanden in diesen Kugeln Platz (z. B. der Eurosat im Europa-Park bei Rust). Sie basieren auf einer Weiterentwicklung von einfachsten geometrischen Grundkörpern (Tetraeder als 3-Simplex, Oktaeder und dichteste Kugelpackungen) und sind extrem stabil und mit geringstem Materialaufwand realisierbar. Das Konstruktionsprinzip wurde 1954 patentiert. Fuller hat als einer der Ersten das Wirken der Natur als durchgängiges systemisches Wirken unter wirtschaftlichen Prinzipien (Material- und Energie-Effizienz und die damit verbundene Tendenz zur Ephemerisierung) gesehen. Ein anderer wichtiger Aspekt war für ihn das Entdecken von nutzbaren Synergien, ein Begriff, den er mit prägte.
Starting with the universe
Er wirkte als Designer, Wissenschaftler, Forscher, Entwickler und Schriftsteller und propagierte dabei schon frühzeitig globale und kosmische Sichtweisen, z. B. in Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde. Mit der Frage nach der „Integralfunktion des Menschen im Universum“ warf er die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens auf moderne Weise auf. Seine in späteren Jahren entwickelten Methoden und technischen Konstruktionen versuchen Minimalprinzipien in den Bereichen der Technik fortzuentwickeln, um damit zur Vermeidung des „kosmischen Bankrottes“ der Menschheit Mittel zur nachhaltigen Fortentwicklung unserer Zivilisation bereitzustellen. Diesem Zweck diente auch die Propagierung des World Game, das – im Gegensatz zu Konfliktsimulationen – praktisch aufzeigen sollte, wie spontane Kooperation das Leben aller Menschen verbessern kann.
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BUCKMINSTER FULLER
Infos auf wikipedia
One of the great American visionaries of the twentieth century, R. Buckminster Fuller (1895-1983) endeavored to see what he, a single individual, might do to benefit the largest segment of humanity while consuming the minimum of the earth’s resources. Doing “more with less” was Fuller’s credo. He described himself as a “comprehensive anticipatory design scientist,” setting forth to solve the escalating challenges that faced humanity before they became insurmountable.
Fuller’s innovative theories and designs addressed fields ranging from architecture, the visual arts, and literature to mathematics, engineering, and sustainability. He refused to treat these diverse spheres as specialized areas of investigation because it inhibited his ability to think intuitively, independently, and, in his words, “comprehensively.”
Although Fuller believed in utilizing the latest technology, much of his work developed from his inquiry into “how nature builds.” He believed that the tetrahedron was the most fundamental, structurally sound form found in nature; this shape is an essential part of most of his designs, which range in scale from domestic to global. As the many drawings and models in this exhibition attest, Fuller was committed to the physical exploration and visual presentation of his ideas.
The results of more than five decades of Fuller’s integrated approach toward the design and technology of housing, transportation, cartography, and communication are displayed here, much of it for the first time. This exhibition offers a fresh look at Fuller’s life’s work for everyone who shares his sense of urgency about homelessness, poverty, diminishing natural resources, and the future of our planet.
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Buckminster Fuller | Starting with the universe
| Whitney Museum of Modern Art, New York
| bis 21. September 2008
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| PROMOTION _ VIDEO | Buckminster Fuller | Whitney NY
PHOTO-STRECKE
What We Can Learn From Buckminster Fuller
WIRED MAGAZINE
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Der tüftelnde Architekt
DEUTSCHLANDFUNK Kultur - Heike Wipperfürth
Das futuristische Fahrgestell in einem Raum des Whitney Museum. Eiförmig, dreirädrig, dunkelblau. Es bietet, so tönt die Stimme seines berühmten Erfinders aus dem Fernseher, Platz für 11 Passagiere. Der neugierige Besucher würde am liebsten sofort eine Probefahrt machen. Ein guter Start, um sich mit dem vor 25 Jahren verstorbenen Utopisten Buckminster Fuller zu befassen.
“Fuller lebt weiter: Als Provokateur, der die Menschen mit seiner Überspanntheit und bloßer Phantasie zum Denken auf globaler und futuristischer Ebene zwingt. Mit seinem Utopismus müssen wir uns befassen. So radikal futuristisch zu denken wie er wagt heute kaum einer mehr.”
Der New Yorker Architekt Reinhold Martin
Wie radikal Fuller war zeigt sich in der vierten Etage des Whitney Museums, in der seine Modelle, Bilder, Fotografien, Pläne und Filme ausgestellt sind.

Erstaunt bleibt das Auge haften: Auf kugelförmigen Modellen und Zeichnungen fast unbegrenzter Entwurfsfantasie. Sie sind gezeichnet von einem Mann, der sich als “Versuchskaninchen B” und unseren Heimatplaneten Erde als Raumschiff beschrieb. Dana Miller, die zusammen mit Michael Hays die Ausstellung “Buckminster Fuller: Starting with the Universe” kuratiert hat, versteht das so:
“Fullers Denken erlangt das hohe Niveau eines utopischen Träumers und Visionärs. Natürlich ist sein Selbstwertgefühl sehr ausgeprägt, aber ich glaube, er wollte etwas für die Menschheit tun. Und für die Umwelt. Darum geht es, wenn er vom Raumschiff Erde redet. Er meint, dass wir alle Astronauten sind, die in einem zusammengehörigen System durch ein viel größeres Universum reisen.”
Der Kuratorin Miller zufolge braucht man sich nur Fullers Weltkarten und sein World Game anzusehen, um seine Aktualität zu erkennen: Auf einem Bildschirm können Spieler neue Szenarien für eine gerechte Verteilung der Weltressourcen entwickeln - mit und gegeneinander.
DEUTSCHLANDRADIO - Beitrag lesen
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PUBLIKATION
Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde
und andere Schriften FUNDUS Bd. 137
von Richard Buckminster Fuller
| Gebundene Ausgabe
| 318 Seiten
| Sprache: Deutsch
Auf die Rolle des Architekten, Designers, Ingenieurs oder Wissenschaftlers wollte sich R. Buckminster Fuller (18951983) nie festlegen lassen, die Grenzziehungen des Spezialistentums hätten Beschänktheit, Unfreiheit und Fehlentwicklungen zur Folge. Mit seinen “Artefakten” strebte er danach, Grenzen zu öffnen, den Sinn für das Ganze zu wecken. Frank Lloyd Wright nannte ihn einen Menschen mit größtem Empfinden und prognostischem Vermögen, Ezra Pound feierte ihn als “Freund des Universums, Glücksbringer, Befreier” und die Beatles widmeten ihm “Fool on the Hill”…
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Der weitsichtigste Mann unseres Jahrhunderts
TELEPOLIS - Martin Pawley 14.12.1997
Richard Buckminster Fuller (1895-1983), Erfinder, Ingenieur, Philosoph und Dichter, hat mehr Anleitungen für die Nachwelt als jeder andere der großen Wegbereiter der modernen Architektur hinterlassen, deren Einfluß und Gedankengut mit den sich ändernden Verhältnissen abgenommen hat.
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Buckminster Fuller | Starting with the universe
| Whitney Museum of Modern Art, New York
| bis 21. September 2008
Jul
9
Bad Painting - Good Art | MUMOK Wien
Juli 9, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT MUMOK Wien
Bis zum 12. Oktober 2008 zeigt das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien die Ausstellung „Bad Painting“. Interessante Maler des 20. Jahrhunderts wie Francis Picabia, René Magritte, Asger Jorn, Philip Guston, Neil Jenney, Georg Baselitz, Albert Oehlen, Martin Kippenberger oder Julian Schnabel griffen mit unterschiedlichen Strategien eines unkorrekten, schlechten, hässlichen oder bösen Malens ihr Medium radikal an, um ihm damit neue Möglichkeiten zu bieten. Anhand markanter Werke von 20 Künstlern präsentiert die Ausstellung „Bad Painting“ ein Phänomen, das eine neue, differenzierte Sichtweise auf die Geschichte der Malerei seit der Moderne eröffnet und für den gegenwärtigen Diskurs mitbestimmend wirkt.
Malerei als Proteststrategie
Bad Painters bekennen sich eindeutig zur Malerei. Sie fordern dem Medium kritisches Potential ab, indem sie sich gegen bestehende Kanons der Traditionalisten ebenso wenden, wie sie dogmatische Konzepte und Vorschriften in den Avantgarden angreifen. Somit ist Bad Painting nicht zuletzt eine Kritik an den Utopien der Moderne, deren uneinlösbare Ansprüche und Versprechungen es aufdecken will. Als Gegenbewegung bestimmt die Strategie des Bad Painting bei keinem der Künstler das gesamte Schaffen, sondern kommt jeweils nur in bestimmten Phasen zum Einsatz.
Gegen die Dogmen der Klassischen Moderne
Schon in den 1920er Jahren propagierte Francis Picabia Stilpluralismus und Stilbruch als Alternativen zum linearen Innovations- und Fortschrittsglauben der Avantgarden. Er wird seit den 1980er Jahren als Vaterfigur des Bad Painting gefeiert. Aus Protest gegen den Dogmatismus seiner Surrealistenkollegen brach auch René Magritte aus seinem Signature Style aus — wenngleich nur für eine kurze Zeit. In den Bildern seiner „période vache“ (1948) wird das formale wie inhaltliche Repertoire der Malerei der Moderne in parodistischer Weise „durchgespielt“. Ende der Fünfzigerjahre findet Asger Jorn in seinen „Modifications“ — Übermalungen auf Trödelmärkten gekaufter Bilder —zu einer positiven Einschätzung des Kitsch, den er als „Bad Painting“ bezeichnet. „Personally I like bad better than good.“
Malen gegen die Ächtung der Malerei
Ideologische Kämpfe zwischen Abstraktion und Figuration, ebenso wie die Ächtung der Malerei durch die Avantgarden zwangen die „Bad Painters“ in den 1960er und 1970er Jahren zu klaren Positionierungen: Georg Baselitz will „mit Mist, Schlamm und Unfarben […] wirklich schlechte Bilder malen“, um „mit Aggression und mit heftigem Widerspruch“ etwas „gegen die schönen Dinge zu setzen.“ Sigmar Polke formuliert seine Kritik an der ideologischen Befrachtung des Vokabulars der Moderne in Form von Malerei und setzt sich auch mit dem Phänomen des Kitsch auseinander.
In Amerika wendet sich Philip Guston Ende der 1960er Jahre vom abstrakten Expressionismus zugunsten idiosynkratischer Bilder ab. Heute sind diese Bilder, mit denen er bis zu seinem Tod auf größtes Unverständnis stieß, wesentliche Positionen des Bad Painting. Um 1969/70 produziert Neil Jenney eine von ihm selbst als „Bad“ oder „Unconcerned Paintings“ benannte Serie, die er jedoch wieder beendete. Ihm wurde bewusst, dass selbst wenn er „die schlechtest möglichen Bilder produzierte, diese nicht gut genug wären“.
Bad Painting im Malerei-Hype der 1980er Jahre
Dem dekonstruktiven Ansatz der Postmoderne entsprechend erlebte Bad Painting in den 1980er Jahren eine Hoch-Zeit. Künstler wie Albert Oehlen, Martin Kippenberger oder Werner Büttner betrieben eine radikale Befragung des Mediums und seiner Wirkunsmöglichkeiten. Mit ihrer schonungslos alles und jedes in Frage stellenden Herangehensweise zogen sie dabei nicht zuletzt gegen die oft nur als allzu einfache „gute Malerei“ zu Felde, die damals allerorts boomte. Auch die Weigerung des Amerikaners Julian Schnabel, sich auf einen Stil festzulegen, entspringt dem Geist der Ablehnung jeglicher Regeln und Verbindlichkeiten.
Die Ausstellung führt bis zu aktuellen Positionen des Bad Painting, darunter jenen von John Currin und Lisa Yuskavage. Diese greifen den amerikanischen Wertekanon von Anstand, Korrektheit, “gutem Geschmack” und Schönheit in einer Weise an, die als schockierend, sensationalistisch, “politically incorrect” und “reaktionär” beschimpft wird. Unter anderem arbeiten sie dabei mit dem Rückgriff auf die von den Avantgarden verpönten Malweisen der alten Meister, um das Medium zu kritisieren und ihm neue Impulse zu verschaffen.
Ausgestellte Künstler:
Georg Baselitz, Werner Büttner, André Butzer, John Currin, Giorgio De Chirico, Pinot Gallizio, Philip Guston, Neil Jenney, Asger Jorn, Martin Kippenberger, René Magritte, Albert Oehlen, Francis Picabia, Sigmar Polke, Heimrad Prem, Peter Saul, Julian Schnabel, Helmut Sturm, Lisa Yuskavage, HP Zimmer.
Bad Painting - Good Art
| Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
| Kuratorinnen: Eva Badura-Triska, Susanne Neuburger
| bis 12. Oktober 2008
Bilderstrecke
| KURIER, Österreich
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Schlechte Kunst ist gute Kunst?
3sat Kulturzeit - Claudia Teissig
“Pfeifen Sie auf Kuratoren und Kritiker-Gequassel und emanzipieren Sie sich!”
“Trottel, Schnellficker, Affenarsch, Arschkriecher, Speichellecker”
steht auf dem “Schimpftuch” von Sigmar Polke. Was ist los mit dem sonst so wortkargen Künstler? Lässt er einfach dem “Tourette-Syndrom” auf der Leinwand freien Lauf? Fern von jeglicher “political correctness”? Und das alles auch noch in Anwesenheit der österreichischen Kunstministerin. In dieser Ausstellung, die Claudia Schmied eröffnet hat, ist eben alles anders. Hier hat das Arge, das Üble, das Böse, das Kranke, das Niedere, das Schlimme, das Schlechte, das Verdorbene und das Zweifelhafte Einzug gehalten. “Bad Paintings - good art” von 20 bösen Künstler-Buben und immerhin einem schlimmen Mädchen.
Trotz berühmter Namen wie Magritte, Picabia und anderen ist “Bad Painting” kein Blockbuster im “Schröderschen” Sinne, sondern eine Schau mit wissenschaftlichem Anspruch. Publikumswirksam ist sie zugleich auch noch.

Was aber bitte ist nun “Bad Painting”? Einfach schlecht gemalte Bilder - und die sollen wir uns auch noch ansehen? Der Begriff geistert seit den späten 1970er Jahren durch die Kunstdiskussion. Frei nach dem Motto “Die Malerei ist tot, es lebe die Malerei!” üben die Künstler rotzfrech und schonungslos Kritik an Traditionalisten wie Avantgardisten, richten sich gegen erstarrte Regeln und ironisieren die utopischen Ansprüche der Moderne. Die Absicht ist einzig und allein, dem alten Medium immer wieder neue Impulse zu verschaffen.
Kuratorin Eva Badura-Triska erklärt: “Es gibt seit den 1920er Jahren bis heute immer wieder Maler, die ausbrechen, indem sie einfach den Gedanken verweigern, überhaupt an die Möglichkeit eines guten, eines richtigen, eines korrekten Bildes zu glauben. Sie kritisieren die Malerei mit ihren eigenen Mitteln, indem sie sie eben mit unkorrekten, bösen und verschiedenen ‘unkorrekten’ Malweisen angreifen.”
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PUBLIKATION
zur Ausstellung in Wien
Susanne Neuburger,
Eva Badura-Triska (Hg.)
| 256 Seiten
| mit 129 farbigen
| und 13 s/w Abbildungen,
| deutsch/englisch
| H 28 x B 22 cm,
| broschiert
Diese Publikation setzt sich mit dem Phänomen des bewusst »schlechten« Malens auseinander, das sich in der Geschichte der Malerei des 20. Jahrhunderts immer wieder findet. Anerkannte Maler wie Francis Picabia, René Magritte, Asger Jorn, Philip Guston, Georg Baselitz, Sigmar Polke oder Julian Schnabel wandten »Bad Painting« an, um die Malerei herauszufordern, ihr Werk zu durchbrechen oder zu ironisieren und dem Medium letztendlich zu neuer Lebenskraft zu verhelfen.
Ohne programmatische Festlegung ist »Bad Painting« als Strategie eines schlechten, hässlichen, bösen – oder im Sinne des amerikanischen »bad« auch wieder obszönen – Malens zu verstehen. Eine Strategie, die die Malerei mit ihren ureigensten Mitteln kritisiert und meist in bestimmten künstlerischen Phasen eingesetzt wird, um dem Medium neue Möglichkeiten zu eröffnen.
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Visuell frisch, klassisch modern
K2 - Kultur Highlights in Wien und Niederösterreich
In den Bildern von Lisa Yuskavage räkeln sich gesichtslose Blondinen mit schweren Brüsten und prallen Hinterteilen, da masturbieren Schwangere, da werden herzhaft Beine gespreizt und Zitate barocker Bildhauer mit dem bonbonfarbenen Universum der Rokokomaler gemixt.Die Arbeiten der 45-jährigen Amerikanerin tragen auch Titel, die nach Aufmerksamkeit schreien: Sie heissen ≥Tittenhimmel„ (Tit Heaven, 1992), ≥Kleiner Wichser„ (Wee Motherfucker, 1996) oder ≥Brut„ (Brood, 2006).

Was ist denn DAS nun? Ist das eine Zumutung, peinliche Geschmacklosigkeit, Kitsch, ein Zeitgeistphänomen? Oder bloß Bad Painting? Im jenem Sinne, wie es die Ausstellung im Museum moderner Kunst versteht: Also vielschichtig zwischen “böser”, absichtlich “schlechter” oder “hässlicher” Malerei ebenso wie, ganz im amerikanischen Sinne “geiler” Malerei.
In jedem Falle ist es ironische Kunst, die sich zynisch selbst zu verspotten scheint. Wenn einer weiß, was Kitsch ist, dann bin ich es”, kommentiert Lisa Yuskavage etwa ihre Arbeiten selbstbewusst wie augenzwinkernˆ und schließt damit nahtlos an kunsthistorische Fixpunkte an wie etwa die Aussage von Asger Jorn, der schon in den 50er Jahren zu einer positiven Einschätzung des Kitsch fand, den er als Bad painting bezeichnete. Nicht ohne anzufügen: Personally I like bad better than good„ …
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Bad Painting - Good Art
| Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
| Kuratorinnen: Eva Badura-Triska, Susanne Neuburger
| bis 12. Oktober 2008
Jul
8
Paul Thek - Artist´s Artist
Juli 8, 2008 | Leave a Comment
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT ZKM Karlsruhe |
Mit der Ausstellung “Paul Thek - Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst” wurden Ende Mai 2008 die umgebauten und erheblich erweiterten Räumlichkeiten der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg neu eröffnet. Damit entstand die größte private Kunsthalle Norddeutschlands.
Die zuvor im ZKM Karlsruhe gezeigte Thek-Schau ist nun im Hamburger Süden bis zum 14. September 2008 zu sehen.
Der amerikanische Künstler Paul Thek (1933-1988) genießt unter den zeitgenössischen Künstlern Kultstatus – durch sein spannungsreiches Œuvre, in dem er Themen und Symbole aus Religion, Kunst, Theater und Literatur aufgreift, nimmt sein Werk bis heute bedeutenden Einfluss auf die Gegenwartskunst. Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und raumgreifende Environments gehören gleichermaßen zu Theks Ausdrucksmitteln. Seine Kunstwerke zeigen sich mystisch, religiös und kritisch sozialen Ungerechtigkeiten wie auch der Kunstwelt gegenüber, wobei er mitunter widersprüchlich zwischen nomadieserendem Hippietum und verklärendem Charismatiker pendelt, aber auch nicht selten eine Portion Melancholie und Humor in seine Werke mit hinein spielt.
Bekannt wurde Paul Thek mit der Serie Technological Reliquaries (Technologische Reliquienschreine) – Plexiglaskästen mit realistisch anmutenden Fleischstücken aus Wachs, die er zum ersten Mal 1964 in New York ausstellte. Mit Hilfe der Kontraste von Material und Inhalt bewegt sich Thek mit diesen Objekten - wie auch mit der legendären Installation Tomb (1967) - gleichzeitig zwischen dem scheinbar Realem und dem offensichtlich Artifiziellem.

“In New York beginnt Thek an einem Abguß seines ganzen Körpers sowie an einer Serie abgegossener Körperteile in Plexiglaskasten zu arbeiten, wobei ihm der Künstler Neil Jenney assistiert. Es entsteht sein erstes Environment, The Tomb (Das Grab), das aus einem hölzernen, rosa gestrichenen Zikkurat und seinem Körperabguß besteht. Auch The Tomb kann als Parodie auf die Miminal Art gesehen werden. The Tomb beginnt seine Ausstellungsreise 1967 in der Stable Gallery und im Whitney Museum of American Art in New York, wo es in The Tomb – Death of a Hippie (Das Grab – Tod eines Hippies) umbenannt-wird, was Thek ein Dorn im Auge ist. `Das Grab hatte nie etwas mit Hippies zu tun… Die Presse hat das angezettelt’, schreibt er auf einer Postkarte an den Kunstkritiker Robert Pincus-Witten. Der schreibt im November 1967 in Artforum: Einerseits findet er [Thek] obsessive und feine Ausflüchte, was die theatralische Konfrontation mit scheinbar nicht vorauszusehenden Situationen und Objekten betrifft, und andererseits versucht er, eine unveränderliche und gelassene Welt zu schaffen, die selbst eine Metapher für Ich-Verlust (Schizophrenie) und Tod (katatonische Paralyse) ist.’ The Tomb wird erneut 1968 in der Ausstellung The Obsessive Image 1960-1968 im Institute of Contemporary Art in London gezeigt.”
Dem Katalog “Paul Thek - The wonderful world that almost was” entnommen, der anlässlich der Retrospektive des amerikanischen Künstlers erschienen ist [Witte de With, center for contemporary art, Rotterdam (03.06.95-08.10.95).
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Die Auswahl der zeitgenössischen, jüngeren Künstler ergibt sich aus ihrer Verwandtschaft zu den genannten Aspekten in Theks heterogenem Schaffen. Ausgehend und beeinflusst von den Ansätzen dieses “Künstler-Künstlers” zeigen sich ihre Arbeiten ohne Anspruch auf Vollständigkeit als selbstständige Positionen im gegenwärtigen Kunstbetrieb, dessen Praktiken heute deutlich andere sind als zu Theks Zeiten. Vor diesem Hintergrund unternimmt die Ausstellung den Versuch, das Werk Paul Theks aus einer neueren, aktualisierten Perspektive in den Blick zu nehmen.
Mit über 350 Kunstwerken ist die Ausstellung die bisher umfassendste Werkschau von Paul Thek. Ein Großteil der mitunter äußerst fragilen Kunstwerke von Paul Thek, aber auch der hier ausgestellten Gegenwartskünstlern, befindet sich in Privatbesitz und wurde daher der Öffentlichkeit bisher nur selten gezeigt.
THEK - Bilderstrecke | ZKM Karlsruhe
VIDEOs | ZKM Karlsruhe
Paul Thek
- Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst
| Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
| bis 14. September 2008
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Paul Thek | Artist’s Artist
Edited by Harald Falckenberg
und Peter Weibel
| 550 Seiten
| 300 color illus.
| 200 s&w illus.
Thek´s Behandlung des Körpers in Arbeiten wie “Technologische Reliquienkästchen,” mit ihren castings und Repliken von menschlichen Körperteilen, Gewebe und Knochen, rufen die Aura von christlichen Reliquien herbei und sehen die Arbeit von Damien Hirst voraus. Mit mehr als 500 Abbildungen (300 in Farbe) und neunzehn Essays von: Jean-Christophe Ammann, Margrit Brehm, Bazon Brock, Suzanne Delehanty, Harald Falckenberg, Marietta Franke, Stefan Germer, Kim Gordon, Roland Groenenboom, Axel Heil, Gregor Jansen, Mike Kelley, John Miller, Susanne Neubauer, Kenny Schachter, Harald Szeemann, Annette Tietenberg, Peter Weibel, Ann Wilson.
Zwanzig Jahre nach dem Tod von Thek durch AIDS können wir jetzt seinen Einfluss auf zeitgenössische Künstler wie Vito Acconci und Bruce Nauman Matthew Barney, Mike Kelley, und Paul McCarthy, sowie Kai Althoff, Jonathan Meese, und Thomas Hirschhorn erkennen. Dieses Buch bringt mehr als 300 Arbeiten von Thek zusammen - von denen viele hier zum ersten Mal veröffentlicht werden - und bietet damit die bislang umfassendste Zusammenstellung seiner Arbeit. Das Buch, das die Ausstellungen im ZKM | Museum der Zeitgenössischen Kunst, Karlsruhe und in der Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg begleitet, präsentiert die Arbeit von Thek im Dialog mit zeitgenössischer Kunst junger Künstler und schließt Malerei, Skulptur, Zeichnung, und Installationsarbeit, sowie Fotografien ein.
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Mach Schluss mit dir selbst | Vater der Subversion: Paul Thek
TAGESSPIEGEL online | Carmela Thiele
Rund 300 Exponate wurden zusammengetragen, Skizzenbücher lassen sich elektronisch durchblättern, jede Menge Leinwände, sogar Bronzeplastiken und ein paar kleinere Environments geben einen Eindruck von der ausufernden Produktion Theks. Dazu begnügte sich der Initiator, der Hamburger Sammler Harald Falckenberg, nicht mit einer monographischen Werkschau. Sie ist eingebettet in zum Teil raumgreifende Installationen eines illustren Kreises von Künstlern, die sich zu Thek bekennen: etwa Mike Kelley, Franz Ackermann, Gregor Schneider, Thomas Hirschhorn und Jonathan Meese.
Wozu das alles? Um dem 1988 an Aids gestobenen Künstler posthum Ehre angedeihen zu lassen? Um sein kompromissloses Werk als Leuchtturm für orientierungslose Kunststudenten aufzurichten? Dem entleerten Kunstbetrieb neuen Geist einzuhauchen? „Ein Statement wie Theks ,Get over yourself’ war und ist für junge Künstler zu Beginn der neunziger Jahre ein Motto, das heute, 15 Jahre später schon fast wieder exotisch wirkt, wo das Betriebssystem die Arbeit im Studio völlig aufgefressen hat“, erklärt Axel Heil, selbst Künstler, Professor in Karlsruhe und Thek-Fan die subversive Wirkung des Künstler-Künstlers. Nachdem Mike Kelley zu Beginn der neunziger Jahre einen Aufsatz über den mehrfachen documenta-Teilnehmer veröffentlicht hat, gehörte die Legende Thek zum Palaver am „campfire“ der Studios. Da war es tatsächlich einem Künstler in den sechziger Jahren gelungen, das Zeitkorsett der Institutionen zu brechen und die Ausstellungsräume als Atelier zu übernehmen - ganz abgesehen von seiner totalen, wilden Stillosigkeit.
Nun sitzen wir alle mit am „campfire“. In Zeitlupe tanzt ein Langhaariger in Parka und Jeans zu „Mr. Bojangles“, dem Song über die freien, aber armen Outcasts dieser Welt.
Gerne hätte man mehr erfahren über den damaligen Kontext des Werks von Thek, seine Freundschaft zu Eva Hesse und Susan Sontag, über jene Zeit als das Pop-Environment und das Happening in New York Konjunktur hatten. Denn die „Meat-Pieces“ des deutschstämmigen New Yorkers sind von einem romantischen Tiefgang, der in den USA nur bedingt Anklang fand. Die Serie von 1966, auch „Technological Reliquaries“ genannt, menschliche Fleischfragmente, nachgebildet aus Wachs und präsentiert in transparenten Plexiglas-Zylindern spielen auf den Tod im scheinbar Lebendigen an, auf die „Zahlen und Figuren“, die die Oberhand gewonnen und das nackte Leben auf die hinteren Plätze verwiesen haben. Romantisch ist auch der universell-religiöse Charakter vieler Enviroments, den der katholisch geprägte Künstler immer wieder in Anlehnung an fremde Kulturen suchte.
„Heute geht es darum, dass wir unsere Sinne wiedererlangen. Wir müssen lernen mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen“,
schrieb Susan Sontag 1964 in ihrem Paul Thek gewidmeten Aufsatz „Against Interpretation“ mit dem berühmten Schlusssatz:
„Statt einer Hermeneutik brauchen wir eine Erotik der Kunst.“
Sie empfiehlt den Kunstkritikern und Museumsleuten ein beschreibendes, kein vorschreibendes Vokabular. Doch gilt vielleicht gerade für Thek heute das Gegenteil. Wenn sein Werk nicht gedeutet wird, bleibt es nebulös.
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Susan Sontag widmete Paul Thek ihren Klassiker “Gegen die Interpretation / Against Interpretation”. In diesem Manifest greift sie den zeitgenössischen akademischen und kritischen Umgang mit Kunst und namentlich Literatur scharf an. Dieser bestehe darin, die Form und sinnliche Gegenwärtigkeit eines Kunstwerkes als lästiges Beiwerk beiseitezuräumen, um sich seinem vermeintlich ›eigentlichen‹ Kern, dem Inhalt, zuwenden zu können.
“Die Interpretation ist eine radikale Taktik der Konservierung eines alten Textes, der für zu kostbar gehalten wird, als daß er einfach abgelehnt werden könnte und der deshalb neu aufpoliert wird.”
“In einer Kultur, deren bereits klassisches Dilemma die Hypertrophie des Intellekts auf Kosten der Energie und der sensuellen Begabung ist, ist Interpretation die Rache des Intellekts an der Kunst.”
“Mehr noch. Sie ist die Rache des Intellekts an der Welt. Interpretieren heißt die Welt arm und leer machen - um eine Schattenwelt der ?Bedeutungen? zu errichten.”
“Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen. Indem man das Kunstwerk auf seinen Inhalt reduziert und diesen dann interpretiert, zähmt man es.”
”…interpretation is the revenge of the intellect upon art (and the world).” ”Scared by true art, interpretation is our means of taming the work of art.”
Susan Sontag | Kunst und Antikunst:
24 literarische Analysen
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Der deutsche Titel dieser Essay-Sammlung aus den 1960er Jahren, die im amerikanischen Original „Against Interpretation” heißt. Übersetzt aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien. Den weltweiten Ruhm und Einfluß von Susan Sontag machen die stimulierenden Ideen aus, die sie in die Diskussion neuer kultureller Phänome eingebracht hat: ihre intelligenten Analysen von Happening, Sciencefiction, Undergroundfilm, Pornographie und Camp - die Personen und Werke von Camus, Ionesco, Beckett, Godard, Sartre u.a. betreffen - sind ein wesentlicher Beitrag in der Entwicklung der Moderne.
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Um 1960 stand das Werk von Paul Thek ganz im Schatten der amerikanischen Pop Art. Jetzt sind die Werke aus Warhols Factory zu musealen Objekten geworden, aber die Kritik an der Globalisierung ist radikaler denn je: und so ist Paul Thek wieder aktuell.
In den USA der 1960er sind Produktion, Massenkultur und Selbstverherrlichung angesagt. Doch Thek widersetzt sich der von der Pop Art proklamierten seriellen Kunst. Für ihn sind Pop-Künstler blosse Werbeagenten des Neoliberalismus. Amerikaner sein ist für Thek kein Lebensziel, auch nicht der Konsum.
Theks Antwort auf die Pop Art sind seine “technologischen Reliquien”, Fleischstücke in Graburnen aus Plexiglass …
ARTE | Kultur | Ausstellungen
| VIDEO-Reportage ansehen (wmv video)
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Das Fleisch an der Kunst
TAZ - Georg Patzer
Verfall, Tod und Mystik sind die Themen von Paul Thek.
Ein schlanker, hoher Plexiglaskasten, gelb angehaucht, stelenartig in den Himmel geschraubt. Glatt, industriemäßig sauber und ohne jede künstlerische Handschrift, wie ihn jeder Handwerker, jeder Hobbybastler nachbauen könnte: So kennt man die oft ein wenig langweilige Minimal Art. Es fehlt einfach das Fleisch in der Kunst. Das muss sich auch der amerikanische Künstler Paul Thek gedacht haben, denn auch er baute einen schlanken, hohen, gelben Plexiglaskasten und zog ihn meterweit in die Höhe. Aber genau in die Mitte, auf Augenhöhe des Betrachters, setzte er richtiges Fleisch. Sehnen, vertrocknete Adern sind zu sehen, man schwankt zwischen Faszination, Ekel und einem zustimmenden Nicken: Genau so muss man mit eingefahrenen Mustern umgehen, muss sie in einem Schwung in eine andere Richtung zerren und vor allem wieder mit Inhalt füllen.
Eine erstaunliche Vielfalt wird in der Ausstellung im ZKM sichtbar, allerdings auch erstaunliche Qualitätsunterschiede, bis hin zu seinen nichtssagenden Spätwerken, die er kurze Zeit vor seinem Aidstod 1988 gemalt hat. Ergänzt wird die Thek-Schau mit Werken von Künstlerkollegen und Bewunderern, etwa Robert Elfgen, der wie Thek eine Arche baute, oder Kippenberger und Jonathan Meese oder einem hochpolitischen Videoraum von Jon Kessler.
Dieser Teil ist dann doch recht disparat, denn aufgenommen wurden auch Werke, die die Kuratoren irgendwie “an Paul Thek erinnerten”. Das ist zwar manchmal anregend und ab und zu sogar nachvollziehbar, insgesamt allerdings etwas zu wenig, um kunsthistorischen oder -wissenschaftlichen Standards genügen zu können. Und es sieht dann doch ein wenig so aus, als hätten sie die Halle anders nicht voll bekommen.
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PAUL THEK -
HAMBURG, SAMMLUNG FALCKENBERG -
Tales the Tortoise Taught Us
The Future of the Past,
Vol. 1. Katalog
| von Margrit Brehm,
| Axel Heil & Roberto Ohrt.
| Karlsruhe/Hamburg 2007/08.
| 156 Seiten
| mit 200 meist farb.,
| teils ganzseit. Abb.,
| Bibliographie, broschiert
Es gibt Künstler, die deswegen nicht vergessen werden, weil andere Künstler sie stets als Beispiel zitieren. Paul Thek gehört dazu. Er genießt Kultstatus. Die Lücke einer Überblickspublikation wird mit diesem Buch endlich geschlossen. Es ist ein Leitfaden in drei Teilen entstanden: Margit Brehm, Axel Heil und Roberto Ort erzählen in ihrem Essay unter dem märchenhaften Titel Tales the Tortoise Taught Us (Geschichten, die uns die Schildkröte erzählte) vom ambivalenten Verhältnis des Künstlers zu seiner amerikanischen Heimat, “Turtle Island”, von Theks ungewöhnlichem, aber zugleich typischem Künstlertum in der Beat- und Hippiegeneration. Thek widersetzt sich der seriellen Kunst der Pop Art als bloßer Konsumkunst und geht eigene Wege, wie in den “technologischen Reliquien”, Theks Antwort auf die Pop Art. Der zweite Teil ist ein chronologisch geordneter Werküberblick von 1963 bis zu Paul Theks tragischen AIDS-Tod 1988. Die chronologische Biografie im dritten Teil des Buches beschreibt detailreich die Stationen seines künstlerischen Lebens, ergänzt durch zahlreiche Original-Zitate.
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Paul Thek
| Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst
| Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
| bis 14. September 2008







