OTTO DIX – Der böse Blick – Düsseldorfer Jahre

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf | bis 14. Mai 2017

Otto Dix 1919, Fotograf unbekannt (Otto Dix Stiftung / Foto Kunstsammlung NRW)

Die intensiven Düsseldorfer Schaffensjahre des Künstlers von 1922 – 1925 bilden das Zentrum dieser 230 Werke umfassenden Ausstellung. Zu sehen sind Porträts, in denen er seine Mitmenschen schonungslos im Bild fixierte und vom Glanz und Elend der 1920er Jahre erzählen. 


Otto Dix (1891-1969), berühmter Maler und berüchtigter Bürgerschreck, verbrachte von Herbst 1922 bis November 1925 intensive Schaffensjahre in Düsseldorf. Als Mitglied der revolutionären Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“ entwickelte er seine kritische Handschrift, die ihn in der Kunst des 20. Jahrhunderts unverkennbar macht.

Dieser künstlerisch wie menschlich prägenden Phase widmet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick. Gezeigt werden ca. 200 Gemälde, Aquarelle und Grafiken aus nationalen und internationalen Sammlungen. Neben Gemälden, Aquarellen und Grafiken ist sein berühmter Radierzyklus „Der Krieg“ zu sehen, in dem Dix drastisch mit der modernen Kriegsmaschinerie des 1. Weltkrieges abrechnet.

Als der mittellose Dix im Oktober 1921 das erste Mal aus Dresden nach Düsseldorf kam, erhoffte er sich im Rheinland Ausstellungsmöglichkeiten und lukrative Porträtaufträge. Mit großem Ehrgeiz und noch größerer Arbeitswut entwickelte er sich in den folgenden drei Jahren vom expressiv-veristischen Dadaisten zum neusachlichen Porträtisten: Schonungslos fixierte er seine Mitmenschen auf der Leinwand.

Als er 1925 – charakterlich und künstlerisch gereift – nach Berlin ging, eilte ihm sein gesellschaftskritischer Ruf voraus.

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen präsentiert mit Otto Dix – Der böse Blick die erste monografische Ausstellung über diese außerordentlich produktiven Jahre des Künstlers. Im Anschluss reist die Ausstellung weiter zur Tate Liverpool.  („Portraying a Nation: Germany 1919 – 1933, 23. Juni – 15. Oktober 2017)

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Kunstsammlung NRW, K20 Düsseldorf | bis 14. Mai 2017

OTTO DIX – Der böse Blick

Pressetext: Kunstsammlung NRW, K20 Düsseldorf www.kunstsammlung.de/otto-dix
Kuratorin: Susanne Meyer-Büser

KATALOG | Otto Dix – Der böse Blick

LESEPROBE

Gebundenes Buch, Pappband
240 Seiten
153 farbige Abbildungen
120 s/w Abbildungen
Prestel Verlag
Deutsch / Englisch
27,5 x 2,4 x 23,9 cm

Die erste Monografie über die produktiven Düsseldorfer Jahre des Künstlers.

Otto Dix verbrachte von 1922 bis 1925 sehr erfolgreiche Jahre in Düsseldorf und entwickelte in dieser Zeit seinen unverkennbaren kritischen Stil.

In der Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick stellt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen erstmals umfassend die Werke aus dieser kurzen aber intensiven Phase in den Mittelpunkt und macht ihre internationale Strahlkraft erlebbar.

Die Ausstellung untersucht die Zusammenhänge zwischen individueller künstlerischer Produktivität, ästhetischen und gesellschaftlichen Fragestellungen sowie die Einflüsse von Unterstützern und persönlichen Lebensumständen.

VIDEO | Otto Dix. Der böse Blick - Ausstellungsfilm der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Der junge Maler und Grafiker aus Dresden kam im Oktober 1921 nach Düsseldorf: Er war ein zwar mittelloser, allerdings nicht mehr ganz unbekannter Künstler, der sich im Rheinland bessere Ausstellungsmöglichkeiten und Aufträge erhoffte. Mit größtem Ehrgeiz wandelte er sich in den kommenden drei Jahren vom expressiv-veristischen Dadaisten zu einem kritischen Porträtisten der Neuen Sachlichkeit, der seine Mitmenschen schonungslos im Bild fixierte. Als er – persönlich und künstlerisch gereift – 1925 nach Berlin umsiedelte, eilte ihm der Ruf seines „bösen Blicks“ voraus.

Die erste Kontaktaufnahme zur Düsseldorfer Kunstszene fand Anfang 1920 über Conrad Felixmüller statt, der Dix mit Otto Pankok, Gert Wollheim und anderen Künstlern der avantgardistischen Gruppe „Das Junge Rheinland“ zusammenbrachte. Dazu gehörte auch die Kunsthändlerin Johanna Ey, deren Galerie in dieser Zeit ein lebendiger Treffpunkt der jungen rheinischen Künstler wurde.

Johanna Ey setzte sich besonders für die Karriere des noch in Dresden lebenden Künstlers ein. Hatte Dix hier unter der Unverkäuflichkeit seiner Arbeiten gelitten, so wendete sich im Rheinland das Blatt: Bereits im September 1920 meldete ihm Johanna Ey erste Verkäufe. Als sie Dix schließlich kennenlernt, war sie von dem dandyhaften jungen Mann fasziniert. Sie gab ihm Obdach in einem Nebenzimmer ihrer Galerie und machte ihn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten ihres Kunsthandels.

Zu den frühen Förderern gehörte auch der Sammler und Arzt Dr. Hans Koch, der bereits vor Johanna Ey Kontakte zur Dresdener Kunstszene hatte und sich 1921 von Dix porträtieren ließ. Martha Koch, Ehefrau des Sammlers, wurde in dieser Zeit Dix´ Geliebte – beide heirateten im Frühjahr 1923. Dies schadete allerdings weder der geschäftlichen noch privaten Beziehung aller Beteiligter. Die drei Jahre in Düsseldorf waren für Dix von immenser Produktivität und einer ganzen Reihe herausragender künstlerischer Phasen geprägt: So entstand bis 1923 der Großteil aller je von ihm geschaffenen Aquarelle.

Ab 1922 besuchte Dix die Düsseldorfer Kunstakademie; ausgesprochen wichtig war ihm der Unterricht in druckgrafischen Techniken. Die dort erlernte Aquatinta-Technik setzte er etwa für seinen berühmten Radierzyklus Der Krieg (1924) ein, in dem Dix drastisch mit der modernen Kriegsmaschinerie abrechnet.

VIDEO | Otto Dix. Der Krieg [ Staatliche Kunstsammlungen Dresden ]

2014 jährte sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Aus diesem Anlass untersuchten Restauratoren, Kunsthistoriker und Historiker mehr als zwei Jahre lang Vorgeschichte, Entstehungsprozess und Rezeptionsgeschichte von Otto Dix‘ epochalem Triptychon „Der Krieg“.

Die Ergebnisse wurden vom 5. April bis 13. Juli 2014 in der Ausstellung Otto Dix. Der Krieg – Das Dresdner Triptychon im Albertinum vorgestellt. Entwürfe und Vorstudien verdeutlichen den erstaunlichen Entwicklungsprozess, den das Werk von den ersten Skizzen bis zu seiner Vollendung durchlief. Auch Zeichnungen, Gouachen sowie zeithistorische Dokumente sind zu sehen.

Die inspirierende und ermutigende Düsseldorfer Kunst- und Galerienszene, die materielle Sicherung und das neue private Glück: Alles zusammen bewirkte eine Stabilisierung der Lebensumstände und sogar eine gewisse Etablierung in der Gesellschaft – Faktoren, die den Mal- und Porträtstil im Laufe der Jahre weiter veränderten.

Dix wandte sich ab 1924 der Neuen Sachlichkeit zu und setzte für seine zunehmend kühleren, analytischen Porträts eine altmeisterliche Lasurtechnik ein. Bis heute gilt Otto Dix als der berühmt-berüchtigte Porträtist, der seine Modelle jenseits jedweder gängiger ästhetischer Normen kritisch und „mit bösem Blick“ in Szene setzte.

 


Der schonungslose Maler | Eine arte-Dokumentation

[ zu sehen noch bis SO 02 MRZ 17 ]

Die Dokumentation arbeitet mit Zitaten aus Briefen und Interviews, zeigt gefilmtes Archivmaterial des Künstlers, in dem er über sein Werk spricht. Neben der Auseinandersetzung mit Gewalt und Krieg legt der Film ein besonderes Augenmerk auf die Rolle seiner Familie. „Otto Dix – Der schonungslose Maler“ zeichnet Otto Dix’ Schaffensprozess nach und zeigt, wie sehr die Erfahrungen und persönlichen Erlebnisse des Künstlers Eingang in sein Werk fanden.

VIDEO | Otto Dix – Der schonungslose Maler, 45 min., Regie: Nicola Graef, 2017

Besonders bedeutsam und prägend für sein Gesamtwerk ist sein Einsatz als Soldat im Ersten Weltkrieg, den er von Anfang bis Ende erlebte. Nach dem Kriegsende beschäftigte er sich mit den Kriegsheimkehrern und traumatisierten Verwundeten. In kaum aushaltbarer Weise zeigt Dix die brutale Fratze des Krieges.

Mit dem wachsenden Nationalsozialismus und der Machtergreifung Hitlers ist die Karriere für Otto Dix vorbei. Dix wird als einer der Ersten als entartet gebrandmarkt, seine Werke finden bereits Eingang in die erste Ausstellung zur entarteten Kunst in Dresden.


Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Öffnungszeiten
dienstags bis freitags 10-18 Uhr
samstags, sonntags, feiertags 11-18 Uhr
montags geschlossen

Eintrittspreise
Erwachsene: 12,- €
Ermäßigt: 10,- €

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