Jul
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Paul Thek - Artist´s Artist
Juli 8, 2008 |
KUNSTSCHAU Hamburg | Jens Ullheimer | PT ZKM Karlsruhe |
Mit der Ausstellung “Paul Thek - Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst” wurden Ende Mai 2008 die umgebauten und erheblich erweiterten Räumlichkeiten der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg neu eröffnet. Damit entstand die größte private Kunsthalle Norddeutschlands.
Die zuvor im ZKM Karlsruhe gezeigte Thek-Schau ist nun im Hamburger Süden bis zum 14. September 2008 zu sehen.
Der amerikanische Künstler Paul Thek (1933-1988) genießt unter den zeitgenössischen Künstlern Kultstatus – durch sein spannungsreiches Œuvre, in dem er Themen und Symbole aus Religion, Kunst, Theater und Literatur aufgreift, nimmt sein Werk bis heute bedeutenden Einfluss auf die Gegenwartskunst. Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und raumgreifende Environments gehören gleichermaßen zu Theks Ausdrucksmitteln. Seine Kunstwerke zeigen sich mystisch, religiös und kritisch sozialen Ungerechtigkeiten wie auch der Kunstwelt gegenüber, wobei er mitunter widersprüchlich zwischen nomadieserendem Hippietum und verklärendem Charismatiker pendelt, aber auch nicht selten eine Portion Melancholie und Humor in seine Werke mit hinein spielt.
Bekannt wurde Paul Thek mit der Serie Technological Reliquaries (Technologische Reliquienschreine) – Plexiglaskästen mit realistisch anmutenden Fleischstücken aus Wachs, die er zum ersten Mal 1964 in New York ausstellte. Mit Hilfe der Kontraste von Material und Inhalt bewegt sich Thek mit diesen Objekten - wie auch mit der legendären Installation Tomb (1967) - gleichzeitig zwischen dem scheinbar Realem und dem offensichtlich Artifiziellem.

“In New York beginnt Thek an einem Abguß seines ganzen Körpers sowie an einer Serie abgegossener Körperteile in Plexiglaskasten zu arbeiten, wobei ihm der Künstler Neil Jenney assistiert. Es entsteht sein erstes Environment, The Tomb (Das Grab), das aus einem hölzernen, rosa gestrichenen Zikkurat und seinem Körperabguß besteht. Auch The Tomb kann als Parodie auf die Miminal Art gesehen werden. The Tomb beginnt seine Ausstellungsreise 1967 in der Stable Gallery und im Whitney Museum of American Art in New York, wo es in The Tomb – Death of a Hippie (Das Grab – Tod eines Hippies) umbenannt-wird, was Thek ein Dorn im Auge ist. `Das Grab hatte nie etwas mit Hippies zu tun… Die Presse hat das angezettelt’, schreibt er auf einer Postkarte an den Kunstkritiker Robert Pincus-Witten. Der schreibt im November 1967 in Artforum: Einerseits findet er [Thek] obsessive und feine Ausflüchte, was die theatralische Konfrontation mit scheinbar nicht vorauszusehenden Situationen und Objekten betrifft, und andererseits versucht er, eine unveränderliche und gelassene Welt zu schaffen, die selbst eine Metapher für Ich-Verlust (Schizophrenie) und Tod (katatonische Paralyse) ist.’ The Tomb wird erneut 1968 in der Ausstellung The Obsessive Image 1960-1968 im Institute of Contemporary Art in London gezeigt.”
Dem Katalog “Paul Thek - The wonderful world that almost was” entnommen, der anlässlich der Retrospektive des amerikanischen Künstlers erschienen ist [Witte de With, center for contemporary art, Rotterdam (03.06.95-08.10.95).
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Die Auswahl der zeitgenössischen, jüngeren Künstler ergibt sich aus ihrer Verwandtschaft zu den genannten Aspekten in Theks heterogenem Schaffen. Ausgehend und beeinflusst von den Ansätzen dieses “Künstler-Künstlers” zeigen sich ihre Arbeiten ohne Anspruch auf Vollständigkeit als selbstständige Positionen im gegenwärtigen Kunstbetrieb, dessen Praktiken heute deutlich andere sind als zu Theks Zeiten. Vor diesem Hintergrund unternimmt die Ausstellung den Versuch, das Werk Paul Theks aus einer neueren, aktualisierten Perspektive in den Blick zu nehmen.
Mit über 350 Kunstwerken ist die Ausstellung die bisher umfassendste Werkschau von Paul Thek. Ein Großteil der mitunter äußerst fragilen Kunstwerke von Paul Thek, aber auch der hier ausgestellten Gegenwartskünstlern, befindet sich in Privatbesitz und wurde daher der Öffentlichkeit bisher nur selten gezeigt.
THEK - Bilderstrecke | ZKM Karlsruhe
VIDEOs | ZKM Karlsruhe
Paul Thek
- Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst
| Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
| bis 14. September 2008
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Paul Thek | Artist’s Artist
Edited by Harald Falckenberg
und Peter Weibel
| 550 Seiten
| 300 color illus.
| 200 s&w illus.
Thek´s Behandlung des Körpers in Arbeiten wie “Technologische Reliquienkästchen,” mit ihren castings und Repliken von menschlichen Körperteilen, Gewebe und Knochen, rufen die Aura von christlichen Reliquien herbei und sehen die Arbeit von Damien Hirst voraus. Mit mehr als 500 Abbildungen (300 in Farbe) und neunzehn Essays von: Jean-Christophe Ammann, Margrit Brehm, Bazon Brock, Suzanne Delehanty, Harald Falckenberg, Marietta Franke, Stefan Germer, Kim Gordon, Roland Groenenboom, Axel Heil, Gregor Jansen, Mike Kelley, John Miller, Susanne Neubauer, Kenny Schachter, Harald Szeemann, Annette Tietenberg, Peter Weibel, Ann Wilson.
Zwanzig Jahre nach dem Tod von Thek durch AIDS können wir jetzt seinen Einfluss auf zeitgenössische Künstler wie Vito Acconci und Bruce Nauman Matthew Barney, Mike Kelley, und Paul McCarthy, sowie Kai Althoff, Jonathan Meese, und Thomas Hirschhorn erkennen. Dieses Buch bringt mehr als 300 Arbeiten von Thek zusammen - von denen viele hier zum ersten Mal veröffentlicht werden - und bietet damit die bislang umfassendste Zusammenstellung seiner Arbeit. Das Buch, das die Ausstellungen im ZKM | Museum der Zeitgenössischen Kunst, Karlsruhe und in der Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg begleitet, präsentiert die Arbeit von Thek im Dialog mit zeitgenössischer Kunst junger Künstler und schließt Malerei, Skulptur, Zeichnung, und Installationsarbeit, sowie Fotografien ein.
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Mach Schluss mit dir selbst | Vater der Subversion: Paul Thek
TAGESSPIEGEL online | Carmela Thiele
Rund 300 Exponate wurden zusammengetragen, Skizzenbücher lassen sich elektronisch durchblättern, jede Menge Leinwände, sogar Bronzeplastiken und ein paar kleinere Environments geben einen Eindruck von der ausufernden Produktion Theks. Dazu begnügte sich der Initiator, der Hamburger Sammler Harald Falckenberg, nicht mit einer monographischen Werkschau. Sie ist eingebettet in zum Teil raumgreifende Installationen eines illustren Kreises von Künstlern, die sich zu Thek bekennen: etwa Mike Kelley, Franz Ackermann, Gregor Schneider, Thomas Hirschhorn und Jonathan Meese.
Wozu das alles? Um dem 1988 an Aids gestobenen Künstler posthum Ehre angedeihen zu lassen? Um sein kompromissloses Werk als Leuchtturm für orientierungslose Kunststudenten aufzurichten? Dem entleerten Kunstbetrieb neuen Geist einzuhauchen? „Ein Statement wie Theks ,Get over yourself’ war und ist für junge Künstler zu Beginn der neunziger Jahre ein Motto, das heute, 15 Jahre später schon fast wieder exotisch wirkt, wo das Betriebssystem die Arbeit im Studio völlig aufgefressen hat“, erklärt Axel Heil, selbst Künstler, Professor in Karlsruhe und Thek-Fan die subversive Wirkung des Künstler-Künstlers. Nachdem Mike Kelley zu Beginn der neunziger Jahre einen Aufsatz über den mehrfachen documenta-Teilnehmer veröffentlicht hat, gehörte die Legende Thek zum Palaver am „campfire“ der Studios. Da war es tatsächlich einem Künstler in den sechziger Jahren gelungen, das Zeitkorsett der Institutionen zu brechen und die Ausstellungsräume als Atelier zu übernehmen - ganz abgesehen von seiner totalen, wilden Stillosigkeit.
Nun sitzen wir alle mit am „campfire“. In Zeitlupe tanzt ein Langhaariger in Parka und Jeans zu „Mr. Bojangles“, dem Song über die freien, aber armen Outcasts dieser Welt.
Gerne hätte man mehr erfahren über den damaligen Kontext des Werks von Thek, seine Freundschaft zu Eva Hesse und Susan Sontag, über jene Zeit als das Pop-Environment und das Happening in New York Konjunktur hatten. Denn die „Meat-Pieces“ des deutschstämmigen New Yorkers sind von einem romantischen Tiefgang, der in den USA nur bedingt Anklang fand. Die Serie von 1966, auch „Technological Reliquaries“ genannt, menschliche Fleischfragmente, nachgebildet aus Wachs und präsentiert in transparenten Plexiglas-Zylindern spielen auf den Tod im scheinbar Lebendigen an, auf die „Zahlen und Figuren“, die die Oberhand gewonnen und das nackte Leben auf die hinteren Plätze verwiesen haben. Romantisch ist auch der universell-religiöse Charakter vieler Enviroments, den der katholisch geprägte Künstler immer wieder in Anlehnung an fremde Kulturen suchte.
„Heute geht es darum, dass wir unsere Sinne wiedererlangen. Wir müssen lernen mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen“,
schrieb Susan Sontag 1964 in ihrem Paul Thek gewidmeten Aufsatz „Against Interpretation“ mit dem berühmten Schlusssatz:
„Statt einer Hermeneutik brauchen wir eine Erotik der Kunst.“
Sie empfiehlt den Kunstkritikern und Museumsleuten ein beschreibendes, kein vorschreibendes Vokabular. Doch gilt vielleicht gerade für Thek heute das Gegenteil. Wenn sein Werk nicht gedeutet wird, bleibt es nebulös.
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Susan Sontag widmete Paul Thek ihren Klassiker “Gegen die Interpretation / Against Interpretation”. In diesem Manifest greift sie den zeitgenössischen akademischen und kritischen Umgang mit Kunst und namentlich Literatur scharf an. Dieser bestehe darin, die Form und sinnliche Gegenwärtigkeit eines Kunstwerkes als lästiges Beiwerk beiseitezuräumen, um sich seinem vermeintlich ›eigentlichen‹ Kern, dem Inhalt, zuwenden zu können.
“Die Interpretation ist eine radikale Taktik der Konservierung eines alten Textes, der für zu kostbar gehalten wird, als daß er einfach abgelehnt werden könnte und der deshalb neu aufpoliert wird.”
“In einer Kultur, deren bereits klassisches Dilemma die Hypertrophie des Intellekts auf Kosten der Energie und der sensuellen Begabung ist, ist Interpretation die Rache des Intellekts an der Kunst.”
“Mehr noch. Sie ist die Rache des Intellekts an der Welt. Interpretieren heißt die Welt arm und leer machen - um eine Schattenwelt der ?Bedeutungen? zu errichten.”
“Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen. Indem man das Kunstwerk auf seinen Inhalt reduziert und diesen dann interpretiert, zähmt man es.”
”…interpretation is the revenge of the intellect upon art (and the world).” ”Scared by true art, interpretation is our means of taming the work of art.”
Susan Sontag | Kunst und Antikunst:
24 literarische Analysen
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Der deutsche Titel dieser Essay-Sammlung aus den 1960er Jahren, die im amerikanischen Original „Against Interpretation” heißt. Übersetzt aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien. Den weltweiten Ruhm und Einfluß von Susan Sontag machen die stimulierenden Ideen aus, die sie in die Diskussion neuer kultureller Phänome eingebracht hat: ihre intelligenten Analysen von Happening, Sciencefiction, Undergroundfilm, Pornographie und Camp - die Personen und Werke von Camus, Ionesco, Beckett, Godard, Sartre u.a. betreffen - sind ein wesentlicher Beitrag in der Entwicklung der Moderne.
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Um 1960 stand das Werk von Paul Thek ganz im Schatten der amerikanischen Pop Art. Jetzt sind die Werke aus Warhols Factory zu musealen Objekten geworden, aber die Kritik an der Globalisierung ist radikaler denn je: und so ist Paul Thek wieder aktuell.
In den USA der 1960er sind Produktion, Massenkultur und Selbstverherrlichung angesagt. Doch Thek widersetzt sich der von der Pop Art proklamierten seriellen Kunst. Für ihn sind Pop-Künstler blosse Werbeagenten des Neoliberalismus. Amerikaner sein ist für Thek kein Lebensziel, auch nicht der Konsum.
Theks Antwort auf die Pop Art sind seine “technologischen Reliquien”, Fleischstücke in Graburnen aus Plexiglass …
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Das Fleisch an der Kunst
TAZ - Georg Patzer
Verfall, Tod und Mystik sind die Themen von Paul Thek.
Ein schlanker, hoher Plexiglaskasten, gelb angehaucht, stelenartig in den Himmel geschraubt. Glatt, industriemäßig sauber und ohne jede künstlerische Handschrift, wie ihn jeder Handwerker, jeder Hobbybastler nachbauen könnte: So kennt man die oft ein wenig langweilige Minimal Art. Es fehlt einfach das Fleisch in der Kunst. Das muss sich auch der amerikanische Künstler Paul Thek gedacht haben, denn auch er baute einen schlanken, hohen, gelben Plexiglaskasten und zog ihn meterweit in die Höhe. Aber genau in die Mitte, auf Augenhöhe des Betrachters, setzte er richtiges Fleisch. Sehnen, vertrocknete Adern sind zu sehen, man schwankt zwischen Faszination, Ekel und einem zustimmenden Nicken: Genau so muss man mit eingefahrenen Mustern umgehen, muss sie in einem Schwung in eine andere Richtung zerren und vor allem wieder mit Inhalt füllen.
Eine erstaunliche Vielfalt wird in der Ausstellung im ZKM sichtbar, allerdings auch erstaunliche Qualitätsunterschiede, bis hin zu seinen nichtssagenden Spätwerken, die er kurze Zeit vor seinem Aidstod 1988 gemalt hat. Ergänzt wird die Thek-Schau mit Werken von Künstlerkollegen und Bewunderern, etwa Robert Elfgen, der wie Thek eine Arche baute, oder Kippenberger und Jonathan Meese oder einem hochpolitischen Videoraum von Jon Kessler.
Dieser Teil ist dann doch recht disparat, denn aufgenommen wurden auch Werke, die die Kuratoren irgendwie “an Paul Thek erinnerten”. Das ist zwar manchmal anregend und ab und zu sogar nachvollziehbar, insgesamt allerdings etwas zu wenig, um kunsthistorischen oder -wissenschaftlichen Standards genügen zu können. Und es sieht dann doch ein wenig so aus, als hätten sie die Halle anders nicht voll bekommen.
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PAUL THEK -
HAMBURG, SAMMLUNG FALCKENBERG -
Tales the Tortoise Taught Us
The Future of the Past,
Vol. 1. Katalog
| von Margrit Brehm,
| Axel Heil & Roberto Ohrt.
| Karlsruhe/Hamburg 2007/08.
| 156 Seiten
| mit 200 meist farb.,
| teils ganzseit. Abb.,
| Bibliographie, broschiert
Es gibt Künstler, die deswegen nicht vergessen werden, weil andere Künstler sie stets als Beispiel zitieren. Paul Thek gehört dazu. Er genießt Kultstatus. Die Lücke einer Überblickspublikation wird mit diesem Buch endlich geschlossen. Es ist ein Leitfaden in drei Teilen entstanden: Margit Brehm, Axel Heil und Roberto Ort erzählen in ihrem Essay unter dem märchenhaften Titel Tales the Tortoise Taught Us (Geschichten, die uns die Schildkröte erzählte) vom ambivalenten Verhältnis des Künstlers zu seiner amerikanischen Heimat, “Turtle Island”, von Theks ungewöhnlichem, aber zugleich typischem Künstlertum in der Beat- und Hippiegeneration. Thek widersetzt sich der seriellen Kunst der Pop Art als bloßer Konsumkunst und geht eigene Wege, wie in den “technologischen Reliquien”, Theks Antwort auf die Pop Art. Der zweite Teil ist ein chronologisch geordneter Werküberblick von 1963 bis zu Paul Theks tragischen AIDS-Tod 1988. Die chronologische Biografie im dritten Teil des Buches beschreibt detailreich die Stationen seines künstlerischen Lebens, ergänzt durch zahlreiche Original-Zitate.
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Paul Thek
| Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst
| Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
| bis 14. September 2008





