Die Ausstellung „The Image as Burden“ ist die bisher umfassendste Retrospektive in Europa zum Werk von Marlene Dumas. Die Kunstschau wurde in enger Zusammenarbeit mit Marlene Dumas entwickelt und gemeinsam mit dem Stedelijk Museum Amsterdam und der Tate Modern London organisiert.
Sie zeichnet anhand einer chronologischen Ordnung ihren künstlerischen Werdegang nach. Gezeigt werden eine Auswahl von über hundert Gemälden und Zeichnungen, darunter einige selten gesehene Collagen aus ihrem Frühwerk und einige erst kürzlich entstandene Gemälde. Die Ausstellung bietet so einen umfassenden Überblick über das Schaffen der Künstlerin von der Mitte der 1970er-Jahre bis heute.
Zusätzlich zu ihren wichtigsten ikonischen Gemälden und Zeichnungen werden experimentelle Collagen aus ihrem Frühwerk sowie einige ganz neu entstandene Gemälde zu sehen sein. Es ist eine aussergewöhnliche Kombination von Unmittelbarkeit und Intimität, welche das Werk von Marlene Dumas auszeichnet. Ohne Vorbehalt, manchmal herausfordernd, zuweilen mit Humor, begegnet Dumas den Menschen in ihren Bildern. Dumas lässt die Autonomie der Farbe zu, behält dabei aber immer die menschliche Figur in ihrem Blick- und Bildfeld. Ihre Arbeiten zeigen eindrücklich, was Malerei heute noch zu leisten vermag.
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Stedelijk Museum Amsterdam | bis Januar 2015
Tate Modern, London | bis Mai 2015
Fondation Beyeler, Riehen/Basel | bis 6. September 2015
Die in Amsterdam lebende Künstlerin Marlene Dumas zählt zu den herausragendsten und einflussreichsten Malerpersönlichkeiten unserer Zeit. Marlene Dumas ist in Südafrika aufgewachsen und hat an der Universität von Kapstadt studiert. 1976 verliess sie Südafrika und siedelte in die Niederland über, wo sie bis heute lebt.
1979 fand in einer Pariser Galerie ihre erste Einzelausstellung statt. Mitte der 1980er-Jahre erlangte Marlene Dumas Bekanntheit durch ihre Folgen von Gemälden und Zeichnungen, bei denen die menschliche Figur im Mittelpunkt steht. Seit damals wurden ihrem Werk zahlreiche Ausstellungen in Museen in Europa und den USA gewidmet. 1992 nahm Marlene Dumas an der Documenta IX in Kassel teil und 1995 an der Biennale in Venedig, wo sie auch in diesem Jahr einen Raum eingerichtet hat.
In den letzten Jahren wurden ihrem Schaffen grosse Ausstellungen in Europa, den USA und Japan gewidmet. Ihre Werke sind weltweit in Privatsammlungen und Museen wie z.B. dem MoMA, New York, der Tate Modern London und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München vertreten.
Broschiert 196 Seiten 258 Abbildungen Hatje Cantz Verlag Sprache: Deutsch 23 x 2 x 29,9 cm
Facettenreiche Begleitpublikation zu Dumas’ bislang größter Retrospektive in Europa. Die Monografie mit retrospektivem Charakter wurde in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entwickelt und stellt mehr als 100 zentrale Werke vor, die von den späten 1970er-Jahren bis heute entstanden sind. Begleitende Essays untersuchen zentrale Themen und Motive ihres Werkes ebenso wie ihre gesamte künstlerische Laufbahn.
In Marlene Dumas Frühwerk findet man vermehrt konzeptuelle, graphische und collageartige Arbeiten. Sie zeigen bereits ihr Interesse für Sprache und vielschichtige Bedeutungsebenen, die charakteristisch für ihr Schaffen bleiben sollten. In Einzel- und Gruppenporträts befasst Dumas sich mit aktuellen und zeitlosen, allen vertrauten Themen, wie Liebe, Tod, Identität und Trauer. Ein seit ihrer Jugend eigen angelegtes Bildarchiv nutzt Dumas als Ausgangslage für ihre Gemälde und Aquarelle. Oft bezieht sie sich auf aktuelle Krisen und Ereignisse in der Gesellschaft ebenso wie auf die Kunstgeschichte. Zu ihrem Archiv gehören private Familienfotos, kunsthistorische Vorlagen und Fotografien aus der Presse. Ausgehend von dokumentarischen Fotografien aus Zeitungen und Magazinen transformiert Dumas mit ihrer malerischen Geste das Abbild in ein unheimliches, fesselndes und berührendes Bild auf der Leinwand — was Stilllegung der Zeit in der Fotografie ist, erweckt Dumas in ihrer Malerei zum Leben.
Marlene Dumas verwendet die traditionellen Techniken der Malerei, meist ist es Tusche auf Papier oder Ölfarbe auf Leinwand. Die Tusche verteilt sie behutsam am Boden kniend auf grossen Papierbögen mit viel Wasser, setzt Linien und Farben expressiv und gezielt ein, lässt aber die Autonomie der Farbe zu. Je nach Stelle erscheinen Farbe, Oberfläche und Material mehrdeutig oder rätselhaft. Dabei dominiert eine abwechslungsreiche Palette an Farbtönen und Kontrasten. Expressive Farben wechseln mit fast transparenten Nuancen ab, die die Leinwand scheinbar von innen leuchten lassen.
Dumas setzt geschundene Körper und markante Gesichter, dann wiederum sehr zerbrechlich oder leblos anmutende Geschöpfe ins Bild. Sie führt vor Augen, wie malerische Schönheit auch Schreckensszenen darstellen kann. In neuen, noch nie gezeigten Arbeiten befasst sie sich vermehrt mit dem Verhältnis von Figur und Raum in ihren Bildern.
In den 1980er Jahren waren in der zeitgenössischen niederländischen Kunst Formalismus und Neoexpressionismus sehr präsent. Marlene Dumas jedoch fand in Filmen der Nouvelle Vague, in der Philosophie und Popmusik alternative Bezugsrahmen für ihr Schaffen. In Amsterdam konnte sie endlich Originale alter und neuer europäischer und amerikanischer Kunst sehen, die sie bis dahin nur von Reproduktionen her kannte. Genauso aufgeschlossen wie sie gegenüber verschiedensten künstlerischen Strömungen und Epochen war, genauso prägend war für sie die Flut von Medienbildern, die sie im Gegensatz zu ihrem Heimatland, dem damaligen Apartheid-Staat Südafrika, nun in Europa in grösserer Vielfalt und Menge erlebte. Amsterdam war für Marlene Dumas ein idealer Ort, um sich mit der Wahrnehmung von Bildern und deren malerischer Umsetzung auseinanderzusetzen.
Während der 1970er und 1980er Jahre warfen die sogenannte Pictures Generation in den USA mit Künstlern wie Richard Prince oder Barbara Kruger durch die Wiederholung von Bildmotiven und der Verwendung von bereits existierendem Bildmaterial einen kritischen Blick auf kommerzielle Medien und die westliche Konsumkultur. Marlene Dumas‘ Schaffen besitzt zwar durch ihre Arbeitsweise mit fotografischen Vorlagen eine konzeptuelle Nähe zur Pictures Generation, die Konsequenz ihrer Hinwendung zur Malerei, mit der sie insbesondere der figürlichen Malerei neues Gewicht gab, macht sie jedoch zu einer Ausnahmekünstlerin.
Fondation Beyeler
MARLENE DUMAS – The Image as Burdon
bis 6. September 2015
Öffnungszeiten: täglich 10—18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr Das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet.
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