Italienische MALEREI der 1920er Jahre – Unheimlich REAL

Museum Folkwang, Essen | bis 13. Januar 2019

Ubaldo Oppi - Die Frau des Künstlers vor venezianischer Kulisse, 1921, 
Ausschnitt, Privatsammlung, Rom | Foto: Carlo Baroni, Rovereto

Die große Herbst-/Winterausstellung „Unheimlich real“ präsentiert erstmalig in Deutschland eine umfangreiche Präsentation mit mehr als 80 Gemälden des Magischen Realismus, einer in Deutschland noch nahezu unbekannten Kunstbewegung im Italien der 1920er Jahre. Besucher_innen können eine Stilrichtung der Klassischen Moderne neu entdecken.


Herausragende Werke wichtiger Protagonisten wie Felice Casorati, Antonio Donghi und Ubaldo Oppi sind ebenso in der Schau vertreten wie die einflussreichen Gemälde von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà.

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Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges kehren in Europa und darüber hinaus viele Künstler_innen zu einer realistischen Darstellung zurück und wenden sich endgültig vom Expressionismus ab. Anknüpfend an die metaphysische Malerei von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà sowie den im Pariser Neoklassizismus ausgerufenen „rappel à l‘ordre“, also die Rückkehr zur Ordnung, lassen die Maler_innen auf ihren Gemälden die Zeit stillstehen. Sie fügen ihren realistischen Darstellungen eine traumhafte, unheimliche, mitunter befremdliche Anmutung hinzu.

Die Gemälde zeigen ihre Gegenstände klar und deutlich, atmosphärisch und thematisch bleiben sie jedoch rätselhaft. Entstanden sind stimmungsvolle Bilder von hoher malerischer Qualität in zuweilen einnehmend leuchtenden Farben. Voraussetzung war die Beschäftigung der Künstler_innen mit der Malerei des Quattrocento, beispielsweise von Piero della Francesca oder Masaccio, an deren detailgetreuer Abbildung und perspektivischer Zeichnung sie anknüpfen.

Es sind stimmungsvolle Bilder von verstörender Schönheit. Giorgio de Chiricos rätselhafte Szenografien verwaister Plätze inspirieren die Künstler_innen genauso zu ihren Bildwelten wie Carlo Carràs stilistische Anknüpfung an die Meister des Quattrocento. Sie changieren zwischen Melancholie und Idylle, zwischen Zivilisationsmüdigkeit und Fortschrittspathos. Altmeisterlich ist ihr Farbauftrag, klassisch sind ihre Motive: Es entstehen Stillleben, Porträts, Interieurs und Akte.

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Museum Folkwang, Essen | bis 13. Januar 2019

Unheimlich REAL

Italienische MALEREI der 1920er Jahre

Pressetext: Museum Folkwang www.museum-folkwang.de
Kuratorin: Anna Fricke

KATALOG | Unheimlich real: Italienische Malerei der 1920er Jahre

Gebundene Ausgabe
276 Seiten
104 Abbildungen in Farbe
Verlag: Hirmer
Sprache: Deutsch
24 x 28 cm

Der Band stellt die in Deutschland bisher wenig bekannte Kunstrichtung am Beispiel von 90 Gemälden in opulenten Tafeln und anschaulischen Bilderläuterungen umfassend vor. Hauptwerke der Protagonisten Ubaldo Oppi, Antoni Donghi und Felice Casorati treten mit Werken von Giorgio de Chirico oder Giorgio Morandi in Dialog.

In Deutschland entwickelt sich die Neue Sachlichkeit, in Frankreich vermehren sich neoklassizistische Tendenzen und in Italien entsteht der Magische Realismus.

Der Begriff „Magischer Realismus“, vom Kunsthistoriker Franz Roh 1925 geprägt, beschreibt diese rätselhafte Atmosphäre, in welcher die Dinge in der Schwebe bleiben: „Mit ‚magisch‘ im Gegensatz zu ‚mystisch‘ sollte angedeutet sein, dass das Geheimnis nicht in die dargestellte Welt eingeht, sondern sich hinter ihr zurückhält.“

Mit der Machtübernahme Mussolinis 1922 entwickelt sich die Kunst in Italien vor der Folie einer faschistisch geprägten Gesellschaft. Es mag an der politischen Situation dieser Jahre gelegen haben, dass die durch ihre Zweideutigkeit häufig Befremden auslösenden Gemälde in den letzten Jahrzehnten wenig beachtet worden sind.

VIDEO | Magischer Realismus im Museum Folkwang

Die Gemälde sind direkt, präsentieren die Gegenstände klar und deutlich und scheinen doch das Wesentliche zu verbergen. Geschlossene Bücher, Musikinstrumente, Masken und Maskeraden sind ein ebenso wiederkehrendes Bildsujet wie verzerrte Perspektiven und Draperien.

Sie weisen auf etwas Entscheidendes hin: die Künstler_innen spielen mit den vermeintlichen Gegensätzen zwischen Realität und Künstlichkeit, vermischen Vordergründigkeit und Abgründigkeit.

Die Ausstellung gibt erstmals in Deutschland einen breiten Überblick über den Magischen Realismus und zeigt herausragende Werke der Hauptvertreter über Antonio Donghi, Felice Casorati, Gino Severini und Edita Broglio bis hin zu bekannteren Künstler_innen wie Giorgio Morandi, Giorgio de Chirico und Carlo Carrà.


Cagnaccio di San Pietro -L'Alzana (1926) Zwei Treidler
Fondazione di Venezia, Courtesy Collezione della Fondazione di Venezia
[Public domain] via wikimedia

Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, kehren europaweit sowie in den USA viele Künstler ab 1918 zu einer realistischen Darstellung zurück und wenden sich zunehmend vom Expressionismus ab. Die Darstellung der Realität ist in Italien von besonderer Intensität: Anknüpfend an die metaphysische Malerei von Giorgio de Chirico und den im Pariser Neoklassizismus ausgerufenen „rappel à l‘ordre“, also die Rückkehr zur Ordnung, lassen die Maler_innen auf ihren Gemälden die Zeit stillstehen. Sie fügen ihren realistischen Darstellungen eine traumhafte, unheimliche, mitunter verstörende Anmutung hinzu. Unter der glatten Oberfläche lauert stets der Abgrund, hinter dem Vertrauten lauert das Unheimliche.

Entstanden sind stimmungsvolle Bilder von enormer malerischer Qualität in einnehmenden Farben. Aus einer Beschäftigung mit Künstler_innen des Quattrocento wie Piero della Francesca und deren detailgetreuer Abbildung und perspektivischer Zeichnung, entwickeln die Protagonist_innen des Magischen Realismus‘ Stillleben, Porträts, Szenen des häuslichen Lebens, Architekturdarstellungen und Akte. Hinzu kommt das Spiel mit Masken und Maskeraden, welche die Verwischung der Realität motivisch ins Bild bringen. Anhand der vielfältigen Themengruppen und Motive wird offenbar, dass der Magische Realismus keineswegs eine in sich geschlossen Gruppe von Künstler_innen bezeichnet.

Der vom Kunsthistoriker Franz Roh 1925 geprägte Begriff „Magischer Realismus“, beschreibt eine rätselhafte Atmosphäre, in welcher die Dinge in der Schwebe bleiben: „Mit ‚magisch‘ im Gegensatz zu ‚mystisch‘ sollte angedeutet sein, daß das Geheimnis nicht in die dargestellte Welt eingeht, sondern sich hinter ihr zurückhält.“


Die deutsche Parallelbewegung Neue Sachlichkeit

konnte sich im Kino der Weimarer Republik als ein Hauptidiom der ambitionierten Bewegtbildkunst etablieren. Ein Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit im Film ist Regisseur Georg Wilhelm Pabst, von dem Geheimnisse einer Seele (1926) stammt.

Einen besonderen Platz nimmt hier Menschen am Sonntag (1930) ein, mit dem Robert Siodmak, Edgar Georg Ulmer und Rochus Gliese einen Hybrid aus Spiel- und Dokumentarfilm über ein Berliner Arbeiter- und Kleinbürgerwochenende zwischen Bahnhof Zoo und Wannsee schufen.

VIDEO | Menschen am Sonntag ( Robert Siodmak )

„Eine halbdokumentarische Collage aus Spielszenen und Sozialreportage, durch Bildverismus, Darstellung und Vermittlung sozialer Realität eines der herausragenden Werke der deutschen Stummfilm-Avantgarde.

Die präzisen und authentischen Beobachtungen aus dem Milieu der Angestelltenkultur, beispielhaft für die gesellschaftliche Entwicklung der späten 20er Jahre, haben den Charakter eines historischen Dokuments; der Inszenierungsstil des Films, der seine Episoden aus dem Flair der Originalschauplätze und der spontanen Selbstdarstellung seiner Laienschauspieler entwickelt, beeinflußte den poetischen Realismus im Frankreich der  30er Jahre und wirkte stilbildend für den italienischen Neorealismus.“
[ Lexikon des Internationalen Films ]

DVD | Menschen am Sonntag
Limitiertes Mediabook. Restaurierte Fassung [DVD + Blu-ray]

Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Atlas Film
Erscheinungstermin: 26. Oktober 2018
Produktionsjahr: 1929
Spieldauer: 74 Minuten

Bonusmaterial:
Dokumentation „Week-End am Wannsee“: Hintergründe zum Film und zu den Musikern; Deutsche Zwischentitel; Filmfotos

Der Film „Menschen am Sonntag“ schildert halbdokumentarisch das Leben junger Menschen in der Metropole Berlin Ende der 1920er Jahre. Vier der fünf Hauptdarsteller standen das erste Mal vor der Kamera. Die junge Christl Ehlers hatte ein Jahr zuvor eine Hauptrolle in dem Märchenfilm Frau Holle gespielt. Berlin-historisch ist der Film sehenswert aufgrund der authentischen Bilder aus dieser Zeit, vom Bahnhof Zoo, dem Bahnhof Nikolassee, der Havel am „Großen Fenster“ und Wannsee.

Der spätere Oscarpreisträger Billy Wilder verfasste das Drehbuch mit Robert Siodmak nach einer Idee von Roberts Bruder Curt Siodmak. Die Brüder Siodmak machten ebenfalls Karriere im deutschen wie im amerikanischen Film. Edgar G. Ulmer drehte in Hollywood vor allem B-Filme. Seine Entstehungsgeschichte macht den Film zu einem der ersten Independent-Filme und zu einem Vorläufer des Neorealismus der Nachkriegszeit.


Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen

Öffnungszeiten:
Di – So 10 – 18 Uhr
Do und Fr 10 – 20 Uhr
Mo geschlossen

Feiertage während der Laufzeit
Geöffnet: Tag der Deutschen Einheit (3.10.), Allerheiligen (1.11.), Totensonntag (25.11.), Zweiter Weihnachtsfeiertag (26.12.), Neujahr (1.1.)

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