YOKO ONO | Half-A-Wind SHOW. Eine RETROSPEKTIVE

YOKO ONO - Walking On Thin Ice, 1981 [ film still ]

Zum 80. Geburtstag von Yoko Ono zeigt die Frankfurter SCHIRN Kunsthalle eine umfassende Retrospektive. Es wird eine charakteristische Auswahl der letzten 60 Jahre ihres Schaffens präsentiert und so die mediale Vielfalt im Werk der Künstlerin sowie die zentralen Themen ihres OEuvres beleuchtet. 

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Die Frankfurter Ausstellung bietet einen nahezu vollständigen Überblick über den vielfältigen Kosmos der Künstlerin, die als Wegbereiterin der frühen Konzept-, Film- und Performancekunst, aber auch als zentrale Gestalt der Musik, der Friedensbewegung und des Feminismus gilt und bis heute eine bedeutende Position im aktuellen Kunstgeschehen einnimmt.

Besondere Aufmerksamkeit legt die Retrospektive auf Yoko Onos Werke aus den 1960er- und 70er-Jahren, ihren Einfluss auf Fluxus-Bewegung, Konzept- und Performancekunst, Environments, Film, Musik, ihren Einsatz für den Frieden sowie ihr Engagement, diesen bahnbrechenden Ideen den Weg zu bereiten. Auch mehrere große Installationen und andere aktuelle Werke werden in der Ausstellung zu sehen sein.

Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog im Prestel Verlag, herausgegeben von Ingrid Pfeiffer und Max Hollein. Die Publikation gibt einen Überblick über das Werk der Künstlerin und beleuchtet in mehreren Essays die zentralen Themenbereiche ihres Gesamtkonzepts, insbesondere Film, Musik und Intermedia. Autoren sind Kathleen Bühler, Jörg Heiser, Jon Hendricks, Ingrid Pfeiffer, Kerstin Skrobanek und Lisa Beißwanger.

KATALOG | Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive
Gebundenes Buch, Pappband,
208 Seiten,
300 farbige Abbildungen
Verlag: Prestel Verlag
Sprache: Deutsch

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Die erste deutschsprachige Publikation über ihr umfangreiches und vielfältiges Werk.  Die anlässlich ihres 80. Geburtstags erscheinende Publikation präsentiert eine charakteristische Auswahl der letzten 60 Jahre ihres Schaffens und beleuchtet so die mediale Vielfalt im Werk der Künstlerin sowie die zentralen Themen ihres OEuvres. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf den Arbeiten aus den 1960er- und 70er-Jahren, ihrem Einfluss auf Fluxus-Bewegung, Konzept- und Performancekunst, Environments, Film und Musik sowie ihrem Einsatz für den Frieden. Dies ist die erste Werkübersicht zu Yoko Ono in deutscher Sprache.

 

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Schirn Kunsthalle, Frankfurt | 15.02. - 12.05.2013

YOKO ONO | Half-A-Wind SHOW

Eine RETROSPEKTIVE

Pressetext: Schirn Kunsthalle, Frankfurt

Yoko Ono ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Rund 200 Objekte, Filme, raumfüllende Installationen, Fotos, Zeichnungen und Textarbeiten sowie ein eigener Musikraum beleuchten innerhalb der Ausstellung die mediale Vielfalt in Onos Werk sowie die zentralen Themen ihres Œuvres. Besondere Aufmerksamkeit legt die Retrospektive auf Yoko Onos Arbeiten aus den 1960er- und 1970er-Jahren.

Zu sehen sind u. a. richtungsweisende Werke wie die 1961 und 1962 erstmals ausgestellten „Instructions for Paintings“, die „Performance Cut Piece“ (1964/65) oder das 1964 erschienene Buch „Grapefruit“, das Onos maßgebliche Bedeutung für die Avantgarde-Szene in Japan und den USA sowie für die Fluxus-Bewegung um George Maciunas festigte.

Komponistin, Filmemacherin, Fluxus-Künstlerin: Yoko Ono machte sich schon vor der Heirat mit John Lennon in Künstlerkreisen einen Namen. Ihr New Yorker Loft wird Anfang der 1960er Jahre zum Treffpunkt der avantgardistischen Kunstszene mit zahlreichen Happenings und Performances. Doch Ono arbeitete auch konzeptionell: 1962 werden in Tokyo erstmals ihre „Instructions for Paintings“ ausgestellt.

BUCH | Grapefruit: A Book of Instructions and Drawings by Yoko Ono

yoko-ono-grapefruit-buch-1964.jpg

Tunafish
Sandwich
Piece

Imagine one thousand suns in the
sky at the same time.
Let them shine for one hour.
Then,
let them gradually melt
into the sky.
Make one tunafish sandwich and eat.

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Burn this book after you´ve read it.“ – Yoko Ono

This is the greatest book i´ve ever burned.“ – John Lennon

Einige der darin enthaltenden Werke gingen bis auf das Jahr 1953 zurück. Ihr Œuvre erschien in diesem Künstlerbuch kapitelweise als Musik, Malerei, Event, Poesie und Objekt, womit sie eine Verbundenheit mit allen Kunstgattungen dokumentierte. Die Verfransung der unterschiedlichen Darstellungsmedien bis hin zur Auflösung ihrer Grenzen blieb für sie bis heute ein Anliegen

Auch mehrere große Installationen und aktuelle Arbeiten der weltberühmten Künstlerpersönlichkeit werden in der Ausstellung präsentiert. Die Installation und Performance „Moving Mountains“ ist von Yoko Ono speziell für die Frankfurter Ausstellung entwickelt worden.

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VIDEO | Schirn Kunsthalle, Frankfurt | YOKO ONO | Half-A-Wind SHOW 2013

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Yoko Ono

IMAGINE PEACE

Die in Japan und den USA aufgewachsene Yoko Ono gehört zu den Pionieren der Konzeptkunst. Als erste Frau wurde sie 1952 zum Philosophiestudium an der Gakushin-Universität in Tokio zugelassen. Kurz darauf widmete sie sich in den USA der Kompositionslehre und dem kreativen Schreiben. Später lebte sie in New York, wo sie zur Protagonistin der Avantgarde-Szene um Musiker wie John Cage, den Fluxus-Begründer George Maciunas oder den Filmemacher Jonas Mekas wurde.

Als Wegbereiterin der gesellschaftspolitisch orientierten Kunst der 1960er-Jahre hat Yoko Ono Performance und Konzeptkunst ganz wesentlich mit ins Leben gerufen und formal geprägt.  In öffentlichen Aktionen setzt sich Yoko Ono zudem immer wieder vehement für Umweltschutz, Frieden und Menschenrechte ein. Zunächst in Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann John Lennon, mit dem sie bis zu dessen gewaltsamem Tod zahlreiche Sessions spielte und Aufnahmen machte, avancierte Ono ebenfalls zur weltberühmten Poplegende, die bis heute unter verschiedenen Pseudonymen an musikalischen Projekten arbeitet — zuletzt nahm sie 2012 ein gemeinsames Album mit Thurston Moore und Kim Gordon von Sonic Youth auf.

VIDEO | YOKO ONO with Thurston Moore & Kim Gordon: ‚Mulberry‘
(Live at Orpheum Theater)

Die beiden Sonic-Youth-Musiker treffen auf die prominente Fluxuskünstlerin. Mit Yokokimthurston präsentiert sich ein New Yorker Avantgardetreffen der ganz besonderen Art. Dabei ist ein Zusammenkommen der beiden Sonic-Youth-Granden Kim Gordon und Thurston Moore mit der Allroundkünstlerin Yoko Ono so zwingend und perfekt wie überfällig. Man fragt sich wirklich, warum sich die drei künstlerisch nicht schon vorher über den Weg gelaufen sind.

Yokokimthurston by Yoko Ono, Kim Gordon, Thurston Moore (2012) Audio CDTONTRÄGER | Yokokimthurston

by Yoko Ono, Kim Gordon, Thurston Moore (2012) Audio CD

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Aufgenommen wurde Yokokimthurston 2011 in Manhattans Sear-Sound-Studio, der Lead-Gesang stammt von Yoko Ono, der Hintergrundgesang und die Gitarren von Gordon und Moore. Es ist ein wilder Zusammenstoß von Liedformen, Poesie, Free-Rock und glossalischen Fantasien. Seit den frühen Werken der Plastic Ono Band klang die US-japanische Fluxuskünstlerin nicht mehr so rau und wild. Die drei harmonieren und kommunizieren dabei derartig einfühlsam miteinander, als spielten sie schon ewig zusammen.

Als „berühmteste unbekannte Künstlerin“ beschrieb John Lennon seine Frau Yoko Ono schon 1971 anlässlich ihrer ersten Museumsausstellung im Everson Museum of Art in Syracuse, New York. Das Werk der in New York lebenden Künstlerin basiert vor allem auf Ideen und auf sprachlichen Anweisungen zu utopischen oder auch ausführbaren Aktionen. Gelegentlich manifestiert sich die Idee in einem zwei- oder dreidimensionalen Gegenstand, doch viele der poetischen, klugen oder ungewöhnlichen Ideen oder Anweisungen („Instructions“) bleiben in einem Zustand des „Fast“ oder „Vielleicht“. Manche verraten einen subtilen Humor, manche heftige Gesellschaftskritik, sie sind politisch, feministisch, meist zutiefst menschlich.

yoko-ono-gemaelde-das-nur-existiert-wenn-es-kopiert-wird-1964.jpg

1962 wurden in Tokio erstmals Yoko Ono´s „Instructions for Paintings“ ausgestellt, kleine kalligrafierte Blätter, auf denen sie über die spirituelle Verwandlung von Malerei durch technische Reproduzierbarkeit meditiert.

Besonders spannend ist Yoko Onos Beitrag zur Frage von Kopie und Original. Eine ihrer „Instructions“ bezieht sich auf ein „Gemälde das nur existiert wenn es kopiert oder fotografiert wird“. Hier sind wir wohl am programmatischen Kern ihrer Kunst: “ Lass Leute deine Gemälde kopieren oder fotografieren. Zerstöre die Originale.“  [ Rainer B. Schossig für DEUTSCHLANDRADIO Kultur | Beitrag lesen ]

Zu den frühesten Werken der Künstlerin zählt eine Serie aus Gemälden mit dazugehörigen Anweisungen an die Betrachter, die bereits 1961 in Maciunas? New Yorker AG Gallery gezeigt wurden. Den Fluxus-Gründer hatte Ono bei den Chambers Loft Series kennengelernt: In ihrem New Yorker Atelier in der Chambers Street fanden im Winter 1960/61 eine Reihe von Abendveranstaltungen mit experimenteller Musik und Performances statt, zu denen auch Künstler wie Max Ernst und Marcel Duchamp erschienen. In den folgenden Jahren war Ono mit zahlreichen Arbeiten in Fluxus-Editionen vertreten und nahm an vielen Ausstellungen teil, ohne sich aber als festes Mitglied einer Gruppierung zu begreifen.

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VIDEO | Cut Piece | ca. 1966 | Performance Carnegie Hall London
[ audio Yoko Ono – Darkness Georgia Stone ]

Das Publikum kann nach eigenem Ermessen mit Scheren Onos Kleidung, Haare, Fingernägel usw. abschneiden.

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Das Einbeziehen des Betrachters und die Aufforderung, das Kunstwerk mittels eigener Handlungen entweder zu vervollständigen oder überhaupt erst in Gänze zu realisieren, gehört zum grundlegenden Konzept der Kunst Yoko Onos. Das gilt auch für ihre zahlreichen Performances und besonders jene aus der frühen Zeit. Eine der spektakulärsten war „Cut Piece“, aufgeführt in Kyoto, Tokio und New York (1964 und 1965), in der das Publikum eingeladen wurde, der still auf der Bühne sitzenden Künstlerin mit scharfen Scheren die Kleider vom Leib zu schneiden. Themen wie das Ausgeliefertsein, die Rolle der Frau und Gewalt wurden dabei auf subtile Weise visualisiert.

Zu Yoko Onos frühesten Installationen zählt „Half-A-Room“ von 1967, in der in Hälften geschnittene und weiß gestrichene Möbel ein poetisches Ensemble bilden. Auf eindringliche Weise thematisierte sie darin den Verlust der „Ganzheit“ des Menschen und die Sehnsucht nach Vervollständigung. Viele Objekte Onos arbeiten mit dem Impuls des Betrachters, durch eine aktive Vervollständigung — sei es durch eine Handlung oder rein gedanklich — zu reagieren. Damit verbunden sind weitreichende Überlegungen zur Rolle des Betrachters, der Kunst, des Künstlers und des Kunstwerks.

Eine große Rolle für Onos Bedeutung in der aktuelleren Kunstgeschichte spielen auch ihre Filme, beispielsweise „Rape“ (1969), in dem die Kamera zum Verfolger wird, oder der berühmte Film „Fly“ (1970), in dem eine Fliege in Nahaufnahme gezeigt ist, die über den nackten Körper einer Frau kriecht, wodurch ungewöhnliche und fremde „Körperlandschaften“ zu entdecken sind. In Filmen wie „One (Match)“ (1966), der das Zünden und Abbrennen eines Streichholzes in Nahaufnahme und extremer Zeitlupe zeigt, konzentriert sich die Künstlerin auf minimale Handlungsabläufe, die durch die Sparsamkeit der eingesetzten filmischen Mittel poetische Wirkung erzielen und Einsichten in umfassendere Zusammenhänge fördern.

Onos Werk ist geprägt von Dualismen, der Beschäftigung mit den Elementen und mit Grundsatzfragen des menschlichen Seins. Zahlreiche Arbeiten kreisen um Licht und Schatten, Wasser und Feuer sowie Luft und Himmel. Auch das Zerstören und das Heilen sowie die Balance spielen eine wichtige Rolle in ihrem Konzept.

Yoko Ono / John Lennon - War Is Over, 1969

Bei zeitgenössischen Künstlern wie beispielsweise Alan Kaprow oder Claes Oldenburg waren die Happenings eher nach außen gerichtet und fußten trotz des neuen Mediums letztlich auf westlicher Kunsttradition. Der Ansatz Yoko Onos hingegen war es, sich vor allem mit sich selbst zu befassen und an verschiedenen Methoden mentaler Bewusstseinsbildung zu arbeiten. Die Suche nach einem Ausgleich der Gegensätze und der Versuch der Vereinigung oder Einheit mit der Welt sowie der künstlerische Verweis auf die Abwesenheit dieses Idealzustandes verbindet viele ihrer Werke. Damit folgt sie einem zentralen Ziel der Zen-Philosophie.

„Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive“ — der Titel zitiert eine frühere Ausstellung von Ono in London in der Lisson Gallery im Jahr 1967— präsentiert neben vielen wichtigen frühen Werken Yoko Onos auch einige Installationen der 1990er-Jahre bis in die Gegenwart, darunter Balance Piece von 1997, zu dem die Künstlerin bereits 1958 die dazugehörige „Instruction“ verfasst hat. Für das ebenfalls in Frankfurt gezeigte Water Event hat Ono andere Künstler eingeladen, Gefäße bereitzustellen, die sie anschließend mit Wasser (oder der Vorstellung von Wasser) füllen kann. Solche Gemeinschaftsaktionen sind auch der im Foyer der Schirn inszenierte Wish Tree sowie Aktionen im Frankfurter Stadtraum, in denen große Plakatwände die Betrachter zu Tätigkeiten auffordern wie DREAM, SMILE oder FEEL. In der Rotunde der Schirn ist die Installation Morning Beams (1996/97) zu sehen, in der aus großer Höhe gespannte Taue Sonnenstrahlen symbolisieren.

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VIDEO | John Lennon – Instant Karma! (We All Shine On!) 1970

The track features a version of the ever-changing Plastic Ono Band – Lennon on lead vocals, acoustic guitar and electric piano, Billy Preston on grand piano, Klaus Voorman on bass guitar and backing vocals, Alan White on drums, George Harrison on electric guitar and backing vocals, Yoko Ono on backing vocals.

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In einem separaten Raum wird darüber hinaus Onos umfassende Musikproduktion ab den 1960er-Jahren bis heute dokumentiert. Von frühen Aufführungen neuer experimenteller Musik über gemeinsame Sessions mit John Lennon bis hin zu der Disco-New-Wave Hit-Single „Walking on Thin Ice“ (1981) oder Veröffentlichungen der Yoko Ono/Plastic Ono Band werden dabei die zahlreichen musikalischen Projekte und Kooperationen der Künstlerin sichtbar und hörbar.

Die Kuratorin der Ausstellung Dr. Ingrid Pfeiffer betont: „Ein Werk, das häufig zur Immaterialität neigt, dessen Material weniger aus Objekten und Installationen, sondern in großen Teilen aus Ideen und Texten besteht, ist nicht leicht zu präsentieren. Umso mehr freut es mich, dass es uns in enger Zusammenarbeit mit Yoko Ono und ihrem Kurator Jon Hendricks gelungen ist, die prägnanten Themen und inhaltlichen Leitmotive dieser einzigartigen Künstlerin in der Schirn Kunsthalle vollständig erlebbar zu machen.“

Die von der Schirn Kunsthalle konzipierte Retrospektive wird anschließend am Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, in der Kunsthalle Krems sowie am Guggenheim Museum in Bilbao zu sehen sein.

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